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Seine LSnteefnOnns über den Keanttieemskeieg.
Varrdevvelde wivd von Genf nach Bvüssel sevnfen. - Die bergische Aesievung Segen DandevveweS Änvesnns.
In Genf hat am Freitag in der ersten öffentlichen Ratssitzung die Presse eine große Rolle gespielt. Es stand ein Bericht über die internationale Pressekonferenz zur Debatte, die von dem. Völkerbundsrate einberufen worden ist und kurz vor dem Zusammentritt des Rates in Genf stattgefunden hat. Der Rat hat sich nach dem Vorschlag des Berichterstatters diejenigen Forderungen der Konferenz zu eigen gemacht, die sich auf die Gewährung günstiger Telegrammtarife für die Presse und andere zeitungstechnische Erleichterungen, sowie auf die Ausstellung internationaler Journalistenausweise beziehen. Die anderen Punkte der Resolution wie z. B. der Schutz der Zeitungsnachrichten und die Zeitungszensur wurden bis zur Dezembertagung des Rates verschoben. Bei der Debatte über diese Vorschläge fand die Presse reiche Anerkennung. Die Worte, die über ihre Bedeutung gesprochen wurden, enthalten sicher keine Ueberschätzung. Ob man aber von der Presse als von einem internationalen Friedensfaktor sprechen kann, .ist eine andere Frage. Chamberlain traf wohl das Richtige, wenn er bemerkte, daß man in der Presse noch vielfach eine moralische Aufrüstung vertrete, die eine Gefahr für den Weltfrieden sei. Man kann nur wünschen, daß diese Bemerkung namentlich in Paris gut verstanden und gewürdigt wird. Im übrigen ist es erfreulich, daß man im Rahmen der internationalen Organisation, die der Völkerbund darstellt, der Presse eine völlige Gleichberechtigung mit den aktiven Politikern zugesteht.
Mit der Berichter stattung des Reichsauße nm inisters Dr. Stresemann über die Weltwirtschafts- konferenz wurde die erste öffentliche Sitzung des Völkerbundsrates abgeschlossen. Mit einem Urteil über den bisherigen Verlauf wird man noch zurückhalten müssen. Es kann aber doch betont werden, daß die Ueberweisung des Danziger Antrages auf eine Verlegung des polnischen Munitionslagers an âen juristischen Ausschuß allem Anscheine nach nicht als ein Begräbnis zu betrachten ist. Der Rat hat bekanntlich in einer früheren Sitzung Polen die Westernplatte als Sitz des Munitionslagers zugewiesen. Wenn er jetzt einen Ausschuß über die Voraussetzungen beraten läßt, unter denen dieser Beschluß wieder rückgängig gemacht werden kann, so beweist er damit, daß er eine Re- -ision zumindesten in Erwägung zieht. Wie man hört, hat der Danziger Oberbürgermeister -Sahm den Beschluß des Rates keineswegs als eine Ablehnung der Danziger Forderung empfunden. Freilich kann man bisher auch noch nicht von einem Erfolg Danzigs sprechen.
Ein bedenklicher Schatten lag auf der ersten öffentlichen Ratstagung: der belgische Außenmini st er Vandervelde, der den Pressebericht erstatten sollte, mußte sich durch einen anderen belgischen Delegierten vertreten lassen, weil man ihn nach Brüssel zurückgerufen hatte. Das belgische Kahinett beriet am Freitag über die Einsetzung eines unparteiischen Untersuchungsausschusses zur Prüfung der vielen, gegen die deutsche Kriegsführung gerichteten Greuellegenden. Er legte dabei Wert auf die Anwesenheit Vanderveldes, da dieser den Vorschlag einer solchen unvarteiischen Untersuchung gemacht hat. Schon die Tatsache der Rückberufung Vanderveldes ließ einen sicheren Schluß auf die Absichten des belgischen Kabinetts zu. Man stand dem Vorschlag Vanderveldes feindlich gegenüber, besonders, nachdem Poincare auf diplomatischem Wege förmlich Einspruch erhoben hatte. Ursprünglich hatte man wohl nicht die Absicht, Vandervelde und seinen Vorschlag schon während der Genfer Tagung zu verleugnen. Man vergaß dann aber alle Rücksicht auf Genf, berief den Außenminister von dem dortigen Verhandlungstisch ab, um ihn in Brüssel vor dje Wahl zu stellen, ob er seinen Vorschlag auf- geben oder auf sein Amt verzichten will. Es ist so gekommen, wie es Poincare befohlen
hatte. Das belgische Kabinett hat sich dem Diktat von Paris gefügt und denEnquete- Vorschlag Vanderveldes abgelehnt.
Diese Entscheidung, die als ein SchlaggegendasseelischeLocarno bezeichnet werden muß, kommt, nach allem, was in den letzten Tagen bekannt wurde, nicht überraschend. Es ist ja unwidersprochen geblieben, daß Herr Poincare seinen Botschafter zu dem belgischen Ministerpräsidenten Caspar sandte und ihm begreiflich gemacht hat, welche Gefahren in der Einsetzung einer deutschbelgischen Untersuchungskommission liegen. Genau so hat Herr Poincare schon das deutschbelgische Uebereinkommen über Eupen-Mal- medy, das dicht vor dem Abschluß stand, sabotiert. Er hat sich also erneut als die Kraft erwiesen, die einen internationalen Ausgleich zu verhindern weiß. Welche Folgerungen Herr Vandervelde aus dieser Niederlage im eigenen Kabinett zieht, läßt sich natürlich im Augenblick noch nicht übersehen. Er ist sofort nach Genf zurückgefahren, um den belgischen Sitz im Rat nicht zu gefährden, aber daß seine politische Reputation einen erheblichen Stoß erlitten hat, darüber wird auch er sich im klaren sein. Er wird, wenn nicht heute, so doch in der nächsten Zeit gehen und die ganze gegenwärtige Regierungskoalition mit in seinen Sturz h^nein- ziehen. Vorläufig beneiden wir ihn nicht um die Rolle, die er jetzt in Genf zu spielen hat. Die belgische Regierung hat sich Mühe gegeben, ihre Stellungnahme zu begründen, Sie gibt von den Vorgängen eine Darstellung, die nach unserer Kenntnis der Dinge irrig ist und wohl auch von der deutschen Regierung dementiert werden wird. Wir erinnern daran, daß am 19. August gleichzeitig in Brüssel und Berlin ein Kommunique veröffentlicht wurde, in dem ausdrücklich gesagt war, daß die Initiative von belgischer Seite ausging. Herr Vandervelde hat daran erinnert, daß Belgien schon im Laufe des Krieges eine Enquete verlangt hat und auch jetzt dagegen nichts einzuwenden habe. Daraufhin hat die deutsche Regierung die belgische Erklärung begrüßt, sich damit einverstanden erklärt und den Wunsch ausgesprochen, möglichst bald in Verhandlungen über die Einsetzung einer solchen Kommission einzutreten. Diese Tatsache kann Herr Pandervelde nicht aus der Welt schaffen, ebensowenig wie geleugnet werden kann, daß aus dem Beschluß des belgischen Kabinetts weiter nichts als die nackte Angst vor der Wahrheit spricht. Die Chauvinisten in Brüssel und Paris fürchten, daß, wenn einmal eine überparteiische Untersuchung erfolgt, das Märchen von der deutschen Kriegsschuld sich überhaupt nicht mehr aufrecht erhalten läßt. Deshalb haben sie Angst vor der Untersuchung. Diese Angst aber jetzt, wie es die belgische Erklärung tut, als „Friedensliebe" auszudeuten, das ist eigentlich mehr, als Zeitungspapier und Druckerschwärze zu tragen vermögen.
Ein Gchlas sesen das seeMche L-ssEZro.
Brüssel. 2. Sept Der heutige Ministerrat, an dem Vandervelde, der besonders zu diesem Zweck aus Genf zurückgekehrt war. teilnahm, hat die Veranstaltung der Franktireur --Enquete abgelehnt. Wie wir erfahren, hat Vandervelde den Vorschlag auf Einsetzung einer Franktireur-Enquete verteidigt, hat aber angesichts der Haltung der minister nicht aus der Durchführung der Enquete bestanden. Sofort nach Schluß der Sitzung hat sich Vandervelde nach Genf zurückbegeben.
Die Regierung veröffentlichte nach Schluß der Sitzung ein Kommuniquè, in dem es heißt:
Auf Grund der Erklärung des belgischen Außenministers vom 13. Juli 1926, in der erklärt wurde, daß Belgien eine internationale Untersuchung, selbst wenn sie verspätet erfolgen würde, über den angeblichen Franktireurkrieg zulassen würde, hat die Regierung des Deutschen Reiches ihren Gesandten in Brüssel am 22. August beauftragt, der belgischen Regierung mitzuteilen, daß Deutschland den Vor- schlaa einer Enquete annehme und darüber hinaus der belgischen Regierung die Ausdehnung dieser Enquete auf alle Fragen des Krieges vorgeschlagen.
Der deutsche Gesandte hat weiter erklärt, daß der
Ansicht der deutschen Regierung nach dieselbe Methoden auch auf andere Länder angewandt werden konnten. Der belgische Minister des Auswärtigen hat den Eingang dieser Mitteilung dem deutschen Gesandten bestätigt und mitgeteilt, daß er den deutschen Vorschlag dem nächsten belgischen Ministerrat vorlegen wurde. Der belgische Ministerrat ist in seiner heutigen Sitzung übereinstimmend der Ansicht gewesen, daß diese deutschen Vorschläge nicht angenommen werden könnten, obwohl sie aus einem Willen zur Besänftigung der internationalen Atmosphäre herrühren. Es schien unzweifelhaft, daß unter den gegebenen Umständen ein Enquete die Leidenschaften übermäßig aufwühlen würde und Folgen haben
Hig aufwithlen würde und Folgen haben den gemeinsamen Wunsch der beiden Regierungen auf Pazifizierung und Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zuwiderlausen würden. Der Minister des Auswärtigen wird die Gründe, für sein Verhalten beim Völkerbund' rat in Genf in Besprechungen mit den Vertretern der Signatarmächte des Locarnovertrages bekannt-
würde, bte
geben.
wie âresssvesteNüsen entstanden.
Die „Köln. 3tg" schreibt: Es liegt uns nicht, das belgisch-französische Beispiel nachzuahmen und in den alten Wunden mit durchsichtigem Zweck zu wühlen. Die Entscheidung des belgischen Ministerrats aber zwingt uns, an einem krassen Beispiel zu , zeigen, wie Kriegsgreuellügen gegen Deutschland entstanden.
Unter den Kriegsgreuellllgen, mit denen die Niedertracht und Roheit der Deutschen bewiesen und der Haß immer von neuem geschürt werden soll, spielt die Geschichte von dem siebenjährigen franko- fischen Knaben, der, mit einem Holzgewehr zum Spaß zielend, von einem deutschen Soldaten niedergeschossen wurde, eine große Rolle. Ein besonders deutschfresserischer französischer Dichter, Zama^ois, hat diese Geschichte nach gefälschten Zeitungsnachrichten in rührseliger Weise aufgebauscht, und in dieser Form ist sie nun, teilweise mit Bildern geschmückt, in zahlreiche französische Lesebücher übergegangen, um schon die Jugend gegen die Deutschen- zu verhetzen.
Was ist der Kern der Geschichte? Die Grundlage hierzu liegt in dem Tod des siebenjährigen Knaben Ewald des deutschen Zollbeamten Oswald Schaarschmidt, zurzeit in Chemitz, damals in Meng- latt (jetzt Magny) bei Altmünsterol (jetzt Montroux- Vieux). Dieser deutsche Knabe wurde bei den Grenzkämpfen im August 1914 ein Kriegsopfer. Dem Studienrat Ehringhaus in Kassel ist es neuerdings gelungen, durch Nachforschungen nach dem Verbleib der Familie den Vorgang bis ins einzelne auszuklären, nachdem der obengenannte Dichter Zamaevis schon hatte zugeben müssen, daß er seine Geschichte aus Zeitungsnachrichten zusammengebraut hat. Die Familie des Zollbeamten war bei Kriegsausbruch in dem etwa 150 Meter von der Grenze gelegenen Wohnhaus zurückgeblieben, als sich zwischen deutschen und französischen Abteilungen am 13. August 1914, zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags, ein Gefecht entwickelte, und zwar war die Familie, da der hochliegende Keller doch keinen Schutz bot, in der Wohnstube geblieben, die nach der französischen Seite nur ein kleines Fenster hatte und so wohl einigermaßen sicher schien.
Als die Mutter für kurze Zeit das Zimmer verlassen hatte, wurde ihr gleich darauf von den ältern Kindern der jüngste fünfjährige Sohn mit einer Schußwunde am Halse in die Küche gebracht, während sie den siebenjährigen. Sohn Ewald mit durchschossener Halsschlagader tot in der Stube fand; diese beiden Kinder hatten auf dem Schreibtisch, also etwas höher gesessen. Bei diesem Schuß handelt es sich nicht etwa um eine verirrte Kugel, sondern das Haus des deutschen Zollbeamten ist von der französischen Seite her, aus einem französischen Schützengraben oder von einem französischen Hause dicht
Kugeln Wände
abs au1
e aus, durch eine ganze Reihe von uftb, da sie zum Teil mehrere |en, ganz aus der Nähe, offenbar
sichtlich, beschossen worden. Da die Franzosen es 4 die Familie des aus dem Innern Deutschlands dorthin versetzten Zollbeamten abgesehen hatten, geht auch daraus hervor, daß die Frau nach dem Vordringen der Franzosen am 29. August 1914 als Geisel nach Südfrankreich verschleppt und erst im März 1915 seelisch gebrochen wieder freigelassen wurde. Nach der ganzen Sachlage kann also eine
deutsche Kugel gar nicht in Frage kommen. Dieser Tod des Knaben, also in Wirklichkeit eines deutschen Knaben durch eine französische Kugel, ist schon gleich darauf entstellt in französische Zeitungen hinelngebracht worden, und zwar mit dem rundweg erfundenen Zusatz, daß der Knabe, mit einem Holzgewehr auf einen deutschen Soldaten zielend, von diesem niedergestreckt sei. So ausgeschmückt, wird diese Geschichte als ein besonders zugkräftiges
Stück der planmäßigen Kriegsgreuelhetze gegen uns Deutsche immer und immer wieder breitgetreten und aufgefrischt.
Es ist geradezu ein klassisches Beispiel, wie ein Vorfall, bewußt entstellt, zu einer wirkungsvollen Hetze für Jahre hinaus wirkt, wenn er nicht vielleicht gar für immer in die Geschichte „als historisch bezeugtes Beispile modernen Hunnentums" übergeht. Es sei darum gerade in diesem Augenblick im Dienst für die Wahrheit ausdrücklich niedriger gehängt!
Die erste StaiSsttzuns.
Genf, 2. Sept. Im Mittelpunkt der heutige« öffentlichen Ratssitzung stand die Erörterung dèr Resultate der Internationalen Pressekonferenz. Al» Bericylerstatter fungierte in Abwesenheit Vander- veldes der belgische Senator de Brouckère. Der Präsident der Pressekonferenz, Lord Burnham, war wie üblich, an den Ratstisch gebeten worden. de Brouckere hob die Bedeutung der Probleme hervor, die verhandelt worden seien, beglückwünschte den Völkerbund zu seiner Initiative und sprach sich für die Wiederholung der Veranstaltung aus. Lord Burnham verband mit dem Dank für die ihm anteil gewordene Ehre die Feststellung, daß die Prests- konferenz eine erste öffentliche Anerkennung der Presse darstelle und damit zum ersten Male „nicht über die Hintertreppe, sondern über die Freitreppe in die Weltpolitik eintrat". Die Vertreter von 38 Staaten, unter denen Lord Burnham das Ausmaß der deutschen, amerikanischen, französischen und englischen Delegationen und die besondere Anstrengung der eigens zu diesem Zwecke nach Europa gekommenen japanischen Delegation hervorhob, in Verbindung mit der vollkommenen Autonomie der von der Nachrichtenabteilung des Völkerbundes wirksam unterstützten Konferenz, gab den Beschlüssen ein außer- ordentliches Gewicht.
Als erster Debattenr ebner gab Reichsauhen» minister Dr. Stresemann den Empfindungen Ausdruck, die das aufmerksame Studium der Veröffentlichungen über die Konferenz und ihre Entschließungen bei ihm ausgelöst hat. „Es ist etwas bedeutsames", so führte er aus, „wenn die Vertreter von 38 Staaten und von allen Zweigen der Politik, die nicht immer gleiche Interessen haben, sich zu- sammensinden, um die Bedingungen für die Durchführung ihrer Aufgaben zu erleichtern." Der deutsche Delegierte forderte eine großzügige und ener- gische Weiterversolgung der Entschließungen durch den Völkerbund und stellte in Bezug auf die Prä- ambel der vorliegenden Resolution der Konferenz fest, daß sie „feierliche Erklärungen der Grundrechte der Treffe" darstellen.
Im weiteren Verlaufe Jeiner Ausführungen führte Reichsminister Dr. Stresemann u. a. nvch aus, die Weltpresse sei mit der Ergänzung der Arbeit der Staatsmänner betraut und in ihrer Hand liege es, ob die Welt befriedigt oder die Oeffentlich- krU aufgereizt werde. Sie verfolge das gleiche Ziel wie der Völkerbund: die Verständigung. Vielleicht habe die Presse auf dieser internationalen Tagung ebenfalls die Erfahrung gemacht, daß es nicht immer leicht sei, 38 Nationen auf eine einstimmige Resolu- tion zu bringen. Das Suchen nach einem Kompromiß, erklärte er, ist oft der Ausdruck nicht der Schwäche, sondern politischer Weisheit. Ich wäre dankbar, wenn diese Erkenntnis auch bei der Würdigung der Arbeit zum Ausdruck käme, die der Staatsmännern obliegt.
P a ul-B o n c o u r, der es u. a. begrüßte, daß die Preße aus eigener Initiative das Problem der Be- kämpfung falscher Nachrichten angeschnitten habe, trat für die Schöpfung eigener Nachrichtenmittel des Völkerbundes ein, Jbie im Falle einer Krise vorhanden sein müßten. Vom Berichterstatter war vorgeschlagen, die Resolutionen der Pressekonferenz über den Nachrichtenschutz, die Erleichterung der journalistischen Arbeit und die Zensurfragen bis zum Dezember zu vertagen. Dagegen verlangte Urrutia- Columbien mit japanischer Unterstützung die Zwischenschaltung eines vorbereitenden Komitees. Der Berichterstatter de Bryuckère stimmte schließlich dem Antrag zu, ersuchte aber, die Initiative für die Prozedur der Völkerbundsversammlung zu belassen und ersuchte den Generalsekretär, für die nächste Dera- tung der Frage im Rat ein Dossier vorzubereiten. Er dankte besonders Dr. Stresemann für die Prä- zision, mit der er die Fragen seines Berichtes aus gearbeitet habe, der schließlich einstimmig angenommen wurde.
Der polnische DovschSas eines allsemeinen KichLansvèssspaViSs.
Genf, 2. Sept. In Genfer Kreisen erregt heute abend die Meldung des „Petit Parisien" Aufsehen, wonach Polen die Einbringung eines Vorschlages vor der Völkerbundsversammlung beabsichtigt, einen allgemeinen Nichtangriffspakt zu schließen. Nach Erkundigungen in den verschiedenen interessierten Genfer Lagern erscheint die Feststellung angebracht, daß eine Vorfühlung über einen derartigen Vorschlag kaum stattgefunden hat. Trotzdem nimmt man hier an, daß Polen mit einem solchen Vorschlag hervortreten und damit eine Gesamtaktion des Völkerbundes herbeizuführen suchen wird, die in gewißer Analogie zu den Bemühungen über das Genfer Protokoll stehen würde. Die Großmächte würden aber eine improvisierte Aktion von solcher Tragweite wohl schwerlich ohne weitere Folgen anneh- men können. Deutscherseits wird vor genauer Kenntnis von Form und Inhalt eines derartigen Vorschlags keine Stellungnahme erfolgen können, da mit