Einzelbild herunterladen
 

126

GamStag

1922

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. / Sei unverschuldetem Ausfall btr Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Lezieher keinen Anspruch auf Lieferung ober Nachlieferung oder auf Rückzahlung deS Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3946,3957,3958

4nt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben t RM.1-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitags, (tag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite Pf», im Reklameteil von SS mm Breite 2S R-pfg. / Offertengebühr 50 R-Pfg.

Das Kmr Ms.

Die Reichsregierung legt die deutschen Doku- über Orchies vor.

Gegenüber der Darstellung Locker Lampsons ran in Berlin entschieden daran fest, daß -land seine Entwaffnungsverpflichtungen er- abe.

Bei der Königsberger Tagung des Reichsoer - > der deutschen Industrie sprach man sich für Vereinfachung der Staatsverwaltung aus.

Das englische Kabinett trat gestern abend plötzlich zu einer Sitzung über die Genfer tungsverhandlungen zusammen.

Botschafter Schurman ist philosophischer doktor der Universität Heidelberg geworden.

ü ensUM - amevMemkktbe Gegensatz in Genf.

dem Abbruch der Dreimächtekonfereuz. le englischen Vertreter und Sachverstän- i, Die zur Besprechung mit ihrer Regie- nach London gefahren waren, sind wie- lach Genf zurückgekehrt, aber worüber sich allgemein gewundert hat gegen ige Gepflogenheit nicht von ihren ameri» chen und japanischen Kollegen am Bahn- »mpfangen worden. Auch fiel es aus, daß iral Jeuicoe, der englische Befehlshaber er Skagerrakschlacht, in London geblieben nd nicht mehr an den Verhandlungen teil- nt. '

lles deutet daraus hin, daß die Gegettsätze chen England und Amerika durch die 1, SichUinien aus London nicht behoben Wohl finden noch öffentliche Sitzungen , doch verspricht man sich von den neuen Handlungen nur noch wenig Erfolg und net schon allgemein mit einem ergebnis- i Ausgang der Konferenz, auf die nur eine besondere Optimisten große Hoffnun- gesetzt hatten. Die Mehrzahl der Vertreter besonders der Sachverständigen stand der ferenz von Anfang an sehr skeptisch gegen- r; sie haben wieder einmal Recht behalten. Wohl betont man in Washington und in idon bei jeder Gelegenheit die Notwendig- des Zusammenarbeitens der beiden Völ- und weist darauf hin, welch schwer- gende kulturelle Ausgaben die angelsäch- je Rasse zu erfüllen habe. Das hindert aber st, daß in letzter Zeit mehr als je große gensätze zutage treten, die in erster Linie den Weltkrieg und seine Folgen zurück- ühren sind. Seitdem sich die Regierung von Islington so nachdrücklich in die europä- ien Verhältnisse eingemischt hat, mußte sie e Politik völlig umstellen. Wohl gibt es in nerika eine große Anzahl Leute, die lieber rte als morgen die neue Politik liquidieren ichten, auf der anderen Seite aber war der rdienst während des Weltkrieges allzuschön, d Amerika ist heute zweifellos das reichste Md.

Stolz ist man in Amerika darauf, daß Eng- nd durch das Abkommen von Washington ne Vormachtstellung aus dem Meere Der« een hat und daß nunmehr die beiden Flotten sich stark sein sollen. Nach der Ansicht der Mexikaner war die damalige Konferenz nur n halber Erfolg. Präsident Coolidge und ine Anhänger drangen daraus, auch die ahl der kleineren Schiffe in demselben Ver- iltnis wie die Linienschiffe festzulegen, um adurch die Gleichstellung der amerikanischen lotte mit der englischen noch fester zu legen, aher war die jetzige Konferenz als die Fort- ^ung der früheren Verhandlungen gedacht nd Amerika wollte seinen Sieg vollenden.

Anders die Engländer. Sie nahmen die Einladung Coolidge an, weil sie vor der Welt ie schwere Verantwortung, die Konferenz um Scheitern gebracht zu haben, nicht tragen sollten und konnten. Sie hofften, das Ab- ommen von Washington revidieren zu tön» ten, um die Herrschaft zur See wieder zu er» angen, doch hatten sie sich hierin schwer ge- äuscht. Die Amerikaner erklärten ausdrücklich, taß an dem früheren Abkommen nicht ge­rüttelt würde und verlangten vom ersten Tage ab, daß die Tonnage und die Zahl der Kreu­zer in ähnlicher Weise festgesetzt werden würde. Hierüber kam es zu langwierigen Ver­handlungen, mehr als einmal schien es, als wenn die Konferenz auseinanderginge. Doch wollte England nicht die Macht sein, die die Konferenz zum Scheitern brachte. Daher er­folgte die Reise der englischen Vertreter nach London, die allerdings nichts geändert hat.

Die deutschen Dokumente über Sechies.

Schwere Aurrase« gegen SvanSveich. - Eine Mfuhv potneavss.

Berlin, 29. Juli. Das deutsche amtliche Material über die Vorgänge in Orchies im September 1914, das die Rede Poincarès vom letzten Sonntag voll­kommen widerlegt, besteht aus fünf Urkun­den, die die vorgestern veröffentlichte deutsche Dar- stellung durch zahlreiche erschütternde Einzelheiten ergänzen und im Gegensatz zu den von Haoas ver­breiteten Schriftstücken eine lückenlose Dar- st e l l u n g der Vorgänge geben, die schließlich zur Zerstörung von Orchies führten.

In dem ersten Dokument, dem dienstlichen Be­richt des Frhrn. v. Stolzingen, Führer der Rotkreuzabteilung, heißt es u. a.: Die Kolonne nahm in Saint Amand zwölf französische Verwun­dete auf. Unsere Kolonne erhielt unge­fähr ein Kilometer von Orchies entfernt plötzlich Feuer. Oberstabsarzt Morgenrot befahl umzukehren. Zur Deckung des Rückzuges nahmen die mit Karabinern bewaffneten mili­tärischen Transportmannschaften und Chauffeure das Feuer auf. Die Sanitäter waren nur mit Seitengewehren bewaffnet. Die Angreifer, teils uni­formierte Franzosen, teils Frankterieurs, waren zahlreich; genau konnte die Zahl nicht festgesetzt werden.

In dem zweiten Dokument schildert der franzö- sische Mönch und Lizentiat der Philssophie Cau - d o n, der als Krankenpfleger vom Rotkreuzkomitee in Lille nach Orchies entsandt worden war, die Ausffindung der to ten deutschen Sol­daten u. a. mit folgenden Worten: Ich stelle zum ersten Male mit Bedauern die törichten und zweck­losen Grausamkeiten fest, die an den Toten zu be­merken sind. Sie sind ganz ausgeraubt worden. Zur Erklärung der begangenen Gewalttaten macht der französische Geistliche u. a. folgende bestimmte An­gaben: Unter unseren Truppen waren Turkos, und man weiß, wieviel Mühe es unseren Offizieren oft macht, diese afrikanischen Truppen von Unmensch- lichkeiten und Unvorsichtigkeiten abzuhalten. Die Leichen liegen einzeln. Die Aufsicht durch die Offi­ziere war also schwierig. Der französische Geistliche fügt außerdem hinzu: Soviel ich weiß, haben Land­streicher, die es ja leider überall gibt, heute früh Leichen bestohlen.

3$ habe etwa 20 Soldaten gesehen, die ver­stümmelt waren. Ich habe Gesichter gesehen, die mit Instrumenten zerfetzt waren, die keine Kriegswaffen sind.

In der dritten Urkunde schreibt der französische Pfarrer Duc r o q u e t u. a.: Ich habe feststellen müssen, die Leichname deutscher Soldaten Spuren zahlreicher grausamer Verletzun- g e n trugen. Im Munde eines Toten habe ich einen weißlichen Stoff gesehen, der vielleicht Sägemehl war.

Die vierte Urkunde, der dienstliche Tatbericht der beiden Bataillonsärzte Dr. Neumann und Dr. Grünfelder schildert im einzelnen die furchtbaren Verletzungen und Verstümmelungen, denen 21 deutsche Soldaten zum Opfer fielen, und bemerkt dann: Aus den festgestellten Tatsachen ergab sich, daß ein großer

Teil der Leute unverwundet in die Hände der Feinde gefallen war.

In der fünften Urkunde schließlich schildert Hauptmann Düll, dessen Bataillon am 25. Septem­ber den Befehl zu einer zweiten Strafexpedition gegen Orchies erhalten hatte, ebenfalls dis auch von

6amo»EMHii^ga»iw^ameKrara.TOKfl^Eitg^ira^T.^^^

denn die neuen englischen Vorschläge werden sicherlich nicht von den Amerikanern ange­nommen werden. Diese wollen den Unter­schied in der Kreuzerfrage zwischen England und Amerika nicht einfehen, und den Eng­ländern keine Zugeständnisse in den von diesen immer wier verlangten Ueberzahl an kleinen Kreuzern machen. Der unparteiische Beurteiler muß den Engländern bis zu einem gewissen Grade Recht geben; denn die Lage des Britischen Imperiums ist wegen seiner zahlreichen und weit entlegenen Kolonien, auf die das Mutterland angewiesen ist, wesentlich anders als die der Vereinigten Staaten, die in kompakter Masse zusammenliegen und im Kriege kaum getrennt werden können.

Man hatte gehofft, sich auf den Punkt einigen zu können, daß die Zahl der Gesamt­tonnage für Kreuzer festgelegt würde, die Amerikaner zeigten auch ein gewisses Ent­gegenkommen, doch tauchte plötzlich von eng­lischer Seite die Frage der Bestückung der Kreuzer unter 6000 To. auf. Die Amerikaner wollen unter allen Umständen nur Kreuzer mit 15 Ztrm.-Geschützen bauen, England da- Segen zieht den schwächer bestückten kleinen Kreuzer vor, schon aus dem Grunde, weil er bedeutend schneller ist, als die größeren. Mit Recht weist aber auch Amerika darauf bin.

ihm persönlich genau festgestellten unmenschlichen Verstümmelungen und Verletzungen. Er stellt dabei fest, daß an der jedesmaligen Fundstelle der Leichen der Boden im Umkreis zerstampft war, daß also jedesmal ein Kampf gegen eine Ueberzahl erfolgte, und stellt zum Schluß fest: Hinsichtlich der sämt­lichen Verstümmelungsfälle wurde von den in Orchies zurückgebliebenen 50 Personen die volle und

alleinige Schuld auf den anarchistischen TeU der Ortsbevölkerung

und einige nicht näher bezeichnete Frauen ge­schoben. Anstatt in den Wohnungen zu bleiben, war bis auf die genannten zurückgebliebenen Personen, die Bevölkerung der gesamten Ortschaft von nahezu 5000 Personen ausgewandert einschließlich des Pfarrers und Bürgermeisters. Namentlich die bei­den letzteren waren in den anderen umliegenden Ortschaften schon im Interesse der Bevölkerung zu­rückgeblieben.

Die fvanrSMibe Darstellung.

Paris. 29. Juli. Unter ausdrücklichem Hinweis auf die deutschen Proteste gegen die Rede Poin- carés in Orchies veröffentlicht heute das Havas- büro zwei ihm von amtlicher Seite übergebene Dokumente, und zwar einen Bericht des Bürger­meisters von Orchies vom 25. September 1914 und einen ergänzenden Bericht eines Bürgers der Stadt namens Trochon.

Die Darstellung des Bürgermeisters läßt sich wie folgt zusammenfassen: Am 23. September 1914 näherten sich der Stadt Orchies, die von 800 Mann Infanterie, einer Kavallerieabteilung und einer Batterie besetzt war, einige deutsche Automobile, die, wie sich später herausstellte, von Roten-Kreuz-Sol- daten besetzt waren und deutsche Verwundete ab­holen sollten. Bei der Einfahrt in den Ort schoß ein deutscher Offizier aus dem ersten Automobil heraus auf eine französische Schildwache und tötete sie. Die Franzosen antworteten sofort, töteten vier Deutsche und nahmen einen deutschen Stabsarzt gefangen.

Der Bericht des Bürgers Trochon geht weiter. Zunächst wird darin behauptet, daß der deutsche Offizier, der aus dem Auto heraus die Schildwache erschoß, ein Leutnant Lichtenberger gewesen sei. Dann berichtet Trochon über die eigentliche Zer­störung am 24. September. Am Tage nach dem ersten deutschen Angriff seien die französischen Truppen abmarschiert. Daraufhin wurde Orchies von den deutschen Soldaten von allen Seiten um­stellt und abgeschnitten.

Eine Abteilung von etwa fünfzig Mann drang in die Stadt ein und holte die deutschen ver­wundeten aus dem Hospital heraus.

Dabei erklärte der die Operation leitende deutsche Offizier Major Dittel, daß über Orchies ein Straf­gericht verhängt und daß es niedergebrannt werde. Kurz darauf orangen zahleriche Abteilungen deut­scher Pioniere von je 20 bis 30 Mann Stärke von allen Seiten in die Stadt ein und warfen Brand- bomben in die Häuser. Die Stadt bildete bald ein einziges Flammenmeer. Tausend Häuser von ins­gesamt 1200 wurden zerstört. Der Chefarzt des deutschen Heeres Dr. Schjerning hat an den Kaiser telegraphiert und mitgeteilt, daß wegen Angriffs auf ein deutsches Hospital in Orchies die Stadt dem Erdboden glechgemacht worden sei." daß es England nicht allzuviel kleine Kreuzer zugestehen könne, weil England ja ebenso wie im Weltkriege in der Lage wäre, geeignete Handelsschiffe als Hilfskreuzer auszubauen. So ist also trotz der Reise der englischen Ver­treter nach London die wichtige Frage wieder auf das tote Geleis gekommen, und es besteht wenig Hoffnung, daß die Gegensätze ausge­glichen werden.

Die ganze Welt hat die Blicke auf Genf gerichtet, wo die Abrüstung wieder einmal ein schweres Fiasko erleiden wird. Präsident Coo­lidge kann seine Hände in Unschuld waschen. Er ist der Veranstalter der Konferenz und hat wahrlich guten Willen genug gezeigt, wenn er auch bei der Einladung lediglich an seine bevorstehende Wahl gedacht hat. Die Amerika­ner haben hartnäckig an ihren ersten Vor­schlägen festgehalten, kein noch so klares Ar­gument der Engländer hat sie von ihrer Mei­nung abbringen können. England fühlt wohl die Anklagen, die bei einem Abbruch der Kon­ferenz gegen seine Regierung erhoben werden. Der englische Außenminister Chamberlain hat daher schon vorgebeugt und in seiner großen Rede vor dem Unterhaus mehrfach darauf hingewiesen, daß England alles getan habe, was in seinen Kräften stände, doch dürfte es seinen Hordel nichi selbst töten und könne da­

her in der Kreuzerfrage nicht nachaeben. Die Japaner stehen bereits seit einigen Tagen auf dem Sprung zur Abreise. Sie haben während der ganzen Zeit zwischen England und Ame­rika hin- und hergeschwankt und in ihret ge­wöhnlichen Art und Weise nur ihren Vorteil im Auge gehabt. Allerdings haben sie das red­liche Streben gezeigt, die Seeabrüstung einzu­schränken, da ihnen die Finanzlage chres Staates allzu große Ausgaben nicht gestattet.

Großes Aufsehen hat die Mitteilung eines amerikanischen Admirals in der Presse ge­macht, daß die Vereinigten Staaten bei einem Scheitern der Konferenz sich veranlaßt sähen, ohne Rücksicht auf die anderen Seemächte ein Flottenbauprogramm auszuarbeiten, das der Bedeutung des Staates und seiner Handels­beziehungen Rechnung trägt und geradezu ungeheuerliche Ausdehnungen hat. Bekannt­lich ist die Partei in Washington, welche schon seit Jahren für den Ausbau der amerika­nischen Flotte eintritt, nicht klein, und ist in der letzten Zeit noch bedeutend gewachsen. Coolidge hatte ihr gegenüber stets einen schweren Stand und wird sicherlich schon im Interesse seiner Wiederwahl mit ihr einen Kompromiß schließen, wenn sein altes Lieb- lingsobjekt von Genf nicht in Erfüllung gehen sollte.

Menftimmmtd in Gens.

Unfreundliche Aufnahme der englischen Vorschlags

Genf. 29. Juli. Die pessimistische Stimmung über den Ausgang der Seeabrüstungskonferenz hat sich weiter verstärkt. Der peinliche Eindruck, den die gestern enthüllten englischen Vorschläge in allen Delegationskreisen gemacht haben, ist nicht gewichen. Die amerikanische und japanische Delegation haben aus Genf nach Hause telegraphiert und beraten ge­trennt für sich. Augenscheinlich sind die Dinge wie- derum über die Kompetenzen her Delegationen hinausgewachsen. Gibson hat sich nach Washington gewandt, da nur dort eine Entscheidung fallen kann

Die Genfer Marinekonferenz ist nun an ihrem entscheidenden Wendepunkt angelangt. Das ist aber auch das einzige, was von hier aus mit Sicherheit gesagt werden kann. Für morgen ist eine Sitzung der Hauptdelegierten in Aussicht genommen, falls die von der amerikanischen Delegation erwarteten letzten Instruktionen aus Washington über die neuen englischen Vorschläge eingegangen sein sollten. Für den Augenblick bleibt die öffentliche Vollsitzung der Konferenz, die man in weiten Kreisen der Kon­ferenz als die letzte Konferenzsitzung ansieht, aus den schweizerischen Nattonalfeiertag, Montag nach- mittag, anberaumt. Aber Ueberraschungen sind natürlich nicht ausg^chlossen, und es ist nicht um möglich, daß die Vollsitzung noch verschoben wird, falls sich eine Möglichkeit zur Einigung in der Kreuzerfrage zeigt. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Frage der Bestückung der Kreuzer. Die japanische Delegation macht große Anstrengungen, eine Eini­gung zwischen England und den Vereinigten Staa­ten herbeizuführen. Ihr Hauptführer, Admiral Saito, hat die Hoffnung auf ein positives Resultat noch nicht aufgegeben. Die Tatsache besteht aber, daß die englischen Vorschläge, die gestern abend ver­öffentlicht wurden, stark enttäuscht haben und die Amerikaner hier allgemein mit dem ergebnislosen Ausgang der Konferenz rechnen. Auch in der ameri­kanischen Delegation erklärt man indessen, daß num mehr der Schlüssel zur Lage in Washington liegt.

Ekoolldge gegen die englischen Vorschläge.

London. 30. Juli. Eine Meldung aus Rapid Ziti von gestern abend besagt: Amtlich wird bekannt­gegeben, daß der Präsident Coolidge der Ansicht ist, daß die Vereinigten Staaten die Genfer Vorschläge Großbritanniens nicht annehmen könnten, da ihre Folge sein würde, daß die Nationen sich noch gro- bete Kriegspläne zulegen würden als bisher.

Englische ^abknettSiitzuns.

London. 29. Juli. Ganz unerwartet ist heute abend das englische Kabinett zu einer Sitzung zu- sammengetreten. Die Minister wurden zum Teil durch Kuriere zu dieser Sonderbesprechung geladen. Man nimmt an, daß in dem Kabinettsrat, in dem Chamberlain den Vorsitz führt, die l e tzt e E n t- scheidung der eng listen Regierung überdie Genfer S e e a b st u ng s k o n f e- renz fallen wird.

Der Anlaß zu der englischen Kabinetlssihung.

London, 30. Juli. Der diplomatische Korrespon­dent desDaily Telegraph" schreibt: Den Anlaß zu der gestrigen Zusammenkunft des Kabinetts bildeten ernste Depeschen über Genf. Der Inhalt wurde nicht bekannt gegeben, aber es verlautet, daß die britt- schen Delegierten bei ihrer Ankunft in Genf fanden, daß die Atmosphäre sich nicht gebessert hat. Die Auf­nahme der britischen Vorschläge bei der amerikani­schen Delegation waren alles andere als freudig. Die Völkerbundkreise in Genf und London sind besorgt über den drohenden Zusammenbruch der See-Ab­rüstungskonferenz. Es herrscht die »Empfindung, daß, wenn die drei Mächte außer stände gewesen sind, sich über ein beschränktes See-Abrüstungs-Pro- aramm zu einigen, die Aussichten auf eine Verein-