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Nr. 169

Freitag den 22. Juli 1927

Seite 3_____

Lokales.

Hanau, 22. Juli.

Wie wwd die Ernte? zahlreicher Unwetter günstige Aussichten,

stehen nun in Deutschland ganz dicht vor ibringung der Feldfrüchte, und es läßt sich in Ueberblick über die Aussichten der dies- i Ernte gewinnen. Faßt man die Berichte en Teilen Deutschlands zusammen, ergibt Bild einer guten Mittelernte, einige Pro­melden sogar eine uneingeschränkt gute während andere wieder von einer unter dem Hnit liengenden Ernte berichten. Das Ueber- mende aller Meldungen besteht darin, daß ie unverhältnismäßig lange und kalte Regen- die Einbringung der Ernte um ca. 14 Tage jer dem Vorjahr verspätet ist. Sonst scheint e ungewöhnlich lange Regenperiode nicht ge- zu haben; denn sie wurde ausgeglichen du^ch aus folgende zweiwöchige Wärmeperiode, ngs haben fast überall die Hackfrüchte durch :len Regen Schaden gelitten, auch wurde die itbildung stark gefördert, die so üppig vor sich nie kaum je zuvor. Durch die Bodenseuchtig- ir es dem Landmann auch unmöglich, gegen lkrautbildung rationell vorzugehen.

I von der Verwirklichung der auf die dies- Ernte gesetzten Hoffnungen hängt davon ab, gelingt, die Ernte trocken unter Dach und Fach igen. Bekanntlich leidet die Qualität der Kör- chte stark, wenn es nicht gelingt, sie in trocke- ! Zustand zu ernten. Auch im vorigen Jahre .'ächtigten die reichlichen Niederschläge zur »eit das Ernteergebnis. Ende Juli werden in eisten Gegenden Deutschlands die ersten Ernte- M beginnen, doch ist bemerkenswert, daß auf ►ers leichtem, trockenen Boden bereits mit dem Anschnitt begonnen werden konnte. Einen star- trich durch die Rechnung hatten in vielen Ge- 1 die heftigen Unwetter gemacht. Die Ernte teilweise ganz vernichtet oder doch so beschä- ) schlechte Ergebnisse zu erwarten sind. Die en Niederschläge haben das Getreide zum La­gebracht und es bleibt abzuwarten, ob es sich um Schnitt wieder aufrichtet. Doch find erfreu- oeise trotz der zahlreichen Unwetter die Ge­in denen beträchtlicher Schaden angerichtet , im Verhältnis zur Gesamternte ziemlich ge- Der Saatenstandsbericht für Anfang Juli weist ach auch durchwegs mäßige Verbesserungen Roten auf. Wenn keine elementaren Natur- üsse mehr dazwischen kommen, so hat Deutsch­eine befriedigens Ertne an Roggen und eine an Weizen und Hafer zu erwarten. Winter- steht ebenfalls befriedigend und die Aussichten Sommergerste sind durchaus gut zu nennen. Kartoffelernte, die infolge der zahlreichen Nie- lläge zu weniger guten Hoffnungen berechtigte, ü nun unter dem Einflüsse des warmen Som- oetters auch besser zu werden.

ie reichlichen Niederschläge hatten den Ertrag Wiesen außerordentlich günstig beeinflußt. Die rnte war sehr gut, und Klee wird in solchen Ilgen geerntet, wie sie seit Jahren nicht mehr vor- mmen sind. Dies wird nicht ohne Wirkung auf Üiehbestand bleiben; denn trotz Kraftfutter bilden und Klee immer noch den wichtigsten Vestand- ber Viehnahrung.

)ie Nachrichten, die aus dem Ausland über die lieaussichten kommen, find widersprechend und mit Vorsicht zu bewerten. Auch aus der Preis­ing an den Produktenbörsen kann man keine ren Rückschlüsse über die mutmaßlichen Ernte- ignisse schließen. Großes Aussehen erregte die iiche Schätzung der kanadischen Gesamtweizen- e, die mit 325 Millionen Bushels mit über 80 Honen unter der Vorjahrsschätzung zurückbleibt. 5 kam umso überaschender, als nach den letzten terberichten, die sehr günstig lauteten, allgemein bestens die Vorjahrsernte erwartet wurde. Die- Ausfall wird ausgeglichen durch eine Rekord­le in den Vereinigten Staaten. Dort wird die iterweizenernte um etwa 50 Millionen Bushels Niger eingeschätzt als im Vorjahre, da aber der nmerweizen mit 70 Millionen Bushels mehr als im Vorjahre eingesetzt wurde, so ergibt sich eine

besonders gute Ernte. Auch die Nachrichten aus Rußland lauten günstig. Hier kommt noch hinzu, daß die Sowjets alle HÄel in Bewegung fetzen, um aus Wähvungsgründen die Getreideausfuhr mög­lichst zu steigern. Dagegen haben die vielen Regen- fälle in England und Frankreich der Ernte ziemlich geschadet, so daß von hieraus lebhafte Nachfrage nach sofort verfügbaren Weizendispositionen einge­setzt hat.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Ernte in Deutschland von guter Durchschnittsqualität sein dürfte, vorausgesetzt, daß nicht starke Unwetter in letzter Minute die Hoffnungen zunichte machen. Ka­nada, das wichtigste Weizenland, hat, wenigstens nach den amtlichen Schätzungen, die aber erfah­rungsgemäß nicht allzu zuverlässig sind, eine gegen­über dem Vorjahr stark verschlechterte Ernte, Ame­rika dagegen eine ausgezeichnete Ernte zu erwarten.

Ävbekisvevmttieltms und ÄvverLsro-envevftGevuns.

Die Abweichungen des kommenden Gesetzes vom jetzigen Zustand.

Das neue Gesetz über die Arboitsvermittelung und Arbeitslosenversicherung tritt am 1. Oktober in K^aft. Die materiellen Bestimmungen dieses Gesetzes sind im allgemeinen die gleichen geblieben, wie sie im Arbeitsnachweisgesetz und in der Ver­ordnung über die Erwerbslosenfürsorge enthalten waren. Die wesentlichste Neuerung besteht in dem Fortfall der B e d ü r f t i g k e i t s'p r ü f u n g für die Gewährung des Unterstützungsanspruchs.

Völlig neu ist jedoch

der Aufbau der Instanzen.

Nach den bisherigen Erfahrungen hätte eine Bei­behaltung der Verbindung zwischen Gemeindebe­hörde und den Organen der Sozialpolitik in der untersten Instanz dauernd die Gefahr der Jnteressen- Überschneidung bedeutet, und sie hätte diese ständig den jeweiligen kommunalpolitischen Erwägungen untergeordnet. Jetzt werden unter der obersten In­stanz der Reichsanstalt für Arbeitsvermittelung und Arbeitslosenversicherung als Organe der mittleren Instanz die bisherigen Landesämter (Landes­arbeitsämter) eingerichtet. Die untersten Instanzen sind mithin in Zukunft nicht mehr Gemeindebehör­den, sondern sie sind verwaltungsrechtlich von der Gemeinde völlig losgelöst. Die einzelnen drei In­stanzen werden nicht mehr wie bisher lediglich durch die lose und praktisch so gut wie wirkungslose sachliche", sondern durch eine mit zwingenden Exe- kutivoollmachten ausgestattete Dienstaufsicht verbun­den, so daß die

kontrollmöglichkeilen erheblich verstärkt sind. Das verwaltungsrechtlich schwer zu über­sehende, zu ständigen Schwierigkeiten Anlaß gebende Durcheinander der fachlichen und dienstlichen Auf­sichtsbehörden ist somit zugunsten einer einheitlichen, klaren Verwaltung beseitigt.

Die einzelnen Instanzen sind in sich nach den Grundsätzen der Selbstverwaltung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf gebaut; im Gegensatz zur bis­herigen Regelung sind die Vorsitzenden in Zukunft nicht mehr Gemeindebeamte, auf G>rund besonderer Bestimmungen ist in Zukunft für die Ver­treter der öffentlichen Körperschaften in den Or­ganen eine entscheidende Mitbestimmnung nicht mehr gegeben. Im übrigen liegt die letzte Ent­scheidung auch über die Personal- und Etats­politik sowie über die Besetzung der maßgebenden Stellen in den einzelnen Instanzen beim Vor - stand der R e i ch s a n st a l t, so daß damit Si­cherungen gegen etwaige einseitige politische und son­stige unsachliche örtliche Einflüsse gegeben sind.

Die jetzt bestehenden E r sa tz k a s s e n sind als Träger der Arbeitslosenversicherung nicht z u ge­lassen worden, um die Gefahr der Konkurrenz der verschiedenen Gewerkschaftsrichtungen zu vermeiden. Was die

höhe der Erwerslofenunlerstühungsfähe angeht, so ist der Reichstag über die Vorschläge des Regierungsentwurfs, die im finanziellen Endergeb­nis ungefähr mit den jetzigen Ausgaben je Kopf des Erwerbslosen gleichbedeutend waren, hinausgegan­gen. Angesichts der Neuregelung durch Einfüh­rung der L oh n klassen und der stufen­weise festgesetzten Erwerbslosen-

u n t e rst ü u n g s s ä tz e, durch die im übrigen die bisher oft eingetretene Möglichkeit der Usberschnei- dung der Löhne durch die Erwerbslosenunterstützung vermieden wird, ist ein genauer Vergleich zwischen den bisherigen und künftigen Unterstützungen zwar nur schwer möglich. Jetzt kann man, im Gesamt­durchschnitt gesehen, mit Ausgaben für den einzelnen unterstützten Erwerbslosen (Hauptunterstützung, Fa­milienzuschläge und Verwaldungskosten) in Höhe von etwa rund 71 RM. im Monat rechnen. In Zukunft dürfte diese Summe etwa auf den Betrag von 7879 RM. im Monat ansteigen (die Anträge der Arbeitnehmerabteilung de- Reichswirtschaftsrates erstrebten sogar eine Ausgabeerhöhung um 65,6 %). Wie weit es möglich ist, dieses Mehr an Aufwen­dungen durch Vereinfachung der Verwaltung auszu­gleichen (es bestehen zurzeit nicht weniger als 900 Arbeitsnachweise!) ist eine Frage, die insbesondere davon abhängt, inwieweit es möglich sein wird, durch das künftige Organisationssystem die jetzt viel­fach bestehenden, finanziell sehr kostspieligen Miß­stände zu beseitigen.

Erhebliche Vevteuevnns dev Lebensmtttel.

Preise vom Juni 1927 und 1926.

Aus den soeben veröffentlichten Kleinhandels- Preislisten für Lebensmittel geht hervor, daß seit Juni 1926 die meisten der wichtigsten Lebensmittel besonders Brot eine erhebliche Preissteigerung er­fahren haben. Nur einige weisen einen geringen Preisabschlag auf. Aus der Fülle der dort aufge- führten Lebensmittel find auf gut Glück neun Oerausgegriffen worden, die unten verzeichnet sind. Sie in Pfennigen angegebenen Preise beziehen sich auf je ein Kilo, bei Milch auf ein Liter, bei Eiern auf ein Stück. Sie gelten für Juni 1927. Die ent­sprechenden Preise für Juni 1926 sind in Klammern beigefügt worden. Auffallend sind die großen Preis­unterschiede, die für die gleiche Ware gezahlt wer­den mußten, und zwar nicht nur in räumlich weit auseinanderliegenden Städten, sondern auch in be­nachbarten Städten. So kostete: Schwarzbrot (Rog­genbrot): 3147 (2238), Weizenkleingebäck (Semmeln usw.) 70111 (61104), Weizenmehl (70er Auszug): 4866 (4560), gelbe ungeschälte Erbsen: 50102 (3470), alte Kartoffeln: 1423 (614), inländisches Schweineschmalz: 186300 (234340), Vollmilch: 1634 (1630), inländische Molkereibutter: 306512 (292500), ein Hühner­ei: 813 (814). Unter den 50 preußischen Städten die Berichte gesandt haben, befinden sich vier aus der Provinz Hessen-Nassau. Es kostete:

Schwarzbrot in Kassel, Hanau, Frankfurt (Angaben fehlen), Wiesbaden: 45 (38), Semmeln: Kassel: 90 (70), Hanau : 88 (88), Frankfurt: 111 (104), Wiesbaden: 96 (96), Weizenmehl: Kassel: 55 (52), Hanau: 54 (54), Frankfurt: 48 (52), Wiesbaden: 50 (55), Erbsen: Kassel: 70 (52), Hanau : 84 (55), Frankfurt: 102 (57), Wies­baden: 90 (58), alte Kartoffeln: Kassel: 17 (10), Hanau: 18 (12), Frankfurt: 20 (11), Wiesbaden: 20 (13), Schweineschmalz: Kassel: 252 (310), H a - nau: 204 (273), Frankfurt: 200 (240),, Wies­baden: 220 (280), Vollmilch: Kassel: 24 (26), H a - nau: 28 (30), Frankfurt: 28 (30), Wiesbaden: 30 (30), Molkereibutter: Kassel: 400 (396), Hanau: 415 (408), Frankfurt 396 (410), Wiesbaden: 420 (428), Hühnerei: Kassel: 11 (11), Hanau: 12 (13), Frankfurt: 13 (11), Wiesbaden: 13 (13).

Saftuns des EhauffeuvS f öe Anfälle.

Ersahpflichl bei Schwarzfahrten.

Nach dem Automobilgesetz haftet der Halter eines Kraftfahrzeuges, d. h. derjenige, für dessen Rechnung der Betrieb erfolgt, für einen Unfall, auch wenn ihn kein Verschulden trifft. Dies schließt aber nicht aus, daß auch der Führer, also der angestellte Chauf feur, ersatzpflichtig ist. Hierfür ist freilich Voraus­setzung, daß ihm ein Verschulden zur Last fällt, daß er den Unfall entweder fahrlässig oder gar vorsätz­lich veranlaßt hat. Von der strengen Haftung aus dem Automobilgesetz kann er sich dadurch befreien, daß er nachweist, daß der Schaden nicht durch sein Verschulden verursacht ist.

Die Frage, ob der Chauffeur haftbar ist, ist nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zu

entscheiden. Es ist zu berücksichtigen, daß jeder Ar­beitnehmer verpflichtet ist, bei Ausführung der von ihm übernommenen Arbeiten die erforderliche Sorg­falt zu beobachten. Infolgedessen haftet er dem Ar­beitgeber für jeden Schaden, der diesem aus seiner Fahrlässigkeit entsteht. Hieraus ergibt sich, daß der Arbeitgeber, der aus dem Automobilgesetz in An­spruch genommen wird, Ersatz seines Schadens von seinem angestellten Chauffeur verlangen kann, wenn dieser fahrlässig gehandelt hat.

Aber auch eine Haftung gegenüber der dritten Person, die bet dem Unfall einen Schaden erlitten hat, kann in Frage kommen. Bekanntlich haftet aus sogenannter unerlaubterHandlung derjenige, dervor- sätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit oder das Eigentum eines anderen wider­rechtlich verletzt. Aus dieser Bestimmung kann unter Umständen sowohl ein Fahrgast, der mit dem Auto befördert worden ist, wie auch eine dritte Person Ansprüche gegen den Chauffeur herleiten. Er muß beim Fahren nicht nur die allgemeine übliche Sorg­falt beobachten, sondern er muß sich auch nach den für den Verkehr erlassenen Polizeivorschriften rich­ten, denn diese bezwecken in der Regel den Schutz des Publikums; und nach dem Bürgerlichen Gesetz­buch trifft eine Ersatzpflicht auch denjenigen, der gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt.

Es sei noch besonders darauf hingewiesen, daß die strenge Haftung des Automobilgesetzes, also ohne Verschulden, auch den Chauffeur bei sogenannten Schwarzfahrten trifft; denn es ist bestimmt, daß, wenn jemand ohne Wissen und Willen des Fahr­zeughalters das Fahrzeug benutzt, er an Stelle des Halters schadensersatzpflichtig ist.

* Daten für Samstag, 23. Juli. Sonnenaufgang 4,9, Sonnenuntergang 20,2, Mondaufgang, Monduntergang 15 Uhr. 1532: Religionsfriede zu Nürnberg; 1562: Ritter Götz von Berlichingen in Hornberg gest; 1824: Der Philosophiehistoriker Kuno Fischet in Sandewalde geb.; 1914: Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien.

* Gefährliche Kerbgebräuche. Die Zeit der Kerbe" ist gekommen und schon hat in verschiedenen Ortschaften das Fest der Feste stattgefunden. Wissens­wert ist es, daß sich Veranstaltungen vonBeerdi­gungen der Kerb" oder desKerbburschen" unter Umständen der Bestrafung mit Gefängnis wegen Gotteslästerung (§ 166 d. St. G. B.) aussetzen.

* Schutz der öffentlichen Wege. Der Oberpräsi­dent der Provinz Hessen-Nassau hat in Ergänzung der Straßenverkehrsordnung vom 24. September 1926 eine Provinzialpolizeiverordnung über den Schutz der öffentlichen Wege erlassen. Sie am 1. August 1927 in Kraft tretende Verordnung trifft Bestimmung über den Schutz von Straßen, über die zulässige Höhe und Breite beladener Fahrzeuge so­wie über den höchstzulässigen Bodendruck; sie lehnt sich eng an die bisher in den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden bereits geltenden Vorschriften dieser Art an und enthält neben zeitgemäßen Aende­rungen im einzelnen darüber hinaus nur in weni­gen Fällen in den bisher gültigen Bezirkspolizeiver­ordnungen nicht enthaltene Vorschriften, die zum Teil an die Stelle völlig veralteter Rechtsformen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts treten.

* Wert der Zeitungsreklame. Der englische Obst- Händlerbund sagt in seinem letzten Jahresbericht, daß der Betrag von 40 000 Pfund Sterling (800 000 Mark), der im vergangenen Jahre für Zeitungs­reklame verausgabt worden war, zur Folge hatte, daß im Jahre 1926 für 2 Millionen Pfund Sterling (40 Millionen Mark) mehr Obst getauft wurde als im Jahre vorher. Im Jahre 1926 wurden 34 789 249 Pfund Sterling für Obst ausgegeben, dies sind zwei Millionen mehr als im Jahre 1924. Am meisten wurden Aepfel getauft. Solche wurden im Jahre 1926 für 9 561921 Pfund Sterling eingeführt, im Jahre 1925 für 7 541961 Pfund Sterling. Der Mehrverbrauch betrug 2 294 830 ZentnerIch glaube nicht", sagte der Vorsitzende des Bundes, daß die Handelswelt ein besseres Beispiel des un­geheuren Einflusses der Reklame als diese ausweisen kann. Die'ReklameEßt mehr Obst" kostete dem Bund im letzten Jahre 40 000 Pfund Sterling, doch das Ergebnis hat sich hundertfach gelohnt.

* Freibank-verkauf. Samstag, 23. Juli 1927, 7^10 Uhr. Rindfleisch pro Pfund 40 und 50 Pfg. Höchstgewicht 6 Pfund.

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Roman von Walter Julius Bloem.

yrigbt 1926 by August Scherl G. m. b. EL, Berlin.

Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Wie kommen Sie an diese Gelder?" brüllte : Kaufmann.

Ich bitte zu quittieren", sagte der Fabrikant.

Sind denn die Schecks gedeckt?"

Es bleibt Ihnen unbenommen, sich davon zu erzeugen."

Bredebusch spürte eine solche Spürwut, daß seine ugen rot unterliefen. Er war nicht imstande, ein ort hervorzubringen und mit Händen, die dr Zorn bebten, schrieb er eine Quittung über den mpfang des Schecks. Seine Feder verhakte sich s Papier und überspurte das Geschriebene öscher drüber, fertig! Sorgsam prüfte Dirksen n Zettel, barg das zusammengefmtete Papier in mer Brieftasche, griff den runden Hut vom tuhl, nickte einen hochmütig eisigen Gruß und ging is dem Zimmer.

Draußen am oberen Ende der Ahornaüee war­te sein Auto. Nicht weit davon entfernt standen rau Oberstleutnant Hammerschlag und Frau Bre- rbusch. Sie hatten von Dirksens Ankunft gehört nd wollten den Freund begrüßen. Aber der Fa- rikant zog nur tief und abweisend, doch ohne Kälte, en Hut, stieg in den Wagen und gab seinem Chauf- rur das Zeichen zur Abfahrt. Er mußte es den von hm sehr verehrten Frauen überlassen, sich an an= erem Ort Aufklärung über sein Verhalten zu ver- chaffen. Ihm, Dirksen, verboten die Ereignisse einen erneren Verkehr in diesem Hause. Familienmit- zlieder gehören zueinander, das Versagen des ünen auf dem Gebiete des Anstands zieht den an- tern mit in den unseligen Kreis.

Frau Hammerschlag begab sich stehenden Fußes zu ihrem Schwiegersohn und ersuchte ihn um Be­richt über das Vorgefallene. Sie fand ihn in einer tobenden Erregung, ein Glas Likör nach dem an­dern schüttete er in sich hinein. Er habe geschäftliche Angelegenheiten mit dem Fabrikanten geregelt und verbäte sich jede Einmischung, schrie er seine Schwie­germutter an.

Hoffentlich ist es bei dieser geschäftlichen Ange­legenheit sauber zugeganaen, Herr Bredebusch l"

Was sauber ?!" Der starke Mann riß an feinem Zwirbelbärtchen.Passen Sie mal lieber auf, daß hier bei euch alles sauber zugeht!"

Wie darf ich das verstehen?"

Darauf brüllte er ins Gesicht, sie möge sich nicht dumm stellen. Sie wisse schon genau, daß Claudia ihm Hörner aufgesetzt und ihn mit Dirksen bedroht habe.

Sie kleine Frau Oberstleutnant verlor nicht einen Augenblick die Haltung, nur ihr Gesicht über­zog sich sekundenlang mit einer fohlen Blässe. Daß Claudia in der letzten Zeit lebensvoller war als früher, hatte sie zwar auch gemerkt, aber sie hatte sich keine Gedanken darüber gemacht.Ueber einen derartigen Verdacht ist meine Tochter erhaben. Da­für stehe ich ein. Uebrigens war Herr Dirksen drei Wochen lang nicht bei uns. Vor etwa acht Tagen ist er auf eine halbe Stunde hier gewesen, in mei­ner Gegenwart also das einzige Mal, daß meine Tochter ihn während des letzten Monats sah."

Der Kaufmann glotzte sie fassungslos an.Wie was erzählen Sie mir da, Mama? Nun war­ten Sie doch!" Aber Frau Hammerschlag war schon aus dem Zimmer. Sie ließ ihren Schwieger­sohn in vollkommener Verwirrung zurück.

Sollte er sich geirrt haben? Aber nein Clau­diens ganzes Benehmen verriet ihm, daß ihr Herz während seiner Abwesenheit auf verbotenen Wegen gegangen war. Das lag in der Luft um sie her, in jeder Fingerspitze spürte ers brennen. Jetzt lechzte er nach nichts als nach Gewißheit.

Auf dem Flur hörte er die Tändelschritte von Claudiens Zofe.Kommen Sie mal herein, Liese!" sagte er an der Tür, hielt ihr einen Fünfzigmark- fchein vor die Nase:Wenn Sie den haben wollen, dann geben Sie mir mal wahrheitsgemäß Aus­kunft. Wollen Sie?"

Das niedliche Mädchen errötete, zauderte und willigte ein, als Bredebusch ihr aufmunternd ver- grach, die Sache bliebe ganz bei ihm.Also: haben ie etwas gemerkt, daß meine Frau in der letzten Zeit oft ausging?"

Nein, das hab' ich nicht gemerkt. Aber doch, vielleicht: die gnädige Frau ist seit drei Wochen säst jeden Tag zwei Stunden spazieren gegangen. Auch wenn es regnete!"

,/5o---? Wohin denn, wissen Sie das?"

Ja, die Frau vom Br'obohaty hat gesagt, gnädige Fmu wäre ein paarmal im Basaltwerk ge­wesen. Ich hab' auch vom Fenster aus gesehen, daß

nicht rot, ich weiß alles, aber ich plaudere nichts aus."

Dann war er wieder allein.Dülkat"Dül- kat" immerDülkat" stand auf dem Zettel­chen, die er gedankenlos in feine Brieftasche steckte. Die Papiere waren gut, darüber brauchte man sich keine Sorge zu machen. Ohne leben Zweifel eine Eigenmächtigkeit, denn woher sollte dieser blonde Basaltmann eine halbe Million auf den Tisch legen können! Da mußte Papa Dülkat wohl oder übel einfpringen, wenn er seinen Sprößling nicht wegen Wechselbetruges vor Gericht gestellt sehen wollte. Der Fall war klar.

Und wieder dieser irrsinnige Neid in der Brust, daß dieser Schuft zu großen Gesten fähig war aber ihm, Bredebusch, lagen immer Schweinereien und Halsabschneiderei am Weg. Da kam keine Güte zu ihm und wies chn zurecht: Geh du ins Helle ...

In seinem zornigen Weh schnitt er erst zwei Zi­garren zuschanden, ehe er sich die dritte heil in den Mund stecken konnte. Ihn überfiel eine wahre Gier, mit dem Ingenieur Faust gegen Faust zu­sammenzustoßen. Das war doch ein bärenstarker Kerl--

An einem Herbstmorgen des vergangenen Jah­res hatte Bredebusch in der Brunstzeit zwei Hirsche miteinander kämpfen sehen. Ihr Keuchen röhrte dampfend aus den heißeren Kehlen, das Prasseln ihrer Geweihe scholl weit in die Bergstille hinein. Dann fiel einer von ihnen plump und verzuckend zu Boden und aus den Gebüschen lugten ängst, liche Hindinnen und Schmaltiere auf den Todes- kompf.

Nun ging es um einen Rudel aber es ging um eine einzige Hindin mit bronzener Decke! Bredebusch riß im Flur Hut und Stock vom Haken und eilte davon.

*

Das Ferngespräch nach Heidelfingen war ange­meldet, mit der ausdrücklichen Bemerkung: für Mn- bestens eine halbe Stunde Gesprächsdauer. Oben im Tannenhäuschen des Basaltwerks hantierte Tilly Dülkat gemeinsam mit Anne Br'obohaty in der klei­nen Küche und wartete auf das Klingelzeichen des Apparates. Fingal lag unterm Ofenloch und zer­knackte Kalbsknochen im herrlichen Gebiß.

(Fortsetzung folgt).

gnädige Frau immer nach dem Schälenberg ging. Hab' mir aber nichts dabei gedacht."

Der Kaufmann stützt sich mit beiden Armen auf die Tischplatte. Vor feinen Augen war wie mit einem einzigen Schlag der Schleier weggerissen. Also nicht Dirksen ein anderer. Also der . . . An den hatte er übrhoupt nicht mehr gedacht.

Jetzt sah Bredebusch die schlanke, durchtrainierte Gestalt des jungen Bergingenieurs wieder vor sich erlebte in einer winzigen Spanne Zeit noch ein­mal, nun voller Qual, in der Erinnerung diesen Menschen. Dem gehorchten Steuerrad, Lenkstange und Bremsen wie lebendige Wesen der stellte mit knappen Befehlen einen verlotterten Betrieb erst auf den Kopf und dann wieder auf die Beine der spottete und scherzte mit Claudia Bredebusch.

Der wor's!

In dessen Adern floß ausgegorenes Bürgerblut, noch nicht abgelagert und müde wie Claudia selbst, doch ihr drum zur Sehnsucht bestimmt! Und das war keine Motte wie Dirksen, die man zwischen den Handflächen zerklappte das war ein Raubvogel wie Bredebusch selbst--der war's.

Ganz langsam sank Heinrich Bredebuschs schwere Gestalt vornüber. Er hörte nicht mehr auf das Geplapper der Zofe, die um ihren Fünfzigmark­schein Angst hatte und sich in allerlei Vermutungen erging das klingelte an seinem Ohr vorbei und wurde nicht verstanden. Nur ein wahnsinniger Neid fraß ihm das Herz in der Brust. Ach man hat geliebt mit der Liebe eines Löwen, man hat sich verschwendet vier Jahre lang. Nicht um Geld ift's ihm gegangen und nicht um die Sinne allein. Und nun kommt einer daher, dem ein bürgerliches Den­ken und Gehaben fast mit der Muttermilch einge­flößt worden ist und ein paar Wochen genügen zum Verrat. . .

Haha Liese! lachte Bredebusch schallend und herzlich auf und drehte sich in straffer, lustiger Hal­tung zu der entgeisterten Zofe um. Was reden Sie da für einen Unsinn? Ich wollte doch bloß wissen, ob meine Frau auch ordentlich spazierengegangen ist, wie ich's von ihr verlangt habe, als ich das letzte Mal hier war. Nun, schönen Dank, da weiß ich ja nun, daß sie nicht faul gewesen ist. Wir wollen doch eine rotbäckige und gesunde Gnädige haben, was? Na, da haben Sie ihren Lappen! Was macht der Schatz, Liese, he? Immer noch der Schmiedegeselle vom Schälendorf? Nun. werde man