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Generar Ämeèger für
Saturn Stadt und Land
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Nss Weiteste»
— Der Wiener Verkehrsstreik wurde beendet. — Die deutsche Antwort an Broquevilles liegt ! und weist dem Minister schwere Irrtümer nach.
— Gestern sind außer zahlreichen Wiener Rädels- rern auch vier deutsche Kommunisten m Hast ommen worden.
— Italien hat für österreichische Staatsangehörige Einreise gesperrt.
— In Genf ist es zwischen England und Japan einer weitgehenden Einigung über die Flotten- üstung gekommen.
- — Neue Unwetter werden aus Sachsen und vom iein gemeldet.
AuSeuvoMksche Gefahren in -Oesterreich.
Das Ausland über den Wiener Aufstand.
Wien und mit ihm ganz Oesterreich hat am 1 >. Juli 1927 einen blutigroten Tag erlebt, an :ssen Folgen der junge Freistaat noch lange 'S tragen haben wird. Das unglückselige Gelde des Friedensvertrages von St. Germain, as wirtschaftlich weder leben noch sterben inn, ist durch diesen Aufstand stark in seinem nnern erschüttert worden, und mit Recht sind le Augen der ganzen Welt auf die sonst so ge- lütliche Donaustadt und die 6 Bundesstaaten erichtet, die das Schicksal zu einer geradezu offnungslosen Lage zusammengeschmiedet hat.
De Gewerkschaften und die Führer der Sozialdemokratie haben allerdings die Massen lieber in die Hand bekommen, so daß weiteres Rutvergießen kaum noch zu erwarten ist und ie Stadt auch wieder ihr gewöhnliches Aus- ehen angenommen hat. Die Polizei ist nun= nehr durch eine „Gemeindeschutzwehr', d. h. uverlässige Angehörige des Republikanischen Schutzbundes verstärkt worden, das Militär - teht zum Eingreifen bereit, aber immerhin ist ne Lage noch sehr ernst. Die Verhandlungen wischen der Regierung und den Sozialdemokraten, die bekanntlich seit den letzten Wahlen n der Opposition stehen, werden fortgesetzt. Oie letzteren haben ihre ursprünglichen Forderungen, daß sowohl der Bundeskanzler Seipel als auch Polizeipräsident Schober sofort ;urücktreten sollten, fallen gelassen. Es weht zwischen den beiden Gegnern eine etwas versöhnlichere Stimmung und dem Bundeskanzler Seipel ist durch das Verhalten der meisten Bundesstaaten der Rücken gestärkt worden, sodaß er und die Regierung das Heft wieder in der Hand haben. Mit großem Abscheu blicken ganz Wien und ganz Oesterreich auf das Verhalten der Kommunisten, von deren Führer Fiala der erste Schuß auf die Polizei abgegeben worden ist. Unter den 250 bisher Verhafteten befinden sich eine Anzahl ungarischer und russischer Kommunisten, so daß die Vermutung naheliegt, daß der ganze Aufruhr doch noch von Moskau aus genährt worden ist.
Die Sozialdemokraten sind nunmehr in einigen Punkten zum Nachgeben bereit, auch . haben sie darauf verzichtet, in eine neue Koalitionsregierung einzutreten, in der sie doch keine positive Arbeit leisten könnten. Ihre Führer haben sich zu diesem Schritte, wie sie selbst durch ein Zeitungsblatt bekannt gegeben haben, entschlossen, weil sie die außenpolitischen Gefahren für Oesterreich richtig erkannt haben. Die 6 Bundesstaaten haben weder genügend Landwirtschaft noch Rohprodukte, als daß sie sich selbst ernähren könnten. Sie sind vielmehr ganz auf die Hilfe des Auslandes angewiesen und sind zudem, — selbst entwaffnet und wehrlos — von nur feindlich gesinnten Nachbarn umgeben, die bis an die Zähne in Waffen starren und nur auf den Augenblick warten, bis sie dem unglücklichen Lande noch weitere Gebiete entreißen können. Zwar haben alle ausdrücklich erklärt, daß sie im vorliegenden Falle nicht intervenieren würden, aber die Zeitungsstimmen lassen überall nur zu gut erkennen, wie gefährdet Oesterreichs Lage ist.
In Ungarn hat man das Burgenland noch nicht verschmerzt, obwohl es eigentlich nur von Deutschen bewohnt ist. Nur zu gern würde man in das Land einmarschieren; denn wenn auch das ungarische Heer ebenfalls nur schwach ist, so stehen doch immer von dem Weltkriege her noch kriegsgeschulte Reservisten zur Genüge zur Verfügung und die ungarischen Regimenter haben sich im Gegensatz zu den übrigen k. und k. Truppen stets hervorragend geschlagen. Die Tschechoslovakei würde gar zu gern ihre Grenzen bis an das Donauufer vortreiben und wartet auch nur auf den Augenblick, wo sie diesen alten Wunsch, der ihr im Friedensver- Lrage nicht gewährt wurde, erfüllen kann. Der Äi^orhsit halber finh an der österre.ichijch»
Abbruch des OevSebrsftreiks in Oesterreich.
LVSLdevsstfNÄhme dsv Meit — Mn Gies des Kesievuns.
Mwa IOC TodeSovßev.
Wien, 19. Juni. Der Abbruch des Derkehrsstreiks ist, den Weisungen der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaftskommission ent- sprechend, um Mitternacht in vollem Umfange durch- geführt worden. Die Arbeitsaufnahme vollzog sich überall glatt. Rach den bisherigen Meldungen ergaben sich nur in Tirol Schwierigkeiten, wo die Eisenbahner auf einigen Bahnhöfen den Dienstantritt verweigerten, weil die Landesregierung diese Stationen von Militär und Gendarmerie hatte besetzen lassen. Es ist aber anzunehmen, daß diese Verzögerung nicht von langer Dauer ist. Rach einer Mitteilung der Generaldirektion der Bundesbahnen wird angeführt, daß von Dienstag früh an alle fahrplanmäßigen Schnell- und Personenzüge wieder verkehren. Ratürlich ist der Ansturm, namentlich auf Telephon und Telegraph, zuerst außerordentlich stark. Trotzdem wickelte sich der Verkehr den Verhältnissen entsprechend recht gut ab.
In der gestern abend erschienenen Extraausgabe der „Arbeiterzeitung" die vom Parteivorstand der Deutschösterreichischen Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsrommission unterzeichnet ist, wird ausgeführt, daß der Beschluß der Arbeitsaufnahme in den Verkehrsbetrieben ohne daß irgendwelche Vereinbarungen mit der Regierung abgeschlossen waren gefaßt worden sei. Der Verkehrsstreik sei nicht nur zum Zeichen des Protestes, sondern vor allem auch deswegen proklamiert worden, um der Reaktion zu zeigen, daß die Arbeiterschaft kampffähig sei. Seither habe sich die Lage geändert: „Der eintägige Proteststreik der übrigen Arbeiterschaft ist beendet. In den Straßen Wiens ist seit Sonntag wieder Ruhe eingekehrt. Die Schießereien haben aufgehört. Die Wiener Gemeindeschutzwache ist formiert. Wir erachten daher die Fortführung des Verkehrsstreikes nicht mehr für notwendig."
Als Grund der Einstellung des Verkehrsstreikes wird noch weiter angegeben, daß bei längerer Dauer des Streikes infolge des Stockens der Rohstoffzufuhr viele Betriebe eingestellt werden müßten. Ferner erfordere die Sicherheit gegen weitere Pläne der Reaktion den Zusammentritt des Parlaments, der erst nach Beendigung des Verkehrsstreiks möglich ist. Der Aufruf spricht schließlich noch die Erwartung aus, daß der Beschluß zur Arbeitsaufnahme ebenso diszipliniert durchgeführt werde, wie der Beschluß zum Streik, und dankt den Eisenbahnern, Donauschiffern, Post-, Telegraphen- und Telephonangestellten für die Beweise von Solidarität und Disziplin.
Mit der Einstellung des Verkehrsstreiks ist auch die Voraussetzung für die Einberufung des Nationalrates geschaffen. Tag der Einberufung hängt von den Verhandlungen mit den Parteien ab, die in den nächsten Tagen stattfinden werden.
tschechischen Grenze Truppen aufmarschiert, angeblich um einem weiteren Vordringen des Bolschewismus über die Grenze entgegenzutreten. Auch die Slovenen träumen immer davon, daß die Rumpfrepublik Oesterreich ganz aufgeteilt wird und daß ihnen dann Kärnten und der südliche Teil von Steyermark zufallen wird. Sie werden in ihren Bestrebungen durch die dauernden Drohungen Italiens, im Notfälle die Brennergrenze zu überschreiten und ganz Tirol zu besetzen, noch bestärkt.
Mussolini ist wieder einmal am schärfsten aufgetreten. Als in Oesterreich der Generalstreik einsetzte, erklärte er, daß Stapfen selbst die Züge vom Brenner nach Norden durchfahren würde, unter Umständen sogar mit Panzerzügen. Er konnte umsomehr drohen, als sich gerade jetzt etwa 10 000 Mann auf dem Plateau des Brenners aushalten, um größere Manöver abzuhalten. Nichts konnte die Schwäche Oesterreichs mehr vor Augen führen, als ein solch hartes Wort des Duce, der schon durch eine solche Drohung weit über die Grenzen der diplomatischen Gewohnheiten hinausgegangen ist; denn kein Staat hat das Recht, in die inneren Verhältnisse eines anderen sich einzumischen, und es wäre geradezu eine unerhörte Anmaßung gewesen, wenn italienische Panzerzüge nach dem österreichischen Tirol hineingefahren wären. Es ist nicht so weit gekommen, denn in Tirol haben die Christkich- Sozialen bei weitem die Ueberhand und die Regierung in Jnsbruck, vor allem aber der
Präsident der Tiroler Landesbahnen sind sehr scharf vorgegangen und haben den Verkehrsstreik durch ihre bestimmten Maßnahmen ein schnelles Ende bereitet.
Auch in den übrigen Bundesländern ist es nirgends zu Tumulten oder gar Blutvergießen gekommen. Nur in der kleinen Stadt Bre.aenzl tigunâ hinzuw eisen.
Abbruch des Berkehrsstreiks in Oesterreich bedingungslos.
Wien 18. Juli. Der Sonderberichterstatter des Wolffbüros erfährt aus der Regierung nahestehen, den Kreisen, daß der Abbruch des Berkehrsstreiks bedingungslos erfolgt. In den Abendstmrden erschien eine Sonderausgabe der sozialistischen „Arbetterzeitung", in der zur schnellsten Wlederauf- nahme der Arbeit aufgefordert wird, da ine Gefahr reaktionärer Maßnahmen abgewendet sei.
See »«»läuft»« Sitz See Wiener GrettStsdebSrde«.
Wien, 18. Juli. Die durch den Brand des Iusttz- palastes obdachlos gewordenen Gerichte und Be- börden haben sich im Gebäude der früheren Öesterreichisch-Ungarischen Bank in der Herrengasse vorläufig eingerichtet. Durch die Vernichtung vieler Strafakten im Justizpalast sind auch viele Revisionsanträge gegen Urteile vernichtet worden. Die in Frage kommenden Verhafteten laufen nun Gefahr, übermäßig lange in Haft zu bleiben. Die Regierung wird daher, einer Blättermeldung zufolge, dem Nationalrat ein Notgesetz vorlegen, mit dem alle noch unerledigten Strafsachen einer beschleunigten Behandlung zugeführt werden. Das Gesetz dürfte auch die Aufhebung der Untersuchungshaft zulassen.
sinansminiftev âienboeÄ übev Sie £a®e in SesLevveiev.
Wien, 18. Juli. — 8.30 Uhr abends. — Finanzminister Kienboeck empfing heute abend die Vertreter der Presse. Er führte u. a. aus: Die Regierung erhielt in den späten Nachmittagsstunden die Nachricht, daß der Derkehrsstreik um 10 Uhr nachts abgebrochen wird. Damit ist der Beweis erbracht, daß sie verbrecherische Anschläge, wie sie in den letzten Tagen hier versucht wurden, zu überwinden vermag. Die Verluste sind nicht entfernt so groß, daß irgend eine Besorgnis bestünde, daß die Ordnung im Bundeshaushalt dadurch Schaden erleiden könnte. Wir werden mit neu gefestigtem Vertrauen uns der Arbeit zuwenden und find überzeugt, daß dieser feste Entschluß jede Störung unserer Entwicklung abwehren und uns die Sympathien des Auslandes von neuem sichern wird.
Dev bittiide Kveitas.
Darstellung der Regierung.
Wien, 18. Juli. Ueber die Vorgänge vom Freitag hat die Regierung nunmehr eine Kundgebung Hevausgegeben, die durch Anschlag bekanntgemacht wurnde und in der es u. a. heißt, daß die Demon- strantenzüge sofort gegen die Sicherheitswache eine feindselige Haltung einnahmen, sie mit Steinen bewarfen und boschossen, so daß die Sicherheitswache,
in Voralberg haben sozialdemokratische Arbeiter versucht, die Christlich-Sozialen von ihrer Arbeitsstätte zu vertreiben. Wie außenpolitisch, so besteht auch im Innern des Freistaates eine große Gefahr. Schon lange sind die Bundesländer in den Alpen mit der roten Herrschaft in Wien sehr unzufrieden, schon mehr als einmal sind die Präsidenten der Länder bet der Regierung in Wien wegen Uebergriffe der Sozialdemokraten vorstellig geworden und haben sich deren Eingreifen bei wichtigen Gelegenheiten verbeten. Es ist garnicht ausgeschlossen, daß sich, falls die Sozialdemokratie den Sieg davontragen sollte, einzelne Länder von Wien lossagen und Niederösterreich seinem Schicksal überlassen.
Der Aufstand in Wien ist eine ernste Mahnung für alle Beteiligten. Er gibt aber auch der Entente zu denken, die wohl oder übel jetzt einsehen muß, welchen schweren Schaden sie durch den unglückseligen und unverständlichen Friedensvertrag von St. Germain angerichtet hat. Die 6 Bundesländer können so wie bisher nicht weiter leben. Für sie gibt es nur eine Rettung, in wirtschaftlicher, wie in politischer Beziehung, und das ist der Anschluß an Deutschland, zu dem sie ja auch durch ihre Bevölkerung gehören. Aber die Entente wird dies mit allen Mitteln zu verhindern versuchen und hat auch dafür schon ihren Sprecher gefunden. Mehrere Warschauer Blätter stellen die völlig unverständliche Behauptung auf, daß indirekt an dem Aufstand Deutschland die Schuld trage, oaß seine Reichswehr „als Friedensstifter und antibolschewistischer Schutzwall" die österreichische Grenze überschreiten lassen wolle, um so die Träume der Sozialisten Deutschlands und Oestreichs zu verwirklichen. Wir brauchen wohl nicht aus das unsinnige einer solchen Verdäch-
die bereits Verwundete hatte, zu ihrem persönlichen Schutz vom Säbel und von der Handfeuerwaffe Gebrauch machen mußte. Der in der Universität und im Parlament ausgestellten Sicherhsitswache gelang es, das Eindringen der Menge in diese Gebäude zu verhindern. Die Demonstranten erstürmten jedoch ein Wachtzimmer in der Nähe des Parlaments, setzten es in Brand und drangen schließlich zum Justizpalast vor.
Mit Hilfe von Leitern, die die Menge von in der Nähe des Justizpalastes befindlichen Gerüsten wegnahm, stiegen einzelne Demonstranten in den Justizpalast und legten mit mitgebrachtem Benzin Feuer. Da die Feuerwehr am Zufuhren verhindert wurde, ist
der gesamte Justizpalast mit seinem gesamten Aktenbestand, das ganze Archiv, die reichhaltige Bibliothek und das Grundbuch dem Brande zum Opfer gefallen.
Zur Ermöglichung der Löschaktion mußten ernigi Polizeiabteilungen mit Gewehren ausgerüstet Mi Säuberung des Platzes beordert werden. Diese Abteilungen konnten in den ersten Nachmittagssdunden den Schmerlingplatz unter Saloenfeuer räumen, worauf endlich mit der Löschaktion begonnen werden konnte. Die Kundgebung zählt dann noch M< Brandstiftung in den Räumen der „Reichspost", sowie die versuchte Brandstiftung bei den „WieE Neuesten Nachrichten" auf und enthält weiter Mahnung zur Ruhe.
Diese Darstellung wurde in einer Vertrauens- männerversammlung der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften von dem sozialdenw- kratischen Parteiführer Dr. Bauer energisch bestritten. In Wirklichkeit fei es der Republikanische Schutzbund gewesen, der der Feuerwehr den Weg zum brennenden Juftizpalast bahnte. Erst durch das Schnellfeuer der Polizei sei die Löschaktton verhindert worden. Die Arbetter seien sich über die schweren wirtschaftlichen Nachteile des Berkehrsstreiks völlig im klaren, müßten aber vor Abbruch dieser Aktion die Sicherheit haben, daß nicht ein neuer U ob erfüll der reaktionären Mächte zu befürchten fA Die organisierte Arbeiterschaft weise jede Gemeinschaft mit den Brandstiftern oder den Organisatoren der Ueberfülle auf Polizisten weit von sich.
Im Anschluß an diese Versammlung der Vertrauensmänner wurden Dr. Bauer und Bürgermeister Dr. Seitz zu neuen Verhandlungen mit dem Bundeskanzler Seipel beauftragt. Wie bekannt, stellen die Sozialdemokraten als Bedingung für die Beendigung des Berkehrsstreiks
die Einberufung des Parlaments.
Der Straßenbahnbetrieb in Men, wo der gestrige Sonntag im allgemeinen ruhig verlaufen ist, geht ohne Störung vonstatten. Das Alkoholverbot ist seit Samstag wieder aufgehoben. Der Verkehr der Arbeiterzüge ist zum Teil wieder ausgenommen worden. Auch sind von Wien wieder Flugzeuge nach Berlin abgegangen, deren Abfahrt anfänglich vom Republikanischen Schutzbund Schwierigkeiten gemacht worden waren. Die Arbeit in den Betrieben wird heute wieder ausgenommen.
Ueber
die Zahl der Opfer
der blutigen Zusammenstöße vom Freitag und Samstag sind immer noch keine genauen Angaben zu erhalten. Die Leichen sollen obduziert werden und sind vom Gericht noch nicht freigegeben. 70 Todesopfer liegen in den Leichenkammern des Allgemeinen Krankenhauses. Von 47 Toten sind die Namen bekannt. Man kann jedoch nach ergänzen- den Mitteilungen damit rechnen, daß
die Gesamtzahl der Toten nicht weit von 100 entfernt
ist und insgesamt etwa 1000 Personen verwundet sind. Die Bestattung der Opfer, die auf Kosten der Stadt Wien erfolgt, wird aht Mittwochnachmittag vor sich gehen und soll auf einem gemeinsamen Platz im Zentralfriodhof erfolgen. In allen Betrieben soll während der Beisetzung eine Arbeitsruhe von einer Viertelstunde eintreten.
Dev SftevveiMMeGGiMnssöuvs
Innsbruck, 18. Juli. Die Landesregierung bringt in einem Aufruf zur Kenntnis, daß laut den bis auf den heutigen Tag reichenden amtlichen Meldungen der Kurs des Schillings in Zürich vollständig unverändert blieb und bemerkt dazu, in dem Festbleiben des Schillingskurses drücke sich das Vertrauen des Auslands aus, daß es gelingen werde, den RechtszustanÄ in Oesterreich aufrechtzuerhalten und über die augenblicklichen Schwierigkeiten hinwegzukommen. Es liege daher nicht der geringste Anlaß zur Beunruhigung vor und es werde insbesondere vor überflüssiger Geldabhebung gewarnt.
Dev âommunèfL Viek in Mien vevhafiet.
Berlin, 18. Juli. Das „Achtuhrabendblatt" meldet aus Wien über Prehburg: Der deutsche kommunistische Abgeordnete Pieck und drei Parteifreunde, die am Sonntag im Flugzeug in Wien eingetroffen waren, wurden vorsorglicherweise verhaftet.
Wie bekannt wird, brachte die Wiener Staatsanwaltschaft eine Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil im Schattendorfer Prozeß ein. Der Staatsanwalt hatte sich schon während der Verhandlungen energisch für die Bestrafung der schuldigen Frtznt- kämpfe? ausgesprochen.