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Samstag den 17. September 1927
Nr. 218
Tannenberg.
Ine Denkmalsweihe am < SsNSembev 1Y2S.
Am morgigen Sonntag steht der Reichspräsident Hindenburg an der Stelle, an der er als General der Infanterie vom 28. bis 31. August 1914 die Schlacht von Tannenberg schlug. Ein ragender Bau, (siehe unser Bild), soll den Platz als Erinnerungs- mal werten. Am zehnten Jahrestage der Schlacht wurde hier auf der blutgetränkten Erde ein steinerner Löwe enthüllt. Der soll nun in das wehrhafte Rund des neuen Tannenbergdenkmals verpflanzt werden. Acht Türme umgeben ihn dann, deren jeder einzelne feinen besonderen Namen, seine be- sondere Widmung trägt. Einer ist vom Feldmar- schall geweiht, einer den anderen Generalen, einer der deutschen Jugend, einer den Fahnen, und doch alle dem ganzen Volke, das Gut und Blut der Heimat und den kommenden Geschlechtern darbrachte. Hindenburg wird die Einweihung vollziehen. Die dankbare Liebe seines Volkes hat ihn an den Platz gestellt, der ihm gebührt: als Reichspräsident, als Haupt Deutschlands betritt er wieder den Boden, den er als General in einer Zeit schwerster Not von räuberischen Fendcshorden gesäubert hatte.
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Dem soeben in der Schriftenreihe „Schlachten des Weltkrieges" (Dertriebstelle amtlicher Schriften des Reichsarchivs, München, Landwehrstraße 61) erschienenen Band „Tannenberg" folgende Szenen die Geist und Erleben jener Tage schildern:
Der Kampf einer deutschen Minderheit gegen die von Süden und Osten gleichzeitig gegen Ostpreußen erwarteten Russen war im Frieden im großen Ge- neralstabe unter dem Grafen Schliessen wie unter seinem Nachfolger Gegenstand von Generalstabsreisen, Kriegsspielen und Uebungsaufgaben gewesen. Als einzig mögliche Lösung hatte sich immer wieder ergeben, eine der russischen Armeen nach der anderen anzugreisen und zu schlagen. Das Gebiet der Masurischen Seen mit der kleinen Sperrfestung Lötzen spielten dabei eine wesentliche Rolle, denn es zwang die vorrückenden russischen Massen, sich zu trennen. Ohne löhnen Wagemut und schnelles Zu- fassen, ohne zuversichtliche und zielsichere Führung einerseits und höchste Leistungsfähigkeit und An- grisfssteudigkeit der Truppe andererseits war die Lösung der Aufgabe aber unmöglich.
Im Großen Hauptquartier zu Koblenz hatte man am 20. August gute Nachrichten vom Siande des bei Gumbinnen entbrannten Kampfes. Der Schlag gegen Rennenkampf schien zu gelingen; gleichzeitig lagen Nachrichten vom Siege in Lothringen vor, der deutsche rechte Heeresflügel war in Brüssel eingerückt. Da schlug — wie der Blitz aus heiterem Himmel — in der Nacht zum 21. August die Meldung Generals v. Prittwitz ein, die lautete: „Da starke Kräfte von Warschau—Pultusk—Lomscha im Vormarsch, kann ich die Lage vor meiner Front nicht ausnutzen und trete noch in der Nacht Rückmarsch nach Westen an. Soviel als möglich Bahntransport." Damit brachen alle Hoffnungen zusammen, die die bisherigen zuversichtlichen Nachrichten über die Lage bei Gumbinnen erweckt hatten. Man sah, was kommen mußte, wenn der gemeldete Entschluß durchgeführt wurde: Die russische Uebermacht in Ostpreußen würde sich zu einer geschlossenen Masse vereinigen und die schwachen deutschen Kräfte hinter die Weichsel zurückdrängen. Die den Oesterreichern und Ungarn zugesagte Fesselung der gegen Ostpreußen angesetzten russischen Kräfte und vollends der von ihnen erwartete deutsche Vorstoß aus Ostpreußen nach Polen hinein wurde unmöglich. Wie würde das aus die Lage der Bundesgenossen wirken? — Was würde aus Ostpreußen?
SoF der Abfahrt des Oberbefehlshabers, des Gene- rals von Hindenburg von Riesenburg gelangte ein wichtiger russischer Funkspruch zur Kenntnis des Oberbefehlshabers. Er enthielt einen Befehl Rennenkampfs, der leichtfertigerweise unverziffert gefunkt worden war und als Dormarschziel der Njemenarmee die Linie Gerdauen —Allenburg— Wehlau gab, und nun, ein eigenartiger Glücksfall:
nur wenige Stunden später hatte die Funkstation des Armeeoberkommandos auch einen vollständigen Befehl der Narew-Armee aufgefangen. Er wurde in Löbau von Oberstleutnant Hoffmann in Empfang genommen, der ihn aus seinem fahrenden Kraftwagen in den ebenfalls fahrenden Kraftwagen des Oberbefehlshabers hinüberreichte. So wurden un
mittelbar vor Beginn der Schlachtaufstellung die nächsten Absichten des Feindes dem deutschen Führer bekannt. Seine Entschlüsse sind dadurch nicht mehr beeinflußt worden; wohl aber wurde die Zuversicht gehoben, denn es war jetzt klar, daß der Gegner die deutschen Absichten und die ihm drohende Gefahr bisher nicht erkannt hatte.
Am 25. August abends hatte General von Hin denburg den letzten Mann und das letzte Geschüi seiner Armee in Marsch gesetzt gegen die russisch Narew-Armee, gegen die er die Entscheidungsschlach schlagen wollte. Am nächsten Morgen mußte es zun Kampfe kommen; aber nicht mehr der Gegnei zwang den Kampf auf, folgern er wurde von bei deutschen Führung bewußt herbeigeführt.
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Die Abwehr gegen die Njemen-Armee lag in bei Hand der kleinen Festung Lotzen. Den Weg zwischen den Masurischen Seen hindurch sperrten bis Anlagen von Lötzen mit der von Wasser umschlossenen Feste Doyen als Kern werk; nur 4^ Bataillon« Landwehr und Landsturm und einige Batterien standen als Besatzung zur Verfügung. Seit dem 25. August lag Boyen wie ein einzelner Fels im Rücken der vordringenden Russenflut; im Süden
-m 'Torben marschierte der Feind um die Seen herum. Da näherte sich am 27. August ein russischer Parlamentär dem Vorposten der Ostfront, um die Uebergabe zu fordern. Die stolze aber selbstver- ständliche Antwort des Kommandanten, Obersts Busse, lautete: „Was Ihre Aufforderung betrifft, die Festung zu übergeben, so weise ich dieselbe für mich und meine tapfere Besatzung als im höchsten Grade beleidigend zurück. Die Feste Doyen wird nur als Trümmerhaufen übergeben." Der nach die- ser Ablehnung erwartete Angriff des Gegners blieb aus.
Der Kampf bei Puchallowen in der Nacht zumi 31. August war der letzte russische Versuch gewesen, den deutschen Einschließungsring zu durchbrechen. Mancher Russe steckte noch in den großen Wäldern, imb der eine oder andere von ihnen mag bei Nacht und Nebel auch noch über die Grenze entwischt sein.. Die Masse aber wurde in den nächsten Tagen beim planmäßigen Absuchen der Waldungen ausge- ■ griffen oder ergab sich, von Hunger geplagt und an Rettung verzweifelnd, den deutschen Truppen.
Es ist schwer, sich ein richtiges Bild von her Freude und der Begeisterung der Truppen zu ma- - chen, die die ungeheure Beute damals selbst ein- heimsen durften. Sie hatten die Früchte des großen Sieges unmittelbar vor Augen. Als am 31. August, so schildert es Oberstleutnant Martens, im Laufe des Vormittags bekannt wurde, daß die Rusten bei Neidenburg wieder Kehrt gemacht hatten, unb unsere Aufgabe nur noch Pferdefangen und Beutesammeln war, da kam uns voll zum Bewußtsein.' daß wir keinen „ordniären" Sieg erlebt hatten, daß diese Schlacht ein Kannä war.
Seit dem Nachmittag des 28. August war kein I Zweifel mehr gewesen, daß ein voller Sieg über die russische Narew-Armee errungen war. Als Generalmajor Ludendorff damals bei Frögenau den Armeebefehl diktierte, hatte Oberstleutnant Hoffmann vorgeschlagen, als Ausgabeort statt Frö- genau den historischen Namen des vor ihnen liegen- den Tannenberg zu wählen. Gern war die Anregung ausgenommen worden. Man stand nur etwa 1000 Meter entfernt von dem Gedenkstein, der an den ungleichen Kampf erinnert, in dem einst auf den Heideflächen westlich des Dorfes Tannenberg der deutsche Orden gegen Polen pnd Litauer unterlegen war. Der Stein trägt die Aufschrift: „Im Kampf für deutsches Wesen, deutsches Recht fand hier der Hochmeister Ulrich von Jungingen am 15. Juli 1410 den Heldentod." Wo vor 500 Jahren die Herrschaft des Ordens zusammengebrochen war, der dem Lande östlich der Weichsel das Christentum gebracht, den Ackerboden dem Urwald abgerungen rnd damit die Grundlage für Gesittung und Wohltand geschaffen hatte, da war jetzt neuer slawischer Einbruch von deutschen Truppen mit dem Schwerte abgewiesen worden.
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