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lau «Stadt und Land

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11, SVtsdes

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Der Bamler im besetzten Gebiet.

He Vesvützuns buM die Stadt ^ovlenz.

: Begrüßung durch die Stadt Koblenz.

lenz, 10. DEL Reichskanzler D r. Marx ist vormittag in Koblenz, dem Ausgangspunkt Reife durch die besetzten Gebiete, eingetrofsen. er Begrüßung hatten sich der Reichskommis-

P die besetzten Gebiete Langwerth v. S i m - , der Präsident der Reichsvermögensverwal- ollar tz und der Oberpräsident Dr. Fuchs chnhof eingefunden.

12 Uhr mittags fand eine außerordentliche ang der Stadtverordneten im Rathaus statt, ter Begrüßungsansprache an den Reichskanz- ;te Oberbürgermeister Dr. Russell u. a.: mpfinden nach wie vor, wie unser Volks- o von dem Fremdkörper der Be- n g baldmöglichst befreit werden muß, wenn öffentliches Leben gesunden soll. Die Bürger vohl durch die Besatzungshöhe wie durch den ?r Rheinlandskommission besonders bedrückten Koblenz erklären aber feierlich, daß sie ann befreit sein wollen, wenn nicht neue tzungslasten dem bisher freien Deutsch- afür auferlegt werden. Der Oberbürgermeister rte dann die durch die darniederliegende Wirt­entstandene Not der Stadt Koblenz und bat ejchskanzler um Hilfe.

ichskanzler Dr. Marx dankte dem Oberbür- ifter für die Begrüßung und führte u. a. aus: ist mir eine besondere Freude, daß ich bei r gegenwärtigen Reise nach dem Rheinland enheit finde, der Vertretung der Stadt Kob- ils des Mittelpunktes der noch besetzten Ge- Mtieinen Besuch abzustatten. Seien Sie ver- , daß ich den besonderen Nöten der Stadt nz volles Verständnis entgegenbringe und daß e auch im Reichsministerium für die besetzten te Ihre Verhältnisse bekannt sind und volle igung finden. In kritischer Zeit, als ch'ßerste )ren drohten, hat die Bevölkerung am Deut- Eck ihre unbeirrbare deutsche Treue durch die bekundet. Im Gedenken hieran wird ihnen Deutsche Reich, wie es bisher schon mehrfach ftig eingegriffen hat, auch weiterhin im men seiner Kräfte jeden nur mög­en B e i st a n d l e i st e n, damit Koblenz, von schweren Druck der Gegenwart befreit, einer cn Zukunft entgegengeht und seine volle Gel- im Kranze der rheinischen Städte behauptet."

<aS bsse^Le Gsbèet bittet um fein NssW.

des Oberpräsidenlen Dr. Fuchs an den Reichs­kanzler.

ioblenz, 10. Okt. Im Anschluß an die Festsitzung Stadtverordnetenversammlung begab sich Reichs­ter Dr. Marx zum Oberpräsidenten D r. ch s. Bei dieser Gelegenheit begrüßte der Ober- ' ident den Reichskanzler, indem er u. a. sagte: I Der unbestreitbare Anspruch Deutschlands auf imung der besetzten Gebiete hat sich bisher nicht chsetzen können.

eutschland Hal in den Verträgen als Voraus- ßung für die Räumung festgesetzten Beffim- umgen erfüllt und mehr darüber hinaus ge­leistet.

5 besetzte Gebiet weiß, daß die Schuld an dem tbestand der Besetzung nicht beim eigenen Volke 1 seiner Regierung liegt, und wird die Lasten

Besetzung weiter tragen.

Dabei erkennen wir dankbar an, daß infolge Befriedungspolitik der Reichsregierung nam- te Erleichterungen auch von grundsätzlicher Be- tung im Besetzungsgebiet zu verzeichnen sind. - Kern dieses Befetzungsregimes aber ist geblie- i. Insbesondere können wir uns mit dem heute h gültigen Ordonanzsystem nicht abfinden, 5 weit über die Grenzen des Rheinlandes hinaus-

und den Machtansprüchen der Gegenseite Tür d Tor öffnet.

Wie in früheren Jahren, so auch in diesem rbst haben die Besatzungsarmeen wieder M a n ö- r in unseren Gauen abgehalten. Kriegs- ele fremder Truppen im entwaffneten neutrali- rten Rheinland, zu denen der deutsche Bauer !ld und Acker, die deutsche Hausfrgu Quartier r Verfügung stellen muß!

Wie ich schon ausführte, blickt das besetzte Ge- et mit Dank und Vertrauen zur Re-ichsregierung f. Es weiß, daß die Befriedungsaktionen, die > die Namen London, Locarno und Thoiry ge­lüpft siid, in erster Linie in seinem Interesse iternommen worden sind und dankt dem Vater- nde für die großen Opfer, die es ihm damit ge- -acht hat. Diese Aktionen sind das Werk der von hnen bestimmten Politik, die, wie wir wissen, auf n bewährten Bahnen fortschreiten wird. Möge ie Reichsregierung, wie bisher, so auch in Zukunft »r Sinnen Und Trachten darauf richten, den he­tzten Gebieten die ihnen 'iach Recht und Gesetz astehende endgültige Freiheit zu verschaffen. So­weit es nicht möglich ist, möge sie nach Kräften ersuchen, das Besatzungsregime mög. ich st einzuschränken.

Das besetzte Gebiet bittet um fein Recht. Mehr verlangt es nicht.

licher Art, durch die unser Volkstum berührt wird, erkauft wird. Im Vertrauen auf Reichsregie­rung und Volksvertretung werden wir ausharren, bis die Stunde der Befreiung schlägt und unbeirrt im Wandel der Ereignisse wie in schwerster Zeit, so auch in Zukunft, treu zu Volk und Vaterland stehen.

Dev Fveihettsdvans des besetzten Gebietes.

Eine Rede des Reichskanzlers Dr. Marx.

Koblenz, 10. Okt. Reichskanzler Dr. Marx dankte dem Oberpräsidenten für die Begrüßung und führte u. a. aus:

Der Entschluß, zum Reichskanzleramt auch das Ministerium für die besetzten Gebiete zu übernehmen, wurde mir erleichtert dadurch, daß mich als Rhein­länder, als Politiker und als Parlamentarier, seit langem so vieles mit dem rheinischen Gebiete ver­band. Aus den Worten des Herrn Oberpräsidenten erklang, was uns alle bewegt, die große seelische und materielle Not, die die Besetzung für diesen schönen Gau am Rhein bedeutet. Bald dauert diese schwere Last schon neun Jahre, ein Zeitraum, den man früher nicht für möglich gehalten hätte. Not erkennen Hilst aber nicht, man muß sie bekämpfen. Seien Sie überzeugt, daß die.Reichsregierung stets ein offenes Ohr für Ihre Klagen und Beschwerden hat. Nicht nur unsere Herzen sind dem Rheinland zugetan, auch mit Hilfsmitteln sind wir bereit, die materiellen Lasten und Schäden, die die Besetzung mit sich bringt, im Rahmen des Möglichen auszu­gleichen. Sicher hat unsere Hilfsaktion im Rheinland nicht volle Zufriedenheit auslösen können. Vieles ist ausgeglichen, aber dabei darf nicht vergessen wer­den, daß sich das Reich in äußerst schwierigen Finanzverhältnissen befindet.

Gewiß ist im Besatzungssystem manches besser geworden als früher. Auch die Herabsetzung der Be­satzungsstärke um 10 000 Mann ist eine wünschens­werte Erleichterung, aber es liegt in der Natur der Sache, daß eine solche Herabsetzung an dem Gesamt­tatbestand der Besatzung nicht viel ändern kann, die auf die Gemüter wirkt und viel Lasten und Kosten verursacht, und die wirtschaftliche Entfaltung hemmt. Freiheitsdrang und Freiheitsliebe sind bei einem Stamm besonders begreiflich, der den deutschen Staat zuerst gegründet hat. Sie wissen, ich bin ein über­zeugter Anhänger der Verständigungspolitik. Diese Politik kann nur dann in den Herzen der Völker tiefen Eindruck gewinnen, wenn sie getragen ist von der freudigen Zustimmung der Völker, die aber nur aus dem Gefühl hervorgehen kann, daß Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen gelten. 3m deutschen Bolf, das so viel Unrecht und Unfreiheit zu erfragen hatte und immer noch zu ertragen hak, ist diese Sehnsucht nach der Herrschaft von Freiheit und Ge- rechtigkeil besonders tief. Möge der Tag der Frei­heit uns bald befchieden fein.

Dev Kanzler? an die NveiVe.

Koblenz, 10. Okt. Auf dem heute nachmittag beim Reichskommissar für das besetzte Gebiet abge­haltenen Empfang der Presse des besetzten Gebietes hielt Reichskanzler Dr. Marx eine Ansprache, in der er die Bedeutung der engeren Zu­sammenarbeit zwischen Regierung und Presse im parlamentarischen Staat hervor­hob und der Presse der besetzten Gebiete in voller Anerkennung den Dank der Reichsregierung aus­sprach für die hingebungsvolle Arbeit, die in schwe­rer Stunde Verleger und Redakteure für das deut­sche Vaterland geleistet haben. Es werde in der Geschichte unvergessen bleiben, daß im gesamten besetzten Gebiet mit Einschluß der geräumten ersten Zone in der Notzeit des Einbruches an der Ruhr und der Separatistenzeit 340 Blätter im Jahre 1923 für den Schutz des heimatlichen Bodens, für die Einheit des Reiches und für den Frieden der Bür­ger mit geistigen Waffen ehrenvoll gesümpft haben. Unvergessen werde auch bleiben, daß dieser Kampf den Angehörigen der Presse schwere materielle Opfer und leider vielfach fast nicht mehr wieder- guizumachende persönliche Leiden den Arbeitern an der Großmacht Presse gebracht hat.Die nächste Zukunft", fuhr Reichskanzler Marx fort,wird uns endlich die länost erwartete Vermin­derung der Befatzungsstärke bringen.

Sie alle kennen die Ziele unserer Politik. Sie kennen aber auch alle die mannigfachen Schwierig­keiten, die der Alltag der Verwirklichung entgegen­stellt. Wir dürfen dabei immerhin nicht verkennen, daß in den unmittelbaren Verhandlungen, die in den letzten Jahren zwischen uns und den Regie­rungen der Besatzungsmächte geführt worden sind der deutsche Standpunkt doch in mancher Hinsicht bemerkenswerte Fortschritte gefunden hat. Sie haben, meine Herren von der Presse, auch weiterhin die schwere Aufgabe, in kommenden Zeiten als Führer der öffentlichen Meinung den Willen des einheitlich denkenden Volkes nach reiflicher Prüfung der Einzclfälle zu vertreten und an die Regierung zu bringen. Ich danke Ihnen für die vielen An­regungen, die ich heute aus der Zusammenkunft mit Ihnen gewonnen habe. Sie wissen alle, meine Herren, daß meine Wiege zu Köln a. Rh. stand, und Sie wissen, daß meine Arbeitskraft und mein volles Wirken stets in besonderem Maße diesem Lande gilt, in dem der deutsche Strom zu? Lmhât mahnt.

Sie werden bei mir stets ein aufmerksames Ohr finden für alles, was Sie als bevorzugte Kenner der Empfindungen des Volkes erfahren, was Sie durch die Presse wiederum der Reichsregierung mit­teilen. Hoffen wir, daß dieser gemeinsamen Arbeit der Erfolg nicht versagt bleibt."

Die Neratzttngsvevttündövnng.

Berlin, 10. Off. 3n den letzten Tagen hat in der presse ein angebliches Schriftstück eine erhebliche Rolle gespielt, in dem General Guillaumat der Rheinlandkommission Mitteilung über die Truppen­verminderung gemacht haben soll, die darauf hin­ausläuft, daß die Truppenverminderung sich statt auf die zngesagten 10000 Mann nur aus 6000 Mann erstreckl. wie das wolff-Büro hierzu erfährt, ist in Regierungs­kreisen bisher nur eine Mitteilung bekannt gewor­den, die General Guillaumat einem Oberregierungs­rat der Reichsvermögensverwaltung in Koblenz gemacht hat. Dieses Schriftstück kann aber keines­wegs als Beweis dafür gelten, daß die Verminde­rung nur 6000 Mann beträgt. In Regierungs­kreisen ist man der Auffassung, daß nur eine Mittei­lung der französischen Regierung oder der in der Botschafterkonferenz vereinigten Mächte maßgebend sein könnte. Eine solche Mitteilung wird erwartet. Ob die französischen Militärs entgegen den Zusiche­rungen, die Deutschland gegeben worden sind, in der Zahl der Verminderung Schwierigkeiten zu machen suchen, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen. Man muß zunächst die authentische Mitteilung der fran- zösischen Regierung abwar len.

Bad Gms wSvd nicht sevSnmt.

Berlin, 11. Okt. Wie lautVoss. Ztg." mitgeteilt wwd, trifft die Nachricht, daß bei der in der näch­sten Zeit erfolgenden Zurückziehung von Besatzungs- iruppen Bad Ems besatzungsfrei werde, nicht zu. Die Befatzungstruppen in Bad Ems und Bad Kreuznach werden vermindert, aber nicht vollständig zurück­gezogen.

3m Geiste SoineavSs.

Denkmalsreden französischer Rationalisten.

Paris, 10. Okt. Auf dem Plateau von Craonns wurde gestern unter zahlreicher Beteiligung ehema­liger Mitkämpfec ein Soldatendenkmal eingeweiht. Dec nationalistische Deputierte de Verneuil hielt bei diesem Anlaß eine Rede, in der es natürlich nicht an den bei solchen Gelegenheiten üblichen Ausfällen gegen Deutschland fehlte. Der Deputierte schloß mit der Erklärung, die verwüsteten Gebiete seien ent­schlossen, den Frieden herbeizuführen und würden ihn denjenigen auferlegen, die in Deutschland der Tannenbergrede des Reichspräsidenten Beifall spen­deten. Nach den Deputierten ergriff Senator Generat Kirschauer, Mitglied der Kommission für Heeres­fragen, der während des Krieges das 18. Armee­korps befehligte und im Jahre 1917 das zerstörte Dorf Craonne zurückeroberte, das Wort. Die Herab­setzung der Militärdienstzeit sei ein Beweis für Frankreichs Friedensliebe, meinte er. Nachdem Der General den Friedenswillen Frankreichs in den schönsten Farben geschildert hatte, bemühte er sich ebenfalls, Deutschland als Ruhestörer hinzustellen, dem man nicht trauen könne.Man weiß nicht recht", so behauptete er,wer eigentlich im Namen Deutsch­lands spricht, ob Dr. Stresemann, der in Genf Frie- denserklärungen abgibt, oder Hindenburg, der die Rede von Tannenberg gehalten hat". Hirschauer appellierte an das französische Volk, stark und einig zu bleiben, um vor Ueberraschungen bewahrt zu werden.

Reichstassbesirsn IS. DSSobev.

Berlin, 10. Okt. Der Reichstagspräsident wird lt. Vorwärts" den Reichstag zum Dienstag den 18. Oktober, nachmittags 3 Uhr, einberufen. Auf der Tagesordnung steht als erster Beratungsgegenstand die Schulvorlage. Außerdem enthält die Tagesord­nung noch eine Reihe anderer Beratungsgegen­stände.

Dev bulsavisch-sviechische Iwischenfâ

Paris. 10. Off. Wie Havas aus Saloniki mel­det, ist es gestern um Mitternacht zu einem Zu­sammenstoß zwischen einer Abteilung griechischer Gendarmerie und bulgarischen Komitalschis gekom­men. Rach einstündigem Kampfe feien die bulgari­schen Komitatfchis unter Zurücklassung von zwei Gefangenen wieder auf bulgarisches Gebiet zurück­gekehrt.

Belasevunssrustand in Bußsavèen.

Sofia, 10. Oft. 3n den Grenzdepartements Küslendil und Pelritsch wurde heule der Belage­rungszustand erklärt. Die Kammer ist auf den 15. Oktober einberufen worden, um in außerordentlicher Session diese Maßnahmen entsprechend den Bestim­mungen der Verfassung zu bestätigen. Das Dekret über die Verhängung des Belagerungszustandes ist im Auftrage des Königs von dem Ministerpräsiden­ten unterzeichnet worden. Dec König hat unverzüg- i Üch dir Rückreise nach Sofia augetreteu.

«usI-vuMth- wivtfGaftS- vevvaudluuse«.

Don E. Rakowski, Botschafter der Sowjetunion in Paris.

Wie immer die Frage der Abberufung Rakowskis, eines der fähigsten Diplomaten der Sowjetunion, sich entscheiden mag, man wird mit ihm auch weiterhin als einem wich­tigen Exponenten der - russischen Politik zu rechnen haben. Daß er besonders in heiklen Situationen von seiner Regierung vorgeschickt wird, zeigt sich auch in der Unterredung mit Chamberlain, die er in nachstehendem Artikel schildert. Damals standen die Beziehung«! Englands zu Rußland auf einem ebenso kät­schen Punkt wie heute die französisch-russi­schen Beziehungen. Es wird unsere Leser gewiß interessieren, die Unterredung zweier so gewandter Diplomaten über die Damaligen heiklen Fragen der englisch-russischen Be­ziehungen in der Schilderung Rakowskis kennenzulernen. D. SchriMtg.

Meine erste Unterredung mit Herrn Chamber­lain fand kurz nach seinem Eintritt in das Foreigu Office statt. Obgleich es der erste Höflichkeitsbesuch war, den ich dem neuen Staatssekretär der Aus­wärtigen Angelegenheiten machte, benutzte ich die Gelegenheit, seine Aufmerksamkeit auf den Zwi­schenfall zu lenken, der eine so unangenehme Wir­kung auf die englisch-russischen Beziehungen gehabt hat: ich meine den bekannten Sinoview-Brief. Ich gab ihm die allerbestimmteste Versicherung, daß dieser Brief gefälscht sei. Ich erinnerte ihn daran, daß ich in meiner Note vom 25. 10. die entscheiden­den Beweise für seine Herstellung geliefert hatte. In einer späteren Note ersuchte meine Regierung die Frage der Echtheit oder Unechtheit dieses Briefes einem unparteiischen Schiedsgericht zu unterbreiten. Herr Chamberlain sagte mir, daß er bis jetzt noch nicht Gelegenheit gehabt hätte, sich mit dieser Frage zu beschäftigen und daß er also nicht imstande sei zu sagen, ob der Brief echt oder gefälscht sei.

Sic werden mir erlauben, mit der Botschaft der Regierung zu beginnen. Die Stelle dieser Nole, die sich mit der Notwendigkeit der Erhaltung regel­rechter diplomatischer Beziehungen zur Sowiet- union besaht, ist mit Befriedigung von meiner Re­gierung ausgenommen worden und mit Sympathie von unserer öffentlichen Meinung, aber ich muß sagen, daß die Rede, die Sie über dasselbe Thema an das Unterhaus gerichtet haben, bei uns Bestür­zung hervorgerufen hat. Im Gegensatz zu dem, was Sie in der Botschaft der Regierung sagten, ha­ben Sie dort erklärt, daß zwischen uns keine regel­rechten diplomatischen Beziehungen bestünden".

Herr Chamberlain tat überrascht:Wieso? Ich erinnere mich nicht, eine derarttge Erklärung abge­geben zu haben."

Ich antwortete ihm, daß diese Erklärung trotz­dem in seiner Rede gefallen sei.

Sofort verlangte er das Parlamentsstenogramm.

Sobald man es ihm oorlegte, habe ich Herrn Chamberlain selbst die Stelle seiner Rede gezeigt, die meiner Ansicht nach in Widerspruch zu der Bot­schaft Der Regierung steht. Mir schien es, als sei er ein wenig verlegen, als er mir erklärte, daß b.efe Stelle seinen Widerspruch enthielte.

Ich muß sagen, daß man nach Ihrer Rede in gewissen Kreisen einen tatsächlichen Bruch unserer Beziehungen erwartete; übrigens wirkien eine Reihe von Vorfällen mit, dieses Gefühl zu bestär­ken z. B. die Haltung des englischen Repräsentan­ten in Tirana, nach dessen Einschreiten unser diplo­matischer Vertreter, Herr Krakooetsky, die albanische Hauptstadt verlassen mußte. Ich erzählte Herrn Chamberlain mit einigen Worten die Vorfälle, wie sie uns berichtet worden sind.

, Das ist absurd, woher haben Sie die,e Nach­richten? Aus den Zettungen?"

Nein, die Zeitungsberichte sind durch die Mit­teilungen unseres diplomattschen Vertreters in Tirana bestätigt worden, nach der Unterhaltung, die er mit dem Regierungssrkretär Herrn Fonoli hatte. <ir % j' uns mitgeteilt, daß ölt englische Regierung nur im Falle Der Abreise unseres Repräsentanten Herrn Fanoli ihre Unterstützung versprochen hätte."

Herr Chamberlain notierte sich meine Mitteilung und erklärte:Von diesen absurden Berichten weiß ich nichts. Ich habe der albanischen Regierung nie­mals irgendeine Unterstützung versprochen. Ich halte den Zwischenfall in Albanien für eine rein lokale Angelegenheit."

Ich bemerkte, daß nach den von mir eingezoge­nen Erkundigungen die Sache einen sehr viel ernst­hafteren Charakter hatte. An der angeblichen Re­volte gegen die alte albanische Regierung haben mehr als 5000 einer fremden Armee angehörende Soldaten teilgenommen, deren Majorität aus alten Wrangelkämpfern, die sich auf jugoslawischem Gebiet befanden, zusammengesetzt war. Der zweite Vorfall, über den ich eine sichere Erklärung Ihrerseits haben möchte, betrifft unsere Flotte in Biserta. In ge­wissen Kreisen hat man die Nachricht ve-dreitet, daß die englische Regierung sich entfch'eden hätte, die Rückkehr unserer Flotte zu verhindern, damit sie für England keine Gefahr bedeuten kann.

Ztiiungsberichte?"

Ja, aber man muß den Umsted in Betracht ziehen. deß sie vom Foreign Dffi:e nicht Dementiert worden sind Diesen von mehr oder minder amt­lichen Agenturen verbreiteten Berichten müssen wir Aufmerksanikcit schenken, denn sie sind in unseren Zeitungen abgedruckt worden und haben nicht allein die öffentliche Meinung, sondern auch die Regie-