Nana« Stadt und Land
W. 238
Montag den
28. November
1922
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Genera; Anzeiger Kr
Bas KsmEr.
— Im HaushaltSaurschuß bei Reichstages wurde einer Sotuitagssitzung die Beratung der Besol- ; ngsvorlage soitgesetzt.
i — Die Landtagswahlen in Braunschweig haben e LlNkèmehrheit gebracht.
— Die Studentenschaft veranstaltete in Berlin e stark besuchte Kundgebung für den großdeutfchen danken.
— Auf den Wiener Bürgermeister Seitz gab ein iger Mann mehrere Schüsse ab, die jedoch nicht tfen.
— Die politische Lage in Kowno ist nach wie vor ! fierst gespannt.
— Die südslavische Skuptschina hat einstimmig
1 Handelso-rtrag mit Deutschland angenommen.
r — Nach Meldungen aus Algier sind dort durch were RegenfäUe wahre Latastroph.n augerichtet nden. Die Zahl btr Menschenopfer wiro auf etwa 0 geschützt.
Die Landtasstvahlen in Vvamtitbiveis.
Sine LinSsmehvheèt.
Braunschweig, 27. Nov. Die heutigen Landtags- ahlen sind in der Stadt Braunschweig und, jo- eit sich übersehen läßt, auch im Lande ruhig ver- ufen. Das Wetter war gut. Es trat nüch außen rr eine schwache Propaganda in Erscheinung. Die Wahlbeteiligung in der Stadt Braunschweig scheint cht so stark gewesen zu sein, wie bei der letzten >aht im Jahre 1924, wo sie über 84 Prozent beug- Aus dem übrigen Freistaat wird jedoch - oer- üeüentlich von starker Beteiligung berichtet, so aus slmstedt und Harzburg. Schöningen und Blanken- irg melden sehr starke Beteiligung.
Braunschweig, 28. Nov. Das vorläufige amtliche ndergebnis der Wahlen zum braunschweigischen andtag stellt sich wie folgt:
Sozialdemokraten 128 195 (1924: 103 463),
Deutschnationale 26 229 (51 289)
Deutsche Volkspartei 39 705 (47 526)
Wirtschaftliche Einheitsliste 22 196 (23 030)
Demokraten 12 296 (14 775)
Kommunisten 12 942 (12 527)
Nationalsozialisten 10 320 (9 474)
Braunschw.-Niedersächs. Partei 3 366 (8 791)
Zentrum 4 600 (4 359)
Haus- und Grundbesitzer 12 270 (—)
Volksrechtspartei 4 658 (—) Stimmen.
Braunschweig, 28. Nov. Nach dem vorläufigen mtlichen Ergebnis verteilen sich die Sitze im neuen braunschweigischen Landtag wie folgt: Sozialdemoraten 24 (19), Kommunisten 2 (2), Demokraten 2 . 2), Deutschnationale 5 (10), Deutsche Volkspartei 8 3), Wirtschaftsverband 4 (4), Haus- und Grundbe- cher 2 (—), Braunschweis.-Niederfächs. Partei 0 (1), Nationalsozialisten 1 (1), Zentrum und Volksrechts- rar'tel bekommen, ebenso wie die Braunschweia.- Iredersächs. Partei keinen Sitz.
©emeinheeat- und ^vekstass- wahrsn in Anhalt
Dessau, 28. Nov. Die Gemeinderats- und Kreis- agswahlen, die am Sonntag in ganz Anhalt abae- talten wurden, hatten folgendes Ergebnis: Stadt- lerordnetenwahl in Dessau: Sozialdemokraten l5 Sitze (1924: 16 Sitze, Kommunisten 2 (1), Haus- (5)'.Bodenreformer 2 (—), Demokraten 2 (4X Bürgerliche Einheitsliste 11 (10) Sitze.
Wahl zum Dessauer Kreistag: Sozial- Ä 8 Kommunisten 2 (1), Demokraten 2 0 (—), Rentner 0 (—), Bürgerliche Einheitsliste 8 (8). "
Stadtverordneten wähl in Bernburg: Sozialdemokraten 11 (12), Kommunisten 4 (2) Mittel- standsverelnigung 5 (2), Demokraten 1 (1) Ge- meinschaftsliste 9 (11), Völkische 0 (1) ' ’
Wahl zum Bern bürg er Kreistag: Sozialdemokraten 8 (9), Kommunisten 3 (2) Volks- gemeinschaft 8 (7), Demokraten 1 (1), Pölki che
Gtadtverovdnetenwahlen in KreeAenbnvg-GiveM.
Neustrelitz, 27. Nov. Die heute in allen Städten von Mecklenburg-Strelltz mit Ausnahme von Neubrandenburg uni) Friedland, wo bereits vor kurzem gewählt wurde, vorgenommenen Wahlen zu den Stadtparlamenten lassen einen deutlichen Ruck nach links erkennen, der sich allerdings in den Mandaten weniger bemerkbar macht, da die an sich zersplitterten bürgerlichen Parteien Listenverbindungen eingegangen waren und dadurch zum großen Teil ihren Besitzstand wahren konnten. Gegenüber der letzten Landtagswahl vom 3. Juli 1927 haben die sozialdemokratischen Stimmen um rund 26 Prozent zugenommen.
ittinifiec Schiele über hie £cje hee Landwivt-chafi.
Kiel, 16. Nov. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Schiele sprach heute
iSolitische Kochsvannung in Litauen.
Riga, 27. Nov. Die hier gestern hartnäckig um-ständig seine freundlichen Absichten und gleichzeMg laufenden Gerüchte über einen Sturz der Wolde- macht es Pläne, Litauen zu annektieren. Litauen hat marasregierung und einen Putsch in Kowno haben ' ' * " *........
sich als unbegründet erwiesen. Wie einwandfrei fest- steht, herrscht bis jetzt in Kowno Ruhe. Gestern fanden eingehende Beratungen aller Parteivorstände statt. Die gesamte litauische Presse verlangt die Bildung einer nationalen Einheitsfront in Anbetracht der ernsten außenpolitischen Lage. Die Woldsmaras- regierung hat Fühlung mit den Lhristlich-Demo- kraten und den volksfozialisten genommen, um eine Koalition herbeizuführen. Vorläufig stößt jedoch die Bildung einer Koalition auf Schwierigkeiten. Der
aus Rußland eingetroffene litauische Gesandte in Moskau teilte mit, daß Rußland alles tun werde, um Litauen zu schützen, doch erwartet man hier, daß Ruhland sich auf Protestnoten beschränken und selbst im Falle eines polnischen Angriffs nicht zum letzten Mittel des bewaffneten Einschreitens greifen werde. Dessenungeachtet erregt es hier großes Aufsehen, daß der russische Militärvertreter für die baltischen Staaten in Kowno eingekroffen ist und mit den zuständigen Stellen Verhandlungen führt. Die Vertreter Englands und Frankreichs begaben sich in Automobilen von Kowno nach Wilna. Man erwartet dadurch eine Entspannung der Lage.
Die litauische Gesandtschaft in Berlin bestätigt der Telegraphen-Union, daß die Gerüchte über Unruhen in Kowno ganz unbegründet seien. Wolde- maras verhandle außer mit den angegebenen Parteien noch mit der Bauernpartei über die Bildung einer KoglittonsreMevung. Die Verhandlungen ständen bereits vor einem günstigen Abschluß. Alle Parteien hätten erklärt, daß sie für die litauischen Landesverräter, die sich in Wilna versammelt sötten, nur Abscheu empfänden. Die Gerüchte, daß letztere unter den Generalstabsoffizieren in Kowno Gesinnungsgenossen hätten, sei unbegründet. Der Ernst der Lage halte alle Parteien zusammen- geschlossen. ~
Wie weiter gemeldet wird, wurde in Kowno eine weitverzweigte polnische Spionageorganisation aus- gehoben. Zwei polnische Agenten, die auf illegalem Wege die Demarkationslinie überschritten und in Litauen ihre Erkundungen unternommen hatten, wurden in flagranti ertappt und verhaftet. Außerdem wurden fünf weitere in die Angelegenheit verwickelte Personen festgenommen. Die Verhafteten werden vor ein Feldgericht gestellt werden.
Wie der Warschauer „Kurier Poranny aus Wilna berichtet, hat die litauische Regierung gestern ein Communiquä veröffentlicht, in dem es heißt, die Absichten Polens auf Litauen beunruhigten die Bevölkerung und die gesamte Oeffentlichkeit aufs schwerste. In Kowno spreche ein Teil der Bevölkerung von einer beabsichtigten Bombardierung der Stadt und verlange den Rücktritt der Regierung. Dieses- Verlangen habe aber keinen Zweck, da ein Rücktritt der Legierung Litauen in den Augen des Völkerbundes schaden und nur für Polen günstig sein würde. Polen wolle seine Annexionspläne mit Rücksicht auf den Völkerbund nicht durch einen öffent- lichen Krieg, sondern mit Hilse der sogenannten Emigranten erreichen. Angeblich werde der Führer der von Polen unterstützten Emigranten, Pletschkaitis, auch zur Völkerbundstagung nach Genf kommen. Das CommuniquL endet mit folgenden Worten: „Es wird bei uns über die Notwendigkeit, sich mit Polen zu versöhnen, viel gesprochen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß weder Litauen an Polen noch Polen an Litauen den Krieg erklärt hat; da bisher keine formelle Kriegserklärung vorliegt, kann auch kein Friede geschlossen werden. Polen wiederholt
vor dem landwirtschaftlichen Ausschuß im Rahmen des Kieler Parteitages der Deutschnationalen Volks- Partei und führte dabei aus:
Die Nöte und Aufgaben der Landwirtschaft gehören zu den drängendsten Sorgen unserer Nationalwirtschaft, sind doch in der Landwirtschaft 30.5 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung Deutschlands beschäftigt gegen 41.4 Prozent in der Indu- strie. Alle landwirtschaftlichen Nöte entspringen der mangelnden Rentabilität. Von mehr als 2700 untersuchten deutschen Betrieben aller Art waren in den Jahren 1924/25 und 1925 bis 1926 46 Prozent Verlustbetriebe, in Ostelbier» sogar 52 Prozent, in Ostpreußen über 75 Prozent und wenn man nur die Betriebe mit geringem Bo- den betrachtet, über 80 Prozent. Daß ungefähr die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe in den vergangenen Jahren als Verlustbetriebe gewirtschaftet haben, beruht gleichzeitig auf der Steigerung der steuerlichen Belastung und der sozialen Abgaben, auf dem Kapitalmangel unh den überhohen Zinssätzen und auf der schwachen Markposition der deutschen Landwirtschaft in- folge des Druckes der Nahrungsmittelein- fuhr. Die Verschuldung der Landwirtschaft erreicht mit der erschreckenden Summe von 12.5 Milliarden Mark mehr als vier Fünftel der Vor- kriegsverschuldnng. Ein besonders ernstes Gesicht erhält sie durch die Kurzfristigkeit der personellen Schulden und die ungeheure Zinsenlast, die mit 850 Millionen Mark jährlich annähernd 40 Mark je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ausmacht. Dadurch ergibt sich als dringendste Aufgabe: die
davor aber keine Furcht, Litauen ist kein Angriffs-
staut und hat nicht die Absicht, Polen zu überfallen: aber das litauische Volk ist bereit, leinen Staal bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen."
wowemavaS übev Litauen und Polen.
London, 27. Nov. Auf eine telegraphische Bitte des Reulerschen Büros in Berlin an den litauischen Ministerpräsidenten, Voldemaras, sich über einige Punkte in den Beziehungen zwischen Litauen und Polen zu äußern, gibt Voldemaras der Ueberzeugung Ausdruck, daß bei den Anstiftung gewisser Unruhen in Litauen durch litauische Emigranten Einflüsse der polnischen Regierung milgewirkt hätten. Auf die Frage, ob die gegenwärtige litauische Regierung bereit wäre, zu Polen wieder normale Beziehungen durch Verzicht auf Wilna aufzunehmen, erklärt Voldemaras mit größter Ent- schledenheit, daß keine der litauischen Parteien bereit wäre, eine nsolchen Verzicht auszusprechen, am allerwenigsten seine eigene Partei. Er sei bereit, nor- male Beziehungen mit Polen wieder aufzunchmen, wenn eine befriedigende Verständigung mit Polen hinsichtlich Wilnas erreicht würde und wenn Polen die Bereitwilligkeit zeigte, die Unabhängigkeit Litauens zu achten. Auf die weitere Frage, ob die litauische Regierung der Meinung sei, daß die Streitigkeiten zwischen Litauen und Polen durch den Völkerbund geregelt werden könnten, verweist Woldemaras aus den früheren und den jetzt wieder an den Völkerbund gerichteten Appell, aus dem sich eine ausreichende Antwort auf diese Frage ergebe.
Die D^ünüiB-liiauifäbe Glsannuns und hie BdßkevbnndSeatS-
tasuns.
London, 27. Nov. Wie verlautet, halten britischen Gesandten in Polen und Litauen britische Foreign Office über die Entwicklung
die des im
Streit zwischen den beiden Ländern dauernd unterrichtet. Während des ganzen Wochenendes blieben die leitenden Beamten des Foreign Office in Fühlung mir Whitehall. Obgleich nicht angenommen wird, daß augenblicklich irgendeine ernste Befürchtung wegen eines Bruchs vorhanden ist, wird es für wahrscheinlich angesehen, daß die Frage nach ste Woche in Genf vor dem Völker- bundsrat aufgeworfen wird und die Hauptaufmerksamkeit der Delegierten in Anspruch nehmen wird. Chamberlain fährt am 3. Dezember nach Genf ab, während Lord Cashendun bereits „morgen London auf dem Wege nach Genf verläßt. Es verlautet, daß die Anweisungen, die er vom Kabinett erhalten hat, keinen endgültigen Beschluß zur Unterbreitung auf der Konferenz einschließen, und daß Cashendun „von dem allgemeinen Gang der Erörterung geleitet sein wird". Es wird die Ansicht geäußert, daß die augenblickliche Zusammenkunft hauptsächlich dazu dienen werde, „den Boden für weitere Erörterungen nächstes Frühjahr zu ebnen".
Ein LStttevfuchnnsSauSWutz fite das volnttth-MauÜthe PvovSem.
London, 27. Nov. Der „Sunday Times" zufolge wird in Londoner diplomatischen Kreisen die Ansicht vertreten, daß der Völkerbundsrat einen Untersuchungsausschuß für das polnisch-litauische Problem ernennen würde.
schwebende Schuld zu konsolidieren und zwar zu tragbaren Zinssätzen. Die weite große Aufgabe ist eine besonders handelspolitische. Solange fast überall in der Weit die Erhöhung der Zollmauern fortschreitet, können wir als schwer belasteter Schuldnerstaat nicht andere Wege einschlagen. Unsere Handelspolitik kann nur durch unsere eigenen Interessen bestimmt werden. In diesem Jahre hat die Passivität der Handelsbilanz bei zur Zeit wachsender Tendenz be- reits den Betrag von 3.2 Milliarden erreicht. Die Passivität unserer Zahlungsbilanz wird auf jährlich 4 bis 5 Milliarden geschätzt und ist ebenfalls im Wachsen. Wirkliche Abhilfe gegen die unserer Wirtschaft, unserer Währung und unserer Freiheit hieraus entstehenden Gefahren kann nur die entschlossene Steigerung der heimischen landwirtschaftlichen Produktion bringen. Die dritte große Aufgabe besteht in der energischen Selbsthilfe der Landwirtschaft. Sie muß durch Vertiefung der Ackerkrume und gesteigerte Wirtschaftsenergie aus dem deutschen Boden das Letzte herausholen. Die bevorstehende Zinsverbilligung für etwa 200 Millionen Mark Meliorationskapnauen gestattet die beschleunigte Durchführung umfangreicher landeskultureller Vorhaben. Die sichere Fundierung unserer Nationalwirtschaft dient zugleich der Sicherung des Eigentu msge dankens. des stärksten Fundamentes aller Staats- und Rechtsordnung. Im Eigentum liegen die Würze« n aller Bvdenbe- stöndlgkeit, allen Familiensinns, aller Staatstreue, ^er Erhaltung dieser höchsten sit l-ch-n Werte gilt alles Ringen der deutschen Landwirtschaft.
Me mkktâvischsn âäftevev- 6$Me im Ssillrben AcKett- ssbiete.
Wieder einmal hat sich der alte Streit zwi- schen Polen und Litauen auf das schärfste zugespitzt. Mehr als je sah es in diesen Tagen aus, als wenn es wegen des alten Zankapfels Wilna zum Losschlagen kommen sollte. In Litauen ist schon seit einiger Zeit der Belagerungszustand verhängt, das Heer ist in höchster Bereitschaft und die zahlreichen in dem Schützenverbande vereinigten alten Soldaten sind gerüstet. Aber auch Polen ist schon seit Monaten auf der Hut und hat neben seinem Grenzschutzkorps, das ständig auf der Wacht steht, auch andere Truppen an den bedrohten Punkten zusammengezogen. Und doch scheint, wenn man die Heere der beiden Staaten und ihre Ausrüstung betrachtet, ein Kampf mit Waffen kaum denkbar. Der Unterschied zwischen den beiderseitigen Streitkräften ist allzu groß, ebenso wie zwischen dem Flächeninhalt und der Einwohnerzahl und damit auch den wirtschaftlichen Hilfsmitteln der beiden Länder.
Polen mit seinen 386 000 Quadratkilometern und 27 Millionen Einwohnern konnte bei seiner Gründung im Jahre 1919 schon ein kriegstüchtiges Heer übernehmen, das aus lauter erprobten Mannschaften bestand. Allerdings war die Zusammensetzung der einzelnen Heeresteile sehr verschieden. Ebenso auch ihre Güte; einzelne der neuen Divisionen setzten sich aus alten deutschen Stämmen, andere aus österreichischen zusammen, die polnischen Legionen wurden mit den alten russischen Soldaten in Kongreßpolen verschmolzen, die fünf Haller- Divisionen waren ganz nach französischem Muster organisiert und geschult. Noch bunter zusammengewürfelt war die Bewaffnung der Infanterie und der Artillerie: einige Batterien führten deutsche, andere österreichische, wieder andere französische Geschütze, und auch die Gewehre und Maschinengewehre zeigten verschiedene Modelle.
Aber die französische Militärmission unter General Dupont hat schnelle und ganze Arbeit geleistet, obwohl sie ihre Tätigkeit während des russischen Krieges natürlich einstellen mußte. Bereits Ende 1921 war das polnische Heer in 10 Armeekorps gegliedert, die.gleichmäßig aus je drei Divisionen bestanden? Dazu kommen heute noch vier Kavalleriedivisionen und fünf selbständige Kavallerie-Brigaden. Die Ausbildung erfolgt nach den französischen Dienstvorschriften und den französischen Kriegserfahrungen. Die gleichmäßige Bewaffnung der Artillerie ist zwar noch nicht ganz durchgeführt, wohl aber in die Wege geleitet. Eifrig sind die französischen Geschützfabriken in Tätigkeit, um dem getreuen Vasallen das nötige Artilleriematerial zu liefern, auch hat Polen selbst einige Munitionsfabriken eingerichtet. Geradezu großartig ist die Ausstattung des polnischen Heeres mit neuzeitlichem Kriegsgerät, das Tankregiment besteht aus fünf Bataillonen und verfügt über mehr als 250 Kampfwagen. Die Zahl der Flugzeuge wächst von Tag zu Tag, wenn auch häufig über das Material geklagt wird und die Bevölkerung die aus Frankreich gelieferten Flugzeuge nur noch die fliegenden Särge nennt.
Das polnische Heer hat einen Friedensstand von fast 300 000 Mann. Bei den starken Jahrgängen ausgebildeter Mannschaften kann es im Mobilfachungsfalle ohne Schwierigkeit auf drei Millionen Streiter gebracht werden. Durch alljährlich stattfindende große Manöver werden auch die höheren Führer für ihre Aufgaben gründlich ausgebildet, zahlreiche Militärschulen jeder Art sorgen für einen tüchtigen Nachwuchs an Offizieren. Die militärische Jugendoorberei- tung ist neuerdings durch Gesetz geregelt, die Schützenvereine sowie die früheren „Aufständischen" üben sich nach wie vor im Schießen. Alljährlich beziehen zahlreiche Leute, die aus irgendwelchen Gründen nicht Soldat werden konnten, die militärischen Uebungslager und können im Kriegsfälle auch eingestellt werden. Allerdings sind auch die Ausgaben Polens für sein Heer geradezu ungeheuerlich., im letzten Jahre betrugen die Kosten für Heer und Flotte nicht weniger als 37 Proz. der gesamten Staatsausgaben.
Wie unbedeutend ist dagegen das Heer des kleinen Litauens, das auf 70 000 Quadratkilometer nur 1900 000 Einwohner zählt. Das jährliche Rekrutenkontigent beträgt nur 13 000 Mann. Die Dienstzeit dauert bei der Infanterie 12, bei den übrigen Truppen 18 Monatej