Einzelbild herunterladen
 

UNIVERSITÄTS­BIBLIOTHEK MARBURG/LAHN

Wz

Oanau «Stadt und Land

(Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / LezugSpreiS: Für den halben Monat RM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, HamStag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise- Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Lreite 8 R-Pfg.. im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. , Offertengebühr 50 R-Pfg.

M. 256

Meustas de«

Grfüfiungdort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. / Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Lezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des LezugSpreiseS. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./GeschäftSstelle: Hammerstr.s / Fernspr. 3956, 3957,3958

t Ksve«tdee

1922

DaS Ke«sKe.

Stresemann sprach in Dresden über Deutsch­lands Wirtschaftslage, und mahnte zur größten Sparsamkeit. Des weiteren forderte er im außen­politischen Interesse eine Vereinheitlichung der Ver­waltung.

Allem Anschein nach wird der bisherige Bot­schaftsrat in Rom, Herr von Prittwitz und Gaffron Botschafter in Washington.

Rußland hat die Einladung zur vorbereiten­den Abrüstungskonferenz angenommen.

Das Echo der -Kawzlevvede.

Die von dem Reichskanzler Dr. Marx am Sonntag in Essen gehaltene. Rede, die zu ver­schiedenen aktuellen Streitfragen in bedeut­samer Weise Stellung nahm, wird in verschie­denen Blättern dahin ausgelegt, daß es sich um eine Wahlrede, um die Eröffnung des Wahl­kampfes der Zentrumspartei gehandelt habe. Diese Behauptung ist eine starke Entstellung der Kanzlerrede und eine starke Uebertreibung. Der Reichskanzler hat zwar auf den kommen­den Wahlkampf hingedeutet und dazu bemerkt, das Zentrum gehe ohne Bindung nach der einen oder der anderen Seite diesem Kampfe entgegen. Diese Bemerkung ist aber keineswegs etwas Neues, vielmehr ist die Wahltaktik des Zentrums schon vor geraumer Zeit aus einer Zentrumstagung in Berlin in dem gleichen Sinne festgelegt worden. Dr. Marx hat in lassen nicht nur nie spaUtimann, sondern auch Reichskanzler gesprochen. Und feine Rede bezieht sich nicht auf die kommende Wahl, son­dern so gut wie ausschließlich auf die gegen­wärtige Arbeit in der Koalition. Dr Marx teilt als Zentrumsführer den Willen der ge­samten Koalition, die gegenwärtig schweben­den wichtigen Fragen noch vor dem natürlichen Ende des Reichstages zu lösen. Aus feinen Essener Ausführungen kann nur derjenige eine Wahlrede heraushören, der der Koalition Schwierigkeiten andichtet, die nicht vorhanden sind.

Dr. Marx hat als Kanzler des Deutschen Re ches gesprochen, wenn er die völlige Räu­mung des Rheinlandes forderte und im Inter­esse einer wahren Versöhnung die Reinigung Dcupchlands von jedem Makel der Kriegsschuld rerlcmgie, der uns durch den Versailler Ver­trag angeheftet werden soll. Hofieutuch aditet man 'm Auslande auf diese ^oröe zungen, die wir mmer wieder erheben werde:. bis sie er« st.Ul sind. Hoffentlich findet biete Stelle der ^.aniieri ebe aber auch in Deutschland überall Gehör. Der Reichskanzler hat d e Tannen­bergrede Hindenburgs erwähnt und betont, daß er wie der Reichsaußenmimster diese Rede

i5=

vorher gebilligt hätten und daß er selbst als Reichskanzler viel schärfere Worte gegen die Kriegsschuldlüge gesprochen habe als der Reichspräsident. Dies mögen sich Diejenigen Kreise in Deutschland merken, die da glaubten, an der Rede Hindenburgs mäkeln zu müssen. . Die bestimmte Versicherung, Kanzel und Außenminister seien mit der Rede Hindenburgs einverstanden gewesen, wird endgültig jenen das Handwerk legen, die von allerlei Unstim­migkeiten zwischen dem Reichspräsidenten und den verfassungsmäßig verantwortlichen Reich!

stellen munkelten. Das sozialdemokratische Or­gan in Köln hat bis in die letzte Zeit hinein behauptet, Hindenburg habe eine andere Rede jehalten, als sie mit dem Außenminister und rem Reichskanzler vereinbart worden sei. Die- er unwahren Behauptung und ähnlichen ihrer Art macht die Kanzlerrede ein Ende.

Dr. Marx hat als Parteiführer gesprochen, wenn er die Koalition mit den Deutschnatio­nalen verteidigte und der vernünftigen Auf­fassung Ausdruck gab, die Festigkeit der Repu­blik habe durch die Heranziehung dieser Partei zur verantwortlichen Mitarbeit nur gewonnen. Marx betonte, die Koalition sei keine Gesin- nungs-, sondern lediglich eine Arbeitsgemein­schaft. Man hat in der letzten Zeit viel Wesens davon gemacht, daß in den letzten Besprechun­gen zwischen Zentrum und Deutschnationalen nach einem Fraktionsbericht Guerards kein

volles taktisches Einverständnis in der Frage der monarchistischen Propaganda erzielt wor­den ist. Wenn gewisse Kreise glaubten, daraus auf eine Spaltung der Koalition schließen zu können, so hat Dr. Marx sie wohl unangenehm enttäuscht. In einer Arbeitsgemeinschaft müs­sen sich auch verschiedenartige taktische Meinun-

» 1 / wivi+miyiiutyiiic« .

Pen rmtemander vertragen. Sehr einsichtig hat politisches Dekum Dr. Marx über die Flaggenfrage gesprochen, trum, sondern auch

Sine ernste Mahnung Stresemanns.

Gegen das VebevmaS von Seftttchketten. - Sür Severnfachnna dev Verwaltung.

Dresden, 31. Okt. Anläßlich des Iahresessens der Ressource der Dresdener Kaufmannschaft, das traditionsgemäß am Reformationstage in Dresden stattfindet, führte Reichsaußenminister Dr. Stre­semann folgendes aus: Wenn auch die wirtschaft­liche Entwicklung in den letzten Jahren eine günstige geworden sei, und wenn wir heute auf einen Tief­stand der Erwerbslosenziffer zurückblicken könnten, wie er selbst in Vorkriegszeiten nicht erreicht wor­den sei, so dürfe doch kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Entwicklung erhebliche Gefahren in sich berge, weniger Gefahren für die Gegenwart, als Gefahren für die Zukunft. Wir brauchten die Milliarden, die in Gestalt von Auslandskrediten in unsere Wirtschaft geflossen seien und die Tatsache, baß durch diese Kredite das Schicksal anderer Na­tionen mit der wirtschaftlichen Entwicklung Deutsch­lands verbunden werde, sei zu begrüßen. Aber nur die Milliarden, die hundertprozentig für produk- t i f e Zwecke Verwendung fänden, seien eine ge­rechtfertigte Kapitalanlage, während nichtproduktive Auslandanleihen eine schwere Belastung für uns be­deuteten.

Dr. Stresemann wandte sich dann unter lebhaf­tem Beifall gegen die Art und Weise, in der sich deutsche Lebensvitalität gegenwärtig Ausdruck ver­schaffe.

Das Uebermaß an Festen, Bauten usw. entspreche nicht unserer tatsächlichen Lage und erwecke im Mustanb den Eindruck, wie wenn das deutsche Bolk, das den Krieg verloren habe, sich dies leisten könne.

Dies sei eine große wirtschaftliche und politische Ge­fahr für uns, der mit allen Mitteln entgegengetre­ten werden müsse. Dr. Stresemann wies darauf hin wie groß der Unterschied zwischen dem Sein des deutschen Volkes, das öurdj angestrengte Arbeit ge­kennzeichnet fei und dem Schein der Sorgenlosigkett und des Lebensgenusses sei, der sich leider in Deutschland mehr und mehr zeige. Es sei bedauer­lich, daß man im Auslande geneigt sei, mehr nach dem Schein zu urteilen, namentlich in denjenigen

Wichtig ist vor allen Dingen, daß er in dem Flaggenstreit nicht mehr sehen will, als einen Streit um das Symbol. Er macht also die Politik jener Flaggensanatiker nicht mit, die jeden der Staatsfeindschaft zeihen, der sich zu Schwarzweißrot bekennt. In der Frage des Reichsschulgesetzes hat Dr. Marx als Zen­trumsmann gesprochen. Er fordert gleiches Recht für die verschiedenen Konfessionen und Weltanschauungen und gleiches Recht für ganz Deutschland, d. h. er will die Simultanschul­länder nicht als Ausnahmegebiet behandelt wissen. Hier sind natürlich Meinungsverschie­denheiten innerhalb der Koalition vorhanden, die sich hoffentlich noch überwinden lassen, und zwar zugunsten der Simultanschulländer.

VevöLnev Dimmett.

Der Rede des Reichskanzlers Dr. Marx wird von den Blättern große Beachtung geschenkt. Jedoch nur wenige Blätter befassen sich mit ihr in redaktioneller Stellungnahme. DieKreuzzeitung" stimmt mit dem Reichskanzler überein, wenn er die jetzige Koalition nur als eine Arbeitsgemeinschaft, nicht als eine Ge­sinnungsgemeinschaft bezeichnet hat und sagt: So wenig wie wir vom Zentrum eine Aenderung seiner Grundanschauung jemals verlangt haben, müssen auch wir nach wie vor auf dem Standpunkt bleiben, daß wir für uns Konservative und für die konser­vative Presse volle Freiheit der Betätigung unserer Grundsätze beanspruchen müssen. Auch für den kom­menden Wahlkampf nimmt das genannte Blatt für die Deutschnationalen vollkommene Freiheit in An­spruch, wie es Dr. Marx für das Zentrum getan habe.

DieDeutsche Tageszeitung" begrüßt es, daß Dr. Marx die positive Arbeit der Regierungskoalition unterstreicht und erkennt an, daß der Reichskanzler die großen seelischen Imponderabilien herausgestellt hat, die für die Behandlung der Kriegsschuld als einer Ehrenfrage für das gesamte deutsche Volk maß­gebend fein müßten. Zum Schluß bemerkt das Blatt, die Anknüpfung an die von Dr. Marx betonte posi­tive staatspolitische Arbeit der Regierungskoalition, daß die positive Leistung auf der Rechten umfang­reicher und sehr viel leichter zu finden sei, als auf der Linken. Diese Tatsache müsse stets in immer stärkerer Weise auch in ihrer koalitionspolitischen Würdigung sich durchsetzen.

DasB. T." sagt: Die große Rede des Reichs­kanzlers trägt einen pessimistischen Ton.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung", schließt ihre Stellungnahme:Die Kanzlerrede ist ein wichtiges

Dekument. Möge sie nicht nur im Zen-

in den anderen Parteien, die der

Krelfen des Auslandes, die mit der Behauptung gegen Deutschland arbeiten, daß das deutsche Volk absichtlich über seine Verhältnisse lebe, um die Un­möglichkeit der Erfüllung feiner Verpflichtungen

ler­

er

darzutun.

Dr. Stresemann wies im weiteren Verlauf sei ner Darlegungen auf die Notwendigkeit der von der Reichsregierung erstrebten Verwal­

tungsreform hin.

Ein Volk könne nicht den größten Krieg der Weltgeschichte verlieren und sich dann ein Durch­einander und Nebeneinander von Behörden leisten, wie es in Deutschland der Fall sei.

Der schroffe Gegensatz zwischen der Rationalisierung der Wirtschaft und der Verwaltung sei ein Schul­beispiel dafür, daß die von der Regierung begonnene Reform der Verwaltung berechtigt sei. Dr. Strese­mann zitierte die Meinung eines Lokomotivführers am Listdenkmal in Leipzig, in welcher der Wunsch

ausgesprochen sei, daß der Deutschen Reichsbahn bald auch die Vereinheitlichung des Reiches folgen müsse.Wir können und wollen fein Land zwingen, seine Selbständigkeit aufzugeben", so fuhr Dr. Stresemann fort,aber wer den Weg zum Reiche findet, dem darf er nicht verwehrt werden.

Wir brauchen die Vereinheitlichung 'ber Verwal­tung aus den verschiedensten Gründen, nicht zuletzt, um unsere wirtschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten zu erhalten. Wir können nicht der optimistischen Auf­fassung leben, daß wir als Volk auf die Dauer in den Verhältnissen leben wie jetzt, wenn wir nicht den Mut aufbringen, entscheidende Schritte in die­ser Beziehung zu tun. Nur wenn wir uns des Ern­stes der Lage, in der wir leben, bewußt werden, wenn wir die Gefahren, die unserer wirtschaftlichen Zukunftsentwicklung drohen, erkennen, wenn wir die Zeichen, die im Ueberwinden des Importes gegenüber dem Export liegen, verstehen und '' Abänderung der bestehenden Verhältnisse foi

r die

-----,-----a vvr>VH^ o^^uiic lOrgen, wird unsere jetzige relativ gute Lage sich aufrecht erhalten lassen.

heutigen Reichsregierung nahestehen, als Signal ver­standen werden, getrennt marschieren, vereint schla­gen!"

DieGermania" befaßt sich vor allem mit den Ausführungen des Kanzlers über die Kriegsschuld­frage und sagt:Jeder vernünftige Deutsche ist mit dem Reichskanzler darin einig, daß wir in der Kriegsschuldfragelediglich vom Standpunkte der Moral und der Ehre aus" kämpfen wollen. Wir stehen auf diesem Standpunkt, nicht etwa, weil wir die gewaltigen nationalen und materiellen Opfer, die der Vertrag von Versailles dem Deutschen Volke auf­erlegt hat, als gerecht anerkennen würden, nicht, weil uns die schweren Lasten auf die Dauer als untragbar erschienen, sondern weil wir es für unter, unserer Würde erachten, den Kamps um unsere Ehre mit materiellen Forderungen zu verquicken. Gerade der in dem Friedensvertrag nur einen Ausgruck des Machtwillens der Sieger sieht, der sollte sich auch leicht zu der realpolitischen Erwägung durchringen, daß auch eine völlige Reinwaschung Deutschlands von jeder Mitschuld am Ausbruch des Weltkrieges an den harten Bestimmungen des Versailler Ver­trages nicht einen Buchstaben ändern würde.

Die iKommenSavs dev Vavisev Vvefse.

Während sich die gestrigen Pariser Morgenblätter bis auf die bereits gemeldeten wüsten Schimpf­kanonaden desEcho de Paris" und desFigaro" der Kritik an der Reichskanzlerrede enthielten, und die Rede kommentarlos auszugsweise wiedergaben, ist für die Abendblätter die Rede des Reichskanzlers das Ereignis des Tages. Aeuherst scharf urteilen die Blätter der Rechten, wieJntransigeant" und Liebertè". Die letztere Zeitung macht besonders auf die deutsche Einheit in der deutschen Außenpolitik aufmerksam, die Dr. Marx durch das Bekenntnis zur Tannenbergrede bekräftigt habe und füllte dieser Einheit die Zerfahrenheit und den Widerspruchsgeist innerhalb der französischen Außenpolitik gegenüber, wofür der radikal-sozialistische Kongreß der aeste Be­weis sei.

DerJntransigeant" sieht bereits das Unglück über Frankreich Hereinbrechen, wenn die von Dr. Marx verfochtene These der sofortigen Rheinland- räumung auf Grund des Artikels 431 des Dirfailler Vertrages den Sieg davontrage. Wenn feilte alli­ierten Truppen mehr am Rhein ständen, so meint dies Blatt, so besitze auch Frankreich nicht mehrdas Mittel der friedlichen Pression", das der Versailler Vertrag Frankreich eingeräumt habe. Das Sviel sei dann ertdgllltig verloren und der Sieg auch.

Auffallend mäßig wird die Rede des Reichskanz­lers imTemps" beurteilt. Es scheint, als db die diesem Blatte nahestehenden Kreise vom deutschen Zentrum noch manches erwarten, vor allem aber

nicht die Brücken zu dieser Partei gänzlich abbrechen wollen. Mit aller Deutlichkeit wird unterstrichen, daß trotz der bestehenden Regierungskoalition in Deuts land für die kommenden Wahlen das Zentrum sich nicht die Hände gebunden habe, sondern frei in die Wahlschlacht gehe. Als wichtigste drei Punkte aus der Rede hält derTemps" fest:

1. die feierliche Versicherung, daß nur das Ge- fühl der Ehre Deutschland immer wieder dazu treibe, die Untersuchung über die Kriegsverantwortlichkeit zu verlangen, daß es aber seine Reparationsoer- pflichtungen stets innehalten wollen

2. daß die Rede des Kanzlers eine klare Ab­sage an die Politik konservativer Kreise gegen die Note des Reparationsagenten gewesen sei und daß

3. Dr. Marx formell erklärt habe, die RepublÜ bleibe die deutsche Staatsform.

Verhältnismäßig sehr milde tadelt das französische Regierungsorgan die Solidarität des Kanzlers mit Stresemann und Hindenburg bezüglich der Tannen­bergrede.

DerMatin" bezeichnet die Rede als eine politische Tat von großer Bedeutung, das Blatt schreibt, Deutschland hat sich seit drei Jahren selbst, auf den in glücklicher Weise gewählten Weg be­geben, von dem es nicht mehr abweichen kann. Es sei notwendig, daß der Chef der Reichsregierung ein bestimmtes Wort gegenüber denen verlauten

läßt, die innerhalb der Rechtsparteien .hn ver- lanen wollen. Dr. Marx erörterte d'.e Frage der Kriegsverantwortung in einer Weise, wie sie mit unbedingter Notwendigkeit eines Tages ein Staats­mann werde erörtern müssen. Die gegenwärtige Stellung der beiden ehem. Freunde zueinander wird viel lo<â,lcher werden, von dem 2lugiib'£ on. m dem die deutsche Regierung wie auch die Alliierten selbst die Grundlage der Verträge außer Diskussion erklären und fort erklären, daß Deutschland durch den Versuch, das Deutschland von 1914 zu rehabilitieren, nicht ein taktisches Mitt^ anwenden wolle, um sich von seinen materiellen Verpflichtungen zu befreien. Diese Worte des Reichskanzlers müssen wir sorgsam verzeichnen und

Verpflichtungen

uns ihrer erinnern.

DosOeuvre" sagt: Der Reichskanzler hat gezeigt, daß für ihn, welches auch Deutschlands Schuld am Kriege sein möge, die Erörterung dieser Frage nicht dazu führen soll, die Erfüllung der über­nommenen Verpflichtungen zu verweigern, daß Deutschland also nicht versuchen will, auf Umwegen sie zu verleugnen.

Dev KeMsSanzlev Kbev die Gv- ziehung zum «Staat.

M.-Gladbach, 31. Okt. Reichskanzler Marx hielt heute vor zahlreichem Publikum einen mit lebhaf­tem Beifall aufgenommenen Dortrag über dieEr­ziehung zum Staat." Hauptaufgabe der staats­bürgerlichen Erziehungsarbeit, so erklärte der Kanz­ler, sei die Vermittlung und Vertiefung unanfecht­barer Erkenntnisse über die realen StaatsnotweNdig- feiten, die jenseits der Diskussion stehen. Politi-

ketten, die jenseits der Diskussion stehen. P scher Kampf müsse fein, aber er müsse f

scher Kampf müsse sein, aber er müsse sich auf der Achtung vor der gegnerischen Ueber z'eugung gründen. Der Reichskanzler sprach die Erwartung aus, daß das deutsche Volk diese zum Ideal der Volksgemeinschaft führende innere Erneuerung, eine wahrhaft staatsbürgerliche Einstellung sich erkämpfen werde.

Die Besetzens des washrnstonm NottebaftevN-stens.

Gestern abend wußte dasB. T." zu melden, daß an aussichtsreichster Stelle der Kandidaten für den Washingtoner Botschaflerposten der Botschafts­rat in Rom, Gesandter von Prittwitz und Gaffron stehe, heute morgen berichten auch derLokal­anzeiger" und dieVoss. Ztg." von dieser Kandi­datur. Rach demLokalanzeiger" soll das Agrement für den Genannten bereits nack^esuchl worden sein. Die endgültige Entscheidung dürste noch in dieser Woche fallen.

Zwei Navtsien LVStsksss in Reffest

Darmstadt, 30. Okt. Bei der Prüfung der neu eingereichten Parteilisten für die kommende Land- tagswahl hat sich ergeben, daß die Liste der Evan­gelischen Dolksgemeinschaft und der Wirtschafts­partei die erforderliche Stimmenzahl nicht erreicht haben. Die genannten Parteien dürfen infolgedessen keine Wahllisten aufstellen: sie wollen aber die Gültigkeit der Wahl wegen Beschränkung der Wahl­freiheit anfechten.

RttMands Târsahme an dev ÄbvÄftnngskonfövenZ.

Genf, 31. Okt. Der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Tschitscherin, hat das Generalsekretariat des Völkerbundes soeben tele­graphisch von der Absicht der Sowjetregierung, an der nächsten Tagung der vorbereitenden Aorüstungs- Kommission des Völkerbundes teilzunehmen, in Kenntnis gesetzt. Das Telegramm besagt, daß der russisch-schweizerische Konflikt, der die Sowjetregie­rung früher gehindert habe, den auf schweizerischem Boden abzuhaltenden Tagungen der Kommission bei. zuwohnen, durch das gemeinsame Protokoll der bei­den Staaten vom 14. April dieses Jahres beigelegt worden fei, und daß unter diesen Bedingungen die russische Regierung auf die Einladung des Rates Dom 12. Dezember 1925 zurückgreifen werde. Es werde somit nur noch um entsprechende Bekanntgabe des Ortes und des Datums, sowie der Tagesord- nuna der nächsten Session der Kommission gebeten,