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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3957,3958

Das HesEr.

Die amerikanischen Weltflieger sind gestern end von London kommend in München gelandet, mte morgen erfolgte der Start zum Weiterflug ich Konstantinopel.

Levine ist gestern mit dem Flugzeug Columbia" von Paris nach London entflohen.

Könnecke ist noch nicht gestartet; er hofft imer noch auf besseres Wetter.

Die heutige Sitzung des Reichskabinetts wird h mit Deutschlands Außenpolitik beschäftigen.

Auf der Tagung der Interparlamentarischen nion wurde gestern die Abrüstungsfrage be- indelt. Es traten dabei die bekannten Gegensätze i dieser Frage zutage.

Der Rücktritt Cecils wird heute bestätigt.

Die Abvüstungssvase auf der SHSVevbuudsiasums.

Man kann mit Sicherheit annehmen, daß uf der bevorstehenden Vollversammlung des Völkerbundes die Abrüstungsfrage eine große tolle spielen düpfte. Sie ist ganz gewiß von irofäer Aktualität. Mehrere Vorkommnisse der etzten Zeit haben außerdem die Ausmerksam- eit von neuem auf sie hingelenkt. In Paris mt der fanzösische Senator de Jouvenel auf »er Tagung der Interparlamentarischen Union fite These vertreten, daß die stärkste Kriegs- üstung die beste Friedenssicherung sei. Man ig ragt sich mit Erstaunen, wie der französische Senator es über sich gewinnen konnte, mit üner derartigen Auffassung französischer Dele- jierier im Völkerbünde zu sein. Er hat doch icher fein militärisches Herz nicht erst entdeckt, ils er sein Amt als Delegierter im Völkerbund iteberlegte, sondern er hat es auch vorher schon besessen. Unter diesen Umständen wird man es vielleicht doch erklärlich finden, daß in der Frage der Abrüstung im Völkerbünde so gut wie gar keine Fortschritte erzielt werden können. Der Fall Jouvenel beweist aber auch die Notwendigkeit, diese Frage im Völkerbünde nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Denn es ist für den Völkerbund geradezu eine Existenz­frage, ob er als Friedensfaktor das Wettrüsten der Nationen überflüssig machen soll oder ob die Ansicht des Senators de Jouvenel die Ober­hand behält.

Auch der Austritt des Lord Cecil aus dem englischen Kabinett rückt die Abrüstungsfrage wieder in den Vordergrund. Lord Cecil, eben­falls ein langjähriger Delegierter im Völker­bund, hat England auf der Genfer Abrüstungs­konferenz der Seemächte vertreten. Die Kon­ferenz hat bekanntlich mit einem vollen Fehl­schlag abgeschlossen. Lord Cecil war der Mei­nung, daß dieser Ausgang hätte vermieden werden können, wenn England nachgiebiger gewesen wäre. Er selbst arbeitete auf einen Kompromiß hin, wurde aber im englischen ' Kabinett von den Verfechtern des Marinestand­punktes überstimmt. Lord Cecil zieht mit seinem Rücktritt daraus die Konsequenzen. Sein Rücktritt ist aber nicht nur eine Ange­legenheit des englischen Kabinetts, sondern findet auch in den Kreisen des Völkerbundes ein starkes Echo. In den Völkerbundsfragen war er ein Mann von europäischem Ruf und keiner hat so energisch für die Ziele des Völker­bundes gearbeitet wie Lord Cecil. Mit be­sonderem Nachdruck arbeitete er aus dem Ge­biete der Abrüstung und er hat, wie es scheint, gerade hier seine Stellung für unmöglich ge­halten, nachdem die Abrüstungskonferenz der Seemächte gescheitert ist. Auf der vorläufigen Abrüstungskonferenz des Völkerbundes im . Frühjahr dieses Jahres hat Lord Cecil sich große Mühe gegeben zu einem, wenn auch be­scheidenen positiven Ergebnis zu gelangen. Von der Abrüstungskonferenz der Seemächte er­wartete man damals einen neuen Antrieb in der

Abrüstungsfrage überhaupt. Aber nicht ein Antrieb, sondern ein Rückschlag ist eingetreten. Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob die vorläufige Abrüstungskonferenz bei der ge­planten Fortsetzung ihrer Arbeit im November dieses Jahres überhaupt noch Aussicht auf Er« solg habe, nachdem die drei Seemächte auf der Pariser Konferenz ein abschreckendes Beispiel gegeben haben. Jedenfalls muß Lord Cecil der Ansicht gewesen sein, daß er selbst als Vertreter des Abrüstungsgedankens auf große Schwierig­keiten stoßen müsse. Deshalb ist er gegangen und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Sache der Abrüstung mit ihm im Völkerbund einen sehr starken Anwalt verloren hat.

Unter diesen Umständen hat Deutschland

Die SnLevvarlamentarèschs änkerenr rM SwrüMmsSßrase.

Kabinett wird

Paris, 29. Aug. Auf der Konferenz der Inter­parlamentarischen Union erstattete heute.vormittag der frühere dänische Kriegsminister Dr. Munch für den Sonderausschuß für die Abrüstungsfrage Bericht.

Er betonte, die Frage der Rüstungs­herabsetzung begegne heute schwierigeren Be- dinMngen als vor zwei Jahren. Die Union sei der Ansicht, daß man an die öffentliche Meinung appel­lieren müsse, um ihre Lösung zu beschleunigen. Wenn die Parlamente zögerten, so deshalb, weil die öffentliche Meinung selb st zögernd sei. Die Ursache hierfür sei in der Tatsache zu suchen, daß man nicht klar sehe, durch welches Mittel man zu einem neuen Zustand gelangen, oder auf welche Weise man eine allgemeine Herabsetzung der Rüstun­gen durchsetzen könne.

Im weiteren Verlauf seiner Rede führte der dänische Delegierte M u n ch zu der Abrüstungsfrage aus: Der Sonderausschuß der Interparlamentari­schen Union hat einen technischen Plan ausgearbeitet, um zu beweisen, daß die Herabsetzung der Rüstun­gen möglich ist. Der Hauptgedanke dieses Planes bestehe darin, durch ein allgemeines Abkommen ein weiteres Aufrüsten zu verbieten und eine allmählich erfolgende Herabsetzung der Rüstungen unter Be­rücksichtigung der besonderen Lage jedes Staates durchzuführen. In diesem Sinne ist auch die Reso­lution des Ausschusses gefaßt.

Der französische Delegierte

wies alsdann darauf hin,, daß eines der Ha u p t- hinderniffe für die Abrüstung darin be­stehe, daß man nur schwer von einer Nation verlan­gen könne, einen Teil ihrer Souveränität aufzu­geben. Die Kommission habe Grundsätze für den Abrüstungsplan ausgearbeitet, denen zufolge das potentil de guerre festgestellt werden soll. Da man aber den Staaten nicht zumuten könne, schon in Friedenszeiten auf ihre Industrie zu verzichten, werde man sich praktisch mit dem potentiel militair begnügen müssen.

Unter den Diskussionsrednern sprach

der ungarische Delegierte de Vrzeviczy, der sich gegen die in der Abrüstungsfrage erkenn­baren Tendenzen der Siegerstaaten wandte. Er er­klärte: Man bezeichnete als Haupthindernis für eine Abrüstung die mangelnde Sicherheit, aber die­jenigen Staaten, bie abgerüstet haben, sollten das Recht erhalten, von Sicherheit zu spre­chen. Die besiegten Staaten sind ohnmächtig, und in ihrer Ohnmacht können sie niemand Schaden zu­fügen. Trotz Locarno hat man in Frankreich ein Gesetz verabschiedet, durch das auch Frauen und Kinder mobilisiert werden.

Im weiteren Verlauf der Debatte ergriff der deutsche Delegierte,

der sozialistische Abg. Dr. Sollmann, das Wort zu einer Rede, in der er nach einem Hin­weis darauf, daß die Pariser Friedensoerträge die Abrüstung Deutschlands als ersten Schritt zur all­gemeinen Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen festgelegt hätten, u. a. ausführte:

Wir alle wissen, daß diese verheißungsvollen Worte, an deren vollen Ehrlichkeit zu zweifeln nicht erlaubt ist, ihrer Verwirklichung bisher um keinen

erst recht die Aufgabe, auf der Genfer Völker­bundsversammlung für den Gedanken der Ab­rüstung einzutreten. Im Anschluß an den Be­richt, der über die Tagung der vorläufigen Abrüstungskonferenz erstattet worden ist, trat Reichsaußenminister Dr. Stresemann schon auf der letzten Ratstagung sehr kräftig der Un­zufriedenheit Deutschlands mit dem Ergebnis dieser Konferenz Ausdruck gegeben. In. der Vollversammlung des Völkerbundes wird aus demselben Anlaß Gelegenheit gegeben sein, vor den Augen der Welt erneut die Abrüstungs­frage aufzurollen. Deutschland kann aufgrund Des Versailler Vertrages und des Völkerbunds­statutes verlangen, daß die anderen Mächte mit der Abrüstung folgen, nachdem seine eigene Entwaffnung auch nach dem Eingeständnis der Gegenseite vollständig durchgeführt worden ist. Es hat ferner ein Recht, sehr starke Kritik da­ran zu üben, daß auf diesem Wege der allge­meinen Abrüstung bisher noch kein Schritt getan worden ist. Bei diesem Stande der Dinge werden wir uns nun und nimmer beruhigen können. Der Reichswehrminister Dr. Gehler hat im Reichstag bei feinem letzten Auftreten mit erfreulicher Entschiedenheit betont, daß Deutschland den Zustand der Waffenlosigkeit nicht ertragen kann, wenn die Mächte ringsum auf ihrer Rüstung beharren. Vor diese Wahl werden die Mächte immer wieder gestellt wer­den müssen und es ergibt sich auf den Tagun­gen des Völkerbundes die beste Gelegenheit, der Weltöffentlichkeit die Konsequenzen des

Schritt näher gekommen sind. Es ist der einmütige Wille der deutschen Gruppe in der Interparlamen­tarischen Union, mit allen Mitteln der moralischen Abrüstung der Welt zu dienen. Die Arbeit für ine geistige Befriedigung der Welt wird jedoch durch die scharfe Weiterrüstung vieler Völker gehindert. Die ungeheure Mehrheit des deutschen Volkes ist friedlich gesinnt. Sie begrüßt den Geist von Locarno und wünscht die Verständigung mit allen Nachbarn, auch mit den Nachbarn im Osten, insbesondere mit Polen. Wir sprechen unseren besonderen Abscheu gegen die barbarischen Folgen eines künftigen Luft- und chemischen Krieges aus. Die Frage des Kriegs- potentiel wird, wie ich fürchte, das Abrüstungs­problem hoffnungslos komplizieren. Aehnlich wie andere große Delegationen hat die deutsche Dele­gation gegen diesen Teil des Abrüstungsplanes un­überwindliche Bedenken. Mit voller Zustimmung begrüßen wir dagegen das angestrebte Verbot mili­tärischer Verbände neben dem eigentlichen Heer, da diese Verbände eine Gefahr für die Jugend bedeu­ten. Dahinter erhebt sich die Frage, ob nicht über­haupt der Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht von allen zu verwerfen ist, die den militärischen Geist der Völker bekämpfen wollen. Auch ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß große Teile der nationalen Wirtschaft an dem Heer und seinen Rüstungen ver­dienen. Die deutsche Gruppe wird den technischen Abrüstungsplan zur Grundlage weiterer Arbeiten und Untersuchungen machen. Mit allen Delegatio­nen hofft die deutsche Gruppe eins zu sein in dem Willen: Ein Ende der Aufrüstung! Laßt uns die Abrüstung beginnen!

In der Nachmittagssitzung wurde die Debatte zum Abschluß gebracht. Die Abstimmung über die von der Kommission vorgelegte Resolution wurde jedoch auf morgen vertagt.

Die Amerikaner

erklärten, daß sie den Resolutionsentwurf nicht billigen könnten, da er mehrere Be­stimmungen enthalte, die unkontrollierbar seien. Die Vereinigten Staaten legten Wert darauf, daß der Völkerbund niemals ein Ueberftaat werde. Ein Abkommen wie das von Locarno sei besser als sämtliche Abrüstungsprobleme.

Auf die Ausführungen Sollmanns betreffend Belgien ging

der belgische Senator Digneffe

ein, der Sollmanns Aeußerungen als erlösenden Moment mit Genugtuung begrüßte, jedoch unter dem Hinweis auf den Bericht Guillaumats, die deutsche Pressekampagne gegen Belgien und die Rede von Kardorffs dem Bekenntnis seiner Leute Ausdruck gab, das beste Mittel, die Entwaff­nung zu verwirklichen, sei-zuerst die Sicherheit jeder Nation zu garan­tieren. Ihm trat entgegen

der belgische sozialistische Abgeordnete Pierard, der eine Rede wie die Kardorffs auch bedauerlich nannte, aber auf die von den militärischen Sach­verständigen bestätigte Durchführung der Entwaff­nungsklauseln durch. Deutschland hinwies und auf den überwiegend demokratisch-republikanisch einge­stellten deutschen Volksteil, den man ermutigen müsse, anstatt durch Aeußerungen wie die Digneffes zu entmutigen.

gegenwärtigen Zustandes mit aller Deutlichkeit vor Augen zu stellen. Auf der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes wird das sicher ge­schehen. Man kann annehmen, daß die Ab­rüstungsfrage im Mittelpunkt der Erörterungen stehen wird.

AaNrrettsvaL übev Oenf.

Berlin, 29. Aug. Wie wir bereits meldeten, werden die zurzeit in Berlin weilenden Minister der Reichsregierung am Dienstag zu einer Kabi­nettssitzung zusammentreten, um sich neben laufen­den Angelegenheiten mit der polnischen Ver­ordnung über die Einführung von Maximal­zöllen, durch die Polen einen neuen Druck auf die Reichsregierung ausüben will, zu beschäftigen. Durch Beschluß des polnischen Kabinetts ist die Er­höhung der Maximalzölle des polnischen Zolltarifs bereits den verschiedenen Mächten notifiziert wor­den. Die Erhöhung tritt mit dem 26. Dezember für alle Länder, die keinen Handelsvertrag mit Polen haben, in Kraft.

Neben dieser für das deutsche Wirtschaftsleben wichtigen Frage wird ferner die gesamte außen­politische Lage zur Debatte stehen.

Die Frage der Truppenvermin­derung im Rheinland wird dabei die wich­tigste Rolle spielen.

Jedoch ist nicht damit zu rechnen, daß irgendeine besondere Entschließung gefaßt wird, da alle mit der Frage der Rheinlcndräumung zusammenhän­genden Fragen bereits in der Kabinettssitzung am 10. August eingehend erörtert worden sind. Man nimmt in Berlin an, daß die offizielle Mitteilung über die von den Kabinetten in England und Frankreich beschlossene Truppenreduktion am Rhein

am Dienstag vor der Kabinettssitzung in Berlin eintreffen wird. Irgendwelche grundsätzliche Entschlie­ßungen werden aber durch diese Mitteilung kaum noch herbeigeführt werden, da, wie gesagt, die Grundlinien der deutschen Politik bereits in der letzten Kabinettssitzung festgelegt worden sind. Das Kabinett wird die Mitteilung vorläufig lediglich zur Kennlns nehmen und die Entwicklung dec Dinge abwarten.

An der Sitzung werden nur die Minister Stresemann, Schiele, Geßler, Koch und Curtius teilnehmen. Die Rückkehr des Reichskanzlers Marx und der Minister Hergt und Köhler, die sich augenblicklich auf Urlaub befinden, ist erst Ende dieser oder Anfang der nächsten Woche zu er­warten.

Die Ab reise der deutschen Dele­gation nach Genf zu den Beratungen des Völkerbundsrats und des Völkerbundes wird, wie bereits gemeldet, in zwei Teilen erfolgen. Ein Teil der Delegation fährt bereits am Dienstag von Berlin ab, während der andere erst Ende der Woche nach Genf abreifen wird.

Das Programm der Völkerbundslagung weist keine besonderen Sensationen aus.

Im Völkerbundsrat wird der Streit zwischen Rumänien und Ungarn von Bedeutung sein, da hierbei die Frage der Kompetenz des Völ­kerbundes eine wichtige Rolle spielen dürste. Es sei hier nicht verschwiegen, daß in Ungarn eine gewisse Verkennung Platz gegriffen hat wegen des inneren Unbeteiligtseins, mit dem Dr. Stresemann diesen Fragen gegenübersteht. Weiter steht der Streit zwischen Griechenland und der Deutschen Vulkan- werft, an dem das Deutsche Reich selbst nicht be­teiligt ist, zur Debatte. Auch hier wird die Frage geprüft werden müssen, ob der Völkerbund für die Austragung dieses Konflikts zuständig ist. Deutsch­land werden in erster Linie die verschiedenen Dan­ziger Fragen interessieren. Insbesondere ist es hier die Beschwerde Danzigs über die weitere Be­nutzung der W e st e r p l a t t e als Munitions­lager Polens. Von weiteren Fragen, die auf der Tagesordnung stehen, ist besonders die Frage der Ueberwinterung polnischer Schiffe im Danziger Hafen von Bedeutung.

In den Beratungen des Plenums des Völker­bundes werden wichtige Fragen der Gesamtpolitik zur Debatte stehen. So wird sich unter anderem das Plenum mit der Weltwirtschaftskonferenz besassen und sich darüber schlüssig werden müssen, in welcher Form die weitere Behandlung der auf der Welt- wirtsachftskonferenz aufgeworfenen Fragen ferner­hin erörtert werden sollen. Die wichtigste Frage, die im Plenum behandelt werden wird, ist jedoch die Frage der A b r ü st u n g. Es ist anzunehmen, daß wie bisher auch gelegentlich dieser Tagung wieder die Außenminister der Locarnomächte zu besonderen Besprechungen sich zusammenfinden wer­den. Man wird klug tun, den Ausgang derartiger Erörterungen möglichst kühl zu beurteilen.

GvangeUMs ÄEsssMsZstfchaft und AeMsMuSsefstz.

Wie dieEvangelische Warte" vom 27. August 1927 mitteilt, hat die Evangelische Volksgemein­folgende Stellung zum Reichsschulgesetzentwurf ein­genommen:

Die evangelische Volksgemeinschaft begrüßt, daß endlich ein Reichsgesetzentwurf vorliegt.

Sie steht auf dem Standpunkt, daß das Reichs­schulgesetz die Form eines Rahmengesetzes verlassen hat und den eizelnen Ländern und Landesteilen nicht die Möglichkeit der freien Entwicklung der dem Lande und der Tradition angepaßten Schul­reformen gibt.

So gut die Evangelische Volksgemeinschaft aber die den einzelnen Ländern angepaßte Schulformen durch Landesgesetz festgelegt sehen möchte, wird sie sich mit der Entschiedenheit dafür einsetzen, daß die auf jahrzehntelanger Erfahrung aufgebaute Simul­tanschule christlicken Charakters in den Ländern Hessen, Baden, Hessen-Nassau, Thüringen, Frank­furt a. M. usw. erhalten bleibt, da durch ihre Zer­schlagung die seither bestehende Volksverbundenheit zerstört würde.

Sollte dieser Reichsschulgesetzentwurf zur An­nahme gelangen, damit die christliche Simultan­schule der südwestdeutschen Länder vernichtend, so steht die Evangelische Volksgemeinschaft vor einer neuen Sachlage, zu der sie sich ihre Stellungnahme, genau wie die übrigen Parteien, vorbehält".

Neue ©iaetbmiiWÄfi in Dessau LMd âAtt»

Berl kn, 29. Aug. Rach einer Korrespondenz­meldung hat die Leitung der Junkerswerke in Dessau mit den deutschen Amerikafliegern gestern noch einmal über die einzuschlagenden Luftwege verhandelt. Bian wird sich, wie verlautet, gegebe­nenfalls für einen etwas südlicheren Kurs entschei­den. Die Meldungen über das Wetter auf dem At­lantischen Ozean lauteten heule besser. Von den be­vorstehenden Wettermeldungen hänge die Entschei­dung ab, ob in Dessau ein neuer Versuch zur Be­zwingung des Ozeans unternommen werden würde. Wie derselben Korrespondenz aus Köln ge­meldet wird, will auch Könnecke erst die Wetter­meldungen der Hamburger Seewarle abwarlen und sich dann schlüssig werden, ob er Dienstag oder Mittwoch starten wird.