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Lette 2

Jienstag oen 4. Oktober 1427

Jir. 232

sidenten der deutschen Republik durch Demonstra­tionen huldigen wollte, die in der Hauptsache den Anschein einer wirklichen Vergötterung angenommen haben. Man wird nicht weniger betroffen sein durch den Ton der Kommentare der meisten deutschen Zei­tungen, die aus diesem Anlaß den Geist des alten Deutschlands zitieren, dessen stärkste Verkörperung Hindenburg ist und der trotz allem, ob man will oder nicht, die Welt in die Katastrophe von 1914 ge­führt hat. Wenn Hindenburg nicht jetzt in Tannen­berg die berüchtigte Rede über das reine Herz und die reinen Hände gehalten hätte, die die fürchter­lichsten Verbrechen gegen das Völkerrecht, die die zivilisierte Welt kennt, begangen haben, hätte sicher-; lich die Ehrerbietung, die ihm anläßlich seines 80. Geburtstages dargebracht wurde, nicht den Charakter angenommen, den wir heute erleben. Das ist geeig­net, alle diejenigen, Lie aufmerksam die Ereignisse verfolgen, nachdenklich zu stimmen. Der nationali­stische Einfluß", so fährt derTemps" fort,macht sich heute stark genug bemerkbar, um es wagen zu können, sich kühn auf das Gebiet der Außenpolitik zu begeben. Er ist im Schatten Hindenburgs groß geworden. Er beeinflußt seine Reden und bestimmt seine Haltung unter den ernstesten Umständen. Da­durch beschränkt er, verschleppt er, dadurch verfälscht »r, das kann man sagen, die allgemeine Politik Ler deutschen Regierung, für die Reichskanzler Marx und Dr. Stresemann in Berlin und Genf die Ver­antwortung übernehmen müssen. Man kann sich unter diesen Umständen nicht darüber wundern, daß die Feierlichkeiten zu Ehren des 80. Geburtstages Hindenburgs einen Eindruck geschaffen, der die deut­schen Republikaner und die Demokraten verwirrt, und daß die dadurch in Deutschland geschaffene At­mosphäre die Wirkung hat, daß man nicht ohne Me­lancholie den von Locarno bis Tannenberg zurück­gelegten Weg betrachtet.

SovLvag DV. SLsssematms beim KskchsNVMdsnteZs.

Berlin, 3. Okt. Der Reichspräsident empfing heute den Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann zu einem anderthalbstündigen Vor­trag über die letzte Tagung des Völkerbundes und die damit zusammenhängenden Fragen.

^aVineiSsbeLättgen mit den ^esbeMeM

Berlin, 3. Okt. Unter dem Dorsis des Reichskanz­lers fand heute nachmittag in der Reichskanzlei eine eingehende Aussprache der Mitglieder der Reichs­regierung mit den in Berlin anwesenden Staäts- und Ministerpräsidenten der deutschen Länder über eine Anzahl der bedeutendsten schwebenden poli­tischen Probleme statt. Es herrschte Uebereinstim­mung darüber, die eben beginnenden Beratungen des Reichsrates über das Schulgesetz, die Besoldungs­reform und das Liquidalionsschädengefeh allseitig so zu fördern, daß die entsprechenden Verhandlungen des Reichstages wie beabsichtigt am 17. ds. Mts. be­ginnen können. Die weitere Beratungen mit den Vertretern der Länder führten zu einer grundsätz­lichen Erörterung des staatsrechtlichen Verhältnisses zwischen Reich und Ländern. Angesichts der großen und gerade ausschlaggebenden Bedeutung dieses Problems wurde eine Sondersitzung von Vertretern der Reichs- und der Länderregierungen in Aussicht genommen. Die Beratung aus dieser Sondertagung HM durch Reserate und Korreferate ausgesüllt wer­den. In der Einzelberatung standen schließlich die DKsoldungsreform und das Skeuerrahmengefeh im Vordergrund der Erörterungen. Die eingehende Aussprache diente der gegenseitigen Orientierung über die verschiedenen Auffassungen. Beschlüsse wur­den nicht gefaßt.

In Ergänzung zu obigem Bericht des WTB. er­fährt derLokal-Anzeiger" daß die Jnaussichtnahme einer Sondersitzung von Vertretern der Reichs- und der Länderregierungen mit besonderer Rücksicht auf die Besoldungsreform erfolgt sei. Eine Neugestaltung der Beziehungen zwischen Reich und Länder sei in mancherlei Gestalt denkbar. Sie könne durch eine Verfassungsänderung oder aber durch eine Änderung des Finanzausgleichs vorgenommen werden. Was die Besoldungsreform anbetrifft, so vertreten nach wie vor die Länder den Standpunkt, daß sie bei Durchführung der Reform vom Reich unterstützt werden mußten. In der gestrigen Besprechung soll sich nach dem oben zitierten Blatte die allgemeine Ueberzeugung ergeben haben, daß den Ländern doch irgendwie geholfen werden müsse. Weitere Bera­tungen würden bereits heute in einer neuen Kon­ferenz beginnen, zu der der preußische Finanz­minister die Finanzminister der anderen Länder eingeladen habe. Hinsichtlich des Steuervereinheit­lichungsgesetzes wird imLokal-Anzeiger" bemerkt, daß es voraussichtlich nicht so rasch werde erledigt werden können. Gegen das Gesetz lägen vor allem schwere grundsätzliche Bedenken der süddeutschen Länder vor. (Nach dem Tageblatt kommen diese Be­denken von bayrischer Seite). Das Liquidations­schadengesetz hingegen dürfte im Reichsrat wahr­scheinlich eine große Mehrheit auf dem Boden der Regierungsvorlage finden. Von Bedenken des Reparationsagenten gegen das Gesetz ist lautVoss. Ztg." den zuständigen Stellen nichts bekannt.

Die dsntM - litaMehe« Beziehungen.

Berlin, 3. Okt. Der litauische Ministerpräsident Voldemaras verließ gestern abend Berlin, um sich nach Kowno zu begeben. Voldemaras hatte eine längere Besprechung mit Dr. Stresemann über die zwischen Deutschland und Litauen schwebenden fragen, im besonderen über das Memel^roblem. Die Verhandlungen konnten wegen der Kürze der Zeit nicht zu Ende geführt werden und sollen in Berlin oder kowno weilergeführt werden.

Erklärungen Voldemaras.

Berlin, 3. Okt. Der litauische Ministerpräsident Woldemaras hat sich den Vertretern von Berliner Blättern gegenüber zu verschiedenen Fragen der inneren und äußeren Politik Litauens geäußert. Dem Vertreter derVoss. Ztg." erklärte er ken letzten Polizeiberichten scheine fest- zustehen, daß die litauischen Kommunisten, die die ^rager der Revolte gewesen seien, auf ausländische gehofft hätten. Weiter dementierte Minister­präsident Woldemaras in schärffter Form die Ge- 'üchte, wonach direkte oder indirekte Verhandlungen zwischen Litauen und Polen stattfänden, die unter vorläufiger Ausschaltung der Wilnaer Frage die Grundlage für eine wirtschaftliche Zusammen­arbeit schaffen sollten. Wtlna sei die Kernfrage des litauisch-polnischen Verhältnisses und solange sie nicht eine Klärung gefunden habe, sei eine Annäherung

Hindenburg und die Jugend.

Unser Bild zeigt die Begrüßung des Reichspräsi denten durch eine Schülerin im Berliner Stadion.

Gin «nseiSfies Geheimnis des Mordes.

Das Rätsel von 12 Jahren Kriegs- und Rach kriegszeit.

Eine mysteriöse Affäre, die zum Teil nach Deutschland hinüberspielt, beschäftigt seit längerer Zeit die ganze belgische Oeffentlichkeit. Im belgisch- Holländischen Grenzgebiet sind im Laufe der letzten zwölf Jahre drei Morde verübt worden, die alle im Zusammenhang zu stehen scheinen, und bis jetzt noch nicht aufgeklärt sind. .

Der erste Mord, der sich während der deutschen Besetzung ereignete, wurde einem deutschen Major zur Last gelegt, den nach dem Kriege ein belgisches Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilte.

Der dritte mysteriöse Todesfall aber, der im No­vember des vorigen Jahres geschah und ursprüng­lich als Selbstmord bezeichnet wurde, veranlaßte ein Lokalblatt, auf gewisse Zusammerchänge zwischen diesem Todesfall und den zwei Morden aus der Kriegszeit im zweiten Fall ist der aller Wahr­scheinlichkeit nach Ermordete spurlos verschwunden hinzuweisen und Verdachtsmomente zu äußern, bis auch die hauptstädtische Presse auf die Sache aufmerksam wurde und die Justizbehörde sich in Bewegung setzte. Drei Personen befinden sich be­reits unter dem Verdacht, an dem Tod des angeb­lichen Sèlbstmörders schuld zu sein, in Haft und all­gemein wird jetzt schon angenommen,-daß sich die Unschuld des deutschen Majors herausstellen wird.

Zwischen der großen Straße, die von Brüssel über das Dorf Maldeghem nahe der holländischen Grenze nach Brügge und Ostende verläuft, und der Bahnlinie GentBrügge liegt das Dorf Beernem in einer Gegend, in der sich viele Adelssitze befinden. Das Dorf ist seit Jahren der Mittelpunkt der er­wähnten rätselhaften Affäre.

3m Mai 1915 verschwand der In der Rähe des

Dorfes wohnende Daron d'lldekem d'Acoz

und drei Monate später wurde auch der ebenfalls in der dortigen Gegend lebende Jagdaufseher Kamiel Dierick.vermißt. Die Nachforschungen förderten zwar nicht eine Spur des Waldaufsehers zutage, wohl aber die Leiche des Barons d'Acoz, die man unter einer Schicht von Erde und Laub tief im Wald ent­deckte. Dierick blieb bis heute verschollen. Die durch die deutsche Besetzung verbitterte Bevölkerung mut­maßte bei jedem Verbrechen sofort deutsche Täter­schaft und so auch im Falle d'Acoz; man bezeichnete allgemein den deutschen Major Stolberg von Roß­bach als Mörder und das belgische Gericht ver­urteilte ihn nach dem Kriege zum Tode.

an Polen in irgendeiner Form unmöglich. Die Diskussion über ein baltisches Locarno hält Ministerpräsident Woldemaras für verfrüht.

Dem Berichterstatter desB. T." erklärte Wolde­maras aus die Frage nach der angeblichen eng­lisch-französischen Intervention in Kowno, die anläßlich des Planes erfolgt sein soll, den Charakter Wilnas als die Hauptstadt Li­tauens durch die Verfassung festzulegen, daß eine derartige Einmischung in innerlitauische Angelegen­heiten weder in offizieller Form noch in der Ge­stalt eines indirekten Rates erfolgt sei. Hinsichtlich der zwischen Deutschland und Litauen schwebenden Fragen verwies der Minister auf eine Unterredung mit dem Vertreter der Deutschen Diplomatischen Korrespondenz.

In dieser Unterredung betonte Woldemaras die weitgehende Uebereinstimmung der Ansichten über die beiderseitig interessierenden Fragen, die sich bei seinen Besprechungen mit Reichsminister Dr. Strese­mann in Genf und Berlin ergeben habe, Er stehe voll zu seiner im Juni vor dem Völkerbund abge­gebenen Erklärung und werde alles tun, um eine konsequente und gerechte Durchführung des Momel- statuts zu veranlassen. Alle einzelnen Differenz­punkte seien besprochen worden und mit Zusammen­tritt des Landtages und der Herstellung normaler Verhältnisse im Memelgebiet werde der jetzige Gou­verneur in seinem Auftrage dem memelländischen Landtag ein Aktionsprogramm unterbreiten, das in allen wesentlichen Punkten die Memelkonvention, die viele Unklarheiten und Lücken aufweise, im Geiste des Ausgleiches und der Versöhnung ergänzen will. Woldemaras kündigte zugleich an, daß mit der dsut- schen Regierung der Abschluß eines Gentleman- Agreements über das Aufenthalts- und Nieder- lassungsrecht der beiderseitigen Staatsangehörigen in Aussicht genommen sei. Hiernach sollen Auswei­sungen in Zukunft nur bei Vergehen, Verbrechen usw. ausgesprochen werden dürfen. Die Beschwerde wegen der Entlassungen von Eisenbahn- und Post- angestellten, die das litauische Sprachexamen nicht bestanden haben, werde er, so erklärte Woldemaras, einer genauen Nachprüfung unterziehen. Schließlich brachte der litauische Ministerpräsident zum Aus­druck, er stehe aus dem Standpunkt, daß das Ge­samtdirektorium einschließlich des Präsidenten des Vertrauens des Landtages bedürfe. Die litauische Regierung denke nicht daran, ein Direktorium zu er-

Am 8. November 1926 verschwand aus Beernem der junge Hector de Sutter, dessen Leiche drei Wo­chen später aus einem Kanal gezogen wurde. Die Leiche zeigte mehrere Verletzungen:

Die Schädeldecke war eingeschlagen, über dem Auge klaffte ein Loch und an der Innenseite des einen Armes war ein Schnitt sichtbar.

Da man bei dem Toten 275 Franken fand, dachte man zunächst nicht an ein Verbrechen, und bei der Totenschau wurde festgestellt, die Verletzungen seien durch eine Schraube eines vorüberfahrenden Boo­tes verursacht worden; in den Kanal aber sei Sutter entweder durch einen Unfall oder noch wahrschein­licher durch Selbstmord aus Liebeskummer, gera­ten. Gegen diese Feststellungen wandte sich jedoch der Redakteur des LokalblattesHetgetrouwe Mal­deghem", Viktor de Lille, mit aller Schärfe. Für einen Unfall liege kein Anhaltspunkt vor und eben­sowenig für einen Selbstmord. Lille setzte die Kam­pagne 'energisch fort und deutete drei Personen als die mutmaßlichen Mörder an. Zu diesen Leuten ge­hört der Gendarm Hoste. Dieser hatte noch um %2 Uhr nachts Sutter, der von einer Kirchweih in der Nachbarschaft heimkehrte und nüchtern war, gesehen. Sutter war allein gewesen und Hoste konnte nicht einwandfrei angeben, wo und wann er diesen ver­lassen hatte.

Das zielbewußte Auftreten Lilles hatte zur Folge, daß dieNation Belge" aus Brüssel einen Berichterstatter nach Beernem schickte, die Sache genau untersuchen ließ und die Ergebnisse der Nach­forschungen ausführlich veröffentlichte. Das haupt­städtische Blatt kam zu der Schlußfolgerung,

daß Jagdaufseher Dierick von den Tälern, die Baron d'Acoz 1915 ermordeten, wahrscheinlich mehr wußte, als den Verbrechern lieb sein mochte, und deshalb drei Monate später be­seitigt wurde; feine Leiche dürfte verbrannt worden sein. Sutter dürfte Genaueres über das Verschwinde-r Diericks erfahren haben und wurde daher ebenfalls ermor­det. Eine neuerliche Leichenschau ergab, daß die Ver­letzung des Schädels Sutters durch einen Hammer­schlag verursacht wurde. Und in der Wohnung des einen der drei Verdächtigen, die in Haft sitzen, fand man einen Hammer, der in die Kopfwunde sehr gut paßt.

nennen, das binnen Kurzem bas Mißtrauensvotum der Mehrheit des Laudtages erhalte."

Zum Schluß sprach Woldomavas die Hoffnung aus, daß bei den bevorstehenden Wirtschaftsver- Handlungen ein Ausbau der deutsch-litauischen Be­ziehungen sich ermöglichen lasse.

de Ssttderser und die BtviesS- vaV^sVKdden.

Oeffnung der Archive nach 25 Jahren."

Amsterdam, 3. Okt. Zu den Aeußerungen Hinden­burgs in Tannenberg zur Kriegsschuldfrage nimmt heute d e Jouvenel imTelegraaf" Stellung. Gr meint, Deutschland habe durch das Aufrollen dieserunaktuellen Frage das Mißtrauen der irritierten Völler von neuem w^chgerufen, und, während es im Völkerbund die militärische Ab­rüstung verlangte, die moralische Abrüstung durch diese Aeußerung erschwert. Man müsse sich fragen, ob die Beteiligung der Deutschnationalen an der Regierung den Anschluß an die friedenliebende Politik Stresemanns oder eine Ueberrum- pelu^rg des Außenministers bedeute. Diese ^rage sei auch durch das Interview Strese­manns mit Sauerwein nicht klargestellt.

Die Veröffentlichung des deutschen Weiß- b u ch r s, die Rede Hindenburgs in Tannenberg und die Aeußerungen Stresemanns, die rasch auf­einander folgten» erweckten den Verdacht, daß es sich hierbei nicht um einen psychologischen Fehler, sondern um ein systematisches Vorgehen handele. Es sei begreiflich, daß die deutsche Ration als Ganzes sich gegen die Verantwortung am Kriege wehre, aber eine vernünftige Politik werde sichnicht von Gefühlen leiten" lassen. Die Zustände seien heute noch zu irritiert, als daß man diese Frage beantworten könnte, ohne die Psychologie des Krieges wieder wachzurufen. Es wäre ratsam, die Diskussionen auf einen späteren Zeitpunkt, etwa um 25 Jahre, hinauszu- schieben, bis der Krieg Geschichte geworden sei. Dann sollten die Archive geöffnet und die Frage DOllfommcn objekiv untersucht werden.

De Jouvenel bemerkt zum Schluß, daß die so viel umkämpften Artikel 231 und 232 des Friedens- Vertrages, in denen von der Kriegsschuld Deutschlands die Rede ist, ihren Ursprung in den finanziellen Beratungen bei Abschluß des

Friedens gehabt hätten. Lloyd Georgs nämlich den Engländern versprochen gehabt, d Deutschland alles bezahlen würde. Als man jedi bei der Friedenskonferenz gesehen habe, d Deutschland unmöglich die in die Tausende v Milliarden reichende Summen aufbringen könn werde, habe man nach einer Formel gesucht, j dies der öffentlichen Meinung annehmbar mach würde. Clemenceau sprach sich dafür aus, in tu Text niederzulegen, daß das Recht der A liierten auf Entschädigung unb g r e n zt fei, daß sie aber selbst unter Berü sichtigung der Möglichkeiten eine Grenze zieh würden. Unter diesen Umständen seien die Arti 231 und 232 geschaffen worden.

Zum Schluß meint de Jouvenel, daß Deutschla die Schuldfrage nur a ls Ehrensache l handeln dürfe und unter gar keinen Umständ daran denken dürfe, sich unter diesem Borwa feiner Verpflichtungen aus dem Friedensvertra zu entziehen.

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Zu diesen Ausführungen de Jouvenels ist bemerken, daß zwar tatsächlich die Artikel 231 m 232 der Jnitative Lloyd G e o r g e s ihr Ei stehen verdanken, daß aber heute kein vernünftig Mensch mehr die Sinnlosigkeit dieser Paragraph zu bestreiten wagt. Wenn er ferner pfiffig gen! vorschlägt, die Schulddebatte 25 Jahre lang ruh zu lassen, so könnte ihm und seinen Franzosen d schon so passen. Er mag aber versichert sein, di Deutschland nicht daran denkt, so lange zu warte In Deutschland ist heute und in Zukunft sei: Regierung mehr möglich, die sich auf derartige, mi ist versucht zu sagen dummdreiste Vorschläge ei läßt.

Diente und nW Bevormund« des Volkes.

Bei der Einführung des neuen Oberpräsidenti der Provinz Sachsen in sein Amt durch den preuß chen Minister des Innern (9 r 3 e f i*n s f i sagte di er in einer Ansprache an den neuen Oberpräsid« en u. a.: Sie sind der Staatsregierung dafür ve antwortlich, daß sowohl die eigene Verwaltuna, w die Verwaltungen, deren Oberaufsicht Ihnen oblieg in dem von der Staatsregierung für erfordert gehaltenen politischen Sinne geführt werden. B aller Wahrung der Staatsautorität muß aber gerat der Oberpräsident dafür sorgen, daß die Behör den sich stets bewußt bleiben, Diene und nicht Bevormundet des Volkes z sein.

DZe AttMchterz der OBSutzerr- arröeibs»

Englisch-französische Hemmungen?

Reuyork, 3. Okt. Ueber die Preußenanleihe ij in den hiesigen Finanzkreisen die Meinung v« breitet, daß ihre Ankündigung vorzeitig durch di Presse bekannt wurde. Das Banksyndikat ist nich daran beteiligt, da es niemals bis jetzt in der Lag war, den Ausgabetag zu bestimmen wegen di riesigen Einzelheiten, die jede Anleihe von solche Gröhe begleiten. Man ist überzeugt, daß die Ver Handlungen ihren Fortgang nehmen und daß groß Wahrscheinlichkeit besteht, daß alle Schwierigkeit« zu allseitiger Zufriedenheit ausgeräumt werden, f daß die Ausgabe in nicht zu ferner Zeit erfolg Von einer an der Preußenanleihe nicht beteiligtes Seite wird die Vermutung geäußert, daß $$tgi(Ctn versuchte, die Bremse anzulegen, nachdsrn bie Hn^ nungen auf einen deutsch-russischen BruchrHMge schlagen seien. Poincarè habe im gleichen Sinn gewirkt.

Des GLÄDisias mtb dsv Etiketts

Berlin. 3. Okt. Im Anschluß an die Sunb gebung der führenden deutschen Oberbürgermeistei auf der Magdeburger Städtetagung für den Ein Heitsstaat hat jetzt, wie dieVoss. Ztg." hört, bei Deutsche Städtetag mehrere Staatsrechtslehrer be- auftragt, positive Vorschläge zu machen, in welcher Weise die Verwaltung der öffentlichen Körper­schaften im Sinne des Einheitsstaates umgestalte! werden könnte.

Vov einem neuen dentMen -QzeanAns.

Rorderney, 3. Oki. Das breimotorige Junkers­flugzeug D 1 230 ist um 18.15 bei 14 Set./m Wind­stärke glatt im Seeflughafen Rorderney gelandet. Es verlautet, daß das Flugzeug am Dienstag bei Morgengrauen den Flug nach den Azoren antrefen soll.

Rorderney, 3. Okt. Zur Zeit ist man dabei, die Tanks des heule nachmittag aus Siel-Holtenau mit den Fliegern Fritz Loose, Loewe und Starke hier eingetroffenen breimo^rigen Junkers-Flugs- zeug zu füllen. Rach den abends vorliegenden Wetterberichten sind die Voraussetzungen für den Start zu einem Fernflug, der dann wahrscheinlich in den frühen Morgenstunden erfolgen dürfte, ge­geben.

Zusummeukuu^i rwis-chen ^bo^- bevlain und pvimo de Kiveea. 6

Paris, 1. Okt. Wie Hovos au* Palma meldet, ft de DachtDelphin" mit Cbambèrlain an Bord am 30. Septbr., nachmittags 5 Uhr und her Kreuzer Haune" mit Pr mo de RG ra abends g>gen ^ll Uhr in Palma angekommen. Gene>a Primo de Rivera begab sich so'ort an Bord des , Dclpbiu". Ein in letzter Stunde veröffentlichtes Kommnmqus betont, daß diese Unterredung, die von vornherein zwischen (Chamberlain und Primo de Rivera v r?mbart ge­wesen sei, in der Hauptsache bezweckt habe, den gegenleitigen Wunsch, sich kennen zu lernen, zu befriedigen. Das Kommunique fügt hinzu, es fei sicher, daß in dieser Unterredung ein Meinungsaus­tausch über die weltpolitischen Fragen sta tgesunden habe. So habe General Primo de Ribera erklärt, daß kein Abkomm n und keine VerstAndinung über die Haltung beider Länder über die Fragen, die den Gegenstand der Unterredung ge- b ldet hätten, erfolgt sei. Chamberlain beabsichtige, Valencia und wahrscheinlich Barcelona zu besuchen und sich baun nach Marok'o zu begeben.

Letzte Lelegvamme. Me»«i»sba«k ««bSvid. WeMel- disSovt »Wd Lvmi>««dr'nH.

Berlin. 4. Okt. Die Reichsbank hat den Wechsel- bistont von 6 aus 7 unb den Lombardzins vs» 7 auf 8 erhöht.