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Nr. 211

ass. «s^wme

Keettas de«

1922

H. Geytemdev

(Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM.1.-/ für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 Ü*Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg., im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R«pfg. / Offertengebühr 50 R«psg.

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VSMge Verwirvung in Gem âriiil dev Heinen Staaten an den GvaßmSchèen. - Voten gegen den ZresoSutSonsentwuvß dev Mächte. Voten WM fein Sst-Loeavno. - Küv Deutschtand unannehmdav.

Nachdem tagelang in Genf von nichts ande­rs kem als dem polnischen Vorstoß die Rede war, hat die Lage im Laufe des Donnerstag eine ganz eigenartige Beleuchtung erfahren. Die Polen haben sich nach einigem Zögern ent­schlossen, mit ihrer Aktion hervorzutreten. Am Mittwoch überreichten sie die von ihnen ver­faßte Entschließung einer Reihe von Großmäch­ten. Diese Entschließung wurde dann von den juristischen Sachverständigen Deutschlands und Englands in Behandlung genommen und man glaubte Donnerstag früh imstande zu sein, die Entschließung in der Fassung, die sie inzwischen erhalten hatte, als Kundgebung einer Reihe von Staaten in der Vollversammlung vorzu­bringen. Es ergab sich in letzter Minute das Hindernis, daß die Polen nicht mehr mit der Fassung einverstanden waren, die die Entschlie­ßung inzwischen erhalten hatte. Die Aktion kam ins Stocken und zwar in demselben Augenblick, als man über den Berg gekommen zu sein glaubte. Dieser Vorgang ist gewiß kein erbau­liches Schauspiel, aber er ist doch geeignet, über die Haltung der Polen und ihre letzten Ab­sichten ein unzweideutiges Licht zu verbreiten. Wie aus guter Quelle verlautet, hatte der pol= Nische Delegierte Sokal schon in dem Augenblick, als er die Entschließung dem deutschen Außen­minister Dr. Stresemann überreichte, der Mei­nung Ausdruck gegeben, sie, die Polen, seien nicht mehr mit dieser Resolution einverstanden. Sie waren ausgezogen, um Deutschland im Osten zu binden, um eine Garantie der polni­schen Westgrenzen durchzusetzen. Dagegen aber IP hatten von Anfang an, wie aus bester Quelle versichert werden kann, sowohl Chamberlain wie auch Briand Widerstand geleistet. Cham­berlain hat in London und Briand in Paris von allem Anfang an klar zu erkenney gegeben, daß sie für eine Ergänzung des Locarnover­trages nach der Ostseite niemals zu haben seien und dann haben sie ganz entschieden an dieser Auffassung festgehalten. Chamberlain hat kei­nen Zweifel darüber gelassen, daß er lieber die ganze Aktion scheitern lassen werde, als etwa in einen Widerspruch mit Deutschland zu geraten. Unter diesem Druck hat dann Polen sich dazu entschließen müssen, die geklonte Kund­gebung ganz erheblich abzuändern. Es blieb schließlich nichts weiter übrig, als die Ver­pflichtung, keinen Krieg zu führen. Die juristi­schen Sachverständigen haben diese Fassung dann noch etwas geändert, indem sie aus dem Krieg einenAngriffskrieg" machten, so daß dann schließlich in der Form von zwei Artikeln festgelegt wurde: Der Angriffskrieg zur Lösung . internationaler Konflikte sei und bleibe ver­boten und alle internationalen Gegensätze soll­ten durch friedliche Mittel beigelegt werden.

Mit dieser Friedensresolution konnte jeder einverstanden sein. Mit ihr war auch die deut­sche Delegation einverstanden. Der deutsch­nationale Hötzsch erklärte seine Zustimmung und gab dabei der Ueberzeugung Ausdruck, daß er die deutschnationale Fraktion dabei hinter sich habe. Die Entschließung ist zwar nicht so, daß man sich von ihr eine überwältigende Wir­kung hätte versprechen können, aber sie konnte doch dem Frieden dienen, und sie konnte vor allen Dingen eine Etappe zur allgemeinen Ab­rüstung sein. Denn sie nahm den Mächten, die nicht abrüsten wollen, das beste Argument aus der Hand. Die Mächte hätten sich nicht weiter dahinter verschanzen können, daß die Lage un­sicher und die Kriegsgefahr drohend sei. Aber gerade deshalb hat die Friedensresolution vie­len nicht gefallen. Die Polen, die Väter der ganzen Aktion, wandten sich von ihrem Kinde ab. Bei ihnen brach das ursprüngliche Gefühl wieder durch. Es siegte bei ihnen das Bewußt­sein, daß die Zügel der Aktion ihnen aus der Hand geglitten waren. In den Reihen der fran­zösischen Delegation erhoben sich ebenfalls Be­denken. So stand man am Donnerstag nach­mittag wieder einmal vor einer neuen Lage, die geplanten großen Reden mußten fürs erste abgesagt werden. So unerfreulich auch dieser Ausgang ist, so sieht man doch jetzt klar, daß mit einer allgemeien Friedensresolution den

@in neuer polnischer Vorschlag

Polen nicht gedient ist. Die Polen haben nun am Nachmittag des gestrigen Tages das Spiel erneut ausgenommen. Sie haben ihrem umge­bauten Antrag einen Satz angefügt, wonach die Völkerbundsstaaten die Verpflichtung überneh­men, ihre gegenseitigen vertraglichen Beziehun­gen auf dem Grundsatz dieser Erklärung aufzu­bauen. Das klingt harmlos, aber der von den Polen offensichtlich verfolgte Zweck ist doch der, durch diese Hintertür doch zu dem ersehnten Ostlocarno zu kommen, und wenn der Völker­bund diese Entschließung in dieser Form an­nimmt, daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, daß Deutschland dann auch verpflichtet wäre, mit Polen einen Vertrag nach dem Muster von Locarno zu schließen. Die deutsche Delegation hat diese Erweiterung abgelehnt und nunmehr beabsichtigt Polen einen dritten Vorschlag zu machen, in dem der Abschluß eines Weichsel­paktes verlangt werden soll. Gegen diesen Vorschlag wird sich natürlich die deutsche Dele­gation ebenso zu wenden haben, wie gegen die bisherigen Vorschläge. Man darf erwarten, daß Stresemann weiterhin festbleibt und dem Deutschen Reich unter allen Umständen die Möglichkeit offenläßt, die Fragen der deutschen Ostgrenze bei gegebener Gelegenheit einer neuen Behandlung auf diplomatischem Wege entgegenzuführen.

Litauische und uovwesische &eitfë am VdiSevbuud.

Genf, 8. Sept. 3n der heutigen wiederum stark besuchten Vormittagssitzung der Völkerbundsver­sammlung entwickelte der litauische Ministerpräsi- dent Woldemaras in weit ausholenden Dar­stellungen die Entstehungsgeschichte und die Bemü­hungen des Völkerbundes seit seiner Entstehung, in­soweit sie auf die Sicherung des Friedens Bezug haben, und gelangte zu der Feststellung:

Der Völkerbund hat die Pflicht, den Frieden zu organisieren; kann er das nicht, so muß er verschwinden."

Außerdem behandelte Woldemaras das Problem der osteuropäischen Staaten, die, wie er betonte, einen bedeutenden Faktor für den Frieden Europas darstellen.

H a m b r o, Präsident der norwegischen Sammer, griff die Großmächte des Rates mit scharfen Worten an und warf ihnen vor, daß noch nicht ein einziges Ratsmitglied den Artikel 36 des Statuts des Ständigen Internationalen Schiedsgerichtshofes im Haag über die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit unterzeichnet habe. Ferner beschwerte er sich über die G e h e i m p o l i t i k der Ratsmitglicder, besonders einer Gruppe von Groß­mächten. wodurch die Gefahr geschaffen worden sei, daß die öffentliche Meinung der Welt sich gegen die Arbeiten in Genf wendet. Hamburg glaubt ein Rachlassen des öffentlichen Interesses gegenüber dem Völkerbund bereits heute feststellen zu können. Er bestreitet die Zweckmäßigkeit der Entsendung von diplomatischen Vertretern, zur Teilnahme an den Genfer Arbeiten. Trotz alldem glaube er an den Rat und seine Wirksamkeit und stehe einer Ver­minderung der Zahl seiner jährlichen Tagungen nicht synipathisch gegenüber. Im einzelnen war Hambro in seiner mit starkem Beifall aufgenomme­nen Rede bei seinen Ausführungen von der Ent­täuschung darüber ausgegangen, daß die Arbeiten des vorbereitenden Abrüstungsausschusses noch zu keinem Ergebnis geführt haben, so daß noch nicht an die Einlösung der allgemeinen Abrüstungs- Verpflichtung des Artikel 8 des Völkerbundspaktes gegangen werden konnte. Trotzdem glaube er, daß mit Beharrlichkeit und Geduld das Ziel erreicht werden könne, und er hoffe, daß die auf Rovember angefetzte zweite Tagung des vorbereitenden Ab­rüstungsausschußes nicht weiter hinausgeschoben werde. Mil dem holländis chen Vorschlag erklärte er sich e i n v e r st a n d e n. Im Zusammen­hang mit seiner Kritik an der geheimen Diplomatie des Rates verlangte Hambro, daß sich die 22 zur Zeit in Gens weilenden Außenminister bewußt sein sollten, daß sie nicht bloß die Außenminister, ion- dern als Vertreter des Völkerbundes nach Genk kommen. Als ein besonders geglücktes Beispiel der öffentlichen Behandlung einer politischen Frage führte schließlich Hambro die Lösung der Saarfrage im vergangenen März an, wobei er die Verdienste Dr. Stresemanns und Briands besonders hervor­hob.

In der Rachmittagssihung betrat der achtzig­jährige Vertreter Ungarns, Graf Apponyi, die Tribüne. Der ungarische Staatsmann mit seinem Apostelkops fesselte die Versammlung durch seine ausgezeichneten eindringlichen Ausiübrunaen. Ao-

ponyi wies daraus hin, daß die Ungleichheit im Völkerbund nach wie vor bestünde.

Von einer Gleichberechtigung der Staaten im Völkerbund könne deshalb keine Rede sein, weil es aus der einen Seite wehrlose, auf der <an- deren bis zu den Zähnen bewaffnete Rationen gebe.

Solange dieser Zustand andauere, würde ein ehr­liche Zusammenarbeiten im Völkerbund nicht mög­lich sein.

Apponyi trat in gewissem Sinn für die Aus­rüstung der entwaffneten Staaten ein und wies daraus hin, daß auch

die Revision der Frledensverlräge früher oder später in Angriff genommen werden müsse.

Er betonte auch die Rechte der Minderheiten, deren Rechte und Hoffnungen nicht mit Füßen ge- treten werden können. Die Rede Apponyis machte einen sichtlichen Eindruck auf zahlreiche Delegierte, wurde aber mit mäßigem Beifall ausgenommen. Gras Apponyi hatte vor Beginn der Sitzung die Absicht, den ungarisch-rumänischen Streitfall zur Sprache zu bringen. Als dies Ehamberlain er­fuhr, erklärte er, daß er in diesem Fall beantragen werde, dem Vertreter Ungarns das Wort entziehen zu lassen, da dieser nicht berechtigt sei, einen Fall zur Sprache zu bringen, der gegenwärtig innerhalb des Rates geheim behandelt werde. Infolgedessen verzichtete Apponyi auf eine Erörterung der unga­risch-rumänischen Streitfrage.

Dis vsiuSsche ^eleMiton evdittet nene 3nff enSäonen aus M^vschau

Genf, 8. Sept. Es war gelungen, in Besprechun­gen innerhalb der Großmächte die polnische Resolu­tion so abzuändern, daß Deutschland sich an ihrer Einbringung beteiligen konnte. Polen hat aber die ganze so mühsam erzielte Einigung mit einem Schlage wieder zertrümmert, indem die polnische Delegation erklärte, daß der von dem juristischen Komitee ausgearbeitete Resolutionsentwurf für sie nicht annehmbar sei.

Die polnische Delegation hat heute tele­graphisch in Warschau neue Instruktionen angefordert und ihrer Regierung den Text des bisher vorliegenden Resolutionsentwurfes über­mittelt. Wie verlautet sind bei der polnischen Dele­gation Bedenken entstanden, ob Polen dem umge­arbeiteten Text der Entschließung zustimmen könne. Man weist von polnischer Seite darauf hin, daß die in dem ursprünglichen Text vorgesehene Klausel des grundsätzlichen Verbotes dahin abgeändert worden sei, daß nur der Angriffskrieg verboten werde. Aus diesem Grunde sei der polnischen Delegation die Zu­stimmung zu dem Text wesentlich erschwert worden. Die Entscheidung über die endgültige Haltung der polnischen Delegation liegt somit gegenwärtig in Warschau. Die Diskussion über den Resolutionsent­wurf wird erst beginnen, wenn die Antwort der polnischen Regierung eingetroffen ist.

Dev USUS VsSuische V-svschSas.

Genf, 8. Sept. Wie der Sonderberichterstat­ter des V.D.Z.-Büros erfährt, liegt nunmehr der Abänderungsantrag der polnischen Delegation zur geplanten Völkerbundsdeklaration über die Ver- pänung des Krieges vor, wofür allerdings jetzt noch die Bestätigung von Warschau fehlen soll. Rach diesem Vorschlag soll unter Beibehaltung der vorge­sehenen Präambel von der Versammlung erklärt werden:

1. Zeder Angriffskrieg ist und bleibt verboten.

2. Völkerbundsmitglieder haben die Verpflich­tung, sich diesem Grundsatz zu unterwerfen.

Infolgedessen lädt die Versammlung die Mit- gliedskaaten ein, zum Abschluß von Richtan­griffspakten zu schreiten, die von der Idee getragen sind, daß alle friedlichen Mittel für die Regelung internationaler Konflikte angewendet wer­den sollen, die zwischen ihnen entstehen könnten, welcher Art sie auch seien. Die Beratungen über die Resolution und die eventuelle Annahme oder Ab­lehnung des neuen polnischen Antrages gehen oor- wiegend zwischen den Juristen der beteiligten Mächte weiter, vor morgen nachmittag dürfte der Abschluß bezw. die Bekanntgabe in der Versamm lung und die damit vorgesehenen Reden u. a. Briands und Stresemanns nicht zu erwarten sein.

Dieser unerwartete und ganz und gar nicht entsprechende Verlauf der Dinge hat natürlich zu den mannigfachsten Kombinationen Anlaß gegeben, die jedoch darin übereinstimmen, daß sie einen An­spruch auf Zuverlässigkeit in keinem Falle erheben können. Für morgen vormittag ist als Haupt­redner der Generaldebatte der belgische Außen­minister Vandervelde vorgesehen.

KdSehuuns dusch die deutsche DeSegatian.

Genf, 8. Sept. Im Laufe des heutigen Tages ist der deutschen Delegation der polnische Abände­

rungsantrag zu der geplanten Völkerbundsreso­lution zur Verpönung des Krieges übermittelt worden. Der wesentliche Punkt, in dem die polnische Delegation eine Abänderung wünscht, ist die Ein- fügung eine. Empfehlung von Nicht­angriffspakten, d. h. ein Zurückkom- kommen auf den Grundgedanken der ursprünglichen polnischen Initia­tive. Dieser Vorschlag ist von der deutschen Dele­gation heute abend geprüft worden und hat mit der gleichen Einstimmigkeit, mit der man gestern entschlossen war, die gemeinsam formulierte Reso­lution anzunehmen, zu dem Entschluß geführt, den polnischen Abänderungsantrag ab » zulehnen. Dabei war die Erwägung maßgebend, daß durch eine solche Fassung einer Völkerbunds- entschliehung das Vertragswert von Lo­carno eine Abschwächung erfahren müßte, das nach übereinstimmenden Erklärungen Briands und Chamberlains in den vorausgegange­nen Debatten über die Formulierung der geplanten Resolution gegenüber Beanstandungen dahin charak­terisiert wurde, daß das Werk selbst, wie auch die deutsche Haltung jede wünschenswerte Garantie nach Osten wie nach Westen böten.

Die Verhandlungen gehen zwischen den Beteilig­ten nunmehr weiter, mit dem Ziele, über die end­gültige Fassung des Vorschlages eine Verständigung herbeizuführen.

Ein dvittev sslu-Wes Vsvschlas - ein MeichseSsaSt.

Paris, 9. Sept. Der Sonderberichterstatter de». Echo de Paris" in Gens meldet, daß die pol­nische Delegation, da nunmehr auch der zweite Resolutionsentwurf abgelehnt worden sei, sich nicht mehr an die britische und deutsche Dele­gation wenden werde von der französischen Dele­gation spricht der Berichterstatter bezeichnenderweise nicht. Die polnische Delegation werde nun einen dritten Entwurf, der die Notwendig­keit eines Weichselpaktes betont, vor­legen, d. h. einen Nichtangriffspakt, der stärker be­gründet sei als der gestern vorgelegte zweite Reso­lutionsentwurf.

Dev 2W ssnehmisè DeutschSandS GintE in dèe Mandats- isommMors.

Genf, 8. Sept. Die heutige Sitzung des V ö l - kerbundsrates genehmigte zunächst den Be­richt über die Arbeit der Mandats-Komis- s i o n und damit auch die Erweiterung der Kommis­sion um ein zehntes Mitglied deutscherStaats- angehörigkeit, das vom Rat in geheimer Sitzung ernannt werden wird.

Der Bericht Villegas über den polnischen Anlegehafen auf dem Gebiet des Hafens von Danzig führte zu einer längeren Auseinandersetzung zwischen dem Präsidenten der Freien Stadt Dan­zig, dem polnischen Kommissar von Danzig, Strasburger, dem deutschen Außenminister Stresemann und dem Danziger Volkerbunds- kommissar van Hamel, die schließlich mit der Annahme des Antrags des Berichterstatters auf Vertagung der Angelegenheit endete. Auf Wunsch Stresemanns soll die Marine-Kommission um ein Gutachten darüber ersucht werden, ob der Hafen von Gdingen für die Bedürfnisse der pol­nischen Flotte ausreicht. Im übrigen sollen direkte Verhandlungen zwischen Danzig und Polen über die Frage ausgenommen werden.

Gius Reise MusssttniS nach ERens?

Paris, 9. Sept. DemQuotidion" wird aus Mailand gemeldet, daß das Gerücht verbreitet sei, Mussolini beabsichtige in der kommenden Woche für kurze Zeit in Genf zu erscheinen, um mit Briand, Chamberlain und Stresemann Fühlung zu nehmen.

Das «$ des (» LsEd Geos^es.

London, 8. Sept. Der Schritt, den Lloyd George bei seinem Schreiben an den Ungarn Földiak getan hat, stellt zweifellos eine hochbedeutsame Kundgebung dieses Staatsmannes dar, die um so größeres Gewicht erlangt, wenn man sich vergegen­wärtigt, daß Lloyd George einer der Hauptbeteilig­ten und Hauptverantwortlichen der Friedensverträge von 1919 ist. Es wäre zweifellos noch verfüht, den Eindruck zusammenfassend darzustellen, den bei Schritt Lloyd Georges in der Oeffontlichkeit und in der Presse hinterlassen hat, aber die Tatsache allein, daß Lloyd George nunmehr aktiv die von Lord Rothermere zur Revision des Friedensvertrages von Trianon eingeleitete Bewegung unterstützt, hat aus jeden Fall eine ungeheure Bedeutung, wenn man den Umstand berücksichtigt, daß die Liberale Partei zurzeit in einem starken Aufschwung be­griffen ist und die Wiederergreifung der parlamen­tarischen Macht durch diese Partei bei den nächsten Wahlen nicht außerhalb des Bereichs des Möglichen lisat. Heute ist eine Aeußerung desEvening Stan-