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Ms. 168

Mittwoch de«

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24. SlusE

1628

Dss Meuette.

Blutige Zusammenstöße bei ^ndgebungen mlâßlich der Hinrichtung Saccos und Vanzettis verden aus Leipzig und Paris gemeldet.

Französische Frontkämpferverbände haben ihren Austritt aus dem Festkomitee für den Empfang der amerikanischen Legionäre beschlossen.

Der Start der Junkersflieger ist noch nicht 'estgesetzt. Auch Könnecke wartet noch besseres Detter ab.

Vizepräsident General Dawes verzichtet auf

>ie Präsidentschaftskandidatur.

Si« neues GvsSsüdstavks«?

Vor einigen Tagen verbreiteten mehrere ührende Blätter des Balkans die Nachricht, daß )ie Reife König Alexanders von Südslawien rach* München nicht nur durch das schwere Nagenleiden des Königs veranlaßt wäre, san­iern auch politischen Zwecken diente. Es wäre rin Zusammentreffen mit dem zur Zeit in Deutschland weilenden bulgarischen König Boris geplant, um ein schon lange vorbereitetes schütz- und Trutzbündnis zwischen beiden Rei­hen herbeizuführen.

Die Nachricht klang an sich nicht so ganz unwahrscheinlich, denn eine Annäherung der leiden Staaten brächte jedem einzelnen nicht unbedeutenden Gewinn sowohl in wirtschaft- icher wie in politischer Hinsicht, denn Bulgarien st durch den Friedensvertrag von Neuilly ähn- ick wie Oesterreich zu einem Staate herab­gedrückt worden, der aus eigener Kraft weder leben noch sterben kann und daher auf die Un- erstützung seiner Nachbarn angewiesen ist. Aber auch Jugoslawien ist bisher seines Sieges- preifes, der in einer nicht unerheblichen Ver­mehrung an Land und Leuten bestand, nicht o recht froh geworden. Die Außenpolitik der etzten Jahre hat es ferner mit sich gebracht, laß Serbien wie es sich bei dem Tirana- Konflikt im Frühjar 1927 nur zu deutlich ge­zeigt hat völlig isoliert war und trotz aller ihm von Frankreich gezeigten Sympathien nnen ihm sehr peinlichen Rückzug antreten nutzte.

In Italien war die Aufregung über diese Nachrichten nicht gering. Allgemein behauptete man, daß das Entstehen eines südslawisch-bul­garischen Bündnisses nur einen gegen Italien gerichteten Charakter haben könne. Frankreich gäbe sein altes Manöver wiederholt, denn Sönig Alexander sowohl wie sein Außenmini- 'ter Marinkowitsch bekämen ihre Weisungen nur aus Paris. Unter dem Drucke dieser schar­fen Sprache in Rom hat Bulgarien die Nach­sicht von der Zusammenkunft der beiden Könige allen Ernstes dementiert und vor allem das Ge­rücht weit von sich gewiesen, daß König Boris unter Umständen abdanken wolle, um ein Großsüdslawien schaffen zu können. In Belgrad halten sich die Gerüchte aber weiter, vor allem wird darauf hingewiesen, daß die Reise des Königs nach München nicht nur privaten Zwecken gedient habe.

Tatsächlich haben jedoch zwischen Belgrad und Sofia in der letzten Zeit keine Verhand­lungen über eine politische Annäherung statt­gefunden. Es haben nur die schon lange beab­sichtigten Besprechungen zum Abschluß eines Handelsvertrages begonnen. Man merkt da­her bei den Gerüchten die Absicht heraus, poli­tische Unstimmigkeiten zwischen Belgrad einer­seits sowie Rom und Athen andererseits herbei- zuführen. Zu diesen Bestrebungen gehört auch Das neuerdings aufgetauchte Gerücht, daß ein neues Großsüdslawien gebildet werden soll, das als ein Föderativstaat gedacht ist, wie es früher Deutschland war. Bulgarien, Serbien, Kro­atien, Slowenien, Bosnien, Herzegowina, Dal­matien, Mazedonien und Montenegro sollen sich zu einem Staatenbund unter Serbiens Leitung zusammenschließen und nach außen hin als eine einzige Macht figurieren. Als Schutzherr dachte man sich Frankreich, das heute der mächtigste Staat in Europa ist und das neue Völkergebilde sicherlich mit großer Freude schirmen würde, da ihm dann gegen Italien der Rücken geschützt wäre. Jeder, der die Geschichte des Balkans kennt, weiß nur zu genau, daß diese neun Staa­ten niemals unter einen Hut zu bringen wären. Wenn auch schließlich König Boris von Bulga­rien, der sowieso von vielen Seiten als regie­rungsmüde bezeichnet wird, auf seinen Thron verzichten würde, so würden sich doch die Bul­garen selbst niemals dem serbischen Staate freiwillig unterwerfen. Der beste Beweis dafür ist der Widerstand, den das durch den Frieden

Auswüchse des Sacco-

ÄameM-âRdsedtmse«.

Blutige Ittsammenfi-tzs in Lewzis und Navis.

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Leipzig. 23. Aug. Das Polizeipräsidium teilt mit: Die kommunistische Partei, der Rote Front- kämpferbund und einige kleinere linksstehende Or­ganisationen veranstalteten heute abend in der sechsten Stunde auf dem Reichsgerichtsplatz eine politische Kundgebung gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti. 3m Anschluß daran zog der größte Teil der Demonstranten nach dem Meß- plah. hierbei kam es zu schweren Ausschreitungen. Bei dem Versuch der Polizeibeamlen, der Straßen­bahn Durchfahrt zu verschaffen, gingen die Teil­nehmer des Umzuges sofort gegen die Beamten in der rohesten Weise vor. Sie entrissen einem Be­amten das Seitengewehr und schlugen auf ihn ein. Ein anderer Beamter wurde abgedrängt, von hinten umfaßt und zu Boden geworfen, getreten, geschla­gen und durch Messerstiche im Gesicht verletzt. Die­sen Beamten gelang es nur mit Hilse von Straßen­passanten, sich auf einem Straßenbahnwagen in Sicherheit zu bringen. Ein dritter Beamter wurde durch Messerstiche in den Bauch schwer verletzt, so daß er ins Krankenhaus übergeführt werden mußte. Weiler trug eine Anzahl Beamter leichtere Ver­letzungen davon. Während die Beamten die Ord­nung wieder herzuslellen versuchten, stürmte ein Teil der Demonstranten unter dem Ruf: »Rache für Vanzetli! Jetzt stürmen wir die Wache! Schlagt die Hunde nieder!" nach der in der Nähe gelegenen 7. Polizeiwache und versuchten, in diese einzudrln- gen. hierbei beroarf*n sie die die Wache verteidigen­den Beamten mit schweren Pflastersteinen und Eisenstäben, welche sie offenbar von vornherein bei sich führten, da in der Nähe der Dache eine Straßenbaustelle nicht liegt. 3n ihrer Bedrängnis gaben die Beamten einige Schüsse ab, durch die, soweit bis jetzt sestgestellt werden konnte, zwei An­greifer verletzt wurden. Beide wurden in das Krankenhaus gebracht, wo einer von ihnen gestor­ben ist. Der herbeigerufenen Verstärkung gelang es, die Ordnung wieder herzuslellen. Es wurden einige Verhaftungen vorgenommen.

Gchwsve Änvu-esr 5« Nasis.

Paris, 23. Ang. Nach Bekanntwerden der Hinrichtung Saccos und Vanzettis beschlossen die Kommunisten und Anarchisten, heute abend 9 Uhr auf den großen Boulevards und vor der amerika­nischen Botschaft zu demonstrieren. Hierbei kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei. Ein Teil der Manifestanten flüchtete sich auf dem älteren Boulevard in die in der Nähe liegenden Cafès. Die Besitzer sahen sich genötigt, ihre Lokale zu schließen. Vor der Porte Saint Denis griffen Manifestanten mit Messern und mit Stöcken d i e Polizei an. Vier Polizeibeamte wurden schwer verletzt. In der Nähe der großen Boulevards kam es zu neuen größeren Zusammen­stößen. Um 10 Uhr wurde festgestellt, daß zahlreiche kommunistische und anarchistische Elemente in Autos davonfuhren, wie man annimmt, zur amerikanischen Botschaft, von wo allerdings vorläufig noch keine Zwischenfälle .gemeldet werden. Am Place Clichy zerschlugen ungefähr 3000 Männer d i e Fe n - sterscheiben der Lokale, stürzten die Bäume um und demolierten wartende Autos. Am Boulevard Sebastopol wurden die Schaufen - ster eines großen Schuhhauses und die einesFeinkost geschäfteszertrümmert und die Waren auf die Straße gestreut. Auf den Champs Elyfèes wurden die Veranden und Fenster der Cafès eingeschlagen. An einer Stelle ist sogar eine Handgranate geworfen worden, ohne jedoch Schaden anzurichten. Am Carrefour Rèaumur wur­den Geschäfte geplündert. Die Manifestanten b a u e n an dieser Stelle mit Baumstämmen, Baum­zweigen und Automobilen Barrikaden. Bis 10 Uhr abends find nach einer Mitteilung der Poli­zeipräfektur im ganzen 57 Verhaftungen vorgenom­men worden.

Paris, 24. Aug. Gegen ^11 Uhr abends sind die Zugangsstraßen zur amerikanischen Botschaft von einer dichten Menschenmenge belagert. Auch die Gegend des Triumphbogens ist durch eine Menschen­mauer abgesperrt. Polizeiverstärkungen sind auf Automobilen an diese Stellen befördert worden. Der Versuch, Barrikaden am Carrefour Rèaumur zu bauen, führte zu heftigenKämpfenmitder Polizei, an denen sich sogar Bewohner der um­liegenden Häuser beteiligten, die von den Balkons mit allerhand Gegenständen die vorgehenden Polizei­beamten bewarfen. Es gab hier zahlreiche Verletzte. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. Gegen ^ll Uhr gelang es der Polizei, diese Stelle zu säu­bern. In der Nähe der großen Boulevards, ebenso wie an den verschiedensten Stellen der Innenstadt

sind weitere Zusammenstöße zu verzeichnen, bei denen die Polizei sogar von ihren Revolvern Ge­brauch machen mußte. Die Menge bemächtigte sich der die Bäume umgebenden Gitter, riß sie aus und versuchte, mit den eisernen Gitterstäben die Polizei zurückzutreiben. Gegen 11 Uhr wurden hier im ganzen 11 Verhaftungen vorgenommen. Mehr als 20 Polizeibeamte sollen nach den bisherigen Fest­stellungen Verletzungen erlitten haben.

GtzWenmaMinett.

Paris, 23. August. Havas meldet aus Mont­pellier: Heute um Mitternacht wurde nach Be­endigung einer Protestkundgebung gegen die Hin­richtung Saccos und Vanzettis eine Höllenmaschine gegen die Polizeistation eines Arrondissements ge­schleudert. Sämtliche Fensterscheiben der Polizei­station und der benachbarten Häuser wurden zer­trümmert. Ein Polizist wurde leicht verletzt. Der Einwohner bemächtigte sich eine Panik. Von der Höllenmaschine selbst war nichts aufzufinden. Drei Stunden später explodierte eine zweite Höllen­maschine, die gegen das Denkmal der Jungfrau von Orleans, dreißig Meter von der Polizeiwache ent­fernt, geschleudert wurde. Sie richtete nur einigen Sachschaden an. Bisher hat man keine Anhalts­punkte über die Urheber des Anschlages.

Bewssie ân-seburssess i& ®e«f

Genf, 23. Aug. Die Stadt Genf ist heute nacht der Schauplatz blutiger Demonstrationen gewesen, sich gegen die Hinrichtung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzeti richteten. In später Abendstunde fand im Wahlge­bäude des Kantons Genf eine Demonstrationsoer- iammlung statt, die hauptsächlich von radikalen Elementen vesucht war. Nach Beendigung der Ver­sammlung zog der Zug der Demonstriedenden durch die verschiedenen Stadtteile. Es wurde vor dem amerikanischen Kosulat demonstriert, die Fenster­scheiben eines Reisebureaus zertrümmert; in der Nähe des Platzes der 12 Kantone schoß ein Demon­strant eine Revolverkugel ab, die einen anderen Demonstranten tödtlich verletzte. Die Polizeitruppen waren verstärkt worden. In einem anderen Stadt­viertel wurde ein Sturm auf einen Polizeiposten unternommen. Im ganzen wurden eine Person ge­tötet und 25 verwundet. 14 Personen sind verhaftet worden. Zum großen Teil sind die Rädelsführer über die französische Grenze aus Savoyen ge­kommen. Auch das Völkerbundsgebäude ist das Opfer der Demonstranten geworden. Die nach der Straßenseite zu gelegenen großen Fenster des so- genankn Glassaales, in dem die Ratssitzungen statt­finden, sind völlig durch Steinwürfe, an denen sich 10jährige Kinder beteiligt haben, zerstört worden. Auch die Veranden einiger Hotels sind durch Stein­würfe zerstört.

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Cleveland (Ohio), 23. August. In der katholischen St. Josephskirche explodierte heute eine Bombe. Einige Kirchenfenster und Fenster benachbarter Ge­bäude wurden zertrümmert. Verletzt wurde niemand. Die Polizei glaubt, daß die Bombe von Anhängern Saccos und Vanzettis herrührt.

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Newyork, 23. August. Saccos und Vanzettis Verteidiger beabsichtigen die Aufbahrung der in kostbaren Särgen geborgenen Leichen der Hinge­richteten in Chikago, Boston und Newyork. Es bleibt abzuwarten, ob die Behörden die Aufbahrung be­willigen. Auch Totenmasken sollen von Sacco und Vanzetti angefertigt werden. Die bei den gest­rigen Demonstrationen Verhafteten sind bereits heute größtenteils den Richtern vorgeführt worden.

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Berlin, 23. Aug. Da mit der Tatsache gerechnet werden muß, daß nach der Hinrichtung von Sacco und Vanzetti auch in Berlin kommunistische Demon­strationen in der Nähe der amerikanischen Botschaft stattfinden werden, hat das Berliner Polizeipräsi­dium besondere Maßnahmen zum Schutze der ame­rikanischen Vertretung beschlossen. So ist heute nach­mittag ein Kraftwagen-Patrouillendienst eingerichtet worden, und gleichzeitig hat man den Streifendienst erheblich verstärkt. Darüber hinaus befinden sich alle verfügbaren Mannschaften in Alarmbereitschaft. Zu bemerkenswerten Zwischenfällen ist es bisher nicht gekommen. Die Polizei hat jedoch am Bülowplatz vier Männer festgenommen, die aufreizende Reden hielten und zu Demonstrationen gegen die amerika­nische Botschaft aufforderten.

von Neuilly so schwer gedemütigte Volk bei jeder Gelegenheit dem jetzt mächtigen Serbien entgegengestellt hat. Auch die Mazedonier und Montenegriner würden stcb auf hh» Tuu«r nie­

mals dem serbischen Einfluß unterwerfen. Schließlich würden auch Italien und England, die auf dem Balkan doch auch noch immer ein Wort mitzusprechen haben, sich einem solchen

Zusammenschluß widersetzen, da sie mit Recht darin keine Befriedung des Balkans und Eu­ropas sehen könnten, sondern im Gegenteil eine neue Quelle für alle möglichen Streitigkeiten.

Das ganze Gerücht scheint weiter nichts zu sein als ein großes Wahlmanöver für einzelne serbische Parteien, die auf diese Weise ihren Wählern ein noch größeres Südslawien vor­zaubern wollen, das aber sicherlich nun und nimmer entstehen kann, und auch vom Völker­bünde niemals geduldet würde. Die Wellen der Wahlbewegung gehen in Südslawien zur Zeit sehr hoch, viele Reden werden gehalten, bei denen die Parteiführer die Worte nicht allzu genau auf die Goldwage legen. Der Wunsch auf ein neues Großsüdslawien ist aber zu wurmstichig, als daß ihn Kenner der neuen Lage für Ernst nehmen können.

Alle Parteien in Südslawien sind sich jedoch darüber einig, daß die Regierung in der ganzen Außenpolitik neue Bahnen betreten muß. Es wird jetzt auch darauf hingewiesen, daß der neue Außenminister Marinkowitsch sich be­mühe, mit Deutschland neue Beziehungen zu schaffen, das zwar nicht mehr die erste Militär­macht wäre, aber auf wirtschaftlichem Gebiete seine alte Bedeutung nicht verloren hätte. Auf der anderen Seite dürfe man aber auf die Freundschaft Frankreichs nicht verzichten, denn Frankreich allein wäre imstande, Jugoslawien vor Italien zu schützen, mit anderen Worten, in dem jugoslawischen Wahlkampf wird jetzt indirekt Deutschland gegen Italien ausgespielt, wahrlich ein Beweis, wie hoch sich die Wahl­agitation in den slawischen Ländern zu ver­steigen vermag.

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Sinans, 23. Aug. (Agence Beige.) Prinz Leopold, der französische Minister Marin, der französische Marschall Franchet d'Esperey und der belgische Lan- desverteidigungsminister de Broquevills haben heute nachmittag an den Feierlichkeiten zur Ent­hüllung des Denkmals teilgenommen, das dem Ge­dächtnis der im August 1914 von den Deutschen er­schossenen Bürger von Dinant und der französischen Soldaten, die im Laufe der Schlachten um Dinant fielen, errichtet wurden. Es wurden zehn Reden ge­halten. Der Bürgermeister von Dinant wies auf die Bedeutung des Tages hin und bewies die Nichtig­keit der Legende über die angeblichen Franktireurs. Prinz Leopold erinnerte an die Ereignisse von 1914 die alle zivilisierten Nationen vor Grauen verstei­nert hätten und erklärte noch: Das Gewissen der Welt wird immer diese grausige Vergangenheit von sich weisen und sich vor dem, Andenken der unschul­digen Opfer verneigen. Minister de Broqueville ent­bot namens der Regierung allen Vertretern der edlen Sache den letzten Gruß. Er beuge sein Haupt vor den ruhmreichen Kriegern Frankreichs, die ge­fallen seien, damit es nicht Belgier ohne ein Belgier gäbe und bringe ihnen ehrenden Dank und den Zol' unauslöschlichen Gedenkens.

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Graf Max M o n t g e l a s, einer der besten Kenner der europäischen Rüstungspläne, veröffent­licht im letzten Heft desDeutschen Gedanken" (Otto Stollberg Verlag für Politik und Wirtschaft) einen sehr beachtlichen Aufsatz über Frankreichs Heerwesen, dem wir folgendes entnehmen:

Am 7. Juli hat Painlevè in der Armee­kommission des Senats erklärt, daß die Friedens­stärke des französischen Heeres künftig, nach Ein­führung der einjährigen Dienstzeit im Mutterlande, 536 000 Mann betragen werde. Die Zahl setzt sich zusammen wie folgt: 106 000 weiße Kapitulanten, 240 000 weiße Wehrpflichtige, 190 000 Farbige und Fremdenlegionäre. Nicht eingerechnet hat Painlevè: 29 000 Offiziere, 44 000 militärisch organisierte Gendarmen, 17 000 Mann, um welche die Zahl der Farbigen und Fremdenlegionäre zu niedrig ange­geben ist. _ ,

Die Gesammtfriedensstärke wurde somit nach deut­scher Berechnungsart 626 000, ohne Gendarmen 582 000 Köpfe betragen. Geschaffen wird also ein Berufsheer mit mehrjähriger Dienstzeit, das starker ist als die deutsche Reichswehr, denn es zählt 29 000 Offiziere und 106 000 Unteroffiziere und Mannschaften. Hinter diesem Berufsheer stehen das gesamte wehrfähige Volk des Mutterlandes und ein großes Aufgebot aus den Kolonien.

Die Kriegsstärke des französischen Heeres ist auf

6 Millionen Mann zu berechnen.

Es ist, wie wenn Deutschland neben einer Der» stärkten und entsprechend bewaffneten Reichswehr noch die allgemeine Wehrpflicht für die übrige Be­völkerung haben würde; und selbst dann würden noch die Kolonialtruppen fehlen . . . Und dieses Heer, das

an Stärke alles früher Dagewefene übertrifft, wird mit verhältnismäßig sehr geringen Kosten unterhalten. DerPetit Parisien" vom 26. Juni d. I. hat geschrieben:Die deutsche Armee kostet 480 Millionen Goldmark, also nahezu 3 Milliarden Franken, die französische Armee nur 3 Milliarden 524 Millionen. Es kommt also nicht viel teurer, eine Armee zu unterhalten, die für die mächtigste Europas gilt, als eine, von der behauptet wird.