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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ^ Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Lezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Für plahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.^Geschäftsstelle: Hammerstr.S / Fernspr. 3956,3951,3958

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Schwere Nombenanschläse in Amerika.

«v-enaKoffatteniate als -Kundgebung für Sacco und «an,et«.

teeUbSette «cbnwnavnabme«. - Kundgebungen in Seankeelw.

hat der Polizeipräsident angeordnet, daß bis auf weiteres alle amtlichen Gebäude von einem starken Polizeikordon zu umgeben find.

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Baltimore, 6. Aug. Hier wurde heute morgen der Versuch gemacht, das Haus des Bürgermeisters durch eine Bombe in die Luft zu sprengen. Wäh­rend der Bürgermeister sich gerade außerhalb der Stadt aufhielt, befanden sich seine Gattin, die Kin­der und andere Angehörige in dem Hause. Die Bombe explodierte in der Nähe der Veranda, die sie zerstörte. Verletzt wurde niemand.

Die ievtrsviftische« ArrMSüge.

Rewyork, 6. August. Bei den Explosionen auf den beiden Untergrundbahnstationen in der ver­gangenen Nacht sind mindestens 20 Personen ver­letzt worden, davon zwei schwer. Auf dem Unter­grundbahnhof 4. Avenue war die Bombe in den Toiletteräumen versteckt. Die Polizei glaubt, daß die Bomben vorzeitig explodiert sind. Drei nach Süden laufende Lokalzüge, die sich der 28. Straße näherten, wurden rechtzeitig zum Halten gebracht. Die Kondukteure hatten große Mühe, eine Panik unter den Passagieren zu verhindern. Ein Beamter, des Büros für Sprengstoffe erklärte, nach dem Charakter der beiden Explosionen seien die Bomben vermutlich mit einer Kombination von Nitro­glycerin und Dynamit gewesen. Das Attentat in der Presbyterianerkirche in Philadelphia ist zweifellos darauf zurckzuführen, daß der Geistliche am letzten Sonntag über den Fall Sacco und Vanzetti predigte und denroten Radikalismus" in scharfen Aus­drücken verurteilte. In Boston sind bisher keine Explosionen erfolgt, jedoch hat ein Kraftdroschken­besitzer am Montag abend der Polizei eine Anzahl Dynamitpakete übergeben, die nach seiner Angabe in der Droschke gefunden wurden, nachdem der Fahrgast bezahlt und sich entfernt hatte.

Die Vavèsev ^undsebttng sät? Gaeeo «nd Vanzetti.

Paris, 8. Aug. Die Angaben über die Beteili­gung bei der gestrigen Veranstaltung im Bois Vincennes für Sacco und Vanzetti sind sehr ver­schieden. Während mehrere Blätter von einigen 10 000 sprechen, behaupten andere Zeitungen, daß die Zahl der Teilnehmer 100 000 betragen habe. Auf jeden Fall hat es sich um eine außerordentlich eindrucksvolle Kundgebung gehandelt, über die die Morgenpresse eingehend berichtet. Auch' in verschie­denen anderen Städten haben Kundgebungen statt­gefunden. Zwischenfälle werden nicht gemeldet. Die Gewerkschaften kommunistischer Richtung haben ihre Order für einen heute beginnenden 24ftünbtgen General-Protest-Streik aufrecht erhalten, doch glaubt man, daß der Aufruf keinen großen Erfolg haben wird.

Sympathiestreik.

Rewyork, 7. Aug. Die Gewerkschaften und die sozialistischen Organisationen bereiten für Dienstag einen Sympathiestreik für Sacco und Vanzetti und Massenversammlungen vor, an denen sich etwa 400 000 Arbeiter beteiligen bürsten. Die Mitwir­kung der Kommunisten wurde mit der Begrün­dung abgelehnt, daß eine kommunistische Beteili­gung die einheitliche Haltung der Arbeiterschaft un­möglich machen würde. Die Bevölkerung ist noch sehr nervös infolge der kürzlichen Explosionen. Die Radikalen lehnen die Verantwortung für bk Ex­plosionen ab, die sie als die Tat eines Wahnsinnigen ober eines Provokateurs bezeichnen.

Ein Gutachten übev ven Fall Gaeco und Vanzetti.

Boston, 7. Aug. Der von Gouverneur Fuller eingesetzte Ausschuß, der sozusagen in letzter Stunde den Fall SaccoVanzetti nochmals überprüfen sollte, 'st ebenso wie der Gouverneur selbst in einer von ihm selbstständig geführten Parallelunter­suchung zum Resultat gekommen, daß zwar der Richter des Obersten Gerichtshofs von Massachu­setts, Thayer, während des Prozeßes in Unterhal­tungen mit außenstehenden Personen nicht die er­forderliche Zurückhaltung bewahrt habe, doch er aber in der Führung des Prozeßes selbst sich der streng­sten Unparteilichkeit befleißigt habe. Der Ausschuß hat diese Entscheidung im Laufe des Abends ver­öffentlicht. Der Ausschuß hat weiterhin feftgestellt, daß der Prozeß in Dedham im Jahre 1920 in durchaus unparteiischer Weise geführt wurde und gibt der Meinung Ausdruck, daß alle Aussagen, auf die sich die verschiedenen Anträge zur Wiederauf­nahme des Verfahrens stützen, nicht hinreichen werden, um die Geschworenen zugunsten der An- Seklagten zu beeinflussen, falls aufgrund einer ieberprüsung des Belastungsmaterials eine Wieder­aufnahme des Verfahrens zugelaßen werden sollte. Der Ausschuß kommt zu dem Schluß, daß die Ver­nunft einen Zweifel an der Schuld Saccos und Vanzettis nicht zulasse.

Rewyork, 6. August. In der vergangenen lacht kurz vor 12 Uhr ist es verbrecherischen hän- m geglückt, den kürzlich vereitelten Anschlag aus e Rewyorker Untergrundbahn zur Ausführung zu ringen. An vier Stellen zugleich, in den Unter- rundbahnhöfen der 23., 28. und 43. Straße der roodway-Linie, ereigneten sich schwere Explosio- m, die die Bahnsteige zertrümmerten und gewal- gen Schaden anrichteten.

Durch die sofort angeslellle Untersuchung konnte ar festgestellt werden, daß die Explosionen fäml- ch durch

Bomben von großer Sprengwirkung ervorgerufen wurden. Es handelt sich um die im tadtzentrum gelegene Untergrund-Bahnstrecke rooklynManhattan. Durch das Attentat wurden ausende von Personen in ernsteste Lebensgefahr bracht. Glücklicherweise wurden die automatischen toppeinrichtungen durch die gewaltige Erschütte- mg sofort in Tätigkeit gesetzt, so daß die Züge ; den Schachten zum Stehen kamen. Öie berichtet ird, sind nur sieben Personen ernstlich verletzt worden, von denen zwei sterbend im Krankenhaus egen.

Der Polizeibericht besagt, daß die Explosion 1 der 28. Straße so heftig war, daß an der Woodway die Fenster in sechs Häuserblocks zer- ümmert und in nahegelegenen großen Hotels viele ierionen aus den Stühlen geworfen wurden. So- >ot)i über wie unter her Erde brach eine

furchtbare Panik

is. Richt nur der Untergrundbahnverkehr wurde nterbrod>en, sondern auch der Straßenbahnbetrieb ußte eingestellt werden, weil die Schienen gelockert nd der Broadway in der Rähe der Explosions­elle mit Trümmern und Glassplitlern bedeckt war. ie waren aus den Schaufenstern wurden durch m gewaltigen Luftdruck auf die Straße geschleu­st. Die Polizei mußte sofort Absperrungen vor- chmen, um Plünderungen in den Banken und Ge- zäftshäusern zu verhindern. Das Rewyorker Ge- häftsvierlel ist durch die Anschläge in größte Un- ihe und Erregung verseht.

Man nimmt an, daß es sich um einen politischen Terrorakt

*r Anarchisten im Zusammenhang mit dem Todes- cteil gegen Sacco und Vanzelti handelt. Ganz ab­stehen von den Zerstörungen in der Untergründ­en ist der Gebäudeschaden gewaltig.

Bombenattental in Philadelphia.

Ehe sich die Aufregung über die Explosion aus ?r Rewyorker Untergrundbahn gelegt hatte, traf us Philadelphia die Meldung von einer neuen rchtbaren Explosion ein. Dort hat ein unbekann- T Attentäter in eine in dem vornehmsten Wohn- iertel gelegene Kirche eine Bombe geworfen. Auch us Philadelphia wird von einer großen Panik erichlet.

Rewyork, 6. Aug. Zwei Stationen an der Haupt- cecke der Untergrundbahn sind durch Bomben- rschläge vollständig zerstört. Etwa 12 Verwundete ad ins Krankenhaus übergeführt. Daß sich ver- iltnismäßig wenig Unfälle zugetragen haben, ist mptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Be­cher der Theatervorstellungen und sonstigen Dar­etungen sich noch nicht auf dem Heimwege befan- n. Am meisten hat das Broadway gelitten, wo e Fenster der Hotels zerstört und die Auslagen jf die Straßen geschleudert wurden. Die Polizei mstellte sofort die in Mitleidenschaft gezogenen äuserviertel und suchte nach Verdächtigen. Die Po- zeimannjchastcn, sie erreichbar waren, haben Be­hl erhalten, bis aus weiteres ununterbrochen im lenst zu Lk ben. In Bcüon wurden wegen der ilgemeinen Lage die Straßenbahnwagen mit oppelwachen besetzt. Alle Staatsgebäude werden Anfalls durch Doppelposten bewacht.

J Sttzutzmatznatzmen in Kew-SovS

Rewyork. 6. Aug. Die gesamten Pollzeikräfte in itärte von 14 000 Mann sind heute früh plötzlich im Schutze der öffentlichen Gebäude, Bahn- ationen, Museen und Börsen mobilisiert worden. ehnLche Vorsichtsmaßnahmen wurden auch in un­sren Städten ergriffen.

Lwth wetteve Attentate.

San Diego, 7. Aug. Im dritten Stockwerk des - iesigen Bundesregierungsgebäudes explodierte i eute eine Bombe, wodurch eine Reihe von Per­inen schwer verletzt wurden. Eine Frau erlitt der- rtig schwere Verbrennungen, daß an ihrem Auf- ommen gezweifelt wird. Der Polizeipräsident von San Diego erklärt, er glaube, das Bombenattentat ei nicht mit dem Urteil von Sacco und Vanzetti 1 Verbindung zu bringen, jedoch wird hier allge- iein angenommen, daß die Attentäter denselben kreisen angehören, die auch in anderen Städten Bombenwürfe als Protest gegen das Todesurteil »erübt haben. Trotz seiner gegenteiligen Meinung

Was sehen wir denn im offenen Blickfeld unseres Vaterlandes? Der Westen ist unter schweren Opfern politisch gesichert, und es ist eine Frage weniger Jahre, daß er auch von fremder Besatzung frei sein wird.

Der Offen aber ist auch heute noch aufs Aeußersle gefährdet.

Mit Recht beklagt sich die Ostmark von Königsberg bis Beuthen, daß ihre Lage und ihre Notwendig­keiten weder von Bürokratie, noch von Parlamen­ten und öffentlicher Meinung genügend erkannt und berücksichtigt werden. Im Westen hat der passive Widerstand und feine Auswirkungen die französische Sturmflut von 1923 zum Zurückebben gebracht. Wohl sind einige Deiche geborsten, aber sie konnten in heroischer Anstrengung wieder geflickt und für absehbare Zukunft fest aufgerichtet werden. Im Osten des Reiches aber nagt eine haßerfMte geg­nerische Flut noch heute an deutschem Land und deutschen Grenzen. So wie die friesischen Inseln an der Rordfeeküsie nicht nur durch Sturmfluten, sondern in noch höherem Maße durch das stille und tägliche Ragen des Meeres gefährdet sind, so laßen die offenen und verstümmelten Grenzen in Deutsch­lands Offen die polnische Flut Tag aus Tag ein ihr gefährliches Werk fortsetzen. Und deshalb muß es offen ausgesprochen werden: Noch wichtiger und dringender als der Anschluß Oesterreichs an das Deutsche Reich ist für die deutsche Zukunft die end­gültige Sicherung und Befestigung der Ostgrenzen! Zunächst müssen wir den Rhein befreien, eine end­gültige und erträgliche Lösung der Dawesleistungen herbeiführen und die Grenzen im Korridor und in Oberschlesien im endgültigen und ausdauernden Ausgleich mit Polen ändern und festigen dann erst hat das deutsche Volk ein Recht darauf, im Neuaufbau eines wirkliche Zusammenarbeit und Solidarität erstrebenden Europa mit den Mitteln des Friedens und aus historischem, unvergänglichem Sehnen heraus nach Vereinigung aller deutschen Stämme die österreichische Frageaktuell" zu machen. Bis dahin wollen wir ohne viel Aufheben auf der Linie Weiterarbeiten, die kulturell, wirt­schaftlich, auf dem Gebiete der Rechtspflege und anderswo erfolgreich beschritten ist. Das wäre jedenfallsPolitik im Geiste Bismarcks!"

Detttithe KlusvSStze im besetzten ebbtet

Koblenz, 6. Aug. Don amtlicher Seite wird dem W. T. B. bestätigt, daß nunmehr die Verhand­lungen zwischen dem Präsidenten der Rheinland­kommission und dem Reichskommissariat für die be­setzten Gebiete in Koblenz dazu geführt haben, daß die Schaffnung von drei Landungsplätzen für den Flugverkehr in den besetzten Gebieten genehmigt wurde. Der erste Landungsplatz für die Plalz ist in der Nähe von Kaiserslautern vorgesehen. Der zweite soll in Koblenz oder dessen unmittelbarer Nähe und der dritte auf dem Gelände des Renn­platzes Erbenheim für die Städte Mainz und Wies­baden errichtet werden. Infolge der noch oorzu- nshmenden Anlage des Flugplatzes bei Kaisers­lautern wird der Flugverkehr mit der Rheinpfalz erst für das nächste Jahr in Frage kommen.

Dov ÄbftbStttz des detttttb-fvanr. ^andelsvevtvases.

Paris, 7. Aug. Nachdem die Wirtschaftsoerhand­lungen gestern bis in die späten Abendstunden fort­gesetzt wurden, traten die beiden Delegationen heute morgen wieder im französischen Handelsministerium zusammen, um das Zustandekommen des Vertrages zu beschleunigen. Man rechnet damit, daß der neue Handelsvertrag am Montag ober spätestens am Dienstag unterzeichnet werden kann. Darauf läßt auch die Erklärung des Handelsministers Bo- kanowski schließen, der gestern im Ministerrat er­klärte, daß sich die Vechandlungen in einem günsti­gen Stadium befänden.

Wenn man dem gerröhnllch gutunterrichteten Excelsior" glauben darf, drehen sich die Bespre­chungen nur noch um die Textrevidierung und die Regelung einiger letzter SckMierigkeiten, die aber keineswegs unlösbar seien. Nach diesem Blatte soll auch die Frage der deutschen Konsulate keine ernst­lichen Schwierigkeiten mehr bereiten. Deutschland verlangt eine Konsularvertretung in Nancy. Fünf andere seien ihm bereits zugesprochen, nämlich in Paris, Lyon, Marseille, Bordeaux und Le Havre. Sowohl in deutschen, wie französischen Delegations­kreisen scheint man ziemlich optimistisch zu sein. Dieser Optimismus und der Umstand, daß die Ver­handlungen am heutigen Sonntag mit Hochdruck fortgesetzt werden, lassen die Bemerkung desPetit Parisien", Bokanowski habe der deutschen Delega­tion eine kurze Frist gestellt, binnen deren er über die endgültigen Absichten Deutschlands unterricht^ sein muffe, recht unwahrscheiEch erscheinen.

Die deuisttze DeSegaièon für Gent

Berlin, 6. Aug. An der Volltagung des Völker­bundes im September wird eine größere deutsche Delegation teilnehmen. Ihre Führung wird wieder in den Händen Reichsaußenministers Dr. Strese­mann liegen. Außerdem wird abermals eine Reihe von Parlamentariern delegiert werden. Wie der Vorwärts" mitteilt, ist die Reichsregiermrg auch an die Sozialdemokratische Partei herangetreten mit dem Ersuchen, we im vergangenen Jahre den Abge- Dr. Breitscheid nach Genf zu entsenden. Partei und Fraktionsvorstand haben diesem Ersuchen schließ- ich, wenn auch unter großen Bedenken, zugestimmt.

Maßgebend für die Sozialdemokraten fei dabei der

Dev Veentzische Snuenministee an SbevvvtMdent ^sviins.

Berlin, 6. Aug. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Innen­minister an den Oberpräsidenten z. D. Horsing tn Magdeburg folgendes Schreiben gerichtet:

Sehr oeehrter Herr Oberpräsident!^ Bei Ihrem Rücktritt von dem Amte des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen ist es mir ein Bedürfnis, Ihnen namens der Staatsregierung Anerkennung und Dank zum Ausdruck zu bringen für die treue Hin­gabe und aufopfernde Mitarbeit im Dienste des Staates. -Sieben Jahre lang in politisch und wirt­schaftlich schwerster Zeit haben Sie an der Spitze einer der größten und wichtigsten preußischen Pro­vinzen gestanden und in dieser Stellung reiche Er­folge erzielt. Wie einst in gefahrvollster Zeit als Reichs- und Staatskommißar in Schlesien, haben Sie sich auch als Oberpräsident der Provinz Sachsen als ein Mann von ungewöhnlicher Tatkraft, Energie, Verantwortungsfreudigkeit und Willensstärke er­wiesen. Ihre Verdienste sind im Staatsministerium von allen Seiten dankbar anerkannt worden. Sie haben die Tätigkeit nicht auf den engeren Rahmen der amtlichen Aufgaben beschränkt, sondern darüber hinaus auch den großen allgemeinen politischen Fragen Ihr Interesse zugewendet und sich nament­lich als unerschrockener Vorkämpfer für die deutsche Republik jederzeit hervorgetan. Ihnen auch dafür zu danken, ist mir persönliches Bedürfnis. Ich hoffe, daß auch in Zukunft Ihre starken Kräfte und Fähig­keiten dem Volk und Staate dienstbar und nutz­bringend fein werden.

In aufrichtiger Wertschätzung bin ich Ihr er­gebener gez.: Grzesinski.

Dev Mf< Landestehvevveveiu zum Keichsichurgesetz.

Darmstadt, 7. August. Der Hess. Landeslehrer- verein, die parteipolitisch neutrale, etwa 80 Prozent des hessischen Volksschullehrerpersonals umfassende Beamtenorganisation, hat in einer Eingabe an die Staatsregierung und den Hess. Landtag ersucht, alle Mittel in Anwendung zu bringen, die den Weiter­bestand der seit 1874 in Hessen gesetzlich eingeführ­ten simultanen Volksschule gewährleisten. In der Eingabe wird darauf verwiesen, daß von den 958 öffentlichen, aus Staats- und Gemeindemitteln unterhaltenen öffentlichen Volksschulen rund 900 Simultan- und nur 58 Konfessionsschulen sind. Gegen den neuen Reichsschulgesetzentwurf erhebt die Eingabe schärfsten Einspruch, weil er im Gegensatz zur Reichsverfassung die Schulhoheit des Staates zerstöre, leistungsfähige, voll ausgebaute simultane Volksschulen in leistungsschwache Schulen zerschlage und dadurch nicht nur das Maß der Leistungs­fähigkeit verringern, sondern auch jeden Schulfort­schritt gefährden. Der Verteidigungskampf des Heß. Landeslehrervereins fundiere auf der Schutzbestim­mung des Art. 174 der Reichsverfassung, die auch für den Volksstaat Hessen die uneingeschränkte Er­haltung der dort seit nahezu 60 Jahre segensreich wirkenden Simultan-Dolksschule gewährleiste. Der Reichsschulgesetzentwurf widerspreche dieser Schutz­bestimmung und dürfe deshalb unter keinen Bedin­gungen Gesetzeskraft erhalten.

ÄuschtuHtvase und deutsche Stete

Dresden, 6. Aug. Der volkparteiliche Abgeord­nete und Staatssekretär z. D. Freiherr o. Rhein- haben befaßt sich in einem in denDresdener Neuesten Nachrichten" erscheinenden Aufsatz mit den Gründen und Zusammenhängen der jüngsten inter­nationalen Diskussion zur Anschlußfrage. Er führt dabei zu der Frage, welche Stellung Deutschland angesichts der anschlußfeindlichen Polemik des Aus­landes und zu dem Problem selbst einnehmen könne, folgendes aus:

Was folgt aus alle dem für die deutsche Einstellung zum Anschluß?

Der verstorbene Reichskanzler von Bethmann-Holl­weg hat recht vieles gesagt, was unglücklich formu­liert war oder nicht stimmte. Eine solche Aeußerung war auch die nach Beginn des Krieges, daß das deutsche Volk angeblichbie Sentimentalität ver­lernt hätte". Leider hatte er sich auch darin ge­täuscht. Wir Deutschen haben aus den Erfahrungen des Weltkrieges erstaunlich wenig gelernt, und das Gefühl als Gegensatz zur Staatsraifon be­herrscht auch heute noch Millionen unserer Volks­genossen gerade auf dem wichtigsten Gebiete, dem der Außenpolitik. So betrachten wir auch die öster­reichische Frage viel zu sehr aus Gesühls- momenten heraus und reihen sie nicht genügend ein in das noch längst nicht beendete Ringen unse­res Staates um Freiheit und Gleichberechtigung. Ich bin der Letzte, der etwa jede Gefühlsregung in der Politik grundsätzlich kritisieren oder gar ver­dammen wollte. Ohne Verständnis für das inner­liche Fühlen und Denken feines Volkes kann kein Staatsmann Führer fein! Aber wenn wir jetzt einen neuen deutschen gefestigten Staat wieder auf- richten wollen sollten wir da nicht an die ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts denken und uns vor Augen halten, daß auch das Deutsch­land von 1871 nur aus dem Zusammenwirken und Fühlen und Sehnen des deutschen Volkes mit küh­ler und nüchterner Stoalskunst entstand? Ebenso wenig, wie damals die deutsche Einigkeit nur mit Bannerschwenken und Resolutionen hergestellt wurde, wird auch die Stellung eines neuen Deutsch­lands in einem neuen Europa nur mit solchen Mitteln erstrebt und durchgesetzt werden können.