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Mittwoch den 23. November 1927
Nr. 274
Aus dem ©eeWSfaal.
Unter Ausschluß der Oeffenllichkeil.
Wegen fortgesetzter Vornahme unzüchtiger Handlungen an einem 9jährigen Mädchen war unter Zubilligung mildernder Umstände ein in den dreißiger Jahren stehender Kraftwagenführer aus Kesselstadt am 22. Juli vom hiesigen Schöffengericht zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte sowohl der Angekagte, als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, mit der sich erstmalig die große Strafkammer am 1. Oktober zu befassen hatte. Der sich als ein Opfer krankhafter Veranlagung bezeichnende Angeklagte schränkte sein Geständnis damals in einem wesentlichen Punkte ein, so daß man schließlich aus Antrag seines Verteidigers hin zur Vertagung gelangte und das kleine Mädchen als Zeugin zu vernehmen beschloß, da evtl, lediglich eine Bestrafung wegen tätlicher Beleidigung in Frage kommen konnte. Der Gang der Beweisaufnahme in der gestrigen Verhandlung ließ aber keinen Zweifel darüber auskommen, daß in der Tat eine fortgesetzte Vornahme unzüchtiger Handlungen vorlag. Da der an sexuellen reizbaren Schwächezustände leidende Angeklagte nach vorliegenden ärztlichen Gutachten wenn auch vermindert zurechnungsfähig, so doch für die Tat verantwortlich zu machen ist, kam das Gericht zu einer Verwerfung der von ihm eingelegten Berufung. Auch die von der Staatsanwaltschaft, deren Vertreter wegen einer auf ähnlichem Gebiete erlittene Horstrafe des Angeklagten auf neun Monate zu ernennen bat, eingelegte Berufung wurde verworfen.
Rachweheu eines Meineidsprozeffes.
Im Mai d. Js. hatte sich ein jetzt in Berlin wohnhafter Konditor, der früher in Hanau ein Cafë betrieben hatte, vor dem hiesigen Schwurgericht unter der schweren Anklage des Meineides zu verantworten. Im Verlauf dieses Prozeßes trat auch ein hiesiger Kriminalbeamter als Zeuge auf, der sich auf ausdrückliches Befragen hin über die Persönlichkeit und das Gefchäftsgebahren des damaligen Angeklagten nicht gerade günstig auslies. Aus Wut hierüber schickte ihm der inzwischen nach Berlin verzogene frühere Kaffeehausbesitzer im Juni d. Js. kurz hintereinander zwei Briefe ins Haus, die vor schweren Beleidigungen nur so strotzten. Auf eine Anzeige des beleidigten Beamten hin, wurde der Briefschreiber am 16. September vor dem hiesigen Schöffengericht unter Entbindung des persönlichen Erscheinens zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt, gegen welches Urteil er Berufung einlegte. Zur gestrigen Verhandlung war der Angeklagte, ohne einen dem entsprechenden Antrag gestellt ober seinem Rechtsbeistand eine ausdrückliche Vollmacht zur Durchführung der Verhandlung in seiner Abwesenheit gegeben zu haben, nicht erschienen. Die Berufung wurde deshalb auf seine Kosten verworfen.
Ein Kuhhandel und seine Folgen.
Diehhandelsprozesse zu entscheiden, muß sicherlich Nicht zu den angenehmsten Pflichten eines Zivilrichters gehören. Man versteht den üblen Beigeschmack, der diesem Worte anhaftet noch besser, war man gestern Zeuge einer vor der Strafkammer durchgeführten Berufungsoerhandlung, die auf bieder Grundlage basierte. Glücklicherweise dürften derartige übele Handelsausgänge aber selten sein, denn nicht immer sollte sich ein gerissener Handelsmann einem solch schlagfertigen Müllerburschen gegenübersehen, wie es der gestrige Angeklagte zu sein scheint. Bis zur Erbringung des „schlagkräftigen Beweises" ging die Angelegenheit ganz in Ordnung, Merrafchte keinen Kenner der üblichen Handels- Mänieren. Der Dienstherr des Angeklagten, ein Mühlenbesitzer aus Langenzell (Kreis Hünfeld), hatte bei einem Hünfelder Handelsmanne eine Kuh gekauft, die hochträchtig war. Das Tier sollte trotz momentanen Hustens kerngesund sein, so versicherte der Verkäufer ausdrücklich. Ja er ging noch weiter und verpflichtete sich, die Kuh wieder zurückzunehmen falls sie nach dreitägigem Aufenthalt im Stalle des Käufers noch huste. Der Kauf wurde perfekt und anderen Tages war der Müller im Besitze des Tieres. Scheinbar hatte es sich aber entgegen den Versicherungen des Verkäufers nicht nur um einen „momentanen" Husten bei dem Tiere gehandelt, denn der Zustand des Hornträgers wollte sich auch bei veränderten Luftverhältnissen nicht bessern. Ein eingeschriebener Brief ging an den Verkäufer ab, ohne
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Konzert des 13et Quartetts desAvbektev- sejansveveius ^Vorwärts".
Das Konzert des 13er Quartetts des Arbeiter- gesangvereins „Vorwärts" unter Leitung des Herrn W. Seip im Saale des Gewerkschaftshauses am verflossenen Samstag abend zeigte den kleinen Chor auf recht beachtenswerter Höhe. Die Vortragsfolge brachte unter anderem zwei wertvolle Werke der Chorliteratur, ein Minnelied von Adam de la Hale und eine Gagliarde von H. L. Hasler. Diese beiden schlichten und tonal doch nicht so ganz einfachen Lieder glückten dem Chore auch am Besten. Das Stimmenmaterial ist gut; die Ausbildung erzielt im Piano und Pianissimo bereits ?anz überraschende Klangwirkungen. Im Forte ehlt es aber noch an Verschmelzung, Einheitlichkeit und Volumen im Chorklang. Dynamisch hat Herr Seip gute Arbeit geleistet, und die Aussprache kann ebenfalls gelobt werden. Störend war aber das zu scharfe Skandieren, z. B. in Uthmanns „Frühlingshymne", übrigens nicht gerade eines der wertvolleren Werke dieses Komponisten; der Stil ist nicht einheitlich und bar aller musikalisch zwingenden Originalität.
Den solistischen Teil des Abends hatten die Herren E. Winter (Violine) und Herr G. Altvater (Flügel) übernommen. Eine der Betthooenschen Romanzen und besonders die beiden Nippsachen von Kreisler (Andantino) und von Beethoven (Menuett) zeigten Herrn Winter als hervorragenden Könner und warm empfindenden Musiker mit natürlichem Gestaltungsvermögen. Herr Altvater begleitete wie immer, sehr schmiegsam und vornehm im Ton.
Reicher Beifall dankte den Veranstaltern des Konzertes. Dr. E. H.
o Stadltheater Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, wird als 10. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement die überaus amüsante Komödie „Ingeborg" von Curt Götz wiederholt. — Am Donnerstag, abends 8 Uhr, kommt zum ersten Male „Hedda Gabler", Schauspiel in 4 Akten von Henrik Ibsen mit Cläre Bender in der Titelrolle zur Auitübrung. — Am Freitag,
Wohnungsnot und Wohnunssban im kommenden Baujahr.
Von Otto Kampfer, Architekt B. D. A.
, ^™? Menschen, die in einem gesicherten, behag- liajen Heim sitzen, wissen, in welch menschenunwürdigen Wohnverhältnissen eine große Schicht unseres Volkes leben muß und was das Wort „wohnungslos" bedeutet.
In Hanau hat in dankenswerter Weise eine Kommission die Verhältnisse näher untersucht und die Presse sie beleuchtet. Die genannten Zahlen geben nur die krassesten Beispiele wieder und zeigen, wo am ersten eingesetzt werden muß; doch wird mit der Erkenntnis allein keine Not gelindert, und die Tat muß folgen.
Ein Blick in die Statistik der Bautätigkeit der letzten Jahre zeigt, daß man, trotz teilweise erfreulichen Aufschwunges, noch nicht die Wohnfrage desjenigen Teiles der Bevölkerung gelöst hat, der minderbemittelten Volkskreise, der in ganz besonderem Maße in gesundheitlicher und sittlicher Hinsicht den zerstörenden Einflüssen der Wohnungsnot preisgegeben ist. Eine Betrachtung der gegenwärtigen finanziellen Lage unserer Gemeinden erhellt die große Schwierigkeit dieses Problems. Alle noch so großen Mühen haben sich als unzureichend erwiesen und die Stadtverwaltungen müssen alle nicht augenblicksnotwendigen Projekte hinter die Wohnsorge der arbettenben Bevölkerung stellen.
Für die Finanzierung des Kleinwohnungsbaues stehen für das kommende Baujahr aus öffentlichen Mitteln (Hauszinssteueraufkommen und ähnliches) nur geringe Beträge zur Verfügung, doch wird man auch dieser Frage durch verständnisvolles Zusammenarbeiten aller beteiligten Kreise, der Behörden, schaffenden Bauleute und Wohnungsinteressenten, Herr werden. Alle Möglichkeiten müssen durchdacht, alle Quellen erschlossen werden.
Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, daß selbst bei einer gewissen Einschränkung der Wohnflächen eine normale Kleinwohnung der Vorkriegszeit für Arbeiter, auch für Privatangestellte und Beamte fast unerschwinglich ist. Die Kosten für eine Wohnung von 50 bis 70 Quadratmeter betragen heute zirka 5600—14 000 Reichsmark, woraus sich bei normaler Verwendung der Hauszinssteuer Durchschnittsmieten von 450—900 Mark errechnen. Eine Mietlast von über 500 Mark ist bei den derzeitigen Einkommensverhältnissen durchschnittlich nur unter zu großen Opfern in der Lebenshaltung tragbar.
Diese Erkenntnisse müssen die Fachleute lehren, auf der Grundlage aller bis jetzt gemachten Erfahrungen Verbesserungsvorschläge für den Kleinwohnungsbau zu machen.
Die Gestaltung der Wohnung ist eng verbunden mit der Einsicht neuer, gesunder Lebensformen. Die Wohnungssuchenden müssen lernen, daß der Verzicht auf die gute Stube, auf zu hohe, zu große Räume, unnötig lange Flure keinen Mangel bedeutet, da es ermöglicht bei sparsamer, ausreichender Konstruktion ihnen durchaus gesunde, helle Häuslichkeiten zu schaffen. Man wird einsehen, daß die Bauten in schlichten, sachlichen Formen nicht kasernenhaft, lieblos und kalt in äußerer Erscheinung und innerer Wohnlichkeit sein müssen, und daß sie eine gesunde Wohnkultur im Gefolge haben werden.
In welcher Weise wohnen doch heute noch die wenig Bemittelten unseres Volkes? — Eine gründ-
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daß dieser zunächst davon Notiz nahm. Erst auf wiederholtes Drängen erschien er bann beim Käufer und erklärte, die Kuh wieder zurücknehmen zu wollen. Damit hatte es aber noch gute Weile und es bedurfte noch eines zweimaligen aufträgsgemäßen Besuches des Angeklagten, um den Handelsmann zu.veranlassen, sich um das inzwischen mit Familienzuwachs bedachte Streitobjekt zu kümmern. Am 8. April, 19 Tage nach dem getätigten Verkaufe, erschien dann der Handelsmann auf der Mühle, hatte aber dabei das Pech lediglich den in dieser Hinsicht bevollmächtigten Müllergehilfen anzutreffen. Auf ...,,„...,..—..——-—■■»-«■——— .-.mw —*»«—»—°—— abends 8 Uhr geht zum letzten Male „Ingeborg" in Szene. — Anschließend hieran findet ury 10.30 Uhr eine Nachtvorstellung des russischen Künstlertheaters „Arlekin" statt, das für 3 Gastspiele nach Hanau verpflichtet werden konnte, und zwar für Freitag und Samstag, abends 10.30 Uhr sowie für Sonntag nachmittags 3 Uhr.
o Attentat auf den „Jonny".D Zug. Kreneks so schnell weltbekannt gewordene und vielumstrittene Jazz-Oper „Jonny spielt auf" ist in Kassel, an dem Geburtsort des Werkes, zwar keiner offenen Anfeindung begegnet, jedoch haben im Dunkel der Kulissen sich Vorgänge ereignet, die sonst in der Geschichte des deutschen Theaters nicht alltäglich sind Die erste Aufführung in Kassel, die in Anwesenheit des Komponisten vor sich ging, verlief trotz der großen technischen Anforderungen, die b^ Werk an die Bühneneinrichtung stellt, glatt und störungslos. Aber schon bei der zweiten Aufführung stellten sich mehrere Störungen ein, die der technischen Leitung ein Rätsel aufgaben. Der D-Zugwagen, der den Geiger Daniello überfahren soll, rührte sich im entscheidenden Augenblick nicht von der Stelle. Die allgemeine Bestürzung auf der Bühne und hinter den Kulissen machte einem nicht geringen Entsetzen Platz, als man feststellte, daß das Drahtseil, an dem der D-Zugwagen bewegt wird, von unbekannter Hand durchgeknipst worden war. Die Nervosität steigerte sich ins unermeßliche, als im Laufe des Abends noch verschiedene andere Störungen auftraten, die die ersten Vermutungen, es handele sich um eine planmäßige Sabotage, durchaus bestätigten. Intendant Legal, der für die „Jonny"°Aufführungen verantwortlich zeichnete, hat jetzt eine erhebliche Belohnung ausgesetzt, die demjenigen zustehen soll, der den ober die Täter ermittelt.
Henri LKuvsev - ein LsÄ-
Der Dichter der »Vohème" im Licht der russischen Archivveröfsentlichungen.
o Die Sowjetregierung fährt mit der Veröffentlichung der Geheimakten aus den russischen Staatsarchiven fort, die in der Tat unerschöpflich zu sein scheinen. Durch die neueste Veröffentlichung des „Roten Archivs" wird. vorausgesetzt, daß diese Veröffentlichung auf zutreffendes Material zurückgeht, die Persönlichkeit des französischen
rißlich klare 2 Zimmerwohnung mit Wohnküche wird selbst bei geringer Wohnfläche bei Verwendung praktischen Hausrates und guter Anordnung von Stellwänden für Betten, Schränke, Bänke, Regale ausreichend sein. Für kinderreiche Familien müssen Wohnungen von mindestens 3 Räumen geschaffen werden, damit Eltern, Söhne und Töchter getrennt schlafen können.
Genaue Errechnung lehrt, daß z. Zt. die zweigeschossige Bauweise mit ausgebautem oder ausbaufähigem dritten Obergeschoß die wirtschaftlichste und rationellste Bauart ist.
Typisierung, Normalisierung ist das Schlagwort der Zeit und bedeutet Kräftesammlung auf allen Gebieten der Wohnbauwirtschaft. Die Architekten haben auf diesem Gebiet in den letzten Jahren Tüchtiges geleistet. — Der Versuch solcher Typisierung ist nicht neu, wie ein Gang durch unsere Neustadt lehrt in der die Emigranten Fenster- und Türnormen, verwandten, ohne dem Straßenbild das Gepräge der Uniformierung und Langeweile aufzudrücken. Machen wir uns den gefunden Baugedanken damaliger Zeit zu Nutze. Eine 9lormierung der Bauteile und Typisierung der gut durchdachten Grundrisse bedeutet Materialersparnis und Beschränkung der Arbeitsvorgänge bei Erstellung der Bauten.
In baupolizeilicher Hinsicht haben die Nachkriegszeiten für den Kleinwohnungsbau manche erleichternde Verordnung erlassen, doch reichen die bestehenden bei all zu bürokratischer Auslegung noch aus, die Ersparnisse des Bauhandwerks zu mindern und so verteuernd auf die Mieten einzuwirken. Ebenso müssen sich auf dem Gebiet der Straßenbaukosten und der Grundsteuern noch manche Ersparnisse erzielen lassen. Für das Erbbaurecht und die Errichtung von Reichsheimstätten muß eifrigst Propaganda gemacht werden! Durch sie tritt eine Minderung der Kosten für Ueberschreibungen im Grund- Wcksverkehr, für Umsatzsteuern usw. ein, was nicht unbeträchtliche Summen ausmacht und jede ungesunde Spekulation unterbindet.
Die gemeinnützige Wohnungsbau Aktiengesellschaft beabsichtigt nun, auf gemeinnütziger Grundlage durch ein Zusammengehen von Hanauer Baufachleuten und Interessenten der Wohnungsnot abzuhelfen und zugleich Arbeitsmöglichkeiten für ortsansässige Handwerker und Arbeiter zu schaffen.
Sie will Gelegenheit nehmen, durch Ausschaltung von einseitiger Parteilichkeit auf genossenschaftlicher Grundlage gemeinsam durch die Schaffung von Wohnungen zu arbeiten an dem gesunden Aufbau unserer Bevölkerung. Die Vorschläge gehen dahin, zunächst an fertig ausgebauten Straßen Wohnblocks mit 2 und 3 geschossigen Häusern zu" errichten. An Stelle der ungenügenden Gärtchen sollen Ruhe- und Kinderspielplätze angelegt werden und für Garten- liebhaber werden sich Schrebergärten einrichten lassen. Kleinhäuser sollen auf derselben Grundage errichtet werden.
Die gesamten Bebauungspläne müssen gemeinsam mit dem Magistrat festgelegt werden.
Es steht zu hoffen, daß die gemeinnützige Woh- nungsbau-AG. dazu beitragen wird, die große Wohnungsnot unserer arbeitenden Bevölkerung zu lindern.
dem Wege zum Stalle versuchte nun angeblich der Handelsmann den Müllergehilfen zu verleiten, ihm Kleie hinter dem Rücken seines Dienstherrn zu verkaufen und vor Gericht falsche Aussagen über den Gesundheitszustand der Kuh zu machen, was dieser aber entrüstet ablehnte. Im Stalle angelangt, bemängelte er die schlechte Streu der umstrittenen Kuh und die ihr beim Käufer zuteil gewordene Behandlung. Da ging dem Müllerburschen die Geduld aus und er verabfolgte dem 915 rotier einige kräftige Ohrfeigen. Es entstand ein kleines Handgemenge, bei dem beide Kampfhähne zu Boden fielen. Der er-
Schriftstellers Henri Murger, dessen Roman „La vie de Bohème" Puccini den Stoff zu seiner weltberühmten Oper gegeben hat, in ein seltsames Licht gerückt. Es wird da behauptet, daß Murger im Dienste der russischen politischen Geheimpolizei gestanden habe. In den vierziger Jphren des 19 Jahrhunderts hielt sich in Paris ein ehemaliger russischer Revolutionär, Graf Iwan Tolstoi, auf. Er hatte seinerzeit an der Verschwörung der Dekabristen teilgenommen, konnte aber beizeiten ins Ausland flüchten. Dort geriet er bald in bittere Not und trat als Spitzel in den Dienst der russischen Geheimpolizei. Seine Berichte hat man nun in den Akten der berüchtigten dritten Abteilung der zaristischen politischen Polizei gefunden. Tolstoi verkehrte nach der Revolution von 1848 viel in russischen Emigrantenkreisen in Paris und unterrichtete die zaristische Regierung, die er früher bekämpft hatte, von den Plänen der Revolutionäre. Seine Berichte, die in französischer Sprache abgefußt waren, fielen in Petersburg durch ihren glänzenden Stil, sowie durch die treffende Kennzeichnung der jeweiligen politischen Situation auf. In einem Begleitbrief zu einem solchen Bericht, schrieb
Tolstoi folgendes: „Ich übersende Ihnen einen Brief, den ich von einem jungen Mann namens Murger empfangen habe. Er steht in meinen Diensten und ist mir sehr zugetan. Er erhält von mir ein festes Gehalt und ist außerdem in der Redaktion der Zeitung „Der Korsar" tätig. Ueberdies schreibt er noch für zwei andere Zeitungen. Dieser junge Mann ist der Sohn meines Portiers, ich habe ihn seinerzeit in meine Dienste genommen und ihn als Schreiber beschäftigt. Jetzt verkehrt er mit vielen Berühmtheiten und wird sogar von Victor Hugo empfangen. Trotzdem erscheint er nach wie vor jeden Tag bei mir, notiert sich meine Instruktionen und führt alles aus, was ich ihm auftrage. Er ist angesichts der augenblicklichen politischen Lage sehr nützlich; ich zahle ihm monatlich 100 Francs " Man sträubt sich zunächst zu glauben, daß der Verfasser der „Bohème" sich dazu hergegeben haben soll, einer fremden Macht Spitzeldienste zu leisten, und Leute, in deren Vertrauen er sich geschlichen hatte, zu verraten. Wahrscheinlich sind dann auch die glänzenden literarischen Berichte, die man Iwan Tolstoi zuschrieb, von Murger verfaßt. Das Doppelspiel des Grafen Tolstoi wurde aber bald entdeckt. Er sah sich gezwungen, Paris zu verlassen, kehrte aber unter dem zweiten Sai=>
boste Angeklagte entriß dabei dem Handelsmar Peitsche und schlug mit ihrem Stiele kräftig ar fen ein. Damit noch nicht genug, zwang er den delsmann angeblich unter Drohungen eine Besi (jung zu unterschreiben, daß er (der Angeklagt fugt fcr, die Kuh zurückzubringen. Bei t „Ueberfall" sollte nach anfänglichen Bekundung! Handelsmannes der Angeklagte ihm auch unte drohung mit Erschießen und Erstechen die Gel! abgefordert und dieser 3 Hundertmarkscheine nommen haben, was sich zwar später als un herausstellte, zunächst aber zur Folge hatte, da Beschuldigte wegen räuberischer Erpressur Wochen in Untersuchungshaft sitzen mußte. In hin wurde der Angeklagte vom Schöffengericht f wegen Erpressung zu 4 Wochen und wegen gi lieber Körperverletzung zu 2 Wochen Gefängnir urteilt. Gegen das wegen Erpressung ergangen teil legte der Angeklagte Berufung ein, die gi vor der hiesigen Großen Strafkammer mit s Freispcechung endete, da der als Zeuge ver mene Handelsmann hinsichtlich seiner Glaubwu keit auf sämtliche Prozeßbeteiligte den denkbar günstigsten Eindruck machte und nach dem n lichen Gang der Beweisaufnahme weder eine Pressung noch eine Nötigung als vorliegend eri werden konnte.
Der Tod im Transformalorenhaus.
Ein bedauernswerter Unfall mit tödlichem ' gange, der sich am 31. Mai v. I. in einem den meinden Kirchbracht und Mauswinkel (Kreis Q hausen) gehörigen Transformatorenhäuschen elektrischen Ueberlandzentrale des Kreises Q Hausen ereignete, bildete die Grundlage zu ei Strafprozeß, der am 16. September vor dem sigen Schöffengericht gegen den Bürgermeister erstgenannter Ortschaft "durchgeführt wurde. I lässige Tötung war dem Angeklagten zur Last ge der trotz bindender Derabredungsvorschrift nicht die Abstellung des elektrischen Stromes gesorgt« dadurch den Tod eines im Transformatoren^ chen mit Ausputzarbeiten im Auftrag feiner meinbe beschäftigten Maurermeisters aus M winkel verursacht haben sollte. Die Derhandl endete, nachdem bereits ein früheres Versal gegen den Angeklagten eingestellt worden war, einem Freispruch des Angeklagten, da die Sch frage des höchst bedauerlichen Unglücksfalles r einwandfrei geklärt werden konnte. Der oerungli Maurermeister sollte nach Angaben des Angeklac gesagt haben, er habe mit dem Monteur der Uei landzentrale Rücksprache genommen und dieser st den Strom an beiden Arbeitstagen ab* Demgea über bekundeten zwei bei dem tödlichen Derunglüa beschäftigt gewesene Maurer, daß ihr Arbeitge zu dem Bürgermeister gesagt habe: „Heute st Kirchbracht den Strom ab, morgen der Monter Auf weitere Einzelheiten der Unterredung kann sich aber beide nicht mehr entsinnen. Dem Gericht schien nach dem Gange der Beweisaufnahme Schuldfrage nicht genügend geklärt, so daß entge; dem auf 2 Monate Gefängnis mit Strafaussetzu lautenden Antrag des Anklagevertreters ein Fi fpruch erfolgte. Gegen dieses freisprechende Uri hatte die Staatsanwalschaft Berufung eingelegt, i gestern vor der Großen Strafkammer zur Verhar lung anstand. Das Gericht glaubte im Gegensatz z ersten Instanz nicht über Sie belastenden Aus sag der Zeugen hinweggehen zu dürfen und erkam unter Aufhebung des freisprechenden Urteils gern, dem Anträge der Anklagebehörde gegen den,Atz! klagten auf 2 Monate Gefängnis mit bedlyo« Strafaussetzung. A
Verworfene Berufung.
Ein Kriegsinvalide aus Bad Orb war am September von dem hiesigen Schöffengericht weg, Betruges in zwei Fällen und Urkundenfälschung u; ter Annahme mildernder Umstände — er war r folge schwerer Kriegsverletzung stark morphiur süchtig geworden — zu 6 Monaten Gefängnis ve urteilt worden, gegen welches Urteil er Berufur eingelegt hatte. Da er dem gestrigen Berufungstermi ohne ausreichende Entschuldigung ferngeblieben wa wurde die von ihm eingelegte Berufung auf feir Kosten verworfen. /
♦ Zulauf zur Fremdenlegion. Don den Behörde und der Presse wird an Aufklärung, Mahnung un Warnung getan, was nur möglich ist, um den Zr
BWIWWMWSBWia^llg’.WB^^ serreich als russischer Botschaftsrat nach Paris 31 rück und starb dort im Jahre 1867.
AWevSei tVMenswevtes.
o Das Taschentuch kam zuerst in Venedig auf Und zwar zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Erst ii der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde es in Deutsch land eingeführt. Damals diente es als Luxusartikel Mit der Verfeinerung der Sitten wurde es glück licherweise Gebrauchsartikel.
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Ein Eisberg, der 100 Meter über dem Meeres- spiegel emporragt, taucht um das Siebenfache seine! oberen Länge in das Meer hinab.
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In Süddeutschland hat man für „schlafen" bk hübsche Umschreibung „die Augendeckel von innen anschauen".
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Hans Sachs der „Schuhmacher und Poet dazu" soll ein großer Katzenfreund gewesen sein. Er wurde auch von einem Zeitgenossen mit einer Katze auf dem Pult gemalt.
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In einem Bienenkörbe befinden sich im Sommer zwischen 40 000 und 50 000 Bienen.
Der beste Tee kostet in China nur 25 Pfennig das Pfund.
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Eine Mähmaschine mäht in 10 Arbeitsstunden rund 500 Ar.
Onkel Sam (englisch Uncle Sam) ist eine scherzhafte Bezeichnung der Amerikaner, deren Ursprung mit Sicherheit nicht nachweisbar ist. Vielfach wird behauptet, daß Uncle Sam aus einer witzigen Deutung von U. S. Am. gekürzt für United States of Amerika entstanden ist.
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Der Mond ist als Vollmond achtmal heller als im letzten Viertel.
Leuchtziffernblätter werden außer bei Uhren auch bei Kompassen, Meßinstrumenten und Geschützrichtgeräten verwendet. Statt der teuren Radiumpräparate nimmt man neuerdings Ersatzstoffe z. B. da« jüngst entdeckte Mesothorium.