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28. Dezemvev
1622
Das LZ«â.
— An der französischen Nordküste und er dem Kanal wütet ein furchtbarer Sturm. 15 England werden große Verkehrsstörun- n infolge Schneeverwehungen gemeldet.
— Eine Schiffskatastrophe im Marmara- i' eer hat 40 Todesopfer gefordert.
— Das amerikanische Luftschiff „Los igeles" berichtet drahtlos, daß es bis jetzt ine Spur von dem Flugzeug der Frau rayfon gefunden habe.
— Der Kongreß der französischen Sozialen behandelte gestern außenpolitische Fra- n und finanzielle Probleme.
— Die Haussuchungen im Elsaß sind stern fortgesetzt worden.
— Europäer in Schantung bestätigen e Meldung der Gesellschaften zur Linderung :r Hungersnot, daß vier Millionen der Be- ilkerung am Verhungern sind.
^ombrtsaèèsrtStt ÄDes Die KZtt- wÄtzten
Zu einer in der Presse nufgelauchlen Behaup- mg, wonach zwischen Reichsaußenminister Dr. lresemann und dem französischen Außenminister riand bei der letzten Ratslaoung in Genf eine Ver- nbarung über den deutschen und den französischen - lahltermia getroffen worden sei und zwar in dem ii inne, daß es wünschenswert sei, wenn bald nach e» französischen Wahlen anfangs Mai auch in )eulschland die politischen Verhältnisse durch eine leumahl geklärt würden, bemerkt die „Tägliche lundschau . daß es sich hierbei um reine öom- inaiionen handle. Von irgendwelchen verein- arungen könne schon deshalb nicht die Rede sein, ;ell die Ansehung des Reuwohltermins von dem Hißen des Reichsaußenminislers in keiner Weise ab- ängig sei. So viel sei sicher, daß der Reichstag mker allen Umständen zusammengehalten werden nässe, bis der Reichshaushallsplan von 1928 verab- chiedet sei.
Me BesättssfLöKs f« AttsSÄttds- smSsWe
Die „Tägl. Rundschau" teilt mit, daß die Be- 'atungsstelle für Ausländsanleihen voraussichtlich rm 6. 3anuar eine Sitzung abhalten werde, auf leren Programm nicht nur die Besprechung der end- lülligen Ergebnisse der Rundfrage über die furj- ristigen kommunalschulen stehe, sondern auch die Beschlußfassung über eine Anzahl wichtiger größerer iluslandsanleihevorhaben. hierbei handelte es sich um eine Girozentrale-Anleihe, einige Auslanos- anleihen von Großstädten, den Versuch einer gemeinsamen Provinzial-Auslandsanleihe und die Befchaf- fung von Auslandsgeld für Straßenbau.
Ksue DeMattDMtt^Stt WssMsms mH dsM KskG om dè§ âvZegs- Wie der „Demokratische Leitungabienft" erfährt, werden in der nächsten Zeit neue Verhandlungen Preußens mit dem Reich stattfinden, und zwar sollen
* dabei im besonderen die aus dem verlorenen Kriege für Preußen entstandenen Vermögensschäden erörtert werden. Die preußische Staatsregierung hat dem Landtag eine Denkschrift vorgelegt, in der diese Schäden auf 324 Milliarden Mark beziffert werden. Darin sind jedoch enthalten rund eine Milliarde Mark für das Saarvermögen des preußischen Staates. Diese Summe wird bei den kommenden ' Verhandlungen nicht in Ansatz gebracht werden. Weiter wird die Frage der Eisenbahnentschädigungen eine Rolle spielen. Es wird angenommen, daß diese Frage mit Preußen nicht allein verhandelt wird, sondern daß zur Klärung dieser Angelegen- i heit eine Konferenz der beteiligten Länder stattfin-
: den wird. Die Entschädigung soll durch einen laufenden Zinsendienst erfolgen, und auf preußischer Seite wird man dafür einen Zinssatz von 4 Prozent in Vorschlag bringen. Schließlich wird bei den kommenden Verhandlungen auch die Frage der Biersteuergemeinschaft eine Rolle spielen. Der augenblickliche Stand dieser Angelegenheit ist der, daß die preußische Klage vor dem Staatsgerichts- Hot noch schwebt. Die Reichsregierung hatte um eine Fristverlängerung für die Beantwortung der preußischen Klageschrift bis nach Neujahr gebeten.
Die ÄSVwattrsnssvekosm in Kesrett
Der Vorstand des Hessischen Landgemeindetages hielt dieser Tage in Frankfurt eine Sitzung ab, in der man sich hauptsächlich mit der allerseits ange- strebten Vereinfachung der Verwaltung beschäftigte und einhellig zu der Auffassung kam, daß die finanzielle Lage der Gemeinden dazu dränge, auch in Ahnen aus eine Vereinfachung hinzuarbeiten. Man kam aber zu dem Schluß, daß besonders in den Landgemeinden nicht sehr, viel an der Verwaltung selbst gespart werden könne, sondern es müsse eine Vereinfachung der Geschäfte herbeigeführt werden, über die der Vorstand demnächst der Regierung geeignete Bo tief) läge machen wird. Es wird eine durchgreifende Veränderung des Aufbaues der ganzen Verwaltung unter dem Gesichtspunkt größtmög- lichster Sparsamkeit in Frage kommen. Dabei soll ruch die Ausschaltung kleinlicher, das Sâstver« ^valtungsrecbt der Gemeinden bis jetzt einschränkend
Außenpolitische Kragen
Sttf dem ssr. Navisttas io SvankveiK
Paris, 27. Dez. In der Nachmittagssttzung des außerordentlichen sozialistischen Parteitages wurden, nachdem bereits oormitags der Abgeordnete Zyromski lebhafte Kritik am Versailler Vertrag und am Völkerbund geübt hatte, zum Teil auch außenpolitische Fragen angeschnitten, auf die des näheren ßéon Blum und Panl-Boncour eingingen. Blum bezeichnete als Pfeiler der internationalen sozialistischen Aktion das Genfer Protokoll und die Abrüstung. Sobald die Rheinland- und Saarfragen durch die Räumung liquidiert seien, müßte Frankreich nach dem Beispiel Belgiens die Dienstzeit herabsetzen und die nationale Miliz einführen.
Paul-Boncour wies darauf hin, daß die Besetzung des linken Rheinufers aufgrund eines Abkommens bestehe, dem Deutschland selber beigetre- ten sei und das die Räumung abhängig mache von der Organisierung der Sicherheit in der entmilitarisierten Zone mittels der Kontrolle eines internationalen Ausschusses. 3m übrigen warnte er vor der übereilten Forderung auf Revision der Verträge, weil diese der Funke zu einem neuen Weltbrand werden könne. Man müsse die Zeit arbeiten lassen. Der Völkerbund sei die gegebene Instanz. Wenn der Völkerbund eine Krise durchmache, so liege das nicht an ihm selber, sondern an der Verschiedenheit der in ihm vertretenen Regierungen. Erst wenn die demokratischen oder proletarischen Parteien die Regierungsgewalt übernommen hätten, werde der Völkerbund gerettet sein. 3m entgegengesetzten Falle gebe
Hungersnot in rSrhantung
Peking, 27. Dez. (Reuter). Europäer in Schau- tunâ bestätigen die Meldung der Gesellschaften zur Linderung der Hungersnot, daß vier Millionen der Bevölkerung nahe am verhungern sind. 3n 35 Bezirken von den 107 Bezirken der Provinz Schantung sind weniger als 10 Prozent der Ernte ein- gebracht worden, während in 30 anderen Bezirken der Betrag sich zwischen 10 und 40 Prozent bewegt. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt bereits von Baumrinde und Spreu. Der schlimmste Punkt ist noch nicht erreicht. Früher wohlhabende Bauern verschleudern ihre Viehbestände für geringfügige Beträge um auszuwandern. Die Lokalbehörden geben der Dürre und dem Heuschreckenfraß schuld an der
der Bestimmungen und Befugnisse der Aufsichtsbehörden in Frage kommen. Auch die Frage der Lockerung der Zwangswirtschaft in den Gemeinden des flachen Landes, soweit dort die Wohnungsnot als behoben gelten kann, soll zur Verhandlung kommen. Schließlich wurde auch die Erhöhung der Umlagen zur Hessischen Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte besprochen.
SesMnsevttns dev âSSnsv lMmschttttgstt
Paris, 28. Dez. Die „Qournée industrielle" meldet, daß die Verhandlungen über die Verlängerung der Kölner Abmachungen, die Kohlen und Koks als Reparationslieferungen vorsehen, die am 31. Dez. ablaufen, zürn Erfolg geführt haben. Nach Zustimmung der deutschen und französischen Regierung wird das Abkommen bis zum 31. Januar 1928 verlängert.
Ein SrrMSttm dsv Si«aès- dswoSvatts
75 Jahre lange Verhandlungen um 60 Einwohner.
Die „Tägl. Rundschau" schreibt: Die Notwendigkeit einer Verwaltungsreform zeigt sich am augenfälligsten bei einem Blick auf die Karte des Deutschen Reiches, die 196 Enklaven bzw. Exklaven aufweist. Hier wird die Reform der Verwaltung zuerst einzusetzen, wird allerdings anscheinend hier auch sehr große Schwierigkeiten zu überwinden haben. Jedenfalls stellte der thüringische Innenminister im Hinblick auf weitere Forderungen zu den Verhandlungen über den Gebietsaustausch an der sächsischthüringischen Grenze im thüringischen Landtage fest, daß seine Bemühungen auch sonst im Lande mit den „fremdstaatlichen Einsprengungen" aufzuräumen, bei Preußen durchweg auf Abneigung gestoßen seien. In Preußen scheint die Staatsbürokratie noch besonders fest im Sattel zu sitzen. Jedenfalls kann sie jetzt ein nicht alltägliches Jubiläum feiern, die 75jährige Dauer von Staatsverhandlungen um ein verhältnismäßig geringfügiges Objekt.
Seit 1852 wird zwischen preußischen, weimari- chen und altenburgischen Behörden um das preu- rische Dörfchen Kischlitz an der thüringisch-preu? zischen Grenze bei Schkölen, eine Gemeinde mit 60 Seelen und einer Flur von 142 Hektar in ungünstiger Lage verhandelt. Kischlitz war bis 1815 kur - sächsisch und gehörte zum Amt Weißenfels. Kirchen - und Schulort war das Dorf Dothen, zum Anlle Tautenburg gehörig. Beide Orte kamen 1815 zunächst an Preußen, jedoch wurde Dothen an Sachsen-Weimar abgetreten, während Kischlitz als LUM Amte Weißenfels gehörig bei
er nicht viel für das Friedenswerk des Völkerbundes. Der Verwirklichung der gewünschten Fortschritte stehe oft die heimliche und zähe Aktion der Kanzleien und Botschaften im Wege, die, anstatt den verantwortlichen Regierungen zu dienen, ihnen bisweilen sogar entgegen arbeiteten.
Nach den Ausführungen Paul-Boncours wurde die Debatte über das Parteiprogramm für geschlossen erklärt. Morgen wird der Ausschuß mit der Wahltaktik sich beschäftigen.
Das Krttansvvosvamw -ev -sriaMiMe« pavtei
Paris, 27. Dez. Der außerordentliche sozialistische Parteitag hat heute einstimmig eine Entschließung betreffend das Finanwrogramm der Partei angenommen, das die Regelung der interalliierten Schulden fordert. Solange jedoch das System der Sonderregelungen bestehe und der Dawesplan in Kraft bleibe, werde die Sozialistische Partei keine Schuldenregelung annchmen, die nicht der Zahlungsfähigkeit Frankreichs entspreche und der Möglichkeit Rechnung trage, Devisen nach Amerika zu transferieren, ohne die Sicherheit der französischen Währung zu gefährden.
Das Programm fordert weiter die Währungsund Wirtschaftsstabilisierung und eine außerordentliche persönliche Abgabe vom erworbenen Vermögen.
Hungersnot. Wie die Europäer erklären, ist sie aber hauptsächlich auf den Bürgerkrieg zurückzu- führen. Es besteht keine Hoffnung, in Ehina selbst die Geldmittel aufzubringen, um große Massen der Bevölkerung vor dem drohenden Tode zu retten. Hilfe vom Auslande wird dringend gebraucht. Truppen und Banditen verschärfen noch die Rotlage im Hungerbezirk und machen es dabei unmöglich. Die großangelegten Hilfsmaßnahmen unter ausländischer Leitung durchzuführen, wie etwa den Bau von Straßen und Kanälen. Aebnliche Verhältnisse herrschen in Tamingfu im südlichen Tschili, wo nur 20 Prozent der Ernte eingebracht werden konnten.
Preußen blieb. So kam die Exklave Kisch- l i tz zustande, die nun für ihren Kirchen- und Schulart Dothen zur „ausländischen Gemeinde" wurde und außerdem noch an altenburgisches Gebiet grenzte. Bald zeigten sich Unzuträglichkeiten bei den kirchlichen Wahlen. Die Bewohner von Kischlitz wurden nach weimarischem Rechte nicht befriedigend an der kirchlichen Vertretung beteiligt. Der Wunsch zur Ausschulung von Dothen komplizierte die Sache weiter, und etwa vom Jahre 1852 wurden um das 60 Einwohner zählende Dörfchen und seine Kirchen- und Schulverhältnisse wahre Staatsaktionen notwendig.
Ein stattliches Aktenstück wuchs an, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wurden Vergleiche und Staatsverträge in langwierigen Schriftstücken und mündlichen Verhandlungen vorbereitet und wieder verworfen, weil man sich über die Abfindungssumme in Höhe von 2000 Mark nicht einigen konnte. Preußische Kommissare hielten von Jahrzehnt zu Jahrzehnt mit weimarischen Vorbesprechungen, aber an ein Vorwärtskommenwar nicht zu denken. Kompliziert wurde der Fall vor allem dadurch, daß Sachsen-Altenburg ins Spiel kam, weil die Gemeinde Kischlitz die Einsch u l ung in das altenburgische Dorf Petersbera wünschte, das nur 10 Minuten entfernt ist, während das wei- marische Dothen % Stunden weit liegt. Der Regierungspräsident in Merseburg, das evangelische Konsistorium in Magdeburg, das Kultusministerium in Berlin, von den preußischen Lokalbehörden zu schweigen, das Sachsen-Weimarische Ministerium und das Altenburgische mußten immer wieder ausgedehnte Verhandlungen führen, Gutachten nusarbeiten, auf alte Verträge zurückgreifen und neue entwerfen, die doch immer wieder an großen juristischen Schwierigkeiten scheiterten. Im Weltkriege ruhten die Verhandlungen. Gleich nach dem Kriege kamen sie wieder in Fluß und sind es — noch heute! Von 1852 bis 1927! Noch heute ist Kischlitz nicht nach Dothen eingepfarrt und eingeschult. Doch nehmen die Kinder des Dorfes gegen Zahlung des „F r e m d e n s ch u l g e l d e s" bereits am Unterricht der Schule in Petersberg teil, wo die Einwohner gewöhnlich auch die Kirche besuchen.
Vielleicht bringt die jüngst im Preußischen Landtage von der Deutschen Volkspartei eingebrachte Entschließung, schleunigst für Austausch von Enklaven und den wirtschaftlichen Erfordernissen entsprechende Grenzregulierungen zu sorgen, auch hier endlich die den Belangen der betroffenen Bevölkerung dienende Lösung. Darüber hinaus muß eine allgemeine Regelung der Frage der Einsprengungen Platz greifen.
KvanLveèchs âamvf gegen
Sie ettüsstkche Autonomie
Als am 11. November 1918 der Waffenstillstand in Kraft trat, da das linke Rheinufer der Entente auslieferte, waren in Paris die sonst immer verhüllten Statuen des Elsaß und Lothringens reichlich mit frischem Grün geschmückt. Ganz Paris pilgerte zu dem Triumphbogen hin, um die solange „verlorenen Töchter" zu begrüßen und seiner Freude über ihre Rückkehr zum alten Mutterlande Ausdruck zu geben. Auch in Elsaß und Lothringen herrschte eitel Freude, glaubte man doch allgemein, daß nunmehr auch die! letzten Forderungen, die das Deutsche Reich s noch nicht zugestanden hatte, erfüllt und bald ein „selbständiges Elsaß Lothringen" geschaffen würde.
Es sollte ganz anders kommen. Nur zu bald zeigte es sich, daß man in Frankreich weder im Volke noch viel weniger bei der Regierung Verständnis für dis in gewisser Hinsicht vollauf berechtigten Wünsche der Elsässer hatte. Schon bald begann der Kampf Frankreichs gegen die Muttersprache des größten Teiles der Bevölkerung, das Deutsche. Noch im Januar 1919 wurde die Landessprache in Verwaltung, Gericht und Schule durch die französische Nationalsprache ersetzt; alle Hinweise, daß viele Leute das Französische überhaupt nicht verständen, wurden nicht beachtet. Bald ging man dazu über, die bisherigen noch aus der deutschen Zeit übernommenen Beamten weit nach Frankreich hinein zu versetzen und ihre Plätze doch Franzosen zu übertragen, die weder Verständnis für die elsässische Volksseele hatten, noch die deutsche Sprache beherschten, so daß sie sich mit ihren Klienten überhaupt nicht verständi gen konnten.
Damit nicht genug, zerschlug man auch schon bald die bisherige Selbstverwaltung des Landes. Unter dem „deutschen Joche" hatten die Elsaß-Lothringer ihren Landtag gehabt, auf dessen Wahl das Volk besonders stolz war. Dieser Landtag hatte zu allen Zeiten eine bevorzugte Rolle gespielt und bei allen Statthaltern in gutem Ansehen gestanden. _ Diese nahmen nach Möglichkeit Rücksicht auf seine Beschlüsse und sahen in ihm ein vollwertiges Organ der Reichslande. Nunmehr erschien aus Paris ein „Generalkommissar", dem ein mehr als schwächlicher „beratender Rat" beigegeben wurde. Mehrfach versuchten dessen Mitglieder, die nicht aus freier Wahl des Volkes hervorgegangen waren, sondern von der Regierung in Paris auf Vorschlag der mit den Verhältnissen gar nicht vertrauten Beamten ernannt wurden, auf die dem Volke vor dem Jahre 1918 immer wieder gegebenen Verheißungen hinzuweisen. Aber es blieb bei den einmal getroffenen Einrichtungen. Alle Vorstellungen verhallten ungehört in Paris und die 24 Abgeordneten der drei Departements in der französischen Kammer hatten nicht den geringsten Einfluß.
Alle französischen Regierungen seit dem Jahre 1918, sowohl der Nationalblock, wie der Linksblock und neuerdings auch die der nationalen Einigkeit Poincarès hatten nur den einen Leitgedanken: „Es darf kein Elsaß- Lothringen mehr geben". Das wiedergewonnene Land durfte in der zentralistischen Verwaltung Frankreichs keine besondere Rolle mehr spielen, der beratende Rat wurde daher im Jahre 1925 abgeschafft und dem Minister- iräsidenten unmittelbar ein Staatssekretär ür Elsaß-Lothringen unterstellt. Das franzö- ische Strafrecht trat in Kraft, nur bie in Frankreich fehlende Sozialgesetzgebung und die kirchenrechtliche Sonderstellung blieb dem Lande erhalten. Aber je mehr Frankretck) das wiedergewonnene Land zu „assimilieren versuchte, umsomehr wuchs der^zähe Widerstand der Bevölkerung. Immer starker wurde bas Bestreben der Elsässer als nationale Minderheit behandelt zu werden, immer wieder wies man darauf hin, daß das Selbstbestimmungs- recht der Völker gerade von Paris aus zum ersten Male in die Welt hinausposaunt worden war. Doch die französische Regierung erkennt ein gesondertes Elsaß-Lothringen nicht an die Selbstverwaltung der früheren deut- fiben Reichslande erscheint hier unvereinbar mit der geschichtlichen einheitlichen französischen Nation, von der die Elsaß-Lothringer nach ihrer Auffassung nur einen unlösbaren Bestandteil bilden.
Als daher von den angesehendsten Leuten aller Stände im Lande der Heimatbund ge^ gründet wurde, ging die Pariser Regterul^»'