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Sette 2

Montag den 18. IuN 192?

Nr. 165

Bezahtmr-g der Überstunden noch dem Arbeitszeit- Notgesetz, zweitens die Ausnutzung des Bedarf s- kall-es bis zu 54 Stunden wöchentlich und drittens Die Verletzung des Samstagfrühschlusses zur Grundlage Hot. Der Allgemeine Verband der deut­schen Bankangestellten hat deshalb in der Dergü- tungsfrage die Vermittlung des Reichsarbeits- vnnrstoriums und in den beiden andern Fragen das Reichstarffoant für das Bankgewerbe angerüfen.

MaStzarr übes das DsutMium Im ÄWSVßka.

Bremerhaven, 16. Juli. Aus Anlaß der Jahr- Hundertfeier der Stadt Bremerhaven veranstaltete der Norddeutsche Lloyd eine Feier an Bord des DampferColumbus" mit einem Festessen. Hierbei hielt im Anschluß an die Rede des Bürgermeisters der deutsche Botschafter Freiherr von Maltzan eine Rede, in der er u. a. ausführte, dem deutsch-ameri­kanischen Element sei es mit zu verdanken, daß all­mählich eine Bresche in den Wall geschlagen werde, der in der Kriegsschuldftage zwischen hüben und drüben bestehe.

Maltzan erwähnt habet, daß der Senator Johnson von St. Franzisko sehr energisch gegen die Legende der Kindermißhandlungen und der Leichenfettver­wertung durch die Deutschen Stellung genommen habe. Man sehe daraus, daß in manchem prominen­ten Kopf Amerikas die Kriegsschuldfrage ins Rollen gekommen sei und daß man Deutschland Verständ­nis entgegenbringe. In der wichtigen Eigentums- ftage sei erreicht worden, daß der Finanzminister kürzlich sich rückhaltlos für die Freigabe des deut­schen Eigentums eingesetzt habe, ebenso Präsident Coolidge. In der Einwanderungsfrage sei es den Deutsch-Amerikanern zu danken, daß das Inkraft­treten des neuen Gesetzes, nach dem nur noch 26 000 Deutsche in Amerika jährlich einwandern dürfen, weiter hinausgedehnt worden sei.

Einige weitere Momente von unermeßlichen Ein­flußmöglichkeiten bilden Kunst und Wissenschaft. Es sei von sehr großer Wichtigkeit, wenn der Nord­deutsche Lloyd deutschen Professoren, die Hinüber­fohren, hierbei behilflich wäre. Dor allem «wer spiele der Sport in Amerika eine große Rolke. Ueber Den deutschen Schwimmer Rademacher sei in Ame­rika mehr geschrieben worden als je über einen Diplomaten oder Künstler.

KsèenwsMel DeEMattd-Beeren.

Die belgische Note, die über die bekannten Aeußerungen Broquèvilles über die angeblichen vor­zeitigen Entlastungen aus der Reichswehr Auskunft erteilt, liegt in Berlin in vollem Wortlaute vor. Die bëutf^i Antwort ist noch nicht fertiggestellt. Sie wird wahrscheinlich erst im Laufe der nächsten Tage veröffentlicht werden und in Verbindung damit wird such die Veröffentlichung der belgischen Note er­folgen.

NoètteerVè in Belgiers.

Die Feier in Lacken. Für die Politik von Locarno.

Brüssel, 17. Juli. In Laeken fand heute in An­wesenheit des Königs und anderer Mitglieder des Königlichen Hauses, des französischen Minister­präsidenten Poincare und zahlreicher Vertreter der belgischen Regierung die Einweihung des Denkmals für denUnbekannten Soldaten" statt. Der Festakt wurde durch eine Ansprache des Königs von Belgien ere^fnet, der u. a. ausführte: Die Verletzung der Verträge ist die Ursache gewesen, daß Frankreich und Belgien im Kampfe Schulter an Schulter ge­standen haben. Weder Frankreich noch Belgien hatte Möglichkeit einer solchen Verletzung des internationalen Rechts ernstlich ins Auge gefaßt. Die Hoffnul-g Belgiens auf die Mächte, die seine Neutralität garantiert hatten, war aber nicht ver­geblich.

Ministerpräsident Poincare führte aus: Es ist kein Verrat an der Sache des Friedens, wenn man die langsame Aenderung der Wahrheit und die Er­setzung der Geschichte durch die Legende verhindert. Vor e nigen Tagen hatte Dandervelde Gelegenheit, einige Behauptungen des Untersuchungsausschusses des Reichstags zu berichtigen, und insbesondere die Verleumdung zurückzuweisen, daß Belgien schon vor dem Kriege mit vollem Willen ausgehört hatte, neu­tral zu sein, und daß es in vollem Einvernehmen mit den eventuellen Gegnern Deutschlands gestanden habe. Die Kundgebung Vanderveldes ist selbstver­ständlich entscheidend. Daß er aber genötigt wurde, so zu handeln, ist ein Zeichen, das keine Nation überraschen darf, die für ihre Freiheit hat kämpfen müssen. Belgien und Frankreich haben nicht auf­gehört, mit unbedingter Ehrlichkeit die Politik der Annäherung, die in Genf und Locarno vorbereitet wurde, zu verfolgen. Ihre Haltung ist heute wie gestern die gleiche. Wenn Deutschland eine seiner Verpflichtungen einhält, wie in der vergangenen Woche in Königsberg, so verzeichnen wir dieses Er­gebnis nicht mit der Befriedigung der Selbstliebe, sondern als ein Zeichen der Entspannung. Es ist nicht allein die Vernunft, es ist nicht allein das Gefühl der Humanität, die uns raten, unseren Streitigkeiten mit unserem Nachbarn ein Ende zu machen: es ist unser wohlverstandenes Interesse, das in Frage steht; es ist die Sorge um unsere Zukunft, unsere Neigung zur Arbeit und unser Bedürfnis nach Ruhe. Unser Friedenswille schließt weder den Willen nach Erhalt regelmäßiger Reparationen, noch den der Gewährleistung unserer Sicherheit aus. Unter Vorbehalt dieser beiden Bedingungen ist je­doch unser Friedenswille so stark und so beharrlich, daß er sich weder dürch Unverständnis noch Miß- trauen, noch durch persönliche Angriffe entwurzeln läßt, und daß er sein Werk über alle Hindernisse hinweg hartnäckig und gelassen fortführen wird. Wenn Dr. Bredt in einem vor kurzem veröffent­lichten amtlichen Bericht nicht geschrieben hätte, daß die Errichtung der belgischen Maasfestungen eine Verletzung der Neutralität und eine feindliche Maß­nahme gegen Deutschland dargestellt hätten, so hätte Dandervelde sich nicht die Mühe machen brauchen, nachzuweisen, daß Deutschland nicht nur 1858, 1875 Mrd 1887 diese Arbeiten gekannt und gebilligt hat, sondern sie sogar gewünscht und Belgien dazu er= mutigt habe. Wenn ich mich meinerseits bewogen pihlte, von dem Schritt des deutschen Gesandten in= bezug auf das Ultimatum im Jahre 1914 und von Den Einmärschen nach Belgien zu sprechen, so ge­schah das deswegen, weil es für diejenigen, die Zeu- dieser Vorgänge waren, tatsächlich schwierig ist, Entstellungsversuche zuzulassen, die die Revision der Verträge vorbereiten sollen.

Zwei SvkedensVederz iVakttSevès.

Paris, 17. Juli. Bei der Einweihung eines Denkmals für die Gefallenen der Stadt Nantes hielt Kriegsminister Painlevè die Weiberede und wandte

Die politischen Krawalle in Wien.

Die Gebäude die im Mittelpunkt der Krawalle stehen: Oben: Der Justizpalast, der in Brand aesteckt wurde. Unten: Das Parlamentsgebäude, im Hintergründe das Rathaus und die Votivkirche. Im Oval rechts: Der österreichische Bundeskanzler Seipel, dessen Rücktritt von verschiedenen Seiten verlangt wurde. Im Oval links: Der Bürgermeister von Wien, Seitz (Sozialdemokrat).

sich dagegen, daß man in vielen Kreisen die Fatali­tät des Krieges leichtfertig hinnehme. Er erklärte, der Friede werde aufrechterhalten werden, wenn sich die Urheber der Maffakres und diejenigen, die eine Revanche haben wollten, darüber klar feien, daß ihre Absichten auf einen wohlorganisierten und ent­schlossenen Widerstand stoßen würde. Dieser Ge­danke sei bei der militärischen Reform in Frank­reich vorherrschend gewesen.

Es gebe für ein Heer eine noch ruhmreichere Aufgabe, als Schlachten zu gewinnen, nämlich Schlachten unmöglich zu machen, und die eventuellen Unruhestifter durch die Festig­keit seiner Organisation, durch den Mut der Sol­daten, die es mobilisieren kann, und durch die Kenntnis der Qualität seiner Führer zu entmutigen. Dieses Heer sei in Frankreich in der Bildung be­griffen. Es stehe im Dienste des Friedens.

Paris, 17. Juli. Bei dem heute in Nantes von dem Kongreß des Verbandes der Kriegsverletzten gegebenen Bankett hat Kriegsminister Painlevè eine Rede gehalten, in der er es begrüßte, daß die deut­schen und französischen Frontkämpfer sich nunmehr zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden hätten. Painlevè erklärte, Hindenburg habe einen Sattler­meister, der an der Spitze der deutschen Republik gestanden habe, ersetzt. Aber, so fuhr er fort, der neue Reichspräsident bleibt seinem Eide, den er auf die Verfassung geleistet hat, treu. In Deutschland macht der republikanische Geist langsame aber sichere Fortschritte. Als nach der Ermordung Erzbergers und Rathenaus Luther und Stresemann nach Locarno fuhren, haben viele Propheten jenseits des Rheins die Ansicht vertreten, daß diese beiden Staatsmänner nicht gerade eine Unfallversicherung abschließen würden. Stresemann ist aber immer noch Außenminister. Mit ihm ist

die Locaruopolilik am Leben.

Ich begrüße das und zwar im Interesse Strese­manns selbst als auch für Deutschland, für Europa und für uns. Das größte Hindernis für die inter­nationale Sicherheit ist, mehr noch als der Haß und die wirtschaftlichen Gegensätze das gegenseitige Miß­trauen. An dem Tage, an dem dieses Mißtrauen durch ein Zauberwort in einer Wolke verschwinden würde, würde jedes Volk davon überzeugt sein, daß kein anderes es zuerst angreifen will, denn es gäbe keine Regierung mehr, die ihr Volk in einen Krieg hineinziehen könnte. Damit aber dieses inter­nationale Mißtrauen verschwindet, genügt es nicht, daß es in jeder Nation Männer und Parteien gibt, deren Friedenswille unbestreitbar ist. Es genügt nicht, daß diese Männer an die Regierung kommen, sondern sie müssen sich auch auf eine öffentliche Mei­nung stutzen, die mächtig genug ist, einen Um­schwung unmöglich zu machen. Wenn es aber ein Land gibt, in dem der Friedenswille offenbar und einmütig herrscht, dann ist es Frankreich!

meffenftiURa«» in «bim» ?

Peking, 16. Juli. In chinesischen Kreisen ver­lautet, daß zwischen Dchiang Kai-schek und Tschang Tsung-tschang ein Waffenstillstand abgeschlossen worden sei.

KauSsuchuns in eèuev vuMWe« Bank w SGanghak.

Schanghai, 16. Juli. (Unidet Preß.) Auf Er­suchen der chinesischen Behörden wurde heute von der Polizei eine Haussuchung in der Schanghaier Niederlassung der russischen fernöstlichen Dalni-Vank vorgenommen. Offiziell verlautet, daß die Razzia dem Zweck galt, für eine Zusammenarbeit zwischen der Bank und den chinesischen Kommunisten Be­weise zu entdecken. Die Razzia wurde zur Haupt­geschäftszeit durchgeführt und nahm einen sensatio­nellen Verlauf. Die Polizei besetzte kurz nach Mit­tag auf Grund eines von dem provisorischen Ge­richtshof unterzeichneten Haussuchungsbefehls sämt­liche Eingänge des Bankgebäudes. Die Kunden der Bank durften ein- und ausgehen, die Angestellten dagegen wurden zurückgehalten und untersucht. Im Anschluß an die mehrere Stunden währende Haus­suchung wurde die Bank geschlossen und versiegelt. Wie verlautet, wurden keinerlei belastende Doku­mente gefunden, dagegen sollen anderevollgültige" Beweise für eine Zusammenarbeit der Bank mit chinesischen kommunistischen Führern entdeckt wor­den sein. Der Syndikus der Bank, der Deutsche F. Wilhelm, der gegen das Vorgehen der Polizei protestierte, wurde kurzerhand von den chinesischen Militärbehörden verhaftet.

Dovodins greife VSN &<m&m«

hankau, 16. Juli. (Reuter). Der russische Rat­geber der Hankauer Regierung, Borodin, ist heute morgen von hier in einem Motorboot abgefahren. Beamte der Hankauer Regierung erklärten, Boro­din beabsichtige China zu verlassen, lehnen es aber ab, etwas über die Routen mitzutsilen, die er ein­schlagen werde.

*

Peking, 16. Juli. Gerüchtweise verlautet, daß der chinesische Richter, der die Freilassung von Frau Borodin und der drei russischen Kuriere anordnete, dafür 200 000 Dollar aus russischer Quelle erhalten habe. Der betreffende Richter habe Peking un­mittelbar nach der Freilassung der Russen verlassen.

Heues «RorsMSt èn Lttcavasua.

Managua, 17. Juli. (United Preß.) In Ocatal ist es zu einem sehr schweren Konflikt gekommen, dessen politische Folgen zur Zeit noch nicht zu über­sehen sind. Der Führer der aufständigen Liberalen, die sich dem Kompromiß mit der Regierung Diaz angeschlossen hatten, griffen mit dreihundert Mann die Stadt an, die mit 5 amerikanischen Marine soldaten und vierzig Mann Truppen von Nicaragua verteidigt wurden. Es gelang, die Angreifer zurück­zuweisen, die schwere Verluste davontrugen.

DZs hessischen LMndevhersen.

Nach dem neuesten Feststellungen leben deutsche Minderheiten im Auslande:

Einwohner

Zahl der Deutschen

Dänemark

3 300 000

40 000

Estland

1100 000

30 000

Lettland

1900 000

58 000

Litauen (Altlitauen) 2 000 000

31000

Memel

130 000

100 000

Polen

27 000 000

1 500 000

Europ. Rußland

95 000 000

1 000 000

Asiat. Rußland

35 000 000

1 500 000

Tschechoslowakei

13 600 000

3 350 000

Rumänien

16 500 000

800 000

Südslawien

12 000 000

750 000

Italien

39 000 000

225 000

Ungarn

8 000 000

550 000

Rund gerechnet

sind es also

10 Millionen

Deutsche, die als Minderheit im Auslande leben müssen. Ihre Lage kulturell und wirtschaftlich zu verbessern, ist selbstverständlich Pflicht jedes Reichsdeutschen.

Aus M-es Wett.

Das Oernen-Drama.

Andrèes Fahrt zum Nordpol vor dreißig Jahren.

Fraenkel!.. Strindberg! .. Wir wollen los- gehön!" Das waren die letzten Worte, die der schwedische Ballonfahrer Salomon August Andres am Sonntag den 11. Juli 1897 sprach, bevor er von Spitzbergen aus mit seinem BallonOernen" nordwärts in den weißen Tod hinausfuhr. Erst fünf Wochen spar ter erfuhr die bewohnte Welt, daß die viel umstrittene und von den düstersten Prophe­zeiungen begleitete Expedition tatsächlich angetreten worden war. Ein Posttaubenbericht, dessen Träger am 15. Juli vom Kapitän eines norwegischen Schif­fes abgeschossen worden war, brachte die Muigkeit. Der Bericht war vom 13. Juli datiert und lautete: Gewünschter Kurs nach dem Norden. Alles wohl." Außerdem fand man im Mai 1899 auf der Nord­küste Islands eine Korkflasche aus Andrèes Ballon, die am Morgen des IL Juli, also kurz nach der Ab­fahrt abgeworfen worden war und ebenfalls günstige Mitteilungen enthielt. Im September des­selben Jahres 1899 fischte man auf König Karls- land die große Korkflasche auf, die Andrée der Ver­einbarung gemäß abwerfen sollte, wenn die Oernen" den Punkt passieren würde, der dem Nordpol am nächsten liegt, aber die Flasche, die stark beschädigt war, enthielt keinen Bericht. Außer zwei anderen Flaschen, die auf Island angespült wurden, aber keine Meldungen bargen, fand man noch am 17. August 1900 an der Küste von Finmarken eine Flasche, aus deren Mitteilungen hervorging, daß Andrée nach zwei Tagen über derselben Stelle gekreuzt hatte, über der er bereits acht Stunden nach der Abfahrt gewesen war. Er hatte daher in zwei Tagen kaum 180 See­meilen zurückgelegt. Sonst fand man von Andrée und seinen Fahrtgenossen Fraenkel und Strindberg kein Lebenszeichen mehr. Die drei tollkühnen Nord­polfahrer blieben verschollen. Der Versuch, den

Nordpol mit einem Ballon zu überfliegen, h tragisch gendet.

Andrèe hatte stets die größte Zuversicht : Schau getragen. Von allen Seiten bekam i Warnungen zu hören, aber er schlug alle Ratschi in den Wind. Er erklärte immer wieder, er w die Fahrt, die schon ein Jahr vorher hätte st finden sollen, aber wegen ungünstiger Windverh Nisse verschoben worden war, unternehmen i hoffe, sie mit Erfolg durchzuführen. Als am M gen des 11. Juli dèr Moment der Abfahrt gest men war es wehte ein kräftiger Südwind Andree sehr kühl und nüchtern. Er maß, berechn J observierte, überlegte und gab den Befehl, i Ballon fahrtbereit zu machen. In diesem Aug blick beschlich den 25jährigen Strindberg, der e junge Frau zurückließ, ein Gefühl der Bangig! und vielleicht auch eine böse Vorahnung. Es sch ihn der Mut zu verlassen. Da ging Andrée Sache forsch an, sprang in die Gondel und rief erwähnten, denkwürdigen Worte:Fraenkel! Strindberg!... Wir wollen losgehen!" Das b seine Gefährten- in den Korb. Unter den schauern herrschte tiefes ergriffenes Schweig so daß man nur das Heulen des Windes u das Krachen der Segelleinwand des Hangars hör Dann gab Andree ein energisches Zeichen, daß m den Ballon loslasten solle und dieOernen" ftu ein fünftausend Kubikmeter großes Koloß mit eine fünfhundert Kilogramm schweren Korb, in d Luftraum. Nach einer Viertelstunde war i Ballon aus dem Gesichtskreis der Zurückgeblieben entschwunden. Mehrere Jahre später, am 1. 1901, vernahm die Welt mit entsetzensvollem Sta nen, daß Andree selbst den Mißerfolg seines Unte nehmens vorausgesehen hatte, daß er keineswq wirklich voll Zuversicht gewesen war, ja, er wußt er gehe in den sicheren Tod, in den er freilich seit 2 durch ihn optimistisch gestimmten Gefährten mitza An dem genannten Tage des Jahres 1901 öffne man das Paket, das seine letzten Verfügungen en hielt, und da fand man einen Brief des französisch, Ballonführers de Fonville, in dem dieser Andri völlig anflehte, von seinem waghalsigen Dorhab« abzustehen. Auf den Rand des Briefes schrieb Andi Es ist möglich, daß de Fonville red hat, aber jetzt ist es zu spät. Ich habe alle Vorb< reitungen getroffen und kann nicht mehr zurück- Aber noch mehr: Man stieß auch auf folgende eigen händige Aufzeichnung Andrees:Das ist mein les tes Testament, gemacht am Vorabend einer Reif voller Gefahren, einer Reise, wie die Welt sie not nie erlebt hat. Mein Vorgefühl sagt mir, daß dies schreckliche Reise für mich den Tod bedeutet."

DieOernen" ist wahrscheinlich ins Eismeer ab gestürzt, und zwar vermutlich infolge der Eisbildunj auf der Ballonhülle und im Netzwerk, eine An nähme, die durch die bei dem Nordpolflug bei Norge" und den Ozeanflügen der letzten Wocher gemachten Erfahrungen bestätigt worden zu seh scheint. Für den Absturz ins Eismeer spricht eins Wahrnehmung, die der Kapitän des holländischen DampfersDordrecht", Lehmann, machte. Er sah am 17. Juli 1897 im Weißen Meer dicht unter bei Küste von Kola einen _ fremdartigen GegenstoirÜ treiben, der nicht ein Schiffswrack oder ein tot® Walfisch sein konnte, weil er unter b ® Einfluß der Wogen und des Windes ftärtx feine Lage veränderte, bald vier Meter, bald ze Meter aus dem Wasser ragte und weil nicht der geringste Gestank verspüren ließ, den t< in Verwesung befindlicher Walfisch hätte ausströme,, müssen. Lehmann näherte sich dem Wrack bis auf eine Meile, ließ aber, als er kein menschliches Wesen bemerkte, wieder wenden, ohne eine nähere Nachforschung anzustellen. Als er nach seiner An­kunft in Archangelsk von Andrèes Abfahrt hörte, war er überzeugt, das Wrack derOernen" pesichteu zu haben. Diese Vermutung wurde von offizieller? Seite später akzeptiert.

So endete dasOernen"-Drama, deren Kata^ strophe durch sträflichen Leichtsinn herbeigeführt wurde, durch einen Leichtsinn, dem man nicht ein­mal Opitimismus als mildernden Umstand zubilligen kann.

Coste und BitroOe geben den Plan des Ozean- j fluges auf.

Paris, 16. Juli. Da die gestrigen Versuche des; Fliegers Coste zwecks Vorbereitung des Ozean-I fluges keine befriedigenden Ergebnisse gezeitigt : haben, so bedeutet das nach dem AbendblattParis Soir" sowohl den Verzicht Costes auf den Ozean-: flug, als auch den Verzicht des Fliegers Bitrottes, 1 der unter den gleichen Umständen wie Coste den ] Flug unternehmen wollte.

Flugzeugunfälle in Frankreich.

Im Departement Pas de Calais überschlug sich | beim Riedergshen ein mit zwei Mann besetztes 4 Flugzeug. Hierbei wurde einer der Flieger getötet,» während der andere verletzt wurde und ins Kranken- - Haus gebracht werden mußte.

Ein weiteres Flugzeugunglück ereignete sich im j unteren Seine-Departement, als ein Geschwader i des 22. Fliegerregiments infolge Nebels nieder­gehen mußte. Dabei geriet ein Flugzeug in einen Graben und überschlug sich. Während die vier In­sassen mit dem Schrecken davonkamen, trug der Pilot so schwere Verletzungen davon, daß er kurz darauf verstarb.

Aberglauben in Südslawien.

Die Deutschen sind dabei, mit dem Bau der großen Brücke zwischen Belgrad und Pancsevo, die ! die größte Donaubrücke fein wird, eine technische ; Großtat zu leisten. Zur selben Zeit ist in der Be- ! völkerung von Pancsevo ein fürchterlicher Aber- glaube aufgetaucht, der mit dem Brückenbau in Ver- bindung steht, denn es heißt, daß zum Bau das Blut keiner iKnder benötigt wird. Die abergläu- )ische Bevölkerung ist schon ganz genau informiert, ie will wissen, daß das Blut von 175 Kindern ge- inge. Wie die Blätter berichten, hat der Aberglaube in den in der Nähe von Pancsevo befindlichen Dör- ern schon geradezu hysterische Formen anaenom- nen und wenn sich ein Kind zufälligerweise ver- pätet, dann bekommen die Mütter Weinkrämpfe. Nach Einbruch der Dämmerung wird kein Kind mehr auf die Gasse gelassen. Es ist sogar schon das Gerücht verbreitet, daß sich die Leitung des Brücken- mues an den König mit der Bitte gewendet habe, >ie Erlaubnis zu erteilen, die 175 Kinder abschlach- en zu dürfen. Vor einiger Zeit sollen drei junge Leute aus der Ortschaft Kovin verschwunden sein und auch von ihnen heißt es, daß sie die Opfer des Brückenbaues geworden sind.

Tödlicher Absturz des Leiters der Magdeburger Luftpolizei. Der Leiter der Magdeburger Luftpolizei, Polizeihauptmann Decker, ist infolge Versagens des Motors aus 100 Meter Höhe abgestürzt. Das Flug­zeug bohrte sich tief in den Boden und wurde gänzlich zerstört. Heuptmann Decker starb auf dem Transport ins Krankenhaus,