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19. September
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— In Gegenwart des Reichspräsidenten ist [fern das Tannenberg-Denkmal eingeweiht wor- n. In seiner Rede hat der Reichspräsident die iegsschuldlüge feierlichst zurückgewiesen.
a — Die Rede des Reichspräsidenten, insbesondere ! Formulierung der Kriegsschuldftage, findet im islande starke Beachtung.
— Der Völkerbundsrat behandelte am Sams- z den ungarisch-rumänischen Streitfall. Die Fort- zung der Debatte wird heute erfolgen.
— Der ftanzösische Ministerrat am Samstag ir der Ansicht, daß in keiner Weise gegenwärtig t Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu ußland gerechtfertigt ist, und hat den russischen Erschlag eines Nichtangriffspaktes zurückgestellt, r der Politik Frankreichs, wie auch dem Sicher- itsbedürfnis seiner Alliierten im Osten entspricht, -r Ministerrat hat infolgedessen den Außenminister austragt, diese Verhandlungen fortzusetzen.
— Briand ist nach Genf zurückgekehrt.
— Könneckes Start zum Asienflug ist abermals wschoben worden.
DenisMands »iH um obUsatovifchen Schieds geeicht.
Die bekannte Tatsache, daß Deutschland durch m Mund des Reichsaußenministers Dr. Stresemann sich in Genf bereit erklärt hat, urch Unterzeichnung der sog. Fakultativklausel ie obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit des mager Gerichtshof anzuerkennen, beschäftigt ie Öffentlichkeit im In- und Auslande im- .er noch in ifotjem Maße und wird sie auch «eiterhin beschäftigen. Zunächst wird Deutschind noch im Laufe der gegenwärtigen Völker- undstagung die Unterschrift in Genf voll- ehen. Damit ist die Angelegenheit aber noch icht erledigt, da Dr. Stresemann in Genf er- ;ärt hat, er werde sobald als möglich, die Rati- zierung der Unterschrift durch den Reichstag erbeiführen. Die Zustimmung des Parla- lentes ist zwar an sich formell nicht notwenig. Die deutsche Regierung hat aber bisher lle Schiedsgerichtsverträge dem Reichstag zur iatifizierung vorgelegt und hält es deshalb ir richtig, auch im vorliegenden Falle die Interschrift der Regierung durch einen Reichs- agsbeschluß besiegeln zu lassen. Dies um so rehr, als die Anerkennung der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit des Haager Gerichts- ofes eine Tat von weittragender außenpoliischer Bedeutung ist .
Der internationale Gerichtshof im Haag ist m Art. 14 des Völkerbundspaktes vorgesehen. )ie -Völkerbundsversammlung hat im Jahre 920 einmütig die Statuten des Gerichtshofes genehmigt, der daraufhin ins Leben getreten st. Besondere Wichtigkeit kommt dem Art. 36 )er Statuten zu. Hier ist die Bestimmung ge- roffen, daß die Mitglieder des Völkerbundes ne an sich fakultative Gerichtsbarkeit des internationalen Gerichtshofes durch Unterzeichnung iner entsprechenden Erklärung in bestimmten Fragen als obligatorisch anerkennen können, dämlich bei Streitfragen über die Auslegung ünes Vertrages, einer Frage des Völkerrechts zder anderer im internationalen Verkehr auf- auchender Rechtsfragen. Die Unterzeichnung Der Erklärung verpflichtet die Staaten, die unterzeichnet haben und nur sie zu gegenseitiger Anerkennung der Zuständigkeit des Haager Gerichtshofes. Erhebt sich zwischen ihnen eine Frage rechtlicher Natur, die zu Meinungsverschiedenheiten führt, so muß der Gerichtshof im Haag angerufen werden und die streitenden Parteien müssen sich der Entscheidung des Gerichtshofes unterwerfen. Dies ist Art und Umfang der internationale Verpflichtungen, die Deutschland durch seine Unterschrift übernimmt.
Deutschland hat als Mitglied des Völkerbundes zwischen zwei Möglichkeiten gewählt. Es konnte sich auf die im Pakte ebenfalls vorgesehene Vermittlungstätigkeit des Völkerbundsrates verlassen oder es konnte den Haager Gerichtshof als ständigen Schiedsrichter anerkennen. Wenn es die zweite Möglichkeit gewählt hat, so schreitet es auf dem Wege fort, den es feit einiger Zeit durch den Abschluß von Schiedsgerichtsverträgen beschritten hat. Der Kreis der Staaten, mit denen wir derartige Verträge eingegangen sind, erweitert sich nun automatisch. Alle Staaten, die die Fakultativ- klausel bereits unterzeichnet haben, treten in den Kreis ein, iomeit Le nicht schon dazu ge-
Nie weihe des Tannenberg- NeMmais.
RerchsvvâKdent v. Hindenbuvs weift die ^viessschuldMge feiecIWi rnvütk.
Hohenstein, 18. Sept. Zur Einweihung des Tannenberg-Nationaldenkmals hatte sich auf dem 1% Kilometer von Hohenstein entfernten Denkmalsplatz eine vieltausendköpfige Menge eingefunden. In langer Front waren die militärischen Verbände und Vereine, die zahlreichen Mitkämpfer der Schlacht bei Tannenberg aus Ostpreußen und aus dem ganzen Reich aufgestellt. Etwa um 11.30 Uhr erschien der Herr Reichspräsident, der Uniform des General- felidmarschalls trug, von seinem Staatssekretäre Dr. Meißner und seinem 'Adjudanten, Major von Hindenburg, begleitet. Als Vertreter der Reichsregierung erschienen der Reichskanzler Dr. Marx, sowie die Reichsminister Dr. Geßler und Dr. v. Keudell. Die preußische Regierung war durch den Innenminister Grzesinski sowie den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen Siehr vertreten. Von Generälen der alten Armee waren u. a. Ludendorff, Mackensen, Francois und Morgen anwesend. Die Reichswehr war vertreten durch den Befehlshaber des Gruppenkommandos I, v. Tschischwitz, der den verhinderten Chef der Heeresleitung, General Heye, vertrat, und durch den Befehlshaber des Wehrkreises I, Generalleutnant von Eßbeck, und zahlreiche höhere Offiziere. Am Nordzugang des Denk- malplatzes begrüßte der Vorsitzende des Tannenberg-Nationaldenkmalvereins, Generalmajor a. D. Kahns den Herrn Reichspräsidenten mit einer Ansprache in der er ihn willkommen hieß und erklärte: Wie Tannenberg 1914 dank dem überragenden, verantwortungsfreudigen Führerwillen, dank glühender Vaterlandsliebe und Heimatliebe, dank )er über alles Lob erhobenen Heldentaten der Mitkämpfer einst die Befreiung Ostpreußens aus bitter- ter Kriegsnot bedeutete, so soll der heutige Tag mit Gottes Hilfe befreiende Schicksalswende für Deutschland werden und den Geist von Tannenberg 1914 im deutschen Volke wieder wecken und wach erhalten in allen Zeiten. Die Ansprache klang aus in ein lebhaft aufgenommenes dreifaches Hurra auf den Geist und die Führer von Tannenberg.
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erwiderte hierauf mit Worten des Dankes für den Willkommengruß und gab feiner Freude Ausdruck, in kameradschaftlichem Gedenken mit den Mitkämpfern und Befreiern der Provinz Ostpreußen zusammen zu sein. Dann fuhr der Reichspräsident mit erhobener Stimme fort:
„Das Taunenberg-Ralionaldenkmal gilt in erster Linie dem Gedächtnis derer, die für die Befreiung der Heimat gefallen sind. Ihr Andenken, aber auch die Ehre meiner noch lebenden Kameraden verpflichtet mich dazu, in dieser Stunde und an dieser Ställe feierlichst zu erklären:
Die Anklage, daß Deutschland schuld sei an diesem größten aller Kriege, weisen wir, das deutsche Volk in allen seinen Schichten, einmütig zurück.
Nicht Reid, Haß oder Eroberungslust gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das äußerste, mit schweren Opfern des ganzen Volke» verbundene Wittel der Selbstbehauptung einer Well von Feinden gegenüber. Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen und mit reinen Händen hat das deutsche Heer das Schwert geführt. Deutschland ist jederzeit bereit, dieses vor unparteiischen Richtern nachzuweisen! (Stürmischer Beifall.)
In den zahllosen Gräbern, welche Zeichen deutschen Heldentums sind, ruhen ohne Unterschied Männer aller Parteifärbungen. Sie waren damals
hören und jeder Staat, der in Zukunft unterzeichnet, wird dadurch unser Vertragspartner. Dabei bleiben die Verträge, die wir bereits geschlossen haben, in ihrer bisherigen Form bestehen, werden aber, wo es nötig ist, dem neuen Verfahren angepaßt. Deutschlands Schritt ist vor allen Dingen von den kleinen und mittleren Nationen in Genf auf das lebhafteste begrüßt worden. Es ist bezeichnend für die geringe Auswirkung des Völkerbundsgedankens, daß das schiedsgerichtliche Institut, das der Bund geschaffen hat, praktisch in seinen Anfängen stecken geblieben ist. Nicht einmal die Hälfte der 48 Völkerbundsstaaten haben die Klausel unterzeichnet und damit den internationalen Gerichtshof als ihren Rechtsprecher bei Rechtsstreitfällen mit anderen Völkerbundsstaaten anerkannt. Von den rund 20 Staaten, die ihre Unterschrift gegeben haben, ist Deutschland die einzige Großmacht. Briand spricht in Genf mit großem Pathos, so oft man es hören will, von der einzigen großen Familie, die der Völkerbund bildet. Die Familienmitglieder haben es aber nicht einmal über sich gewonnen, von vornherein zu erklären, daß sie sich bei rei
einig in der Liebe und Treue zum gemeinsamen Vaterland. Darum möge an diesem Erinnerungsmale stetes innerer Hader zerschellen; es sei eine Stätte, an der sich alle die Hand reichen, welche die Liebe zum Vaterland beseelt und denen die deutsche Ehre über alles geht. Mit diesen Wünschen wollen wir das Denkmal weihen."
Der Reichspräsident schritt sodann nach Oeffnung der Pforte zum Nationaldenkmal die Ehrenkompagnie ab, begrüßte die erschienenen Ehrengäste und fuhr dann im Wagen die lange Front der kameradschaftlichen Vereine und der Mitkämpfer der Schlacht bei Tannenberg ab. Die Abfahrt der Front dauerte l^ Stunde. Inzwischen hatten sich die Fahnen der ehemaligen Regimenter und die Ehren-
Sum die Rednerkanzel postiert. Nachdem Oer zspräsident mit feinen Begleitern in den Krecs getreten war, folgte, eingeleitet durch einen Choral, der F e l d g o t t e 2 v i e n st, den der evangelische und der katholische Feldgeistliche abhielten. Flieger umkreisten den Denkmalsplatz. Der evangelische Wehrtreispfarrer Müller wies darauf hin, daß es zum Kernstück deutsch-evangelischen Christentums gehöre, den Mut zur Wahrheit zu haben, zur Wahrheit gegen das ganze Volk. Diese Stunde mahne zum Selbstbesinnen, zur Einkehr und zur Umkehr. Die Toten seien aus Liebe zur Heimat gefallen. Die Lebenden müsse die Liebe zur Heimat zusammenzwingen, daß sie Schulter an Schulter den Feinden ringsum und der Zukunft entgegentreten.
Hierauf ergriff der katholische Divisionspfarrer Rakowski das Wort. Zu Tausenden seien hier die Brüder in den Tod gegangen, damit Hunderttausende, damit wir leben können und eine deutsche Heimat haben. Ehre den Gefallenen und ein ewiges Gedächtnis. Aber auch den Uebsrlebenden verkünde dieses Denkmal insbesondere Ruhm der in Blut und Wunden aus der Schlacht heimgekehrten Krieger. Gleich den Helden, die hier gelitten und gestritten, müsse man wetteifern in Treue und Hingebungen an das Vaterland. Der Redner schloß mit dem Wunsche daß in der deutschen Jugend stets Hindenburg- geist, Tannenberggeist und echter Preußengeist lebendig sein möge. .
Nach dem Gesang des Liedes „Großer Gott wir loben dich" trat Reichspräsident v. Hindenburg an die Rednerkanzel heran, von der aus Regierungsbaumeister Krüger, dessen preisgekrönter Denkmalsentwurf zur Ausführung gelangte, an alle feine Mitarbeiter herzliche Worte des Dankes richtete, und den goldenen Schlüssel zum Tore des Denkmals dem Vorsitzenden des Denkmalausschusses, den Generalmajor a. D. Kahns, übergab. Dieser wiederum ließ durch einen Knaben und ein Mädchen auf einem Kissen mit einer kurzen Ansprache den Schlüssel dem Reichspräsidenten überreichen. Auf die Ansprache erwiderte der Reichspräsident mit folgenden Worten: „Möge der Geist von Tannenberg durch dieses Denkmal der Nachwelt erhalten bleiben!" (Lebhafte Zustimmung). Der Zug mit dem Reichspräsidenten an der Spitze bewegte sich nunmehr zu dem Nordtor des Denkmals, das der Reichspräsident eröffnete. Durch die gewaltigen eichenen Türen durchschritt der Reichspräsident und die Ehrengäste das Tor und gelangten in das Innere des Ehrenhofes. Hier hatten sich teraffenför- mig viele Hunderte von Fahnen der Verbände und die Chargierten der Universität Königsberg und der Technischen Hochschule in Danzig aufgestellt, ein Bild von wunderbarer Schönheit, von der Reichspräsident sichtlich tief ergriffen war. Wuchtige Po
nen Rechtsstreitigkeiten einem von ihnen selbst geschaffeneü Gerichtshof unterwerfen. Offenbar glauben die Großmächte, ihrer Stellung etwas zu vergeben, wenn sie eine solche Bindung anerkennen. Deutschland hat die Schranke durchbrochen und ist dadurch in Genf bei den mittleren und kleineren Nationen außerordentlich populär geworden.
In Deutschland hat die Erklärung des Reichsaußenministers in den weitesten Kreisen Zustimmung gefunden. Auch in der Presse der Rechten erkennt man die Entschließung der deutschen Regierung als einen geschickten taktischen Zug an, der Deutschland ein moralisches Uebergewicht über die anderen Großmächte sichert. Diese Ansicht findet sogar in einem Teil der völkischen Presse ihren Ausdruck. Dieser Erfolg ist zweifellos vorhanden und wir sind der festen Ueberzeugung, daß er sich auch praktisch auswirken und daß bei der Neuwahl des Gerichtshofes im Jahre 1930 ein Deutscher in das Haager Richterkollegium eintreten wird. Die Ratifizierung der Unterschrift wird von dem Reichstag sicherlich mit einer überwältigenden Mehrheit beschlossen werden.
saunenklänge begrüßten den Reichspräsidenten. Dieser legte sodann entblößten Hauptes an dem in der Mitte des Ehrenhofes errichteten Altar einen goldenen Kranz zu Ehren der Gefallenen mit einem stillen Gebet nieder. Zahlreiche weitere Kränze bedeckten schnell den ganzen Altar.^ Nach Gesangsvorträgen begab sich der Reichspräsident mit seiner Begleitung in bei sogenannten Fahnenturm, wo er sich in das Goldene Buch eintrug. Ein Rundgang durch die ganze Denkmalsanlage machte den Beschluß der Feier im Ehrenhof. Inzwischen hatten sich die Verbände auf der Straße nach Hohenstein zum Vorbeimarsch vor dem Reichspräsidenten und den Heerführern geordnet. Auch hier bot sich den nach Zehntausenden zählenden Zuschauern ein farbenprächtiges Bild. Der Vorbeimarsch mit klingendem Spiel nahm über zwei Stunden in Anspruch. Nach seiner Beendigung begab sich der Reichspräsident im Kraftwagen nach Allenstein.
Das <Mo des Aindsttbtsvsvede.
London, 19. Sept. Die Berliner Korrespondenten der Londoner Blätter berichten ausführlich über die Tannenbergfeier und die Rede des Reichspräsidenten. Der Berliner Berichterstatter des „Daily Telegraph" bezeichnet die Rede als eine große Gegenoffensive die Deutschland vor der Anschuldigung befreien soll den Weltkrieg verursacht und entgegen den Regeln der zivilisierten Völker, geführt za haben. Die Worte des Präsidenten können auch auf- gefaßt werden als Antwort Deutschlands auf gewisse Kundgebungen in Frankreich und Belgien und als Ergänzung zu Stresemanns Rede vor Pressevertretern in Genf.
„Daily Mail" schreibt, bisher haben die Deutschen gegen die Behauptung protestiert daß Deutschland „allein" für den Krieg verantwortlich gewesen sei. Man wird bemerken, daß Reichspräsident Hindenburg noch einen Schritt weiter geht und jede Schuld Deutschlands ablehnt.
Der Korrespondent des „Daily Chronicle" schreibt: Deutschland hat durch die Person seines Staatsoberhauptes öffentlich und nachdrücklich jede Verantwortung für den Ausbruch des Weltkrieges bestritten und vorgeschlagen die ganze Angelegenheit einem unparteiischen Gerichtshof zu unterbreiten. Angesichts des Nachdrucks der Worte seien Begleitumstände vorhanden, daß die Regierung Marx den Augenblick für gekommen hielt, um gegen die Grundlagen des Versailler Vertrages vorzugehen; denn dieser Vertrag hat feine moralische Stütze in Deutschlands Verantwortung für den Weltkrieg.
Paris, 19. Sept. Mit der Rede des Reichspräsidenten in Tannenberg beschäftigen sich bis jetzt nur wenige Blätter. Der sozialistische „Peuple" stellt die Feier bei Doaumont der an Tannenberg gegenüber und erklärt Marschall Pètain habe in der Rettung des Ideals der Zivilisation durch die Intellektuellen gesprochen, Hindenburg habe erklärt, daß Deutschland für den Krieg nicht verantwortlich sei. Die ganze nationalistische Presse in Frankreich werde heftig protestieren und daran erinnern, daß Deutschland allein den Krieg gewollt habe und der einzige Verantwortliche in der Geschichte sei und dergleichen mehr. Wir, so fährt das Blatt fort, ind der Ansicht, daß diese politisch-militärischen Kundgebungen zehn Jahre nach dem Waffenstill- tand, sehr überflüssig sind. Es gibt überhaupt hier wie in Deutschland anderes zu sagen und zu tun. Der Geist von Verdun und der Geist von Tannenberg können nicht ohne Gefahr in den beiden Ländern kultiviert werden. Es wäre besser den Geist des Völkerbundes zu entwickeln und sich entschlossen der Zukunft der Wiederversöhnung und bem Frieden zuzuwenden, anstatt mit Wohlgefallen kriegerische Erinnerungen wach zu rufen.
Der „Figaro" schreibt, den Versailler Vertrag zunichte zu machen und die Frage der Kriegsver- antwortlichkeit wieder aufzurollen, das schlägt der Reichspräsident feierlichst vor. Die Stunde ist glücklicherweise noch nicht gekommen, in diesem Punkte nachzugeben.
Vielleicht sei es gut, daß die Aussprache von Tannenberg uns noch einmal, mehr offiziell, bie wahre Sprache Deutschlands zu Gehör gebracht hat.
Vâeavè an ÄmeviSK.
Paris, 18. Sept. Auf einem von der französi- chen Regierung zu Ehren der amerikani - chen Legion gegebenen Bankett hielt der Be- ehlshaber der Legion, Savage, eine Rede, in Der er auf die demokratische Zusammensetzung der Legion hinwies. Ihr Ziel fei gemäß ihrem Statut die Festigung des Friedens und die Verteidigung der Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie. — Namens der französischen Regierung begrüßte Ministerpräsident P o i n c a r é die amerikanische Legion. Er hob den Anteil des amerikanischen Heeres am Kriege hervor und schilderte die Gründe der Vereinigten Staaten, schließlich in den Krieg einzugreifen. Er erklärte hierbei, es sei wahrscheinlich, daß sie sich abseits gehalten hätten, wenn sie nicht die Notwendigkeit empfunden hätten, eine Reihe beleidigender Herausforderungen anzunehmen, die ihnen das verblendete Deutschland hingeworfen habe. Poincars ging dann auf die Frage des Ll-Bootkrieges ein und erklärte, am 10. Febr. 917 fei die „California" torpediert worden, wobei Drei amerikanische Kinder ums Leben gekommen eien. Gleichzeitig habe das Hohenzollernreich in Mexiko üble Intrigen gegen die Vereinigten Staaten anzuzetteln gesucht. Das sei zu viel gewesen.