I«
Kanau «Stadt und Land
1922
2. âVtemvesr
Kveètas bett
M. 295
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. > Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung deS Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistete Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956, 3957,3958
drfdfelnt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / LezugSpreiS: Für den halben Monat RM.1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg.. Im Neklameteil von 63 mm Breite 25 R-Pfg. / Ofsertengebühr 50 R-Pfg.
Das LrmZMs.
— Die diesjährige Dölkerbundsoersammlnng hat * gestern mit einer Ratssitzung ihren Anfang genommen.
— In Paris erklärt man wieder nachdrücklich, daß ein Anschneiden der Räumungsfrage „nicht .opportun“ sei.
— Das englische Flugzeug „St. Raphael" soll nach einer Meldung am St. Lorenzfluß notgelandet sein. Nach einer anderen Meldung liegt keine Be- f: stätigung dieser Nachricht vor.
— Das französische Flugzeug „Der blaue Vogel" ist heute morgen zum Amerikaflug gestartet.
— Könnecke wie die Junkersflieger sind noch nicht gestartet.
— Das Wetter über dem Atlantik wird
weiter als für einen Ozeanflug ungünstig bezeichnet.
— Das Hochwasser in Galizien hat ungeheure Schäden verursacht.
Soo toWiae« SvetsuMe« im traben Osten.
Aus nur zu naheliegenden Gründen hat zwischen Sowjetrußland und dem neugegründeten Freistaat Polen von Anfang an eine starke Spannung geherrscht, die bereits im Jahre 1920 zum offenen Bruch führte. Der Frieden von Riga beseitigte die Gegensätze nicht, besonders da er auch einzelne Streitfragen in der Schwebe ließ, so daß Explosionsstoff genug zurückblieb. So haben wir denn in den letzten Jahren mehrfach ernste Zusammen- e der Sowjets und der Machthaber in War- . erlebt, mehr als einmal schien es, als wenn der Krieg unvermeidlich wäre. Letzten l Endes scheinen aber die beiden Staaten trotz des oft gehörten Säbelrasselns ihre Heere nicht für ganz bereit zum Losschlagen zu halten, denn schließlich wurden alle Konflikte wieder gütlich beigelegt.
Kein Vorfall hat aber die Beziehungen zwischen den beiden Staaten so sehr getrübt, als die Ermordung des russischen Gesandten Woikow auf dem Bahnhof in Warschau, der zunächst zu einem äußerst scharfen Notenwechsel zwischen Moskau und Warschau führte. Die Forderungen der Sowjets und der Ton ihrer Sprache in den Noten übertraf alles bisher Dagewesene. Dieses Mal schien wirklich das Schwert die Entscheidung bringen zu müssen, aber Pilsudski achtete nicht aus den rauhen Ton der russischen Note, sondern wartete mit der Antwort mehr als eine Woche, so daß sie für polnische Verhältnisse recht zahm ausfiel. Die Russen antworteten ihrerseits in derselben derben Weise und wiederholten ihre für Polen schier unerfüllbaren Forderungen. Daraufhin sah Polen von einer weiteren Antwort ab und beauftragte seinen Gesandten Patek in Moskau mit den weiteren Verhandlungen. Ueber einen Monat haben diese gedauert und sind jedenfalls von beiden Seiten mit großem Geschick geführt worden, denn nach dem soeben veröffentlichten Berichte haben sie ein geradezu . unerwartetes Ergebnis gehabt. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten ist durch das Verbrechen in Warschau nicht schlechter geworden, sondern hat sich bedeutend gebessert, so daß über kurz oder lang zwischen Moskau und Warschau ein Garantievertrag geschlossen werden wird, dem in absehbarer Zeit ein richtiger Handelsvertrag folgen wird.
Allerdings ist man sich über die Grundlagen für den wichtigen Schiedsvertrag noch nicht ganz einig geworden. Beide Teile wissen, daß es ihre Beziehungen zu einander wesentlich ändern und für die Politik und den Frieden von ganz Europa und der Welt von ausschlaggebender Bedeutung sein wird.
Drei Forderungen sind es vor allem, auf deren Erfüllung die polnische Regierung großen Wert legt, allerdings muß man sich fragen, ob Rußland wirklich gesonnen und auch in der Lage sein wird, die sehr weitgehenden Bedingungen restlos zu erfüllen. Polen verlangt nämlich nichts anderes, als die Garantie feiner Westgrenze, für die es schon so oft beim Völkerbund und bei seinen allmächtigen Gönnern eingetreten ist. Sicherlich wird der polnische Ruf nach einem Ost-Locarno auch die Tastung in Genf beschäftigen, wenn auch nicht in einer öffentlichen Sitzung, so doch bei den Besprechungen der Außenminister untereinander. Deutschland wird in dieser Frage unter keinen Umständen nachgeben dürfen, denn unsere jetzigen Grenzen im Osten dürfen niemals verewigt werden. Aber auch in England hat man schon mehrfach darauf hingewiesen, daß
Dev Vegirm der Ratstagung.
Genf, 1. Sept. Die 40. Ratstagung wurde heute oormittag 11 Uhr mit einer anderthalbstündigen Geheimsitzung unter dem Vorsitz von Villegas-Chile eröffnet. Die einzige neue Erscheinung im Rat ist der chinesische Gesandte in Lissabon, Wang. Frankreich wird durch Paul-Boncour und Sopon am Ratstisch vertreten. Neben der Festsetzung der Tagesordnung und Regelung einiger administrativer Fragen war die Sitzung vorwiegend einigen A n - trägen Danzi gs gewidmet. An der Danziger Debatte nahmen der Präsident des Danziger Senats, Sahm, und von polnischer Seite der Generalkommissar für Danzig, Strasburger, teil. Von polnischer Seite wurde beantragt, die Danziger Streitfrage bezüglich des Munitionsdepots auf der Westernplatte und des Anlegerechtes für polnische Kriegsschiffe im Danziger Hafen von der Tagesord- ung abzusetzen. Bezüglich der Frage des Anlege- rechtes ist eine Entscheidung noch nicht getroffen worden, doch nimmt man an, daß dieser Punkt der Tagesordnung aufrecht erhalten bleibt, während die Angelegenheit des Munitionsdepots auf der Westernplatte vorher einem Juristen- komitee überwiesen werden soll, in dem sich die im Rat vertretenen Mächte durch Juristen vertreten lassen. Es soll hierbei entschieden werden, wieweit vom Völkerbundsrat getroffene Beschlüsse, im gegenwärtigen Falle das 1922 Polen allerdings provisorisch eingeräumte Recht neuerdings diskutiert werden könne. Jedenfalls dürfte damit die Frage der Westernplatte während dieser Tagung durch den Rat selbst kaum eine Entscheidung finden. Die anderen Danziger Anträge von wesentlich geringerer Bedeutung wurden auf der Tagesordnung belassen.
Die nächste öffentliche Ratssitzung ist für morgen vormittag %11 Uhr angesetzt. Unter den 49 Staaten, die in diesem Jahre an der Völkerbundstagung teilnehmen, lassen sich 22 durch ihre Außenminister vertreten. Es darf schon jetzt mit Sicherheit angenommen werden, daß einige von ihnen nur den ersten Sitzungen beiwohnen werden. Der belgische Außenminister Vandervelde namentlich wird diesmal nur kurze Zeit in Genf bleiben, da seine Anwesenheit bei den Verhandlungen im belgischen Parlament in der Angelegenheit des deutsch-belgischen Untersuchungsausschusses über die Kriegsereignisse als unerläßlich bettachtet wird. Der pol- nische Außenminister Zaleski, der erst in etwa zehn Tagen in Genf eintreffen soll, wird vorläufig durch den ständigen Dertteter Polens beim Völkerbund, Sokal, im Rat vertreten.
Die Devsssevtsns von Bviands Äbveise.
Opposition im rechten Flügel des Kabinetts.
Paris, 1. Sept. Die Verzögerung von Briands Abreise nach Genf ist, wie wenigstens in politischen
Das Wettvetmen Wer den Grean. tVidevsvvechende KachvichLen von des «RaNhaeL^. - Das -van- zdMtbe SSusreng ^Blauev DoseS" seftavieè.
Die âanadaMegev noiselandet?
O t l a v a, 1. Sept. Die Signal- und Nachrichtenabteilung des Marinedeparlements erhielt eine Nachricht aus Saint Malo in der Provinz Quebec dickt an der Grenze der Vereinigten Staaten, wonach um 11.05 Uhr vormittags örtlicher Zeit ein grauer Eindecker, den man für den „St Raphael" hält, den Ort in nordwestlicher Richtung überflogen habe.
wie daraufhin festgeslelll worden ist, handelt es sich bei dem über St. Malo gesehenen Flugzeug nicht um das Flugzeug „S t. Raphael". Bis zum Mittag (also 18 Uhr mitteleuropäische Zeit) lag bei keiner Funkstation eine Nachricht von dem Flugzeug vor.
Mava, 2. Sept. Nach einer bei dem Luftamt eingegangenen nichtamtlichen Meldung soll das britische Flugzeug „St. Raphael" an den Ufern des St. Lorenzstromes 700 Meter östlich von Queebec infolge Benzinmangels gelandet sein.
Otkawa, 2. Sept. Das Luftaml teilte gestern in vorgerückter Nachtstunde mit, daß über eine Landung des britischen Flugzeuges „St. Raphael" am St. Lorenzstrom keine Bestätigung vorliegt.
Dev fvanzöMcke ^BSaue DoseS" geftavtet.
pari», 2. Sept. Um 6.32 Uhr ist das Farma- Flugzeug „Blaue Vogel" mit Givon und Lorbu an Bord zum Ozeanflug auf dem Flugplatz Le Bourget gestartet. Nach einer von Kavas herausgegebenen Nachricht, denken die Flieger zunächst
die Punkte des Versailler Friedensvertrages, die Danzig, den polnischen Korridor und Oberschlesien betreffen, verbesserungsbedürftig sind. Außerdem wird England sein Verhalten Polen gegenüber wesentlich verändern, wenn dieses in
Kreisen immer vernehmbarer verlautet, hauptsächlich wohl auf gewisse Treibereien innerhalb des Kabinetts zurückzuführen. Briand wollte des. halb unbedingt den morgigen Ministerrat abwarten, um für seine Genfer Tätigkeit sich vorher Klarheit zu schaffen und sich den Rücken zu decken. Der rechte Flügel des Kabinetts, hauptsächlich Louis Marin, scheint die Gelegenheit wahrgenommen zu haben, Briand anzugreifen, weil dieser entgegen vorher von ihm gemachter Zusagen eine größere Verminderung der Besatzungstruppen im Rheinland als bloß um 5000 Mann sich habe abnötigen lassen. Als ziemlich sicher ist zu erwarten, daß der morgige Ministerrat für die Haltung Briands in Genf von bestimmender Bedeutung sein wird. Die Rechte wird mit allen Mitteln versuchen, den Vertreter Frankreichs an ziemlich starre Weisungen zu binden.
GvieehettSand karrdwievt §Äv einen niMftSndisen KatsM.
Genf, 1. Sept. (Schweizerische Depeschenagentur.) Wie man erfährt, hat Griechenland am Donnerstag offiziell seine Kandidatur für den nichtständigen Sitz im Völkerbundsrat als Nachfolger der Tschechoslowakei angemeldet. Außer Griechenland kommen Finland, Dänemark und Portugal in Be- tracht. Neben dem zur Zeit von der Tschechoslowakei inngehabten Sitz sind auch die Sitze von Belgien und San Salvador neu zu besetzen. Als 9tad)fo[ger für den Sitz San Salvadors kommt in erster Linie
Cuba in Bettacht.
Ein volniMSV GZsÄsvheSLs- vvvMlag.
Paris, 2. Sept. Der Genfer Berichterstatter des „Pettt Parisien" will wissen, daß die polnische Regierung in dem Wunsche einen neuen Schritt zur Lösung des Sicherheitsproblems zu tun, der Vollversammlung des Völkerbundes den Entwurf eines allgemeinen Nicht-Angriff-Packtes unterbreiten werde. Man könne Einzelheiten dieses Packtes noch nicht mitteilen, denn es fei ganz natürlich, daß die Einzelheiten des Dokumentes den Führern der deutschnationalen Politik zuerst vorgelegt werden müsse, die aber noch nicht alle in Genf eingetroffen seien. Man könne aber erklären, daß der Plan in der Vollversamlung am 7, oder 8. vorgelegt werden soll. Man hegt große Hoffnungen auf die Vorschläge.
nach Brest zu fliegen, von wo aus der Ozeanflug nach Baest zu fliegen.
Dev SlM6 des aâok von Dsivstt*
Konstantinopel, 1. Sept. Das Flugzeug „Stolz von Detroit" konnte, da um 2 Uhr nachmittags die Ermächtigung zur Ueberfliegung türkischen Gebietes noch nicht eingetroffen war und Aleppo vor Einbruch der Nacht nicht mehr hätte erreicht werden können, heute noch nicht wiederaufsteigen.
Dauernd siavss Gegenwinde auf dem ttdvdS. aiSantiMsn Orea«.
Hamburg, 1. Sept. Die Wetterverhältnisse auf dem nördlichen atlantischen Ozean haben sich, nach Mitteilung der deutschen Seewarte in Hamburg, im Laufe des Tages keineswegs gebessert. Auf der ganzen für den Flug Europa—Amerika in Betracht kommenden Strecke zwischen Irland und Neufundland herrschen weiterhin ziemlich starke Gegenwinde aus westlichen Richtungen mit Stundengeschwindigkeiten von vielfach 50 Kilometern. Mit einer Aenderung des ungünstigen Flugwetters sei im Augenblick noch nicht zu rechnen.
Dev glatte Dvgel" wZedev zuvüEgeSehvt.
(Letzte Meldung.)
Le Bourget, 2. Sept Das Flugzeug „Blauer Vogel", mit den Fliegern Givon und Eorbou an Bord, ist wieder nach hier zurückgekehrt. Zurzeit werden die Tanks geleert, um die Landung des Flugzeuges zu ermöglichen. nähere Beziehungen zu Sowjetrußland tritt und dadurch dem zurzeit heftigsten Feind Albions unter die Arme greift. Man kann auch nach den gegenwärtigen Verhältnissen gar kein Aeguivalent finden, das Polen Rußland für1
dieses so überaus wichtige Zugeständnis bieten könnte.
Sodann verlangt Polen in dem Handelsvertrag eine Klausel, auf Grund deren in Zukunft der gesamte russische Export nicht mehr durch Litauen, sondern durch Polen geleitet werden soll. Auch diese Bedingung ist für Rußland schwer zu erfüllen, da der russische Handel hauptsächlich über Reval und Riga geleitet wird, wie es schon vor dem Weltkriege der Fall war. Sobald sich die Sowjets einigermaßen konsolidiert hatten, wurde die alle Handels- straße von dem gesamten Ausland wieder beschritten, umsomehr, da auch aus technischen und finanziellen Gründen gar keine Veranlassung vorlag, daß wenigstens Westeuropa die bedeutend weitere und daher auch kostspieligere Straße über Warschau einschlagen sollte.
Bekanntlich ist die Wilnafrage, dank dem so verhängnisvollen Zaudern des Völkerbundes immer noch nicht rechtmäßig entschieden. Polen veoanat nun, daß die Sowjets ihre bisherige Haltung aufgeben und praktisch die polnischen Ansprüche aus Wilna anerkennen. Auch hierin werden die Polen nicht viel Glück haben, denn dadurch würden sich die Sowjets für alle Zeiten in einer Frage festlegen, die sie selbst absichtlich in der Schwebe behalten wollen.
Rußland sagt auf der anderen Seite der polnischen Regierung Neutralität bei etwaigen Konflikten mit anderen Staaten zu und garantiert ihm die jetzige Lage. Beide Staaten sind wohl kaum in der Lage, die gegenseitigen Forderungen zu erfüllen, da sie sich in Widerspruch stellen würden mit anderen Staaten, zu denen sie gute Beziehungen halten müssen. Nach dem Vertrage von Berlin kann Rußland Polen die gewünschte Zusicherung für ein Ost-Locarno garnicht geben und Polen muß sein Verhältnis zu England völlig neu orientieren, wenn es einen derartigen Vertrag mit Moskau abschließt. Hat doch vor kurzem noch ein englischer führender Politiker in einer bedeutsamen Rede darauf hingewiesen, daß Polen das erste Bollwerk gegen den Bolschewismus wäre und bleiben müßte. Außerdem haben die Russen bei mehreren anderen Verträgen, die sie in der letzten Zeit abgeschlossen, das Durchmarschrecht verlangt. Würde Polen in diesem Punkte nachgeben, so käme es in ernsten Konflikt mit dem Völkerbund, dem es gerade unter den jetzigen Verhältnissen aus dem Wege gehen muß. Es ist daher anzunehmen, daß über die beiderseitigen Bedingungen lange Verhandlungen stattfinden, dann aber beide Staaten ihre Forderungen wesentlich herabsetzen werden. Immerhin ist es für den Frieden Europas zu begrüßen, daß die polnisch-russischen Beziehungen sich wesentlich gebessert haben.
BsSsSetts fMsOèes GettMeA.
Berlin, 1. Sept. Der belgische Außenminister hatte bekanntlich kürzlich in einer Note an die deutsche Regierung die Anregung zu einem unparteiischen Schiedsgericht wegen des deutsch-belgischen Streites über den Franktireurkrieg gegeben. Die deutsche Regierung hat sich unverzüglich mit dem Vorschläge einverstanden erklärt. Gleich darauf hörte man aus Brüssel, daß der belgische Außenminister, der So- zialdemokrat Dandervelde, die Initiative zr dieser Angelegenheit ohne Wissen der übrigen Kabinettsmitglieder ergriffen habe.
Jetzt meldet der Brüsseler Berichterstatter des „Temps", der belgische Ministerrat habe sich in Abwesenheit des Außenministers
gegen die Einsetzung eines Schiedsgerichts aus- gefprochen.
Die Angaben des französischen Blattes über diese Kabinettssitzung sind so ins einzelne gehend, daß man an ihre Richtigkeit glauben möchte. Der Ministerpräsident habe scharf gegen das Unternehmen Vanderoeldes protestiert. Die endgültige Entscheidung könne erst nach Vanderveldes Rückkehr aus Genf getroffen werden.
Eine Bestätigung dieser „Temps"-Meldung liegt noch nicht vor, aber es ist bezeichnend, daß der Brüsseler Korrespondent des sozialistischen Pariser „Oeuvre" ebenfalls von heftigem Widerstande der liberalen Minister des belgischen Kabinetts gegen eine unparteiische Untersuchung des Franktireurkrieges spricht. Dieses Blatt ist optimistischer als der „Temps" und glaubt, die belgische Regierung werde, um Vandervelde nicht zu desavouiren, schließlich bet Untersuchung der Franktireurstage doch noch zustimmen,
sich aber jeder weitgehenden Untersuchung, etwa der belgischen Neutralität, widersetzen.
Selbst wenn man, was die „Temps"-Meldung an- betrifft, annimmt, sie beabsichtige einen französischen Druck auf die belgische Regierung, so ist nach allem was vorliegt, kaum an der Tatsache zu zweifeln, daß das belgische Kabinett dem Vorgehen Vanderveldes seine Zustimmung noch nicht erteilt bat. und daß sich im Brüsseler Kabinett lebhafter