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rfdwint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben lonat RM.1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Gingeinummer 10, Freitag 15, ^mStag 12 R-pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite H.pfg.' im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. x Osfertengebühr 50 R-Pfg.

Generar Ämeèger für

Saturn Stadt und Land

- ...... 1 ...... ' 1"' '"! Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. / Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Lezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung deS SezugSpreiseS. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstag« der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammrrstr.9 / Fernspr. 3956,39«, 3958,

Nss Weiteste»

Der Wiener Verkehrsstreik wurde beendet. Die deutsche Antwort an Broquevilles liegt ! und weist dem Minister schwere Irrtümer nach.

Gestern sind außer zahlreichen Wiener Rädels- rern auch vier deutsche Kommunisten m Hast ommen worden.

Italien hat für österreichische Staatsangehörige Einreise gesperrt.

In Genf ist es zwischen England und Japan einer weitgehenden Einigung über die Flotten- üstung gekommen.

- Neue Unwetter werden aus Sachsen und vom iein gemeldet.

AuSeuvoMksche Gefahren in -Oesterreich.

Das Ausland über den Wiener Aufstand.

Wien und mit ihm ganz Oesterreich hat am 1 >. Juli 1927 einen blutigroten Tag erlebt, an :ssen Folgen der junge Freistaat noch lange 'S tragen haben wird. Das unglückselige Ge­lde des Friedensvertrages von St. Germain, as wirtschaftlich weder leben noch sterben inn, ist durch diesen Aufstand stark in seinem nnern erschüttert worden, und mit Recht sind le Augen der ganzen Welt auf die sonst so ge- lütliche Donaustadt und die 6 Bundesstaaten erichtet, die das Schicksal zu einer geradezu offnungslosen Lage zusammengeschmiedet hat.

De Gewerkschaften und die Führer der Sozialdemokratie haben allerdings die Massen lieber in die Hand bekommen, so daß weiteres Rutvergießen kaum noch zu erwarten ist und ie Stadt auch wieder ihr gewöhnliches Aus- ehen angenommen hat. Die Polizei ist nun= nehr durch eineGemeindeschutzwehr', d. h. uverlässige Angehörige des Republikanischen Schutzbundes verstärkt worden, das Militär - teht zum Eingreifen bereit, aber immerhin ist ne Lage noch sehr ernst. Die Verhandlungen wischen der Regierung und den Sozialdemo­kraten, die bekanntlich seit den letzten Wahlen n der Opposition stehen, werden fortgesetzt. Oie letzteren haben ihre ursprünglichen For­derungen, daß sowohl der Bundeskanzler Sei­pel als auch Polizeipräsident Schober sofort ;urücktreten sollten, fallen gelassen. Es weht zwischen den beiden Gegnern eine etwas ver­söhnlichere Stimmung und dem Bundeskanzler Seipel ist durch das Verhalten der meisten Bundesstaaten der Rücken gestärkt worden, so­daß er und die Regierung das Heft wieder in der Hand haben. Mit großem Abscheu blicken ganz Wien und ganz Oesterreich auf das Ver­halten der Kommunisten, von deren Führer Fiala der erste Schuß auf die Polizei abge­geben worden ist. Unter den 250 bisher Ver­hafteten befinden sich eine Anzahl ungarischer und russischer Kommunisten, so daß die Ver­mutung naheliegt, daß der ganze Aufruhr doch noch von Moskau aus genährt worden ist.

Die Sozialdemokraten sind nunmehr in einigen Punkten zum Nachgeben bereit, auch . haben sie darauf verzichtet, in eine neue Koalitionsregierung einzutreten, in der sie doch keine positive Arbeit leisten könnten. Ihre Füh­rer haben sich zu diesem Schritte, wie sie selbst durch ein Zeitungsblatt bekannt gegeben haben, entschlossen, weil sie die außenpolitischen Gefahren für Oesterreich richtig erkannt haben. Die 6 Bundesstaaten haben weder genügend Landwirtschaft noch Rohprodukte, als daß sie sich selbst ernähren könnten. Sie sind vielmehr ganz auf die Hilfe des Auslandes angewiesen und sind zudem, selbst entwaffnet und wehr­los von nur feindlich gesinnten Nachbarn umgeben, die bis an die Zähne in Waffen starren und nur auf den Augenblick warten, bis sie dem unglücklichen Lande noch weitere Gebiete entreißen können. Zwar haben alle ausdrücklich erklärt, daß sie im vorliegenden Falle nicht intervenieren würden, aber die Zeitungsstimmen lassen überall nur zu gut er­kennen, wie gefährdet Oesterreichs Lage ist.

In Ungarn hat man das Burgenland noch nicht verschmerzt, obwohl es eigentlich nur von Deutschen bewohnt ist. Nur zu gern würde man in das Land einmarschieren; denn wenn auch das ungarische Heer ebenfalls nur schwach ist, so stehen doch immer von dem Weltkriege her noch kriegsgeschulte Reservisten zur Genüge zur Verfügung und die ungarischen Regimenter haben sich im Gegensatz zu den übrigen k. und k. Truppen stets hervorragend geschlagen. Die Tschechoslovakei würde gar zu gern ihre Gren­zen bis an das Donauufer vortreiben und wartet auch nur auf den Augenblick, wo sie diesen alten Wunsch, der ihr im Friedensver- Lrage nicht gewährt wurde, erfüllen kann. Der Äi^orhsit halber finh an der österre.ichijch»

Abbruch des OevSebrsftreiks in Oesterreich.

LVSLdevsstfNÄhme dsv Meit Mn Gies des Kesievuns.

Mwa IOC TodeSovßev.

Wien, 19. Juni. Der Abbruch des Derkehrs­streiks ist, den Weisungen der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaftskommission ent- sprechend, um Mitternacht in vollem Umfange durch- geführt worden. Die Arbeitsaufnahme vollzog sich überall glatt. Rach den bisherigen Meldungen er­gaben sich nur in Tirol Schwierigkeiten, wo die Eisenbahner auf einigen Bahnhöfen den Dienst­antritt verweigerten, weil die Landesregierung diese Stationen von Militär und Gendarmerie hatte besetzen lassen. Es ist aber anzunehmen, daß diese Verzögerung nicht von langer Dauer ist. Rach einer Mitteilung der Generaldirektion der Bundes­bahnen wird angeführt, daß von Dienstag früh an alle fahrplanmäßigen Schnell- und Personenzüge wieder verkehren. Ratürlich ist der Ansturm, na­mentlich auf Telephon und Telegraph, zuerst außer­ordentlich stark. Trotzdem wickelte sich der Verkehr den Verhältnissen entsprechend recht gut ab.

In der gestern abend erschienenen Extraausgabe derArbeiterzeitung" die vom Parteivorstand der Deutschösterreichischen Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsrommission unterzeichnet ist, wird aus­geführt, daß der Beschluß der Arbeitsaufnahme in den Verkehrsbetrieben ohne daß irgendwelche Ver­einbarungen mit der Regierung abgeschlossen waren gefaßt worden sei. Der Verkehrsstreik sei nicht nur zum Zeichen des Protestes, sondern vor allem auch deswegen proklamiert worden, um der Reaktion zu zeigen, daß die Arbeiterschaft kampffähig sei. Seit­her habe sich die Lage geändert:Der eintägige Proteststreik der übrigen Arbeiterschaft ist beendet. In den Straßen Wiens ist seit Sonntag wieder Ruhe eingekehrt. Die Schießereien haben aufgehört. Die Wiener Gemeindeschutzwache ist formiert. Wir erachten daher die Fortführung des Verkehrsstreikes nicht mehr für notwendig."

Als Grund der Einstellung des Verkehrsstreikes wird noch weiter angegeben, daß bei längerer Dauer des Streikes infolge des Stockens der Roh­stoffzufuhr viele Betriebe eingestellt werden müßten. Ferner erfordere die Sicherheit gegen weitere Pläne der Reaktion den Zusammentritt des Par­laments, der erst nach Beendigung des Verkehrs­streiks möglich ist. Der Aufruf spricht schließlich noch die Erwartung aus, daß der Beschluß zur Ar­beitsaufnahme ebenso diszipliniert durchgeführt werde, wie der Beschluß zum Streik, und dankt den Eisenbahnern, Donauschiffern, Post-, Tele­graphen- und Telephonangestellten für die Beweise von Solidarität und Disziplin.

Mit der Einstellung des Verkehrsstreiks ist auch die Voraussetzung für die Einberufung des Natio­nalrates geschaffen. Tag der Einberufung hängt von den Verhandlungen mit den Parteien ab, die in den nächsten Tagen stattfinden werden.

tschechischen Grenze Truppen aufmarschiert, an­geblich um einem weiteren Vordringen des Bolschewismus über die Grenze entgegenzu­treten. Auch die Slovenen träumen immer da­von, daß die Rumpfrepublik Oesterreich ganz aufgeteilt wird und daß ihnen dann Kärnten und der südliche Teil von Steyermark zufallen wird. Sie werden in ihren Bestrebungen durch die dauernden Drohungen Italiens, im Not­fälle die Brennergrenze zu überschreiten und ganz Tirol zu besetzen, noch bestärkt.

Mussolini ist wieder einmal am schärfsten aufgetreten. Als in Oesterreich der General­streik einsetzte, erklärte er, daß Stapfen selbst die Züge vom Brenner nach Norden durch­fahren würde, unter Umständen sogar mit Pan­zerzügen. Er konnte umsomehr drohen, als sich gerade jetzt etwa 10 000 Mann auf dem Plateau des Brenners aushalten, um größere Manöver abzuhalten. Nichts konnte die Schwäche Oesterreichs mehr vor Augen führen, als ein solch hartes Wort des Duce, der schon durch eine solche Drohung weit über die Gren­zen der diplomatischen Gewohnheiten hinaus­gegangen ist; denn kein Staat hat das Recht, in die inneren Verhältnisse eines anderen sich einzumischen, und es wäre geradezu eine un­erhörte Anmaßung gewesen, wenn italienische Panzerzüge nach dem österreichischen Tirol hineingefahren wären. Es ist nicht so weit ge­kommen, denn in Tirol haben die Christkich- Sozialen bei weitem die Ueberhand und die Regierung in Jnsbruck, vor allem aber der

Präsident der Tiroler Landesbahnen sind sehr scharf vorgegangen und haben den Verkehrs­streik durch ihre bestimmten Maßnahmen ein schnelles Ende bereitet.

Auch in den übrigen Bundesländern ist es nirgends zu Tumulten oder gar Blutvergießen gekommen. Nur in der kleinen Stadt Bre.aenzl tigunâ hinzuw eisen.

Abbruch des Berkehrsstreiks in Oesterreich bedin­gungslos.

Wien 18. Juli. Der Sonderberichterstatter des Wolffbüros erfährt aus der Regierung nahestehen, den Kreisen, daß der Abbruch des Berkehrsstreiks bedingungslos erfolgt. In den Abendstmrden er­schien eine Sonderausgabe der sozialistischenAr­betterzeitung", in der zur schnellsten Wlederauf- nahme der Arbeit aufgefordert wird, da ine Gefahr reaktionärer Maßnahmen abgewendet sei.

See »«»läuft»« Sitz See Wiener GrettStsdebSrde«.

Wien, 18. Juli. Die durch den Brand des Iusttz- palastes obdachlos gewordenen Gerichte und Be- börden haben sich im Gebäude der früheren Öesterreichisch-Ungarischen Bank in der Herrengasse vorläufig eingerichtet. Durch die Vernichtung vieler Strafakten im Justizpalast sind auch viele Revisions­anträge gegen Urteile vernichtet worden. Die in Frage kommenden Verhafteten laufen nun Gefahr, übermäßig lange in Haft zu bleiben. Die Regierung wird daher, einer Blättermeldung zufolge, dem Na­tionalrat ein Notgesetz vorlegen, mit dem alle noch unerledigten Strafsachen einer beschleunigten Be­handlung zugeführt werden. Das Gesetz dürfte auch die Aufhebung der Untersuchungshaft zulassen.

sinansminiftev âienboeÄ übev Sie £a®e in SesLevveiev.

Wien, 18. Juli. 8.30 Uhr abends. Finanz­minister Kienboeck empfing heute abend die Ver­treter der Presse. Er führte u. a. aus: Die Regie­rung erhielt in den späten Nachmittagsstunden die Nachricht, daß der Derkehrsstreik um 10 Uhr nachts abgebrochen wird. Damit ist der Beweis erbracht, daß sie verbrecherische Anschläge, wie sie in den letzten Tagen hier versucht wurden, zu überwinden vermag. Die Verluste sind nicht entfernt so groß, daß irgend eine Besorgnis bestünde, daß die Ord­nung im Bundeshaushalt dadurch Schaden erleiden könnte. Wir werden mit neu gefestigtem Vertrauen uns der Arbeit zuwenden und find überzeugt, daß dieser feste Entschluß jede Störung unserer Entwick­lung abwehren und uns die Sympathien des Aus­landes von neuem sichern wird.

Dev bittiide Kveitas.

Darstellung der Regierung.

Wien, 18. Juli. Ueber die Vorgänge vom Frei­tag hat die Regierung nunmehr eine Kundgebung Hevausgegeben, die durch Anschlag bekanntgemacht wurnde und in der es u. a. heißt, daß die Demon- strantenzüge sofort gegen die Sicherheitswache eine feindselige Haltung einnahmen, sie mit Steinen be­warfen und boschossen, so daß die Sicherheitswache,

in Voralberg haben sozialdemokratische Arbei­ter versucht, die Christlich-Sozialen von ihrer Arbeitsstätte zu vertreiben. Wie außenpolitisch, so besteht auch im Innern des Freistaates eine große Gefahr. Schon lange sind die Bundes­länder in den Alpen mit der roten Herrschaft in Wien sehr unzufrieden, schon mehr als ein­mal sind die Präsidenten der Länder bet der Regierung in Wien wegen Uebergriffe der Sozialdemokraten vorstellig geworden und haben sich deren Eingreifen bei wichtigen Ge­legenheiten verbeten. Es ist garnicht ausge­schlossen, daß sich, falls die Sozialdemokratie den Sieg davontragen sollte, einzelne Länder von Wien lossagen und Niederösterreich sei­nem Schicksal überlassen.

Der Aufstand in Wien ist eine ernste Mah­nung für alle Beteiligten. Er gibt aber auch der Entente zu denken, die wohl oder übel jetzt einsehen muß, welchen schweren Schaden sie durch den unglückseligen und unverständlichen Friedensvertrag von St. Germain angerichtet hat. Die 6 Bundesländer können so wie bis­her nicht weiter leben. Für sie gibt es nur eine Rettung, in wirtschaftlicher, wie in politischer Beziehung, und das ist der Anschluß an Deutsch­land, zu dem sie ja auch durch ihre Bevölkerung gehören. Aber die Entente wird dies mit allen Mitteln zu verhindern versuchen und hat auch dafür schon ihren Sprecher gefunden. Meh­rere Warschauer Blätter stellen die völlig un­verständliche Behauptung auf, daß indirekt an dem Aufstand Deutschland die Schuld trage, oaß seine Reichswehrals Friedensstifter und antibolschewistischer Schutzwall" die öster­reichische Grenze überschreiten lassen wolle, um so die Träume der Sozialisten Deutschlands und Oestreichs zu verwirklichen. Wir brauchen wohl nicht aus das unsinnige einer solchen Verdäch-

die bereits Verwundete hatte, zu ihrem persönlichen Schutz vom Säbel und von der Handfeuerwaffe Ge­brauch machen mußte. Der in der Universität und im Parlament ausgestellten Sicherhsitswache gelang es, das Eindringen der Menge in diese Gebäude zu verhindern. Die Demonstranten erstürmten jedoch ein Wachtzimmer in der Nähe des Parlaments, setzten es in Brand und drangen schließlich zum Justizpalast vor.

Mit Hilfe von Leitern, die die Menge von in der Nähe des Justizpalastes befindlichen Gerüsten wegnahm, stiegen einzelne Demonstranten in den Justizpalast und legten mit mitgebrachtem Benzin Feuer. Da die Feuerwehr am Zufuhren verhindert wurde, ist

der gesamte Justizpalast mit seinem gesamten Aktenbestand, das ganze Archiv, die reichhaltige Bibliothek und das Grundbuch dem Brande zum Opfer gefallen.

Zur Ermöglichung der Löschaktion mußten ernigi Polizeiabteilungen mit Gewehren ausgerüstet Mi Säuberung des Platzes beordert werden. Diese Ab­teilungen konnten in den ersten Nachmittagssdunden den Schmerlingplatz unter Saloenfeuer räumen, worauf endlich mit der Löschaktion begonnen wer­den konnte. Die Kundgebung zählt dann noch M< Brandstiftung in den Räumen derReichspost", sowie die versuchte Brandstiftung bei denWieE Neuesten Nachrichten" auf und enthält weiter Mahnung zur Ruhe.

Diese Darstellung wurde in einer Vertrauens- männerversammlung der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften von dem sozialdenw- kratischen Parteiführer Dr. Bauer energisch bestrit­ten. In Wirklichkeit fei es der Republikanische Schutzbund gewesen, der der Feuerwehr den Weg zum brennenden Juftizpalast bahnte. Erst durch das Schnellfeuer der Polizei sei die Löschaktton verhin­dert worden. Die Arbetter seien sich über die schwe­ren wirtschaftlichen Nachteile des Berkehrsstreiks völlig im klaren, müßten aber vor Abbruch dieser Aktion die Sicherheit haben, daß nicht ein neuer U ob erfüll der reaktionären Mächte zu befürchten fA Die organisierte Arbeiterschaft weise jede Gemein­schaft mit den Brandstiftern oder den Organisatoren der Ueberfülle auf Polizisten weit von sich.

Im Anschluß an diese Versammlung der Ver­trauensmänner wurden Dr. Bauer und Bürger­meister Dr. Seitz zu neuen Verhandlungen mit dem Bundeskanzler Seipel beauftragt. Wie bekannt, stellen die Sozialdemokraten als Bedingung für die Beendigung des Berkehrsstreiks

die Einberufung des Parlaments.

Der Straßenbahnbetrieb in Men, wo der gestrige Sonntag im allgemeinen ruhig verlaufen ist, geht ohne Störung vonstatten. Das Alkoholver­bot ist seit Samstag wieder aufgehoben. Der Ver­kehr der Arbeiterzüge ist zum Teil wieder ausge­nommen worden. Auch sind von Wien wieder Flug­zeuge nach Berlin abgegangen, deren Abfahrt an­fänglich vom Republikanischen Schutzbund Schwie­rigkeiten gemacht worden waren. Die Arbeit in den Betrieben wird heute wieder ausgenommen.

Ueber

die Zahl der Opfer

der blutigen Zusammenstöße vom Freitag und Samstag sind immer noch keine genauen Angaben zu erhalten. Die Leichen sollen obduziert werden und sind vom Gericht noch nicht freigegeben. 70 Todesopfer liegen in den Leichenkammern des All­gemeinen Krankenhauses. Von 47 Toten sind die Namen bekannt. Man kann jedoch nach ergänzen- den Mitteilungen damit rechnen, daß

die Gesamtzahl der Toten nicht weit von 100 entfernt

ist und insgesamt etwa 1000 Personen verwundet sind. Die Bestattung der Opfer, die auf Kosten der Stadt Wien erfolgt, wird aht Mittwochnachmittag vor sich gehen und soll auf einem gemeinsamen Platz im Zentralfriodhof erfolgen. In allen Betrie­ben soll während der Beisetzung eine Arbeitsruhe von einer Viertelstunde eintreten.

Dev SftevveiMMeGGiMnssöuvs

Innsbruck, 18. Juli. Die Landesregierung bringt in einem Aufruf zur Kenntnis, daß laut den bis auf den heutigen Tag reichenden amtlichen Mel­dungen der Kurs des Schillings in Zürich voll­ständig unverändert blieb und bemerkt dazu, in dem Festbleiben des Schillingskurses drücke sich das Vertrauen des Auslands aus, daß es gelingen werde, den RechtszustanÄ in Oesterreich aufrechtzu­erhalten und über die augenblicklichen Schwierig­keiten hinwegzukommen. Es liege daher nicht der geringste Anlaß zur Beunruhigung vor und es werde insbesondere vor überflüssiger Geldabhebung gewarnt.

Dev âommunèfL Viek in Mien vevhafiet.

Berlin, 18. Juli. DasAchtuhrabendblatt" mel­det aus Wien über Prehburg: Der deutsche kommu­nistische Abgeordnete Pieck und drei Parteifreunde, die am Sonntag im Flugzeug in Wien eingetroffen waren, wurden vorsorglicherweise verhaftet.

Wie bekannt wird, brachte die Wiener Staats­anwaltschaft eine Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil im Schattendorfer Prozeß ein. Der Staats­anwalt hatte sich schon während der Verhandlungen energisch für die Bestrafung der schuldigen Frtznt- kämpfe? ausgesprochen.