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Stift 2 '

Sahm sprach in seiner Begrüßungsrede der Reichs­regierung seinen tiefgefühlten Lank für den Flottenbesuch aus. Der Präsident betonte die innigen Beziehungen zwischen der Freien Stadt Danzig und dem Deutschen Reiche. Das köstlichste Gut, das Dan- pg besäße, sei sein Deutschtum. Er schloß mit einem hoch auf das Reich und den Reichspräsidenten.

Der Kommandant derHessen", Kapitän Dinker­mann, betonte in seiner Erwiderung, daß das Deutsche Reich niemals das Gefühl der Zusammen­gehörigkeit mit all den abgetrennten deutschen Brü­dern verloren habe. Die deutschen Kriegsschiffe seien gekommen, um zu zeigen, daß Deutschland nach wie vor mit den Deutschen in Danzig fühle.

Volttistbe Schlägereien.

Berlin, 12. Juli. Anläßlich der Feier des dritten Reichsjugendtages des Bundes der Kaufmanns- jugend im D.H.V. in Hamburg wurde ein Fackelzug nach dem Bismarck-Denkmal veranstaltet. Nach Be­endigung der Feier am Bismarckdenkmal zogen etwa 400 Teilnehmer geschloffen nach ihren Quatie- ren. Sie wurden nach einer Meldung derDoss. Ztg.", von mehreren hundert Personen überfallen, wobei es zu wüsten Schlägereien kam, bei denen mehrere Personen durch Stockhiebe, Steinwürfe usw. verletzt wurden. Außerdem ereigneten sich an andere« Stellen neberfäUe, wobei auch ein Schuß fiel, der einen Ausländer in den rechten Unter­schenkel traf.

Der daserrsche Pressechef gegen Zentvnm.

Reichskanzler a. D. Dr. Wirch veröffentlicht in einer Korrespondenz einen »Politische Freibeute­reien" überschriebenen Artikel, in dem darauf hinge- wiesen wird, daß ta her in Porto Alegvo erscheinen­den »Rene« Deutschen Zeitung" schwere Beschimp. jungen des Zentrums zu finden waren. In diesem Artikel sei ausgeführt worden, daß tne Zentrums- Partei schmutzige Hände bekommen habe. Wie nun Dr. Wirth mitteilt, ist der Derfaffer dieser »Mün­chener Briefe" der Pressechef der bayerischen Staotsrsgierung, Dr. Eisele. Dr. Wirth schließt feinen Artikel: »Ich habe nunmehr zu prüfen, ob ich Herrn Dr. Eisele vor Gericht stellen soll, oder ob es nicht bester ist, durch eine kurze Darlegung des Sachverhaltes der breitesten Oeffentlichkeit das Urteil über das Vorgehen eines katholischen Be- amten und Publizisten zu überlassen."

totalerem bet katboU Parteien Envovas.

Köln, 12. Juli. Am 9. und 10. Juli hat in Köln eine Zusammenkunft von Vertretern der ch r i st - lich-demokratischen Parteien Euro­pas stattgefunden. Es waren anwesend Vertreter der Demokratischen Volkspartei Frankreichs, der in der Katholischen Partei Belgiens bestehenden demo­kratischen Gruppe, der Römisch-Katholischen Staats- parlei der Niederlande, der Christlich-demokratischen Partei Litauens, der Deutschen christlich-sozialen Partei der Tschechoslowakei, der Dolkspartei Italiens und der Zentrumspartei Deutschlands.

Gegenstand der Beratungen war die Lage, die Arbeit und die Aufgaben der Parteien in den ein­zelnen Ländern. An die Berichte der Vertreter der einzelnen Länder schloffen sich eingehende Aus­sprachen. Besondere Anteilnahme fand bei allen Teilnehmern das Schicksal der Volkspartei Italiens. Diese Zusammenkunft war die dritte dieser Art. Im Jahre 1925 und 1926 haben Zusammenkünfte in Paris und Brüssel stattgefunden. Die nächste Zu­sammenkunft wird in Holland erfolgen.

Sie Devetnigten Staaten und die Seeabrüssnnsskonferenr.

Washington, 12. Juli. Gegenüber Presseberichten »us Genf über neue britische Vorschläge auf der Seeabrüstungskonferenz wird im Staatsdeparte- ment erklärt, daß Gibson in den letzten drei Tagen nichts über eine neue Entwicklung der Dings ge­meldet habe. Es handle sich hier offenbar um eng­lische Fühler oder auch um Vorschläge aus dem Kreise der Sachverständigen. Die amerikanische Re­gierung hält auf alle Fälle an einer Festsetzung der Gesamttonnage fest, da nur hierdurch eine Garantie für eine Beschränkung der Rüstungen in gewissem Maße gegeben sei. Die allgemeine Stimmung hier geht dahin, daß die Vereinigten Staaten an der Grenze ihrer Zugeständnisse angelangt seien und daß sich vielleicht eine zweiwöchige Pause empfehle, mn England Gelegenheit zu geben, feine Haltung zu revidieren.

Ein neues TodeSuvteN ruMoSkau

Moskau, 13. Juli. Der Militärgerichtshof ver­urteilte Frau Klepikow, die Gattin des ehe­maligen Komandanten eines der baltischen Flotte angehörenden Schiffes wegen Beihilfe zum Auf­stand, zum Tode. Der Mann ist wegen Spionage zu Gunsten Englands unlängst erschossen worden.

W>iebe«kttfttübttte bet Beziehungen zwischen Sngo- siawien und Albanien.

Rom, 12. Juli.Corriera della Serra" erfährt aus Belgrad, daß die Wiederaufnahme der diploma­tischen Beziehungen mit Albanien unmittelbar be- rorstände. Der frühere jugoslawische Generalkonsul von Skutavi, der sich in Podgoriza aufhalte, werde in den nächsten Tagen als Geschäftsträger nach Tirana gehen. Bis zum nächsten Freitag werde aber der neue lugoslawische Gesandte Jevcic mit dem Gesandschaftspersonal in Tirana emtrefsen.

Amerikanisches «ltimainm an einen nicaraguanischen General.

Managua, 12. IM. (Reuter.) Der komman­dierende Offizier der hier stehenden Abteilung Marinetruppen der Vereinigten Staaten hat an den früheren liberalen Führer, General Sandinom, der, wie die hiesigen amerikanischen Behörden nritteilen, amerikanische Bergwerke in San Fernando besetzt hat und dort Steuern erhob, ein Ultimatum ge­richtet. Das Ultimatum fordert den General auf, bis Donnerstag abend 8 Uhr die Waffen nieder­zulegen. Sandinom, der angeblich eine Truppen­macht von 1000 Mann mit vier Mafchinengeweh» von zu feiner Verfügung hat, wurde mitgeteilt, daß er im Falle einer Ablehnung des Ultimatums von den vereinigten StreUkräften der nicaraguanischen Konservativen und der Vereinigten Staaten am yqrffim werden würde.

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UoLncaeès Kabinett sevsiiei.

Sie tvatziresorw von bet Kammer angenommen. Unterstützung poincarss Staab die Radikalen.

Paris, 12. IM. Die Kammersitzung dauerte bis morgen 4.15 Uhr. Die Wahlrechtsreform wurde zu­letzt mit 320 gegen 235 Stimmen gutgeheißen. In der Debatte wurde am Abend zunächst der Zusatz­antrag des Abg. Piëtri abgelehnt, wonach die Ab­geordnetendiäten von 45 000 auf 30 000 Franken herabgesetzt werden sollten. Artikel 2 wurde darauf durch Handaufheben genehmigt. Dadurch wird die Abgeordnetenzahl endgültig auf 611 festgesetzt. Ar­tikel 3 gab zu großer Opposition Anlaß. Dieser Ar­tikel bestimmt, daß im ersten Wahlgang ein Abge­ordneter nur dann gewählt ist, wenn er die abso­lute Stimmenmehrheit erlangt hat, vorausgesetzt, daß die Zahl der erhaltenen Stimmen wenigstens ein Viertel der Zahl der eingetragenen Wähler dar­stellt.

Die vom Innenminister heute im Senat einge­brachte Wahloorlage wurde sofort an die zustän­dige Kommission weitergegeben, die sich zunächst gegen den Antrag Klotz aussprach und dann mit 16 gegen eine Stimme beschloß, im Senat morgen die unveränderte Annahme des Kammertextes zu be­antragen.

«ntevstStznns btiM die Radi­kalen.

Paris, 12. Juli. Die radikale Kammerfraktion hat in einer heute nachmittag abgehaltenen Sitzung nach einem Bericht des Vorsitzenden des Finanz­ausschusses der Kammer, des Abg. Malvy, eine Entschließung angenommen, in der zum Ausdruck kommt, daß die Fraktion bei aller Berücksichtigung der Interessen der Beamten und Pensionäre keine Regelung verantworten könnte, durch die das Dud- getgleichgewicht und die Finanzierung des Landes gefährdet würden. Aus dieser Entschließung und der vorangegangenen Diskussion ergibt sich, daß mehr als zwei Drittel der radikalen Fraktion für die von der Regierung in der Frage der Gehalts­aufbesserung gemachten Vorschläge eintreten und be­müht sind, das Kabinett in dieser Frage zu unter­stützen. Damit ist die Möglichkeit einer Kabinetts­krise, die nach der gestrigen Abstimmung der Finanzausschusses der Kammer gegeben war, aller Voraussicht nach ausgeschallet.

In der krisenhaften Lage in der vor diesem Be­schluß der Radikalen das Kabinett Poincarä schwebte, gibt die nachstehende Meldung vom Diens­tag vormittag einen guten Einblick.

Paris, 12. Juli. Der Hochbetrieb, der im fran­zösischen Parlamentarismus vor Beginn her Som- merferien herrscht, wird, wenn nicht alle Anzeichen trügen, doch noch die Entscheidung über das Schick­

Arts Mes WM.

Das MMew ist Palästina.

Jerusalem, 12. Juli. Die englischen Flieger- ableilungen unterstützten wirksam die Hilfeleistungen in den gestern vom Erdbeben betroffenen Orten Palästinas. In Hebron wurden vier Personen ge­tötet. Die Städte Gaza, Akros und Berseba sind unversehrt, hingegen sind in Sasad und Tiberias Sachschäden zu verzeichnen. In etwa zwanzig Städten und Dörfern sind sieben Opfer an Men­schenleben zu beklagen.

Jerusalem, 12. Juli. Rach den letzten offi­ziellen Angaben beziffern sich die Opfer des Erd­bebens auf 6 2 Tote und 250 verwundete. Ein Bazar in Rablus stürzte ein; die Toten sind noch nicht geborgen.

Jerusalem, 12. Juli. In Amman wurde das britische Amlsgebäude durch das Erdbeben zerstört. Acht Personen sind dabei ums Leben gekommen. In Essalt hat sich die Zahl der Opfer auf 85 erhöht.

Jerusalem, 13. Juli. Rach behördlichen Schätzun­gen hat das Erdbeben in Palästina über 150 Tote, im Lande jenseits des Jordans etwa 100 Tote ge- sordert. verletzt sind über 500 Menschen. Europäer- befinden sich nach den bisherigen Meldungen nicht unter ihnen.

Martyrium einet Töchter.

25 Jahre in einer dunklen Kammer eingesperrt.

Wien, 12. Juli. Aus Göding wird von einem furchtbaren Verbrechen im Hause des Kaufmanns Weinberger berichtet. Die Polizei fand dort vor einigen Tagen die Tochter des Kaufmanns in einer dunklen Kammer eingesperrt. In dieser dunklen Kammer hat das unglückliche Wesen bereits 25 Jahre gelebt.

Wiederholt hatten die im Hause angestellten Dienstmädchen in furchtbarer Angst erzählt, daß es in dem Hause spuke. Das letzte Dienstmädchen er­zählte auch, daß Frau Weinberger oft in der Küche schnell irgend etwas zubereitete und hinaustrug, wohin, konnte niemand sagen. Die Polizei, die von diesen Erzählungen erfuhr, drang in Begleitung eines Arztes in das Haus ein. Sie befahl dem Ehe­paar, alle Türen sofort zu öffnen. Als sie an die Tür einer kleinen Kammer kamen, und diese ze- öffnet wurde, drang ihnen eine entsetzliche Moder­luft entgegen. Beim Scheine einer elektrischen Taschenlampe bot sich den Polizisten

ein entsetzlicher Anblick.

In der dunklen Kammer stand eine Kiste, in der sich ein menschliches Wesen bewegte, das je­doch einem Tiere ähnlicher sah als einem Menschen. Das Wesen strotzte vor Ungeziefer. Auf die entsetz­ten Fragen der Polizei antwortete das Ehepaar Weinberger zögernd, daß dieses Wesen ihre jetzt 42jährige Tochter sei, die seit 25 Jahren in einer dunklen Kammer eingesperrt sei. Beide Eltern wur­den sofort verhaftet. Die Tochter Klara, die nur 25 Kilo wog, wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Die Untersuchung der Angelegenheit hatte fol­gendes Ergebnis: Dor 8 Jahren kam das Ehepaar Weinberger nach Göding, verheimlichte aber vor der Behörde, daß es eine Tochter hatte. Bevor die Familie Weinberger nach Göding zog, wohnte sie in dem nicht weit entfernten Orte Mulienitz. Die dortigen Einwohner erinnerten sich, daß das Ehe-

sal des Kabinetts Poincarè bringen. Das Gesetz über die Wahlreform ist zwar heute früh 4 Uhr von der Kammer angenommen worden, aber es ist noch keineswegs sicher, ob es dem Ministerprä­sidenten gelingen wird, alle Schwierigkeiten, die zunächst im Kabinett selbst liegen, erfolgreich zu überwinden, und schon taucht ein neuer Streitpunkt auf, der, nach dem bisherigen Verlauf der Ent­wicklung' zu urteilen, geeignet sein dürfte, das Schicksal des Kabinetts der nationalen Einigung zu besiegeln. In der Frage der Beamtenb efoldung sind die Gegensätze in der gestrigen Sitzung der Finanz- kommifsion der Kammer so hart aufeinander­geprallt, der Ministerpräsident hat sich gegenüber dem Willen der Kommissionsmehrheit so hartnäckig und unnachgiebig gezeigt, daß erneut, und zwar in verstärktem Maße, in den Wandelgängen des Par­laments Krisengerüchte verbreitet werden. Der Konflikt brach mit voller Wucht aus, als in der Kommission der frühere Minister Lamoureux den Antrag stellte, die von der Regierung für die Er­höhung der Beamtengehäller vorgesehenen drei Millcarden um weitere 450 Mill, zu erhöhen. Da Poincores gegensätzlicher Standpunkt in dieser Frage bekannt war, wurde eine Delegation unter Führung des Vorsitzenden der Finanzkommission Malvy zu Poincare entsandt. Der Ministerpräsi­dent, der die Delegation sehr kühl empfing, ver­sicherte erneut, daß er unter keinen Um­ständen von dem einmal eingenom­menen Standpunkt abweichen könne. Er werde die Vertrauensfrage in der Kammer stellen. Nach dieser Stellungnahme Poincarës steht die Entwicklung auf des Messers Schneide. Die Kom­mission nahm den Antrag an, der eine Erhöhung der von PoincarL zur Verfügung gestellten drei Milliarden um 450 Millionen vorsieht, indem die Beamtengehälter rückwirkend vom 1. August 1926 und nicht erst vom 1. Januar 1928 auf gebessert werden sollen. Die Kammer wird sich morgen mit dieser Frage befassen. Nach der gegenwärtigen Lage der Dinge ist anzunehmen, daß die gesamte Linke in der Kammer für den Antrag der Kom­mission, also gegen Poincarä stimmen wird. Auch die Rechte zeigt sich über die Wahlreformfrage so erbittert, daß sie anscheinend nicht gewillt ist Poin- caré zu halten. Marin, der rechtsgerichtete Pen­sionsminister des Kabinetts, hat bisher stets gegen die Wahlreformvorlage gestimmt. Wenn sich An­hänger in der Kammer feinem Vorgehen anschlie­ßen, oder mindestens der Stimme enthalten, dann ist mit einem Sturz zu rechnen. Interessant ist, daß gestern Poincarè selbst in der Kammer erklärt haben soll, die Kammer müsse es sich zweimal über­legen, bevor sie ihn stürzen wolle, denn sie würde ihn nicht mehr wiedersehen. /

paar Weinberger eine Tochter hatte. Diese war eine ausgesprochene Schönheit und

liebte den Orlslehrer.

Der Vater, ein orthodoxer Jude, verweigerte jedoch eine Verbindung seiner Tochter mit dem Lehrer, da dieser ein Christ war. Eines Tages war die Tochter aus Mutienitz verschwunden. Auf Fragen erklärte Weinberger, daß seine Tochter für immer zu Verwandten in Wien gezogen sei. Später übersiedelte Weinberger dann nach Göding, wo sich niemand für das Mädchen interessierte, da nie­mand von ihr wußte. Bei der Untersuchung er­klärte Weinberger, seine Tochter sei eines Tages vor 25 Jahren plötzlich wahnsinnig geworden. Er habe eine Ueberführung in die Irrenanstalt ver­hindern wollen und sie deshalb in eine dunkle Kammer gesperrt. In der Umgegend von Göding hat die bestialische Tat eine furchtbare Erregung unter der Bevölkerung hervorgerufen

Die Trauerfeier für den Prinzen Sigismund.

Berlin, 12. Juli. In der Kirche von Nikolskoe fand heute eine Trauerfeier für den in Luzern verunglückten Prinzen Sigismund von Preußen statt. Am Sarge hielten die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oscar sowie Prinz Bentheim Wache. An der Trauerfeier nahmen außer den An- gehörigen u. a. teil: Reichspräsident v. Hindenburg, Generalfeldmarschall v. Macken en, General v. Kluck, Prinz Christian von Dänemark und der schweizerische Oberstleutnant Söhr. Auch der Oberpräsident, der Regierungspräsident und die Stadt Potsdam waren vertreten. Pfarrer Koschwald hielt die Trauerrede. Die Trauermusik wurde von der Kapelle des ehe- miligen 2. Leibhusaren-Regimentes, dem der Ver­storbene angehörte, ausgeführt.

Urteil im Dresdener Zigarektenbanderolensälscher- prozeß.

Dresden, 12. Juli. Im Banderolenfälscherprozeh wurde heute abend das Urteil verkündet Wegen Tabak- und Materialsteuerhinterziehuno, und wegen Gebrauches gefälschter Banderolen wurden der An­geklagte Belkosf, Inhaber der Zigarettenfabrik Belkosf u. Co. zu sechs Monaten sieben Tagen Gefängnis und 7200 Mark Geldstrafe oder 90 Tagen Gefängnis, der Tabakwarenfabrikant Schmiedgen aus Reichenberg zu zwölf Monaten sieben Tagen Gefängnis und 7200 Mark Geldstrafe oder 9 Tacten ®e Öngnis verurteilt. Der Angeklagte Kaufmann Bolten aus Munchen-Gladbach erhielt ein Jahr acht Monate Gefängnis, der Tabakwarenhändler Brüll aus Eupen vier Monate Gefängnis, die übrigen Angeklagten je ein Jahr Gefängnis. Außerdem wurde bet den Angeklagten Velkoff und Schmiedoien auf je 7600 Mark Wertersatzstrafe oder 76 Tage Gefängnis erkannt.

Ein langgefuchter Hokeldieb gefaßt.

Berlin, 12. Juli. Eine Serie von Hoteldiebstählen, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahres in Ber­lin ohne Entdeckung des Täters geglückt waren und damals großes Aufsehen erregten, hat nach der ,,Voss. Ztg." eine unerwartete Aufklärung gemnden In Brüssel gelang es der dortigen Kriminalpolizei, den 28 Jahre alten Diomede Dyszliuk, der aus der Ukraine stammt festzunehmen und einen Teil der Beute zu beschlagnahmen, die aus sieben Hoteldieb- stâhlen in Berlin stammt. Der nunmehr verhaftete Hoteldieb, der nach derVoss. Ztg." in den Groß­städten und Luxusbädern aller europäischen Staaten arbeitete, hat als Transportmittel fast ausschließlich das Flugzeug benutzt. So ist festgestellt, daß er im 2uü vorige» Jahres von Zoppot abflog, einen Tag:

in Berlin weilte, dort ^inen Hoteldiebstahl verü < und schon am nächsten Tage mit dem Flugzeug n Brüssel weiterflog. Im Besitz des Verbrechers ft man nicht weniger als ein Viertelpfund ungefah Brillanten und Saphire. Es kann kaum ein Zweifel unterliegen, daß er einen großen 2 i feines Raubes in Monte Carlo verspielt hat. Se Verhaftung erfolgte in einem Hotel in Brüssel, er Juwelen im Werte von 250 000 Franken stöhlen hatte.

vier Personen bei einem Autounglück getötet

Halberstadt, 13. Juli. DieMagdeb. Ztg." ni bet: Auf der Chaussee Torfhaus nach Bad Harzbt wollte in einer starken Biegung im Tiefbochtal, Personenauto ein anderes überholen, als ein brit Auto entgegenkam. Das eine Auto streifte den o beifahrenden Wagen und flog in die Böschu hinab. 4 von 5 Insassen wurden getötet.

Ein gefährliches Geschenk.

Berlin, 13. Juli. Der Ingenieur Wundratsch, < heute nacht sein Motorrad mit Beiwagen unbeat sichtigt stehen ließ, fand nach seiner Rückkehr f Paket im Beiwagen, das eine 10,5 Ctm.-Granale n eingestelltem Zünder enthielt. Die Granate out durch einen waffentechnischen Polizeibeamten u schädlich gemacht. Don dem Täter fehlt jede epi

Zwei Arbeiter vom Blitz getötet.

Sindelfingen, (Oberamt Böblingen), 12. Ju Heute nachmittag schlug der Blitz in einen Neubo Von einer Arbeiterkolonne, die dort Unterschlu gesucht hatte, wurden zwei Arbeiter getötet; e dritter erlitt leichtere Verletzungen.

Eisenbahnunglück 11 Tote.

Toledo (Ohio), 13. Juli. Bei einem Z sammenstoß zwischen einem Personenzug und eine Güterzug wurden 11 Personen getötet. Einer bi Wagen des Personenzuges war vollkommen b graben unter einer Anzahl Güterwagen, die m Zement beladen waren.

Einschiffung der Ozeanslieger nach Amerika.

Paris, 12. Juli. Heute nachmittag haben sich a Bord desLeviathan" Ozeanflieger Byrd und fein drei Begleiter, sowie Chamberlin und die deutsch Fliegerin Thea Rasche nach Amerika eingeschiff Mit dem gleichen Dampfer wird das Wrack do Byrds FlugzeugAmerica" nach den Vereinigte Staaten zurücktransportiert werden.

Das Liebesysand einer Kdnigit unter dem Jammet.

Der Roman eines Ringes. Die Tragödie bei Grafen Essex. Der Günstling der Königin Elisa beth auf dem Schafott. Wie Englands Herrscherin an gebrochenem Herzen starb.

Der goldene sogenannte Essexring, der die tra gische Liebesgeschichte einer Königin symbolisiert wird demnächst bei Christies in London zur ozzenr lichen Versteigerung kommen. Es ist der Ring, bet Königin Elisabeth von England ihrem Günstling dem Grafen Essex, als Zeichen ihrer Liebe schenkte Der goldene Ring zeigt auf der Innenseite gebilde­tes Blätterwerk, der Ring selbst umfaßt eine aut einem Sardonyx geschnittene Kamee, die das Profil­bild der Königin Elisabeth mit Haarschmuck uni Spitzenkragen zeigt. Die Kamee wurde von b^m un­genannten Gemmenschneider gearbeitet, dessen Meisterwerk das berühmte Gemmenbild Heinrichs VIII. in der Sammlung des Schlosses von Windsor ist. Man nimmt allge­mein an, daß der Künstler ein Italiener war, der in England um die Mitte des 16. Jahrhundert ge­lebt hat. Elisabeth gab den Siegelring mit ihrem Ba-ldnis Essex mit dem Versprechen, daßwelcher Verbrechen seine Feinde ihn auch beschuldigen möchten, oder welche Beleidigungen er sich selbst gegen sie zu schulden kommen ließe, sie ihm immer verleihen würde, wenn er das Liebespfand an sie zurückgelangen ließe". Die Kleinmütigkeit einer Freundin des Grafen trug die Schuld, daß er das Schafott besteigen mußte, und daß da sHerz der Königin brach. Man hatte Elisabeth hinterbracht, daß Essex öffentlich erklärt habe,ihre Seele und Geist seien so verkrüppelt wie ihr Körper". Der Gras wurde daraufhin festgenommen, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Elisabeth aber glaubte fest daran, daß Essex durch die Rücksendung des Ringes feine Schuldlosigkeit beweisen würde. Bis zur Stunde der Hinrichtung hoffte sie noch immer auf die Rückgabe. Aber ihre Hoff­nung juurbe getäuscht, und Essex bestieg das Schafott. Daß die Dinge einen so tragischen Verlauf nahmen, entsprang einer bösen Verkettung von Umständen. Essex hatte den Ring, feiner Verwandten, der Gräfin von Nottingham, mit der Bitte übergeben, ihn unverzüglich der Köni­gin zu bringen. Ihr Gatte aber, der von der Absicht unterrichtet worden war, untersagte der Gräfin streng, diese Bitte zu erfüllen. Er haßte nämlich Essex aus der ganzen Seele und wünschte seinen Tod, seine Gemahlin aber, die schwach genug war, sich dem Verbot des rachsüchtigen Gatten zu unter« werfen, nahm erst nach Jahren, als sie selbst aus den Tod darniederlag, Gelegenheit, die Königin rufen zu lassen und ihr die Beichte ihres Betrugs abzulegen. Elisabeth erklärte der sterbenden Frau, daß Gott ihr verzeihen möge, sie selbst könne es nicht. Dann kehrte sie nach dem Palast zurück uni überließ sich hoffnungslos der Verzweiflung, verweigerte jede Nahrung und von den Aerzten verordnete Medizin und verbrachte Tage und Nächte auf d^m Boden sitzend und mit stieren Augen auf die Diele starrend. Nach zwanzig Jahren starb die schmerz­gebeugte Königin. Nach den Ausführungen des äuf« tionskataloges ging der fatale Ring des Grafen Essex als Erbe auf dessen Tochter, Lady Frances Deoe- rcux, über und vererbte sich von da an in ununter­brochener Folge von der Mutter auf die Tochter, Schließlich kam er in den Besitz von ßuUhu, der Achter des Grafen John Granville, die sich mit Toomas Thynne, dem zweiten Viscount Weymouth, vermahlte. Als der Nachlaß der Familie Thynne im Jahre 1911 bei Christies zur Versteigerung gelangte, ertoarb den Effex-Ring, der jetzt erneut unter den Stértui^ fommt' 8orb Michelham für 3412 Pfund