General Anzeiger für
Sanau Stadt und Land
Montag de«
le. 284
1922
s. Dezember
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. , Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956, 3957,3938
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Das KsAsKs.
— Im Reichstag mürbe am Samstag die allge- ine Wirtschaftsdebatte geschlossen.
— In der Eisenindustrie droht ein Konflikt von n über 200 000 Arbeiter betroffen würden.
— Der Reichsparteiausschuß der Demokraten ach sich für die Beseitigung der Todesstrafe aus. — Die Verhandlungen im Eisenbahnerstreik in esden haben zu einer Einigung geführt.
— Die 4. Tagung des Abrüstungskomitees ist am imstag geschlossen worden. Die 5. Tagung der mmission soll am 15. März stattfinden.
obsvS Swsn ließt Die âlsss- MMS des Gttiente feit»
Newyork, 3 Dez. In Milwaukee wies der chere Senator Robert Owen bei der Steubenfeier Lüge von Deutschlands Alleinschuld am Kriege rück. Owen erklärte unter anderem:
„Wir wissen jetzt, daß der Weltkrieg von dni- n wenigen Männern des russischen, des a n z ö s»s ch e n und des serbischen uhenamt"s mit Zustimmung einiger weniger änncr in Großbritannien geplant worden . Obwohl Depeschen zwischen London, Pelers- rg, Paris, Berlin und Wien gewechselt wurden e den Eindruck erweckten, als würde ein Versuch r Beilegung des österreichisch-serbischen Konjlik- 3 gemacht, so ist jetzt dennoch durch die inzwischen konnt gewordenen Geheimdepeschen ernteten ih das nur eine Geste war, um das Volk zu ufchen und die intensivsten Vorbereitungen zum ngriff auf das unvorbereitete Deutschland, die be- its in vollem Gange waren, zu bemänteln, wi chen Frankreich und Ruhland war außerdem :re ts ein geheimer vertrag abgeschlossen worden, ertschland gemeinsam anzugreifen, falls Ocster- üch mobil mache Das Artest der Gelehrten der Test lautet jetzt dahin, daß die deutsche Regierung m Krieg nicht wollte, .sondern daß der Krieg inzig und allein von der Entente erbeigè führt wurde, die Deutschland und Oester- dd) sofort zur See und zu Lande blockierte und ann die Welt mit einer Propaganda über- Hwemmle. worin Deutschland als für den Welt- :leg allein verantwortlich gemacht wurde.
Vesstdrsuns des Msettbahti- av^ettsVfive SS it Dsesdett«
Don der Reichsbahndirektion in Dresden wird olgender amtliche Bericht ausgegeben:
Unter Vorsitz des Reichsbahndirektors Geheimer Saurat Dr. Kühne von der Hauptverwaltung der deutschen Reichsbahngesellschaft fanden am Freitag m Gebäude der Reichsbahndirektion Dresden Ver- zandlungen zwischen der Reichsbahndirektion und lern Einheilsoerband deutscher Eisenbahner statt, ne am Samstag früh um 2 Uhr auf. vormittag 10 ihr vertagt wurden. Nach eingehender Beratung wurde nun am Samstag unter Voranstellung der Interessen der Wirtschaft ein Ergebnis erzielt, das beiden Teilen gebührend Rechnung zu tragen sucht. Der Betrieb in den Dresdener Dienststellen wird umgehend wieder ausgenommen. Da Sabotageakte, wie in manchen Zeitungen behauptet worden ist, nicht vorgekommen sind, konnte von disziplinarischen Maßnahmen abgesehen werden. Reichsbahn und Kewerkichasten werden im Einvernehmen alle noch rtidjt erledigten Fragen, wie zum Beispiel Rationali. sterung des Werkstättenbetriebes, ordnungsgemäße Durchführung der Gedingearbeit (Akkordlöhne) und mdere regeln. Auf Grund dieses Ergebnisses konnte wn der weiteren Inanspruchnahme des Schlichters »bgesehen werden.
. Mit der Einigung im Dresdner Eisenbahnerkonflikt ist, auch der Hauptstreitpunkt beigelegt: Die beiden entlassenen Arbeiter wurden wieder eingestellt. Weiter unterbleiben alle Maßregelungen und die Streikzeit wird nicht als Unterbrechung des Dienstverhältnisses angerechnet. Mit dieser Lösung ist eine ichwere Gefahr für das sächsische Wirtschaftsleben behoben, da sich die Situation noch am Freitag vormittag vor dem Eingrdeifen der Berliner Hauptverwaltung und der sächsischen Regierung soweit zugespitzt hatte, daß mit einer raschen Ausbreitung des Streiks über ganz Sachsen für die allernächsten Tage zu rechnen war.
Dev Ötwil dev Eisenbahner im Saavaebre«.
Saarbrücken, 3 Dez. Der Eisenbahnstreik nimmt an Ausdauer und Schärfe zu. Heute abend steht die gesamte Belegschaft des Saargebietes, d. h. 8300 Mann, im Ausstand. Die Eisenbahnverwaltung hat liejenigen Arbeiter, die Beamtenanwärler sind, zur Aufnahme der Arbeit aufgefordert, jedoch ohne Erfolg. Heute morgen fand eine Sitzung des Kreis- tages Saarbrücken-Land statt, in der sich die Delegationen einftimig auf die Seite der Arbeiter stell- ten. Eine «Abordnung wurde aus allen Parteien gebildet, die sich unter Führung des Landrats zur Regierungskommission begab, um dort über die Lage Rücksprache zu nehmen; sie wurde jedoch nicht »orgelaffen.
Die Schwierigkeiten auf den Güterbahnhöfen nehmen zu. Viele Wagen, die nicht unbedingt dringend sind, bleiben vor den Bahnhöfen liegen.
Zur Stase der Besoldungs- resorm.
Berlin, 4. Dez. Den Blättern zufolge stand im Mittelpunkt der gestrigen Beratungen des Kabinetts und der Parteiführer der Vorschlag des Zentrums, die Beamtengehälter zunächst nur um 75 Poozent und erst später um die restlichen 25 Prozent zu erhöhen.
Wie die »Deutsche Tageszeitung" feststellen zu können glaubt, soll das Zentrum inzwischen diesen Vorschlag zurückgezogen haben.
Das „B. T" will darüber hinaus wissen, daß die Zentrumsfraktion keinen förmlichen Beschluß gefaßt habe, Abstriche in Höhe von 25 Prozent an der Besoldungsvorlage zu machen.
Laut „T a g l. Rundschau" haben sich die Deutsche Dolkspartei und die Deutschnationalen in einer interfraktionellen Besprechung, an der auch der Reichskanzler Dr. Marx und der Reichsfinanzminister Dr. Köhler teilnahmen, gegen den Zen- trumsbeschluß ausgesprochen.
Wie eine ganze Reihe von Blättern berichtet, hält die preußische Regierung, die ebnefalls den Zentrumsvorschlag ablehnt, an ihrer ursprünglichen Vorlage fest, deren Beratung am Montag in acht Tagen im Landtag beginnen soll.
Zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Ministerpräsidenten hat der „Voss. Z t g." zufolge gestern in der Frage der Besoldungsreform eine eingehende Aussprache stattgesunden.
Wie die „D. A. 5 " schreibt, sind die Verhandlungen soweit zum Abschluß gekommen, daß die Vorschläge gegen die Regierungsvorlage als abge
Drohende Äiussveeenns der
MsenindnttvSe.
Berlin, 3. De;. Vom verein Deutscher Eisen- und Stahiinduflrieller wird mitgeteilt: Nachdem die Gewerkschaften auf ihren außerordentlich hohen Forderungen nach Durchführung der Verordnung vom 16. Juli 1927 bei vollem Lohnausgleich sowie außerdem auf einer allgemeinen, sehr weitgehenden Lohnerhöhung verharren und die bisher geführten Verhandlungen aus diesem Grunde zu keinem Ergebnis geführt haben, haben sich die Werke der westlichen Großeisen induslrie gezwungen gesehen, bei den zuständigen Behörden eine Be- iriebsstillegungsanzeige zum 1. Januar 1928 aus wirtschaftlichen Gründen zu machen. Im Hinblick auf die mit Sicherheit zu erwartenden Rückwirkungen auf die anderen Werke haben sich die übrigen Hüttenwerke Deutschlands diesem vorgehen angeschlossen.
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Jm Namen der Werke der Deutschen Großeisenindustrie hat Herr Ernst Poensgen dem Herrn Reicysarbeitsminister dies mit nachstehendem Schreiben vom 2. Dezember 1927 bekanntgegeben:
„Sehr verehrter Herr Minister! Ich halte es für meine Pflicht, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß die Werke, welche Ihnen gemeinsam die Eingabe vom 26. Oktober 1927 überreicht haben, sich genötigt sehen, einen Schritt zu tun, der hoffentlich nur vorbeugend zu sein braucht und den sie gern vermieden hätten. Die Gewerkschaften bestehen nicht nur auf der strikten Durchführung der Verordnung vom 16. Juli,bei vollem Lohnausgleich sowie einer ganz ungewöhnlich hohen allgemeinen Lohnerhöhung, sie verlangen überdies auch vom 1. Januar 1928 ab die Einführung des schematischen Achtstundentages für die gesamte eisenschaffende und eisenverarbeitende Industrie.
Auf Grund dieser Sachlage sehen sich die Werke gezwungen, den zuständigen Regierungsstellen zum 3. Dezember die gemäß Der Stillegungsverordnung erforderliche Anzeige zugehen zu lassen, um in der Lage zu sein, ihre Betriebe am 1. Januar 1928 still
Das Volk téeeii nach eines netten Wasteè.
In einer Versammlung der nach voller Aufwertung trachtenden Volksrechtspartei stritten sich in Barmen Deutschnationale und Aufwertungsparteiler aufs heftigste. Als sich die Wogen ge- glättet hatten, sprach der Vorsitzende: Das Volk schreit nach einer neuen Partei, diese Partei kann nur die Volksrechtspartei sein. Die „Kölnische Zei- tung", die einen längeren Bericht über den neuesten Volksschrei in Barmen bringt, bemerkt dazu:
Es ist leicht, eine verärgerte und zu einem großen Teil die Zusammenhänge nicht überschauende Masse aufzureizen, aber schwer, es wirklich besser zu machen. Unser politisches Leben ge- winnt nicht dadurch, daß man die bestehenden und historisch gewordenen Parteien in Bausch und Bogen verurteilt und sich selbst an ihre Stelle setzt. Der Befähigungsnachweis, an verantwortungsvoller Stelle mehr und Besseres zu leisten, müßte
schlagen gelten können. In her Kabinettssitzung sei festgestellt worden, daß für das Reich kein Anlaß bestehe, eine Kürzung der Besoldungserhöhung auf 75 Prozent vorzuneAnen. Die entscheidenden Entschlüsse der Fraktionen werden erst am Montag erfolgen. Es ist aber anzunehmen, daß die bei der ersten Lesung im Ausschuß vorgenommenen Aen^ derungen im wesentlichen wieder beseitigt werden.
Am späten Abend traten die Deutschnationale Fraktion, sowie der Vorstand der Zentrumsfraktion noch zu einer Sitzung zusammen.
Die Besprechungen der Führer der Regierungsparteien über die Besoldungsvorlage sind am Sonntag fortgesetzt worden. Dem „Montag" zufolge gehen sie jetzt nicht mehr in erster Linie um die Regierungsvorlage selbst, da diese aller Wahrscheinlichkeit nach die Grundlage der weiteren Beschlußfassungen bilden wird, sondern vor allen Dingen um die Wünsche des Zentrums, die mit der Besoldungsoorlage verknüpft werden sollen. Hier handelt es sich in erster Linie um die Frage der Erhöhung der Invalidenrente. Die anderen Koalitions- Parteien vertreten zu diesem Plan die Auffassung, daß das Zentrum zunächst sich mit dem Finanz- minister über die finanzielle Tragweite dieses Planes ins Benehmen setzen solle. Weiterhin wurde gestern die vom Zentrum gewünschte Beibehaltung der Besatzungszulage für die Beamten und ferner die Frage der öprozentigen Zulage für Berlin und Hamburg besprochen. Der Meinungsaustausch der Parteiführer soll heute vormittag fortgeführt werden.
zulegen. Dieser Entschluß ist ein Akt der wirtschaftlichen Notwehr, den wir in vollem Bewußtsein der großen auf uns ruhenden Verantwortung und in der Hoffnung unternehmen, durch ihn einen Arbeitskampf mit seiner schweren Schädigung für Staat und Wirtschäft zu vermeiden. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener (gez.) Ernst Poensgen."
Den Führern der drei Gewerkschaftsrichtungen in Rheinland-Westfalen ist Abschrift dieses Schreibens an den Herrn Reichsarbeitsminister mit folgendem Anschreiben übersandt worden:
„Nachdem zu unserem Bedauern auch die heutige Verhandlung keinerlei Klärung über die gemeinsame Stellungnahme der drei Gewerkschaften und keinerlei Verminderung ihrer Forderungen gebracht hat und nachdem gemäß den Ihnen von uns vorgelegten Berechnungen auch in dem günstigsten Falle sich Belastungen für unsere Werke ergeben, die uns vor wirtschaftliche Unmöglichkeiten stellen, haben mir uns zu einem Schritte entschließen müssen, über den Sie näheres aus dem in Abschrift berge füg ten Schreiben an den Herrn Reichsarbeitsminister vom heutigen Abend ersehen wollen.
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Berlin, 4. Dez. Der milgeteilte Beschluß der westlichen Schwerindustrie würde bei einer Durchführung etwa 250—300000 Arbeiter betreffen. Oie Aussperrung würde auf das ganze Reich erstreckt werden. Außerdem würde die weiterverarbeitende Metallindustrie des Rheinlandes und Westfalens, die ebenfalls auf der Grundlage des gekündigten Tarifvertrages arbeiten, betroffen.
Duisburg, 3. Dez. Die nächste Aussprache unter den Parteien findet am Mittwoch den 7. Dezember in Essen statt, nachdem die Gewerkschaften die Prüfung der geldlichen Auswirkungen ihrer Forderungen auf einzelnen Werken der nordwestlichen Gruppe, deren Auswahl den Gewerkschaften überlassen ist, am kommenden Montag und Dienstag oorgenommen haben werden.
erst erbracht werden Da er aber nicht zu erbringen ist, wäre es besser wenn dem „Volk" nicht erst suggeriert würde, es schreie nach einer neuen Partei. Im Gegenteil, das Volk in seiner Mehrheit schreit — zum Teil allerdings nur durch Stimmenthaltung bei den Wahlen — nach Abbau der Parteizersplitterung. Gewiß gibt es Jnslationsge- schädigte, die mit den bestehenden Parteien nicht zufrieden sind, aber allzu stark scheint der Schrei noch der Volksrechtspartei nicht zu sein, denn bei der Landtagswahl 'n Braunschweig am letzten Sonntag ist sie leer ausgegangen. Die Vorwürfe gegen die amtliche Politik und Dr. Luther im besonderen sind durch die wirtschaftliche Entwickung überholt. Wer für das „Dolksrecht" arbeiten will, der suche auf die bestehenden großen Parteien Einfluß zu gewinnen; das Listensystem gibt ja hinreichend Möglichkeiten dazu.
Me Wahrheit über die fram. Sllbvüfttms.
In seiner bedeutsamen Kammerrede hat bet Außenminister Briand wieder einmal mit hochtönenden Worten die Friedfertigkeit Frankreichs gefeiert und an der Hand von Zahlen dargetan, daß das französische Heer seit dem Jahre 1914 um 45 v. H. herabgesetzt worden ist. Im einzelnen führte er an, wie man einige Wochen vorher schon im „Temps" als offiziöse Antwort auf einen geharnischten Artikel des früheren englischen Ministerpräsidenten Lloyd George lesen konnte, daß schon im Jahre 1920 die Verminderung gegenüber der Vorkriegszeit 20 o. H. betragen habe. Bis zum Jahre 1925 sei eine weitere Herabsetzung um 14 Prozent erfolgt, das in der Ausführung begriffene neue Wehrgesetz vermindere die damalige Stärke um weitere 18 Prozent, sodaß dann das französische Heer nur noch 55 Prozent seiner Vorkriegsstärke hätte.
Die Dienstzeit, die bekanntlich in Frankreich am 1. Oktober 1913 von 2 auf 3 Jahre erhöht worden war, ist nach den Ausführungen Briands schon im Jahre 1922 auf 2, später auf 1% Jahre herabgesetzt worden und beträgt nach dem neuen Wehrgesetz nur noch 1 Jahr. Die Gesamttonnage der Kriegsflotte ist seit der Vorkriegszeit auf die Hälfte gesunken, dementsprechend sind auch die Ausgaben für die Armee wie für die Marine wesentlich geringer geworden.
Wie sieht es nun aber in Wirklichkeit mit dieser Abrüstung Frankreichs aus? Nach den offiziellen Angaben der französischen Regierung, die sich auf die damaligen Kammerverhandlungen über den Heeresetat gründen und auch in der ersten Ausgabe 1924 des vom Völkerbundsrate herausgegebenen Jahrbuches wiederfinden, war das französische Heer einschließlich der Kolonialtruppen bei Kriegsausbruch 983 000 Mann stark. Im Jahre 1920 standen immer noch 881 000 Mann unter den Waffen, deren Zahl seit dem Jahre 1925 auf 739 000 Mann herabsank. Diese Zahl enthält auch das schon erwähnte Jahrbuch des Völkerbundes. Nach den der Kammer vorgelegten Berechnungen wird das französische Heer nach der Durchführung der gesamten letzten Wehrvorlage noch 626 000 Mann stark sein. Das ist aber gegen 1914 nur eine Herabsetzung um nur 37, nicht aber um 45 Prozent.
Nun kommt es aber keineswegs nur auf die Mannschaften an, welche sich dauernd bei der Fahne befinden, sondern der Krieg wird in erster Linie entschieden durch die Zahl der Mannschaften, welche kurze Zeit nach der Mobilmachung als völlig ausgebildet in das Heer eingestellt werden können. Da die Dienstpflicht in Frankreich nach wie vor 28 Jahre beträgt, und die Reservisten nach wie vor gründlich ausgebildet und zu mehreren Uebungen herangezogen werden, so ist eine Aenderung in der Zahl der tatsächlichen Kämpfer überhaupt nicht eingetreten, ja, man kann vielleicht nicht mit Unrecht sagen, daß sie sich gegen die Vorkriegszeit noch vermehrt hat, denn damals fanden noch zahlreiche Zurückstellungen statt, während heute alle Franzosen ohne Ausnahme dienen müssen. Noch mehr wie im Jahre 1914 ist Frankreich das „Volk in Waffen" geworden! Noch ein weiteres darf nicht übersetzen werden. Früher wurden zahlreiche Soldaten bald nach ihrer Rekrutenausbildung zu den verschiedensten Dienstzweigen abkommandiert. Der Arbeits- und Wachdienst verschlang unzählige Mannschaften, die Reinigung der Kasernen urck die Zubereitung des Essens nahmen starke Kräfte in Anspruch. Heute wird jeglicher Ar beitsdienst durch Nichtsoldaten geleistet, zuden die militärisch nicht tauglichen Franzosen dau ernd tzerangezogen werden. So kann das ein« Dienstjahr voll und ganz der soldatischen Aus bildung gewidmet werden. .
Aber auch sonst wird sich d,e Verkürzung der Dienstzeit kaum fühlbar machen. Nach den neuen Wehrgesetzen werden sämtliche Schüler bereits in den Grundzügen des militärischen Dienstes ausgebildet, alljährlich finden mehrere Vorbereitungskurse statt, an denen alle älteren Schüler teilnehmen müssen und mit dem 17. Lebensjahre beginnt die ebenfall; gesetzlich festgelegte „militärische Jugendvorbereitung", die ganz in die Hand der Generalkommandos und -Divisionen gelegt ist. Sl brauchen sich die Truppenteile, denen die Re- kruten zur Ausbildung zugewiesen werden, mit der ersten „militärischen Schule" kaum noch zr beschäftigen, die jungen Leute sind vielleicht