UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK MARBURG/LAHN
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Oanau «Stadt und Land
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1922
DaS Ke«sKe.
— Stresemann sprach in Dresden über Deutschlands Wirtschaftslage, und mahnte zur größten Sparsamkeit. Des weiteren forderte er im außenpolitischen Interesse eine Vereinheitlichung der Verwaltung.
— Allem Anschein nach wird der bisherige Botschaftsrat in Rom, Herr von Prittwitz und Gaffron Botschafter in Washington.
Rußland hat die Einladung zur vorbereitenden Abrüstungskonferenz angenommen.
Das Echo der -Kawzlevvede.
Die von dem Reichskanzler Dr. Marx am Sonntag in Essen gehaltene. Rede, die zu verschiedenen aktuellen Streitfragen in bedeutsamer Weise Stellung nahm, wird in verschiedenen Blättern dahin ausgelegt, daß es sich um eine Wahlrede, um die Eröffnung des Wahlkampfes der Zentrumspartei gehandelt habe. Diese Behauptung ist eine starke Entstellung der Kanzlerrede und eine starke Uebertreibung. Der Reichskanzler hat zwar auf den kommenden Wahlkampf hingedeutet und dazu bemerkt, das Zentrum gehe ohne Bindung nach der einen oder der anderen Seite diesem Kampfe entgegen. Diese Bemerkung ist aber keineswegs etwas Neues, vielmehr ist die Wahltaktik des Zentrums schon vor geraumer Zeit aus einer Zentrumstagung in Berlin in dem gleichen Sinne festgelegt worden. Dr. Marx hat in lassen nicht nur nie spaUtimann, sondern auch Reichskanzler gesprochen. Und feine Rede bezieht sich nicht auf die kommende Wahl, sondern so gut wie ausschließlich auf die gegenwärtige Arbeit in der Koalition. Dr Marx teilt als Zentrumsführer den Willen der gesamten Koalition, die gegenwärtig schwebenden wichtigen Fragen noch vor dem natürlichen Ende des Reichstages zu lösen. Aus feinen Essener Ausführungen kann nur derjenige eine Wahlrede heraushören, der der Koalition Schwierigkeiten andichtet, die nicht vorhanden sind.
Dr. Marx hat als Kanzler des Deutschen Re ches gesprochen, wenn er die völlige Räumung des Rheinlandes forderte und im Interesse einer wahren Versöhnung die Reinigung • Dcupchlands von jedem Makel der Kriegsschuld rerlcmgie, der uns durch den Versailler Vertrag angeheftet werden soll. Hofieutuch aditet man 'm Auslande auf diese ^oröe zungen, die wir mmer wieder erheben werde:. bis sie er« st.Ul sind. Hoffentlich findet biete Stelle der ^.aniieri ebe aber auch in Deutschland überall Gehör. Der Reichskanzler hat d e Tannenbergrede Hindenburgs erwähnt und betont, daß er wie der Reichsaußenmimster diese Rede
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vorher gebilligt hätten und daß er selbst als Reichskanzler viel schärfere Worte gegen die Kriegsschuldlüge gesprochen habe als der Reichspräsident. Dies mögen sich Diejenigen Kreise in Deutschland merken, die da glaubten, an der Rede Hindenburgs mäkeln zu müssen. . Die bestimmte Versicherung, Kanzel und Außenminister seien mit der Rede Hindenburgs einverstanden gewesen, wird endgültig jenen das Handwerk legen, die von allerlei Unstimmigkeiten zwischen dem Reichspräsidenten und den verfassungsmäßig verantwortlichen Reich!
stellen munkelten. Das sozialdemokratische Organ in Köln hat bis in die letzte Zeit hinein behauptet, Hindenburg habe eine andere Rede jehalten, als sie mit dem Außenminister und rem Reichskanzler vereinbart worden sei. Die- er unwahren Behauptung und ähnlichen ihrer Art macht die Kanzlerrede ein Ende.
Dr. Marx hat als Parteiführer gesprochen, wenn er die Koalition mit den Deutschnationalen verteidigte und der vernünftigen Auffassung Ausdruck gab, die Festigkeit der Republik habe durch die Heranziehung dieser Partei zur verantwortlichen Mitarbeit nur gewonnen. Marx betonte, die Koalition sei keine Gesin- nungs-, sondern lediglich eine Arbeitsgemeinschaft. Man hat in der letzten Zeit viel Wesens davon gemacht, daß in den letzten Besprechungen zwischen Zentrum und Deutschnationalen nach einem Fraktionsbericht Guerards kein
volles taktisches Einverständnis in der Frage der monarchistischen Propaganda erzielt worden ist. Wenn gewisse Kreise glaubten, daraus auf eine Spaltung der Koalition schließen zu können, so hat Dr. Marx sie wohl unangenehm enttäuscht. In einer Arbeitsgemeinschaft müssen sich auch verschiedenartige taktische Meinun-
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Pen rmtemander vertragen. Sehr einsichtig hat politisches Dekum Dr. Marx über die Flaggenfrage gesprochen, trum, sondern auch
Sine ernste Mahnung Stresemanns.
Gegen das VebevmaS von Seftttchketten. - Sür Severnfachnna dev Verwaltung.
Dresden, 31. Okt. Anläßlich des Iahresessens der Ressource der Dresdener Kaufmannschaft, das traditionsgemäß am Reformationstage in Dresden stattfindet, führte Reichsaußenminister Dr. Stresemann folgendes aus: Wenn auch die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahren eine günstige geworden sei, und wenn wir heute auf einen Tiefstand der Erwerbslosenziffer zurückblicken könnten, wie er selbst in Vorkriegszeiten nicht erreicht worden sei, so dürfe doch kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Entwicklung erhebliche Gefahren in sich berge, weniger Gefahren für die Gegenwart, als Gefahren für die Zukunft. Wir brauchten die Milliarden, die in Gestalt von Auslandskrediten in unsere Wirtschaft geflossen seien und die Tatsache, baß durch diese Kredite das Schicksal anderer Nationen mit der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands verbunden werde, sei zu begrüßen. Aber nur die Milliarden, die hundertprozentig für produk- t i f e Zwecke Verwendung fänden, seien eine gerechtfertigte Kapitalanlage, während nichtproduktive Auslandanleihen eine schwere Belastung für uns bedeuteten.
Dr. Stresemann wandte sich dann unter lebhaftem Beifall gegen die Art und Weise, in der sich deutsche Lebensvitalität gegenwärtig Ausdruck verschaffe.
Das Uebermaß an Festen, Bauten usw. entspreche nicht unserer tatsächlichen Lage und erwecke im Mustanb den Eindruck, wie wenn das deutsche Bolk, das den Krieg verloren habe, sich dies leisten könne.
Dies sei eine große wirtschaftliche und politische Gefahr für uns, der mit allen Mitteln entgegengetreten werden müsse. Dr. Stresemann wies darauf hin wie groß der Unterschied zwischen dem Sein des deutschen Volkes, das öurdj angestrengte Arbeit gekennzeichnet fei und dem Schein der Sorgenlosigkett und des Lebensgenusses sei, der sich leider in Deutschland mehr und mehr zeige. Es sei bedauerlich, daß man im Auslande geneigt sei, mehr nach dem Schein zu urteilen, namentlich in denjenigen
Wichtig ist vor allen Dingen, daß er in dem Flaggenstreit nicht mehr sehen will, als einen Streit um das Symbol. Er macht also die Politik jener Flaggensanatiker nicht mit, die jeden der Staatsfeindschaft zeihen, der sich zu Schwarzweißrot bekennt. In der Frage des Reichsschulgesetzes hat Dr. Marx als Zentrumsmann gesprochen. Er fordert gleiches Recht für die verschiedenen Konfessionen und Weltanschauungen und gleiches Recht für ganz Deutschland, d. h. er will die Simultanschulländer nicht als Ausnahmegebiet behandelt wissen. Hier sind natürlich Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Koalition vorhanden, die sich hoffentlich noch überwinden lassen, und zwar zugunsten der Simultanschulländer.
VevöLnev Dimmett.
Der Rede des Reichskanzlers Dr. Marx wird von den Blättern große Beachtung geschenkt. Jedoch nur wenige Blätter befassen sich mit ihr in redaktioneller Stellungnahme. Die „Kreuzzeitung" stimmt mit dem Reichskanzler überein, wenn er die jetzige Koalition nur als eine Arbeitsgemeinschaft, nicht als eine Gesinnungsgemeinschaft bezeichnet hat und sagt: So wenig wie wir vom Zentrum eine Aenderung seiner Grundanschauung jemals verlangt haben, müssen auch wir nach wie vor auf dem Standpunkt bleiben, daß wir für uns Konservative und für die konservative Presse volle Freiheit der Betätigung unserer Grundsätze beanspruchen müssen. Auch für den kommenden Wahlkampf nimmt das genannte Blatt für die Deutschnationalen vollkommene Freiheit in Anspruch, wie es Dr. Marx für das Zentrum getan habe.
Die „Deutsche Tageszeitung" begrüßt es, daß Dr. Marx die positive Arbeit der Regierungskoalition unterstreicht und erkennt an, daß der Reichskanzler die großen seelischen Imponderabilien herausgestellt hat, die für die Behandlung der Kriegsschuld als einer Ehrenfrage für das gesamte deutsche Volk maßgebend fein müßten. Zum Schluß bemerkt das Blatt, die Anknüpfung an die von Dr. Marx betonte positive staatspolitische Arbeit der Regierungskoalition, daß die positive Leistung auf der Rechten umfangreicher und sehr viel leichter zu finden sei, als auf der Linken. Diese Tatsache müsse stets in immer stärkerer Weise auch in ihrer koalitionspolitischen Würdigung sich durchsetzen.
Das „B. T." sagt: Die große Rede des Reichskanzlers trägt einen pessimistischen Ton.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung", schließt ihre Stellungnahme: „Die Kanzlerrede ist ein wichtiges
Dekument. Möge sie nicht nur im Zen-
in den anderen Parteien, die der
Krelfen des Auslandes, die mit der Behauptung gegen Deutschland arbeiten, daß das deutsche Volk absichtlich über seine Verhältnisse lebe, um die Unmöglichkeit der Erfüllung feiner Verpflichtungen
ler
er
darzutun.
Dr. Stresemann wies im weiteren Verlauf sei ner Darlegungen auf die Notwendigkeit der von der Reichsregierung erstrebten Verwal
tungsreform hin.
Ein Volk könne nicht den größten Krieg der Weltgeschichte verlieren und sich dann ein Durcheinander und Nebeneinander von Behörden leisten, wie es in Deutschland der Fall sei.
Der schroffe Gegensatz zwischen der Rationalisierung der Wirtschaft und der Verwaltung sei ein Schulbeispiel dafür, daß die von der Regierung begonnene Reform der Verwaltung berechtigt sei. Dr. Stresemann zitierte die Meinung eines Lokomotivführers am Listdenkmal in Leipzig, in welcher der Wunsch
ausgesprochen sei, daß der Deutschen Reichsbahn bald auch die Vereinheitlichung des Reiches folgen müsse. „Wir können und wollen fein Land zwingen, seine Selbständigkeit aufzugeben", so fuhr Dr. Stresemann fort, „aber wer den Weg zum Reiche findet, dem darf er nicht verwehrt werden.
Wir brauchen die Vereinheitlichung 'ber Verwaltung aus den verschiedensten Gründen, nicht zuletzt, um unsere wirtschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten zu erhalten. Wir können nicht der optimistischen Auffassung leben, daß wir als Volk auf die Dauer in den Verhältnissen leben wie jetzt, wenn wir nicht den Mut aufbringen, entscheidende Schritte in dieser Beziehung zu tun. Nur wenn wir uns des Ernstes der Lage, in der wir leben, bewußt werden, wenn wir die Gefahren, die unserer wirtschaftlichen Zukunftsentwicklung drohen, erkennen, wenn wir die Zeichen, die im Ueberwinden des Importes gegenüber dem Export liegen, verstehen und fü '' Abänderung der bestehenden Verhältnisse foi
r die
-----,-----a vvr>VH^„ o^^uiic lOrgen, wird unsere jetzige relativ gute Lage sich aufrecht erhalten lassen.
heutigen Reichsregierung nahestehen, als Signal verstanden werden, getrennt marschieren, vereint schlagen!"
Die „Germania" befaßt sich vor allem mit den Ausführungen des Kanzlers über die Kriegsschuldfrage und sagt: „Jeder vernünftige Deutsche ist mit dem Reichskanzler darin einig, daß wir in der Kriegsschuldfrage „lediglich vom Standpunkte der Moral und der Ehre aus" kämpfen wollen. Wir stehen auf diesem Standpunkt, nicht etwa, weil wir die gewaltigen nationalen und materiellen Opfer, die der Vertrag von Versailles dem Deutschen Volke auferlegt hat, als gerecht anerkennen würden, nicht, weil uns die schweren Lasten auf die Dauer als untragbar erschienen, sondern weil wir es für unter, unserer Würde erachten, den Kamps um unsere Ehre mit materiellen Forderungen zu verquicken. Gerade der in dem Friedensvertrag nur einen Ausgruck des Machtwillens der Sieger sieht, der sollte sich auch leicht zu der realpolitischen Erwägung durchringen, daß auch eine völlige Reinwaschung Deutschlands von jeder Mitschuld am Ausbruch des Weltkrieges an den harten Bestimmungen des Versailler Vertrages nicht einen Buchstaben ändern würde.
Die iKommenSavs dev Vavisev Vvefse.
Während sich die gestrigen Pariser Morgenblätter bis auf die bereits gemeldeten wüsten Schimpfkanonaden des „Echo de Paris" und des „Figaro" der Kritik an der Reichskanzlerrede enthielten, und die Rede kommentarlos auszugsweise wiedergaben, ist für die Abendblätter die Rede des Reichskanzlers das Ereignis des Tages. Aeuherst scharf urteilen die Blätter der Rechten, wie „Jntransigeant" und „Liebertè". Die letztere Zeitung macht besonders auf die deutsche Einheit in der deutschen Außenpolitik aufmerksam, die Dr. Marx durch das Bekenntnis zur Tannenbergrede bekräftigt habe und füllte dieser Einheit die Zerfahrenheit und den Widerspruchsgeist innerhalb der französischen Außenpolitik gegenüber, wofür der radikal-sozialistische Kongreß der aeste Beweis sei.
Der „Jntransigeant" sieht bereits das Unglück über Frankreich Hereinbrechen, wenn die von Dr. Marx verfochtene These der sofortigen Rheinland- räumung auf Grund des Artikels 431 des Dirfailler Vertrages den Sieg davontrage. Wenn feilte alliierten Truppen mehr am Rhein ständen, so meint dies Blatt, so besitze auch Frankreich nicht mehr „das Mittel der friedlichen Pression", das der Versailler Vertrag Frankreich eingeräumt habe. Das Sviel sei dann ertdgllltig verloren und der Sieg auch.
Auffallend mäßig wird die Rede des Reichskanzlers im „Temps" beurteilt. Es scheint, als db die diesem Blatte nahestehenden Kreise vom deutschen Zentrum noch manches erwarten, vor allem aber
nicht die Brücken zu dieser Partei gänzlich abbrechen wollen. Mit aller Deutlichkeit wird unterstrichen, daß trotz der bestehenden Regierungskoalition in Deuts land für die kommenden Wahlen das Zentrum sich nicht die Hände gebunden habe, sondern frei in die Wahlschlacht gehe. Als wichtigste drei Punkte aus der Rede hält der „Temps" fest:
1. die feierliche Versicherung, daß nur das Ge- fühl der Ehre Deutschland immer wieder dazu treibe, die Untersuchung über die Kriegsverantwortlichkeit zu verlangen, daß es aber seine Reparationsoer- pflichtungen stets innehalten wollen
2. daß die Rede des Kanzlers eine klare Absage an die Politik konservativer Kreise gegen die Note des Reparationsagenten gewesen sei und daß
3. Dr. Marx formell erklärt habe, die RepublÜ bleibe die deutsche Staatsform.
Verhältnismäßig sehr milde tadelt das französische Regierungsorgan die Solidarität des Kanzlers mit Stresemann und Hindenburg bezüglich der Tannenbergrede.
Der „Matin" bezeichnet die Rede als eine politische Tat von großer Bedeutung, das Blatt schreibt, Deutschland hat sich seit drei Jahren selbst, auf den in glücklicher Weise gewählten Weg begeben, von dem es nicht mehr abweichen kann. Es sei notwendig, daß der Chef der Reichsregierung ein bestimmtes Wort gegenüber denen verlauten
läßt, die innerhalb der Rechtsparteien .hn ver- lanen wollen. Dr. Marx erörterte d'.e Frage der Kriegsverantwortung in einer Weise, wie sie mit unbedingter Notwendigkeit eines Tages ein Staatsmann werde erörtern müssen. Die gegenwärtige Stellung der beiden ehem. Freunde zueinander wird viel lo<â,lcher werden, von dem 2lugiib'£ on. m dem die deutsche Regierung wie auch die Alliierten selbst die Grundlage der Verträge außer Diskussion erklären und fort erklären, daß Deutschland durch den Versuch, das Deutschland von 1914 zu rehabilitieren, nicht ein taktisches Mitt^ anwenden wolle, um sich von seinen materiellen Verpflichtungen zu befreien. Diese Worte des Reichskanzlers müssen wir sorgsam verzeichnen und
Verpflichtungen
uns ihrer erinnern.
Dos „Oeuvre" sagt: Der Reichskanzler hat gezeigt, daß für ihn, welches auch Deutschlands Schuld am Kriege sein möge, die Erörterung dieser Frage nicht dazu führen soll, die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen zu verweigern, daß Deutschland also nicht versuchen will, auf Umwegen sie zu verleugnen.
Dev KeMsSanzlev Kbev die Gv- ziehung zum «Staat.
M.-Gladbach, 31. Okt. Reichskanzler Marx hielt heute vor zahlreichem Publikum einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Dortrag über die „Erziehung zum Staat." Hauptaufgabe der staatsbürgerlichen Erziehungsarbeit, so erklärte der Kanzler, sei die Vermittlung und Vertiefung unanfechtbarer Erkenntnisse über die realen StaatsnotweNdig- feiten, die jenseits der Diskussion stehen. Politi-
ketten, die jenseits der Diskussion stehen. P scher Kampf müsse fein, aber er müsse f
scher Kampf müsse sein, aber er müsse sich auf der Achtung vor der gegnerischen Ueber z'eugung gründen. Der Reichskanzler sprach die Erwartung aus, daß das deutsche Volk diese zum Ideal der Volksgemeinschaft führende innere Erneuerung, eine wahrhaft staatsbürgerliche Einstellung sich erkämpfen werde.
Die Besetzens des washrnstonm NottebaftevN-stens.
Gestern abend wußte das „B. T." zu melden, daß an aussichtsreichster Stelle der Kandidaten für den Washingtoner Botschaflerposten der Botschaftsrat in Rom, Gesandter von Prittwitz und Gaffron stehe, heute morgen berichten auch der „Lokalanzeiger" und die „Voss. Ztg." von dieser Kandidatur. Rach dem „Lokalanzeiger" soll das Agrement für den Genannten bereits nack^esuchl worden sein. Die endgültige Entscheidung dürste noch in dieser Woche fallen.
Zwei Navtsien LVStsksss in Reffest
Darmstadt, 30. Okt. Bei der Prüfung der neu eingereichten Parteilisten für die kommende Land- tagswahl hat sich ergeben, daß die Liste der Evangelischen Dolksgemeinschaft und der Wirtschaftspartei die erforderliche Stimmenzahl nicht erreicht haben. Die genannten Parteien dürfen infolgedessen keine Wahllisten aufstellen: sie wollen aber die Gültigkeit der Wahl wegen Beschränkung der Wahlfreiheit anfechten.
RttMands Târsahme an dev ÄbvÄftnngskonfövenZ.
Genf, 31. Okt. Der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Tschitscherin, hat das Generalsekretariat des Völkerbundes soeben telegraphisch von der Absicht der Sowjetregierung, an der nächsten Tagung der vorbereitenden Aorüstungs- Kommission des Völkerbundes teilzunehmen, in Kenntnis gesetzt. Das Telegramm besagt, daß der russisch-schweizerische Konflikt, der die Sowjetregierung früher gehindert habe, den auf schweizerischem Boden abzuhaltenden Tagungen der Kommission bei. zuwohnen, durch das gemeinsame Protokoll der beiden Staaten vom 14. April dieses Jahres beigelegt worden fei, und daß unter diesen Bedingungen die russische Regierung auf die Einladung des Rates Dom 12. Dezember 1925 zurückgreifen werde. Es werde somit nur noch um entsprechende Bekanntgabe des Ortes und des Datums, sowie der Tagesord- nuna der nächsten Session der Kommission gebeten,