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Hanauer

UwatM'^dw

irscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«. / LezugspreiS: Für den halben Uwat KDl. 1-, für den ganzen Monat RM. r.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitags, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise- Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite R-Psg., im NeNameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. / Offertengebühr 50 R-Pfg.

in 224-

Gamstas de«

Amum Siavt und Land

MWkT

1928

24. ^sNtsmdev

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Lezieher keinen Anspruch auf Lieferung ober Nachlieferung oder aus Rückzahlung deS Bezugspreises. / Für plahoorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956, 3957,3958

Schwere Klugzeugèataftrophe

Älls sechs Lnsassen tot. - Botschastev Freiherr v. LRaStzan unter den Toten.

Der deutsche Flugverkehr hat kurz hinter- ander einige schwere Schicksalsschläge er- m. Am 28. Juli erfolgte der Absturz des lgzeuges KasselFrankfurt bei Amöneburg, bei fünf Menschenleben den Tod fanden, i Donnerstag stürzte wie gestern gemeldet i Flugzeug D 1 270 der Nordbayrischen lgverkehrsgesellschaft bei Schwarza in Thü- gen ab und forderte zwei Todesopfer und fern nachmittag wurde die Schreckensnach- it von dem Absturz des Verkehrsflugzeuges 585 bei Schleitz im Vogtland verbreitet, i einem Absturz, der qUen sechs Insassen Unglücksflugzeuges das Leben kostete. Eins Opfer ist der Botschafter des Deutschen iches in Washington, Freiherr von a l tz a n, der gegenwärtig in Deutschland Urlaub weilte. Die Ursache des furchtbaren glücksfalles konnte bis zur Stunde noch nicht lärt werden.

Ms As-^üBsMeSdurrs.

Berlin, 23. Sept. Aus bisher unbekannten inöen verunglückte das Flugzeug D 585 auf der ecke BerlinMünchen in der Nähe von Schleiz Bogllande. Der Flugzeugführer und vier Passa- ee find tot, der Bordmonteur Feiter ist schwer letzt. Die Namen der Toten sind: Botschafter Obere v. Maltzan, Roll von der Reichsbahn- Ofion in Berlin, Prokurist und Verkehrsleiter Deutschen Cufitjauia o. Arnim und Flugzeug- ler der Verkehrsfliegerschule Osmers. Der gzeugführer C h a r l e t l ist Friedensflieger, hat e Hundertlausende von Kilometern aus Strecken- icn zurückgelegt und ist in letzter Zeit besonders?

auf der Strecke BerlinMünchen geflogen. Das gzeug, eine Maschine des Typs Merkur, wurde le Mai ds. 3 s. nach Prüfung durch die Deutsche suchsanstalt für Luftfahrt von den Bornierroerten die Deutsche Lufthansa geliefert und Hal seitdem e jeden Zwischenfall Dienst getan.

Der Bordmonteur Feiler ist inzwischen seinen lctzungen erlegen, sodaß nunmehr sämtliche sechs assen des Flugzeuges tot sind.

Dès âaisfivovhe.

I Berlin, 23. Sept. Zu dem Absturz des Verkehrs- jzeuges erfährt dasB. T." aus Schleiz: Kaum te das Flugzeug die Stadt überflogen, als der )rer versuchte, etwa 1 Kilometer südlich auf der aße nach Hof zu landen. Ehe dies gelang, fing Flugzeug plötzlich an zu trudeln. Das Flug- g stürzte aus 100 Meter Höhe ab und grub mit dem oberen Teil nach unten tief in den »boden ein, während der abgebrochene linke gel unbeschädigt etwa 22 Meter abseits von der Mcksstelle liegen blieb. Da bei dem Sturz auch Feuersäule gesehen und ein heftiger Knall ge- t wurde, so ist nicht ausgeschlossen, daß das stück durch eine Motorexplosion hervorgerufen rbe. Was den Piloten plötzlich zur Notlandung wungen hat, ist noch nicht geklärt. Möglich ist h, daß der eine Flügel schon während des Fluges ijäbigt war und der Pilot sich deshalb zur Not­dung entschließen mußte.

Schleiz i. Vogtl., 23. Sept. Das Flugzeugunglück, n der deutsche Botschafter Freiherr o. Maltzan n Opfer fiel, ereignete sich heute vormittag kurz " 10 Uhr. Das Flugzeug hatte die Stadt Schleiz l Norden her in Richtung auf Hof überflogen.

wurde beobachtet, daß die linke Tragfläche enbar einen Defekt hatte. Der Führer versuchte ^erhalb des Ortes Kirschbühl, etwa 3 Kilometer lich der Stadt, offenbar neben der Chaussee steizHof auf einem Acker notzulanden. Allem schein nach brach jedoch die linke Tragfläche be- ts in der Luft. Das Flugzeug stürzte steil zu -ben und grub sich, mit dem Motor nach unten, f in die Erde ein. Der abgebrochene Flügel liegt oa 20 Meter abseits des Flugzeuges. Das Flug- ig ist vollständig zertrümmert und bildet einen rren Haufen von Metall- und Maschinenteilen, rgenzeugen wollen auch eine Feuersäule und einen olofionsartigen Knall beobachtet haben. Mit den 'ttungsarbeiten konnte erst in den späten Nach­ttagsstunden begonnen werden, da den technischen ichverständigen die Möglichkeit zur Feststellung s Tatbestandes gegeben werden mußte.

An de« ««»laasstütte.

Schleiz, 23. Sept. Das Gelände, auf dem sich is furchtbare Unglück ereignet hat, liegt zwischen chleiz und Heinrichsruh, etwa eine halbe Auto- inbe von Plauen entfernt. Die Trümmer der taschine, die ein furchtbares Bild der Zerstörung Ibet, liegen etwa auf der Mitte cmes Abhanges m etwa 1% Kilometer Länge auf einem Stoppel- tb, das von Wald umgeben ist. In den Abend- *' unben sind Arbeiter dabei, das Vorderteil der laschine freizulegen. Di» Polizei hat Mühe, die roße Schar der Neugierigen in angemessener Ent- ruung zu halten. Aus nah und fern stad De Her-

beigeeilt, sodaß auf de» Landstraße, die etwa 150 übermitteln, indem er durch offenes Telegramm Meter neben der Unglücksstelle verläuft, eine lange seinEngagements mitMiß Butterfly" anzeigte. Reihe von Autos und Motorrädern steht. Augen- Nachdem auch China zur Kriegserklärung gezwun- zeugen erzählen, daß, nachdem sie das Flugzeug gen worden war, kehrte er nach Deutschland zurück, kurz vorher in normalem Fluge gesehen haben, sie < war kurz Stellvertreter des Reichskanzlers im " furchtbares Getöse h° ' * " " ^-----

hörten, das

kurz darauf ein

offenbar von dem schweren Aufprall herrührte. Natürlich wollen wie immer alle möglichen Leute alles mögliche gesehen haben. Die Sachverständigen nehmen aber den größtem Teil der Angaben mit großer Skepsis auf. Zur Stunde läßt sich jedenfalls nur sagen, daß die Ursache des Unglücks noch genau so rätselhaft wie heute mittag ist. Kein Zweifel aber besteht, daß die Luftfahrt selbst das größte Interesse hat, die Ursache aufzuklären. In dieser Richtung werden deshalb auch alle Anstrengungen

morgen mit der größten Sorgfalt fortgesetzt wer­den.

Schleiz, 23. Sept. Nach dem bereits im Laufe des Nachmittags Ministerialrat Mühlig-Hofmann vom Reichsoerkehrsministerium an der Unglücksstelle eingetroffen war, kamen gegen Abend auch zwei Vertreter der Deutschen Versuchsanstalt für Luft­fahrt in Schleiz an. Sie begannen sofort mit der Untersuchung der Flugzeugtrümmer, um die Ur­sachen des Unglücks aufzuklären. Bis jetzt läßt sich nur sagen, daß die Untersuchung außerordentlich schwierig ist, da die ganze Maschine eigentlich nur einen wüsten Trümmerhaufen bildet. Besonders Aufmerksamkeit widmet die Kommission naturge­mäß der abgebrochenen Tragfläche des Flugzeuges, die etwa 2030 Meter vom Flugzeug entfernt liegt. Es steht jedoch schon fest, daß die Augen- zeugenberichte, wonach der Flügel bereits in der Luft abgebrochen sei, mit großer Vorsicht aufge- nomhien werden müssen. Jedenfalls hat bet bis­herige Befund der Sachverständigen einen Beweis für diese Annahme noch nicht erbracht. Die Ma­schine ist offenbar aus einer Höhe, für die die An­gaben zwischen 750 und 300 Meter schwanken, ab« gestürzt. Sie hat sich dann mit der Spitze mit einer furchtbaren Aufprall in den Boden eingegraben. Auch die Berichte, daß der Propeller in der Luft zersplittert sei und eine Strebe zerschlagen habe, werden zunächst als nicht bewiesen angesehen. Man neigt vielmehr der Auffassung zu, daß der Propeller erst auf bem Erdboden zersplittert sei. Dafür sprechen auch durchaus die starken Erdkrusten an den zer­splitterten Propellerteilen. Da es gegen 7 Uhr be« reits dunkelte, muhte die Untersuchung abgebrochen werden. Sie wird morgen fortgesetzt. Irgend etwas endgültiges läßt sich nach der Angabe der Sachver­ständigen vor morgen überhaupt nicht sagen, wenn es überhaupt gelingt, die wirkliche Ursache des Un­glücks aufzuklären. Staatsanwaltschaft und Polizei haben die Trümmer des Flugzeuges mit Beschlag belegt, bis die Untersuchungen der Sachverständigen abgeschlossen sind. Im Laufe des Abends wurde die Unglücksstelle von der Polizei in weitem Kreis durch einen provisorischen Zaun abgesperrt.

Die rätselhafte Ursache her âaiattvoNhe.

Berlin, 23. Sept. Das Flugzeugunglück bei Schleiz ist bisher noch nicht aufgeklärt worden. In Berliner Luftfahrtkreisen kann man sich den Vorfall nicht er« klären. Man äußert teilweise die Vermutung, daß es sich vielleicht um einen Sabotageakt i m Zusammenhang mit dem Fall Sacco und Vanzetti handeln könne. Das ist aber eine Mutmaßung, der wir ohne weiteres nicht zustim­men können. Die Deutsche Lufthansa selbst ist bis­her über den Grund des Absturzes völlig im un­klaren. Die Maschine ist technisch ausgezeichnet ge­wesen und überprüft worden. Der Flugzeugführer war einer der bewährtesten Piloten der Lufthansa.

Die Blätter beschäftigen sich eingehend mit der Frage, welche Ursache das furchtbare Flugzeug­unglück bei Schleitz gehabt haben könnte. Die gestern aufgetauchte Vermutung, des könnte ein Sabotage­akt oder gar ein Attentat im Zusammenhang mit der Sacco-Danzetti-Affaire vorliegen, wird von den

wird es

Blättern für unglaubhaft erklärt. In einem Blatt

für wahrscheinlich erklärt, daß der Flug­zeugführer durch plötzliches Unwohlsein oder sogar Herzschlag die Herrschaft über den Apparat verloren hat. Von den Dornier-Metallwerken in Friedrick^- hafen, den Erbauern des Flugzeuges wird es für ausgeschlossen gehalten, daß das Unglück durch einen Tragflächenbruch verursacht worden ist.

Aso Freiherr v. MEan.

Adol!

[f Georg Otto (Ago) Freiherr von Maltz« tenberg und Prenzlin wurde am 31 O'

- . ^cm zu

Wartenberg und Prenzlin wurde am 31 Oktober 1877 in Klein-Varchow in Mecklenburg geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und trat 1906 aus dem preußischen Justizdienst zum diplomatischen Dienst dss Reiches über; 1907 ging er als Lega­tionssekretär nach Rio de Janeiro, 1907 nach Chri- stiania. In den Jahren 1910 und 1911 war er erster Sekretär bei der Botschaft in Petersburg und dann von 1913 bis 1917 in Peking, und zwar dort seit Kriegsausbruch als Geschäftsträger. Von hier aus konnte er bereits am 1. August 1914 eine Meldung über die bevorstehende japanische Kriegserklärung

Hauptquartier Ost und dann bis Sommer 1919 an der Gefandfchaft im Haag. Sodann wurde er zum Bevollmächtigten des Auswärtigen Amtes für Est­land und Lettland mit dem Amtssitz in Königsberg ernannt, jedoch bald wieder ins Auswärtige Amt berufen, wo er Referent in der Ostabteilung unter dem Ministerialdirektor Behrend wurde, der im Gegensatz zu Maltzans Anschauungen eine Politik der Absperrung gegen Rußland betrieb. Im No­vember 1921 trat jedoch Behrend zurück und Mal- tzan wurde selbständiger Leiter der Ostabteilung. Als solcher bereitete er den während der Konferenz von Genua am 16. April 1922 abgeschlossenen Der- trag von Rapollo mit Rußland vor, durch den Ruß­land vor allem auf Reparationsforderungen gegen Deutschland verzichtete. Im Dezember 1922 wurde dann Frhr. von Maltzan Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes, und damit der eigentliche Leiter der deusschen Politik. Zwei Jahre später (Dezember 1924) wurde er zum Botschafter in Washington er­nannt. Sein Nachfolger in Berlin wurde der Mini­sterialdirektor von Schubert. Verheiratet war Frhr. v. Maltzan seit 1914 mit Edith Gruson, einer Enkelin des Erfinders des Gruson-Stahls.

Ava« v. Maltzau svwavteie ihren Gatten in München.

Wie wir zum Tode des Botschafters v. Maltzan erfahren, war Freifrau von Maltzan, die sich zur Kur in Partenkirchen befand und dort ihr acht­jähriges Töchterchen bei sich hatte, ihrem Gatten bis nach München entgegengefahren, um ihn dort bei der vorgesehenen Ankunft im Flugzeug in Empfang zu nehmen.

DaS

Belew des KeitLäviMderrsen.

Berlin, 23. Sept. Reichspräsident von Hinden­burg hat an Freifrau von Maltzan folgendes Tele­gramm gerichtet:

An dem schweren Unglück, das Sie so plötzlich betoffen hat, nehme ich herzlichen Anteil und bitte Sie den Ausdruck meines tiefempfundenen Beileids entgegenzunehmen. Das Deutsche Reich verliert in Ihrem, in so tragischer Weise ums Leben gekomme­nen Gatten, einen der fähigsten Diplomaten und hervorragenden Vertreter, dem ich stets ein ehren­des Gedenken bewahren werde. ,

gez.: v. Hindenburg, Reichspräsident.^

Außerdem sind Belleidstelegramme vom Reichs­kanzler, Reichsminister Hergt, Reichsaußenminister Dr. Stresemann eingegangen.

Gtvsfemarms GedemSvede.

Genf, 23. Sept. Heute veranstaltete die deutsche Delegation eine Gedenkfeier für den unter so tragischen Umständen ums Leben gekommenen deut­schen Botschafter in Washington, von Maltzan. Da­bei hielt Außenminister Dr. Stresemann eine Gedenkrede, in der er ausführte:

Ich möchte die Gelegenheit unseres Zusammen- seins benutzen, um des schweren Verlustes zu ge­denken, den wir durch den so jähen und unerwarte­ten Tod des Herrn Botschafters Freiherr v. Maltzan erlitten haben. Jeder, der den Verstorbenen gekannt hat, weiß, welche starke und große Persönlichkeit in »hm dahingegangen ist. Auch in Zeiten, in denen er im Auswärtigen Amt eine Stellung bekleidete, die nicht zu den ersten und leitenden gehörte, hat er der Arbeit, die er leistete, seinen Stempel aufzudrücken gewußt. Er war maßgebend und wegweisend für viele Entscheidungen unserer Außenpolitik. Als er Staatssekretär des Auswärtigen Amtes war, habe ich mit ihm täglich zusammenarbeiten und dabei feststellen können, welch große Gaben des Geistes ihm gegeben waren. Als er nach Washington ging, stand er vor einer schwierigen Aufgabe. In unver­hältnismäßig kurzer Zeit ist es chm gelungen, sich dort eine Position zu verschaffen, Beziehungen an« zuknüpfen und Vertrauen und Freundschaft zu er= werben, die den Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zugute gekommen sind. Wir hofften, daß er, der auf der Mittagshöhe des Lebens stand, in der Lage fein würde, im seiner heu­tigen Stellung und vielleicht in anderen großen Tätigkeiten noch vieles auf Grund feiner Erfahrun­gen und Fertigkeiten für Deutschland zu wirken. Es ist so unendlich schmerzlich, sich vorstellen zu müssen, wie seine Frau ihn erwartet, um mit ihm zusammen die Rückreise nach Washington anzutreten und dann statt des Gatten die Nachricht von seinem Tode er­hält. Ich glaube, es gibt viele unter uns, vielleicht sind es die meisten, die ihm auch persönlich näher standen, und deshalb nicht nur der Tod des Diplo­maten, sondern auch den Tod des Freundes be­klagen. In diesem Sinne möchte ich feinem Gedächt­nis diese Worte weihen:Sein Andenken wird in uns unvergessen bleiben l"

Als M

Die achte Vollversammlung des Völkerbun­des, die gegenwärtig in Genf tagt, wird Mitte nächster Woche ihr Ende finden. Auch die abge­laufene Woche hat wieder Kommissionssitzun­gen, zahlreiche Reden thoretischer Art in der Abrüstungs-, der Opium-, der Hygiene-, der Flüchtlingskommission usw. gebracht doch ent­scheidende Schritte sind nicht unternommen worden. Als einziger Erfolg ist die f o r m e l l e Einigung über Weg und Ziel der Abrüstungs­politik in der dritten Kommission des Völker­bundes zu buchen, so daß nunmehr die Abrüstungsdebatte in der Vollver­sammlung fortgesetzt und zu Ende ge-, führt werden kann. Was zunächst un­möglich schien, die von Graf Bernstorff und Paul-Boncour eingebrachten Entschließungen auf einen gemeinsamen Nenner zu führen, P gelungen. Man hat beide Resolutionsoor» schlage verschmolzen und um noch ein übriges zu tun, auch den holländschen Vorschlag einbezogen. Was ist damit erreicht worden?, Graf Bernstorff ist wiederholt in energischer Weise der Abrüstungsschlamperei zu Leibe ge-

Form die deutsche Forderung auf allgemeine Abrüstung begründet und sich dabei gestützt aus den Artikel 8 des Völkerbundspaktes, der den Grundsatz aufstellt, daß die Aufrechterhal­tung des Friedens eine Herabsetzung der na« tonalen Rüstungen aus das Mindestmaß er-

ordert, ferner auf die Zusicherung des 23er ailler Vertrages, daß die Abrüstung Deutsche

ailler Vertrages, daß die Abrüstung Deutsch- ands die Einleitung einer allgemeinen- tungsbefchränkung aller Nationen fein soll. Demgegenüber hat der französtsche Delegierte Paub-Boncour das Prinzip aufgestellt: zuerst vollkommene Sicherheit, dann Ausbau der Sckiedsverträae und endlich als Krone des

Ganzen, Abrüstung. Beide Ansichten hat man, anstatt den Mut aufzubringen, über die eine oder andere einen Beschluß herbeizuführen, zu einem Kompromiß verarbeitet, in dem auf französischen Wunsch das allgemeine Schieds­gerichtsverfahren für den Erfolg der Ab­rüstungskommission als unentbehrlich bezeichnet und auf deutschen Wunsch die vorbereitende Abrüstungskommission eissucht wird, die Kon-» ferenz zur Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen so schnell wie möglich einzuberufen. Weses Kompromiß ist höchst unbestimmt und lediglich geeignet, die Stoßkraft des deutschen Vorgehens in der Abrüstungsfrage zu lahmem Auch die an den Dölkerbundsrat zu richtende Bitte, daß er bei der vorbereitenden Kommis­sion aus eine beschleunigte Durchführung der techmschen Vorarbeiten bestehen, und daß ein neues Völkerbundskomitee gegründet werden soll, das der vorbereitenden Kommission mit Vorschlägen über die Garmrtieu des Schiedsge­richts und der Sicherheiten zur Hand gehen soll, sind Maßnahmen, durch die praktisch nichts ge­wonnen wird. Sie bedeuten lediglich eine Ver­zögerung der Abrüstung und kommen nur den Staaten zugute, die keine Rüstungs­beschränkung wollen. Eine Befriedigung tonn also dieses Kompromiß bei uns nicht auslösen es zieht die Inangriffnahme der Abrüstung aufs neue hinaus, was Nichts anderes als Schindluderei treiben heißt. Die gemeinsame Formel wird das einzige sein, was die Staats­männer mit nach Hause bringen. Aussichten für baldige wirkliche Abrüstung, die den deut­schen Verhältnissen gerecht wird, sind so gut wie nicht vorhanden.

Die gegenwärtige Völkerbundstagung zeigt wieder so recht deutllch, wie schwer es für Deutschland ist, in diesem Staatenbund etwas zu erreichen. Sie zeigt aber auch, daß die Sie­ger den wellgeschichtlichen Betrug, den sie an Deutschland begingen, indem sie unter der Vor­spiegelung falscher Friedensziele uns zur völligen Abrüstung zwangen,um die Einlei­tung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Nationen zu ermöglichen" sortsetzen, indem sie sich weigern, diese Vertrags­klauseln zu erfüllen, im Gegenteil ent­schlossen sind, weiter zu rüsten, was z. B. Frankreich und Belgien mit dem beabsichtigten Ausbau eines riesigen Festungssystems erken­nen lassen. Die ehemaligen Alliierten weigern sich, den Versailler Vertrag einzuhalten, pro­testiert aber Deutschland mal gegen irgend eine Bestimmung dieses sogenannten Friedensver­trages, zu dessen förmlicher Anerkennung das hungerige und wehrlose deutsche Volk im Jahre 1919 unter dem Druck feindlicher Bajonette und Kanonen gezwungen wurde, dann gibt es einj