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Nr. 173
DeeGtvett um die weltvaumsahvt Die Möglichkeit des Raketenschiffs. — Verein für
Raumschiffahrt.
Wenn wirklich der Streit der Vater aller Dinge »- dann dürfen nunmehr auch die Ungläubigsten so gut wie sicher fein, daß das Weltraumschiff bald kommen wird, denn es ist endgültig aus dem Stadium des Totschweigens in Fachkreisen heraus- getreten und auf die Plattform der wissenschaftlichen Erörterung erhoben worden. In der Natur der Sache liegt es, daß sich nunmehr die Anhänger und Gegner so lange bekämpfen werden, bis entweder die einen oder die anderen den Sieg erungen haben. Nach den bisherigen Erfahrungen in der verkehrstechnischen Entwicklung kann es aber schon heute für den einsichtigen Beurteiler kaum zweifelhaft sein, daß der Endsieg auch hier den Vorkämpfern der Idee, welche die
Ausführbarkeit von Raumschiffen »ejahen, zufallen wird und nicht den Gegnern, velche sie verneinen. Augenblicklich freilich scheint ts vielen Zaghaften, als ob die Gegner die Oberhand gewonnen hätten.
Anlaß zu dieser pessimistischen Auffassung der Sachlage hat vornehmlich der Artikel von Professor H. Lorenz-Danzig über „Die Möglichkeit der Weltraumfahrt" gegeben, der in Nr. 19 der Zeitschrift des D. D. I. (vom 7. Mai 1927) erschien und auch in der „Tägl. Rundschau" auszugsweise wiedergegeben unb dahin kommentiert wurde, daß nunmehr die Unmöglichkeit der Weltraumfahrt durch die Berech- nungen eines deutschen Professors, einer Autorität tuf dem Gebiete der Ballistik, nachgewiesen sei.
Diese Ansicht darf nicht unwidersprochen bleiben, denn sie schädigt auch die ernste Beurteilung der- jenigen Bestrebungen, die auf die Schaffung von Raketenschiffen überhaupt Hinzielen, ohne zunächst den Mond oder Mars zum Reiseziel zu nehmen. Denn das ist es, was die wenigsten klar erkannt und deutlich ausgesprochen haben: Zur Erreichung des Mondes ist eine ideale Antriebsleistung von rund 16 000 msek, zum Aufstieg in den Weltenraum in der Nähe der Erde aber höchstens eine solche Maschinenleistung von 4000 msek erforderlich. Der angebliche Gegenbeweis von Prof. Lorenz bezieht sich also nur darauf, daß mit unseren heutigen Explosivstoffen als Treibmitteln unser Mond und die Planeten nicht mit Raumschiffen erreicht werden können, weil der Massenbruchteil, der bestenfalls das Ziel rein theoretisch erreichen könnte, so gering ist, daß er zum Bau der Leerhülle des Schiffs nicht ausreicht. Dagegen Hot Prof. Lorenz in feiner Arbeit nicht widerlegt, daß Maschinen von solcher Treib- kraft gebaut werden können, daß sie sich über die Erdatmosphäre in den leeren Raum zu erheben vermögen. Im Gegenteil, die von ihm selbst als erreichbar und zulässig angegebenen Auspuffgeschwin- bigfeiten für «chießwolle (2450 msek) und Nitroglyzerin (2950 msek) sind höher, als die Verfechter der Idee es zu hoffen gewagt haben und gewährleisten geradezu die Erreichbarkeit solch äußerster Höhen über dem Luftkreise. Was aber vollends die Befahrung der obersten Luftschichten mit Raketenfahrzeugen anlangt, so hat Prof. Lorenz selbst zum Ausdruck gebracht, daß er sie von seinen gegnerischen Betrachtungen ausgenommen wissen will. Dieser Passus lautet nämlich wörtlich: „Die vorstehenden Ausführungen erstrecken sich ausdrücklich nicht auf den
5lug innerhalb der oberen Luftschichten ber Lufthülle, da deren Zusammensetzung, Dichte und Einfluß auf die Bewegung vorläufig noch unbekannt sind."
Man kann daher aus dem Aufsatz von Professor Lorenz m'ndestens ebensoviel Ermutigung heraus- efen, die Versuche in dieser Richtung zu beginnen, als Ermahnung, Mond und Planeten vorläufig außer Betracht zu lassen.
Diejenigen, welche geglaubt haben, die Sache des Raketenschiffes stehe schlecht und der Plan, in den Weltraum vorzustoßen, sei nun so gut wie erledigt, werden sich daher täuschen. Als lebendiger Beweis dafür, daß auch in Deutschland die Vorkämpfer der Idee sich nicht entmutigen lassen und nicht willens finb, sich von den Angehörigen anderer Nationen überflügeln zu lassen, wurde erst jüngst am 5. Juli in Breslau die Gründungsoersammlung des Vereins für Raumschiffahrt abgehalten, der alle Freunde der Sache in Deutschland zusammenschließen soll und auch bereits über die schon seit 1. Januar 1927 bestehende eigene Zeitschrift „Die Rakete" verfügt die von Johannes Winkler, dem Vorstande der Ver'eini- gung in Breslau, herausgegeben wird. Gleichzeitig mit der Gründung des Vereins wurden in München Dom Verfasser die praktischen Versuche und ersten Messungen der erzielbaren Rückstoßkräfte von Raketen begonnen. Sie sind bisher durchaus zufriedenstellend verlaufen, so daß zu hoffen steht, daß — fohülb die Geldmittel es gestatten — in verhältnismäßig kurzer Zeit schon der erste Start einer bemannten Maschine erfolgen kann.
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So schnell wie ein Augzeug?
Vor ein paar Monaten haben die Mitteilungen über die neuen Erkenntnisse im Schiffbau Aufsehen erregt, die der Dresdener Konstrukteur Arno Börner gefunden hatte. Man entsinnt sich, daß er für den Schiffbau von den Fischen lernte. Er stellte fest, daß die Kiemen des Fisches nicht nur zum Atmen, sondern auch zum Schwimmen da sind. Das durch die Kiemen ausgestoßsne Wasser erzeugt im Zusammenhang mit der rauhen Schuppenhaut der Fische, Wasserwirbel, die die Fortbewegung erleichtern. Je mehr Kiemen sich dabei betätigen, um so schneller die Schwimfähigkeit der Fisches. Darnach baute Börner seine „Forelle", ein an den Außenwänden rauh genarbtes Schiff, das vorn offen ist. Das einströmende Wasser wird vermittels einer Schraube seitlich durch kiemenähnliche Oeffnungen ausgestoßen. Das Resultat in Bezug auf Schnelligkeit und Be- wegl-ichkeit des Schiffes war verblüffend — Börner konnte berechnen, daß vermittels des von ihm ge-
Das erste Hotel der Reichsbahn.
Einweihung in Stuttgart.
Der nach dem Kriege erbaute neue Stuttgarter Bahnhof, dessen Anlage nach dem Sparsystem — ausschließliche Verwendung von Ziegelsteinen, Bahnsteighallen aus Holz statt Eisen — von jeher das Interesse der Fachleute fand, wird um einen neuen Anziehungspunkt reicher. Die Deutsche Reichsbahn wird im zweiten Bauteil des Bahnhofs ein eigenes Hotel eröffnen, das erste Hotel dieser Art. Die Einweihung hat im Beisein des Präsidenten der Reichsbahndirektion Stutgart, Dr. Siegel, sowie der Mitglieder der württembergischen Regierung und Vertreter der wirtschaftlichen u. politischen Organitionen stattgesunden. Das Hotel, das mit den modernsten Einrichtungen versehen ist, erhält im nächsten Jahre noch einen Anbau, so daß es im ganzen 115 Zimmer umfaßt. Die Kosten des Bahnhofsbaues, die im Jahre 1907 auf 100 Mill, veranschlagt waren, werden sich bis zur Fertigstellung aus 200 Millionen Mark belaufen.
fundenen „Börner-Effekts" in kommenden Zeiten die Ueberquerung des Ozeans in zwei Tagen möglich fein werde — zu Schiff!
Börner hat feine Versuche, die die ganze Welt interessiert haben, in aller Stille fortgesetzt. Ich durfte dieser Tage auf der Elbe bei Dresden einer neuen Probefahrt der „Forelle" beiwohnen. Es zeigt sich, daß der Erfinder schon in vielen Punkten weitergekommen ist. Zur Fortbewegung benutzte er zuerst eine vierflügelige Schraube, deren Konstruktion nach dem Stande der bisherigen Schrau- bsntechnik als ungünstig hätte bezeichnet werden müssen. Aber gerade diese extreme Konstruktion ergab die besten Resultate. Dagegen war die Wirkungsweise umso ungünstiger, je mehr sich Börner der normalen Schiffsschraubenkonstruktion näherte. Er kam schließlich darauf, zur Fortbewegung hochtourige Schraubenkörper anzuwenden, die das Wasser nicht nur stark beschleunigt, sondern auch mit besonders starkem Druck ausstoßen. Es wurde dabei ein neuartiges Hochdruckpropellersystem (nach Schlotter) angewandt, das mit unbeschränkt hohen Touren läuft, ohne der Gefahr zu erliegen, daß die Schraube infolge ihrer schnellen Umdrehungen wirkungslos im wasserleeren Raum arbeiten müßte. Börner konstruierte noch besondere Ein- und Ausleitschaufeln, die eine nützliche Wasserführung dieser Antriebsorgane gewährleisten und auch den ge- wollten Druck erzielen. Bei den neuen Probefahrten bewährte sich die Konstruktion ausgezeichnet, sie bedeutet für die praktische Auswertung des „Börner- Esfekts" einen großen Fortschritt.
Börner beginnt jetzt mit dem Bau eines zweiten Versuchsschiffes. Es wird den Namen „Hai" führen — nicht nur, weil es viel größer wird als die „Forelle" (nämlich 18 Meter lang, 3 Meter breit, Tiefgang 40 Zentimeter), sondern weil es auch wirklich eine Haihaut erhält. Gerade was die Schiffsnarbung angeht, hat man festgestellt, daß sie für die Entnahme der Wirbelenergie von großer Wichtigkeit ist. Bei der „Forelle" hat man eine künstliche Narbung gewählt — nun will man die Ergebnisse einer natürlichen Narbung erforschen. Das neue Schiff wird mit natürlicher chromgegerbter Haifischhaut bekleidet werden. Bei der „Forelle" war der Antrieb nach dem Schiffskörper gebaut worden. Bei dem neuen Schiff wird dieser nach dem Antriebs- organ gebaut. Außerdem wird es zwei Antriebsaggregate erhalten.
Börners Konstruktion läuft darauf hinaus, der Schwimmkunst der Fische so viel als möglich abzulauschen. Der Erfinder ist dabei auf soviel neue technische Einzelheiten gestoßen, er hat konstruktiv und prinzipiell so viele Neuerungen durchgeführt, daß man sie garnicht alle aufzählen kann, »zumal man darüber solange schweigen muß, als dem Erfinder für die neuen Einzelheiten noch nicht der patentrechtliche Schutz erteilt worden ist.
Wesentlich ist noch eins. Auf dem Rhein ist von den Strombehörden der beabsichtigte Gleitbootoerkehr unterbunden worden, da er die übrige Schifffahrt und die Ufer durch die starke Wellenbildung gefährdet hätte. Diese Gefahr besteht bei der „Forelle", wie die Versuche ergeben haben, nicht. Eine Ausstrahlung nach den Ufern hin konnten wir bei den neuen Probefahrten überhaupt nicht beobachten. Die Fahrten ergaben aber, daß Börners Idee richtig war, daß seine praktischen Versuche große Fortschritte aufweisen und daß das Endresultat nur noch eine Frage der Zeit ist: bald wird man mit der Geschwindigkeit des Hais durch die Meere fahren: bald wird auch zu Schiff der Weg Hamburg—New- york nur noch zwei Tage dauern. Peter Sachse.
Glanz und Glend eines Besmerftevs.
George Carpentier als Brektlheld. — Lache Bajazzo. Billiger Meisterruhm.
Georges Carpentier, der französische Voxmeister, der noch vor kurzem in der internacionalen Sport- Welt eine gefeierte Persönlichkeit war, ist heute eine Berühmtheit von gestern und darauf angewiesen, um den Beifall der Stammgäste in Singspielhallen und Darietès zu buhlen und die Rolle eines Hanswurstes zu spielen, die das „Lache Bajazzo" traurige Wahrheit werden läßt. Der arme, entthronte
Boxmeister, der Abend für Abend auf der Bühne des Pariser „Palace" zwischen halbnackten grellgeschminkten und aufgeputzten Girls seine Nummer absolviert, bemüht sich redlich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, aber sein stereotypes Ar- tistenlächeln, das er krankhaft festzuhalten bemüht bleibt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß ihm bitter böse zu Mut ist. Das Theaterprogramm verheißt dem Publikum, daß Carpentier tanzt, spielt, fingt und boxt. „Und der Meisterboxer Frankreichs bleibt auch, diesem Programm getreu, nichts schuldig. Wenn der erste Teil der Revue im „Palace" zu Ende geht und auf der Bühne sich Statisten und Tanzgirls, die sozusagen nur mit ihrer Schönheit bekleidet sind, zur Schlußparade gruppieren, erscheint unter ihnen Georges Carpentier im Smo king, mit kunstvoll frisiertem Haar, tänzelnd und kokett lächelnd. Das Publikum begrüßt den abgedankten Boxmeister mit lautem Beifall, das Orchester intoniert das Präludium, und er fingt das Chanson: „Das erste Mal," — wenn man das heisere Krächzen, das er zur Begleitung des Orchesters ertönen läßt, überhaupt als Gesang gelten lassen will. Es ist ein Jammer, aber es wird noch schlimmer. Auf der Bühne erscheint Miß Walton, eine englische Grotesktänzerin, die ihren Partner zum Boxkampf herausfordert. Die Herausforderung wird galant angenommen. In aller Eile ist auf der Bühne ein „Ring" aufgebaut; es erscheint ein Masseur nebst einer Masseuse und ein Neger, der bei dem Kampf als Schiedsrichter fungieren soll, und der es sich angelegen sein läßt, durch Clownsspässe das Publikum zu unterhalten. Wenn die Vorbereitungen beendet sind, beginnt die Musik einen Blackbottom zu spielen. Miß Walton und Georges Carpentier drehen sich im Tanz und bemühen sich, durch Arm- und Körperverrenkungen einen Boxkampf vorzutäuschen. Carpentier erweist sich dabei nicht nur als guter Kämpfer, sondern auch als geschickter Akrobat, der noch Beendigung der Box- und Tanzszene wilde Sprünge ausführt und schließlich unter dem Beifall des Publikums au allen Vieren herumkriecht. Als geschickter Artis weiß er sich auch mit der Rolle des Zirkusclowns abzufinden.
Im zweiten Teil der Revue, nach Beendigung einer jener langweiligen Nummern, in denen die üblichen fünfzig halbnackten Frauen ihre Reize bewundern taffen, erscheint ein Herr auf der Bühne, der ankündigt, daß „unser volkstümlicher Georges" sich im Boxkampf mit Herrn Carchey, dem Meister irgend einer obskuren Vereinigung, messen werde. Die Sache wird jetzt „ernst". Carpentier tritt em Gegner mit nacktem Oberkörper, Bodehost und Boxhandschuhen gegenüber. Das Orchester schweigt und der Kampf wird rasch und stürmisch in zwei Runden zum Austrag gebracht. In der ersten Runde wehrt sich Georges Gegner nur lässig gegen die Schläge, die ihm der ehemalige Boxchampion ZU versetzen nicht müde wird. In der zweiten Runde setzt er sich etwas energischer zur Wehr ohne verhindern zu können, daß die Schläge auf Brust und Wangen und Kopf niederhageln. Carpentier schont feinen Gegner nicht. Er hämmert unerbittlich auf ihm herum und bringt ihn auch schließlich zu Fall. Die lächerliche Farce ist zu Ende Mit gütiger Unterstützung des Herrn Garchy hat „unser volkstümlicher George" einen neuen Sieg errungen einen Brettlsieg. Rauschender Beifall, Tusch und die üblichen Verbeugungen — dann beginnt der Zweite Teil der Revue des Palace, aber der größte Teil der Zuschauer verläßt das Theater, denn sie sind ja nur gekommen, um George Carpenter zu sehen und sich an dem Unglück der gefallenen Größe zu weiden.
DaS Seldsulebsrr ewev tavSevetr Svau.
Zum Tode der „Roten Gräfin". — Der Freiheits» tampf der Iren. — Liebling der Gesellschaft, Idol der Armen. — Der Sturm auf die Festungswerke von Dublin. — Wie sich die Gräfin Markiewitz verteidigte. — Der Kuß auf den Revolver. — Rebell bis ans Lebensende. — Zum Tode verurteilt.
Gräfin Markiewitz, die glühende irische Patriotin und kampffrohe Führerin im Kampf um die Frei- ............... .............
heit der grünen Insel, ist im Krankenhaus , Dublin an den Folgen einer Blinddarmentzündui gestorben. Mit ihr, die man die „Rote Gräfin" g nannt hat, ist eine der fesselndsten Gepalten in d irischen Freiheitsbewegung vom Schauplatz bi Ereignisse abgetreten. Selbst ihre erbittertsten p litischen Feinde haben auch in den Tagen höchst politischer Erregung die Lauterkeit dieser von echte: Idealismus beseelten Patriotin anerkannt, die nid nur mit unerschütterlicher Tatkraft im politüche Kampf stand, sondern aisi mit werktätiger Liel und Opserfreude sich der Armen und Notleidende annahm, die sie zu unterstützen nicht müde würd Diese Liebe für das Volt und die Aermsten bt Armen teilte sie mit ihrer Schwester Eva, die st auch als Dichterin einen Nami n gemacht bot. Scho als Backfisch schwärmst d-e jetzt Verstorbene für b: alte Geschichte ihrer Heimat^ an der sich ihr Kampfesfreude entzündete. Sie war die Tochte eines Baronets, Sir Henry Gore-Booth, und bi Schwester des gegenwärtigen Baronets Joßly Gore-Booth. Mit ihrem Vater und den Geschwister kam sie regelmäßig zur Saison nach London un wurde hier auch bei Hofe vorgestellt. Ihre Schön heit, ihr schlagfertiger Witz und ihre künstlerische und poetischen Gaben gewannen ihr bald die Zu Neigung der Gesellphoft. Später verbrachte sie brr Winter in Paris, wo sie ihr zeichnerisches Talen ausbildete. Sie machte hier gute Fortschritte, un in der Tat hat sie sich mit Erfolg später als geschickt Malerin und vor allem als witzige Karikaturzeich nerin betätigt. In Paris lernte sie auch einen pol nischen Maler, den Grafen Markiewitz, kennen, de in Paris ein Atelier hatte. Bald darauf wurde st seine Frau.
Als gereifte Frau kehrte sie nach Irland zurück aber erst im Jahre 1908 trat sie in die politisch Arena ein, und von dieser Zeit an stand Madam, Markiewitz, wie die Gräfin in Dublin genann wurde, im Mittelpunkt des politischen Kampfes. Ji länger sie in Dublin lebte, und je tiefere Einblick sie in das unsägliche Elend der Armen gewann, beste energischer äußerte sich ihr Wille, den Armen zu helfen und der Sache der Freiheit eine Gasse zv bahnen. Daneben suchte sie das Elend, soweit es in ihren Kräften stand, zu lindern, und im Jahre 1913, dem Jahr des Larkinstreits, der über die Frauen und Kinder der Arbeiter grenzenloses Elend herauf- beschwor, hatte sie sechs Monate hindurch 600 Kinder aus eigenen Mitteln Tag für Tag beköstigt. Empört über die britische Ausbeutungs- und Unterdrückungs- Politik war die Gräfin schließlich zu den Sinn« Feinern, der nationalistischen Kampfpartei über- getreten und focht hinfort in der vordersten Reih« dieser Feinde Englands. Bei dem Sturm auf die Festungswerke von Dublin, in denen sich die Sinn« Feiner gegen die stürmenden britischen Truppen Der» teibigten, war die Gräfin die letzte, die sich übergab. Als Mann und von Kopf bis zu Fuß in Grün ge« kleidet, schritt sie an der Spitze von 120 Mann, nachdem die Verteidigung der von ihr gehaltenen Position unmöglich geworden war, zum Tore bet Festung heraus und übergab sich und ihre Leute, nachdem sie ihren Revolver geküßt hatte, dem englischen Offizier. Vom Kriegsgericht wegen Hochverrats zum Tode verurteilst wurde sie zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt, nach einem Jahre aber bereits amnestiert.
In der Haft war die Gräfin nicht versöhnlicher geworden; sie setzte vielmehr den Kampf fort und erlitt des öfteren erneute Gefängnisstrafen. Im Jahre 1918 wurde sie als erste Frciu in bns britische Unterbaus gewählt, nahm aber ihren Parlamentssitz nie ein, weil sie dem Erbfeind ihres Landes keine Konzessionen machen wollte. Bald darauf wurde sie erneut zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, nach sieben Monaten aber wieder freigelassen. Politische Meinungsverschiedenheiten hatten in letzter Zeit zu einer Entfremdung der Ebeleute geführt; der Graf muß sich aber in letzter Zeit mit seiner Gattin ausgesöhnt haben, denn er weilte mit seinem Sohn und dem irischen Freiheitsführer de Valera an ihrem Sterbebett. Die Erlaubnis, die Leiche der „Roten Gräfin" im Stadthaus von Dublin feierlich aufzubahren, wurde aus Gründen der öffentlichen Sicher heit vom Stadtrat verweigert.
GNerrde Wrr Ms OsOwEes- ■ GeMSMgten 8« GaMen.
V. Lifte. Mk.
Dr. meb. Fertig (Postscheck) 10.—
N. N. Für die im Erzgebirge 2.—
H. D., Rüdigheim 10.—
Eine Schwester aus der Heilsarmee 2.—
C. R., Hanau 3,—
27.— Mit den bereits veröffentlichten 778.08
Summa 805.08
«SsMsWiKss.
Das erste Jahr Ihres Kindes ist das wichtigste! Sein Anfang im Leben, seine spätere Gesundheit, eine ganze körperliche und geistige Entwicklung sängt von der Nahrung ab, welche es in den ersten 12 Monaten erhält. Speisen, welche starke Knochen und Beine bilden, müssen bekömmlich und dabei leicht und vollständig verdaulich sein. Wenn die Mutter nicht selbst stillen kann, sollte sie zuerst an „Nestle's Kindermehl" denken. Seit mehr als 50 Jahren wird es von Müttern verwendet ,. weil diese wissen, daß es eine leicht zu bereitende Nahrung von großem Nähr- und Gesundheitswert ist. Wenn ihr Kind unruhig ist, wenn es nachts nicht schläft, wenn es nicht zunimmst wie es sollte, oder wenn sie selbst ühlen, daß die Nahrung, die Sie ihm geben, nicht üe richtige ist, dann greifen Sie zu „Nestle's Kindermehl".
Eine Probedose u. illustr. Broschüre über moderne und richtige Säuglingspflege erhalten Sie voll- tänbig kostenfrei und unverbindlich durch: „Linda- Gesellschaft", Berlin W 57.
Ihre Vermählung
geben bekannt
Georgheinz Reibel u.Frau
Lola geb. Kreis
Hanau im Juli 1927 Vorstadt 51
Allen denen, die uns anläßlich unserer Hochzeit mit den schönen Geschenken und sonstigen Aufmerksamkeiten beehrt haben, danken wir hiermit auf das allerherzlidiste.
Hanau den 25. Juli 1927. 9801p
Wenzel Trapp und Frau Martha, geb. Keßler.
^8> WSW ■ ■ flwifcwih ö* ^ A b. Michelbach U n B ^A (Unterfranken)
Sonntag den 31. Juli
Einwesi-Buno des neugebauten großen Saales.
Samstag abend: Kommers unter Mitwirkung verschiedener Turn- und Gesangvereine.
Gutbesetztes Orchester. 7402o
Prima Getränke. Reichhaltige Speisekarte.