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Uv. 122
Sveitas de«
16* September
1922
NaS LsSMZUs.
— Die Völkerbundsversammlung lehnte die Wiederwählbarkeit Belgiens in den Rat ab. Zu nichtständigen Ratsmitgliedern wurden Kuba Zinnland und Kanada gewählt.
— Der Aeltestenrat des Reichstags setzte die lächste Reichstagssitzung auf den 17. Oktober fest.'
— Das Reichskabinett befaßte sich in feiner | jeftrigen Sitzung mit der Besoldungsfrage. Ein -ndgültiger Beschluß wurde noch nicht gefaßt.
— Die Mehreinnahmen aus der Porto- rhöhung werden vom Reichspostminister für das fahr 1927/28 auf 146 Millionen geschätzt.
— Könnecke beabsichtigt mit Graf Solms einen st großen Ostlandflug.
— Sie an der Brotversorgung in Bayern be- Ä siligten Organisationen haben an den Reichs- rnährungsminister ein Telegramm gerichtet, in ‘ein sie um sofortige Maßnahmen gegen eine oettere Ausfuhr einheimischen Brotgetreides nach lern Ausland ersuchen.
Die Ge«fev Ratswahl.
Im vorigen Jahre ist in Verbindung mit iem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund n langwierigen Verhandlungen ein neues System für die Wahl der nichtständigen Rats- nitglieder ausgeklügelt worden. ■ Die Zahl ieser Mitglieder wurde auf neun erhöht und s wurde bestimmt, daß in jedem Jahre drei üchtständige Mitglieder ausscheiden und durch i r.eue ersetzt werden. Durch diesen Turnus » oUte möglichst vielen der kleinen und mittleren tzölkerbundsstaaten Gelegenheit geboten werden, einmal einen Sitz im Rate einzunehmen. Deshalb fügte man den Bestimmungen bei, daß I ie Wiederwählbarkeit eines ausscheidenden Mitgliedes nur mit Zweidrittel-Mehrheit 8 täglich sein solle. Das neue Wahlsystem hat in - iesem Jahre seine erste praktische Probe beenden. Um den Turnus in Bewegung zu eßen, sind im vorigen Jahre drei nichtständige Nitglieder — Belgien, die Tschechoslowakei «ftmd Eouador — nur auf ein Jahr gewählt worden. Sie scheiden also in diesem Jahre aus nd mußten am Donnerstag in Genf durch Neuwahl ersetzt werden.
Die erste praktische Probe des neuen Wahl- hstems hatte vor allen Dingen in negativer Beziehung ein bemerkenswertes Ergebnis. Zewiß richtete sich das Interesse in hohem Naße auch auf diejenigen Staaten, die als die ussichtsreichsten Kandidaten genannt wurden: kuba, Finnland uyd Kanada. Wichtiger er- chien aber doch die Frage, ob es Belgien elingen werde, seinen Sitz als nichtständiges iatsmitglied zu behalten. Belgien war das tf inzige von den ausscheidenden drei Mitliedern, das sich um die Wiederwahl bewarb, lemgemäß hatte die Völkerbundsversammlung m Donnerstag zunächst die Vorfrage zu ent- cheiden, ob Belgien die Wiederwählbarkeit zu- rkannt werden solle. Diese Frage ist nur 'on 29 Stimmen bejaht worden, so daß die otwendige Zweidrittelmehrheit von 32 Stimmen nicht erreicht war. Der belgische Hauptelegierte Vandervelde war Diplomat genug, im sich in den unfreiwilligen Verzicht Belgiens uif den Ratssitz mit Würde zu fügen. Er er- lärte, er fasse das Votum der Versammlung icht als eine Maßnahme gegen Belgien, fon= • ern als eine grundsätzliche Kundgebung auf. Nan erledigt in Genf peinliche Zwischenfälle ieser Art immer mit einem Austausch von löslichkeiten und schönen Worten, auch wenn es ch in Wirklichkeit um eine Intrige und un= reundliche Gesinnung handelt. So auch in dem orliegenden Falle. Als man im vorigen fahre die sofortige Wiederwahl eines aus- cheidenden Ratsmitgliedes zuließ, wollte man amit gewissermaßen eine Prämie zur Beloh- ung besonderer, dem Rate geleisteter Dienste chaffen. Belgien bewarb sich um die Wieder- mhlbarkeit, glaubte also einen Anspruch auf ine solche Prämie zu haben. Die Vollver- ammlung hat aber in anderm Sinne ntschieden und damit einen Beschluß gefaßt, er nicht etwa eine grundsätzliche Bedeutung at, sondern sich in diesem besonderen Falle egen den Antragsteller, d. h. gegen Belgien ichtet. Darüber kann auch die diplomatische lebe Vanderoeldes nicht hinwegtäuschen.
Der ablehnende Beschluß der Völkerbunds- ersammlung gegen die Wiederwahl Belgiens at in Genf allgemein überrascht. Vandervelde t als der Delegierte Belgiens in den Völker- undskreisen sehr beliebt und seine Dienste
Belgiens Wiederwahl vom VSlkeebnnd abselehnt.
Wären ssnd dke Tfchecho?Sowa8er schskden als nrchiMttdZse LMtsSßedev aus dem Kat. - KSnuland- âauava und âuda werden ueusewShlt.
von 48 nuv LV Stimmen füs WsIsèen.
Genf, 15. Sept. Präsident Guani eröffnete um 10.20 Uhr die heutige Vollsitzung der Völkerbundsversammlung, auf deren Tagesordnung nur die Ab- ftimmung über den belgischen Antrag auf Wiederwählbarkeit steht. Die Sitzung wurde eröffnet mit einer Begrüßung des Präsidenten der Republik Liberia, der vorgestern hier eingetrofsen ist und heute neben dem ständigen Delegierten Liberias, Baron Lehmann, auf den Delegiertenplätzen seinen Sitz eingenommen hat. Da er ein Staatsoberhaupt ist, begrüßte ihn Präsident Guani besonders feierlich, worauf sich der schwarze Staatschef dankend und sehr würdevoll nach allen Seiten verneigte.
Dann verlas Guani das Reglement über die Ab- ftimmung für die Wiederwählbarkeitserklärung, und der Aufmarsch der Delegierten zur Tribüne begann, da die Abstimmung geschäftsordnungsgemäß geheim erfolgt. Die Abstimmung ergab von den 48 abgegebenen Stimmen 29 für den belgischen Antrag, der damit abgelehnt ist, da er die notwendige Zweidrittelmehrheit, die 32 Stimmen betragen hätte, nicht erhalten hat.
Nach Verkündigung des Abstimmungsergebnisses betrat Vandervelde die Tribüne, um eine kurze Erklärung abzugeben, dahin lautend, Belgien habe feine Kandidatur nach Ablauf seiner Rats- periode auf Wunsch einer Anzahl anderer, besonders der Locarnomächte, aufgestellt. Die Mehrheit habe sich dagegen entschieden, so führte er aus, die belgische Dcleaanon sci aber durchras davon überzeugt, daß das negative Votum auf Grundsätze zurückgehe, die durchaus achtenswert seien und nichts mit irgendwelchen unfreundlichen Gefühlen gegen Belgien zu tun hätten. , Weiter mcdib ich erklären," fuhr Vandervelde fort, „daß dieses Abstimmungs- erg brm uns in keiner Weise hindern wird, in der aktivsten, aufrichtigsten und entschiedensten Mitarbeit an dem großen Werk des Völkerbundes iortzufah- ren, wie <r> der Vergangenheit. Während dieser Erklärung und nach ihrer Beendigung wurde Vandervelde ein außergewöhnlich lebhafter Beifall zuteil.
Die Sitzung wurde nach der Erklärung Vander- vsldes geschlossen
Die MahS des nSchMSndrgen Wii- sSèedes zum VMSesdnndsvat.
wurde heute um 18 Uhr vorgenommen. Der Versammlungssaal war besetzt wie nur an ganz großen Tagen. Präsident Guani verlas nach Eröffnung der Sitzung die geschäftsordnungsmäßigen Bestimmungen über die Wahl. Zu Stimmenzählern ernannte er den englischen Außenminister Chamberlain und den deutschen Außenminister Stresemann, die beide von der Versammlung, als sie an den Zähltisch sich begaben, mit Heiterkeit und Beifall begrüßt wurden. Sia Defiliercour der Delegationsführer an der Trübüne vollzog sich wie gewöhnlich. Die Wahl ist geheim. Gewählt sind im ersten Wahlgang nur diejenigen Staaten, die eine absolute Mehrheit aller gültigen Stimmen erhalten. Dementsprechend verkündete Präsident Guani um 18.30 Uhr, daß als nichtständige Ratsmitglieder gewählt worden sind: Kuba mit 43 Stimmen, Finnland mit 33 und Kanada mit 26 Stimmen. Abgegeben wurden 49 Stimmen. Weiter entfielen: auf Griechenland 23, auf Portugal 16, auf Uruguay 3, auf Dänemark 2 und auf Siam 1 Stimme. Die drei neuen Mitglieder, die in den Rat einziehen werden,
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werden gerade von den kleineren und mittleren Staaten sehr stark in Anspruch genommen. Man hielt deshalb die Anwartschaft Belgiens auf Wiederwahl für vollständig gesichert. Es scheinen allerdings Anfang dieser Woche gewisse Bedenken aufgestiegen zu sein. Die französische Delegation ist den in Aussicht genommenen Sonderbesprechungen der Locarnomächte nach ihren eigenen Aeußerungen deshalb ausgewichen, weil man den kleineren und mittleren Nationen nicht neuen Stoff zu Beschwerden über die Sonderkonferenzen der Großmächte geben wollte. Das geschah wohl besonders im Hinblick auf den damals bevorstehenden Wahltag. Frankreich unterstützte sehr stark die Bewerbung Belgiens um eine Verlängerung seines Mandates im Völkerbundsrate. Deshalb glaubte die französische Delegation auf die Mißstimmung, die im Lager der kleinen Nationen herrschte, besondere Rücksichten nehmen zu müssen. Der Donnerstag hat dann freilich, gezeigt, daß auch damit die Situation für Belgien nicht mehr gerettet werden konnte. Wie es scheint, haben die Ver
sind wahrscheinlich für Kuba der bekannte Gesandte der kubanischen Republik in Berlin und Wien, Aguero y Bethancourt, für Finnland wahrscheinlich der Gesandte in Bern, Professor der Statswissen- schaften Dr. Erich, und für Kanada der Senator Dandurand, der Präsident der 6. Völkerbundsversammlung war.
Nach Beendigung der Wahlhandlung gab der Vertreter Persiens wie in den letzten Jahren bei dieser Ratswahl eine Erklärung ab, wonach die asiatischen Völker Anspruch auf einen Sitz im Rate erheben, Persien als deren Wortführer jedoch im Hinblick auf die komplizierte allgemeine Lage in diesem Jahre von der Geltendmachung des Anspruches abgesehen habe und sich vorbehalte, in der, kommenden Völkerbundsversammlung darauf zurückzugreifen.
Diè Dahlsihung halte mit einem kleinen Zwischenfall begonnen. Als Dr. Stresemann und Chamberlain, die zu Wahlprüsern ernannt worden waren, sich gemeinsam auf die Rednertribüne begaben, und das Profil zum Saal gewandt, auf 50 Zentimeter Abstand, gleich als ob sie sich zu einer der in diesem Tage viel kritisierten Groß- mächtekonvenlikel niederließen, einander gegenüber an den kleinen Tischen Platz nahmen, auf denen die Stimmen gezählt wurden, bemächtigte sich der Versammlung derartige Heiterkeit, daß sie zuerst in lautes Lachen und dann in spontanen Applaus ausbrach. Diese Heiterkeit und dieser Beifall steigerten sich noch, als bei der namentlichen- Abstimmung Briand an ihrem Tisch vorbeikam und Chamberlain anstatt der ihm entgegengeftreckten Hand Briands dessen Rockzipfel ergriff.
ÄnsÄnftèse KaissniMsidnns füs Nanzès irr Bee LVEseWEeßSKHS.
Das Hauptinteresse der Vormittagssitzung des Rates beanspruchte die Danziger Frage; die Hauptfrage zu Danzigs Antrag auf Verlegung des Munitionsdepots von der Westerplatte war einem Juristenausschuß übergeben worden, der zunächst lediglich zu prüfen hatte, ob die Aufhebung eines früheren Ratsbeschlusses zulässig sei. Der Rat hat Danzig gegenüber anerkannt, daß Ratsbeschlüsse beim Vorliegen neuer Tatsachen nachzuprüfen ^ind. Die heutige Entscheidung des Rates ist aber insofern nicht günstig, weil Danzig aus formellen und juristischen Gründen gezwungen wird, ein neues Verfahren vor bem Völkerbundskommissar in Danzig zu beginnen.
Die Frage der Exterritorialität der Westerplatte und das Klagcrecht Danziger Staatsangehöriger im polnischen Eisenbahndienst vor Danziger Gerichten, erstere auf Antrag von Dr. Stresemann, wurden vertagt, sollen aber noch im Laufe der jetzigen Session, also vom neuen ^Rat, entschieden werden.
Die Entscheidung des Völkerbundsrates hat für Danzig eine positive und eine negative Seite. Positiv ist die Feststellung des Völkerbundsrates, daß seine bisherigen Entscheidungen, also auch die über die Westerplatte bei Vorlage neuer Tatsachen, wie dies gegenwärtig durch den Ausbau des Edinger Hafens der Fall ist, prinzipiell abgeändert werden können. Negativ ist die Entscheidung des Rates in der Hinsicht, daß Danzig das Streitverfahren nunmehr von neuem bei dem Danziger Völkerbundskommissar in Danzig eröffnen muß. Dem Gutachten wird juristisch allgemein weitgehende Bedeutung beigemessen, da es eine Reihe bedeutungsvoller Beiträge zu dem Prozeßrecht des Völkerbundes enthält.
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treter der kleinen und mittleren Mächte gegen die Wiederwählbarkeit Belgiens gestimmt, weil sie sich von der französischen Parole los- losen und nicht für den Kandidaten einer Großmacht eintreten wollen. So kann man wohl annehmen, daß sich das Votum der Völkerbundsversammlung gegen Belgien als den Schützling Frankreichs richtet und daß die. kleineren Nationen sich hier zusammengefunden haben, um einmal ihren eigenen Willen gegen einen im Grunde genommen garnicht vorhandenen Konzern der Großmächte durchzusetzen. Wir haben keinerlei Veranlassung, an dieser Kundgebung irgendwelchen Anstoß ,u nehmen oder irgendwie Partei zu ergreifen.
Dev ^TemM" zuv Kede WevnsiosM.
Paris, 15. Sept. Der „Temps" veröffentlicht einen heftigen Artikel gegen die- gestrigen Ausführungen des Grafen Bernstorff in der 3. Kommission des Völkerbundes. Nach feiner Ansicht ist im Versailler Vertrag nicht ein Wort enthalten, aus dem man herleiten konnte. dak Deutschland
seiner Entwaffnungsverpflichtung ledig wäre, wenn die allgemeine Entwaffnung nicht vollzogen wird.
Ganz abgesehen davon,' daß Graf Bernstorff eine derartige Behauptung nicht ausgestellt hat, sucht das Blatt die P-'u.ubel zu Abschnitt 5 des Versailler Vertrags < aSurch eigenartig auszulegen, daß es den Hauptwerk auf das Wort „vorbereitet" legt, mit anderen Worten, in spitzfindiger Weise sucht der „Temps" zu erklären, man brauche nur eine allgemeine Abrüstungsbeschränkung vorzubereiten und habe damit, selbst wenn man zur Durchführung Jahrzehnte brauche, dem Vertragstext Genüge geleistet. Im Munde eines Blattes, das von der genauen Erfüllung des Versailler Vertrages nach seinem Buchstaben und nach seinem Geist so oft zu schreiben pflegt, nimmt sich diese Textesauslegung recht seltsam aus. Im übrigen fährt der „Temps" fort: „Die Deutschen sind wirklich nicht diejenigen, die sich darüber beklagen dürfen, daß die Sache der Abrüstung nicht genügend rasch voranschreite. Sie vergessen, was notwendig gewesen ist, um sie selbst soweit zu bringen, den Verpflichtungen ihrer eigenen Entwaffnung zu entsprechen. Außerdem stellt die materielle Entwaffnung nicht eine wirkliche Sicherheitsgarantie für Europa dar, da sie nicht parallel mit einer aufrichtigen moralischen Abrüstung vor sich gegangen ist. Die nationalistische Propaganda und die reaktionäre Machenschaften, der Revanchegeist, der in den deutschen Schulbüchern unterhalten und gefördert wird, alles das beweist nur zu sehr, daß die Friedensgedanken sich noch nicht in der Gesamtheit des deutschen Volkes durchgesetzt haben. Die Entwaffnung besteht nicht allein darin, Gewehre und Kanonen abzuschaffen, sie ist nur in dem Maße vorhanden, als es gelingt, den Haß in den Herzen der Völker zu ersticken. Die Ereignisse beweisen, daß das deutsche Volk noch nicht so weit ist. (Auf welcher Seite die Haßprediger zu suchen sind, haben die letzten Reden in Belgien gezeigt. S. Red.)
Die WdââMWsmmMsn
Der „Franks. Ztg." wird aus Wiesbaden gebet: Von den Städten Wiesbaden und Mainz, denen die Anlage des gemeinsamen Flugplatzes von der Rheinlandkommifsion kürzlich genehmigt worden ist, war ein Junckersflugzeug engagiert, das in beiden Städten zu Propagandazwecken Rddfiüge unternehmen sollte. Professor Junckers beabsichtigte nun, mit diesem Flugzeug von Dessau heute abzufliegen und um 5 Uhr in Mainz einzu treffen, um diese Flüge bei Gelegenheit des von Freitag bis Montag hier tagenden Kongresses der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt auszuführen. Sie sollten bis in den Rheingau ausgedehnt werden. Ohne jede Begründung sind dieser Ausflug und die Rundflüge von der Rheinlandkommission verboten worden, obschon die Luftschiffahrt im besetzten Gebiet durch das Pariser Abkommen vom vorigen Jahre freigegeben ist. Daß aber diese Freigabe nur auf dem Papier steht und praktisch gar nicht in Wirksamkeit getreten ist, zeigt dieses Verbot, das hier den stärksten Unwillen in allen Kreisen und berechtigte Kritik erfährt.
Ein weit schlimmeres Verbot betrifft 20 3t e i d) s= w e h r o f f i zi e r e, denen die Einreise zu dieser Wiesbadener Tagung untersagt ist, obschon die Bestrebungen der Gesellschaft für Luftfahrt nur eben der rein wissenschaftlichen Erforschung der Luftschiffahrt dienen. An diesem Verbot tragen vor allem, wie wir hören, die Franzosen die Schuld, die den schärfsten Einspruch gegen die Einreise er-- hoben haben, um deren Genehmigung sich die englische Botschaft in Berlin in anerkennender Weise leider aber vergeblich bemüht hat.
Wiesbaden, 16. Sept. Die Geschäftsstelle der wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt bestätigt die Zeitungsmeldung, daß die anläßlich der Tagung der wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt in Wiesbaden beabsichtigten Schauflüge von der Rheinlandkommission verboten worden sind. Bei diesen Schauflügen hatte es sich um eine reine Propagandaveranstaltung gehandelt. Außerdem sollte gezeigt werden, daß auch die Landung eines Wasserflugzeuges in Mainz möglich ist. Desgleichen bestätigt sich die Nachricht, daß 20 Reichswöhroffizis- ren die Einreiseerlaubnis nach dem besetzten Gebiet zur Tagung der wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt verboten worden ist, obwohl nach dem Pariser Abkommen mehr als 20 Reichswehrofsiziere als Flieger augebildet werden dürfen.
KerchstassbesiNK am 12. Sktbv.
Der Aeltestenrat des Reichstages trat am Donnerstag mittag nochmals zusammen, um über den Termin der Einberufung des Reichstages zu beraten. Bei Beginn der Sitzung stellte der Reichstagspräsident Löbe fest, daß der Reichsinnenminister D? Seubell keinen Vorwurf gegen die preußische Regierung wegen der Verzögerung der Vercchschiedung des Reichsschulgesetzes erhoben habe. Der Aeltestenrat schloß sich einstimmig dieser Feststellung an. Ein Antrag der Kommunisten, den Reichstag noch im September einzuberufen und ihn über die Heraufsetzung der Mieten und der Krisenfürsorge beraten zu lassen, fand nur die Zustimmung der Sozialdemokraten und Demokraten, wurde also abgelehnt. Es wurde beschlossen, den Reichstag zum 17. Okto- ber einzuberufen und davon nur Abstand zu nehmen, wenn das Reichsschulgesetz auch dann noch nicht vorliegen sollte. Ein demokratischer Antrag, auf die Tagesordnung das Klöinrentnerg«setz au