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ral Ämeigsr für^A»' V^anau Stadt und Land

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Mittwoch den

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21. Gevtembee

1922

Eine französisch-belgische Allianz.

lÄnSbarr dev belgische Sstfeftttnse« als «redliche Saetsetzung des svaazbMchett SeftttnsssüsLelS.

j Paris, 19. Sept. Der Brüsseler Vertreter $Journals des Sébats will auf Grund von kundigungen bei durchaus zuverlässigen Quellen ähren haben, daß zwischen dem franzö- schen und belgischen General st ab nmehr eine völlige Ueberein stimmung )er alle gemeinsamen S icherheits- ahnahme« erzielt worden fei. Die bel- che Kommission, die damit beauftragt sei, die An- ndung des Verteidigungsbudgets zu prüfen, habe e das Komitee Guillaumat in Frankreich Be­lüfte gefaßt, deren erster sich auf die Schaf- ng eines neuen Regiments effungsar filierte in Lüttich beziehe, le Kommission habe weiter beschlossen, das, erleidigungssystem für das bel - sche Territorium derart dem fran- »fischen System anzupassen, daß die erteidigungsanlagen in Belgien e Fortsetzung der französischen Ver- idigungsanlagen dar st eilten. Aus rselben Quelle versichert man, der belgische eneralstab wehre sich kategorisch gegen die von ?n Sozialisten vorgeschlagene Herabsetzung der lilitärdienstzeit auf sechs Donate. Diese Rach- cht wurde von den Brüsseler BlätternSoir idEtoile" bestätigt.

*

Die Gerüchte über den Abschluß einer belgisch- anzösischen Militärallianz, die zunächst aus Paris imen, jetzt aber auch aus Brüssel bestätigt werden, beuten eine eigenartige Illustrierung z u erFriedenspolitik", die Frankreich ngeblich treibt. Wir können es daher ver- ehen, daß fein amtliches Dementi erfolgt, das aber »ch nur an den Tatsachen vorübergehen würde, n Berlin hat man weder an politischen noch an ilitärischen Stellen Anhaltspunkte dafür, ob und I welchem Umfange Verhandlungen wirklich ge­hrt worden sind. Militärisch spricht aber eigentlich les dafür, denn das französische Verteidigungs- iftem im Osten, das mit einem riesigen Aufwand n Milliarden aufgebaut wird, hängt in der Luft, »lange die Lücke Belgien gegenüber Deutschland icht geschlossen ist. Wir haben es ja in der letzten eit wiederholt erlebt siehe Eupen-Malmedy nd die Kommission zur Untersuchung des Frank- reuerkrieges, daß Frankreich stark genug .ist, Widerstände, die sich etwa in Belgien bemerkbar lachen könnten, zu beseitigen. Diese Bedenken mrben kaum vom belgischen Kriegsminister kam- ien, der mit den Franzosen durch dick und dünn eht, sie kämen aber vielleicht aus der Linie Dan- ervelde heraus, der indes, wenn er überhaupt ge­sagt worden ist, durch die Niederlage bei den letz­en Ratswahlen und bei der Franktireurkommif- on kaum noch hinreichend Einfluß hätte, um den lbschluß einer solchen Militärkonvention zu verhin- ern. Man darf nur einigermaßen gespannt sein, Re England darauf reagiert; denn wenn auch nach ußen die Konvention sichgegenDeutschland ichtet, so wirkt sie doch eigentlich auch sehr charf gegen England. Die belgische Küste n Händen der französischen Armee würde nicht lur die Sperrung des Kanals, sondern auch eine mmittelbare Gefährdung der insularischen Sicher- reit Englands bedeuten^ Aber das find schließlich acht unsere Sorgen.

Die verzweifelte Lase dev ÄMèevten im SviMahv 1918*

Interessante Reden auf der Tagung der Amerikanischen Legion.

Paris, 20. Sspt. Heute wurde im Trocadero die ikonventstagung der amerikanischen Legionäre fort­gesetzt. Die Beratungen begannen infolge der über- reichlichen gestrigen Feierlichkeiten mit erheblicher Verspätung. Marschall Foch, General Pershing und der Gouverneur von Paris, G o u r a n t, Hieb ten Ansprachen. Alle waren auf denselben Ton ge- stimmt: Lob der Zusammenarbeit zwischen Frank- reich und Amerika im Kriege. Zwischen den Zeilen aber all dieser schönen Worte konnte man, wenn man genau hinhörte, doch etwas anderes heraus­hören. Im Frühjahr 1918 hatten die Alliierten den Krieg zum größten Teil viel mehr als verloren be­zeichnet, als große Teile in Deutschland es vielleicht wahr haben wollen. Sowohl Marschall Foch als General Pershing schilderten mit bewegten Worten die ungeheuer schwierige Lage der Verbündeten.

General Pershing sprach besonders von der Bedeutung der Kriegsratssitzung der Alliierten vom 3. April 1918, an der nicht nur die obersten Heerführer, sondern fast alle Mi­nisterpräsidenten teilnahmen, und wo in der Stunde der allerhöchsten Gefahr der Oberbefehl dem Mar­schall Foch übertragen wurde. Pershing schilderte weiter, wie alles daran gesetzt werden mußte, um mit Hilfe englischer Handelsschiffe, um jeden erdenk­lichen Preis amerikanische Verstärkungen herbeizu- schafsen wie erst im Juli 1918 dank dieser unge- heueren Verstärkungen die deutschen Angriffe in der Champagne abgeschlagen, wie erst im August 1918 die erste amerikanische Armee zusammengestellt wer­den konnte, die bereit war, dank der zahlenmäßigen

Ueberlegenheit im September zur Offensive überzu­gehen.

Wer diese Worte heute im Trocadero aus dem Munde Pershings gehört hat, mußte doch sehr nach­denklich gestimmt werden. Denn so erfährt man aus Feindesmund, was man vielleicht noch nicht gewußt hat, wie sehr gefährlich sich die Lage für die Allierten noch im Sommer 1918 gestaltet hat, und wie wahr Hindenburgs Worte von der Bedeutung derstärkeren Nerven in der letzten Viertelstunde" gewesen ist.

Heute nachmittag 4 Uhr empfing Präsident Dou­mergue den General Pershing und einzelne Abordnungen. Ein großer Teil der Legionäre hat sich bereits nach Reims zum Besuch der Schlacht­felder begeben.

Ohne Äweviöa hin Gies!

Paris, 20. Sept. Der Abordnung der amerikani- schne Legionäre, die heute in Reims eine Erinne­rungsfeier abhielt, wurde von der Stadtbehörde ein Frühstück gegeben, in dessen Verlauf der Mnister für öffentliche Arbeiten, Tardieu, das Wort ergriff. Er erklärte u. a., ohne die Kriegserklärung der Ver­einigten Staaten im April 1917 hätte keiner der Alliierten die für die Fortsetzung des Krieges not- wendigen Rüstungen weiter bestreiten können, ohne den Zustrom der amerikanischen Truppen hätte Marschall Foch niemals den strategischen Plan ent­werfen können, der es ihm gestattet habe, mit Deutschland fertig zu werden. Deshalb bewahre Frankreich dem amerikanischen Volke eine unwandelbare Dankbarkeit. Ohne Frankreich, das den ersten Stoß ausgefallen habe, hätte man nicht weiter kämpfen können, ohne Eng­land, das fünf Jahre hindurch den Transport ge­sichert habe, nicht durchhalten können u. o h n e d i e Vereinigten Staaten, die ihre Truppen in dèn Kampf geworfen haben, hätte man nicht siegen können.

EStt deutsch-fvanrdMchev ÄdvüftunssSomvvomrtz.

Ein unverbindlicher Beschluß.

Genf. 20. Sept. Der Unterausschuß des Dritten Ausschusses (Abrüstung) der Völkerbundversamm­lung hat heute, um die von P a u l - B o n c o u r und vom Grafen B e r n st o r f f oorgelegten Ent­schließungen zur Sicherheits- und Abrüstungs­frage aus eine gemeinsame Formel zu bringen, einen Redaktionsausschuß gebildet, den: u. a. Paul-Bon- cour, Graf Bernstorff, ein Italiener und de Brouckère angehören. Das Ergebnis der Arbei­ten des Redaktionsausschuftes war bis heute abend die Formulierung eines neuen Textes, in dem Grundsätze sowohl der Paul-Boncourschen wie der Bernstorffschen Entschließung untergebracht worden sind. Die Formulierung lautet in ihren Grundzügen nunmehr folgendermaßen:

1. Die Versammlung empfiehlt, durch gemein­same Abkommen den Grundgedanken der Schiedsgerichtsbarkeit a u s z u b a u e n, und zwar sowohl zwischen Mitglieds- als auch Nicht- mitgliedsstaaten des Völkerbundes, um dadurch das gegenseitige Vertrauen, die Grundlage der Sicher­heit zwischen den Staaten, zu erhöhen, die unent­behrliche Voraussetzung für einen Erfolg der Ab­rüstungskonferenz ist.

2. Unter Bezugnahme auf die Entschließung vom 24. September 1926 (in der die Versammlung den Rat aufforderte, die Abrüstungskonferenz vor der Välkerbundoersammltmg von 1927 einzuberufen), bittet die Versammlung den, beim Vorbereiten­den Abrüstungsausschuß darauf hinzuwirken, daß er die technischen Arbeiten so beschleunigt, daß es dem Rat möglich wäre, die Konferenz für die Be- arenzung und Herabsetzung der Rüstungen in m ö g- lichst kurzer Frist einzuberufen.

3. Die Versammlung ersucht den Rat, beim Bor- bereitenden Abrüstungsausschuß zu beantragen, daß in möglichst kurzer Frist ein Ausschuß gebildet wird, dem alle im Vorbrestenden Abrüstungsausschuß vertretene Staaten angehören. Dieser Ausschuß würde zur Verfügung des Vorbereitenden Aus­schusses stehen und nach dessen Anweisungen die Maßnahmen prüfen die geeignet wären, allen Staaten die Bürgschaften für die und Sicherheit

Staaten die Bürgsch Schiedsgerschtbarkeit z u s ch a f f e n, die un«ntbehrlich find, um ' den Stand ihrer Rüstungen in einem internationalen Wrüstungsabkommen möglichst niedrig anzusetzen.

Nach Ansicht der Versammlung lassen sich diese Maßnahmen auf zwei Wegen erreichen: einmal durch ein gemeinsames Vorgehen des Völkerbundes, das darauf hinauszielte, den Abschluß von zwei­seitigen und mehrseitigen Schieds- gerichtsoerträgen anzuregen, zu verall­gemeinern und in ein System zu bringen, zum an­dern durch eine systematische Vorbereitung der von den Völkerbundorganen anzuwendenden Mittel, mit denen die Mitglieder des Bundes in die Lage ver- etzt werden können, die ihnen auf Grund der ver- chiedenen Artikel des Völkerbundpaktes zukommen- )en Pflichten zu erfüllen. Der Rat soll die verschie­denen Staaten auffordern, sich von den Maßnah.

men zu unterrichten, die sie unbeschadet der allge­meinen Verpflichtungen des Völkerbundstatuts zu ergreifen sich verpflichten, um für den Fall, daß ein örtlicher Streitfall entstünde, die Beschlüsse des Rats zu unterstützen. Dabei würde jeder Staat an geben, daß er entweder mit seinen gesamten oder einem Teil seiner Streitkräfte zu Lande, zu Wasser uNd in der Luft sofort in den Streitfall e i n g r e i f e n würde. Ferner müßten die Grund­sätze des Schiedsgerichts, der Sicherheit und der A b r ü st u n g in E i n k l a n g miteinander gebracht werden, und zwar durch Abkommen, durch welche die allgemeinen Verpflichtungen des Völker­bundstaates ergänzt würden, wobei das Maß von Solidarität zu berücksichtigen wäre, in dem sich die Staaten ihrer geographischen Lage ent­sprechend zueinander befinden.

Es handelt sich hier um einen vorläufigen Text, über dessen Annahme oder Ablehnung heute noch nicht entschieden worden ist. Graf Bern­storff hat sich seine Stellungnahme vor­behalten. Außerdem handelt es sich hier um den Vorschlag eines Redaktionsausschuftes, zu dem nach- einander der Unterausschuß des dritten Ausschusses, dieser Ausschuß selbst und schließlich die Versamm­lung Stellung zu nehmen haben. Gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag Paul-Boncours ist einiges gemildert. Im besonderen ist statt der französischen Fassungunentbehrlich für die Fortsetzung der Arbeiten des Abrüstungsausschusses" unter Punkt 1 gesagt:unentbehrlich für den Erfolg der Abrüstungskonferenz". Im Grunde kommt aber auch das auf dasselbe hinaus. Dagegen ist der Vor­schlag Bernstorffs, die Abrüstungskonferenz noch vor der nächsten Völkerbundoersammlung ein- zubevufen, ersetzt worden durch die Fassungi n möglichst kurzer Z e i t". Stehen geblieben sind dagegen die Grundforderungen, die der Vor­schlag Paul-Boncours für die Ausarbeitung eines wirksamen und lückenlosen Systems von Sicherheits- Verträgen und die Sanktionsleistungen des Völker­bundes enchält.

Ginsvanr-MchevVevstMsbaLLon? Rheinlandränmung nur bei beschleunigter Dawes­zahlung.

Berlin, 20. Sept. Die dieUnited Preß" aus Genfer Kreisen erfährt, haben bei dem Früh­stück am Dontag Stresemann und Briands Setre- tär die Rheinlandfrage auf das Eingehendste be­sprochen. Dabei ist von französischer Seite mit großem Rachdruck betont worden daß eine Räu­mung des Rheinlandes vor den im Friedensver­trag festgesetzten Fristen nur auf der Grundlage der Gegenseitigkeit erfolgen könne. Wenn nämlich Deutschland die Dawes-Zahlungen beschleunige, dann würde Frankreich seinerseits im gleichen Maßstab die Räumung beschleunigen.

Wir geben diese Meldung mit allem Vorbehall wiederr sie scheint ein französischer Versuchsballon zu sein. Es bedarf aber wohl kaum der Feststellung, daß eine Beschleunigung Ler Daweszahlungon sine unerträgliche Belastung Deutschlands sein würde und daher außer jeder Diskussion stehen muß. Ganz abgesehen davon, daß unser Anspruch auf Rhein- landräumung ohneGegenleistung" nad) wie vor fortbesteht.

Die AstelS ruv Klassenfvase.

Herlin, 20. Sept. Der Reichsverband der deut­schen Hotels, Restaurants und verwandter Betriebe, der heute in Magdeburg verfannnelt ist, hat nach eingehender und einmütiger Beratung, an der sämt­liche Landesverbände des Reiches, zahlreiche Ver­treter der Berliner Organisationen und Vertreter aller prominenten Hotels des Reiches toilnahmen, dem ^Lokalanzeiger" zufolge, eine Entschlie­ßung einmütig gefaßt, in der es heißt:

Der Reichsverband lehnt als wirtschaftliche Organisation jede politische Stellungnahme ab. Der Reichsverband billigt die Entschließung des Berliner Vereins und ruft im Sinne dieser Stellungnahme ssine Mitglieder im Reiche auf, die Häuser am 2. Oktober zu Ehren des Reichsoberhaup­tes festlich zu beflaggen."

Der Aufruf des Vereins Berliner Hotels und verwandter Betriebe bittet seine Mitglieder, den Geburtstag des Reichspräsidenten unter dem Flaggenzwist nicht leiden zu lassen.Wir rufen da­her unsere Mitglieder auf, am 2. Oktober die Häuser festlich zu schmücken und zu beflaggen. Keinem zu­liebe und keinem zuleide wollen wir in dem großen Deutschen die rühm- und ehrenvolle Vergangenheit, die arbeits« und schicksalsschwere Gegenwart des Deutschen Reiches ehren. Dieser Beschluß wird der­art ausgesührt werden, daß am 2. Oktober schwarzweißrot und schwarzrotgold gehißt werden.

Nas Ouivssmasa»!« GuvovaS.

Von Dr. Fritz M1 t t e l m a n n, M. d. R.

Die nachstehenden Ausführungen ge« winnen durch den ungarisch-rumänischen Streitfall, der in den letzten Tagen in Genf behandelt worden ist, ein besonderes Interesse. D. Schriftlettung.

Der PressefelSzug, den der englische Zei­tungskönig Lord Rothermere seit einiger Zeit im Interesse Ungarns führt, verdient eine viel größere Beachtung, als dies bisher vielfach der Fall ist. Seine Auseinandersetzung mit dem tschechischen Außenminister Benesch, seine An­griffe gegen die Tschechoslowakei, sowie seine unverhüllten Drohungen gegenüber diesem Vasalenstaat Frankreichs gehören zu den poft» tisch wichtigsten Geschehnissen aus den ganzen letzten Jahren. Dieses Vorgehen ist vor allem darum so bedeutungsvoll, weil hinter den Wor­ten des englischen Lords ganz zweifellos das Foreign Office steht, das sich in diesem Falle, wie stets in schwierigen Situationen, die erft zum Reifen gebracht werden sollen, aus taf< tischen Gründen einer privaten Persönlichkeit bedient.

Lord Rothermere ist ein Mann von viele« Graden und großem Einfluß, den ihm seins beherrschende Stellung in der Presse wie im gesellschaftlichen Leben Englands sichert. Er ist der Bruder und Erbe des uns so Verhängnis» voll gewordenen Leiters der englischen Kriegs­propaganda, dessen Lügentrommelfeuer die politische Stellung Deutschlands schließlich sturmreif gemacht hat. Skrupellosigkeit und Energie sind die Kennzeichen der von ihm ge­triebenen Politik.

Es wäre daher völlig verfehlt, das Eintreten Lord Rothermeres für Ungarn etwa auf irgendwelche Regungen des Gefühls zurückzu­führen. Hätte man es seinerzeit mit dem Selbbesttmmungsrecht der Völker wirklich ernst nehmen wollen, dann hätte man keinen ein­zigen der Friedensverträge abschließen dürfen. In dieser Beziehung gleichen sich die Diktate von Versailles, St. Germain und Trianon durchaus. Gibt es doch nach dem Weltkriege in Europa viel mehr nationale Minderheiten, als dies vor 1914 der Fall war. Wie wenig gründlich Lord Rothermere auch jetzt das Selbstbestimmungsrecht auffaßt, geht zur Ge» nüge daraus hervor, daß er allen Ernstes die Meinung vertritt, dasselbe wäre Deutschland gegenüber voll zur Anwendung gelangt. Zum Beweise dessen weist er auf die in Nord­schleswig vorgenommene Volksabstimmung hin, deren Ergebnisse ihm aber anscheinend unbe­kannt geblieben sind. Kein Wort über die deutsche Ostmark, keines über das deutsche Oberschlesien. Dennoch wollen wir den Bruder des Lord Northcliffe ruhig gewähren lassen und seiner jetzigen Propaganda den großen Erfolg wünschen, den der Leiter der Kriegspropaganda zweifellos fein eigen nennen durfte, denn in­direkt kommt sein Wirken zweifellos auch Deutschland zugute.

Welches ist das Ziel seiner Politik? Wenl> man es in feinen letzten Auswirkungen bezeich­nen will, dann ist es nicht mehr und nicht weniger als die Zerschlagung der Tschecho­slowakei und eine Schmälerung des heutigen Großrumänien. Die Schaffung der Tschecho­slowakei nennt Lord Rothermere eine willkür­liche Operation, die nur dadurch ausgesührt werden konnte, daß man das Prinzip der Nationalitäten, dem es angeblich dienen sollte* vergewaltigte. An einer anderen Stelle seiner Ausführungen heißt es in Bezug auf bi0 Tschechoslowakei und Rumänien, daß alle beiden Staaten durch ihre Unverschämtheit und Unterdrückungspolitik zwei neue Elsaß-Loth­ringen geschaffen hätten, die nichts weniger seien, als fressende Wunden im Herzen Euro« pas. Schließlich geht der Lord soweit, zu er­klären, daß das Verschwinden der Tschecho« slowatei durch plötzliches Ausoinanderfalleq immer im Bereich der Möglichkeit liege. Info« fern sei aber die Tschechoslowakei das Pulvers magazin Europas. Eine Revolution könne üben Nacht die Tschechoslowakei unter Umstände^ von der Landkarte Europas als unabhängiges Staat streichen. Das ist, wie man zugeben muti im Munde eines hervorragenden Allierten^ immerhin allerlei gegenüber einem Staate, de.y sich gleichfalls stolz zu den Alliierten Verbands« Mächten zählt. Für die Tschechoslowakei üb« rigens besonders peinlich, nachdem sie soeben eine der schönsten Straßen in Prag nach Lorh Rothermeres BruderNorthcliffestrahe" ge« nannt hat.