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Lettas de«

25. Lwvembev

1929

Der Tob Bvatianus.

it dem rumänischen Ministerpräsidenten anu ist ein Mann aus dem Leben ge- en, der eine Regierungsgewalt aufge- t hatte und in der Hand hielt, wie sie in er Stärke und Unangreifbarkeit Rumä- seit vielen Jahren nicht erlebt hat. Er e der ungekrönte König von Rumänien int. Trotzdem er wiederholt unter Krank- su leiden hatte, ist in seinem Kurs doch ils die geringste Schwankung bemerkbar ien. Außenpolitisch richtete sich dieser Kurs i Deutschland und deshalb haben wir aller- nicht den geringsten Grund, Bratianu Träne nachzuweinen. Der verstorbene nische Ministerpräsident strebt nach der sung eines großrumänischen Staates. Er ite sein Ziel nur im engen Zusammen- i mit der Entente erreichen zu können und ! ilb trat er mit aller Entschiedenheit für Abkehr von der österreichfreundlichen Hol­des früheren rumänischen Königs Karl Er war maßgebend für den Eintritt äniens in den Krieg gegen die Mittel­te. Dieser außenpolitischen Einstellung ist ich Zeit seines Lebens treu geblieben. Daß ilisßlich die Notwendigkeit einer wirtschaft- i Verständigung mit Deutschland einsah, erte ihn nicht daran, das Heil Rumäniens Zusammengehen mit Frankreich zu erblicken hinderte ihn auch nicht daran, die deutschen derheiten in Transsylvanien schlecht zu be- >eln. Diese Umstände werden wir bei einer di>ung Bratianus in Deutschland niemals essen.

hm Standpunkt der rumänischen Jnnen- ik aus gesehen, war Bratianu der starke in, der durch die Kraft seiner Persönlichkeit Schicksal des Landes und der Dynastie be- mte. Es ist ganz selbstverständlich, daß solche Kraftnatur eine starke Opposition den Plan ruft, die sich gegen das Regiment ö Einzelnen auflehnt. Es ist nicht minder tverständlich, daß der Tod eines solchen meg nicht ohne tiefe Nachwirkungen auf politische Leben seines Landes bleiben i. Es liegt deshalb die Frage sehr nahe, ich nicht ^jetzt, nachdem das Haupt der.bis- gen Regierung gefallen ist, die Gegen­ei, die Anhängerschaft des früheren Kron­zen Karl, und dieser selbst die Lage durch n kühnen Vorstoß zunutze machen werden? diese Frage werden erst die Ereignisse der isten Zeit die Antwort geben. Wagt die Position einen Vorstoß, so wird sie die Re- ung jedenfalls gerüstet finden. In dem er­lichen Bewußtsein, daß Gefahr im Ver- e ist, haben die Inhaber der Regierungs- mlt nach dem Tode Bratianus in Bukarest h gehandelt. Der Bruder Bratianus, der lerige Finanzminister, ist mit der Bildung neuen Regierung vom Regentschaftsrat mut worden. Er hat das bisherige Kabinett sich versammelt und kann allen parlamen- . schen Ereignissen ruhig entgegensehen, da er N seinem Kabinett von der liberalen Partei, stärksten Partei des Landes, gestützt wird, f dem Wege der parlamentarischen Oppo- on ist also die Lage der rumänischen Regie- ig und die Ruhe des Landes nicht zu er= ältern.

Vielleicht könnte der Tod Bratianus das gnal zu ernsteren Ereignissen sein, wenn der Here Kronprinz Karl als Persönlichkeit einen seren moralischen Kredit besäße, als es tat- Hlich der Fall ist. Wie die Dinge liegen, hat Bewegung zugunsten des früheren Kron- mzen in Rumänien keine feste Wurzel schla- 1 können. Dreimal hat der Kronprinz Karl iwillig und formell auf sein Thronrecht oer- htet. Seine Abdankung ist durch das Par- nent genehmigt worden, nachdem ihm wie ch dem rumänischen Volke reichlich Zeit ge- sen worden war, die Tragweite eines solchen Hrittes bis zur letzten Konsequenz zu über- ;en. Es ist aber bei der Abdankung geblieben, nl der ehemalige Kronprinz sich durch seine pflosen Liebesabenteuer wirklich jeden mora- y chen Kredit im Lande verscherzt hat.

Alle Beobachter und Kenner der rumäni- )en Verhältnisse stimmen darin überein, daß in einer Volksbewegung für den ehemaligen ronprinzen nicht die Rede sein kann. Die ^arlisten" sind in Rumänien bisher weder chlreich noch überzeugt genug gewesen, um ne Gefahr für das Kabinett Bratianu zu lden. Die Bauernpartei hat die dreimal ver­

wirkten Ansprüche des Kronprinzen unterstützt, weil sie sich in einer Oppositionsstellung gegen Bratianu befand und deshalb ihre Unter­stützung jeder Bewegung lieh, durch die sie den Wind der Volksgunst in ihren Segeln einzu­fangen hoffte. Die rumänischen Bauern haben aber selbst niemals die geringste Neigung be­wiesen, ihre Haut für den abgedankten Kron­prinzen zu Markte zu tragen. In der Thron- folgesrage war ihre Parole stets: Erst einmal abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden. Der General Averescu, der ehemalige Ministerpräsident, ist gewiß noch eine populäre Figur, aber seine Partei ist völlig zusammen­geschmolzen und deshalb fehlt ihm auch im Lande jede Stütze.

Nach dem bisherigen Stand der^ Dinge scheint also die Annahme gerechtfertigt zu sein, daß es in Rumänien selbst auch nach dem Tode Bratianus zu ernsthaften Erschütterungen nicht kommen wird. Man kann nicht wissen, was der abgedankte Kronprinz unternehmen wird. Ein Vorstoß von seiner Seite hätte aber nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn in Rumänien selbst der Boden für einen gewaltsamen Umsturz vor­bereitet wäre. In der Lage Rumäniens ist nach wie vor das wirtschaftliche Moment beun­ruhigend. Mangelnde Geschäftstätigkeit infolge hoher Zinsen und unsichere Aussichten lastet auf dem wirtschaftlichen Leben des Volkes. Wenn das neue Kabinett hier Abhilfe schafft wobei die Wirtschaftsverhandlungen mit Deutschland eine große Rolle zu spielen berufen sind, so wird es damit seine eigene Stellung und die Ruhe Rumäniens am besten sichern.

Me legten Stunden Vvattanns«

Die tödliche Erkrankung des Ministerpräsidenten ist wie ein Lauffeuer in Bukarest bekannt gewor­den und wird überall erregt besprochen. Ueber den Krankheitsuerlauf Bratianus werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Der Minister befand sich seit Dienstag abend in Lebensgefahr. Am Mittwoch früh trat Blutvergiftung ein. verbunden mit schwe­ren Atmungsstörungen. Als der Kranke von einer Asphyxin (Erstickungstod) bedroht war, nahm sein Ministerkollege, der Arzt Dr. Angelescu, eine Notoperation vor, aber auch der Luftröhrenschnitt konnte keine Rettung bringen, denn die Kanüle war alsbald wieder mit Eiter verstopft, so daß der Schnitt wiederholt und die Oeffnung erweitert wer­den mußte. Trotz allem war die Blutvergiftung nicht aufzuhalten. Auch wiederholte Antistrepto- koken-Jnjektionen hielten das Fortschreiten der Ver­giftung nicht auf. Am Nachmittag wurde eine dritte Operation vorgenommen zur Ausrottung der eiternden Drüsen in der Hals- und Brustgegend. Die Operation mußte ohne Narkose durchgeführt werden. Am Mittwoch abend hatte der Puls 140 Schläge bei einer Temperatur von 40. Der Mini­ster lag bereit? um 2 Uhr nachts in schwerem Todeskampf. Der am Todeslager anwesende Fi­nanzminister Dintila Bratianu wurde alsbald nach dèm Tode vom Regentschaftsrat mit der Wahr­nehmung der Geschäfte des Ministerpräsidiums be­traut, die übrigen Minister wurden in ihren Aem­tern vorläufig bestätigt. Die Minister traten bereits um 7 Uhr früh zu einer Kabinettssitzung zusam­men. Die Beerdigung wird am Sonntag auf dem Familiengut Florlca stattfinden Die Leiche wird in dem Festsaal des Athenäums feierlich aufgebahrt. Das Testament ist noch uneröffnet.

Die Tvauevsttzuns dev Kammer fön Vvatianu.

begann um 3 Uhr nachmittags. Snnenrmnistet Duca verlas zunächst ein Dekret des Regentschafts­rates über die Ernennung der neuen Regierung. Sodann würdigten Vertreter aller drei Parteien die Verdienste des Verstorbenen. Di« Abgeordneten hörten die Ausführungen stehend an. Darauf hielt dessen Name mit der Geschichte Rumäniens in den letzten zwanzig Jahren untrennbar verbunden sei. Er richtete an alle Rumänen den Appell zur Eini­gung, der im gegenwärtigen Augenblick notwendi­ger sei als jemals. Der Vertreter der Bauernpartei, Maniu, erklärte im Namen seiner Partei, daß diese, trotzdem die tiefsten Differenzen zwischen der Par­tei und Bratianu in der letzten Zeit bestanden hät­ten, seine Verdienste anerkenne, vor allem die Tat Bratianus, als er den Beitritt Rumäniens in den Weltkrieg an der Seite der Alliierten herbeigeführt habe. Nach Trauerreden der Minderheiten, dar­unter auch der Deutschen, wurde die Sitzung auf Montag vertagt.

Die vumSn!Me Nvesse rum Tode Nvatianus.

Bukarest, 24. Nov. Sämtliche Zeitungen erschei­nen heute mit Trauerrändern und widmen fast alle ihre Spalten dem Tode Bratianus.Judependance Roumaine" sagt, Bratianu sei der größte Staats­mann gewesen, den Rumänien jemals gehabt

habe. Der liberale .Ditorul" schreibt, für Bratianu, den großen Demokraten, sei das Glück der Anderen nicht ein wirkungsvolles Schlagwort, sondern Wirklichkeit gewesen. DmNeamul" Romanes«" schreibt Pros. Iorga, man solle nur an hie großen Werke denken, die Bratianu in trüben und tragischen Stunden zu vollenden gewußt habe. iDe volksparteilicheJndreptarea" und andere Blätter der Opposition betonen im allgemeinen, daß Bratianu ein großer Staatsmann gewesen und daß sein Tod ein Verlust für Rumänien sei. Dm ganzen Land« herrscht vollkommen« Ruhe.

svanr. Stimmen.

Paris, 24. Nov. Die Nachricht von dem Tode des rumänischen Ministerpräsidenten Bratianu er­weckt gerade hier in Frankreich Besorgnisse, und so sparen die hiesigen Zeitungen nicht mit guten Ratschlägen für das rumänische Volk, es möge sich zu keinen unüberlegten Taten hinreißen lassen, son­dern die Politik im Sinne des verstorbenen Staats- Mannes fortzusetzen. Das ist deshalb begreiflich, weil man hier Bratianu stets als einen völlig unter französischem Einfluß stehenden Politiker betrach­tete. Der T e m p s sagt, daß nach Bratianus Hin- scheiden viele Dinge, die man in Bukarest inner­politisch bereits als endgültig geregelt betrachtet habe, wieder Gefahr liefen, durch die Manöver der Oppositionsparteien in Frage gezogen zu werden. Das fei auch von einem allgemein weltpolitischen Gesichtspunkt aus keineswegs gleichgültig bei dem Einfluß, den Rumänien auf dem Balkan und in Mitteleuropa" ausübe. Selbstverständlich wird Bratianu zum besonderen Verdienst angerechnet, daß er im Jahre 1916 Oesterreich-Ungarn den Krieg erklärte. Man scheint hier weniger die Oppo­sition des in Frankreich unliebsamen Generals Avarescu zu fürchten als diejenige der Bauern­partei, die bis jetzt jede Verständigung mit den Li­beralen verweigert habe und die Auflösung des Parlamentes verlange, um Neuwahlen herbeizu­führen. Man spricht sogar davon, daß, wenn die Liberalen und die Bauernpartei sich nicht verstän- digen, die ganze Grundlage des rumänischen Staa­tes, insbesondre: atz ni.$ die Dynastie bedroht werden könnte. Natürlich ist man auch über die Ab­sichten des Prinzen Carol, der hier in Paris von Zeit zu Zeit immer wieder von sich reden macht, vollkommen im unklaren Das Vertrauen, das man in den Nachfolger und Bruder des Verstorbenen, den bisherigen Finanzminister Dintila Bratianu, kundzugeben sich bemüht, klingt etwas zaghaft. Ge- wisse Kreise können es sich nicht versagen, in ihre Nachrufe für den Verstorbenen, den man als einen brauchbaren Vasallen Frankreichs betrachtete, aber dessen Charaktereigenschaften man aus verschiede­nen Gründen nicht sehr hoch einschätzte, einige Kri­tik zu mischen. So schreibt derParis Soir", der mächtigenDynastie Bratianu", die sich zu­weilen so despotisch an die Macht geklammert habe, zu tiefgreifenden Veränderungen innerhalb der ru­mänischen Politik führen müsse.

Der hiesige rumänische Gesandte D i a m a n d i sprach sich einem Vertreter desTemps" gegenüber über den Todesfall Bratianu aus, von dem er gestern noch einen handschriftlichen Brief erhalten hatte. Er sagte:Das Uebelwollen und die Feind­seligkeit gewisser ausländischer Kreise gegen Rumä­nien werden eine schwere Enttäuschung erleben, wenn sie glauben, daß dieser Todesfall eine Entmu­tigung für ihre Hoffnungen darstelle."

Savol nach Rumänien adseveift?

Paris, 24. Rov. Rach den hier in den späten Abendstunden vorliegenden Meldungen aus Rumä­nien sollen die Oppositionsparteien den früheren Kronprinzen Carol nach dem Ableben Bratianus verständigt haben, sofort nach Bukarest zurückzu­kehren. Gerüchtweise verlautet hier, daß Carol Paris bereits verlassen habe.

Eine Bestätigung dieses Gerüchtes war aller­dings bisher nicht zu erhalten. Andererseits verlau­tet nach weiteren Meldungen aus Bukarest, daß die rumänischen Truppen bereits Befehl erhalten haben und daß starke Militärpatrouillen die rumä- nische Hauptstadt durchziehen.

AusKsche Vesovsnrsse übsv die LVttnaev Zusammenkunft.

Moskau, 24. Nov. Der heutige Leitartikel der ^sroeftija weist darauf hin, daß die polnische Expansion in der Richtung aus Litauen nicht nur die nach dem Krieg und dem Versailler Vertrag ent- standenen inneneuropäischen Gegensätze widersvie- gete, sondern auch eine neue äußerst gefährliche Phase des Fortschreileas dieser Gegensätze bedeute. Hierzu erfährt der Berichterstatter des WTB. aus bester sowjelvolitischer Quelle: Ueber die wil- naer Zusammenkunft besteht in Moskau grüßte Beunruhigung. Die Reise Pateks nach Wilna wird hier als ein Symptom bevorstehender Annexions­pläne gedeutet und zwar in dem Sinne, daß der polnische Gesandte im Falle der Verwirklichung der Annexionspläne in Moskau nicht anwesend sein möchte. Man befürchtet, daß die Besprechungen in Gens zu spät kommen, um die Besitzergreifung Li­tauens abzuwenden.

Nev ttottenttch-awanische DesenKvd ü nduMvevivas.

Rom, 24. Nov. Der vorgestern unterzeichnete italienisch-albanische Defensivbündnisvertrag hat als einzigen Zweck die Stabilisierung der zwischen den

beiden Staaten bestehenden natürlichen Beziehun­gen behufs Sicherung einer Politik der friedlichen Entwicklung. Beide Parteien sollen die Interessen und den Vorteil der anderen Partei mit dem glei­chen Eifer wahrnehmen wie ihre eigenen. Es wird ein unwandelbares Verteidigungs­bündnis" auf zwanzig Jahre abgeschlossen, das ohne Kündigung stillschweigend für weitere zwanzig Jahre erneuert wird. Das Bündnis verpflichtet zur gegenseitigen Verteidigung gegen jeden Angriff und im Falle eines nicht provozierten Krieges zur An­wendung aller zu Gebote stehenden Mittel für die Verhinderung der Feindseligkeiten und die Er­langung einer gerechten Genugtuung der bedrohte« Partei. Rach Scheitern aller Schlichtungsversuche müssen dem Verbündeten alle militärischen, finan­ziellen und sonstigen Mittel zur Ueberwindung des Konfliktes zur Verfügung gestellt werden. Beide Parteien dürfen nur gemeinsam Frieden oder Waf­fenstillstand schließen und entsprechende Verhand­lungen ausnehmea.

Die ^Rie-tViedev-Kvies- Unserem**

London, 24. Roo. Ritli erklärte in seiner mit stürmischem Beifall aufgenommenea Rede zur Er­öffnung der Rie wieder Krieg Konferenz, die Kriegsgefahr sei noch nie so groß gewesen wie augenblicklich. Sie sei noch größer als am Vorabend des europäischen Krieges. Rach der Abrüstung Deutschlands, Oesterreichs und Bulgariens habe Europa fast eine Million Menschen mehr unter Wassen als vor dem Kriege und gebe für mili­tärische Zwecke zwei Milliarden 200 Millionen Dollar aus. Die Rüstungsverminderung werde er­örtert doch gehen die Rüstungen weiter. Zwischen den Völkern selbst bestehe kein Haß. Das deutsche und das französische Volk hassen einander nicht. Es gebe jedoch in jedem Lande bösartige Minder­heiten. Ritti griff den Faschismus an, der in Italien alle Freiheit unterdrücke. Trotz der falschen Statistik nehme die finanzielle Unordnung in Italien fast täglich zu. Mussolini habe niemals sei- nen Willen zum Kriege verhehlt. In Gens sei nie- mals ernstlich die Absicht hervorgetrelen, bb Rüstungen zu vermindern.

Der deutsche Vertreter General v. Schönaich, wurde von den zahlreichen Anwesenden, unter denen sich viele Frauen befanden, lebhaft begrüßt.

Abvüftttussdebatte im 4tntevhauö

London, 24. Nov. Im Unterhaus begann die heutige Debatte über die Abrüstpngsfrag« mit einer Rede Mac Donalds. Bei Eindringung eines Antrages zur Abrüstungfrage erklärte er, die einzige Aussicht auf eine Ueberoinkunft bestehe darin, daß England und Amerika jeden Schritt tun, um die Gefahr eines Krieges zu vermeiden. Cham­berlain wies die Behauptung zurück, daß auf der Marineabrüstungskonferenz die britische Dele­gation einen militärischen Charakter gehabt habe. Zwei dem Kabinett angehörige Minister seien Mit­glieder der Delegation gewesen. Die Konferenz sei von den Vereinigten Staaten einberufen worden, und weil die britische Regierung die Einladung nicht habe ablehnen wollen, sei die Konferenz nicht diplomatisch vorbereitet worden. Der Verlauf der Konferenz sei eine Lehre dafür gewesen, daß nur auf Grund sorgfältiger Vorbereitung und indem man sich die nötige Zeit gönne, eine Konferenz, so­gar auch eine Konferenz des Völkerbundes, zu einem glücklichen Resultat kommen könne.

Dm weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Cham­berlain, er müsse es ablehnen, eine Definition des Angriffskrieges zu geben, weil eine solche Defeni- tion nur eine Falle für die Unschuldigen und eine Warnungstafel für die Schuldigen darf teile. Ueber- dies werde es dem Völkerbund keine Schwierigkei­ten bereiten, in einem Streit den Angreifer zu be­zeichnen. Chamberlain behandelte nach einem Hin­weis auf die die Kriege beschränkende Funktion des Völkerbundes die Gründe, die die britische Regie­rung verhinderten, die Unterzeichnung der Fakul­tativklausel diesmal anzuempfehlen. Dabei betonte Chamberlain, diese augenblickliche Haltung der britischen Regierung müsse nicht notwendigerweise eine Stellungnahme Englands für alle Zeiten sein. Die vorläufige ablehnende Haltung in dieser Frage wurde auf der britischen Reichskonferenz beschlossen, well man der Ansicht war, daß es verfrüht fein würde, heute der Fakultativklausel beizutreten. Man sei übereingekommen, in dieser Angelegenheit keine Aktion zu unternehmen ohne vorherige Beratung untereinander. Er brauche nicht zu sagen, wie wich­tig es sei, daß in dieser Frage das ganze britische Reich zusammen handle.

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DieVossische Zeitung" weiß als einziges Ber­liner Blatt folgendes zu berichten: 3n der letzten Kabineltssitzung hat zwischen den Mitgliedern der Reichsregierung eine Aussprache darüber staltge- funden, zu welchem Zeitpunkte die Auslösung des Reichstages sich am ersten empfehlen würde. Das Kabinett kam überein, daß als frühester Termin für die Auflösung der Monat Juni 1928 in Be­tracht käme, so daß die Wahl kurz vor Beginn der Ernte staltsinden könnte.

Berlin, 25 Nov. Zu der Meldung der Doss. Ztg." über einen angeblichen Kabinetts. Beschluß des Reichskabinetts in der Frage der Auf­lösung des Reichstages, schreibt derT a g", vor einem solchen Beschluß kann keine Rede sein Diesel