Nr. 210
Seife 10
Donnerstag de« & September 192?
Dev svoHs Nsudss der Gâs.
Jupiter am Abendhimmel.
Von Moritz Loeb.
Bolb, nachdem die Sonne untergegangen ist, steigt an diesen wunderbar klaren Spätsommerabenden genau im Osten mit blendendem Glanz ein leuchtendes Gestirn empor. Es ist der Planet Jupiter, nach der Sonne der größte Körper unseres Sonnensystems, gewissermaßen der große Bruder der Erde. Der glückliche Zufall, der uns in diesen beschert, während der gewaltige Wandelstern kurz vor der Erreichung seiner größten Helligkeit steht, läßt Jupiter noch auffälliger als in anderen Jahren hervortreten, sodaß er gegenwärtig auch die Auf- merksamkeit derjenigen auf sich zieht, die den Blick nur bei besonderen himmlischen Schauspielen auf das Firmament richten. Aber auch noch aus einem anderen Grunde verdient der große Planet gegenwärtig besondere Beachtung. Überschreitet er doch nach einer Dauer von sechs Jahren zum erstenmal wieder den Himmelsäquator, um auf die nördliche Hemisphäre überzutreten, auf der er nun gleichfalls sechs Jahre verbleiben wird. Seit dem Beginn dieses Jahrzehnts war Jupiter mehr und mehr nach Süden gewandert, um im Jahre 1924 seinen tiefsten Stand am Firmament zu erreichen. Damals, vor drei Sauren, befand er sich im südlichsten Teil des Tierkreises, im Sternbild des Schützen, und damit hing es zusammen, daß der große Planet seine Bahn am Nachthimmel während der Sommermonate zog, wenn die Dauer der Dunkelheit nur kurz ist, wenn erst zu später Abendstunde die Ge- stirne hervortreten, um ein paar Stunden nach Mitternacht in der beginnenden Morgendämmerung schon wieder zu verschwinden.
Nun hat aber Jupiter in seinem fast zwölf Jahre dauernden Umlauf um die Sonne den Himmels- âquator wieder erreicht, und er steht in diesen Wochen in unmittelbarer Nähe des sogenannten Frühlingspunktes, des Schnittpunkts des Aequators mit der Ekliptik. An diesem Punkt befindet sich die Sonne am 21. März; es ist gewissermaßen der Zentralpunkt am Firmament, von dem aus Breiten- und Längengrade berechnet werden. Und wenn man will, so konnte man sagen, daß zurzeit dieser astro- rwmische Kardinalpunkt durch den Jupiter hell er- leuchtet ist. Da, wie schon erwähnt, ein Jupiterumlauf um das Zentralgestirn fast zwölf Erdenjahre, genau 11 Jahre 10% Monate dauert, so folgt daraus, daß der Planet in jedem Tierkreisbild rund
ein volles Jcchr verweilt. Während der nächsten drei Jahre wird er immer weiter nordwärts im Tierkreis wandern, und um die Wende des Jahres 1930/31 wird er in den Zwillingen den nördlichsten Punkt feiner Bahn erreichen, also ganz hoch am Himmel stehen.
Nicht selten kommt es vor, daß Laien Jupiter wegen seiner auffallenden Helligkeit mit Venus, dem Morgen- und Abendstern, verwechseln. Aber bei der Betrachtung auch im kleinsten Fernrohr zeigt er ein von der Gestalt der Venus völlig verschiedenes Aussehen. Während der Abendstern sich schon bei geringer optischer Vergrößerung als Sichel zu erkennen gibt, die in ihrer Gestalt auffällig der zunehmenden Mondsichel gleicht, enthüllt sich Jupiter als stets vollbeleuchtete Scheibe, ja sogar noch weit mehr als der Vollmond als eine unverkennbare Kug^. Denn Jupiter gehört, wie auch schon Mars, zu den sogenannten äußeren Planeten, deren Bahn außerhalb der Erdbahn liegt, wogegen die Bahnen von Merkur und Venus, die der Sonne näher find als die Erde, innerhalb der Erdbahn liegen. Daher kommt es, daß die Jupiteroberfläche stets von der Sonne voll beleuchtet ist; nie kann dieser Planet im Raum zwischen Sonne und Erde stehen, wie es mit Venus der Fall ist, die uns daher fast immer einen Teil ihrer Nachtseite darbietet. Aber auch in rein physikalischer Hinsicht unter- gleidet sich der grosse Planet sehr stark sowohl von enus wie von Mars. Dieser befindet sich in einem Entwicklungszustand, den die Erde erst in fernen Zeiten erreichen wird; er ist ein alternder Planet mit nur noch wenig Wasser und einer sehr dünnen, infolge des Wassermangels meist völlig klaren Atmosphäre. Venus dagegen ist jünger als die Erde; ihre Oberfläche hat noch keines Menschen Auge er- schaut, denn sie ist völlig von Wolken verhüllt, die das auftreffende Sonnenlicht ungemein stark reflektieren; daher ihre große Helligkeit. In diesem Zustand mag sich unsere Erde vor einer Milliarde von Jahren befurchen haben.
Noch weit jünger aber als Venus ist Jupiter, wenigstens in Bezug auf den gegenwärtigen Entwicklungszustand des Planetenriesen. Das zeigt nicht nur die außerordentlich rasche Rotation; denn Jupiter dreht sich in 9 Stunden 55 Minuten um seine Achse, sodaß es demnächst, wenn die Nächte noch etwas länger werden, möglich ist, während einer einzigen Nacht die Jupsterkugel ringsum im Fernrohr zu beobachten. Die relative Jugend des gewaltigen Gestirns geht aber auch aus den Erscheinungen auf seiner Oberfläche unzweideutig hervor. Bei genügender Vergrößerung schon im Fernrohr des iHHEHBmaraawuiSfflHHaKuiraKwmias
Straßenastronomen, der für einige Groschen den abendlichen Spaziergänger einen Blick in die Geheimnisse ferner Welten tun läßt, sieht man deutlich, wie sich zahlreiche dunkle Streifen parallel zum Aequator des Planeten über seine Oberfläche hinziehen, Streifen, die zweifellos Wollengebilde sind, und deren Veränderlichkeit sich bei exakter Beobacht- tung schon innerhalb weniger Stunden erkennen läßt. Man hat sogar festgestellt, daß die Rotationsgeschwindigkeit dieser Wolkenstreifen in der Dichtung nach den Polen geringer ist als in der Nähe des Aequators, eine Erscheinung, die darauf hm- deutet, daß es sich bei den Wolkenstreifen auf dem Jupiter nicht um dünne Gebilde wie auf der Erde ^rrrdelt, sondern daß der ganze äußere Teil des Planeten sich mehr oder weniger noch in gas- förmigem Zustand befindet, obgleich manche Gebilde, zum Beispiel der berühmte „rote Fleck", der länger als dreißig Jahre hindurch unter mancherlei Veränderungen sichtbar blieb, größere Stetigkeit aufweisen. Charakteristisch ist außerdem die sehr starke Abplattung des Planeten an den Polen, die auch der Laie sofort erkennt, wenn er Jupiter im Fernrohr sieht. Sie ist so groß, daß der Aequatorial- durchmesser Jupiters feinen Poldurchmesser um nicht weniger als ein Sechzehntel übertrifft, und sie ist nur eine Folge der besonders raschen Achsen, drehung, könnte freilich nicht so erherblich sein, wenn der Planet ein ebenso starrer Körper wie die Erde wäre. Seine Dichtigkeit beträgt denn auch nur etwa ein Viertel der Dichtigkeit der Erde und ist nicht viel größer als die des Wassers. Da der Jupiterdurchmesser den Erddurchmesser um etwa das Elffoche übertrifft, so muß sein Volumen das der Erde rund dreizehnhundertmal übersteigen. Infolge der weitaus geringeren Dichtigkeit jedoch übersteigt die Masse des Jupiters die der Erde nur um etwa das dreihundertfünfundzwanzigfache. Doch so gewallig Jupiter auch im Vergleich mit der Erde ist, an der gigantischen Größe der Sonne gemessen ist auch er nur ein Zwerg, denn erst tausend Jupiter- kugeln zusammengeballl würden die Größe des Zentralgestirns unseres Sonnensystems erreichen.
Der Abstand, der uns von dem großen Bruder- gestirn trennt, ist im Mittel fünfmal so groß wie die Distanz zwischen Erde und Sonne, in Zahlen' ausgedrückt, schwankt seine Entfernung von der Erde zwischen 578 und 960 Millionen Kilometer. Ein Schnellzug hätte ohne Aufenthalt rund tausend Jahre zu fahren, um diese Entfernung zu überbrücken, und chre Größe ist die Ursache, daß uns die ungeheuere Kugel auch bei der größten Annäherung an die Erde nur unter dem winzigen
Winkel von etwa 50 Bogensekunden erscheint. Unk da demgemäß die Riesenkugel dem bloßen Augc nur als, freilich Heller, Lichtpunkt erscheint, so ist es kein Wunder, wenn wir Jupiters vier großc Monde ohne optische Hilfsmittel nicht wahrzunehmen vermögen, obgleich die beiden kleineren von ihnen an Größe etwa dem Erdmond gleichkommen, wo. gegen die beiden anderen sogar um etwa die Hälfte größer sind. Allerdings genügt ein guter Feldstecher, um diese vier Monde in der Aequatorebene der Planeten als winzige Lichtpünktchen zu erkennen, und ihre Beobachtung ist deshalb besonders dankbar, weil sie ununterbrochen ihre Stellung wechseln, vor oder hinter dem Planeten vorübergehen. Die Umlaufszeit dieser vier Monde schwankt zwischen 42 Stunden unbl6% Tagen. Schon Galilei erblickte sie, als er im Jahre 1610 sein erstes, kurz zuvor in Holland erfundenes Fernrohr auf den Planeten richtete; alsbald schloß er aus ihrer Bewegung auf die Trabanteneigenschaft der beiden Körper und fand so eine glänzende Bestätigung der kurz zuvor verkündeten Lehre des Kopernikus. Von der Inquisition verfolgt, mit Folter und Tod bedroht,! mußte der große Italiener die von ihm erkannte Wahrheit zwar öffentlich abschwören; aber seine wissenschaftliche Erkenntnis konnte dadurch nicht erschüttert werden. Erst in allerneuester Zeit, im Jahre 1892, gelang dem amerikanischen Astronomen Barnard auf der Lick-Sternwarte in Kalifornien die Entdeckung eines fünften, winzigen Jupitermon- des, der dem Planeten viel näher steht als die vier anderen, und der in nicht ganz 12 Stunden das Hauptgestirn umkreist. Seither sind noch vier weitere, ganz kleine Jupitermonde aufgefunden worden, der neunte erst im Jahre 1914. Diese vier Zwergtrabanten sind sehr weit vom Hauptstern entfernt; der zuletzt entdeckte hat die außerordentlich große Umlaufzeit von etwas über zwei Jahren. Die Beobachtung dieser kleinen Trabanten ist überhaupt nur unter besonders günstigen Luftverhält- Nissen und mit den stärksten Instrumenten möglich; dagegen bietet die Verfolgung der vier großen Monde auch dem Liebhaberastronomen stets wech. selnde Anregung; verschiebt sich doch ununter. Krochen ihre Stellung zueinander; bisweilen stehen alle vier Trabanten auf einer Seite des Planeten, und fortwährend ergeben sich andere Konstellationen innerhalb dieser fernen Welt. Finsternisse sind auf dem Jupiter alltägliche Erscheinungen, und währerch eines Jupiterjahres kommen nicht weniger als 4400 Sonnen- und ebensoviele Mondfinsternisse vor.
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Ueber das Vermögen des Lederhändlers Adolf Krieger in Hanau a. M., Ecke Lang- und Rosenstraße, ist heute am 6. September 1927, vormittags 10.40 Uhr,dasKonkursverjahren eröffnet worden.
Der Rechtsanwalt Dr. Schrader in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt.
Zu Mitgliedern des Gläubigerausschuffes sind ernannt worden:
1. der Kaufmann Heinrich Eichel in Hanau. Sandeldamm Nr. 22,
2. der Kaufmann M. Dillenburger in Frankfurt a. M., Liebigstraße Nr 40.
Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 5. Oku er 1927, erste Gläubigerversammlung am M.tt- woch den 28. September 1927, vormittags 10 Uhr. Prüfungstermin am Mittwoch den 19. Oktober 1927, vormittags 10 Uhr, vor dem Amtsgericht Abt. 4 in Hanau, Nutzallee Nr. 17, Zimmer Nr. 17.
Hanau a. M. den 6. September 1927.
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Herr Bisten Rosenthal
im vollendeten 48. Lebensjahre.
Rückingen, Frankfurt a. M. den 8. September 1927.
im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karoline Rosenthal.
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