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Dienstag den 19. 3uti 192?
Ar. 166
LsssdZALBLAßWEess - Ksvoihsken W Me LmâwZLSMaIL aus der zweiten Amerika-Anleihe der Deutschen Renkenbankkreditanstalt.
Die Deutsche Rentenbankkreditanstalt in Berlin bat mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten auf dem inländischen Pfandbriefmarkt, die den Grundkreditanstalten die Gewährung hypothekarischer Darlehen allgemein zurzeit fast unmöglich machen, eine zweite Anleihe in Amerika ausgenommen, deren Erlös zur Gewährung hypothekarischer Darlehen auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Grundstücke bestimmt ist. Aus dieser Anleihe würd auch die Landeskreditkasse zu Kassel einen größeren Betrag zur Gewährung solcher Darlehen über- 1 ehmen. Die Höhe dieses Betrages steht noch nicht fest. Die von der Deutschen Rentenbankkreditanstalt vorgeschriebenen Bedingungen für die Darlehen sind, soviel bis jetzt bekannt geworden ist, im wesentlichen folgende:
Die Auszahlung an den Darlehnsnehmer erfolgt zu 90, unter Umständen 90^ Prozent. An Zinsen sind 6 Proz., an Verwastungskostenbeitrag 0,5 Proz. jährlich, in halbjährlichen Raten zu zahlen, an Tilgung halbjährlich 0,5 Proz. Die Gesamtjahresleistung beträgt somit 7,5 Proz. Bei fortlaufender planmäßiger Tilgung wird das Darlehen in 33 Jahren zurückgezahlt sein. Im Gegensatz zu den Darlehen aus der ersten Amerika-Anleihe, bei denen der Darlehnsnehmer auf 10 Jahre gebunden war, kann hier das — für die Landeskreditkasse wiederum unkündbare — Darlehn vom Schuldner zu jedem Zinstermin ganz oder teilweise in bar mit 100 Proz. oder in den von der Deutschen Rentenbankkreditanstalt ausgegebenen Schuldverschreibungen (zweite Amerika-Anleihe) zurückgezahlt werden. Die Hypothekenbestellung ist gegenüber den Darlehen aus der ersten Amerika-Anleihe insofern erleichtert, als Landeskreditkassen-Hypotheken mit dem Range vor dem neuen Darlehn bestehen bleiben dürfen. Als Beleihungsgrenze sind 40 Proz. des berichtigten Wehrbeitragswertes, unter Umständen des durch amtliche Schätzung ermittelten Wertes, festgesetzt. Außerdem darf das Darlehn die für Landes^reditkassendarlehen geltende Beleihungsgrenze nicht übersteigen. Mit dem Range vor der neuen Hypothek bestehen bleibende Landeskreditkassendarlehen werden in die Beleihungsgrenze miteingerechnet, so daß die alten und das neue Darlehn zusammen diese Grenze nicht übersteigen dürfen. Die Beleihungsunterlagen sind die für Landeskreditkassendarlehen üblichen. Hinzu kommt in der Regel noch die Bescheinigung betr. den berichtigten Wehrbeitragswert. Darlehnsanträge werden die Landesrentereien entgegennehmen, sobald die auf die Landeskreditkasse und die Landesrentereibezirke entfallende Zuweisung feststeht. Auskünfte über die neuen Darlehen erteilen die Landesrentereien schon jetzt.
rrerOSKrsssssdias des ODA.
In Kassel fand am Samstag und Sonntag der vierte Reichsjugendtag des Gewerkschaftsbundes der Angestellten statt, an dem etwa 5000 Jungangestellte aus allen Gauen des Reiches, ferner aus dem «aargebiet, den abgetrennten Gebieten, Oesterreich und der Tschechoslowakei teilnahmen. Am Samstag begrüßte nach dem Aufmarsch Oberbürgermeister Dr. Stadler die Jugend und sprach den Wunsch aüsÄ daß die deutsche Jugend in Ehrfurcht vor der Größe dutscher Vergangenheit und in lebendigem Ringen um die Gestaltung neuer deutscher Freiheit unter Ausbau und Verinnerlichung der deul- -chen Republik mithelfe, deutsches Volkstum zu neuer Verbundenheit emporzuführen zur Volksgemeinschaft. Am Sonntag wurde in den Kaskaden im Wilhelmshöher Park in Gegenwart von Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden die Bundestagsfeier abgehalten. Kultusminister Dr. Becker begrüßte in einer Ansprache die aus Nord, Süd, Ost und West wie den abgetrennten Gebieten erschienene Jugend. Als Napoleon auf Wilhelmshöhe gefangen gesessen habe, fei dieses der Schauplatz unserer qroß- ten Macht gewesen. Als Hindenburg dort den Weltkrieg liquidierte, sei es aber auch die Stätte unserer tiefsten Erniedrigung gewesen. Heute blicke die deutsche Jugend wehmutsvoll in Vergangenes. Aber wie alle echte Jugend blicke sie auch vorwärts. Die
Bei Max Liebevmann
Zum 80. Geburtstag des Meisters.
Von Fried Stern.
Berühmte und oft genannte Zeitgenossen stritt tnan sich immer anders vor. Jahrzehntelang schon kennen wir ihre Werke — nur ein ganz seltener Glücksfall schlägt vielleicht einmal die Brücke, einem großen Mann gegenüberstehen zu dürfen. Unser wer weiß woher und kunterbunt gehäuftes Wissen über ihn stimmt denn auch meistens nicht — nein, es verwirrt noch dazu. Wie ganz hatte ich mir doch dreißig Jahre hindurch den Max Liebermann gedacht! Das eine voraus: große Menschen sind viel unkomplizierter als die anderen Leute.
Nun, ich habe Max Liebermann gesehen, gesprochen und gut und lange betrachtet. Das danke id) dem damaligen Minister Rudolf Oeser, der mir zu dem Meister Eingang verschaffte. Es war ein Nachmittag in Berlin. Im Januar 1921 war es bei einem miserablen Tauwetter, wo ich am Pariser Platz ohne Erfüllung großer Formalitäten zu ihm hinauf ins Atelier stieg. Eine ältere Dame gab mir das Geleit und es hatte mir ungeheuer imponiert, und heute noch macht es mir viel Freude, daß mich Max Liebermann nicht die übliche Viertelstunde warten ließ, wie die fürnehmen Leute und die kleinen Wichtigtuer. (Vielleicht dachte der kluge Liebermann: „Je eher ick den Kerl empfange, desto eher bin ick en ooch wieder los!") Der Maler freute sich offensichllich, daß einmal ein richtiger Frankfurter zu ihm kam, ich habe daher auch meinen Schnabel garnicht verleugnet und ließ unserer lieben hahnebüchenen Mundart freien Lauf.
„So, Se kommen aus Frankfurt!" „Jawohl," sagte ich.
„Roochen Se och?" „Des glaaw ich, sogar tüch- üg", gab ich zurück.
Mit zufriedenem Lächeln reichte er mir eine mordsmäßige Zigarrenkiste, auf deren Packung sein schwungvoller Namenszug mit Selbstporträt prangte. Lustig meinte er dazu: „Wat man sich doch allens jefallen, lassen muß, hehehehe ha ha!" „Da kann man gar nix mache, Herr Präsident! es gibt ja sogar nach „Bismarkhering"!
„Da is mir schon 'ne Zigarre mit meinem Namen lieber" bemerkte er noch.
Das nicht allzugroße Atelier ist sauber und aufgeräumt, keinerlei aeniale Unordnung darin, nichts
Jugend trage einen Teil Verantwortung an Deutschlands Wiederaufstieg. Mit unserer führenden Stellung im Reiche des Geistes, der Wissenschaft und Technik müsse man von innen heraus einen Weg ! aus dem Chaos unseres sprudelnden nationalen Lebens suchen. Dreierlei sei für uns das Gemeinschaftsleben notwendig: Heimatliebe, Volkstum und Staat. Das neue republikanische Deutschland baue sich auf der echten deutschen Selbstverantwortungsidee auf Und gliedere sich in Gemeinschaften, die sich zum größeren Verband zusammenschliehen. Dieses Staatsgebäude sei die Krönung unseres Deutschtums. Nach dem Minister, der rauschenden Beifall erntete, sprach Bundesvorstand Borchardt über das Thema „Unser Berufsstand", während Reichsjugendführer Mewes einen Vortrag über das Thema „Unsere Jugend" hielt. Darauf bewegte sich ein Feftzua nach der Festwiese, wo ein Volksfest statt- fand. Abends fanden ein Fackolzua und eine Beleuchtung des Herkules statt. Den Abschluß der Tagung bildeten am Montag Führertagungen und ein Festabend.
* Silberne Hochzeit. Das Fest der silbernen Hochzeit feiert morgen Herr Ferdinand Gerlach und Frau Lina geb. Klöppel, Gärtnerstraße 35/37.
* Taten eines Geisteskranken. Ein gestern in das hiesige Diakonissenheim eingelieferter Geisteskranker entwich in der frühen Morgenstunde des heutigen Tages und machte die Gegend am Mainkanal unsicher. Dabei drang er in den Hof des Gasthauses „Zur Mainkette" ein, stach den Hofhund zusammen, entwendete eine im Hof hängende Hose und erstieg mit ihr einen dort belegenen Schuppen. Beim Herannahen von Polizeibeamten ergriff er die Flucht und begab sich auf Umwegen wieder in das Krankenhaus zurück.
* Fahrraddiebstahl. Am Samstag nachmittag wurde in der Neuen Anlage ein Herrenfahrrad, das ein hiesiger Metzgerbursche beim Kundenbesuche einige Augenblicke ’ unbeobachtet auf der Straße Kn gelassen hatte, entwendet. Das gestohlene wird wie folgt beschrieben: Marke Torpedo, schwarzer Rhamenbau, schwarze Felgen, rote Gummigriffe, doppeltönige Glocke und Torpedofrei- lauf. Die Verbindungsstange weist einen Bruch auf. Sachdienliche Mitteilungen erbittet das Krim.- Kommissariat.
* Die Sterblichkeit in den deutschen Großstädten ist nach der Besserung der Vorwoche vom 12. bis zum 18. Juni wieder etwas schlechter geworden, indem sie auf 1000 Ortsansässige im Jahr von 9,5 auf 9,9 gestiegen ist, in ganz Berlin aus 11,1, Alt- Berlin 11,4, Neu-Berlin 10,7, Köln 8,4 Essen 9,7, Dortmund 9,9, Duisburg 9,0, Bochum 10,6, Gelsenkirchen 10,0, Mühlheim a. d. R. 9,8, München- Gladbach 9,0, Königsberg i. P. 12,9, Stettin 10,7, Altona 14,2, Hannover 10,7, Magdeburg 9,6, Halle 9,5, Braunschweig 12,5, Erfurt 10,2, Dresden 8,2, Chemnitz 9,0, Plauen i. V. 7,8, Frankfurt am Main 8,0, München 10,8, Nürnberg 10,2, Stuttgart 8,1. Sie blieb gleich in Elberfeld mit 9,5 und Karlsruhe 7,7. Sie fiel in Düsseldorf auf 7,4, Barmen 9,4, Aachen 9,3, Krefeld 9,5, Hamborn 10,6, Münster i. W. 8,5, Oberhausen 8,2, Buer 6,5, Hamburg 10,0, Bremen 10,7, Kiel 7,2, Lübeck 9,0, Breslau 10,8, Hindenburg 12,7, Gleiwitz 6,1, Kassel 9,4, Leipzig 9,2, Mannheim 6,0, Wiesbaden 9,4, Mainz 10,9, Ludwigshafen 4,0, Augsburg 10,6, Saarbrücken 6,7.
* Vorsicht bei Behandlung frischer Wunden? Immer wieder werden Präparate in den Handel gebracht, die dazu dienen sollen, eine frische Wunde mit einem flüssigen Mittel, das nach dem Aufstreichen bald erstarrt, zu schützen. Es wird in den Anpreisungen betont, daß die Präparate gegenüber Pflastern und Verbänden den Vorzug haben, daß sie in wenigen Sekunden eine künstliche Haut bilden, die auch beim Waschen mit kaltem oder warmem Wasser sich nicht löst. Fast alle Fleischverletzungen sind als infektionsverdächtig anzusehen. Die moderne Wundbehandlung ist bestrebt, die anfängliche Infektion dadurch unschädlich zu machen, daß alsbald nach der Verletzung ein absaugender trockener Verband angelegt wird. Dagegen widerspricht es allen Erfahrungen der modernen Wundbehandlung, frische Fleischverletzungen durch Bepinseln mit einer Substanz zu behandeln, die einen luft- und wasserdichten Abschluß nach außen erzeugt. Unter dem abschließenden Häutchen kommt es ~ zur Weiterentwicklung der eingedrungenen
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Ueberladenes, keine Dekorationsstücke. An den Wänden einige Stiche und gute edle Bilder. Auf der einen Staffelei das fertige Bild Artur Nikitschs, auf einer anderen der Kopf Einsteins, angefangen. Liebermann erzählte, daß ihm der Relativitäts- Mann feine Lehre in einer guten halben Stunde vollständig plausibel gemacht habe, ihn klipp und klar eingeführt hätte, aber: „Wenn ichs jetzt jemanden zu verklickern hätte, ick wüßte keen Wort mehr davon," und mit Begeisterung rief er aus: „Aber recht hat er damit, und dabei is er wie en Kmü, wie en Kind!"
Liebermann ist von Gestalt mittelgroß, ein wenig hager. Det Oberkörper nach vorn gebeugt; die Hände beständig auf dem Rücken; gegen den Ofen gekehrt, ein wenig fröstelnd, immer an einem Platze stehend, aufmerksam beobachtend. Vielleicht ist man ihm nur Bildobjekt. Seine Unterhaltung ist witzig, klug und knapp abgewogen, stets ringend nach dem besten Ausdruck, das zeigt deutlich der schmale, nervöse Mund. An dem Mann fallen einem die außerordentlich stark geschwungenen Augenbrauen auf, besonders aber das wehmütige Auge, in dem viel Welt liegt, mit grüner Iris und braunen Fleckchen gesprenkelt wie auf Kibitz- eiern. Ein kühner, breit ausladender Schädel mit zurückfliegender Stirn. Dem Kopfe sieht man es an, daß er fertig wird mit dem Getue von heute und allem Drum und Dran.
Der Künstler wäre vielleicht, wenn das Geschick ihn auf ein anderes Gebiet geworfen hatte, auch auf diesem ein Repräsentant geworden. Ich könnte mir ihn ganz gut als hervorragenden Industrie- mann oder Großbankier denken, weil er bewußt, sachlich und überlegen urteilt. Wie jeder eigene, unverzagte Mensch hält Max Liebermann, der Maler, mit seinem Urteil nicht Hinterm Berg; er schießt gewissermaßen seine scharfen Dosen und Extrakte hinaus, ob über Menschen, Kunst, Politik ist ganz gleich, in jeglicher Spezies ist er gut beschlagen. So kommt er plötzlich auf Rembrandt: „Gucken Se mal, se en kleenes Blättchen, wat is da allens drinn und wie weit können Se gucken, fast bis ans Ende der Welt! Det soll nu heute alles nix mehr fin, die Schafsköppe!" In der Unterhaltung ist er sprunghaft, bald auf Bergesspitze, bald im tiefsten Tal, bald setzt er in dieses, bald in jenes Gebiet hinüber.
Wenn er von der Politik Bismarcks spricht: „Eigentlich bekamen wir ja durch ihn den Größen
Krankheitserreger mit der Gefahr des Fortschreitens der Infektion und deren Folgen. Es kann daher vor Anwendung derartiger Mittel nur gewarnt werden.
* Die Aufgaben der Tierfchuhvercine. In der Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins Karlsruhe vom 12. Juli machte der Vorsitzende, Dr. Eberbach, Ausführungen über die Ziele und Zwecke des Tierschutzvereins, die von allgemeinem Interesse sein dürften, da hierüber vielfach noch große Unklarheiten und Irrtümer bestehen. Die Tierschutz- vereine haben in erster Linie den Zweck, die Tiere vor Quälereien zu schützen, und zwar ohne Unterschied, ob das betreffende Tier für den Menschen nützlich oder schädlich ist, da jedes Tier Schmerz empfindet, wenn es gequält wird. Der Schutz bestimmter Tiere vor Vernichtung und Ausrottung ist Sache der Naturschutzvereine und ähnlicher Organisationen. Wenn es auch selbstverständlich ist, daß die Tierschutzvereine die Bestrebungen der Naturschutzvereine usw. unterstützen, ja auch zum Teil ihre Stelle vertreten, soweit solche Organisationen noch nicht bestehen, so darf doch darüber die Hauptaufgabe des Tierschutzvereins nicht zur Nebensache oder gar ins Gegenteil umgekehrt werden. Die Lebewesen sind alle aufeinander angewiesen. Sie leben alle direkt oder indirekt von einander. Die Tötung von Tieren ist für den Menschen eine Naturnotwendigkeit, da er einerseits die Tiere als Nahrung braucht, andererseits aber auch zu seinem Schutze 'gefährliche Raubtiere und Ungeziefer vernichten muß, wenn er nicht sich selbst oder sein Hab und Gut der Vernichtung preisgeben will. Die notwendige Tötung nützlicher oder schädlicher Tiere verbieten zu wollen, wie dies von manchen verworrenen Geistern verlangt wird, ist ein Unsinn, muß doch auch gerade der edeldenkende Mensch aus Mitleid zur Tötung von Tieren schreiten, wenn denselben das Dasein infolge unheilbarer Leiden zur Qual geworden ist. Nicht der Tod ist das Schreckliche, sondern die Todesqual und Todesangst. Der Mensch hat aber dafür zu sorgen, daß die notwendige Tötung ohne Quälerei erfolgt und zwar ohne Rücksicht auf die Nützlichkeit oder «chäd- lichkeit des Tieres. Schädliche Tiere, wie z. B. Ratten und Mäuse oder Maikäfer und Fliegen zu quälen, beruht im Grunde auf der gleichen Gedankenlosigkeit und Roheit, wie die Quälerei nützlicher Haustiere. Diese Gedankenlosigkeit und Roheit des Menschen zu bekänipfen, ist die vornehmste Aufgabe der Tierschutzvereine und dadurch führt der Tierschutz zur Veredelung der Menschen als seinem höchsten Ziel, wird im wahrsten Sinne Menschenschutz, wobei er das Uebel an der Wurzel faßt. Ein Mensch, der Mitleid auch mit dem niedersten Tiere empfindet, wird keiner Roheit gegenüber dem höherstehenden Menschen fähig sein. Es ist daher Pflicht eines jeden, der den Menschen vor Verrohung schützen will, was doch namentlich in der heutigen Zeit der krassesten Selbstsucht und der Menschenschlächterei im wahrsten Sinne des Wortes eine dringende Notwendigkeit ist, in erster Linie den Tierschutz zu fördern, der Segen wird nicht ausbleiben.
* Die Ernte im deutschen Volksbrauche. Die Ernte war bei unseren Vorfahren eine heilige Zeit. Rechtsprechen ruhte, Hochzeiten wurden nicht gehalten. Anfang und Ende waren Festtage. Zahlreich sind die Gebräuche, die in altgermanischer Verehrung des Erntegottes erinnern. Man warnt die Kinder heute noch vor allerhand Korndämonen, damit sie sich hüten, das Getreide niederzutreten, vor der „Kornmuhme" usw. Eigenartig ist auch der Volksbrauch, auf dem letzten Acker einige Halmbüschel stehen zu lassen. Je nach der Gegend wird das stehengebliebene Halmbüschel genannt: „Wichtelmann, Feldmann, Glückshäufel" usw. Die Aehren werden, damit sie Glück bringen, in der Wohnstube als Büschel aufbewahrt. Der Jakobustag, 25. Juli, gilt an vielen Orten als erster Erntetag. In manchen Gegenden Deutschlands werden in der ersten Erntewoche besondere Gottesdienste abgehalten. Im nördlilchen Thüringen gehen die Schnitter vor dem Anschnitt gern ins Gotteshaus; der erste Sensen- hieb wird vielfach mit einem herzlichen „Walt's Gott" getan. Während der Ernte herrscht Fröhlichkeit; denn je fröhlicher desto besser geht die Arbeit von der Hand. Am Bartholomäustag, 24. August, wird die Ernte als beendet angesehen. Der Landmann freut sich, daß die schwere Arbeit getan ist
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wahn. Rock und Hosen, die er uns Deutschen anzog, waren viel zu groß und standen uns gar nicht vor der Welt. Jeder kam sich ja vor wie en kleener Bismarck. An det Ausland, wie bat uns sieht, hat keener jedacht. Vielleicht en paar, die draußen waren; un wenn die wat sagen wollten, wollte mans nicht hören, oder man hat en nid) jeglobt." Und sich aufrichtend, rief er laut: „Wissen Se, ick bin en fanatischer Deutscher, trotzdem mich Wilhelm 11. dreißig Jahre jeschnitten und warum? Weil ich die Sezession bejrünbete. An meinem <0. Geburtstage erschien sein Sohn Prinz August Wilhelm, im Namen seines Vaters soll er mir aus- richen: „Der Vater kenne nu ooch in der Malerei keene Parteien mehr", und übereichte mir den zwelt- höchsten preußischen Orden. Das war im bösen Kriegsjahr 1917. Wissen Se, ick bin en fanatischer Deutscher", rief er immer wieder und seine Augen glänzten.
Ganz unvermittelt kam er auf den Taunus und den Main zu sprechen: „Den lieb ick ooch, oh, der is schön!" Dann sprang er auf Menzel: „Det war noch Eener, durch und durch en Kerl, der feine Sache gründlich machte".
Ueber die von Staats wegen vorgeschriebene und kontrollierte Kunst mit ihren höheren und niederen „Aufsichtsbeamten" und deren fieberhafte Tätigkeit meinte der Meister lächelnd: „Die Leute wollen nur bafumentieren, daß se nich jeschlafen haben un weil se en Amt jekriegt haben in der Republik, globen se och, sie könnten wat „in Kunst machen", die Quatschköppe! Der^ Kunst wird mit diesen Leuten gar nich jeholfen. Sie läßt sich eben nich einfangen un ausstreuen, det is allens Unsinn. Wat en Kerl is, det jibt ooch eener, un wenn de Polizei dabeisteht!"
Mittlerweile war ich mit der Riesenzigarre zu Ende. Liebermann sah das und rasch holte er wieder die große Kiste: „Hier roochen Se noch eene, det Roochen is doch det harmloseste Verjnügen, und die Nichtroocher sin ooch den juten Tabak jarnich wert."
Ein tiefes Interesse bekundete Liebermann für einige Frankfurter Maler und kannte auch deren Bilder. Es waren dies Louis Eysen, Otto Schob derer; bei diesem wurde er besonders lebhaft: „Der hat jroßartige Porträts gemalt, ick kenne eens, wat ick nie vergessen kann. Un der Eysen, bat war en feiner Kolorist; ooch die Landschaften von Ihrem
und über den Erntesegen. Der Tag des Erntefes wird allgemein mit Fröhlichkeit begangen N einem sestlichen Err.temahl wird getanzt, hier i ' da noch auf der geschmückten Tenne, und es ist c gute, alte Sitte, daß der Hausherr mit einer Schi - terin und die Hausfrau mit dem Vormäher i : ersten Reigen eröffnet.
* Rationaler Gesangswettstreit — Brobtjd IHännergefangoerein. Ereignisse werfen ihre 'cd} ten voraus. Nationaler Gesangswettstrelt am ; Juli in Hanaus Mauern. Diese Ankündigung dür ( nicht nur in den Sängerkreisen allein, sondern l der Gesamtbevölkerung Hanaus freudige Aufnahr finden. Aus Anlaß seines 25jährigen Jubilaun das durch eine dreitägige Feier begangen wird, fi det ein Konkurrenz-Singen statt, und es gela. dem Brodt'schen Männergesangverein auf Erw seiner langjährigen Wettstreitsbesuche eine ga hervorragende Konkurrenz nach Hanau zu bringe Schon bei der ersten Veröffentlichung waren i 20 Vereine benannt, die sich zur Teilnahme a Gesangswettstreit verpflichtet haben; und hierb befanden sich Vereine, deren Name auch in Hanc bekannt ist. In der ersten Stadtklasse finden w den 120 Mann starken Chor „Sängerlust" Diebur den 30fachen Sieger auf Gesangswettstreiten, ti Verein mit den ebenfalls oft erfolgreichen Vereine .„Sängeroereinigung" Jügesheim und „Germania Dudenhofen. Als Vierter im Bunde komn Männergesangverein „Beethoven" Düsseldorf, dt Vertreter des Rheinlandes, dessen 20 Mann ftarl Sängerschar internationalen Ruf genießt. Komme wir zur 2. Stadtklasse, finden wir wiederum zw, Vertreter des Rheinlandes, „Maiengruß" Koblen und • M.-G.-D. Gau-Algesheim im Verein m Fechenheim, Dreieichenhain sowie Steinberg-Gik ßen. Die 3. Stadtklasse sowie die Quartettklajs weist ebenfalls eine äußerst starke Konkurrenz auf Besondere Beachtung verdient die 1. Landklasse, di mit Eddersheim, Babenhausen, Seligenstadt, Nieder Wöllstadt, sowie zwei Vereinen aus Ober-Rode, vertreten ist Es dürste somit in allen Klassen ü gesanglicher Hinsicht nur Gutes geboten werden Das Konkurrenzsingen findet in zwei Sälen statt die 1. und 3. Stadtklasse sowie die Quartettklass« fingen in der Turnhalle (Jahnstraße), die 2. Stadj klasse und 1. Landklasse im „Saalbau" (Gewerk schaftshaus). Da schon jetzt eine große Nachfragk nach Eintrittskarten einsetzt, sind in Hanau mehrere Vorverkaufsstellen eingerichtet, so daß den Hanauer Sangesfreunden Gelegenheit geboten ist, Karten im Vorverkauf zu beziehen. Karten im Vorverkauf sind erhältlich bei: Zigarrengeschäft Paul, Krämer- straße, Zigarrengeschäft Hosse, Nürnbergerstraße, Beamten-Konsum, Lamboystraße, Restaur. Brauerei Beck, Mühlstraße, Spielwarengeschäft Schön, Schirm straße, Friseurgeschäft O. Köhler, Kesselstadt, sowie bei den Mitgliedern des Vereins. In den Lorver- kaufsstellen kann auch das Festbuch zum Gesangs- Wettstreit sowie Dauerkarten zum Festplatz bezogen werden.
* Restaurant Wolfgang. Der am vergangenen Mittwoch ausgefallene Walzerabend findet, morgen,; Mittwoch den 20. Juli, bestimmt statt. (Siehe Anzeige).
Spende Ws die KoUbwMev- GeMâdisten in Sachsen.
Liste 3.
Militäranwärterverein Hanau, vom Ausflug
Seligenstadt 10.50
W. K. 3.—
Otto Neuling, für Sachsen 3.—
Dr. Rehm, für Hochwasser im Erzgebirge 3.—
A. G. 2.-
H. B. 2.-
H. K. 3.-
L. D. 3.-
Kollekte vom 17. Juli der Johanniskirche
— 51.58 RM., der Wallonischen und
Nlederl. Gemeinde — 3.— RM. 54.58
Gustav Lauer, Grüner Weg 8b 2.—
W. H. 3 —
89.08
Mit den bereits veröffentlichten 549.—
Summa RM.: 638.08
Landsmann Peter Burnitz mag ick. Nu kommen Se mal mit, ick will Ihnen jetzt en paar jute Bilder zeigen.
Wir stiegen eine Treppe tiefer in die vornehm- behagliche Wohnung. Der Hausherr wurde noch redseliger: „Det is der beste Degas, den ick kenne". Es war ein breites, schmales Bild mit Tänzermnen. Dann deutete er auf eine Landschaft aus der Provence von Cezanne und beglückt über den Besitz dieses Kabinettstück rief er: „Det war ooch noch Eener!"
Vor einem kleinen Figurenbildchen Daumiers war feine Aeußerung: „Den schätze ick noch am allermeesten".
Als wir diese kunstdurchwehte Behausung verließen, hörte ich ihn mit von ein wenig Wehmut durchtränkter Stimme leise sagen: „Die Bilder werde ich wohl am längsten hier jehabt haben. Wenn ick sterbe, wandern se alle in die Galerien."
Der rechte Künstler ist auch immer ein nobler Mensch, und der noble Mensch hat auch immer einen Zug ins Künstlerische. Beim Abschied reichte mir der Präsident der Akademie, Max Liebermann, die ganze Kiste Zigarren. Das war ein kleines Vermögen damals, und ich wollte nicht so recht dran, aber Liebermann steckte sie mir so recht väterlich unter den Arm: „Ick wees, Se rochen doch gern un vertragen können Se se ooch, un en Malheur jibt’s och nich."
yumotistifches.
Teure Erfahrung. „Spielen Sie ein bißchen mit?" — „Tut mir leid, ich spiele nicht Skat." — „Nanu, ich dachte, Sie könnten es!" — „Das habe ich auch einmal gedacht, aber es ist mir teuer zu liegen gekommen!"
Cafe Abeles. Bemm, Bosse und Busse spielen Tarok. Im Café Abeles. Sie spielen eine Stunde Sie spielen zwei Stunden. Sie spielen drei Stunden Es wird immer wärmer, sie ziehen plötzlich ihre« Rock aus und spielen in Hemdsärmeln weiter „Aber, meine Herren", kommt Herr Abeles empört, „das können Sie nicht machen in einem anftänbigen Cafë. Stellen Sie sich doch vor, Sie kämen in ein anderes Kaffeehaus und dort sitzen drei Männer in Hemdsärmeln. Was würden Sie dazu sagen?" — „Ganz einfach", meint Bemm, „ich würde ihnen sagen: Gehen Sie ins Cafe Abeles, dort können Sie s o sitzen."