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M. 255
31. SAe^e« 1^28
Dev AeichsSanzlev verteidigt keine Notitik.
Essen, 30. Ott. Im großen Saal des städtischen Saalbaues, der mit Blumen und Fahnen in den Farben des Reiches, des Staates, der Provinz und der Stadt reich geschmückt war, fand heute abend eine große öffentliche Kundgebung der Zentrumspartei statt, die sehr gut besucht war. Nach einem Orgelvortrag und Eröffnungsansprachen nahm
Reichskanzler Dr. Marx das Wort.
Der Reichskanzler würdigte zunächst die Bedeutung des Wahljahres 1928 für das politische Leben Deutschlands. Für die Wählerschaft gelte es, so führte der Reichskanzler aus, in den nächsten Monaten ruhige Nerven zu behalten und die Entwicklung der Dinge kühl zu überschauen. Das Zentrum sei zu seinen Entschließungen der letzten Jahre sowie ' k zur Bildung der Koalition nur durch feste Staatsgesinnung geführt worden und durch den festen Willen, das Allgemeinwohl zu fördern. Ein Vorgehen, das wohl auch in einigen Zenrrumskreisen noch immer nicht recht verstanden werde, wie unter anderem dadurch bewiesen sei, daß man ihm selber nach dem unverständlichen Sturze des Kabinetts der Mitte durch die Sozialdemokratie die Bildung des neuen Kabinetts unter Einschluß der Deutschnationalen verübelt habe. Unberechtigt sei der Vorwurf, er hätte die den republikanisch gesinnten Kreisen des Volkes versprochene Treue gebrochen. Wenn einer Veranlassung hätte, sich zu beklagen, so wäre er es, dessen Kabinett man stürzte, als er in Bezug auf die Reichswehr Zusagen machen konnte, die den Forderungen der sozialdemokratischen Fraktion vollauf entsprachen, dann auf seine Veranlassung ins Programm des neuen Kabinetts ausgenommen und inzwischen durchgeführt worden sind.
Die jetzige Koalitionsregierung habe durch ruhige Politik vernünftige und erfolgreiche Arbeit geleistet.
Gerade im letzten Jahre sei die Republik gefestigt worden, wie u. a. die Verlängerung des Rspublik- schutzgefetzes beweise. Auch die Sozialpolitik sei von der jetzigen Koalition nicht vernachlässigt worden. Daß in rechtsgerichteten Zeitungen Arnlel erscheinen und in Versammlungen Worte fallen, die sich mit der Achtung vor der Republik und den verfassungsmäßigen Farben nicht vereinbaren lassen, sei bedauerlich. Eine Koalition sei keine Gesinnungs-, sondern nur eine Arbeitsgemeinschaft. Das werde manchmal vergessen. Er bedauere den so leidenschaftlich geführten Flaggen st reit und noch mehr würde er es bedauern, wenn etwa der bevorstehende Wahlkampf unter dieser Piro!? geführt werden sollte, einer Parole, die nichts besage für die Lösung der schmierigen sozialen, wirtschaftlichen und politi chen Aufgaben, vor denen die deutsche Politik in den nächsten Jahren stehen werde.
Wer Schwarzweihrol in Ehren Halle, brauche deshalb nicht Schwarzrotgold zu schmähen, und Schwarzrotgold fei keine Verketzerung und Verkennung von Schwarzweihrol.
Wer in dem Flaggenstreit mehr sehe als einen Streit um ein Symbol, dem vermöge er nicht mehr zu folgen. Staatsform sei und bl/bc die Republik und er könne sich nicht vorstellen daß ein feiner Verantwortung bewußter Politiker heute im Ernst daran denke, auch noch den Kampf um die Staatsform in die politische Debatte zu werfen. An der aradlinigen Außenpolitik Deutschlands habe sich durch den Eintritt der Dmtschnrtion.äen in die Regierung nichts geändert. Dies habe auch das Ausland eingesehen. Von deutscher Seite dürfe nichts geschehen, was cut der anderen S»Ue Mißtrauen erwecken könne. Für die nächsten Wochen sei die Zurücknahme einer größeren Zahl fremder Besatzungstruppen aus dem besetzten Gebiet zu- gesagt und bereits eingeleitet, und er sei davon überzeugt, daß die französische Regierung ihr Versprechen loyal und in vollem Umfange erfüllen werde.
Dabei erneuern wir immer wieder den dringenden Hinweis auf unser Recht, die völlige Räumung des besetzten Gebiets zu verlangen, nachdem unsere Entwaffnung vollkommen durchgeführt ist und die Politik der letzten Jahre den besten Beweis für die friedliche Einstellung des deutschen Volkes in seiner weitaus größten Mehrheit geliefert hat.
Hierauf kam Dr. Marx auf die Rede des Reichspräsidenten v. Hindenburg bei der Enthüllung des Tannenberg-Denkmals zu sprechen. Das Aufsehen, das diese Rede in manchen Kreisen des Auslandes erregt habe, fei auffallend. S o - wohl er wie der Reichsminister des Aeußern hätten die Rede gebilligt und in Bezug auf die uns vorgeworfene Schuld am Krieg hätten sowohl er, der Reichskanzler, wie auch andere verantwortliche deutsche Staatsmänner bei früheren Gelegenheiten vielleicht noch schärfere Worte gebraucht, als der Reichspräsident bei der Tannenberg-Feier, z. B. am 29. 8. 1924 bei Annahme der Dawesgesetze. Die Frage der Kriegsschuld könne allerdings nicht durch Reden hin und her entschieden werden, sondern nur durch ernste
wissenschaftliche Forschung und unparteiische Prüfung.
Die Behauptung, Deutschland habe den euro- päischen Brand entfesselt, fei eine schwere und tief verletzende Ungerechtigkeit.
Eine wahre Versöhnung der Nationen sei unmöglich, so lange ein Mitglied der großen Völkerfamilie in den Augen der anderen Mitglieder gebrand- martt bleibe.
Nunmehr wandte sich der Reichskanzlc- dem Schreiben des Reparationsagenten Parker Gilbert an den Reichsfinanzminister zu: Der Finanzminister und die Reichsregierung sind nach dem Bekanntwerden der Tatsache, daß der Reparationsagent sich schriftlich über die schwebenden Finanzfragen geäußert habe, von deutschen Blättern schärsstens kritisiert und sogar der Reparationsagent sei angegriffen worden, obwohl er doch nur seine Pflicht als Vertreter der Gläubigerstaaten erfüllt habe. Richtig sei, daß Parker Gilbert sich über Bedenken äußere, die Deutschlands Finanzgestaltung bei ihm hervorgerufen haben. Dies sei jedoch in durchaus vorsichtiger Weise geschehen und unter der nachdrücklichen Verwahrung dagegen, daß er sich in die innerpolitischen Verhältnisse Deutschlands einmischen wolle. Gerade die Politik des Finanzministers Köhler habe eine Reihe schwerer, lange hinausgeschobener Probleme von erheblicher Tragweite zum Vorschein gebracht Die in der Besoldungsvorlage vorgesehene, einem dringenden Bedürfnis entsprechende Erhöhung der Boamtengehälter könne wenigstens für das erste Jahr aus den zur Verfügung stehenden Mitteln ohne neue Steuern gedeckt werden.
In Bezug auf
das Schulgesetz
habe die Opposition wohl nicht? die Tragweite erkannt, als man geradezu fantastische Berechnungen über die Höhe der entstehenden Mehrkosten an- tellte. Dadurch sei die Kulturfrage zu einer Finanzrage gemacht worden, die somit auch die Aufmerk- amkeit des Auslandes und des Reparationsagenten erregen mußte. Er hoffe, es werde gelingen, dem Regierungsentwurf zum Volksschulgesetz eine Gestaltung zu geben, die allen berechtigten Wünschen der verschiedenen Parteien und Weltanschauungsgruppen gerecht werde. Niemand solle gezwungen sein, seine Kinder in eine Schule zu schicken, die seiner Weltanschauung, seinem Erziehungsideal nicht entspreche. Ob das Volksschulgesetz von einer mehr nach rechts neigenden Koalition gemacht werde, oder von einer Politik, in der die Linke den Einfluß besitze, den heute die Rechte habe. Die Gleichberechtigung der drei Schularten: christliche Schule, weltliche Schule, staatliche Einheitsschule, werden in jedem Falle in diesem Gesetz enthalten sein, das unter Mitwirkung des Zentrums Zustandekommen soll.
Selbst einen Wahlkampf, in welchem es um die
Schule gehe, fürchte die Zentrumspartei nicht.
Die Verantwortung aber für die Folgen, die ein solcher Wahlkampf für unser politisches Leben nach sich zieht, lehne das Zentrum ab.
Vor einigen Tagen habe er einen „Appellan das Bürgertum" zu lesen bekommen, der in der Aufforderung gipfele, alle bürgerlichen Parteien sollten sich zum gemeinsamen Kampfe gegen die die Klassentampf propagierende Linke zusammenfinden. Er sei der Ueberzeugung, daß dieser Aufruf im Zentrum keinen Anklang finden werde. Es sei stets das Bestreben des Zentrums gewesen, keinen Volksteil, der guten Willens ist, von der Arbeit für den Staat auszuschließen, insbesondere nicht die zahlreichen und wertvollen Kreise der deutschen Arbeiter.
Der Reichskanzler schloß mit folgenden Worten: Hier und da hört man bereits Parolen für den nächsten Wahlkampf. Es scheint mir verfrüht, schon jetzt auf Einzelheiten einzugehen. Es kann sein, daß Reichstagswahlen bald bevorstehen, es kann fein, daß sie erst im Herbst oder Winter des nächsten Jahres kommen. Die politischen Verhältnisse sind so sehr in der Bewegung, als daß man heute schon den Zeitpunkt der Wahlen voraus- sehen könnte, geschweige denn kann man bereits Einzelheiten für die im neuen Reichstag zu verfolgenden Ziele darlegen. Nur das eine kann ich letzt schon mit aller Bestimmtheit feftstellen, das Zentrum wird nach den kommenden Wahlen, in die es, wie ich mit Dachdruck betone, ohne jede Bindung hineingehen wird, genau so wie früher seine Kraft dem Staate zur Verfügung stellen mit denjenigen Parteien die Staatspolitik betreiben, die geneigt sind, mit ihm zusammen die bisherige Politrk im wesentlichen fortzusetzen und auf dem' Boden der Verfassung das Staatswohl zu fördern.
Svanr. PveffeMmmsn ruv Kerchs- kanrlevvede.
Paris, 31. Okt. Zur Rede des Reichskanzlers in Essen äußern sich nur zwei nationalistische Blätter, das „E cho de Pari s" und der „F i g a r o": Es liegen also nur Ansichten von Blättern vor, die die Politik Briands bekämpfen, und die jede Gelegen- heit benutzen, dies zum Ausdruck zu bringen. Das „Echo de Paris" schreibt, die Rede des Reichs
kanzlers werde Briand und Barchou, die naiven und gutgläubigen Politiker, die an die zwei Deutschlands glauben, in Erstaunen setzen und überraschen, sie werden dadurch erfahren, daß die jetzt an der Regierung befindlichen deutschen Minister weder Wichelm II. noch die anderen Banditen, die vier Jahre lang Europa zu Ader ließen, ver- chmähen. Da wir uns nicht derartigen Illusionen lingegeben haben, können uns die Worte des Reichskanzlers nicht stören. — Der „Figaro" schreibt, die Rede des Reichskanzlers ist geeignet, allen denen die Illusion zu nehmen, di« ,an die nahe bevorstehende moralische Evolution Deutschlands glauben. Ueber zwei Punkt« hat sich Marx ganz kategorisch ausgesprochen, er hat die Räumung der Rheinland« gefordert, ebenso die Prüfung der Frage der Kriegs- verantwortung. Das ist also die seit langem angekündigte Kampagne für die Revision des Verisailler Vertrags.
ÄenLvum und Einheitsstaat.
Berlin, 30. Okt. Die Reichstagsfraktion des Zentrums hält, dem „Berl. Tageblatt" zufolge, am Donnerstag, 3 November, gemeinsam mit der Zentrumsfraktion des preußischen Landtags nachmittags eine Sitzung ab, in der nach der Berichterstattung über die Verhandlungen im Haushaltsund Bildungsausschuß des Reichstages das Problem „Reich und Länder" behandelt werden soll. Als Referenten sind bisher vorgesehen: Reichstagsabgeordneter Dr. Brüning und der Präsident des badischen Landtags Dr. Baumgarten. Auch ein Mitglied der Zentrumsfraktion des preußischen Landtages wird ein Referat halten.
Vavteitag dev Lrntevnatianaien Voikspavtei Vavevns.
Würzburg, 30. Okt. Der Parteitag der Deutsch- nationalen Partei in Bayern wurde heute vormittag unter zahlreicher Beteiligung abgehalten. II. a. wohnten der Versammlung der bayerische Justizminister Dr. Gürtner, fast sämtliche Abgeordneten der Partei im Reichs- und Landtag, ferner Vertreter der badischen und preußischen Bruber- parteien bei. Schriftliche Grüße hatten gesandt: Großadmiral o. T i r p i tz, die Großbeutsche Volkspartei in Oesterreich uwd die Deutschnationale Partei des Sudetewlandes. Lawdesvorsitzender Landtags- abgeordneter Hilpert erörterte die schwebenden politischen Fragen. Das Problem des Finanzausgleichs werde zum Problem der bayerischen Eigenstaatlichkeit. Bezüglich der Staatsvereinfachung sei die Deutschnationale Volkspartei bereit, das bayerische Handelsministerium in einen kleineren Verwaltungsapparat hineinzufügen. Aber auch die anderen Parteien müßten Opfer bringen. Unter dem Dreigestirn des nationalen, sozialen und christlichen Gedankens gehe die Partei in die kommenden Wahlen.
Abg. Strathmann erläuterte den Keudell- schen Reichsschulgesetzentwurf, für den er eintrat. Der Würzburger Staatsanwalt Falkenberg bezeichnete die Einsetzung parlamentarischer Untersuchungsausschüsse als chws- ren Eingriff in die Rechtspflege. Die Anschüsse seien verfassungswidrig. In der Aussprache forderte der Vertreter der Arbeitnehmerschaft der Deuts cf) nationalen Volk spartet, Frommhold- Würzburg, daß die Partei dem Abbau des bayerischen Sozialministeriums unter keinen Umständen zustimme.
Die vom Landtagsausschuß der Parteiversamm- lung unterbreiteten Anträge auf Bildung eines Angestellten- und Beamtenausschusses wurden geneh-
LusammeniehSutz dsv KationaS- iibevaien mit dev Dentsthnatio- nalen Vaiösvavtei in Vaversr.
Würzburg, 29. Off. In der Sitzung des Deutschnationalen Landesausfchusses, mit der der Parteitag der Deulfchnationalen Volkspartei in Bayern begann, berichtete der Abgeordnete Dr. Hilpert über den Zusammenschluß der Rational- liberalen Landespartei mit der Deutschnationalen Volkspartei in Bayern. Der Landesausschuß begrüßte den Zusammenschluß einstimmig als verheißungsvollen Schritt für die Vereinigung der nationalen Kräfte in Bayern. Der Vorsitzende der Rationalliberalen Partei, Abgeordneter Pros. Dr. Len t, begrüßte den Zusammenschluß der beiden Parteien als ein Zeichen der Selbstbesinnung und der Gemeinschaft zum Kamvfe gegen die Internationalisierung unseres deutschen Vaterlandes.
VadiMev Vavteitas und Demokvaten.
Die badischen Demokraten für die Simultanschule.
Offenburg, 30. Okt. Die Deutsche Demokratische Partei Badens hielt am Samstag und Sonntag hier ihren aus dem ganzen Lande stark besuchten Landesparteitag ab, der sich in der Hauptsache mit dem vorliegenden Entwurf zum Reichsschulgesetz beschäftigte. Am Samstag sprach Geheimrat Thomas- Heidelberg über die staatsrecytliche Seite des Entwurfs. Er erkannte an, daß das Weimarer Kompromiß gewisse Schwierigkeiten geschaffen habe. Das Zentrum habe aber durch den Bruch der Abmachungen den anderen Parteien freie Hand gegeben. Der Keudellsche Entwurf enthalte im übrigen eine Reihe Verfassungswidrigkeiten, von denen jede einzelne genüge, um die verfassungsmäßige Zweidrittelmehrheit zu beanspruchen. Die ganze Ver
antwortung liege nunmehr bei der Deutschen Volkspartei, ohne deren aktive Mitwirkung eine verfassungsmäßige Mehrheit für den Entwurf als Gesetz nicht zu erzielen sei. In der Aussprache wurde lebhafte Kritik an der Haltung des demokratischen Kultusministers Leers geübt, der bekanntlich die der demokratischen Partei nicht weit genug gehenden Abänderungsanträge der badischen demokratischen Parteiorganisation stieß. Minister Leers nahm Gelegenheit, feine Haltung zu begründen, zumal er ja im Kabinett vom Zentrum überstimmt worden war. Er stellte sich genau wie die Partei vorbehaltlos auf den Boden der Simultanschule, wie überhaupt in der Frage der Simultanschule auf dem Parteitag Einmütigkeit herrschte.
Am Sonntag vormittag wurde dann vom Do» sitzenden Minister Dietrich, M d. R., der Landesparteitag eröffnet, der neben den geschäftlichen Berichten auch oen Tätigkeitsbericht der demokratischen Reichstagsfraktion gab. Ihm folgte der Bericht der Landtagsfraktion durch deren Vorsitzenden Landtagsabg. Dr. Glöckner. Das Hauptreferat auf dem Parteitag selbst hielt Frau Ministerialrat Gertrud Bäumer, M. d. R., die über die bisherigen Verhandlungen des Bildungsausschusses des Reichstages berichtete. Sie begründete eingehend die taktische Haltung der Fraktion und erklärte, daß die demokratische Fraktion einmütig hinter der S i multanschule stehe. Der demokratischen Partei ginge es bei ihrer ablehnenden Stellung grundsätzlich um die Frage der Erhaltung der Gewissensfreiheit des einzelnen und der Erhaltung der Souveränität des Staates.
Im Anschluß an diese Ausführungen wurde nach einer Aussprache eine Entschließung einstimmig angenommen, die der Reichstagsfraktion für ihre entschiedene Haltung dankt und von der badischen Regierung und besonders ihrem demokratischen Mitglied erwartet, daß sie mit allen Mitteln für die Sicherung der badischen Gemeinschaftsschule auch für die Zukunft eintrete.
DemoVvati-rhr Kandidaten fite die ReiOstagswadSsn.
Besprechungen zwischen der demokratischen Parteileitung und den Landesausschüssen haben, wie der „Montag Morgen" erfahren haben will, bereits zur Feststellung einer Reihe von Kanditaten geführt, die bei den bevorstehenden Reichstagswahlen an möglichst sicherer Stelle zur Wahl gestellt werden sollen. Zu den bereits festgelegten Kanditaten gehören der frühere Reichsfinanzminister Dr. Reinhold, der Berliner Oberbürgermeister Dr. Böß und der Ehefredakteur der „Doss. Ztg." A. Bernhard, der im Wahlkreis Potsdam aufgestellt werden soll
Voßens mißitSvisihe Senovsanisation.
Berlin, 30. Okt. Auch Polen trägt sich, wie der „Tag" mitzuteilen weiß, mit dem Plan, eine Neuorganisation feines Heeres nach französischem Muster durchzuführen. Bereits heute besitzt, nach den Angaben dieses Blattes, Polen neben der regulären Friedensarmee von 300 000 Mann eine zweite Friedensarmee von 350 000 Mann, und zwar in der Organisation der Schützen. Nach der Angabe des Redakteurs des polnischen Schützenorgans hat diese Organisation 350 000 Mitglieder. Sie bildet junge Leute vom 18. Lebensjahre an militärisch aus. Das Kriegsministerium bezahlt die Kosten der Organisation, die im Jahre 1926, und zwar im Zusammenhang mit dem Versuch einer allmählichen Umbildung der polnischen Armee nach französischem Muster aus das fünffache erhöht wurden. Die Mitglieder werden vereidigt und durch Reserveoffiziere ausgebildet, und zwar von vornherein in drei Stufen, als Mannschaften, als Unteroffiziere und als Offiziere. Um den Ausbildungsgrad den Leistungen der ständigen Friedensarmee anzugleichen, finden innerhalb der Regiments-, Divisions- und Korpsbezirke gemeinsame Uebungen mit der aktiven Armee statt. Die Schützen haben eigene Uniformen, eigene Waffen und eigene Ausrüstungen und sind jederzeit gestellungspflichtig.
Ms Grundlage für diese Ausbildung in den Schützenorganisationen ist jetzt in Polen gefehltes auch die militärische Ausbildung bei Jugend geregelt. Sie beginnt schon auf bei Schule mit dem sechsten Lebensjahre und ist mü dem Eintritt in die Schützenorganisationen oder mü dem Dienst in der ständigen Armee beendet. D« Anwendung an den Schulen liegt gleichfalls in bei Händen des Kriegsministeriums.
Ztaßieniftbes Sßottenbesuch in Tansev.
London, 29. Okt. Der in diesen Tagen [tätige- fundende Besuch eines italienischen Geschwaders in Tanger hatte in Verbindung mit dem fünften Jahrestag des Marsches auf Rom einen ausgesprochenen faschistischen Charakter. Die englische Presse stimmt darin überein, daß der Besuch des Herzogs von Undine unbedingt politische Bedeutung habe. Der Berichterstatter der „Times" in Tanger erhielt folgende amtliche Erklärung über die italienische Politik in Marokko:
„Italiens Lage als der ausgesprochensten Miltelmeermachl mit einer Bevölkerung, die jährlich um eine halbe Million zunimml, erfordert die sorgfältigste Beachtung aller Veränderungen, die an den Ufern des Mittelmeeres vorgehen könnten, und besonders solcher Veränderungen, die sich aq