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Gaum, Stadt und Land

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1928

Das MmLMs.

— Die Seeabrüstungskonferenz soll am Donners­abgebrochen werden.

— Die neue Aufwertungsverordnung sieht eine Wertung der Sparguthaben in Preußen von zeitlich 15 Prozent vor.

— Bei den deutsch • französischen Wirtschafts- Handlungen rechnet man Ende der Woche mit rm positiven Ergebnis.

— In Portugal ist die Lage infolge innerer ctzwierigkeiten sehr gespannt.

Abbruch der Fiotteu- Abrüftunsskoufevem 7

I Lavol macht Schwierig­keiten.

r Thronfolgekrisis in Rumänien, — Bratianu d feine Gegner. — Sein Zwist mit der . migin-witwe. — Carol bricht das Schweigen.

Der erzwungene Thronverzicht. — Cr wartet f den Ruf feiner Anhänger. — Das wird werden?

I Nicht umsonst hat der rumänische Minister- äsident Bratianu über alle Zeitungen die -engste Zensur verhängt und das Land gegen aßen vollkommen abgesperrt. Der Mann, der i Augenblick tatsächlich Rumäniens Schicksal der Hand hat, ist ein viel zu gewiegter Di- omat, als daß er nicht seine Vorkehrungen r die kommenden schweren Tage bis aufs einfte getroffen hätte. Bratianu kennt seine einde und Widersacher ganz genau und hat es sher meisterhaft verstanden, sich ihrer zu ent» gingen.

Im vorigen Jahre hatte Bratianu den Kosten als Ministerpräsident an Aoerescou ab- reten müssen, weil seine liberale Partei bei erschiedenen Gelegenheiten im Parlament I icht mehr die Mehrheit hatte. Von vorn- erein konnte man jedoch merken, daß es sich ur um einen Uebergang handelt und daß der lte Führer der Liberalen über kurz oder lang och wieder auf den Ministersitz zurückkehren nürben, den er, wenn auch mit Unterbrechun­gen, nun schon seit drei Jahrzehnten inne hat. geradezu meisterhaft gelang ihm noch kurz vor >em Tode des Königs Ferdinand die Kalt- tellung seines Gegners und der Bauernpartei, geschickt wie immer übernahm Bratianu das Ministerium nicht selbst, sondern schob den Fürsten Stirbey vor und ließ diesen die Wah­len für das Parlament ausschreiben, um sich nach außen von dem Verdacht zu rechtfertigen, ils wenn er selbst neue Wahlen haben wollte.

Das Ministerium Stirbey bestand noch nicht einmal 14 Tage, dann hielt Bratianu den Augenblick für gekommen, selbst wieder die Zügel der Regierung in die Hand zu nehmen. Das Glück war ihm hold. ‘ Er gelangte noch so früh auf den Ministersessel zurück, daß er mit dem totkranken König Ferdinand alles be­sprechen konnte. Zwar hat Averescu in den Kammersitzungen nach dem Tode des Königs mit Bratianu in einer ziemlich ostentativen Weise Frieden geschlossen, doch beweisen die Sitzungen der Bauernpartei genau, was man von dieser Geste zu halten hat. Der Gegensatz zwischen den Liberalen und der Bauernpartei wird weiter bestehen bleiben und der alte Kampf tobt weiter, sehr zum Schaden des Landes.

Zu heftigen Auftritten kam es in Den letzten Tagen auch zwischen Bratianu und der Königin- Witwe Maria. Das Verhältnis zwischen beiden ist nie das beste gewesen, da die Königin dem

Paris, 2. Aug. Die der Genfer Korrespondent der „Lhigaco-Tribune" meldet, soll der Vorsitzende der amerikanischen Delegation der drei Mâchle-See- Abrüstungskonferenz gestern unmittelbar aus Washington die Instruktion erhalten haben, diese Konferenz unverzüglich abzubrechen.

DotmevStas ^oU^ttitd der MavineLonfevens.

daß man sie nicht allzu ernst nehme. Die „Morning- post" hält es für unwahrscheinlich, daß größere Summen vom amerikanischen Parlament geneh­migt würden. In den „Times" wird zum Ausdruck gebracht, daß die englischen Vorschläge nicht unge­hört in Amerika vorübergehen könnten, sondern vielleicht doch eine Aenderung der amerikanischen Haltung zu erwarten sei. Da England an seiner Kreuzerstärke festhalten müsse, sei die Gleichheit eine Frage, die eigentlich nur Amerika betreffe.

Zu dem in der Press« gemachten Vorschlag einer

gewiegten Staatsmanne viel zu ehrgeizig und wohl auch zu temperamentvoll ist. Beide sind aber von einer glühenden Vaterlandsliebe^ de­

seelt und haben unstreitig nicht nur das Beste Rumäniens im Auge, sondern auch am meisten für den Staat getan und gelitten. Mehrfach. Hatten beide Persönlichkeiten dieselben Jnter- essen und haben sich dann mit allen Mitteln gegenseitig unterstützt. So ist der Anschluß Rumäniens an die Entente und der Eintritt in

den Weltkrieg das Ergebnis ihres beiderseitigen Einflusses auf den König. Und Groß-Rumänien ist sicherlich der Preis für ihre Bestrebungen. Noch auf einem anderen wichtigen Punkte haben sich beide getroffen. Bratianu unter­stützte im Herbst 1918 das Streben der Königin, die Ehe ihres ältesten Sohnes, des Kronprinzen Carol mit der Bojakentochter Zizi Lambrino zu lösen und den jungen Prinzen mit der Prin­zessin von Griechenland zu verheiraten. Doch die erhoffte Wirkung blieb aus. Die Ehe ge­staltete sich, obwohl ihr der jetzige König Michael I. entsproß, von Anfang an sehr un­glücklich, genau so wie vorher hörte man in Bukarest von Skandalgeschichten des Kron­prinzen und auch seine Geldgeschäfte waren

Genf. 1. Aug. Die Vollsitzung der Marinekon- ferenz ist nun endgültig auf Donnerstag nachmittag 3 Uhr angesetzt worden. Zunächst sollte die Sitzung auf Mittwoch anberaumt werden, aber da Admiral Jellicoe sich nach London begeben hat, um an der Beerdigung seines Bruders teilzunehmen, mußte die Sitzung auf Donnerstag verschoben werden. In der Lage scheint sich nichts geändert zu haben. Die aus Washington erhaltenen Instruktionen bestätigen, oder, wie es heißt, verstärken sogar den Standpunkt der amerikanischen Delegation. Die britische Dele­gation verharrt ihrerseits auf der von ihr einge- nommenen Stellung. Die Versuche der japanischen Delegation, zu einem Kompromiß zu gelangen, haben zu keinem Ergebnis geführt. Don japanischer Seite sind übrigens keine neuen Vorschläge einge­bracht worden. Die heute abgehaltenen Besprechun­gen zwischen den Leitern der Delegation, über die schon einige Einzelheiten bekannt werden, haben in keinem Punkte zu irgendeinem Abkommen geführt. Bereits letzten Donnerstag hatte sich die britische Delegation gegen die von den amerikanischen Per­tretern am Sonntag veröffentlichte Sicherungsklausel ausgesprochen.

Zwischen d *, . ________

Delegation besteht noch immer eine Differenz be­treffend die Kreuzer zweiter Ordnung, ob 4500 oder 8000 Tonnen, und der Bewaffnung, ob Sechs- oder Achtzollkanonen. Wenn nicht plötzlich etwas uner-

ammenkun

wins mit dem

Präsidenten Coolidge wird eine private Erklä­rung Baldwins bekannt, daß er nicht die Absicht habe, während seines Aufenthaltes in Amerika mit dem Präsidenten der Bereinigten Staaten zusam- menzutreffen. Die Unterstützung, die der Vorschlag

in der gesamten englischen Press« gefunden hat, ist jedoch so stark, daß eine Aenderung des Stand­punktes Baldwins nicht ausgeschlossen erscheint.

Nach den letzten Meldungen aus Tokio hofft man .ochsten japanischen Marinekreisen noch immer, daß die Genfer Konferenz gerettet werden sönne. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die amt=

in den

lichen japanischen Stellen von der Presse, die be­reits die wahrscheinlichen Wirkungen des Zusam­menbruchs erörtert. Marineminister Okada erklärte, das Abbruchsgerede sei nur die Auslegung der Situation durch die Zeitungskorrespondenten. Die Lag« sei nicht so dunkel, wie die Berichterstatter

glaubten. Man könne immer noch hoffen.

Paris, 1. Aug. Die Vertagung der Vollsitzung hat auch in Paris die Hoffnung auf das Zustande­kommen eines Kompromisses einigermaßen gehoben,

V , ...., . . .. ... ohne daß man sich jedoch über den Wert einer fob

^er amerikanischen chen Formet großen Illusionen hingibt. Die vorge- schlagen« Losung, nämlich die Aufnahme einer Klausel, die jedem Unterzeichner die Mög­lichkeit gibt, seine Handlungsfreiheit

wartetes eintritt, so hat man unter diesen Umstän­den den bestimmten Eindruck, daß die Vollsitzung am Donnerstag die letzte sein wird, und daß man in diesem Augenblick Erklärungen über die Gründe vorbereitet, aus denen sich die drei Nationen, die an der Konferenz teilnehmen, in aller Freundschaft

trennen werden, ohne zu einem Ergebnis ge zu sein, aber mit dem Vorbehalte, auf die F Marinoabrüstung zurückzukommen.

gekommen

rage der

Rnevwaviete RüESebv Sowavds srach Washington.

Washington, 1. August. Der britische Botschafter Howard ist plötzlich von seinem Londoner Aufent­halt hierher zurückgekehrt. Er hatte mit Staats­sekretär Kellog eine private Unterredung. Die hiesigen amtlichen Kreise lehnen es ab, sich über die Bedeutung des Besuches hinsichtlich der Genf er Konferenz zu äußern. Im Staatsdepartement wird erklärt, daß Howard auf eigenen Antrieb und nicht auf Ersuchen Kellogs nach Washington zurückkehrte. Im übrigen sei kein neuer Vorschlag der Vereinigten Staaten für die Genfer Marinekonferenz in Aussicht genommen.

Gin SoffnnngSftvahl 7

Rapid Lily, 1. Aug. Die Verschiebung der für heute anberaumten Vollversammlung der Äb- rüstungskonferenz ip Genf wird in den Kreisen um den Präsidenten Coolidge als ein Hoffnung s- strahl angesehen. Man hoftt, daß sich inzwischen eine Basis für die Fortführung der Verhandlungen finden wird, so daß Gibson die von chm vorberei­tete und die von der Regierung gebilligte, für heute vorgesehene Erklärung, mit der Amerika seine Marinepolittk begründet und die Schuld an einem Scheitern der Verhandlungen von sich abweist, nicht abzugeben braucht.

Schwache Sofknnngen in London

London. 1. Aug. In London siebt man in der Verschiebung der Vollsitzung auf Mittwoch oder Donnerstag eine schwache Möglichkeit, die Konfe­nz in zwölfter Stunde noch zu retten. Es ist jedoch id) nicht zu erkennen, auf welcher Linie sich ein Kompromiß zwischen dem englischen und amerika­nischen Standpunkte erreichen ließe.

Der australische Premierminister Bruce äußerte sich gelegentlich einer Rede in Maryborough dahin, Daß es für Australien sehr wichtig sei, daß das britische Wellreich keinem Vorschlag beistimme, der die Ueberlegenheit der englischen Marine irgendwie gefährde. Die Handelswege nach Australien mühten geschützt werden. Die Nachrichten amerikanischer Blätter, daß Amerika bei einem etwaigen Zusam­menbruch der Genfer Konferenz jährlich weitere 85 Millionen Dollar für Marinebauten ausgeben werde, werden von der englischen Presse mit großer Vorsicht ausgenommen. „Daily Telegraph" berichtet,

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bewahren, wenn er lebenswb

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für gefährdet erachtet, wird vom äußer st unsicher bezeichnet. Auf ieden Fall aber beweise das Ergebnis, daß England einen wichtigen Erfolg erzielt habe, dadurch, daß es sich energisch zeigte. Die Amerikaner seien nun zu dem Eingeständnis gezwungen, daß die Verantwortlich­keit eines Mißerfolges auf sie falle und ein gewalt­samer Abbruch Amerika in den Verdacht imperia­listischer Tendenzen brächt«.

Dev Gedanke des srottendau- Seievtases.

London, 2. Aug. „Times" meldet aus Washing­ton: In verantwortlichen Kreisen wird der Ge­danke erörtert, einige der unerwünschten Folgen des Genfer Mißerfolges durch eine Art Flottenbau- Feiertages zu beseitigen. Nach allgemeiner Auffas­sung in Washington ist der Gedanke der Prüfung wert, er scheint aber nicht als geeignet, in einem Vertrag niedergelegt zu werden. Ferner könnte der Ausdruck „Flottenbau-Feiertag" nicht auf die Ver-

einigten Staaten angewendet werden, die auf jeden Fall zu einem Bauvertrag verpflichtet seien. Es würde daher nichts anderes möglich sein, als daß die britische Regierung mitteilen würde, daß sie nicht über eine bestimmt« Periode hinaus ihre Seemacht ' " i würde, gegen eine entsprechende ameri­kanische Erklärung, daß Amerika nicht über eine bestimmte Flottenftärke hinaus bauen werde. Dies wurde aber keine rechtlich bindende Abmachung sein. Der Korrespondent sagt noch: wenn der bri- ttschen Regierung eine solche Erklärung möglich sein sollte, dann würde die Wirkung auf die amerika­nische öffentliche Meinung günstig sein, und sie würde bestimmt einen Einfluß auf den Kongreß ausüben.

verstärken konische 6

Gine Rede Lloyd Geovges.

London, 1. Aug. Lloyd George hielt heute in Cambridge eine Rede, worin er die (Einhaltung eines ausgeprägten liberalen Parteiprogramms mit Bezug auf die nächsten Wahlen befürwortete. Man müsse sich nicht der Illusion hingeben, daß die Kon­servativen je die liberale Agrarreform durchführen werden. Lloyd George äußert sich darauf in sarkasti­schen Worten über die Tätigkeit Bridgemans auf der Genfer Seeabrüstungskonferenz. Bridgeman sei wohl der letzte, von dem man auch nur einen Schim- mer von Verständnis für die in Genf behandellen Probleme erwarten könne. Die Aussicht, daß Ame­rika mehr Schiffe bauen werde, sei beängstigend.

Sayans Haltung.

Paris, 1. Aug. Die Agentur Indo Pacific meldet aus Tokio, die japanische Regierung habe Admiral Saito telegraphiert, Japan würde alles tun, um sich jedem Versuch der Rüstungssteigerung auf Grund eines Kompromisses zwischen England und Amerika zu widersetzen.

nicht ganz rein. Bratianu sah und wohl auch bar machten. Wiederum war er mit der Kö- mit Recht, sehr trübe in die Zukunft, besonders nigin im Bunde, die gern das Auftreten Carols da sich vor etwa 2 Jahren die ersten Anzeichen gegen einen ihrer Günstlinge dazu benutzte, um der schweren Erkrankung des Könias bemerk- ibn rum Tbronoerzicbt zu veranlassen.

Die Angelegenheit wurde damals so darge­stellt, als ob Der Kronprinz sich gegen den Fürsten Stirbey, der in kurzer Zeit durch die Unterstützung der Königin vom Leutnant zum Obersten befördert war, zu Handgreiflichkeiten hätte Hinreißen lassen und dann jede Genug­tuung verweigert hätte. Nach außen machte es den Eindruck, als ob der Kronprinz freiwillig dem Lande den Rücken gekehrt hätte, um die Witwe eines rumänischen Obersten zu heiraten und mit ihr fortan in Paris zu wohnen. Tat­sächlich bezog Kronprinz Carol eine Villa in Neuilly bei Paris und machte verhältnismäßig selten von sich reden. Nur die Klage seiner ersten Gattin wirbelte wieder viel Staub aus. Der Kronprinz benahm sich keineswegs wie man es von ihm in Rumänien erwartet hatte. Tatsächlich hat er durch diesen Prozeß viele Symvathien in seinem Vaterlande verloren.

Wohlweislich hielt Bratianu den Kron­prinzen von den Beisetzungsfeierlichkeiten in Bukarest und Curtea de Arges fern und trat hierbei mit der größten Strenge auf, besonders da gerade in diesen Tagen die Königin Witwe Maria wieder einmal mit dem Verlangen aus­trat, selbst in den Regentschaftsrat einzutreten. Es soll zwischen der Königin und dem Minister­präsidenten zu einem sehr heftigen Auftritt ge­kommen sein; Bratianu habe schließlich der Königin verboten, an der Beisetzung teilzu­nehmen, doch wurde dieses Verbot mit Rück­sicht auf die Oeffentlichkeit später zurück­genommen.

Diejenigen Kenner der Verhältnisse aber, die geglaubt hatten, daß die Thronfolgefrage in Rumänien nunmehr erledigt wäre, sollten sich schwer getäuscht haben. Der frühere Kron­prinz hat nunmehr sein erstes Schweigen ge­brochen und hat an eine Anzahl französischer Zeitungen eine Erklärung gesandt, die gegett seine sonstige Art sehr maßvoll gehalten ifi und garade dadurch am meisten zu denken gibt

Mit dürren Worten erklärt der Kronprinz, daß ihm der Thronverzicht und das Verlassen wen er mit seinen Anschuldigungen nennt. Er hütet sich jedoch, Gründe anzugeben, wie er auch keinen Namen nennt. Doch weiß man sofort, wen er mit seinen Ankchuldigungen nennt. Er bestreitet, daß der todkranke Vater ihn be­schworen habe, zu den Beisetzungsfeieti.c-i^eilen nicht nach Rumänien zu kommen. Im Gegen­teil will er wissen, daß König Ferdinand sich nach seinem ältesten Sohne geradezu verzehrt habe und daß die Behandlung, di^ dem Thron­folger im Januar 1926 zuteil geworden wäre den Tod des Königs, wenn nicht verursacht, k doch beschleunigt hätte.

Carol hält es

Recht, als Rumäne

für seine Pflicht und für sein ne und als Vater über die

Größe Rumäniens zu wachen und dafür zu sorgen, daß sein Sohn ein unantastbares Erbe erhält, wenn einmal seine Zeit gekommen ist. Er betont zwar ausdrücklich, daß er in seinem Lande keine Unruhe Hervorrufen will, „aber", so schließt er das wichtige Dokument, „ich werde es niemals ablehnen können, dem Wunsche meines Volkes zu gehorchen und seinem Rufe zu entsprechen, wenn dieser an mich gerichtet wird!" Der Anhang Carols in Rumänien ist besonders unter den Bauern und im Heere sehr groß. Er war von je her der Liebling des Volkes, weil er der erste Sproß der Dynastie ist, der auf rumänischem Boden geboren und im orthodoxen Glauben erzogen worden ist. Die Erklärung des früheren Thronfolgers wird naturgemäß in ganz Rumänien sehr viel Staub aufwirbeln. Schon in den nächsten Tagen wird es sich zeigen, ob der Anhang Carols stark genug ist, um seine Thronfolge durchzusetzen und den früheren Verzicht rückgängig zu machen, oder ob Bratianu über genügende Mittel verfügt, um seine Gegner, wenn auch mit brutaler Gewalt, niederzuhalten. Auf den Ausgang kann man gespannt sein.

Pariser Bläffer zur Erklärung Carols.

Paris, 1. Aug. Zu der Erklärung des Prinzen Carol von Rumänien, in der dieser seinen Thron» verzicht zurückzieht, sagt Pertinax im „ Echo de Paris": Die in Neuilly (dem Wohnort des Prinzens gesponnenen Intrigen wären ohne jedes Interesse wenn nicht Rumänien augenblicklich eine Krise durchmachte, hervorgerufen durch die parteipoliti­schen Kämpfe um die Macht. Diese Situation wollen der Prinz und seine Berater ausnutzen. Wir müssen wünschen, daß Bratianu die Macht bis 1940 in Händen hält: denn die Familie Beratianu hat das Rumänien von heute geschaffen. Seine Außenpolitik bedeutet die Aufrechterhaltung der Kleinen Entente und die Verbindung mit den Westmächten. Aber er muß seine Methoden doch etwas ändern. Dic Unzufriedenen gruppieren sich leicht um Persönlich­keiten königlichen Blutes, deren Fehler und Aden- teuer den romantischen Stimmungen der Masse schmeicheln.