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202. LatzVSSE

General Anzeiger für

Kanau Stadt und Land

Montas de«

192£

22. A«s«st

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lle. 195

Das Ks«â.

Auf der Tagung des Reichsverbandes der Rhein- mder in Magdeburg wurde eine Entschließung an» -nommen, in der die Reichsregierung aufgefordert »ird, für die sofortige Räumung des Rhein- mdes nachdrücklichst einzutreten.

In Kiel ist am Samstag der Stapellauf des -> treuzersKarlsruhe" erfolgt.

Der hessische Staatspräsident hat beim Rsichs- »ehrminister gegen das Verhalten des Reichswehr- immondeurs in Gießen anläßlich der Gießener lerfassungsfeier protestiert.

Deutschland siegte im Leichtathletik-Länderkampf egen Frankreich mit 89:62 Punkten.

Der Oberst Brandeis vom Obersten Bundes- ericht der Vereinigten Staaten hat sich geweigert, 1 die Angelegenheit Sacco und Vanzetti einzu­reifen.

Der Start des Fliegers Könnecke zum Ozean­lug ist infolge ungünstiger Wetternachrichten für »eute noch nicht zu erwarten.

Dee Stand dev LNemelfvage.

Es wurde bereits neulich gemeldet, daß die ieichsregierung sich mit der Absicht trage, in tomno ernsthafte Vorstellungen wegen des ver­miedenen Verletzungen des Memelstatuts, be­en sich die litauische Regierung mittelbar oder inmittelbar schuldig gemacht hat, zu erheben. Diese Angelegenheit scheint inzwischen mit oünschenswerter Energie betrieben worden zu ein, denn zurzeit hält sich der deutsche Ge, andte von Kowno in Berlin zur Berichterstat- ung auf.

Es scheint angebracht, sich wieder einmal twas mit den unhaltbaren Zuständen zu be- chäftigen, die in diesem vom Körper des Reiches losgerissenen Gebiet sich entwickelt Ha­ien und die fortgesetzte Aufmerksamkeit aller Deutschen verdienen. Im Memelland herrscht nfolge der litauischen Willkür ein heilloses Durcheinander und Nebeneinander von drei -erschiedenen Regierungsorganisationen. Da [t einmal der sogenannte Gouverneur, der als stocklitauer während der ganzen Zeit seiner Amtstätigkeit keinerlei Deutschenfreundlichkeit in den Tag gelegt, vielmehr alles getan hat, im der deutschen Sache zu schaden und die li- auische zu fördern. Die Einsetzung dieses Gou- oerneurs bedeutet genau genommen an sich chon einen Verstoß gegen die Bestimmungen Des Memelstatuts,, das ein Direktorium als Re gierung des Landes vorsieht. Uebrigens ist der Gouverneur seit einiger Zeit krank und hat wieder seinen Stellvertreter, wodurch der Wirrwarr nicht geringer wird. Zweitens ist da das sogenannte Direktorium, dessen unheilvolle Wirksamkeit bekannt ist und das erst neulich in unliebsamer Weise sich dadurch bemerkbar ge­macht hat, daß es entgegen den von Litauen übernommenen Verpflichtungen verordnet hat, daß im Memeler Lehrerseminar mit Ausnahme zweier Lehrfächer das Litauische als Unter­richtssprache gilt. Drittens schaltet im Memel­lande noch ein Kriegskommandeur. DieOeffent- lichkeit wird erstaunt fragen, wozu denn, fast neun Jahre nach Ende des Krieges ein solcher Beamter notwendig ist. Die Antwort lautet ba hin: der Krieg ist zwar zu Ende, aber Litauen kann dank seiner unkonsolidierten inneren Ver­hältnisse noch immer nicht des Belagerungs­zustandes entraten. Das ist auch eine der zahl­reichensegensreichen" Wirkungen des Ver­sailler Vertrages, daß, während wir in Deutsch­land längst gefestigte innere Verhältnisse haben noch ein Teil der Deutschen unter den Aus­wirkungen des Belagerungszustandes leben muß, noch dazu vom Mutterlande abgetrennt. Daß das Memelgebiet rein deutschen Charakter trägt und daß seine Bevölkerung deutsch sein will und die Bevormundung durch Litauen als drückende Bürde empfindet, darüber braucht kein Wort verloren zu werden. Es wird daran auch durch die Tatsache nichts geändert, daß die litauische Regierung mit erlaubten und un­erlaubten Mitteln versucht, Litauer ins Land zu bringen und deutsche, besonders deutsche Beamte zu verdrängen.

Der Kriegskommandeur ist der gefürchteste unter den drei Regenten des Landes. Auf ihn geht vor allem die Zensur zurück, die sich die deutsche Presse gefallen lassen muß. Was in Deutschland nicht einmal während des Krieges der naturnotwendig die Freiheit der Presse einschränkte, möglich war, das ist im Memel­gebiet heute an der Tagesordnung: Weiße Zensurlücken. Wenn man das -Memeter

Die Nermiudesuus der Nefatzunsstvupve.

London für ftSeSeve BesatzunsBvevmrndevung. - Koâ keine Vev ftündisnns rwiftden England und Svankveied. - Tagung dev rrdeinlündev in Magdeburg.

Die frans. These unanuehmbav.

London, 20. Aug. Die Presse erörtert weiter ein­gehend die Frage der Truppenverminderung im Rheinland. Die Blätter vertreten den bekannten Standpunkt der britischen Regierung und sogar die Morning Post" rät den Franzosen, die Truppen- Lahl stärker als ursprünglich geplant war, hevab- zusetzen. Sie schreibt, die jüngsten Ereignisse in Deutschland zeigten, daß eine Krieg spartet besteht, und der Geist, der sie beseelt, wäre gefährlich, wenn ihm die praktischen Mittel für eine Revanche zur Verfügung stehen würden. In amtlichen englischen Kreisen wird jedoch die Meinung zum Ausdruck ge­bracht, daß die AMerten nicht gut daran tun wür­den, den deutschen Militarismus dadurch zu bekämp­fen, daß sie auf einem großen Besatzungsheer be­stehen. Es ist aber eine Lebensnotwendigkeit, daß die Besetzung ihren interalliierten Charakter behält.

Daily C h r o n i c l e" veröffentlicht ein Schrei­ben W. H. Dapsons, in dem es heißt: Die Besetzung dient nur noch der Fortdauer und der Verschärfung der Erregung. Warum sollte Frankreich nicht die ganze Schmach dafür übernehmen, wenn es dies will. DerDaily Chronicle" selbst schreibt: Die Be­setzung muß verkürzt werden, jedoch bestimmt eine alliierte sein. Sie zu einer reinen oder annähernd französischen zu machen, würde eine neue Lage mit neuen Gefahren schaffen.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" sagt: Obgleich das britische Kabinett die Frage noch nicht prüfen konnte, legte man gestern In britischen Kreisen dar, daß die letzten Vorschläge der französischen Regie­rung für die Truppenverminderung im Rheinland für die britische Regie­rung unannehmbarsind. Chamberlain wid­met der Frage die größte persönliche Aufmerk­sam keit.

Pertinax meint imDaily Telegraph", die Aussichten für eine französisch-britische Vereinbarung über die Truppenverminderung sind besser gewor­den. Die gesamte Frage wird wahrscheinlich in Lon­don zwischen dem Foreign Office und dem franzö­sischen Botschafter erörtert werden. Es besteht die Möglichkeit einer Zurückziehung von etwa 5000 Mann französischer Truppen. Um dem deutschen Ersuchen bis zu einem gewissen Grade stattzugeben, müßten 2000 bis 3000 britische oder belgische Solda­ten zurückgezogen werden.

«och keine Einksuns.

Paris, 21. Aug. Havas verbreitet folgende Mit­teilung: Man glaubt in unterrichteten Kreisen, daß die englisch-französischen Verhandlungen über die Stärke der Besatzungstruppen im Rheinland vor ihrem Abschluß stehen. Ohne Zweifel ist noch keine vollständige Verstänidigung erzielt worden. Aber die wesentlichen Punkte wurden bereits geregelt. Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern, bis auch die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten über Einzelheiten behoben sein werden.

London, 21. Aug. DemObserver" zufolge Hal die letzte Woche die Frage des Besatzungsheeres im Rheinland einer Lösung nicht näher gebracht. Frank­reich nehme eine unnachgiebige Haltung gegenüber dem Drängen Londons auf Durchführung des Lo­carnoversprechens einer merklichen Verminderung der Zahl der Truppen ein.

Rbeinlandtag-tng in wasdebnvg.

Magdeburg, 21. Aug. Die rheinische Kundgebung vom 20. und 21. August in Magdeburg aus Anlaß der sechsten Generalversammlung des Reichsverban- des der Rheinländer wurde zu einem machtvollen Bekenntnis der deutschen Schicksalsgemeinschaft zwi­schen dem schwer geprüften Rheinland und den iibri= gen Teilen des Deutschen Reiches. Eine Weihestunde am Sonntag morgen in der voll besetzten neuen Stadthalle bildete den Höhepunkt der Feier. Als erster Redner sprach Ministerialdirektor Dr. Dilthey vom Ministerium für die besetzten Ge-

Dampfboot" oder ein anderes deutsches Blatt in die Hand nimmt, so merkt man auf allen Seiten jeder Ausgabe solche weiße Stellen, die dazu dienen müssen, die Wahrheit zu verber­gen.

Das einzige, was gewährleistet ist, ist Ver­sammlungsfreiheit. Das ist von wesentlicher Bedeutung für den Ausfall der Wahlen zum memelländischen Landtag, die nun endlich, nachdem sie immer wieder verschleppt worden sind, am 30. August stattfinden sollen. Man rechnet damit, daß der Landtag im September zusammentritt. Dann soll ein neues Direkto­rium gebildet werden, bei dessen Zusammen­setzung der Landtag ein entscheidendes Wort mitzufprechen hat. Es ist nämlicb noraefeben.

biete im Namen der Reichsregierung und des Reichskanzlers, deren herzlichste Grüße und beste Wünsche er überbrachte. Er würdigte die Bedeutung der landsmannschaftlichen Verbände und unterstrich dabei die Verdienste der imWestausschuh für Saar, Rhein und Pfalz zusammenges chlo ssenen großen Verbände des besetzten Gebietes, insbesondere des Reichsverbandes der Rheinländer.

Ministerialdirektor Dr. Dilthey fuhr fort: Noch hat die Bevölkerung des besetzten Gebietes den schweren Druck fremder Besetzung zu tragen. Aber das von einem ganz besonderen Freiheitsdrang be­seelte Volk am Rhein will die schweren Röte der Be­setzung lieber weitertragen, als seine Freiheit er­kaufen durch neue Lasten und Lasten von Dauer, die dem gesamten Deutschland aufgebürdet werden. Es war und bleibt eine der schönsten Aufgaben des Reichsoerbandes, allen deutschen Stämmen immer wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, diese helden­haften Opfer sind von unseren Brüdern und Schwestern am Rhein gebracht. Großes hat gerade in dieser Hinsicht der Reichsverband geleistet. Seine verständnisvolle Leitung und seine rührigen Orts­gruppen bieten die Gewähr für ein immer inten­siveres Wirken für das Wohl des Rhoinlandes. Wir schauen zu den Ufern des heiligen Stromes mit dem heißen Wunsche, daß bald der Tag komme der Freiheit für das deutsche Vaterland.

Nach Dr. Dilthey nahm der Präsident des Reichs- verbandes der Rheinländer, Dr: tauf man n, das Wort und führte u. a. aus:Optimisten hätten nach Locarno und Thoiry eine erlösende Tat erwartet. Sie erlebten eine bittere Enttäuschung auf der gan­zen Linie. Wird der Rhein nicht bald befreit, so ver liert sich jede loyale deutsche Verständigungspoliti in Unverstand. Wir rufen deshalb dem Reichsaußen- minister zu:Landgraf werde hart! verlange mit aller Entschiedenheit, daß dem Rheinland volle Frei­heit werde!"

Der nächste Redner, Dr. Weiß, gab eine Schilde­rung der Lasten der besetzten Gebiete. Der Rechts­anspruch auf vollkommene Räumung sei unanfecht­bar und klar bestimmt im Artikel 431 des Versailler Vertrages. Mit einer Herabsetzung der Truppenzahl sei dem Rheinland nicht gedient. Wir haben, so führte der Redner aus, mit freudigem Herzen der Looarnopolitik zugestimmt, weil mir überzeugt sind, daß nur durch diese Politik der Friede der Welt ge­sichert ist.

So heiß unsere Sehnsucht nach Befreiung ist, so laut wir unsere Forderung nach Freiheit erheben, so sehr verbitten wir uns, daß unsere Freiheit zum Handelsobjekt gemacht werde. Die Zeit arbeitet für uns und wenn wir nur Geduld haben, so wird Frankreich eines Tages selbst die Frage der sinn­losen Besetzung auswerfen. Aber mag die Besetzung noch so lange dauern, keine Gewalt der Erde oermac uns von der deutschen Heimat loszureißen und nie­mals wird die Besetzung irgendeinen Einstuß auf unsere Kultur ausüben können."

Im Anschluß an diese zündenden Worte fang die Versammlung das Deutschlandlied. Sodann gelangte einstimmig folgende Resolution Mr Annahme:

Viele tausend zu der Magdeburger Tagung des Reichsverbandes versammelte Männer und Frauen gedenken tief bewegt der Landsleute im Westen und danken ihnen für ihren vorbildlichen Opfermut, mit dem sie sich selbst in schwerster Not zum Deutschtum bekannt haben. Mit -ihnen bitten wir die Reichs- regierung dringend, für die alsbaldige Räumung des Rheinlandes nachdrücklichst einzutreten. Es muß ein Ende haben mit den politisch ausweichenden Ein­wänden. Die Freigabe des Rheinlandes ist kein politisches Handelsgeschäft. Mr fordern sie, und zwar für das ganze noch besetzte Gebiet als eine Gegenleistung, für die der Preis schon längst von uns bezahlt ist. Mit unzureichenden Abschlags- zahlungen auf die längst überfällige Forderung darf man uns nicht mehr kommen. Endlich muß reiner Tisch am Rhein gemacht webdon. Recht und Moral dürfen nicht länger unbeachtet gelassen wer­den."

daß das Direktorium die Genehmigung dieses Landtages finden muß.

Ein besonderes Kapitel der Schikanen ge­gen das Deutschtum bilden die immer wieder vorkommenden Lehrerkündigungen. Diese sollen dazu dienen, den deutschen Geist aus der Schule zu verdrängen und auch sie sind auf­grund des Memelstatuts ungesetzlich. Der Um­fang dieser Kündungen es handell sich da­bei um deutsche Optantenlehrer ist bekannt­lich so groß, daß der Unterricht dadurch stark beeinträchtigt wird. Während die Zweisprachig keit vorgeschrieben ist, wird übrigens im Se­minar nur in litauischer Sprache gelehrt. Herr Woldemaras, Litauens Ministerpräsident hat in dieser wie in anderer De^ebuna in

Genf sehr schöne Versprechungen gemach. Es ist anzunehmen, daß die deutschen Vorstellun­gen in Kowno sich auch auf das erstrecken, was versprochen und nicht gehalten worden ist.

Das gestern gelegentlich der Rheinländer­kundgebung von dem Vorsitzenden des Reichs­verbandes der Rheinländer, an den Reichs- außenminister gerichtete Wort Landgraf werde hart!" hat auch in der Memelfrage feine Be­rechtigung.

Ein gutes haben die Bedrückungen der Deut­schen im Memelgebiet wenigstens an sich: sie vollbringen etwas, was sonst bei der unglück­lichen politischen Veranlagung des Deutschen eine Quadratur des Kreises zu sein scheint, sie schweißen nämlich das Deutschtum zusammen. Das ist aber selbstverständlich, so erfreulich es an sich ist, nur ein magerer Trost. Zusammen genommen ergibt sich immer wieder die Er­kenntnis, daß die Grenzziehung im Osten mit den Lebensnotwendigkeiten des Deutschtums nun einmal unvereinbar bleibt. Nur hier kann der Hebel angesetzt werden, wenn eine wirk­liche Befriedung erzielt werden soll. Das muß immer und immer wieder betont werden, einerlei ob die Franzosen und andere Graals- hüter des Unfriedensvertrages darüber Zeter und Mordio schreien.

Svonkvekrh und die deutsche« Aevssationsleistunsen.

Paris, 21. August. Das Finanzministerium ver­breitet folgende Mitteilung: Mehrere Blätter haben eine Nachricht wiedergegeben, wonach Frankreich an­geblich um etwa eine Milliarde Mark bei der Ver­wendung der durch den Dawesplan geregelten deut­schen Sachlieferung im Rückstand sei und wonach diese Milliarde dem Reich als reiner Gewinn ohne weiteres zufließen würde. Diese Nachricht ist un­wahr und entbehrt jeder Grundlage, um ihre voll­kommene Unwahrheit zu zeigen, genügt es, zunächst darauf hinzuweisen, daß der französische Anteil an der zu Ende gehenden Annuität weniger als eine Milliarde Mark beträgt. Außerdem absorbieren die gegenwärtig der Reparationskommision übermittel­ten Verträge bis auf 10 Millionen Mark diese Annuität' vollkommen und die dem Finanzminister eingereichten Verträge, die bis zum 31. August der Reparationskommission übermittelt werden, genügen weitaus, um die Differenz zu decken. Außerdem würden die Kredite, die nicht ausgenutzt werden können, nicht annulliert, sondern automatisch auf die vierte Annuität vorgetragen. Der Dawesplan regelt diesen Punkt ausdrücklich und sieht in dieser Hinsicht ein Verfahren vor. Dieser Fall ist übrigens bereits eingetreten. Es bestand aus der ersten Annuität ein Restkredit, der im Laufe der folgen­den Annuität restlos verwandt wurde. Die ver­öffentlichte Nachricht ist also in allen Puikten un­zutreffend.

(Anmerkung des WTB.: Obige Darstellungen entsprechen nach unseren Informationen der wirk­lichen Sachlage. Es ist aber immerhin interessant festzustellen, daß auf dem französischen Konto bei Dem Generalagenten für die Reparationslieferungen sich in letzter Zeit eine erhebliche Summe ange­sammelt hatte, die ohne ein direktes Eingreifen des französischen Finanzministeriums am Schlüsse des dritten Reparationsjahres (30. August 1927) wahrscheinlich ungenutzt geblieben wäre und auf das vierte Reparationsjahr hätte übertragen werden müssen. Um dies zu verhüten, hat das französische Finanzministerium Weisung gegeben, eine Anzahl größerer Sachlieferungsverträge forciert abzuschlie­ßen und der Reparationskommifsion schleunigst zur Genehmigung vorzulegen, so z. B. den kürzlich ab­geschlossenen Vertrag über ein Kabel von Paris nach Bordeaux. Um diesen Zweck zu erreichen, mußten wahrscheinlich Bedenken wegen der Rücksichtnahme auf die Beschäftigung der eigenen Privatindustrie zurückgestellt werden, die bisher die laufende Aus­nutzung der französischen Guthaben bei dem Generalagenten erschwert hatten).

DeReinboid übev den DaweSvian

Williamstown, 21. August. Der fünfte Vortrag Dr. Reinholds im Institute of Politic behandelte die Aussichten des Dawesplanes, der durch die Trennung der Aufbringung der Reparationen in Deutschland von der llebertragung in fremde Wäh- rung einen wesentlichen Fortschritt gegen das Lon­doner Ultimatum darstelle. Die Zukunft muß lehren, o fuhr Dr. Reinhold fort, ob die deutsche Wirt-

chaft auf die Dauer den durch die Reparationen verursachten hohen Steuerdruck vertragen kann. Zweifellos wird Deutschland alle Kraft einsetzen assen, loyal seine Verpflichtungen zu erfüllen.

Dv. mrvtb über autzenvolttische Sensen.

Paris, 22. Aug. Der ehemalige Reichskanzler Dr. Wirth gewährte einem Vertreter desGfcelfior" eine Unterredung, in deren Verlauf er sich über die Politik von Locarno äußerte. Augenblicklich bestehe zwischen Deutschland und Frankreich ein Mißoer- tänimis, da Locarno in Frankreich und Deutsch- and verschieden gedeutet werde. Für Fmnkreich be­deutet der Geist von Locarno die Schaffung einer nLULri Atmalobäre zwifchen beiden Ländern, MA