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scheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. / LezugSpreiS: Für den halben »nat RM. L-, für den ganzen Monat NM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag is, mittag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite ^pfg.. im ReNameteil von 68 mm Lreite 23 R-Pfg. ^ Offertengebühr 50 R-Pfg.

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung ober Nachlieferung oder auf Rückzahlung deS Bezugspreises. / Fürplahvorschrist u.Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.>Geschäftsstelle: Hammerstr.S / Fernspr. 3956, 3937,3958

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1982

Das treueste.

- Reichskanzler Dr. Marx behandelte gestern dem bayerischen Ministerpräsidenten die schwe­ren Fragen zwischen Bayern und dem Reich. - Reichsbankpräsident Schacht äußert sich in in Artikel über das Memorandum des Repa- >nsagenten.

- Die deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlun- haben gestern ihren Anfang genommen. Die Brechungen werden in den nächsten Tagen fort- bt

Anscheinend aus Warschau stammende Ge- te über die Ermordung Trotzkis entbehren eben- roie die Meldungen, nach denen er verhaftet den ist, jeglicher Begründung.

KvanVveMS w( Stattens MEineNttstungen.

Paris, 17. Nov. Heute nachmittag wurde in der inner der Haushalt der Kriegsmarine beraten, gerade unter den jetzigen Umständen außer- itenfli^ heikles Küpitel. Es konnte nicht anders I, als daß dabei die Mittelmeerfrage mit der fahr eines französisch-italienischen Krieges sich ner wieder in den Vordergrund der Reden ngte. Schon der erste Redner,«der sozialradikale geordnete Georges Le Bail, lenkte, zunächst sichtig, die Erörterung auf dieses Thema.

Während des Krieges hätten die französischen senale arbeiten müssen, um die beschädigten iran­ischen und verbündeten Schiffe ausbessern zu lssen. Italien habe während dieser Zeit seine Flotte 1 98 Einzelheiten vermehren können, Frankreich r um 20 Einheiten. Diese lange Unterbrechung fc mit ihren Folgen auf dem französischen Marine- ^p ^granun. Allerdings feien die zuletzt gebauten n 50 fischen Torpedobootszerstörer, Torpedoboots d Unterseeboote alles in allem den entsprechenden glischen, amerikanischen und französischen Schiffs­ien überlegen. Die Kritik werde an der Festig- t des Schiffsrumpfes und auch der Artillerie ge- t. Die noch vorhandenen Mängel der Torpedo- otszerstörer und Torpedoboote könnten leicht be- tigt werden. Aber sowohl das Material wie das usonal der französischen Flotte könnten einen Ver- üch mit den Flotten andrer Länder, selbst Eng- nds, wohl aushalten. Die französische Marine- litik verfolge nur Verteidigungsziele. Sie ziele auf 5 Gleichgewicht der Kräfte im Mittelmeer. Deshalb be Frankreich auch auf den Bau der Kreuzer ver- htet, die ihm der Washingtoner Vertrag einge- umt habe. Sein Verhalten könne bei niemand esorgnis erregen. Die französischen Kriegsschiffe rsinnbildlichten den Frieden, allerdings einen ärmlich starken Frieden, der den Gedanken der andesverteidigung zur Grundlage habe.

Der Sozialrepublikaner B r e m o n d verlangte e Prüfung eines neuen Kriegsschifftyps, der in reckmäßigerer Weise der Landesverteidigung die- m könne. Ein Abgeordneter der Rechten, R o b a g- i a, glaubte hervorheben zu müssen, daß Frank- .'ichs Flottenbau sehr bescheiden sei.

Der Marinehaushalt für 1928 sei nur viermal âher als derjenige für 1914. Das bedeutet eine Ver­engerung des Kampjwertes um ungefähr 25 v. H. r forderte, daß man auch in Genf bei der Ab- üstungsfrage die Probleme des Flottenbaues heran- iehen müsse und bedauerte, daß die französische Treffe immer wieder von der Wiedergeburt der fran- äsischen Flotte spreche, während doch Frankreichs 5eerüftung nur den primitivsten Bedürfnissen seiner Sicherheit entspreche. Räterußland rüste sehr kräftig .uf. Frankreich habe das gleiche Recht, an seine '.ationale Verteidigung zu denken.

Sehr deutlich wurde der sozialistische Abgeord- tete Auguste Reynaud, der das Departement 3ar vertritt.

Er erklärte, daß die Reise des Prinzen von Udine rach Tanger an der Spitze eines italienischen Ge- chwaders in seinem Wahlkreis, hauptsächlich in Toulon, eine lebhafte Erregung hervorgerufen habe. Mr bleibe als Sozialist der Ueberlieferung von Iaurès durchaus treu, wenn er erkläre, daß es Pflicht seiner Partei sei, für die Unversehrtheit des französischen Staatsgebietes Vorkehrungen zu treffen. Die Sozialisten müßten das durch die drei Revolutionen hinterlassene Erbe schützen. Die Poli­tik der italienischen Regierung sei außerordentlich gefährlich mit ihren Wirkungen, die sie auf die Volks­stimmung in Italien ausübe. Rom verfolge eine Politik der Vereinsamung Frankreichs im Mittel­meer. Durch eine verfehlte Auffassung seiner See­politik habe dieses aber seine Kräfte zersplittert, und allem Optimismus des Marineministers zum Trotz könne bei den zu befürchtenden Möglichkeiten eine Seeschlacht mit einem italienischen Triumph enden. Italien habe große Anstrengungen gemacht. Es habe seine Flottenstützpunkte im Mittelmeer vermehrt und verstärkt, während Frankreichs Kriegsschiffe über alle Meere bis zum Fernsten Osten und unter allen Breitegraden verstreut seien, so daß es in eine wenig vorteilhafte Lage gegenüber seinem Nachbar geraten sei. Es sei in einen neuen Rüstungswettlauf mit hineingezogen worden, der in dieser Weise nicht mehr lange fortdauern könne und mit Naturgewalt zum^ Kriege führen müsse. Italien sei eine richtige Brandfackel, die ganz Europa bedrohe. Die vollstän­dige Umgestaltung der wirtschaftlichen Kräfte in Europa sei vonnöten, und dem französischen

sät Naveens «Bisen fMIWeit

München, 17. Nov. Heute vormittag stattete der Reichskanzler Dr. M a r x mit dem Ministerpräsiden, ten Dr. Held und den Herren seiner Begleitung nach kurzer Rundfahrt durch die Stadt dem Deutschen Museum einen Besuch ab, wo der Schöpfer des Museums, Exzellenz von Miller, die Führung über- nahm. Später wurden dem Reichskanzler im Ministerium des Aeüßern die Staatsminister vorge- stellt. Daran schloß sich im Landtagsgebäude die Vorstellung des Präsidiums und der Fraktionsoor­stände des bayerischen Landtags, worauf sich der Reichskanzler mit feiner Begleitung zum Rathaus« begab.

Bei feinem Besuch im Landtag wurde der Kanz- ler vom Präsidenten Dr. Königbauer begrüßt, der hervorhob, daß der Reichskanzler mit der bayrischen Staatsregierung nicht nur freundliche Be­ziehungen aufrecht zu erhalten wünsche, sondern auch wichtige Lebensfragen des deutschen Vaterlandes und Existenzfragen des bayrischen Staates be­sprechen wolle.

Reichskanzler Dr. Marx erwiderte unter an­derem:Wir müssen uns alle in einem Gedanken vereinen und ich weih, daß auch Sie diese Hoff­nung teilen, unserem Volke vorwärts zu helfen.

Gegenüber dieser Forderung, die in unserer Zeit an jeden Deutschen gestellt wird, muß alles kleinliche, Egoistische und Materielle zurück- treten,

und wir müssen nur den einen Gedanken haben: Vorwärts auf dem Wege zum aßieberaufftiegT

Sie können versichert fein, daß sich die Reichs­regierung mehr, als Sie vielleicht annehmen, mit den Sorgen Bayerns beschäftigt. Wir wissen sehr gut, welche Bedeutung ein Land wie Bayern mit seiner großen historischen Vergangenheit, seinen

WoSens Veswetes bei Sieefeman«.

Berlin, 17. Nov. Reichsaußenminister Dr. Stre­semann ist heute vormittag aus Wien wieder in Berlin eingetroffen. Der polnische Ministerialdirek­tor Iakowski ist bereits seit gestern in Berlin. Heyte nachmittag 5 Uhr begannen die ersten Be­sprechungen zwischen dem Reichsaußenminister und Iakowski. Außerdem ist auch der deutsche Gesandte in Warschau, Ulrich Rauscher, in Berlin anwesend, um bei den Beratungen über den Handelsvertrag zur Stelle zu sein. Uebrigens ist es dem deutschen Gesandten Rauscher noch vor seiner Abreise nach Berlin gelungen, in der Frage der polnischen Holz­einfuhr nach Deutschland eine prinzipielle Verstän­digung zu.erzielen. Diese Verständigung geht dahin, daß beide Seiten noch vor dem Abschluß eines Han­delsvertrages zu einem Abbau gewisser Einfuhr­verbote und Schutzzölle schreiten. Dies bezicht sich in erster Linie auf das polnische Holz und dann auf eine Reihe deutscher Fertigfabrikate. Man kann deshalb annchmen, daß bei dem Zusammentreffen StresemannIakowski diese Vorverhandlungen auf die weiteren Verhandlungen einwirken werden und es ist nicht ausgeschlossen, daß vielleicht aus diesen Verhandlungen ein Provisorium in der Kohlen- und Schweinefrage hervorgeht. bekanntlich jenen Fragen, bei denen die größten Schwierigkeiten bestehen. Infolgedessen sicht man dem Verlauf der

Ministerpräsidenten werde es zur Ehre gereichen, wenn er die Initiative ergreife, um Warnungsrufe an diejenigen Nationen zu richten, die bereits auf die schiefe, zum Kriege führende Ebene ins Gleiten geraten seien. (Beifall links. Zurufe rechts).

Damit schloß die allgemeine Aussprache über den Haushalt der französischen Kriegsmarine.

Loottdse füv Ausbau dev âressflotte.

Philadelphia, 17. Nov. Coolidge war heute abend Ehrengast der Union Liga eines exclusiven Club.s Coolidge faßte die Aufgaben zusammen, die der Bürger der Vereinigten Staaten harrten. Hierzu zählte Coolidge als brennendste den Aus- bau der Kriegsflotte durch Neubau von Kreuzern und U-Booten Ferner hat er die För- derung der Luftschiffahrt als wichtigste Aufgabe bezeichnet. Coolidge ist für die Erhaltung der gegen- wärtigen Wohlfahrt und lernte die Herabsetzung der Schutzzölle ab.

OelbMontvoLle.

In dem heute erscheinenden Heft der Wochen­schriftDer deutsche Volkswirt" nimmt Reichs- bankpräfident Dr. Schacht Stellung zu dem Memorandum des Repara­tionsagenten Parker Gilbert und sagt u, a»

staatlichen und kulturellen Werten besitzt, und daß es ein unentbehrliches Glied ist im schönen Kranze unserer Länder ist

Solange bei Ihnen und Ihrem Volke der feste Wille um Eigenstaat vorhanden ist, wäre es un­richtig und politisch falsch, irgendwie zu ver­suchen, andere Zustände herbeizusühren.

Ich habe selbst persönlich darauf gedrungen, daß in die letzte Regierungserklärung bei der Vorstellung der Reichsregierung vor dem Reichstag der Satz ausgenommen wurde,

daß ich es für unrichtig hielte, wenn man auf dem Umwege über finanzielle Maßnahmen die staatliche Selbständigkeit der Lander unter­graben wolle.

Hiernach habe ich auch stets gehakelt. Das Wesent­liche ist doch, daß das Reich zusammenhält, nicht durch äußere Machtmittel, sondern durch gemein­sames ehrliches Streben und das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit. Wir müssen die Reichsfreude in den Herzen aller Reichsangehörigen stärken, und das kann nicht geschehen, wenn ein meinem politi­schen Ziele entgegengesetzter Weg beschritten wird."

Beim Empfang im Rathause sagte der Reichs­kanzler Dr. Marx in Erwiderung auf die Be­grüßungsrede des Oberbürgermeisters Scharnagel, die Reichsregierung würde nach Kräften den künst. lerischen und kulturellen Bestrebungen Münchens entgegenkommen.

Unter dem Vorsitz des bayrischen Ministerpräsi. deuten fand heute nachmittag im Ministerium des Acußern die vorgesehene Besprechung zwischen der bayerischen Staatsregierung und dem Reichskanzler statt. In der Besprechung wurden die das Reich und Bayern betreffenden aktuellen Fragen eingehend er­örtert.

Verhandlungen ziemlich OptimistLfd) ent­gegen.

Der polnische Unterhändler hat, wie wir hören, Vollmachten für alle Fragen, die ein« prinzipielle Klärung bedeuten. Man ist in Polen der Auffassung, daß die Entsendung Jakowskis, der bekanntlich Mi­nisterialdirektor im Auswärtigen Amt ist, einen Höflichkeitsakt Polens gegenüber Deutschland be­deutet mit dem Zweck, den Faden der deutsch­polnischen Verhandlungen wieder aufzunehmen, der seinerzeit durch Stresemann und Zaleski geknüpft worden ist, aber durch die lange Krankheit des pol­nischen Ministers wieder abgerissen wurde. Man nimmt an, daß die Besprechungen nur einige Tage dauern werden, um dann in Warschau fortgesetzt zu werden. Bei den Besprechungen zwischen Strese­mann und Iakowski wird auch die Frage der zu­künftigen beiderseitigen Führung der Handelsdelega­tionen eine gewisse Rolle spielen. Man nimmt an, daß auch von polnischer Seite eine Aenderung in der Delegationsführung nunmehr offiziell erfolgt. Diese Personalfrage wird für den späteren Gang der Verhandlungen zweifellos wichtig sein. Wenn das nicht der Fall wäre, hätte man vielleicht schon früher von beiden Seiten die neuen Delegations- führer offiziell ernannt

Wer von Bericht zu Bericht die immer deutlicher werdenden Ausstellungen und Mahnungen des Reparationsagenten verfolg» hat, bep muß es mit ernster Sorge erfüllen, wohin eine Politik des Laisser faire treibt. Die erste Gefahr, vor der wir stehen, ist, daß auch jetzt wieder die Warnungen des Memorandums im Sande verlaufen. Die zweite Gefahr ist, daß wir an die mit dem Bericht des Reparationsagenten ver­bundenen Fragen, wie Berwaltungsreform, zentrale Aufsicht der lokalen Finanzen und dergleichen her­antreten, aus dem Gesichtswinkel großer innerpoli­tischer föderalistischer bzw. unikarischer Gegensätze, und daß wir uns in grundsätzliche Auseinander­setzungen verlieren. Es ist notwendig und muß möglich sein, sofort ohne die großen Fragen des Unitarismus aufzurollen, praktische Finanz­wirtschaft zu treiben, die allein uns einer definitiven Regelung des Dawesplanes auf fried­lichem Wege näherbringen kann.

3m Ernst zweifelt kein Mensch an dem guten Willen Deutschlands, nach bestem Können Repa­rationen zu leisten.

Selbstzucht und Selbstkontrolle ist das.wasderAngelsachsevongeistigen und wirtschaftlichen Führern ver- langt. Zeigen wir, daß wir nicht nur im kauf­männischen, sondern auch im politischen Leben Ver­antwortungsgefühl besitzen, daß wir Selbstzucht und Selbstkontrolle kennen und zu üben gewillt sind."

«Kn« Wendung in Rumänien?

Die Freisprechung des ehemaligen rumäni­schen Staatssekretärs Manoilescu durch ein Bukarester Kriegsgericht findet in Rumänien ein außerordentlich starkes Echo. Manoilescu ist von der Regierung Bratianu vor Gerichi gestellt worden, weil er nach einem Besuch in Paris einen Brief des ehemaligen Kronprinzen Karl als dessen Mittelsmann nach Rumänien beförderte. Das Kriegsgericht sprach ihn mit drei gegen zwei Stimmen frei, gab also damit der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Aufrecht­erhaltung von Verbindungen zwischen dem che- maligen Kronprinzen und gewissen Parteien in Rumänien nicht als Hochverrat betrachtet wer­den kann. Das Urteil ist schon deshalb für die Regierung Bratianu nicht ganz unbedenklich, weil sich in ihm doch sicher bis zu einem ge- wißen Grade die Ansicht der rumänischen Ar­mee wiederspiegelt. Man wird nicht außer Acht lassen dürfen, daß immerhin zwei Mitglieder des Kriegsgerichts bereit waren, Manoilescu wegen seiner Beziehungen zu dem ehemaligen Kronprinzen Karl zu einer schweren Strafe zu verurteilen. Die Mehrheit war aber anderen Sinnes. Ob man daraus einen sicheren Schluß auf die Gesamtstimmung in dem rumänischen Heere ziehen kann, ist doch wohl etwas zweisel- haft. Man hat bisher immer angenommen, daß die Regierung Bratianu sich aus das Heer ver­lassen kann. Der Führer der rumänischen Nationalisten hat zwar während des Prozesses erklärt, das rumänische Heer werde die Regie­rung in die Hand nehmen, wenn Manoilescu wegen Hochverrats verurteilt werden sollte. Das ist aber zweifellos zum mindesten außer­ordentlich stark übertrieben. Das Heer ist wohl auch noch heute eine Stütze der Regierung Bratianu, nur muß man nach dem Ergebnis des Prozeßes annehmen, daß doch auch hier ge­wiße Sympathien für den ehemaligen Kron­prinzen Karl vorhanden sind.

Zweifellos haben die rumänischen Oppo­sitionsparteien durch das freisprechende Urteil einen neuen Antrieb bekommen. Wie es scheint, bereiten sie ein gemeinsames Vorgehen im Parlament vor. Trotz alledem kann man sicher, damit rechnen, daß die Regierung Bratianu die Zügel weiter in der Hand behält. Sie hat unmittelbar nach dem Abschluß des Prozesses verkünden lassen, daß sie ihren bisherigen Sur» fortsetzen werde. Danach wird sie also kaum die Absicht haben, sich mit der Opposition aus Kompromißverhandlungen einzulassen, die doch schließlich der Rückkehr des ehemaligen Kron­prinzen Karl nach Bukarest den Weg bereiten müßten. Mit einer Politik der Nachgiebigkeit würde Bratianu seine eigene Stellung unhalt­bar machen. Es ist deshalb anzunehmen, daß er auch verschärfter Opposition gegenüber fest bleibt. Dabei sind die inneren Verhältnisse aber doch wohl nicht sicher genug, um die Möglich­keit unvorhergesehener Wechselfälle auszu­schließen.

3w Svase dev WetwcidbiMett GhvenrekOen.

Wien, 17. Nov. Bundeskanzler Dr. Seipel gab heute nachmittag im Bundesausschuß des National­rates zu dem von Sozialdemokratischer Seite ge­stellten Antrag wegen Verleihung des Ehrenzeichens der Republik Oester - reich an die deutschen Staatsmaner eine kurze Erklärung ab, des Inhaltes, daß nach seinen Informationen die Verleihung des Ehren­zeichens durchaus nicht im Widerspruch mit der Verfassung des Deutschen Reiches stehe, weder mit ihrem Wortlaut und noch weniger mit ihrem Geiste. Uebrigens sollte man sich in Oesterreich schon aus Gründen internationaler Höflichkeit in diese Fragen nicht einmischen. Auch wäre es in der ganzen Welt als Unfreundlichkeit erschienen, wenn von einer Verleihung der Ehrenzeichen an die Deutschen Staatsmänner abgesehen worden wäre und hatte zu unangenehmen Kommentaren Anlaß gegeben, als ob die Freundschaft zwischen dem Deutschen Reichs und uns nicht eine so enge wäre die sie ratsächlich ist."

NveuHenS Ä8ev-MMravde«-Gtat füv 1028.

Der preußische Haushaltsplan für das Jahr 1928 soll, nach einer Meldung desDemokratischen Zei- tungsdienstes", bereits morgen dem Staatsrat vor- gelegt werden. Der Bruttoetat sieht vor an laufen­den Einnahmen 3864 Millionen, an einmaligen Ein- nahmne 183 Millionen, also insgesamt 4047 Mil­lionen gegen 3645 Mill, im Jahre 1927. An dauern­den Ausgaben 3816 Mill, gegen 3645 Millionen im Jahre 1927. Es bleibt also ein Zuschußbedarf von 74 Millionen. Diese 74 Mill, verlangt Preyßen vom Reich als Deckung seiner Mehrausgaben für die Be- foldungsreform.