202. MWW
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1922
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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung ober auf Rückzahlung deS Bezugspreises. / Für Platz Vorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige Wird keine Gewähr geleistet, xGeschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956,39. 2,3058
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- Poincars hat in einer Denkmalsrede in Bar >uc Deutschland beschuldigt, daß es sich von der illung des Dawesplanes durch Finanzkrisen be- n wolle.
— Rakowski hat gestern Paris verlaßen. Er e nach Berlin im Automobil ab. Zu Zwischen- n bei seiner Abfahrt ist es nicht gekommen.
— Die Bergarbeiter des mitteldeutschen Braunenbergbaues haben die Lohnverhandlungen ab- wchen und für heute den Streik beschlossen. 1 Streikbeschluß scheint nach den letzten Melgen überall Folge geleistet zu werden.
— Die „D. 1220" ist in Bigo (Spanien) glatt mdet. Die Maschine wird von hier aus den iterflug nach den Azoren antreten. „D. 1230" ist i Weiterflug noch nicht gestartet.
— Auf einem Schlosse bei Augsburg brach ern eine Feuersbrunst Äus. Die Katastrophe forte fünf Todesopfer.
«Mi Sasol ante portas?
Durch die dicke Zensurwand, mit welcher 5 Regime Bratianus Rumänien von der üben Welt abgetrennt hat, sickern in der letzten it Nachrichten durch, die von der ständig ichsenden Gärung im rumänischen Lande echen. Während die Telegramme ausländi- er Korrespondenten nach wie vor scharf beachtet und mitleidslos gestrichen werden, inen die rumänischen Zeitungen vpr dem Ute nicht mehr das verbergen, wovon das nze Land spricht: nämlich von der baldigen iederkehr des Prinzen Carols nach Rumä- en und von seiner Thronbesteigung. Das robfem der Dynastie steht in diesem Augen- ick wieder im Zentrum allgemeiner Aufmerk- mkeit in Rumänien. Mit jedem Tag, ja fast it jeter Stunde sammeln sich immer mehr li unruhigende Anzeichen einer nahenden Um- , älzung/
Das einflußreiche Bukarester Blatt „Ade- rul" teilt offiziös mit, daß Transsylvanien m Militär besetzt ist. Der Polizeipräsident ist ird) einen Obersten der Gendarmerie ersetzt orden. Alle Wege werden strengstens kon- olliert, besonders die, die nach der Stadt Albalia führen. Der Staatssekretär des Innern, ataresco, ist in Begleitung des Gendarmerie- immandanten, Generals Dandoglo, in dieser 'tadt eingetroffen. Alle diese Maßnahmen er= ären sich höchst einfach: In Albajulia soll die agung einer der mächtigsten und einflußreichen Parteien Rumäniens, der Nationalen Bau- rnpartei, stattfinden. Dieser Tagung gingen 'rtsfongreffe in allen Ecken Rumäniens vor- n. Die Ergebnisse dieser Tagungen liegen be- eits vor. Die Bauernpartei hat der Regierung nerbittlichen Kampf angesagt und geht nun uf der ganzen Front zum Angriff über.
Die Probleme, die auf der Tagesordnung -es Zentralkongresses in Albajulia stehen, sollen ie Ergebnisse der Ortstagungen zusammenassen und vereinheitlichen. Diese Probleme sind olgende: Das jetzige Parlament, das unter dem Zwang der Regierung, unter dem schärfsten Wahlterror der Regierungsparteien gewählt wurde, soll aufgelöst werden. Die neuen Mähen sollen in der nächsten Zeit unter Garantie Der Wahlfreiheit stattfinden. Die verfassungsmäßigen Zustände sollen überall wieder hergestellt werden.
Aber alle diese Forderungen sind nur Vorbereitungen zu der wichtigsten Frage, die die Nationale Bauernpartei aufgerollt hat. Alle diese Forderungen sollen dem einzigen großen Ziel dienen, das die Partei beseelt. Dieses Ziel ist die Rückkehr Carols nach Rumänien und Wiederherstellung der rechtmäßigen Nachfolge.
Als nach dem Tode König Ferdinands sein fünfjähriger Enkel unter Ausschaltung des Thronfolgers Carol den Thron Rumäniens bestieg, erhoben sich überall und nicht nur in Rumänien Bedenken darüber, ob dieser anormale Ausweg von Dauer sein könne und ob er nicht dem Lande die ständige Gefahr von Hofrevolutionen und Volksunruhen bringen würde. Schon in den ersten Tagen wurden Gerüchte laut, daß der Prinz Carol die Absicht habe, nach Rumänien zurückzukehren und seine Rechte auf den rumänischen Thron, den er nich freiwillig, sondern unter dem äußersten Zwang aufgegeben hat, geltend zu machen. Diese Gerüchte haben sich als falsch herausgestellt. Prinz Carol ist seinem Wort, das er seinem Vater gegeben hat, damals treu geblieben. Er kehrte nicht nach Rumänien zurück. Er hat die Regie- runa offiziell um Erlaubnis gebeten, bei der
anstatt zum ßvanzSMcheu MMWäSNS.
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Paris, 16. Okt. Der Feldzug für die nächsten Kammerwahlen ist nun in vollem Gange. Ministerpräsident Poinc ar é , der heute in seiner Vaterstadt Bar-le-Duc ein Totendenkmal einweihte, gab seiner Rede einen entschieden wahlpolitischen Charakter. Sie bildete, wenn man sie von dem bei Denkmalenthüllungsreden üblichen Beiwerk befreite, eine Darlegung des Programms der nationalen Union und einen Versuch, deren Durchführung als eine Notwendigkeit für die Wiederaufrichtung Frankreichs hinzustellen. PoincarL vermied es heute, in seinen Ausführungen über die französische Außenpolitik die Kriegsschuldfrage tiefer anzuschneiden, doch verstieg er sich zu der kühnen Behauptung, Frankreich yabe alles getan, um den Weltkrieg zu vermeiden.
Besonders heroorzuheben ist die von ihm aufgestellte Forderung, die durch die Friedensverträge geschaffene Situation in Europa dürfe nicht stets wieder in Frage gestellt werden. Man müsse sich überall Rechenschaft darüber geben, daß der kleinste Funke an irgend einem Punkte des Kontinents zu einer neuen Katastrophe führen könne, die zur Vernichtung führen würde. Ferner sei es nötig, daß die von Frankreich erlittenen Kriegsschäden endgültig wieder gutgemacht würden, ohne daß Frankreich selbst die Lasten dieser Reparationen zu tragen habe. Der Dawesplan, der zwar bis heute regelmäßig durchgeführt worden fei, dürfe nicht morgen in Frage gestellt werden.
Der Ministerpräsident erhob bei diese- Gelegenheit gegen Deutschland die Anschuldigung, es wolle sich durch willkürlich zustande gebrachte Defizite und durch die Hervorrusung künstlicher Krisen von den Lasten der Daweszahlungen befreien.
Auf innerpolitische Fragen übergehend, schilderte Poincarè die Schwierigkeiten wirtschaftlicher und finanzieller Art, unter denen Frankreich noch zu leiden hat und die dadurch bei vielen Franzosen entstandene Entmutigung. Frankreich werde jedoch in gleicher Weise, wie es während des Krieges über den Defaitismus Herr geworden sei, auch diese moralische Krise überwinden. Als Heilmittel für diese Schäden pries der Ministerpräsident die Zusammenarbeit im Rahmen der nationalen Union.
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Zur gleichen Zeit, als in Bar-le-Duc der Ministerpräsident für die nationale Union Stimmung machte, hielt auf einer radikal-sozialistischen Versammlung in Toulon Senator Renault eine Rede, die eine scharfe Kampfansage an die Adresse der Rechtsparteien und einen starken Dämpfer auf die Hoffnungen des Ministerpräsidenten darstellt. Die in letzter Zeit von rechtsstehenden Politikern unternommenen Versuche, die Radikalsozialisten für eine Verlängerung des Burgfriedens auf unbestimmte Zeit zu gewinnen, wurde von Renoult energisch zurückgewie- ten. Die Wähler könnten der nationalistischen Partei, die mit unvorsichtigen Kundgebungen der Welt ein Zerrbild des wahren Antlitzes Frankreichs vorhalten, nicht das Vertrauen geben, ebenso wenig den revolutionären Extremisten, die offen die Weltrevolution vorbereiten.
Renoult brandmarkte vor allem den Widerstand, den die Rechtsparteien nach den letzten Wahlen dem Linkskartell entgegensetzten und durch den es diesem unmöglich gemacht wurde, eine gesunde Politik durchzuführen. Aus diesem Grunde falle die Verantwortung für die schwere Finanzkrise ausschließlich auf die Rechtsparteien. Der Senator empfahl den Zusammenschluß der Linksrepublikaner, die sich dagegen zu wehren hätten, daß unter dem Deckmantel der nationalen Union die Rechtsparteien ihre unheilvolle gegen die Linke gerichtete Politik ungestört weiterführen.
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Paris 16. Okt. Caillaux hat auf dem Jahresbankett der republikanischen Frontkämpfer des Departements Yonno in Joigny eine politische Rede
Beerdigung seines Vaters zugegen sein zu dürfen. Diese Bitte des Prinzen wurde abgelehnt und er schien sich damit widerspruchslos abgefunden zu haben. Als aber die Gerüchte von seiner Wiederkehr nach Rumänien trotzdem nicht aufhören wollten, ließ er in der Pariser Zeitung „L'Oeuore" eine Erklärung veröffent- lichert, die höchst merkwürdig klingt. In dieser Erklärung steht nämlich, daß der Prinz nicht die Absicht hat, irgend eine Unruhe im Lande hervorzurufen, daß er aber seine Pflicht tun wird, falls das rumänische Volks dies von ihm verlangen würde. Das soll mit anderen Wor-
gehalten, in der er ausführlich von der Notwendigkeit sprach, die großen Interessengruppen, die dem Staate eine Hilfe sein müßten, zu überwachen und zu kor- dienieren. Er ging alsdann auf die Finanzlage ein und erklärte, weil der Franken nicht von dem phantastischen Kurse von 240 oder 250 für den Pfund Sterling den man immer anführe, der aber nur in einem Augenblick des Alarms erreicht worden sei — sondern von 190 bis 200 Franken auf 124 oder 125 Franken zurückgegangen sei, spreche man in gewissen Kreisen von einem Wunder. Daß die Tatsache der Stabilisierung eine Wohltat sei, wolle er ebenso wenig verkennen, wie das Verdienst des Staatsmannes, der dieses große Ergebnis in wertvoller Zusammenarbeit mit einer erneuerten Verwaltung der Bank von Frankreich erzielt habe. Aber die Stabilisierung müsse von einem bestimmten Punkte zum Stillstand gebracht werden, der dem wirtschaftlichen und finanziellen Zustande des Landes entspreche. Ein übermäßiges Vertrauen sei jetzt ebenso gefährlich wie seinerzeit das übermäßige Mißtrauen. Habe man das richtige Maß eingehakten dadurch daß man den Franken auf 125 für das englische Pfund stabilisierte? Er wünsche das, aber er sei doch nicht sicher.
Zur Aage der Sowjets
führte Caillaux aus: Zu dunklen Zwecken fordere man den Abbruch der Beziehungen zu den Sowjets. Ob man sich wohl über die Gefahren und Nachteile bewußt fei die dies für das kontinentale Frankreich in politischer und auch wirtschaftlicher Hinsicht in sich schließe. Man benutze revolutionäre Machen- ichaften, für die, wie man behaupte, eine Botschaft der Herd werden könne, als Vorwand, gerade als ob es nicht Sache der französischen Regierung sei, darüber zu wachen, daß kein Vertreter irgend einer Macht aus der Reserve heraustrete, in der er sich halten müsse, gerade als ob die amtlichen Stellen nicht unter der Kontrolle des Parlaments Handels- freiheit hätten, für den Fall, daß festgestellt werden würde, daß diese elementaren Regeln nicht beobachtet würden. Diese Männer ließen es sich auch angelegen sein
die Politik von Locarno zu verleugnen.
Sie protestierten mit Heftigkeit gegen den Gedanken, daß es eine Tat größter Klugheit wäre, rechtzeitig die in das Fleisch eines besiegten Volkes gesteckten Dornen herauszuziehen, da diese das besiegte Volk nur in Erregung versetzen, ohne daß sie dem anderen etwas anderes einbringen, als falschen und gefährlichen Schein. Diese Leute beuteten die Befürchtung aus, die Frankreich wegen der vielen Einfälle, die es erduldet, hege, und um der französischen Bevölkerung Mißtrauen einzuflößen. Sie wiederholten in allen Tonarten, daß eine Wiederversöhnung mit Deutschland undurchführbar sei. Sie suchten in die Gehirne diesen Gedanken so einzuhämmern, daß der Glaube an eine Annäherung vollkommen verschwinden müsse. Was wollen denn diese Leute eigentlich? Verblendet sei doch der, der nicht die Schwierigkeiten oder die eigenartige Stellung Frankreichs zur gegenwärtigen Stunde erkenne; verblendet sei der, der sich nicht Rechenschaft darüber ablege, daß das einzige Mittel, neue Katastrophen zu vermeiden, die Vereinigung aller Westmächte sei. Um dies zu verwirklichen, müsse man Opfer bringen: Prestigeopfer, Opfer, die schwer zu bringen seien, wie etwa das Vergessen berechtigter Beschwerden. Was komme es darauf an? Lehre die Geschichte nicht, daß ein Volk erst dann endgültiger Sieger sei, wenn es den Sieg beherrscht habe.
Caillaux schloß seine Ausführungen wie folgt: Meine lieben Freunde, die ihr auf dem dornigen Pfad Fetzen von Eurem Leibe gelassen habt, die ihr schaudert bei dem Gedanken einer neuen Katastrophe, Euch werden wir mobil machen, damit wir dem entfesselten Nationalismus den Weg versperren, dessen Flut seit einem Jahr gestiegen ist. Wir fordern Euch nicht auf zu einem müden Pazifismus. Es ist eine schwere Ausgabe einen asthmatischen Frieden in einen wirklichen Frieden umzuwandeln, das erfordert, wie ein Schriftsteller jüngst feststellte, einen Kampf, der mehr Schweiß verlangt als die harten Kämpfe von Mann gegen Mann in der Vergangenheit. Diesen Kampf werden wir alle zusammen führen und wir werden die Schlacht gewinnen. Das Heil Frankreichs, Europas und der Zivilisation hängt von unserem Erfolg ab.
ten heißen, daß der Prinz Carol den Gedanken, rumänischer König zu werden, keineswegs aufgegeben hat, daß er aber auf einen günstigen Augenblick wartet, nach Rumänien zurückzukehren und daß er die Initiative in dieser Angelegenheit dem Volkswillen überträgt.
Diese Erklärung des Prinzen hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Popularität des Prinzen, die von Bratianu trotz aller Bemühungen nicht unterdrückt werden konnte, ist in ständigem Anwachsen begriffen. Von Bukarest nach der Pariser Vorstadt Neuilly, wo der Vater des kleinen Königs feinen Wonsitz hat, ziehen un
sichtbare Fäden hinüber, die mit jedem Tag sich verdichten.
Jetzt scheint der Tag nahe zu sein, wo eine große Offensive zugunsten des verbannten Prinzen eingeleitet werden soll. Die Nationale Bauernpartei wagt es, diese Offensive offen zu verkünden. Sie stützt sich zweifellos auf die allgemeine Stimmung im Lande. Die politische Situation ist äußerst zugespitzt. Der Regentschaftsrat, der von dem verstorbenen König eingesetzt wurde, besitzt keine Autorität und keine Macht. Die drei Mitglieder des Regentschaftsrates sind Puppen in der Hand des Ministerpräsidenten Bratianu und seines Bruders, des Finanzrüinisters Vintila. Alle drei Mitglieder des Regentschaftsrates — der Patriarch, der Präsident des Gerichtshofes und der Onkel des Königs, Nikolaus — sind unabsetzbar. Dabei sind die ersten beiden so alt, daß sie nicht mehr zu dieser Welt gehören, und der Prinz Nikolaus, der jüngste Bruder des Prinzen Carol, interessiert sich für Reit- und Autosport in viel höherem Maße als für Staatsgeschäfte. Der eigentliche Herrscher im Lande, Bratianu, hat sich zweifelsohne große Verdienste um das Land erworben. Aber er hat mehr Feinde als Freunde. Er hält sich ausschließlich durch Gewaltmaßnahmen an der Macht. Bisher ist es ihm gelungen, jede Diskussion über die Dynastiefrage zu verbieten. Nun aber erweist sich die allgemeine Stimmung stärker als er. Jetzt muß Bratianu in den offenen Kampf um die Macht eintreten. Die Aussichten für den Ausgang des Kampfes sind aber für ihn ungünstig. Die einzig reale Gewal tim Lande, die sich bis jetzt seinem Willen fügte, die Armee, schwankt. Der Einfluß des Prinzen Carol war gerade in der Armee sehr groß und blecht groß bis zum heutigen Tage. Um die moralische Äutorität Bro tianus steht es auch sehr kritisch. Bratianu beruft sich in erster Linie auf den letzten Willen des verstorbenen Königs. Aber der König Ferdinand ist eben tot. Seine Gestalt und sein Name verblassen jeden Tag immer mehr. An seiner Stelle tritt immer stärker die Figur seines ältesten Sohnes in den Vordergrund. Diesen Gang der Geschichte kann keine Menschenmacht aufhalten. Die Stunde ist nah, wo Bratianu sich vor dem Prinzen Carol beugen wird. Rumänien steht vor neuen Erschütterungen, deren Widerhall auch außerhalb seiner Grenzen spürbar wird.
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London, 16. Okt. Die „Sunday Times" veröffentlicht einen Artikel des französischen Kriegsministers Painlevë über „Frankreichs Wille zum Frieden". Dxr Verfasser nennt Briand „den großen Apostel des Friedens" und fährt fort: „Das Werk der Versöhnung, das man versuche, sei edelmütig und mutig — einige würden sagen, gefährlich. Ich glaube jedoch daß blindes Mißtrauen schlimmer ist, als blindes Vertrauen. Der Präsident des Bundes der ehemaligen Kriegsteilnehmer würdige in feiner Broschüre vollauf die feindseligen Einflüsse, mit denen man rechnen müsse. Es gebe in Deutschland ihres Besitzes beraubte Knappen, die eine Revanche früher oder später brauchten, aber als diese Knappen versuchten, die Republik zu stürzen, sei ihr Putsch erbärmlich fehlgeschlagen. Reichspräsident v. Hinden- bürg sei dem Verfassungseide treu, den er geschworen habe. Ein Grund zur Beglückwünschung für Deutschland, für Europa und für uns, fährt Painlevè fort, ist, daß Dr. Stresemann noch Außenminister ist und mit ihm die Locarnopolitik weiterlebt. Ein Land gibt es, wo der Wille zum Frieden stark und einmütig ist, nämlich Frankreich (!?), wo unter vier Außenminister hintereinander nicht die geringste Abweichung im Willen zum Frieden zu verzeichnen war. Wenn man ihm, Painlevè, die neuen Militärgesetze vorhalten werde, so müsse er dagegen Einspruch erheben. Nach der ersten chirurgischen Operation im Jahre 1919, die das neue Europa eingeleitet habe, würde es eine kindische Illusion fein, zu denken, daß, weil Frankreich den Frieden wünsche, es jetzt abrüsten könne. Die größte Gefahr, die den Frieden Europas bedrohen könne, würde ein schwaches Frankreich sein. Im befriedeten Europa, das allmählich aufgebaut werde, erkennen alle unparteiisch Denkenden Frankreich als eines der sichersten Elemente an.
Atndenbuvs sesen die ^viesS svenelMse.
Berlin, 15. Okt. John Nuesen, der Bischof der Methodistenkirche für Europa, der gestern zur Teilnahme an der Bischofskonferenz in Detroit eintraf, erklärte, wie der „Lok.-Anzeiger" berichtet, über einen Besuch, den er bei Reichspräsident v. Hindenburg gemacht habe. Den Reichspräsidenten scheine nichts mehr zu quälen als die Lügen über angebliche Schändlichkeiten deutscher Soldaten während des Krieges. Der Reichspräsident habe gesagt, er könne nicht denken, daß vernünftige Menschen diese schändlichen Lânen glaubten. Man müßte sonst an der