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V«SeiievLl Anzeiger für^M^VAana« «Stadt und Land

MyvGenrrel-Anzeiger M>

I rscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- um Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben tonal RM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 1S, !>omstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise-. Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite : R-Pfg., im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. / Osfertengebühr 50 R-Pfg.

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall dar Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Sezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: $ammtr|fr.9 / Fernspr. 3956, 3937,3958

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Das LtSAsKs.

In Pittsburg wurden durch die Explosion größten Gastanks der Welt zahlreiche Men- n getötet und verletzt.

Der Preußische Landtag hat gestern seine marberatungen wieder ausgenommen.

Beim Empfang von Dr. Marx und Dr. efemann beim österreichischen Bundeskanzler Seipel wurden herzliche Trinksprüche ge- lijfelt.

Vor dem Kattowitzer Bezirksgericht wurde Chorzow-Konflikt ein der Entscheidung des iger Gerichtshofes widersprechendes Urteil ge- t.

Der für die rechtsrheinische Textilindust..e adte Schiedsspruch ist für verbindliH erklärt rden. Nach dieser Verbindlichkeitserklärung und i neuen Vereinbarungen wird die Arbeit unver- zlich wieder ausgenommen.

3m Prozeß Manoklescu wurde der Ange- gte freigesprochen.

WZedeebssrntr des Rveuü. LandSags

Berlin, 14. Nov. Der Preußische Landtag nahm ite für zwei Tage seine Vollsitzung wieder auf. if der Tagesordnung standen, da die neue Be- dungsordnung im Ausschuß noch nicht fertig­stellt ist, nur kleine Vorlagen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragte asper (Kom.) als ersten Punkt der Tagesord- mg einen Urantrag seiner Partei zu beraten, der i) gegen die Vertraulichkeit der Vor - »sprechungen über die Besoldungs- form wendet und darin einen Verstoß gegen e Geschäftsordnung erblickt, zumal die Kommu- pten davon ausgeschlossen gewesen seien. Der mittag solle den Beschluß auf Vertraulichkeit der rterausschußverhandlungen über die Besoldungs- dnung aufbeben.

Der kommunistische Antrag scheiterte geschäfis- mungsmäßig am Widerspruch des Abg. Dr. Käh-

(Dnth) In Erledigung der Tagesordnung über« les das Haus sodann den Gesetzentwurf, der eine ertöngerung gewisser Bestimmungen des Polizei- stengesetzes verlangt, an den Hauptausschuß. In len Lesungen wurde der Gesetzentwurf angenom- sn, der die BezeichnungGerichts- Treiberei" durchGeschäftsstelle' sw. umwandelt. Ein Gesetzentwurf, der die ienstverhältnisse der mit der Wahrnehmung der eschäfte eines Urkundsbeamten der Geschäftsstelle trauten Beamten regelt, ging zur weiteren Vor- »ratung an den Rechtsausschuß.

Eine Novelle zum Gesetz über die Bereit« e 11 u n g von Zwischenkrediten für die örderung des Wohnungsbaues, wo- ach Darlehen bis zu 120 Millionen Reichsmark als »Wischenkredite auf Erste Hypotheken nicht mehr ne bisher bis zur Dauer von einem, sondern bis ar Dauer von drei Jahren nach dem jeweiligen ibruf gewährt werden dürfen, wurde dem Haupt- usschutz überwiesen. Gleichfalls an den Hauptaus- chuß ging ein Entwurf, der 10 730 000 Mark Kredit­mittel für den weiteren Ausbau des Stet­tner Hafens bereitstellen will. In zweiter und ritter Beratung wurde ein Gesetzentwurf angenom« nen, der 1,5 Million Kredite für die Förderung »er ost preußischen Mittel- und Klein- ndustrie bereitstellt.

Weiter stimmte das Haus Anträgen des Unter« Hchtsausschusses zu, die unter anderem verlangen, laß das Mißverhältnis an den preußischen Volks­chulen bezüglich der Zahl der katholischen Lehrer zur Z^ihl der katholischen Dolksschüler soweit wie nöglich beseitigt werden soll. Es folgte dann die Beratung des an Stelle der Einzelanträge der Par. teien vom Hauptausschuh angenommenen umfassen« )en Antrags bezüglich der Unwetterschäden. Dieser Antrag verlangt ausreichende Mittel zu Not- 'standsunterstützungen, und zwar in erster Linie für ne mittet« und kleinbäuerlichen Pächter, Meder- chlaaung rückständiger Staatssteuern, Stundung der taatlichen Grundvermögenssteuer oder deren Nie- Zerschlagung in dringenden Fällen, Einwirkung auf üe Reichsregierung, in gleicher Weise vorzugehen, weitere Stundung der von der Preußenkosse und der Rentenbant gewährten Kredit«, Unterstützung mit Saatgut und Futtermitteln usw. Die gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften sollen ihren durch Unwetter­schäden schwer betroffenen Siedlern weites Ent­gegenkommen bezüglich der Rentenzahlungen zeigen. Zur Abwendung der Ueberschwemmungsgefahren wird die beschleunigte Durchführung von Flußregulierungen und anderer ge= fordert. Nach längerer Aussprache wurde der Sam- melantrag des Hauptausschusses angenommen. Als ein deutschnationaler Antrag, der das Staatsministe­rium ersucht, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, durch welche dem großen Mangel an Arbeitskräften, der im Erntejahr 1927 in allen Teilen des Reichs, owohl im Klein- als auch im Großgrundbesitz vor­handen gewesen sei und zum Verlust ungeheurer volkswirtschaftlicher Werte geführt habe, im nächsten 3at)r vorgebeugt wird, zur Abstimmung kam, wur- >en nur 217 Stimmen gezählt. Das Haus war

also beschlußunfähig. , _.

Darauf vertagte sich der Landtag auf Dienstag, 12 Uhr: Denkmalschutzgesetz und Herne Vorlagen.

Schwere Gsvlosion in Oittsbueg.

Dev svSSte Tank dev MeSt Elodievt. - Sahlvettbe Tote und Verletzte.

Villsburg, 14. Rov. 3 m Rordteile der Sladl ereignete sich eine folgenschwere Ex­plosion eines großen Gastanks, der der Egui- table-Gasgesellschast gehört. Zahlreiche Personen sind getötet worden. Die Explosion war so ge­waltig. daß die Erschütterung in der ganzen Um­gebung verspürt wurde. Metallteile des riesigen Tanks wurden viele Straßen weit geschleudert. Zahlreiche Gebäude erlitten Beschädigungen, und selbst in dem entfernt gelegenen Geschäftsviertel ge­rieten die Häuser ins Schwanken, so daß man zu­nächst an ein Erdbeben dachte. Rach den bis jetzt vorliegenden Berichten haben bei der Explosion über 20 Personen den Tod gefunden. Hunderte von Personen sind verletzt.

Pittsburg. 14. Rov. Die Aerzte der Pitts­burger Krankenhäuser schätzen die Zahl der infolge der Explosiion des Gastanks als verletzt g é - medeten Personen auf 500 b i s 600. Die betroffene Gasanstalt beschäftigte im ganzen 300 Arbeiter; doch ist noch nicht bekannt, wieviel Per­sonen im Augenblick der Katastrophe an der Arbeit varen. Von fachmännischer Seite wird behauptet, der explodierte Tank fünf Millionen Kubikfuß faßte und der größte der Welt war. Augen­zeugen berichteten, daß sofort nach der unter furcht­barem Getöse erfolgten Explosion die benachbarten Gebäude einskürzten und die Straßen aufgewühlt wurden. Die Telephon- und Stromleitungen, sowie )ie Wasserleitungsrohre wurde nzerrissen und die dadurch entstandene Ueberschwemmnnq und die großen Trümmerhaufen in den Straßen erschwerten ms Rettungswerk der Polizei und Feuerwehr. 3n einer mehrere Straßen entfernt liegenden Schule befanden sich gerade 200 Kinder auf dem Schulhofe,

Die VevLSnev treffe ru den Vahren èn Hessen.

Die gesamte Berliner Presse nimmt zu dem vor­gestrigen Wahlsonntag und besonders zu den Wah­len in Hessen Stellung. In derDeutschen Ta­geszeitung" heißt es u. a.:In Hessen ist Wahlmüdigkeit und Flauheit fast gleichmäßig stark zutage getreten. Nur die Kommunisten haben einen absoluten Gewinn zu verzeichnen, während die So­zialdemokraten rund ebensoviel Stimmen verloren haben, wie der Landbund, die Deutsch nationalen und die Deutsche Volkspartei zusammengenommen. Am besten schneidet bei dem allgemeinen Stimmen­rückgang die Aufwertungspartei ab, deren Stimmen« erfolg sich wohl mit den Verlusten der Deutschnatio­nalen deckt. Hier ist also ein Teil der Wählerschaft ihren besonderen Irrweg gegangen, die bei der letz­ten Reichstagswahl wegen der Aufstellung des HerrnBest deutschnational wählten. Die Verwirrung die dadurch in die Reihen der hessischen Deutsch­nationalen hineinaetragon wurde, hat sich aber schwer gerächt. Hier müssen also noch besondere Dinge in der Aufklärungsarbeit und Organisationen midgespielt haben."

DieK r e u z z e i t u n g" sagt u. a.:Daß Wahl­müdigkeit und Parteizersplitterung .sogar da eine verhängnisvolle Rolle spielen und die Stoßkraft des Bürgerrums verhindern, wo durch eine offenbare F'lnanzmißwirtschaft das Land fast in Grund und Boden hineinregiert worden ist, zeigt, wie wenig politische Einsicht und politischer Wille in den Krei­sen vorhanden ist, die letzten Endes die Leidtragen­den der Linksregierung geworden sind und doch nicht die Energie aufbrachten, sich dagegen mit den rech­ten Mitteln zur Wehr zu setzen. Warum? Weil dem einen die Nase des Parteikandidaten nicht gefällt, der andere seine Sonderinteressen nicht genügend berücksichtigt oder in den Vordergrund gerückt siebt und der dritte weder demokratisch, noch deutsch­national, weder Bauernpartei, noch auch bürgerlich sein, sondern seine Ruhe haben will. So wissen 50 v. H. nicht, wohin sie gehören. Es ist traurig genug, daß man immer wieder dasselbe feststellen muß."

ImB ö rs« n k u r ie r' wird gesagt:Hessen ist waihlunlustia. Vielleicht gerade weil die Streit­fragen und Aufgaben dort politischer sind als in den Stadtstaaten, weil gerade die Reichstagswahlen, von denen die wichtigsten Entscheidungen erwartet wer­den, nicht mehr so fern sind. Ueberdies hat man in Hessen viel Verständnis für den Vorrang des gro« ßen Vaterlandes, mit dessen gesamtem Schicksal man sich ja schon durch die Besatzung besonders finnfällig verbunden fühlt. Die schwache Beteiligung an der Wahl, zu deren Parolen auch die Reichs­einheit gehörte, braucht durchaus kein Anzeichen der Gleichgültigkeit angesichts dieser deutschen Aufgaben zu sein. Sie kann auch im entgegengesetzten Sinne gedeutet werden: man legt auf die Parteigestaltung des Landes, dessen politische Dafeinssorm man als etwas Vorläufiges empfindet, keinen so großen Wert mehr."

DieD. A. Z." meist besonders darauf hin, daß sowohl in Hessen wie in Bremen die Kommunisten einen absoluten Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben. Der von den Sozialdemokraten erwartete Luwachs aus dem kommunistischen Lager sei aus«

von denen mehrere durch Trümmerstücke verletzt wurden. 3n der Umgebung der Unglücksställe brach eine Panik aus. Die Einwohner fluchteten aus die Straße. Die ersten 11 geborgenen Toten waren Ar­beiter. Die Wucht der Explosion wird durch die Tat­sache illustriert, daß zentnerschwere Stücke von Tankstahlstreben eine Meile von der Unglücksstätte entfernt aufgefunden wurden. Drei Häuserblocks entfernt wurde ein Straßenbahnwagen zertrümmert und sämtliche Fahrgäste verletzt. Alle Krankenhäuser von Pittsburg sind mit Verletzten überfüllt.

Pittsburg, 21. Rov. Roch mehrere Stunden noch der Explosion des Gasometers war es den am Rettungswerk beteiligten Personen unmöglich, nach dem Mittelpunkte des verheerten Distriktes oor- zudringen. Es wird angenommen, daß Arbeiter, die Reparaturen vornahmen, durch unvorsichtiges hantieren mit einer Lötlampe das Unglück verur­sacht haben. Die Explosion ereignete sich mitten in einem Bezirk, der von Arbeilerwohnhäusern, Fa­briken und Speichern überfüllt ist. In vielen Fällen haben einslürzende Fabrikgebäude sämtliche Arbei­ter unter sich begraben. Man befürchtet, daß die Zahl der Toten noch erheblich steigt, da viele Per­sonen. darunter oft ganze Familien mit außer­ordentlich schweren Verletzungen in die Hospitäler eingeliefert werden. Branddirektor Smich, ein Augenzeuge der Explosion, erzählte, daß der riesige Stohltank sich wie ein Riesenballon mehrere hundert Fuß in die Lust erhoben habe. Er blieb zunächst einen Augenblik lang völlig intakt und zerbarst dann unter riesigem Getöse wie eine Bombe. Stahlstücke von sieben Tonnen Gewicht flogen wie Pappdeckel durch die Luft.

geblieben, im Gegenteil, der Nachwuchs gehe nicht zu den Sozialdemokraten, sondern zu den Kommu­nisten.

DieTägliche Rundschau" sieht ebenfalls in dem vorgestrigen Wahlsonntag ein ernstes War­nungssignal für die bürgerlichen Parteien.

DieGermania" unterstreicht die Erfolge des Zentrums.

ImBerliner Tageblatt" heißt es: Dieses offensichtlich lebensunfähige Land litt unter einer Wahlmüdigkeit, wie es bei großen Wahlen in Deutschland kaum vorgekommen ist. Fast die Hälfte aller Wahlberechtigten blieb der Wahlurne fern. In diesem finanzschwachen Lande, das von der Unterstützung des Reiches noch viel mehr abhängig ist, als bisher bekannt wurde, sieht man offenbar die Notwendigkeit der Eigenstaatlichkeit und des eigenen Landtages nicht mehr ein."

Schließlich stellt derV o r w ä r t s" fest:Die Sozialdemokratie, die sich bei den Wahlen der letz­ten Wochen im ganzen Reich auf dem Vormarsch zeigte, hat leider auch unter der schwachen Wahl­beteiligung leiden müssen. Der schon bei den Kom­munalwahlen 1925 zu verzeichnende Stimmenver­lust im Vergleich zu den Wahlen von 1924 ist auch diesmal leider nicht aufgeholt worden. Diese Wahl, die sehr aus der allgemeinen Linie herausfällt, ist nur durch die besonderen Verhältnisse Hessens zu erklären. Die besonderen Verhältnisse in Hessen er« klären die Stimmenverschiebungen, aber er« klären sie die Wahlmüdigkeit? Man muß die Frage aufwerfen, ob diese Wahlmüdigkeit eine Klein­staatereimüdigkeit ist, ob sie der Ausdruck dafür ist, >daß die Bevölkerung die Existenzberechtigung eines selbständigen Hessens verneint."

Die tSahiett rum DanrZsev VoSksias.

Danzig, 14. Nov. Das vorläufige amtliche Ergebnis der Danziger Volkstagswahlen vom gestrigen Sonntag steht bereits fest. Danach ver­teilen sich die Sitze wie folgt: Deutschnationale 25 S, Sozialdemokraten 42 (ß0), Zentrum 18 (15), nmuniften 8 (11), Nationalliberale 5 (1), Liberale 4 (), Deutschsoziale 1 (7), Deutsch-Dan­ziger 5 (6), Fischer 1 (1), Mieter 3 (5), Polen 3 (5), Bürg. Arbeitsgem. 2 (), Hausbesitzer 1 (), Na­tionalsozialisten 1 (), Wirtschaftsliste 1 ().

Den Polen fehlten nur 4 Stimmen an einem weiteren Mandat. Sie hatten im ersten Dan­ziger Volkstag 7, im zweiten 5 und in dem jetzigen haben sie nur 3 Sitze. Die Wahlbeteiligung ist jetzt amtlich auf 85,09 Prozent errechnet.

Die Danziger Presse unterstreicht in ihren Kom­mentaren die verhängnisvollen Folgen der bürger­lichen Zersplitterung. Stellt sich doch heraus, daß, abgesehen vom Zentrum, keine der bürgerlichen Mittelparteien Fraktionsstärke erlangt hat. Ob nach­trägliche Flickarbei zum Ziel führt, bleibt noch ab­zuwarten. An sich stehen rund 5^ marxistischen Mandaten 67 Mandate gegenüber, die zum bürger­lichen Lager zählen. Trotzdem scheint nach Lage der Dinge eine bürgerliche Regierung ausgeschlossen zu sein, und alles rechnet mit einer kommenden Links­regierung unter dem bestimmenden Einfluß der So« zialdemokrati«.

Die SevgewaMgung des Msmsssedists.

Um Deutschland auch im Osten nach Mög» lichkeit zu schwächen, mußten im Friedensver­trag von Versailles auch die Kreise Memel und Heydekrug sowie die auf dem rechten Njemenufer liegenden Teile der Kreise Tilsit und Ragnit an die Alliierten abgetreten wer­den, die hinfort das rund 2450 Quadratkilo­meter großeMemelland" mit 140 000 Ein­wohner bildeten. Angeblich wohnten in diesem Gebiete hauptsächlich Litauer, doch hütete sich die Entente wohl, es auf eine Volksabstim­mung ankommen zu lassen, die sicherlich zu­gunsten von Deutschland ausgefallen märt- Das auf diese Weise dem deutschen Reiche ent­rissene Gebiet fiel auch nicht unmittelbar an Litauen, sondern dieser neugebildete Rand­staat übernahm lediglich unter der Aufsicht des Völkerbundes die Verwaltung. Die Rechte der Bevölkerung wurden durch das von der Märztagung 1924 in Genf genehmigte Memelstatut" geregelt.

Von Anfang an waren die Machthaber in Kowno eifrig bemüht, das Deutschtum in Me­mel auszurotten und die Einwohner zu Litau­ern zu machen, doch ist ihnen dieser Versuch trotz aller Bemühungen bisher nicht gelungen. Allerdings haben zahlreiche Deutsche dem Lande den Rücken gekehrt, da sie durch die fortgesetzten Drangsalierungen wirtschaftlich schwer geschädigt wurden und schließlich kei­nen anderen Ausweg mehr wußten. Eine An­zahl von Geistlichen wurden ausgewiesen, weil sie sich der dem Memelstatut in jeder Weise hohnsprechenden rein litauischen Sy­node nicht unterwerfen wollten. Mehrere Richter mußten das Land verlas en und wur­den durch juristisch nur notdür tig ausgebil­dete Litauer ersetzt; deutsche Assessoren, die sich zu dem Richterposten meldeten, wurden nicht angenommen. Ebenso wie die Wirtschaft ging auch die Rechtspflege in erschreckender Weise zurück. Im August 1924 wurden 15 junge Leute, meist dem Kaufmannsstande angehö­rig, wegen eines angeblichen Putsches gegen das litauische Militär zu längeren Zuchthaus­strafen verurteilt, obwohl sie niemals im Be­sitz von Waffen gewesen waren.

Lange schob man die Wahlen zum Land­tage des Memelgebietes hinaus, endlich wur­den sie auf den 19. Oktober 1927 angesetzt. Ei­nige Tage zuvor wurde auf die bekannte Zei­tungMemeler Dampfboot" ein Bombenan­schlag ausgeführt, um dieses deutsche Blatt für die Wahlbewegung lahmzulegen. Trotzdem ergaben die Wahlen einen Sieg der Memel­länder über die Ervßlitauer, der alle, selbst die kühnsten Erwartungen übertraf. Die Deutschen und die für die Erhaltung der deut­schen Kultur im Lande eintretenden Litauer hatten fast 57 000 Stimmen und 27 Abgeord­nete, die Groß-Litauer nur 2750 Stimmen und 2 Abgeordnete erhalten. Anfangs dachte die Regierung in Kowno daran, das Wahl­ergebnis umzustoßen, doch sah sie später da­von ab und berief den Landtag zum 23. No­vember ein. Sofort erhoben die Mehrheits­parteien Beschwerde darüber, daß der Gau- verneur das nach dery Putsch eingesetzte Lan­des-Direktorium Borchertas auch nach dessen Rücktritt mit der vorläufigen Wèitersührung der Geschäfte betraut habe. Doch alle Vorstöße gegen den Gouverneur blieben vergeblich, nach wie vor blieb das bisherige Direktorium in Tätigkeit. Auch die Beschwerden beim Völ­kerbund hatten nicht den gewünschten Erfolg, die Angelegenheit wurde von einer Rats­tagung in die andere verschoben.

Die Hoffnungen, welche die Memelländer auf den Regierungswechsel im Sommer 1926 gesetzt hatten, erfüllten sich nicht, denn in dein Kampfe gegen das Deutschtum vertrat die christlich-demokratische Volkspartei denselben Standpunkt wie die Volkssozialisten. Ja, der neue Präsident Woldemaras ging, um den Widerstand der Deutschen endlich zu breche.i, mit noch stärkeren Mitteln vor. Im Frühjahr 1927 wurde, um die Wahl eines neuen Direk­toriums zu verhindern, der Landtag aufgelöst, die Neuwahlen wurden von einem Monat zum anderen hingeschoben und fanden endlich im September 1927 unter den Bajonetten des litauischen Militärs statt. Aber trotz aller Dro­hungen blieb das Ergebnis das gleiche, die Memelländer hatten dieselbe erdrückend Mehrheit wie bei den früheren Wahlen, d^ Groß-Litauer erhielten nicht mehr als ihn bisherigen Stimmen. Nunmehr versuchte SS tauen den deutschen Einfluß durch Knebelns-