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WWe«i»l-9iuti8«! MäS^MNamm Stadt und Land

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dem ÄS. SM

1922

Dottsaufftan- in Wien

lu«a« ©ementteaWowe« gegen ein «SesSKtsneieil. - See LuMwalatt in Veand gesteckt und bis ans den Grund Niebeessbeann«. - 40 Tote und 200 verwundete. - Genevaistreièbrobung. - riegierungSvücktvit« gesaedeet.

Oesterreichs Hauptstadt steht im Zeichen rtiger Demonstrationen. Polizei und Arbeiter mpfen miteinander, Tote und Verwundete eiben am Platze, Barrikaden werden errich- :, Druckereien, Wachen und Staatsgebäude stürmt, der mächtige Justizpalast, ein pracht- Aer Barockbau, wird an allen vier Ecken an­zündet und brennt bis auf den Grund nie- r, die Regierung wird aufgefordert, zurück­treten, andernfalls Generalstreik! Militär eist schließlich ein, Maschinengewehre knat- rn . . .

Was ist die Ursache dieses Aufruhrs? Das Siener Schwurgericht, wohlgemerkt das chwurgericht (zusammengesetzt aus 12 eschworenen) hat am Donnerstag abend drei citglieder eines rechtsgerichteten Frontkämp- rbundes, die in Schattendorf im Burgenlande flehentlich eines Zusammentreffens mit dem publikanifchen Schutzbunde, dem öfterreichi- )enReichsbanner", zwei tödliche Schüsse ab- :geben hatte, wegen Notwehr freigesprochen, ie Frage, ob die Angeklagten in Notwehr ge= indelt haben, wurde mit 7:5 Stimmen bejaht, ieser Freispruch veranlaßte die Wiener Ar- üterschaft am Freitag morgen zu demon- rieren und zwar in einem Umfange, der dem Airgerkrieg nahekommt. Ob die Demonstra- onsbewegung organisiert war, ober ob sie dntan erfolgte, scheint noch nicht ganz klar i sein. Sicherlich muß aber unter der Wiener evölkerung die Erregung groß gewesen sein, ienn die Nachricht von dem Freispruch eines -olksgerichtes eine solche Wirkung ausüben mnte. Es ist zur Stunde noch nicht möglich, n Urteil über die Schuldfrage abzugeben. Es egt uns auch fern, ein leichtfertiges Urteil der Vorgänge zu fällen, die sich von hier aus icht überschauen lassen, aber das Befremden luß schon heute zum Ausdruck gebracht wer- en, daß in einem Kulturstaat ein Aufruhr in sich ungeheurem Umfang möglich war. Die Siener Polizei scheint vollkommen versagt zu oben, denn sonst wäre eine derartige Ver­dung von Gewalttaten nicht möglich gewesen.

Die Folgen der gestrigen Vorgänge in ßien sind noch nicht abzuflehen. Es besteht die lbsicht, die Regierung Seipel, gebildet aus christlichsozialen, Landbund und Großdeut- chen, eventuell mittels eines Generalstreiks zur Demission zu zwingen. Ob die Regierung Herr er Lage bleiben wird, ist, nach den gestrigen 3prgängen geurteilt, mehr als zweifelhaft.

Die ÄvsaGe des Lâttvuhen.

Dien, 15. Juli. Gestern spät abends ging der Prozeß wegen der Schattendorfer Zusammenstöße wischen Frontkämpfern und republikanischen Schutzbündlern zu Ende. Das Urteil lautet gegen tlle drei Angeklagten auf Freispruch von sämtlichen öchuldfragen. Um gegen den Freispruch ^er drei burgenländischen Einwohner, die am 30. sanuar drei Mitglieder des sozialistisch-republikani- chen Schutzbundes angeblich in Notwehr erschossen tasten, zu protestieren, veranstalteten heute die An­gestellten der sozialistischen Stadtverwaltung Wiens inen einstündigen P r o t e st st r e i k. Dieser machte ich dadurch besonders fühlbar, daß von 89 Uhr )ie elektrische Straßenbahn still stand. Am späteren Bormittag zogen dann zahlreiche protestierende Demonstranten, die noch durch Zuzug aus den Vor- täbten verstärkt wurden, über die Ringstraße und tauten sich vor dem Parlament und dem Justiz­palast, dessen Fensterscheiben durch Steinwürfe zum Teil zertrümmert wurden. Als eine Wache die Menge zerstreuen wollte, ging diese zum Angriff über, so daß die Polizei von der Waffe Gebrauch machte. Soweit bisher bekannt geworden, wurden etwa 20 Demonstranten mit Schußverletzungen auf die Rettungsstationen gebracht. Auch einige Beamte sind durch Steinwürfe und Schläge mit Holzlatten verwundet worden. Seit heute morgen ist

Wien der Schauplatz leidenschaftlicher Kund­gebungen

and Arbellerdemonstrationen. Es kam zu blutigen Ausschreitungen. Trupps der Arbellerfchaft zogen heute vormittag vor das Parlament, ebenso vor den Iustizpalast und die Universität. Üeberall wurden zahlreiche Fenster eingeschlagen, und die Menge ver­suchte, in die Gebäude einzudringen. Dies gelang ihr auch beim Justizpalast, der sich in unmittelbarer Nähe des Parlaments befindet, wo sich die Wache als zu schwach erwies. Die Menge stürzte in das Gebäude und richtete dort arge Verwüstun­gen an. Gegen mittag dauerten

die wüsten Szenen beim Justizpalast fort. Rauchsäulen aus dem Gebäude beweisen, daß bas Gerücht von einer Brandleauna der Akten und

der Einrichtung auf Wahrheit beruht. Die Demon­stranten haben den Justizpalast von allen Seiten umzingelt und die Straßen abgesperrt. Sie haben um den Justizpalast herum Seile gezogen, oder aus Bänken und Gerüsten von verschiedenen Seiten her Barrikaden aufgestellt. Die Polizei hat sich vom Justizpalast vollständig zurückgezogen. Nach späte­ren Meldungen ist der Justizpalast voll von ein­gedrungenen Demonstranten, die aus den Fenstern massenhaft Akten und Einrichtungsgegenstände auf die Straßen werfen. Ueberall wurden Scheiterhaufen errichtet und die Sachen auf diesen verbrannt. U. a. wurden zwei Kaiser­bilder heruntergeworfen und eines an einen Later­nenpfahl aufgehängt, während an einem anderen Laternenpfahl Uniformen von Wachleuten hängen.

D8s M^ei evhMsi das Sessev.

Wien, 15. Juli. Kurz vor 2 Uhr hörte man vor dem Parlament aus der Richtung des Bezirks Josefstadt Gewehrschüsse, was eine allgemeine Panik hervorrief. Der Polizeipräsident hat stärkere Poli­zeiabteilungen, mit Karabinern ausgerüstet, zum Justizpalast und zum Rathaus gesandt. Inzwischen war unter den Demonstranten das falsche Gerücht verbreitet worden, daß

Militär von außerhalb Wiens anrücke.

Indessen begannen die Demonstranten, das Rathaus mit Barrikaden zu umgeben, in der Annahme, daß das Militär zunächst dieses Gebäude besetzen werde.

Von etwa 2 Uhr ab wird das Gebiet beim Justizpalast und beim Parlament, sowie die ver­barrikadierte Umgebung des Rathauses mit Gewehr­salven gesäubert. Das Schießen dauerte etwa drei­viertel Stunden, und es dürsten

etwa zwanzig Salven

in die zusammengeballte Menge gefeuert worden sein. In den Höfen und Räumen des Parlaments liegen Tote und Verwundete in unbekannter Zahl.

Die Erbitterung ist gegenseitig sehr groß. Es scheint, daß während der Belagerung des Justiz- palastes eine größere Zahl von Polizisten, die dort Zuflucht gefunden hatten, von den Demonstranten herausgeholt, mißhandelt und vielfach schwer ver­wundet worden sind.

D8e âomörmrrMen versuchen die Führung in vSe Sand zu dsssmmen.

Die Demonstrationen scheinen nicht von der Sozialdemokratie organisiert, sondern wild entstan­den zu sein. Die Kommunisten hintertreiben alle Einigungsbestrebungen zwischen Schutzbündlern und den sonstigen sozialdemokratischen Organisationen. Am Schmetterlingsplatz in der Nähe des Parla­ments demolierten die Demonstranten ein Baugerüst an einem vierstöckigen Haus. Das Gerüst stürzte zusammen, wobei zahlreiche Personen verletzt wur­den. Auf Grund einer sozialdemokratischen Inter­vention wurde schließlich die Polizei von dem Par- lamentsgebäude zurückgezogen. Sie hält zur Zeit noch die Nebenstraßen besetzt. Zur Stunde spielen sich schwere Straßenkämpfe ab bei der Wachstube gegenüber dem Rachaus. Etwa 50 Polizisten hiel­ten die Fenster des Gebäudes besetzt. Sie mußten vor der anstürmenden Menge flüchten, die das ge­samte Mobiliar auf die Straße warf und es dort anzündete. Gegen 11 Uhr wurde von mehreren 100 Demonstranten

das haus der grohdeutfchenWiener Neuesten Nachrichten" gestürmt.

Die Polizei versuchte vergeblich, die Zufahrts­straßen abzuriegeln und machte hierbei von der Schußwaffe Gebrauch. Ein Polizist wurde schwer verletzt vom Platze getragen. Schließlich mußte die Polizei der Uebermacht weichen und verschanzte sich in dem Haus, um die Maschinenräume zu retten. Die im Erdgeschoß liegenden Räume der Zeitung und die Privaträume wurden vollständig ausge­plündert. Gegen 12 Uhr mittags lebte dort die Unruhe wieder auf, da die Demonstranten großen Zuzug aus den auswärtigen Bezirken erhielten. Ein größeres Aufgebot berittener Polizei drang mit blanker Waffe auf die Menge ein.

Dev Bvand des SuMsNaHafLes.

Prag, 15. Juli. Die über die heutigen Ereig­nisse in Wien bis 19.50 Uhr hier eingegangenen Meldungen widersprechen sich vielfach. Sicher ist, daß das Justipalais brennt und daß das Feuer nicht gelöscht werden kann, da die Demon­stranten die Feuerwehr daran hindern. Eine P o- lizeiabteilung, die der Feuerwehr ihre Tätig­keit ermöglichen sollte, wurde entwaffnet. die Beamten wurden mißhandelt. Ein Wachmann soll hierbei von einem Demonstranten erschossen wor­den sein. Alle Meldungen stimmen darin überein, daß noch in den späten Nachmittagsstunden in den Straßen Schüsse fielen, doch hatte es um 18 Uhr den Anschein, daß die Polizei das Aebege- w i ch t erlangt und die Demonstranten aus dem Stadtinnern zurückdrängt, völlig widersprechende Meldungen liegen auch über das Verhalten des Re- »ubükamschen Schutzbundes vor, Echem Bericht

zufolge ist diese Organisation bestrebt, um jeden Preis die Ordnung wieder herzustellen. Ihre Mit­glieder haben die in das Innere der Stadt führen­den Brücken abgesperrt, um den Zustrom wei­terer Demonstranten zu verhindern, während nach anderen Mitteilungen die Mitglieder dieser Orga­nisation im Rücken der Polizei manövrieren, diese aber nicht unterstützen, ja an ihrer Tätigkeit hindern sollen. Die Nachrichten, daß die Gebäude derWiener Neuesten Nachrichten", derReichs­post" und derOesterreichischen Tageszeitung" de­moliert wurden, werden bestätigt, nach einer ande­ren Version sollen sie in Brand gesetzt worden sein.

Eine spätere Meldung besagt:

Der Brand im Justizpalast hat seinen Höhepunkt ereicht. .Das ganze riesenhafte Gebäude ist ein einziges Flammenmeer, über das die roten Flammeuzungen 20 Meter hoch zusammeaschlagen. Eine gewaltige Rauchwolke bedeckt den Himmel. Dieses grausige Schauspiel können die beim Bundes­kanzler Dr. Seipel in seinen Räumen auf dem Dallplah versammelten fremden Gesandten beobach­ten. und zugleich auch die immer wieder aus der Ferne ertönenden Schüsse hören.

Die Feuerwehr, die sich dem Juskizpalast nähern wollte, wurde zurückgehalten, so daß der riesige Justizpalast bis auf den Grund niederbrannte.

DkevzSg Tvdesvvssv io Wseu?

Berlin, 15. Juli. Nach einer Meldung der Voss. Ztg." aus Dien erklärte der Chefarzt der Diener Freiwilligen Retlungsgefellschasten, daß nach seiner Kenntnis die Zahl der Opfer bisher vierzig Tote und zweihundert Ver­wundete beträgt.

Dov dem Genevalftvetk.

Prag, 15. Juli. Meldungen, die aus Wien hier eingingen, besagen: Das Präsidium der österreichi­schen sozialdemokratischen Partei trat heute mittag zusammen und erklärte sich in Permanenz. Auch das ganze Plenum des Ausschusses der Gewerk­schaftszentrale wurde zur Mitarbeit eingeladen. Ueber diese Tagung wurde bisher kein offizieller Bericht ausgegeben, doch verlautet, daß beschlossen wurde, für Wien und Umgebung den General streik der gesamten Arbeiter­schaft zu proklamieren. Dieser soll auch auf die Buchdruckereibetriebe ausgedehnt werden. Von Wiener Blättern wird morgen nur dieAr­beiterzeitung" erscheinen.' Die Straßenbahnange­stellten und die Beamten des Post- u. Telegraphen­dienstes haben sich mit der Arbeiterschaft solidarisch erklärt. Bisher ist es ungewiß, ob auch die Eisen­bahnangestellten den Dienst einstellen werden. Nach einer um 19 Uhr eingegangenen Meldung soll das Präsidium der österreichischen sozialdemokratischen Partei beschlossen haben, eine Deputation zum Bun­deskanzler Seipel zu entsenden und ihn zum Rück­tritt aufzufordern. -- Eine weitere Meldung aus Wien besagt: Vor dem Gebäude der Druckerei und Redaktion derReichspost" kam es zu stürmischen Demonstrationen. Die angesammelten Demonstran­ten durchbrachen den Polizeikordon, der sie an dem Eindringen in das Gebäude hindern sollte. Das ganze Unternehmen wurde von den Demonstranten verwüstet und auch die Druckereimaschinen vernich­tet. DieReichspost" wird nicht erscheinen.

KüBLEi dev Regisseurs gekovdevt

Prag, 15. Juli. Nach einer Meldung aus Wien erschienen um 18 Ahr bei dem Bundeskanzler Dr. Seipel die Gesandten der in Wien akkreditierten Staaten zu einer Besprechung über die Situation. In den Straßen Diens wurden Flugblätter verteilt, in welchen der Rücktritt Seipels und Schobers verlangt wird. Ebenfalls wird mit dem Generalstreik gedroht. Die ausländischen Jurnalisten sehen die Stellung der Regie­rung als erschüttert an. Entgegen den Mel­dungen, daß das Militär versagt haben solle, wird festgestelll, daß das Militär deshalb nicht einschrilt, well es durch Bürgermeister Dr. Seitz zurückgehallen wurde. Der Justizpalast ist bis auf den Grund niedergebrannt. Es wurden sämt­liche Grundbücher, Prozeßakten und zahlreiche an­dere Dokumente vernichtet.

Erusveiseu dev Mittiâvmacht.

Nach einer Nachtmeldung aus Wien ist es der Polizei in den Abendstunden gelungen, die Aufstän­dischen bis in die Vorstädte zurückzudrängen. Wei­ter wird von einem Eingreifen der Militärmacht be­richtet. Am 7 Ahr abends ist vor dem Parlament ein Bataillon Infanterie mit Maschinengewehren aufmarschiert, um das Gebäude zu schützen. Außer­halb Wiens in den übrigen Bundesländern herrscht vollkommene Ruhe. Nach Ansicht der Blätter ist nicht anzunehmen, daß, selbst wenn es in Wien zur Aus­rufung einer sozialistischen Republik käme, die üb­rigen Bundesländer ihr Folge leisten würden.

Sestevveichischev Miuistevvat.

Preßburg, 16. Juli. Aus Wien wird berichte^ gestern nachmittag wurde ein mehrstündiger Mi- nisterrat abgehalten, zu dem auch Polizeipräsident Schober, Generalpostdirektor Hoheisel und die lek tenden Beamten des Bundeskanzleramtes hinzu­gezogen worden waren. Ferner fand eine Aus­sprache zwischen dem Bundeskanzler und den sozia- listischen Abgeordneten Seitz und Dr. Bauer statt) Die Regierung hat alle Vorkehrungen getroffen, um eine Wiederkehr der Unruhen in den nächsten Tagen nach Möglichkeit zu verhindern. Darüber, ob bei Nationalrat einberufen werden soll, ist noch keim Entscheidung getroffen. Der Ministerrcck wird heut« früh zusammentreten.

Fvaurdüsche LMnLsSZüse itt dev Netavuusssvage.

Paris, 15. Juli. Zwei Tage bevor das Parla^ ment auf Ferien ging, fand zwischen dem Außen­minister Briand durch Bermittlung seines! Kabinettschefs und dem Senator Lemery ein Mei­nungsaustausch über die von dem genannten Sena^ tor eingebrachte Interpellation statt. Lènrery hatts an Briand eine Anfrage über Me Herabsetzung dep französischen Okkupationstruppen im Rheinland ge­richtet. Auf Grund der Botschafternote, die, wie ich erfahre, in der Senats kommission für auswärtig« Angelegenheiten noch nicht eingehend erörtert wor­den ist, wünschte Senator ßémerg darüber Auf­klärung, ob Briand in der Beurteilung der Note mit Stresemann und Ehamberlaiu übereiirstimme.

Die persönliche Ansicht des Senators scheint dahin zu gehen, daß die Botschafternote den Zeitpunkt der Truppenoerminderung auf normale Ziffern nickst präzisiert und über diese Ziffern selbst eine Ver­ständigung noch Mstande kommen müßte.

Der Außenminister soll gemäß einer mir gemach­ten Mitteilung den Standpunkt der mahgèbendev Persönlichkeiten des Quai d'Orsay teilen, die bei Botschafternote nicht die auf deutscher Seite gelten! gemachten Bindungen zuerkennen. Anter Hinweis auf die noch nicht erfolgte Aussprache in der Senats, kommission sucht man jetzt die Entscheidung hinaus­zuziehen. Bis Mitte Oktober soll die Frage dt Schwebe bleiben.

Poincaräs Einfluß machte sich bei der b8a*. torischen Behandlung der Angelegenheit insofern gel­tend, als der Ministerpräsident in einer RücksprâckM mit dem Borsitzenden der Senatskommission die Mei­nung äußerte, es würden während der Parlaments­ferien keine vollzogenen Tatsachen hinsichtllch bet Besatzungsfrage geschaffen werden. Man erklärt heute in amtlichen Kreisen, daß Poincars während seines Brüsseler Aufenthalts mit dem Kriegsminister! de Brocqueville und mit Dandervelde über die Truppenverminderung sprechen werde. General Dégoutte, der Poincarè begleitet, wird an der Be­sprechung teilnehmen. Die Rechtspresse läßt durch­blicken, daß Poincarë auf die Gefahr der deutschen Geheimrüstungen Hinweisen und gewiße praktische Vorschläge machen wird.

Dov dev Ktttteseron Deutsch- EafvEas KttvG GnsSasrd?

Berlin, 15. Juli. Die englische Regierung ver­öffentlicht die Instruktionen für die Kommission die nach Ost-afrika gesandt wevden soll, um das Pro­gramm der Vereinigung der dortigen eng­lischen Kolonien und des Mandats- g e b i et e s Tanganjika (früher Deutsch-Ost- afrika) zu fördern. Sie enthält folgende Punkte:

1. Möglichkeit einer Föderation oder einer Union.

2. Umfang der Föderation unter besonderer Be­achtung des Art. 10 des Mandats für Tangan­jika.

3. Eine gemeinsame gesetzgebende Körperschaft.

4. Fortführung der Dual Politik für Eingeborene und Weiße.

5. Förderung und Vereinfachung des Verkehrs zwischen den Ländern.

Oie Genßev Gseabvüftunss- âSS-ßSVSM.

Die Hauptschwierigkeit: Die Einigung zu Dreien»

Genf, 15. Juli. Die gestrige Vollsitzung bet Marmekonfnrenz bildet heute natürlich den Gegen­stand zahlreicher Kommentare, während die Sach­verständigen der drei Delegationen in privaten Be­sprechungen bereits an der Arbeit sind, die verschie­denen Vorschläge der Japaner und Engländer zu untersuchen. Die offiziellen Komiteesitzungen wer­den immer seltener, weil die Sachverständigen der drei Delegationen angesichts der offenkundig ent­stellenden Indiskretionen, die vorgekommen sind, zunächst ganz unter sich verhandeln wollen und die französischen und italienischen Beobachter erst hin­zuzuziehen wünschen, wenn sie ihrer Sache sicher iind. Daß die Vollsitzung der Konferenz einen von der Oeffentlichkeit festgestellten Erfolg der bisheri­gen Verhandlungen und eine Annäherung der Standpunkte bedeutet, wird heute kaum noch be- tritten. Ueber die Bedeutung dieses Erfolges gehen Teilid) die MejmuMB nod) weit auseinander. Ns?