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Samstag oen io. September 1927
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Aus Mee tveilt.
Vev ^amvf sesett dis deuifchs Schule M poMifch-GÄ-reKen.
Saltowlh, 9 Sept. In der am Donnerstag abend Kattowiy' stattgefundenen Stadtverordnetenver- mmlung kam es zueiner unerwartet heftigen useinandersetzung zwischen der deutschen und der jlnHÂen Fraktion wegen der Errichtung der unter. >n Klassen der Mittelschulen. Nachdem der Ma- strat den letzten Beschluß wegen der Errichtung r untersten Klasse in der Mittelschule nur teil- eife ausaëführt hat, wurde von der deutschen Irak- )n der Antrag eingebracht, in den deutschen und den polnischen Schulen eine den Neuanmeldun- n entsprechende Zahl von Klassen zu errichten.
Die polnische Fraktion erklärte, diesem Antrag cht zustimmen zu können, worauf von dem deuten Sprecher erklärt wurde, daß man die Deutzen nicht zwingen sollte, ihr Recht wiederum vor m Forum des Völkerbundes geltend zu machen, ls von der deutschen Fraktion namentliche Ab- mmung über den Antrag verlangt wurde, ner« chen die polnischen Stadtverordneten unter chmährufen den Saal, worauf die deutschen Stadt- rordneten die Beratungen allein fortzsetzten.
Nach einer Weile erschien ein Delegierter der Mischen Fraktion und erklärte in deren Namen, iß man den deutschen Antrag als eine Provo- äion ansehe und in Zukunft die polnische Fraktion b an keiner Sitzung mehr beteiligen werde. Jog- che Weiterarbeit mit den Deutschen wurde ab- .'lehnt.
Dieser Vorfall beweist erneut, mit welchen Mit- ln die Polen gegen die Deutschen und gegen jede lchliche Arbeit vorgehen.
21 LodeSovkev dev Srsanftüse im S^W 192S.
Rewyork, 9. Sept. Das Marinedepartement in Washington hat mehr als 100 Briefe erhalten, in enen gefordert wird, den Fliegern Schlee und Brock a untersagen, den Flug von Japan über Hawai nach >an Francisko fortzusetzen, da dieser nach den bis- erigen Erfahrungen geradezu als ein Selbstmord- ersuch taxiert werden müsse. Der Unterstaatssekretär ur das Marineflugwesen Robinson hat daraufhin altgeteilt, daß er persönlich diese Auffassung auch eile, daß er aber kein Mittel in den Händen habe, NN Privatfliegern irgend einen Flug zu verbieten, gleichwohl hat sich innerhalb der Presse der Wille ur eine Reglementierung der Fernflüge verstärkt. Insbesondere hat sich auch der Präsident des Bundes ur Förderung der Luftschiffahrt, Guggenheim, dahin ausgesprochen und gefordert, daß jedes Flugzeug, levor ihm die Fahrterlaubnis zu einem Fernflug gegeben werde, eine behördliche Genehmigung erhatte. Durch den tragischen Ausgang der letzten Ozean- lluge habe die Luftschiffahrt absolut keine Förderung erfahren, da zumeist Sensationshunger die treibende Kraft gewesen sei.
Die Zeitungen weisen darauf hin, daß seit Mai 1 V-21 Sieger bei den Ozeanflügen ihr Leben ein- tebußt haben; zunächst drei französische Flieger an üBorb des „Goliath", die nach Rio de Janeiro fliegen Voltten, dann Nungesser und doli, dann sieben Amerikaner bei dem Versuch, Honolulu zu erreichen, )ann der Amerikaner Redfern, der von Newyork mch Rko be Janeiro aufgestiegen war, schließlich die drei Insassen des „St. Raphael", die drei Insassen der „Oold Glory" und die zwei Insassen des „Sir John Carling.
SsrsLÄrsdZsUSts des deutschen OseemMessV uutLeeinKudeV. kein deutscher Startversuch in diesem Jahre mehr. ... ®f5^'r^ Sept fftne Riesige Korrespondenz veröffentlicht folgende Mitteilung: Ein Beweis für den guten kameradschaftlichen Geist, der in den Reihen her deutschen Flieger herrscht, die die Ueberfliegung des Atlantychen Ozeans versuchen wollen, ist die Tatsache, daß auf Grund einer offenen Verständigung alle Flieger zu dem Entschluß gekommen sind, )as Experiment in diesem Jahre zu Unterlassen. Wahrscheinlich werden die Iunkersflieger Loose und Kohl in einer Erklä- tung der Oessentlichkeit mitteilen, welche Gründe sie "wogen haben, daß Projekt bis zum nächsten Früh- lahr zu vertagen. Auch K ö n n e ck e, der heute vor- mlttag im Relchsverkehrsministerium Besprechungen hatte steht auf dem Standpunkt, daß angesichts der
s 9 U.,^k^lechter werdenden Witterung über dem Atlant! chen D.iean an ein- TinrAfr.hr..»»
yane peyt auf dem Standpunkt, daß angesichts der s9 U.'^k schlechter werdenden Witterung über dem Atlantischen Ozean an eine Durchführung des Fluges nicht gedacht werden kann und wird sei- nen Flug vorläufig aufgeben. Es wäre zu wünschen )aß dem außerordentlich tüchtigen Flieger die Mittel gewahrt wurden, die notwendig sind, um seine Ma- chlne wahrend der Wintermonate unterzubringen nid zu pflegen. Auch bei anderen Firmen, die Vor- lereitungen zum Amerika-Flug getroffen hatten, verden dem Verspiel folgen, in diesem Jahre keinen start mehr zu unternehmen. Seitens des Aeroklubs -lnd des Deutschen Luftfahrerverbandes wird übri- ^ns. wle wir hören, der Große Preis für die Ueber- Uiegung des Ozeans verlängert werden.
Die ^tgmle dev Lebensvettev.
Eine Schule, die in ihrer Art kaum ihresgleichen Sn%bfA ^' ^^ tn Shrinagar, der Hauptstadt von Kasthimr. Sie wurde 1890 von dem Reverend
23151:06 nach den Grundsätzen der pfadflnderbewegung gegründet, also lange bevor ?"s^ Bewegung in Europa bekannt wurde. Der K erschienene 1926er Jahresbericht stellt eine Schulerzahl von rund 1500 fest, die sich -iiemlick g eichmaßig auf Hindus und Mohammân?r verteilt. In ihm wird weniger Nachdruck aeleat
Waff“Ä ^'islungen der Schüler ob- vohl auch diele durchaus nicht vernachlässigt werden, rls auf soziale Düfeleistang und besonders Lebens- cettungen. Der Bericht kann mit Stolz 24 Fälle -iufzahlen, in denen allein im letzten Jahre Euro
päer oder Eingeborene durch Angehörige der Schule vom Tode des Ertrinkens gerettet wurden. Besonderer Wert wird nämlich der Schwimmfertigkeit der Knaben beigemessen, und da die Schulanlagen unmittelbar über einem reißenden Flusse gelegen sind, in den man von den Fenstern aus direkt hineinspringen kann, so ist diese Kunst auch sehr angebracht. Jeder über 13 Jahre alte Schüler muß schwimmen können, andernfalls wird das Schulgeld um ein Viertel erhöht. Bei vierzehnjährigen Nichtschwimmern beträgt die Erhöhung die Hälfte, bei fünfzehnjährigen wird der Betrag verdoppelt, bei 16jährigen vervierfacht, so daß es verständlich ist, daß Nichtschwimmer zu den größten Ausnahmen zählen. Anläßlich der alljährlich abgehaltenen großen Prüfungen gibt es eine ungewöhnliche Aufgabe: ein Wettrudern, bei dem die Bootsmannschaften an einer bestimmten Stelle ihr Boot umkippen, dann aber es wieder aufrichten, ausschöpfen, ihre Plätze erneut einnehmen und schließlich zum Ziel rudern müssen. — Der Umstand, daß Hindus und Mohammedaner vollkommen gleichberechtigt die Schule besuchen, trägt wesentlich zum Ausgleich der Gegensätze zwischen diesen sich sonst heftig befehdenden Rassen bei. Auch nimmt man an, daß durch den Einfluß der Schule die sonst übliche schlechte Behandlung — um nicht zu sagen Tierquälerei — besonders der Haustiere erheblich gemildert wird. Auch sonst werden die Schüler angehalten, in jeder Beziehung ein gutes Beispiel zu geben, insbesondere was die Dienstbereitschaft gegenüber Hilfsbedürftigen betrifft, eine Haltung, die im Osten nicht gerade vorherrschend ist. Zu diesem „sozialen Hilfsdienst" rechnet der Bericht, daß die Schüler Frauen und Kinder beim Tragen schwerer Lasten unterstützten, beim Holzzerkleinern halfen, verirrte Kinder wieder nach Hause brachten und — einer europäischen Dame, die mit ihren hohen Hacken eine steile Treppe nur schwer herunterkommen konnte, behilflich waren! — Neben dieser Schule für Knaben, deren Lehrkörper sich aus über 100 Europäern, Hindus und Eingeborenen von Kaschmir zusammensetzt, ist jetzt auch eine ähnliche Schule für Mädchen eingerichtet, die nach den gleichen Grundsätzen geleitet wird.
1,2 Millionen Mark für ein Pferd.
Der Hengst „Eall-Boy", der in diesem Jahre das britische Derby gewann, ist, wie der Testamentsverwalter des verstorbenen Besitzers Herrn Frank Curzon mitteilt für 60 000 Pfund (1,2 Millionen Mark) an Sir Mallaby-Deeley verkauft. Ursprünglich war beabsichtigt, alle Rennpferde des verstorbenen Mr. Frank Curzon auf einer Auktion zu New-Market im Oktober d. Js. zu verkaufen, und da eine Gefahr bestand, daß „Call-Boy" ins Ausland ging, so kaufte Sir Mallaby-Deeley das Pferd. Sir Mallaby ist übrigens ein Bruder des Mister Frank Curzon.
Gnu-Herden im Transvaal.
Durch die Dürre zur Verzweiflung getrieben sind große Arbeit von Gnus (eine ochienähnliche Anti- lopen-Art) aus der Wildnis in bewohnte Gebiete von Swazi-Lan» in Transvaal eingebrochen. Man fürchtet durch Tie-Tse-Flicgen Uebertragung der bei Den Gnus ausgebrochenen Rinderpest aur die Viehherden. Große Scharen von GnuS wurden von Jägertrupps umstellt und niedergeschossen. Die überlebenden, durchgebrochenen Tiere haben sich in das Zulu-Land geflüchlet. Hinter sich ließen sie große Gebiete völlig zerstampfter Felder.
Beim Training tödlich verunglückt:
Wien, 9. Sept. Wie aus Schottwien gemeldet wird, geriet ein Motorradfahrer aus Wien beim Training zu dem am Sonntag stattfindenden Semmeringrennen bei einer Kurve mit seiner Maschine ins Schleudern und fiel so unglücklich, daß er eine Verletzung der Wirbelsäule davon trug, die seinen Tod zur Folge hatte.
Die Lande.
Historische Skizze von Th. Bogel.
Das Regiment Riesch des Korps Giuley hielt am Abend des 14. Oktober 1813 unweit Lützen. Es kam aus den böhmischen Wäldern her, wohin es nach der Niederlage bei Dresden zurückgezogen, und von wo es in harten und schweren Eilmärschen den plötzlichen Befehlen der Oesterreichischen Heeresleitung zufolge mit den anderen Truppen nach Leipzig geworfen worden war.
Die Soldaten hatten die Gewehrkolben auf die vom herbstlichen Regen durchweichte Straße gestellt und hielten sich mühsam und müde an den Läufen aufrecht Weiter vorn an der Spitze der Kompagnien waren die Offiziere um den Obersten versam- melt, um den Heeresbefehl des morgigen Tages zu vernehmen. Es galt, das von den Franzosen besetzts Lützen zu nehmen, wie der Marschall Blücher am Nachmittag von Halle aus angeordnet hatte. Lützen war stark besetzt, es mußte am anderen Tage einen harten Kamvf geben. Die Offiziere standen mit ernsten Gesichtern und neigten die Köpfe. Der Oberst schwieg eine Weile und schaute beharrlich in das ihm übergebene Schreiben.
Die Herren möchten auseinandertreten und sich von ihren Leuten bei dem Regenwetter Hütten aus Sträuchern und Zweigen machen lassen, brumme er endlich undeutlich und hob die Hand zum Gruß.
Da aber trat ein blutjunger Leutnant vor, stand stramm und rief mit heller Stimme, daß es die nächsten Züge der müde und unbeweglich harrenden Soldaten gut genug hören konnten: „Halten zu Gnaden, Herr Oberst, unsere Leute sind erschöpft, und sintemalen es morgen ein heißer Tag sein wird, wage ich die Proposition, daß wir sie ruhen und schlafen lassen und uns gleich ihnen ohne Bedachung begnügen . . ."
Der Oberst hob ein wenig erstaunt den Kopf und wollte eine scharfe Antwort geben. Da er aber in das glühende und ehrliche Knabengesicht vor sich schaute, nickte er zustimmend:
„Bien messieurs — wir wollens halten wie es der Herr Leutnant vorgeschlagen hat . . ."
Darauf traten die Offiziere zurück zu ihren Kom- Jagnien, befahlen die Wachtfeuer anzuzünden und o rasch wie möglich" sich zur Ruhe zu legen. Sie elber aber suchten sich unter Bäumen und Sträuchern ein einigermaßen trockenes Lager.
Der junge Leutnant legte sich wie die anderen nieder und schlief bald den festen, wenn auch nicht traumlosen Schlaf der Jugend. Vielleicht, daß sich Schlacht, Sieg, Ruhm und Tod in den heimlichen Gängen seiner Phantasie zu wunderlicher Gemeinsamkeit vermählten und alles andere vergessen ließen.
Als er am Morgen erwachte, erblickte er über sich — von den ersten Strahlen der herbstlichen Frühsonne beleuchtet und von dem Windhauch des Morgens umspielt — eine mühsam und heimlich in der Nacht errichtete Laube mit einem grünen Kranz. Wie ein Lauffeuer war das mutige Wort, das er am Abend gesprochen hatte, durch die Züge und Kompagnien gelaufen. Und aus der Dankbarkeit der Herzen heraus, die nichts höher schätzten als solche Gerechtigkeit des Führers, war in reicherem Maße ein Werk der Liebe entstanden.
Der junge Leutnant hieß übrigens Friedrich von Gagern, war der Bruder Heinrichs von Gagern, des ersten Präsidenten der deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt a. M., und wurde hernach als General, als er von der badischen Regierung beauftragt worden war, den achtundvierziger Aufstand niederzuwerfen, Opfer der schändlichen Verräterei. Da er auf Verlangen der Aufrührer ganz allein zur Besprechung zu ihnen herantrat, traf ihn iie tödliche Kugel aus dem Hinterhalt.
KaGMug den Ssien.
4 Von Dr. Reinhold Zenz.
Es ist keine „große Sache" mehr und bedeutet (einerlei „Sensation", daß man nachts um drei Uhr in Berlin in ein Flugzeug klettert und morgens 7.20 Uhr sechshundert Kilometer entfernt in Königsberg wieder aussteigt. Das kann man jede Nacht haben, wenn man das fahrplanmäßige Flugzeug der Berührst benutzt, das bis nach Moskau weiterfliegt. Fausts Zaubermantel, oder der fliegende Teppich von Bagdad waren wohl romantischer, aber diese Art von Romantik wird heute von uns als reichlich unpraktisch empfunden, weil sie keinen realen Nutzwert mit sich brachte. Den schnellen beliebigen Ortswechsel empfinden wir nicht mehr als romantisch, es sei denn, daß sich doch unterwegs ein unerhofftes Abenteuer einstellt, das im Programm nicht vorgesehen war. Aber auch in diesem Falle stellen wir im Sinn der neuen Sachlichkeit hinterher nur ruhig fest: es hätte zwar schief ausgehen können, wie alles schief ausgehen kann, aber daß es gut ausging, war eigentlich selbstverständlich, weil die Flugzeuge und die Führer, denen wir uns anvertrauen, in jeder Lage das Vertrauen rechtfertigen. Also ein kleines Abenteuer, das man als Abwechslung in der Gleichförmigkeit des Daseins gerne mitnimmt.
Für rückständige Leute, die ihren ersten Nachtflug unternehmen und dabei statt einen geruhigen Schlaf zu tun, lieber Eindrücke sammeln wollen, ist die Abfahrtszeit um drei Uhr nachts etwas unbequem. Vorrat schlafen ist nicht jedermanns Sache. Man schlägt also in Berlin die Zeit tot, bis man in der Mauerstraße das Zubringerauto besteigen kann, mit dem es durch ausgestorbene Straßen hinaus zum Tempelhofer Felde geht. Schnell sind die Formalitäten für die beiden einzigen Fluggäste erledigt, man lernt den Piloten kennen und sieht sich den Berg Fracht aus Blumen und frischen Erdbeeren an, der mit den Passagieren genügt, um die Nutzlastgrenze des Flugzeuges zu erreichen.
Nachtflug? Beim Betreten des Flugplatzes merkt man schon, wie der Morgen heraufgraut. Wer die roten Bodenlampen brennen noch. Irgendwer meint, es riecht nach Nebel. Indessen dröhnt der Propeller der Dornier-Merkur-Maschine, die sich startbereit macht. Einige Kisten mit Blumen werden noch in den Passagierraum geladen, dann heißt es einsteigen. Der Pilot verteilt uns auf die Mittelplätze. Der Nachbar zur Rechten richtet sich gleich zum Schlafe ein. Er hat sich ein Kopfkissen mitgebracht und streckt behaglich die Beine lang. Jetzt rollen wir übers Tempelhofer Feld, für Augenblicke huschen undeutliche Häuserblocks unter uns weg, taucht ein breiter Kanal auf und schon sind wir über dem Gebiete der Laubenkolonien.
Der Nachbar schläft ruhig und tief. Was sollte ihn an der Landschaft noch reizen? Sewst das Morgenrot bringt wenig Abwechslung in sie hinein, da es kaum durch das Wolkengrau hindurchzudvingen vermag. Nur ganz schwach spiegelt es sich in den verschlungenen Flußläufen der Ebene, die wir überqueren und die jedenfalls dem Oder-Netze oder Boberbruch zugehören. Zeit und Raum muß der Fluggast wieder neu in Einklang bringen. Was das neben «dem Fluß dort für ein Kanal fein.mag, auf dem ein Schlepper sich für die Tagesarbeit ausruht?
Jetzt blinkt das Morgenrot aus jedem Wässerlein und die Welt nimmt immer mehr Farbe an. Gelb leuchten die Rapsfelder. Eine Viertelstunde später, gegen ^5 Uhr ist es vollends Tag geworden, das Morgenrot erlosch und auch die Gegend hat sich verändert. Da und dort sind Torfstiche, die Bauernhöfe scheinen kleiner geworden. Eine erste Viehherde rennt davon, — ach, guten Morgen, da ist dr erste Mensch. „Und unten tief, als dunkler Punkt, geht querfeldein ein Forstadjunkt" dichtete der selige Christian Morgenstern, obwohl er dabei eher in einer Bar, als in einem Flugzeug saß. Plötzlich setzt für einen Augenblick das gleichmäßige Donnern des Motors aus. Jetzt ist er wieder da, jetzt wieder fort, jetzt wieder mit einem ungewohnten Ton: Blub, blub, blub — dann völlige unheimliche Stille. Ich sehe, wie der Nachbar, der bisher geruhig schlief, sich aufrichtet und sich anschnallt. Unwillkürlich habe ich das ebenfalls besorgt. Es ist klar, wir müssen notlanden. Gespannt sehen wir aus dem Fenster, wo wir wohl niedergehen können. Gott sei Dank, der Wald ist zu Ende. Wir sind nun dicht vor einem
Hügel, aber er steigt zu schräg an, um niedersetzen zu können. Wie einen Gaul übers Hindernis reißt der Pilot das Flugzeug darüber hinweg. Dahinter müssen wir aufsetzen, weil unsere Flugkraft erlahmt. Einen Augenblick des Schreckens: wir saufen auf den Mast einer Hochspannungsleitung zu. Der Pilo! manÖDeriert unter der Leitung hindurch über zwei Weidezäune hinweg. Leicht setzen wir auf. Ringsum sind Pferde und Kühe zwischen denen wir durchrasen Dann ein kleiner Erdwall mit Stacheldrahtzaun. Ein Krach. Links springt das Vorderrad weit in die Gegend. Letzter Gedanke: Bruch. Ein Ruck, wir fteheri Kopf, sitzen wieder gerade auf unseren Sesseln uns nicken uns freundnachbarlich zu: Gut gegangen!
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âtmK und WMensOM.
o Als es noch kein Papier auf der Welt aab. Der alte Abraham a Santa Clara (1644 bis 1709) sprach einmal das Wort: „Ein Papier ist ein Werkzeug des Gelehrten, ist ein Vorrat der Bücher. Ein Papier ist ein Hausrat der Kanzlei, ist ein Sckaiz der Schüler, eine Erhalterin der menschlichen Freun^- febaft, ein Pavier ist der größte Nutz' der Welt!" Ter kluge Volksprediger des M-ttelalterS hatte also bereits die große Bedeutung des Papiers erkannt, die in unserem Zeitalter ins Ungemessene gediegen ist, wo Wirtschaft, Handel und Wandel, vor allem aber geistiges und kulturelle- Leben ohne daS Papier nicht mehr denkbar sind, selbst wenn man von der Zeitung und ihrem ungeheurer Einfluß auf alles Weltgeschehen einmal ganz absieht Wie sah es aber zu Zeiten aus, da man das Papier seine Herstellung, Verarbeitung und Verwertung über die übrigens in diesem Jahre die groß, .Dresdener Papierausstellung" anschaulich unterrichtet, noch nicht kannte? Diese Frage ist wohl wert, einmal aufgeworfen zu werden. Ber den meisten Völkern des zivilisierten Altertums kann man insofern von einer „papierlosen' Zeit nicht reden, als diese meist schon paprerähnttche Stoffe oder Substanzen zum Schreiben benutzten, die man höchstens all Vorstufe des Papiers ansprechen kann, wie beispielsweise die Aegypter den Papyrus, der aus der in den Nilniederungen wachsenden Papyms- staude gewonnen wurde, und auf den sie mit Tusche und bchreibbinse die Schriftzeichen auftrugen Ganz ohne Papier behalfen sich aber in alten Zeiteu uni zum Teil noch heute, gewisse primitive Völker; es sei erinnert an die primitiven Tierdarstellungen, Malereren und Zeichnungen auf Tavarinde (Südseevölker), an die Bilderschrift der Ostermsulaner auf Holztafeln, an die nordamerikanischen Bilderschriften oder einzelne Stücke der Mayahandschrift (die sich tn Dresden befinden), an die altsiamesischen kunstgewerblichen Arbeiten oder die religiösen Geheimzeichen der indonesischen Völker, die âuf Stoff, in Taparinde oder auf Holztaieln eingegraden sind. Sogar das Einritzen von Schriftzeichen in Waffen oder Gebrauchsgegenstände aus Metall, ganz zu schweigen von der ornamentalen, mehr oder weniger sinnreichen Tätowierung des menschlichen Körpers, übten die meisten primitiven Völker schon lange Zeit, ehe sie vom Papier und feinen Verwertungsmöglichkeiten eine entfernte Ahnung hatten. Die Frage: Wie sah es in der „papierlosen" Zeit auf der Erde auS? gehört jedenfalls zu den interessantesten Kapiteln, die eS gibt. F. v. L.
Scheindeulsche. Manche Wörter machen den Eindruck deutschen Ursprungs, entpuppen sich aber bei näherem Zusehen als fremder Herkunft. Das ist nicht nur der Fall bei Ausdrücken, die keinen rechten Sinn ergeben, wie Armbrust, eine, wie man gesagt hat, grausame Zusammensetzung, unter der man aber doch von jeher ein ganz bestimmtes Ding verstanden hat; sie hat sich bekanntlich aus dem lateinischen arcubalista, Bogenwerfer, Wurfmaschinc entwickelt. Auch das Abenteuer hat, wenn auch noch so oft als teurer Abend aufgefaßt, wenig für sich, es leitet sich durch mittelhochd. aventiure hindurch vom latein. adventura, Ereignis her. Weniger bekannt ist das Wort Abzucht mit seiner Entstehung aus Lducht und aquaeductus, Wasserleitung (vgl. Viadukt — Ueberführung). Daß beim Elfenbein nicht das Bein einer Elfe in Frage kommt, sagt sich wohl jeder, ob er aber an den Elefanten denkt, der es liefert? Das Ebenholz hat trotz seiner Glätte nichts mit dem Beiwort eben zu tun; wie der Ebenbaum entstammt es dem griechifch-latein. ebenus, das wieder auf hebräisch hobnim (obni steinern von oben Stein) zurückführt. Das Murmeltier hat feinen Namen nicht vom Zeitwort murmeln, sondern ist im Mittelalter, trotzdem es schon damals nicht murmelte, umgedeutet worden aus murem (Wenfall zu mus) montis oder montanum, d. i. Bergmaus (ältere Formen: muremunto, mürmenbin u. a.) Aber auch sinnvollere Wörter wie Trampeltier und Vielfraß find nicht deutschen Ursprungs: das eine ergab sich aus dem lateinischen drome- darius, das andere doch wohl aus dem norwegischen fjeldfross, Bergkater. Der Wildschur liegt polnisch vilczura, Wolfspelz, zugrunde. Der Knappzaum, Zaum mit Nasenband, ist umgedeutet aus italienischem cavezzone, Halter. Die Bezeichnung Rauschgeld für roten Arsenik oder Operment (Auri pigmentum) hat ihren ersten Bestandteil aus dem italienischen rosso, lateinischen russus, rot, erhalten, während mir bei Rauschgold — Flittergold mit mehr Rechi an Rauschen ober Knistern denken. Abseite, die Be nennung des überwölbten Nebenraumes eines Kirchenschiffs (niederdeusch Affit auch des Seitenfach- einer Scheune) ist durch Anlehnung an ab und Seite aus dem ariechifchen Worte apsis (Wenfall apsida), Rundung, Gewölbe, erstanden. C. M.