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«. 268

Montag den

14» Novemver

4928

Die Landiagswahlen in Mm

Schwache WablbeteMs««s. - ât«e Äleetdevuns der MevvhettsvevbSttMse.

Die heMMo« Wahle«.

Darmstadt, 13. Nov. Am heutigen Sonntag fan- I in Hessen die Landtagswahlen statt, die ebenso der Wahlkampf in Ruhe verliefen und nach den zum Abend vorliegenden Meldungen keinerlei ischenfälle hervorriefen. Die Wahlen haben eine erraschung gebracht, die in mehr als einer Hin- I : bedeutsam ist. Es war entsprechend dem über­lauen Wahlkampfe und der herrschenden Stim- ng zu erwarten, daß ein Rückgang der Stim- izahl ganz allgemein eintreten würde. Daß er r so groß ist, wie das Ergebnis am Sonntag- nd erkennen läßt, dürfte ein Warnungszeichen alle bürgerlichen Parteien sein, die erfahrungs- iäß unter dem Stimmenrückgang am meisten zu »en haben. Durch die katastrophale Wahl- teiligung von noch nicht 52 Prozent echnet sich Gewinn oder Verlust einer Partei glich danach, wie mehr oder weniger groß der mmcnrückgang für die betreffende Partei ist. Da st sich die interessante Tatsache, daß die Wähler Zentrumspartei am besten der Parole ihrer rtei gefolgt sind. Daraus allein folgt auch ihr winn, den sie mit 2 Abgeordneten buchen kann. ; Deutsche Volkspartei wird mit zwei (möglicher- ise auch nur mit einem) Abgeordneten weniger den neuen Landtag ziehen. Dagegen haben die utschnationalen ganz außerordentliche Verluste er- :en, was wohl zum Teil auf die Gründung der üksrechtspartei zurückzuführen ist. Die Deutsch- tionalen werden künftig nur mit drei Abaeord- um, Vic Dolksrechtspartei mit derselben Stärke 'treten sein. Für die Linke bedeutungsvoll ist das ährliche Anwachsen der Kommunisten, die im gensatz zu allen anderen Parteien einen erheb­en Gewinn buchen können. Sie werden mit nicht Niger als sechs (vier) Mandaten in den neuen mdtag ziehen und damit Fraktion werden, ihrend die Deutschnationalen ihre Fraktionsfäbig- t verlieren, wenn sie nicht mit der Dolksrecyts- > rtei zusammengehen, was nicht ausgeschlossen er-

Der von der Sozialdemokratie prophezeite eg ist ebenfalls nicht eingetreten. Im Gegenteil, ' Sozialdemokratie verliert von ihren 26 Sitzen tei. Auch die Demokraten haben einen ihrer Ab- ordneten hergeben müssen, so daß sie künftig nur ich mit fünf im neuen Landtag vertreten sein erden. Seine bisherige Stärke hat allein der essische Landbund beibehalten. Er wird mit neun Mandaten vertreten sein. Als Gesamtergebnis kann stgestellt werden, daß grundlegende Ver­th iebungen nicht erfolgt sind, so daß eine esentliche Aenderung der Mehrheitsverhältnisse icht eintreten wird.

I Das Gvssbnks der Provinzen.

Provinz Oberhessen.

Sozialdemokraten 34 445 (47 151);

Zentrum 5 898 (7 740);

Demokraten 4 315 (10120);

Landbund 33 746 (44 571);

Deutschnationale 6 904 (13 551);

Kommunisten 4 660 (4 721);

Deutsche Volkspartei 9 570 (14 363); Volksrechtspartei 3 629 ().

Provinz Starkenburg.

Sozialdemokraten 83 683 (113 928);

Zentrum 38 739 (45 418);

Demokraten 15 356 (21 391);

Landbund 21 407 (27 473); Deutschnationale 10 082 (22162); Kommunisten 29 673 (24 137); Deutsche Volkspartei 25 793 (36 000); Volksrechtspartei 13 644 ().

Provinz Rheinhessen.

Sozialdemokraten 39151 (59 029);

Zentrum 40 811 (47 226);

Demokraten 15 079 (21 797);

Landbund 5 849 (10 698);

Deutschnationale 7 027 (8 004); Kommunisten 6 827 (4 811);

Deutsche Volkspartei 16 275 (23 567); Volksrechtspartei 6 893 ().

Oie Bvemev Büvgevschafts- wahls«.

Bremen. 13. Nov. Bei den heutigen Bürger­schaftswahlen ist es nirgends zu Zwischenfällen ge­kommen. Die Wahlhandlungen verliefen ruhig. Bei den in der Stadt veranstalteten Umzügen wurde ein kommunistischer Trupp beim Betreten der Bannmeile aufgelöst.

Es wurden für die einzelnen Parteien folgende Stimmen abgegeben: Stadtgebiet Bremen: Sozialdemokraten 70 201 (56 815), die bürgerliche .Einheitsliste, bestehend auf Dntl., Dopt., Wirtschpt., Völk., mit 48 540 (51615), Demokraten 17 291 (18 779), Kommunisten 17 773 (14 426), Haus- und Grundbesitzer 15 344 (12 560), Zentrum 4039 (3612), Heim und Scholle 1864 (1997), Dolksrechtspartei 1062. In V e g e s a ck: Einheitsliste 1545 (1411), Sar. 1009 (899), Komm. 128 (161). 3m Bremer-

Das Gesamtergebnis.

D a v m st a d *, 13. Kovdr. Die Wahlen im Dolksftaat Hessen find im allgemeinen ruhig verlausen. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich schwach.

Das amtliche Wahlergebnis l

lantet wie solst r

Sozialdemokraten

152 289

(226108)

Zentrum

85 448

(100 384)

Demokraten

32 250

(53 301)

Landbund

61 062

(82 S42)

Deutschnationale

24 013

(43 212)

.-Kommunisten

41160

(33 680)

Deut-che Volksvavtei

51 638

(23 030)

Dolksvechtsvartei

<25166

Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen Vetvfigt 482 531 wahlberechtigt waren OOO 303 Versonen.

Die Wandatsvertettung.

D a r m st a d t, 14. Novbr. Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis der hessischen Landtagswahlen verteilen sich die Mandate im neuen hessischen Landtag wie folgt:

Sozialdemokraten 23 (26) Zentrum 13 (11) Demokraten 5 (6) Landbund 9 (8) Deutschnationale 3 (6) Kommunisten 6 (4) Deutsche Bolkspartei 7 (9) Volksrechtspartei 3 (0)

Ein Mandat ist noch strittig. Erst das endgültige Wahlresultat wird entscheiden, ob das Mandat den Sozialdemokraten oder der Deutschen Bolkspartei zufallt.

Die geklammerten Zahlen stellen das Ergebnis der Landtagswahlen von 1924 dar.

Haven: Soz. 4866 (4626), Einheitsliste 4950 (5151), Dem. und Zentr. 1932 (1579), Komm. 1076 (999). Die Wahlbeteiligung betrug 84,2 Prozent.

Bremen, 14. Roo. Die Verteilung der Man­date nach dem Gesamtergebnis der Bremer Bürger­schaftwahlen wird folgendermaßen werden:

Sozialdemokraten 50 (46),

Bürger!. Einheitsliste 36 (40),

Demokraten 12 (14),

Kommunisten 10 (9),

Haus- und Grundbesitzer 9 (8),

Zentrum 2 (2), heim und Scholle 1 (1), Dolksrechtspartei.

Ote Baurisse Volkstass- wahle«.

Danzig. 13. Nov. Die am heutigen «Sonntag durchgefüyrten Dolkstagswahlen, denen in den ver­gangenen Tagen eine ziemlich lebhafte Propanda- tätigfeit seitens der Parteien vorausgegangenen war, sind nach den bisherigen Feststellungen ohne größere Zwischenfälle verlaufen. In der Stadt selbst sind nirgends Störungen vorgekommen. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich lebhaft. Nach den bisherigen Ergebnissen läßt sich ein sehr starkes Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen fest­stellen.

Bis 0,45 Uhr lag folgendes vorläufiges Gesamt­ergebnis vor: Soziademokr. 61 677 (39 628), Deudschnatl. 35 816 (44 581), Zentrum 26 090 (20 942), Kommunisten 11 695 (14 901), National- liberale Bürgerpartei 8 329 (), Deutsch-Danziger Volkspartei 8008 (7411), Deutsch-liberale Partei 6200 (11006). Polnische Partei 6565 (7189).

Die Wahlbeteiligung betrug etwa 83 Prozent gegen 81 Prozent im Jahre 1923. Die geklammerten Zahlen sind die Ergebnisse bei den Volks tagswahlen vom 18. November 1923.

Die Wahlen zur Slnsefiellten- vevfichevung.

Berlin, 13. Nov. Unter stärkster Beteiligung wurde heute in Berlin zur Angestelltenversicherung

gewählt. Gegenüber 1922, wo nur 53 000 Stimmen abgegeben wurden, zählte man heute 138 985 Stim­men. Diese ganz unerwartet starke Wahlbeteiligung hat vielfach zu großen technischen Schwierigkeiten geführt. U. a. stellte sich vielfach heraus, daß die bis 3 Uhr befristete Wahlzeit nicht ausreichte oder die Wahlumschläge nicht zureichten, so daß viele Wäh­ler unter Protest die Wahlstätte verliehen, da sie unabgefertigt blieben. Die Auszählung der auf 13 Wahllisten verteilten Stimmen findet erst in den nächsten Tagen statt. Wie in Berlin war auch im übrigen Reich die Wahlbeteiligung über alle Erwar­tungen stark. So wurden in München 17 000 Wäh­ler gegenüber 9 600 bei der letzten Wahl gezähll. In Hamburg, wo auch noch morgen gewählt wird, wurden heute schon 27 600 Stimmen gegen 11400 bei der vorigen Wahl abgegeben. In Guben wur­den 1164, in Kottbus 1884 Stimmen abgegeben. Wie ein Montagblatt meldet, weist das Berliner Hauptwahlamt darauf hin, daß die Beteiligung an der Wahl vorher nicht zu übersehen gewesen wäre. Sollte in den einzelnen Bezirken Proteste gegen die Gültigkeit der Wahl erhoben werden, die sich auf die Tatsache berufen, daß wegen mangelnder Wahl­umschläge ein Teil der Wähler nicht mehr zur Wahl zugelassen werden konnte, so seien diese Pro­teste berechtigt.

Die bis Mitternacht in Berlin vorliegenden Er­gebnisse der Wahlen für die Vertrauensmänner der der Angestelllenversicherung lassen, der «Montags- poft zufolge einen Erfolg der Lislenverbindung der im Hauptausschuß vereinigten verbände erkennen. Ueber das Resultat der Wahlen in Berlin liegen noch keine endgültigen Ziffern vor. Aus dem Reich werden die Ergebnisse von 109 Wahlbezirken gemel­det. Danach erhielten die hauptausschußverbände 287 Vertrauensmänner und 536 Ersatzleute, der frei­gewerkschaftliche AFA-Bund 34 Vertrauensmänner und 94 Ersatzleute und die wilden verbände 6 Ver­trauensmänner und 17 Ersatzleute.

In Hanau finden die Wahlen erst am Sonntag, 27, November statt.

Ms wienev Heine.

Berlin, 13. Nov. Reichskanzler Dr. Marx ist heule um 18.48 Uhr vom Anhalter Bahnhof nach Wien abgereifl. Der Reichsaußenminister, der sich von Halle nach Leipzig begeben hat, wird sich in Leipzig mit dei^ Reichskanzler treffen und von dort aus gemeinsam mit ihm die Reife nach Wien fortsetzen. Dem Berliner Vertreter derNeuen Freien Presse" sagte Reichskanzler Dr. Marx:Ich und Dr. Strese­mann legen den größten Wert darauf, die per­sönlichen Beziehungen zwischen den deutschen und österreichischen Staatsmännern fortzu­setzen. Unser Besuch in Wien ist eine Erwide­rung des Besuches des österreichischen Bundes­kanzlers in Berlin. Große politische Auseinan­dersetzungen werden während unserer Reise nicht stattfinden. Wir müssen, weil die Arbeit in Berlin drängt, bald wieder nach Berlin zu- rückkehren. Bestimmte Fragen haben wir mit der österreichischen Regierung nicht zu erör­tern. Wahrscheinlich wird auch von dem Ent­wurf des neuen Strafrechts die Rede fein, das beiden Staaten gemeinsam sein soll. Die deutsch-österreichische Rechtsangleichung wird auf dem Gebiete des Strafrechts bald vollkom­men sein. r

Reichskanzler Dr. Marx und Reichsauß'en- minister Dr. Stresemann sind nach Wien ge­reist, um der österreichischen Regierung einen Gegenbesuch zu machen. Wir können überzeugt sein, daß sie in der österreichischen Bundes­hauptstadt einen herzlichen Empfang finden werden und daß ihr dortiger Aufenthalt die engen Freundschaftsbande, die uns mit den österreichischen Stammesgenossen verbinden, weiter kräftigen und festigen wird. Es versteht sich von selbst, daß bei dem Besuch keine partei­politischen Unterschiede gemacht werden. Der Reichskanzler und der Reichsaußenminister kommen als die Vertreter des ganzen deutschen Volkes und sie werden von allen Deutsch- Oesterreichern ohne Unterschied der Parteien willkommen geheißen. Man kann ja erfreu­licherweise sagen, daß in dem Willen zum gegenseitigen Anschluß alle Parteien in Oester­reich und in Deutschland einig sind. Deshalb wird während des Aufenthaltes des Reichs­kanzlers und des Reichsaußenministers in Wien der Gedanke der Zusammengehörigkeit und der deutschen Stammeseinheit über allen anderen Gesichtspunkten stehen und in den beabsichtig­ten rednerischen Kundgebungen einen herz­lichen Ausdruck finden.

Man wird hoffen dürfen, daß der Besuch des Reichskanzlers und des Reichsaußen- ministers in Wien auch auf die innerpolitischen Verhältnisse in Oesterreich nicht ohne günstige Rückwirkung sein wird. Oesterreich schien noch vor nicht allzu langer Zeit an dem Rande eines blutigen Bürgerkrieges zu stehen. Die Gefahr ist damals dank der unerschütterlichen Festig­keit des Bundeskanzlers Seipel überwunden worden. Es wäre aber schlimm, wenn es nur zu einem äußeren Ausgleich der scharfen inne­ren Gegensätze gekommen wäre und wenn un­ter der Oberfläche die innere Parteifeindschaft weiter wucherte. Man muß sich darüber klar sein, daß in einem innerlich zerrissenen Deutsch- Oesterreich der Anschlußgedanke nicht gedeihen kann. Erfreulicherweise sind aber Ansätze einer Entwicklung sichtbar geworden, die doch darauf schließen lassen, daß die Lehren der Wiener Revolte und ihrer Unterdrückung nicht umsonst gewesen sind. Die österreichischen Sozialdemo­kraten haben kürzlich eine Tagung abgehalten, auf der sie ausdrücklich jede Verbrüderung mit den Kommunisten auf das entschiedenste abge­lehnt haben. Einer ihrer Hauptführer, der Ab­geordnete Bauer,, hat jede Absicht irgend einer Gewaltpolitik weit von sich gewiesen und die Taktik der Partei auf rein verfassungsmäßige Kampfmittel festgelegt. Es sollte damit wohl nachträglich zum Ausdruck gebracht werden, daß die österreichische Sozialdemokratie mit der Wiener Revolte nichts zu tun haben will und gegen eine jede Wiederholung einer gewall- samen Erhebung entschieden Front machen würde. Diese Willenskundgebung ist immerhin,