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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM.1-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise- Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg.. im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. / Osfertengebühr 50 R-Pfg.

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. / Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956,3952,3958

s. Geptem-er

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Mrs M«sKs.

Stresemann hatte in Gens eine Unterredung iit Briand.

In französischen Kreisen arbeitet man, angeb- ch auf Anregung Chamberlains, aus einen franzö- sch-russischen Bruch hin.

Ueber die Ursache des Sprengunglücks bei Schlierbach sind bisher keinerlei Feststellungen mög- ch gewesen.

In Dortmund wurde gestern der diesjährige atholikentag eröffnet. Stegerwald wurde zum iräsidenten der Tagung gewählt.

Reichsminister Dr. Koch äußerte sich auf einer agung über die Flaggenfrage und nahm dabei Stellung gegen den preußischen Ministerpräsidenten traun.

rtealsteueevahmensesetz.

Der Reichsrat wird sich im September mit em Entwurf eines Gesetzes über die Verein- eitlichung des Steuerrechts (Steuervereinheit- chungsgesetz) beschäftigen. Dieser Gesetzent­wurf ist aus den Verhandlungen entstanden, ie seinerzeit beim Finanzausgleich stattgefun- en haben. Man hat damals zunächst gehofft, en Gesetzentwurf über die Realsteuern denn arum handelt es sich in der Hauptsache, ibd) vor den Sommerferien zur Beratung zu ringen. Das war aber nicht mehr möglich. 5s zeigten sich vielfach Schwierigkeiten, und war insbesondere solche mit den- Ländern. Diese Verhandlungen sind zwar abgeschlossen, rotzdem wird man mit einiger Sorge der Be- atung des Gesetzes im Neichsrat entgegensehen nüssen, da es nicht ausgeschlossen ist, daß dort Versuche gemacht werden, das Gesetz nochmals u ändern.

Wir halten eine Senkung der Realsteuern ür dringend notwendig. Daneben besteht aber ^uch das Erfordernis einer stärkeren Steuer- Vereinheitlichung. Zur Begründung der ersten Forderung seien ein paar Zahlen angeführt. Die neuerdings veröffentlichte Finanzstatistik oeist nach, daß die Grund- und Gebäudesteuer wm Jahre 1913 bis zum Jahre 1925 von 434 ms 878 Millionen gestiegen ist. Die eigent- ichen Gewerbesteuern stiegen im gleichen Zeit- aum von 167 auf 578 Millionen. Wir wollen richt bestreiten, daß ein Teil dieser Steuer- Erhöhungen infolge mancher in der Nachkriegs­zeit veränderter Verhältnisse notwendig gewor­ren ist. Daneben muß aber ebenso klar ausge- prochen werden, daß insbesondere in vielen Semeinden die notwendige Sparsamkeit nicht mmer in der wünschenswerten Weise vorhan- )en war. Zwar hat der preußische Finanz- minister gemeinsam mit dem Minister des In­nern am 14. April d. J. in einem Rundschreiben in die preußischen Gemeinden darauf aufmerk- a mgemacht, daß eine Senkung der Real- 'teuern unbedingt erfolgen müsse. Diesem Er­laß ist aber vielfach nicht entsprochen worden. Das ist um so bedauerlicher, als der Erlaß da­rauf Hinweisen mußte, daß alle Bestrebungen, die Wirtschaft zu entlasten, unnütz sind, wenn die Herabsetzung der Steuergrundbeträge durch eine Erhöhung der gemeindlichen Zuschläge wirkungslos gemacht wird. Ferner wies der Erlaß darauf hin, daß eine Senkung der Real­steuer schon deshalb erfolgen könne, weil den Gemeinden aus der Einkommen- und Körper­schaftssteuer größere Beträge zufließen werden.

Das Gesetzeswerk selbst besteht aus einem Mantelgesetz mit nur zwei Paragraphen und vier umfangreichen Anlagen. Diese umfassen das Grundsteuerrahmengesetz, das Gewerbe­steuerrahmengesetz, das Gebäudeentschuldungs­gesetz und ein Gesetz über die Vereinheitlichung des Verfahrens in Steuersachen und über die Anpassung der Reichssteuergesetze. Die Gesetze elbst sollen am 1. April 1928 in Kraft treten, edoch sollen die Länderregierungen anordnen lönnen, daß die Vorschriften des Grundsteuer- rahmengesetzes und des Gewerbesteuerrahmen­gesetzes erst vom 1. April 1929 ab Anwendung finden.

Will man schon heute Kritik an dem Gesetz­entwurf üben, so wird man zunächst über die Höhe der Belastung sprechen müssen. Die Ent­würfe wahren den Charakter der Landessteuer. Die Selbständigkeit der Länder und Gemeinden bezüglich der Höhe der Besteuerung wird nicht berührt. Der Gedanke, daß ein gewisses Kon­troll- oder Einspruchsrecht des Reichs oder min­destens der Länder zu wünschen sei, ist nicht in genügendem Maße in die Erscheinung getreten. Kritisch wird auch die Bestimmung beurteilt Werden müZen. wonach die Gemeinden die Ge-

Deutscher -KatvotiSentag.

Dortmund, 4. Sept. Die 66. Generalversamm­lung der deutschen Katholiken begann heute vor­mittag mit einer Feier der heiligen Messe in dem von Zehntausenden von Teilnehmern mit unzäh­ligen Fähnendeputattonen gefüllten Stadion.

Bischof D. Kaspar Klein-Paderborn hielt die Festpredigt. Im Anschluß an die Messe fand in der Westfalenhalle die erste geschlos - sene Versammlung statt, in der das Prä­sidium des diesjährigen Katholikentages gewählt wurde. Zum ersten Präsidenten wurde ge­wählt Ministerpräsident a. D. Stegerwald. Weiterhin wurden gewählt der badische Landes­präsident Dr. Baumgärtner-Karlsruhe, Freifrau von Gebsattel-München und Regierungspräsident Ianse-Schneidemühl. Nach dem Bericht des Zen­tralkomitees nahm die Versammlung eine Ent­schließung an, in der die Forderung erhoben wird, daß die Bekenntnisschule durch die Gesetz­gebung des Reichs und der Länder verankert werde. An die katholischen Mitglieder des Reichs­tages wird die Mahnung gerichtet, mit Einsetzung aller Kräfte die Gesetze im Sinne der berechtigten katholischem Forderungen zu gestalten und keiner Lösung zuzustimmen, die nicht die Gleichberechti­gung der Bekenntnisschule mit anderen Schularten gewährleiste. Nachmittags veranstalteten die katho­lischen Arbeiter eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung. Als Vertreter der preußischen Staatsregierung begrüßte Wohlfahrtsminister Hirtsiefer die Versammlung. Nach Begrüßungs­ansprachen von Bischof Dr. Klein-Paderborn und Dr. Stegerwald ergriff

AeèchsraRzSsV Dv. Marx

das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. auch die Persönlichkeit des Reichspräsi­denten v. Hindenburg als eines Mannes würdigte, der in treuer Pflichterfüllung allen Deutschen ein leuchtendes Vorbild sein möge. Diese gewaltige Arbeiterkundgebung sei das Bekenntnis der christlichen Arbeiter, treue Katholiken zu sein und zu bleiben, aber ebenso fest zu unserer Ver­fassung und zur deutschen Republik zu stehen.

In einer Versammlung der katholischen öffent­lichen Beamten nahm noch einmal Reichskanzler Dr. Marx das Wort. Er betonte u. a. die Pflich­ten der Beamten dem Staate gegenüber. Mit wahrer nationaler Gesinnung könne man es nicht ür vereinbar halten, wenn man über die Verfas- ung wegwerfend rede und die von ihr anerkann- en Farben verächtlich behandle. Nationaler Stolz olle auch diejenigen, die sich mit unsere Staats- orm nur schwer abfinden könnten, davon abhal- en, eine für uns so beschämende Haltung einzu­nehmen, wie man es kürzlich erlebte.

Zu Beginn der ersten öffentlichen Ver­sammlung des Katholikentages begrüßte der frühere preußische Ministerpräsident

Kdam Gtesevwâ

die Ehrengäste und sprach dann dem Katholizis­mus die Aufgabe zu, durch die Tat zu erweisen, daß er den einzelnen Menschen, den Völkern und den Staaten etwas zu geben habe. Der Polizei- säbel habe seinerzeit das katholische Volk aufge­rüttelt, als es vom Staate bedrängt worden sei, aber es sei nicht das richtige Instrument, in die Menschen christliche Ideen zu bringen. Heute komme der Katholizismus mit äußerlichen Macht­mitteln nicht mehr aus; der unchristliche Geist, der im sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben sein Wesen treibe, könne nur gebannt werden, wenn in den religiösen Katholizismus Eroberungs­geist hineingebracht werde. Es gelte, das Erbe von drei Männern des westfälischen Landes neu zu beleben: mit den Ideen des Frhrn. v. Stein den Staatsgedanken neu zu erwecken, mit Bischof v. Ketteler den überspannten Individualismus, den falsch verstandenen Geist der Freiheit und der Un- bundenheit im Wirtschafts- und Gesellschajts- leben zu überwinden und mit Franz Hitze praktische Sozialpolitik zu trei­ben. In grundlegenden Fragen brauchen wir in starkem Maße nur auf das zurückzugreifen, was vor Hundert Jahren v. Stein gewollt hat, was aber, als die erste Not vorbei war, seine Gegner hintertrieben haben, so daß feine weitausgreifenden Bestrebungen großenteils im Ansatz stecken geblieben sind. Auch Ketteler hat weiter gesehen als alle seine Zeitgenossen, die glaubten, mit Einzelprogrammen die Schäden der Zeit heilen zu können. Seit Kette­ler, Lasalle und Marx sind zwei bis drei Gene­rationen ins Grab gegangen. Das Programm von Marx hat sich nicht durchführen lassen. Das größte Marxsche Verdienst besteht darin, daß er die Massen aufgerüttelt und in Bewegung gebracht hat. Und das bleibende Verdienst von Ketteler ist, daß er klar gesehen hat, daß mit dem Geist der französischen Revolution, mit dem überspannten Individualis­

nehmigung der Landesregierung einholen müssen, sobald ihr Voranschlag das um 20 Pro­zent gekürzte Aufkommen des Rechnungsjahres 1926 übersteigt. Bedenken wird man weiter darüber haben, daß für die Gewerbesteuer künftig ein Satz als normal gelten soll, der nach dmtiger Rechnung 405 Steuereinheiten

mus, mit dem falsch verstandenen Geist der Freihell, der im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben den Mäch­tigen völlige Ungebundenheit einräumte und den Schwachen praktisch der unmenschlichen Ausbeutung auslieferte sich unmöglich ein befriedigender Gesell­schaftszustand herbeiführen lasse.

Was wir in den letzten Jahren erlebt haben, war keine soziale Revolution, es war vielmehr der Zusammenbruch eines überlebten Regierungs- systems. Große Aufgaben harren des deutschen Vol- kes noch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Europa ist nicht nur politisch noch unbefriedet, wir befinden uns auch noch in einem sehr starken sozia- len Gärungsprozeß. Wir werden uns auf diesem Katholikentag weitgehend an die seelischen Kräfte der Katholiken wenden, ihnen einzuprägen suchen, daß eine fundamental sittliche Lebens- und Gesell- schaftserneuerung nur kommen kann, wenn Ehe und Familie wieder tiefinnerliche und wahre Lebens­gemeinschaften werden.

Nachdem die Versammlung beschlossen hatte, an den Papst und an den Reichspräsidenten v. Hinden­burg Telegramme zu senden, nahm der

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das Wort zu einer Festrede. Er führte u. a. aus: Kettelers innere Ueberzeugung sei es gewesen, daß die wahre und endgültige Lösung der sozialen Fra­gen nur möglich sein werde auf dem Boden des Christentums. Nicht als ob die Kirche, so fuhr der Nuntius fort, die Aufgabe hätte, die- unmittelbare Führung des Wirtschaftslebens zu übernehmen, wohl aber verkündet sie sie für alle Gebiete mensch­lichen Zusammenlebens, so auch für das der Wirt­schaft unverrückbare sittliche Normen. Die katholische Idee verlangt von dem Arbeiter ehrliche und ge­wissenhafte Pflichterfüllung. Gerade darum aber wäre es gegen das innerste Wesen des christlichen Gedankens, wenn der arbeitende Menschenbruder zum Sklaven, zum Objekt der Wirtschaft herabge­würdigt würde. Zwei Lösungen müßten diese Ta­gung beherrschen: Lösung der Gegenwartsaufgaben aus der Kirche und mit der Kirche undseid einig". Zum Schluß seiner Rede spendete im Namen des Papstes der Nuntius der Versammlung den aposto- lichen Segen. Alsdann sprach Otto Coha usz S. I. über das Weltgeschehen im Lichte des Gottes­glaubens und nach iym

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Mitglied des Reichstages, über die Kirche im Heutt- gen Deutschland, ihre Lage und ihre Aufgabe.

Letzterer führte aus: Das kultur- und kirchenpoli­tische Verfassungswerk von Weimar ist der Anfang nicht das Ende. Es ist ein System rahmenrechtlicher Sicherheitsnormen, die reichs- und landesgesetzlich weiterer Entfaltung und Verwirklichung bedürfen. Wir fordern von dem neuen deutschen Volksstaat nicht nur Brot und Arbeit, sondern auch Raum und Licht für unsere geistige und religiöse Eigenart, freien Raum für den Flägelschlag des katholischen Gedankens aus allen Gebieten des privaten, des öffentlichen, des gesellschaftlichen und staatlichen Le­bens. Es ist schwer, ja unmöglich, im gegenwärtigen Augenblick auf die K o n k o r d a t s f r a g e einzu- gehen. So viel aber muß mit aller Deutlichkeit ge­sagt werden: Der deutsche Katholizismus sieht in dem Konkordatsproblem keine Frage zweiter und untergeordneter Bedeutung, wir deutsche Katholiken sehen in dem Abschluß einer Vereinbarung zwischen dem neuen deutschen Volksstaat und der katholischen Kirche die Vrobedafür, ob die neue Demokratie und das Staatswesen, das ihrem Gedanken dienen will, bereit ist, auch den überzeugten und kirchlich emp­findenden Katholiken ein Haus auf deutscher Erde schaffen zu Helsen, in dem er nach den Lehren und Vorschriften seines Glaubens leben und wirken kann.

Zur S ch u 'l f r a g p übergehend, erklärte der Redner: Die Forderung der konfessionellen Schule ist ein Wesensbestandkeil des kulturpolitischen Aktionsprogramm der deutschen Katholiken. Auf die konfessionelle Schule verzichten, heißt, auf die Zu­kunft eines starken Katholizismus verzichten. Ein Gesetzentwurf, der beherrscht wäre von dem Ge­danken der rechtlichen und sachlichen Deklassierung der Bekenntnisschule und der gewaltsamen For- zierung der anderen Schularten, wird von uns mit unerbittlicher Festigkeit zurückgewiesen werden. In einer Menschheit, die auf staatlichem Gebiete dem Autoritätsgedanken immer mehr entwächst, obliegt der Kirche als Siegelbewahrerin des übernatürlichen Autoritätsgedankens eine doppelt verantwortliche Sendung. Um aber allen diesen Fragen gerecht wer­den zu können, so führte der Redner zum Schluß aus, sei es notwendig, den Ruf zur Einigkeit der katholischen Kreise aufzunehmen und weiterzu­tragen.

ausmacht, während bisher schon von 200 Steuereinheiten an eine Genehmigung der Landesbehörde einzuholen war.

Dagegen wird man begrüßen können, daß eine Annäherung der Besteuerungsgrundlage für die Realsteuern an diejenigen der Reichs­steuern stattgefunden bat Die Realsteuerrah­

mengesetze lehnen sich hierbei eng an das Einkommensteuergesetz an. Es zeigt sich das Bestreben des Gesetzgebers, gleichlautende Be­stimmungen zu schaffen, eine Absicht, die zwei­fellos einen formalen Fortschritt bedeutet. Die Forderung der Wirtschaft, wonach vom ge­werbesteuerpflichtigen Ertrag Kapitalzinsen und Mieten abzugssähig gemacht werden sollen, ist dagegen nur zum Teil berücksichtigt. Nach dem neuen Gesetz sind den Reineinkünften aus dem Gewerbebetrieb die Zinsen für langfristige Schuldverbindlichkeiten und ähnliches abzurech­nen, dagegen nicht die Zinsen aus laufenden Verbindlichkeiten. Miet- und Pachtzinsen, so­weit sie nicht die ortsübliche Höhe überschreiten, sollen abzugsfähig sein.

Die Verabschiedung des Gesetzes wird auf außerordentliche Schwierigkeiten stoßen. Die Realsteuerrahmengefetze bedürfen zu ihrer An­nahme im Reichstag einer Zweidrittelmehrheit, da sie verfassungsändernden Charakter tragen. Die Sozialdemokratie macht sich denn auch schon bereits bemerkbar. Einzelne Bestimmungen des Gesetzes werden von ihr aufs schärfste bekämpft. So spricht sie von unerträglichen Zuwendungen an die Gemeinden und bezeichnet die Genehmi­gungsgrenze als unerträglich. Besonders be­kämpft sie die Absicht des Entwurfs, die Berufs-- Vertretungen von Handel, Industrie, Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft bei der Fassung der Umlagebeschlüsse der Gemeinden zur Mit­wirkung heranzuziehen. Sie lehnt diese Mit­wirkung der öffentlichen Berufsorganisationen mit aller Entschiedenheit ab. Andererseits wer­den die bürgerlichen Parteien gerade darin in vielen Fällen die Möglichkeit sehen, Ersparnisse herbeizuführen. All das zeigt, daß wir bis zur Verabschiedung dieser neuen Steuergesetze noch recht schwierige parlamentarische Beratungen zu erwarten haben.

De-iReiKsMiiftde«« in Bad Töl,.

Bad Tölz, 4. Sept. Die Stadt Bad Tölz veran­staltete am Sonntag nachmittag zu Ehren des Reichspräsidenten v. Hindenburg vor dem festlich geschmückten Rathause eine offizielle Begrüßungs­feier. Unter den Klängen des von der Tölzer Stadt­kapelle gespielten Präsenttermarsches fuhr der Reichspräswent vor das Rathaus, von dem Jubel einer großen Menschenmenge begeistert begrüßt. Auf eine Begrüßungsrede des Bürgermeisters er- widerte Reichspräsident v. Hindenburg mit herz­lichen Dankesworten und sagte, als Geburtstags­geschenk erbitte er sich: Einig zu sein, denn nur einig sein gebe Macht. Sein Hurra galt dem deutschen Vaterland und dem treuen Bayernland. Beim Ab­schied überreichten dem Reichspräsidenten weiß ge­kleidete Schulmädchen zahlreiche Blumengebinde. Unter brausenden Hochrufen verließ der Reichs­präsident den festlich geschmückten Ort.

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Reichsminister Dr. Koch über die politische Lage.

Stettin, 4. Sept. Aus Anlaß der Fahnen- weihe des deutsch-nationalen Arbeitervereins in Stettin hielt Reichsminister Dr. Koch eine Rede über die politische Lage, in der er sich zunächst gegen die Auffassung Frankreichs wandte, daß die Be­satzung als Sicherheit für die Durchführung des Dawesplanes notwendig sei. Darauf kam der Mi­nister auf die Flaggenfrage zu sprechen, wo­bei er u. a. ausführte, der preußische Minister­präsident versuche diese Frage mit Hilfe des Boy­kotts derjenigen Hotels zu lösen, in denen am Ver- sassungstage die Reichsfarben nicht gezeigt wurden. Es ist selbstverständlich, sagte Dr. Koch, daß die Reichsfarben, weil sie verfassungsmäßig sind, ge­achtet werden müssen. Das hat aber mit der Frage nichts zu tun, die freien Staatsbürger zu zwingen, sie zu zeigen. In dieser Situation ist es bedauerlich, daß der Streit auf wirtschaftliches Ge­biet hinübergetrieben wird. Man muß zur Be­sonnenheit mahnen. Diese Frage kann nicht mit roher Gewalt erledigt werden. Die Zerrissenheit un­seres Volkes darf nicht durch diese Sache weiter ge­trieben werden. Es ist daher nicht zu verstehen, daß der preußische Ministerpräsident sich dazu hergibt, die politischen Leidenschaften zu verschärfen. Die schwarz-rot-goldenen Farben sind durch die Agi­tation des Reichsbanners zu parteifarben ge­worden. Rach dem Vorgehen der Sozialdemokratie in dieser Frage muß angenommen werden, daß man schon jetzt die Massen zum Wahlkampf auffor­dern will. Die Frage: Monarchie oder Republik ist zurzeit gar nicht von so großer Bedeutung. Die Mo­narchie kann in konkreten Fragen nationaler und fruchtbarer fein, wie ein demokratisches Staats­wesen. Den Deutsch-Rationalen stehe die Slaatsidee immer höher als die Parteiorganisation. Die Deutsch-Rationalen haben, schloß Dr. Koch, den Eid auf die Verfassung geleistet und fruchtbare Arbeit in der Regierung getan und werden dies weiterhin tun. Einigkeit tut uns not, nicht Agitation, durch die das Volk auseinandergelrieben wird. Rur denen, die die Idee des Staates, die mit dem Begriff der Volksgemeinschaft unlöslich verbunden ist, rückhalt­los bejahen, gebührt die Führung im Staat. Wetz