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LNovtas

Vasa« «Stadt und Land

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den 11« SssK

1922

KtrEGE WââiMVOMr in Gachfen

kins Unwetterkatastrophe von üellosem Ausmaß hat in der Nacht zum lstag Teile der Sächsischen Sch w e i z ) desöstlichen Erzgebirges heim- cht. Gewaltige Wolkenbrüche verursachten allem im Müglitz- und Gottleubatal ein liches Anschwellen des Wassers, das mit ger Gewalt über die Ortschaften herein- u h uckd in weniger als einer Stunde grauen- e Verwüstungen anrichtete. So plötzlich trat Katastrophe ein, daß eine große Anzahl von lschen teils auf der Straße, teils in den fern davon überrascht wurden und sich nicht r zu retten vermochten. Sprach man am nstag von 40 bis 50 Ertrunkenen, so muß l heute leider annehmen, daß diese Zahl sich bestens verdreifacht hat. Die genaue Zahl ö erst festzustellen sein, wenn die unter tat- tiger Mithilfe der Reichswehr und der sifchen Polizei begonnenen Aufräumungs- eiten weiter fortgeschritten sein werden, on jetzt kann gesagt werden, daß diese wetterkatastrophe die umfang» chsteist,dieeinendeutschenLan- steil inden letzten Jahrzehnten imgesuchthat.

Die von der Katastrophe betroffene Gegend ört zu den reizvollsten Wandergebieten des izen Erzgebirges, das sich hier nach dem Elb- äfieingebirge zu abbadyt. Drei Täler sind die das Unglücksgebiet durchziehen, das iglitztal, das Seidewitz- und das Gottleuba-

Die Müglitz ist zu normalen Zeiten der ehnlichste der drei Wasserläufe, die Gott- ba ist nur ein größerer Gebirgsbach und -ch das Seidewitztal fließt nur ein zahmes chlein. Aber der Wolkenbruch hat diese asserläufe, die alle drei nahe beieinander auf n Kamme des Gebirges entspringen, zu tenden Strömen und ihre malerischen Täler Wüsteneien gemacht.

Der Reichstag hat bereits eine Hilfsaktion rch Bereitstellung staatlicher Mittel einge- tet Reichspräsident und Regierungen haben e tiefe Anteilnahme an dem furchtbaren Hicksalsschlag ausgedrückt, der das Sachsen- id betroffen hat. In ganz Deutschland herrscht frichtige Trauer um die Opfer dieser Elemen- 7katastrophe, welche die Erinnerung an das Zweiter wachruft, das die Stadt Glashütte, ; weltbekannte Uhrenstadt, vor dreißig Jah- n, wenn auch nicht in gleichem Umfang, heim­sucht hat.

Die eefie «InsMÄsboiWakt.

Die erste Meldung über das furchtbare Un» etter, das über Sachsen ni-ederging, lief am Sams- g mittag ein. Eine Veröffentlichung im Anzeiger ante nicht mehr erfolgen. Die Meldung, die wir :rch Aushang bekanntgaben, hatte folgenden Wort- ut:

Pirna a. d. Elbe, 9. 3ulL In der Rocht von reitag zum Samstag ging über das Gott- eubatal, das Müglitztal und das Seide- i h t a l in der sächsischen Schweiz und im östlichen rzgeblrge ein schweres Unwetter nieder, i»i dem sich so kolossale wassermengen ent-

ei dem sich so kolossale Wassermengei »den, daß die Bahnstrecke vollständig Jasser gesetzt und der Bahnverkehr eiages »erden mu|

unter

Bahnverkehr eingestellt riesigen Wassermengen sind

ahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen. Aus lerggießhübel werden über 40 Todes* alle gemeldet, aus Gottleuba 13 und aus Beesen ft ein 8. In Rottwerndorf sind 5 Tote angeschwemmt worden. Der abends von Ilfenberg zurückkehrende Eisenbahnzug mußte vor Glashütte angehalten werden, weil der Bahnkörper ast drei Meter hoch überschwemmt war. Die Zug- nsassen mußten bis nachts 1 Uhr im Zuge bleiben, veil die Waifermassen ein Verlassen de» Zuges un- ;/ möglich machten.

Dieser Meldung folgten dann die nachstehenden, die die ganze entsetzliche Größe der Katastrophe er» ^nnen ließen:

Dresden, g. JuN. Die Aawektertatastrophe hn Dottleubatale stellt sich als die furchtbarste Katastrophe heraus. die seit Menschengedenken zu verzeichnen gewesen ist. Flutwellen von vier Me­ter höhe brachen so urplötzlich über den 1300 Ein­wohner zählenden Badeort Berggießhübel herein, daß in ganz kurzer Zeit geradezu grauen­hafte Verheerungen angerichtet wurden. Etwa 20 Häuser sind vom Erdboden weggewa- s che n. Am Samstag wurde die Zahl der To- besopfer in Berggießhübel selbst auf cund 80 geschätzt. Ganze Familien fanden den Tod in den Fluten.

Pirna, 9. Juli. Die über das östliche Erzgebirge hereingebrochene furchtbare Wolkenbruchkatastrophe hat weit über 100 Menschenleben vernichtet und

LSâS ISS LodesoNßeS.

Dresden, 1C. M Eine wettevkatasieovbe, wie sie t» Seutt»land kaum bekannt ist, bat ficb in der »acht »»m Sveitag zum Samstag in de« Tälern der Gottleuba und der Müglitz in der Sächsischen Schweiz und im östlichen Erzgebirge ereignet. DerKatastrovbe sind nach letzter amtlicher Schätzung insgesamt mindestens »so Menschenleben zum Sv ser ges alle«.

weiter hat vor allem in den Quellgebieten der Mug­litz und der Gottleuba getobt. Diese Gebirgsflüsse schwollen binnen wenigen Minuten zu reihenden Strömen an, und die Fluten, Baumstämme und Geröll wie eine Mauer vor sich herschiebend, rasten so schnell talwärts, daß trotz der vorauseilen­den Gefahrenmeldungen nicht nur sein Besitz mehr ju^retten war, sondern viele der

im Schlaf überraschten Einwohner unter den Trümmern ihrer Häuser begraben oder wit- gerissen wurden und ertranken.

Am furchtbarsten ist die Stadt Berggieß­hübel im Gottleubalal heimgesucht worden, viele Häuser sind vollkommen eingestürzt. Die ganze Katastrophe war in vierzig Minuten g e s che h e n. Das Wasser stieg so schnell in den Häu­sern, daß die Einwohner die Treppen hinauflpringen mußten und sich im oberen Stockwerk am Fenster- kreuz feslklammerlen. In Gottleuba hat das Hochwasser nach bisherigen Feststellungen acht Tote gefordert. Insgesamt sind im Gottleubatal nach neuesten vorsichtigen Schätzungen 80 Men­schen, im Müglihtal 20 Menschen ums Le­ben gekommen. Das Forsihaus in Gottleubatal ist glatt weggespült worden. Hart mitgenommen wur­den auch die Ortschaften Glashütte, Hart­mannsbach, Liebstedt und Göppers­dorf.

Dresden, 9. JaN. Die Unwetter, die das Elb­tal heimfuchlen, haben besonders im Tale der Müg- litz und der Gottleuba schweren Schaden angerichlet. In Gottleuba mußten 80 Schutzpolizeibeamle aus Dresden mit pioniergerät Hilfe leisten. Die Müglitz ist weit über ihre Ufer getreten. Das Bürgermeister­amt in Glashütte bekam in der Rächt keine Rachricht mehr von der Außenwelt. Wäre der letzte Zug nach Geising-Altenburg nicht noch rechtzeitig in Glashütte zurückgehalten worden, so hätten Hun­derte den Tod gefunden. In einer Breite von 40 Me­tern bedeckt fußhoher Schlamm die Straßen und Gärten. Die seit 100 Jahren bestehende Kuc - für st - Moritz-Brücke ist eingestürzt.

Die Stätte dev Verwüstung.

Dresden, 10. Juli. In Pirna ist fast fein Haus, in dem nicht die Keller voll Wasier standen, und in den Gärten, zum Teil auch in den Straßen wälzten sich die fchmutziMelben Fluten. Man fragt zunächst, ob man überhaupt von Pirna weiter» kommen kann, und erhält zur Antwort, daß i n d e r Richtung Berggießhübel, Gottleuba, Liebstadt alle Brücken zerstört sind. Der Kraftwagen bemüht sich im Gottleubatale vorzu­dringen. Je weiter man aus Pirna herauskommt, um so mehr kann man beobachten, wie das Wasser gewütet hat. Schon in den Kasernen sind gewaltige Stücke aus dem Mauerwerk herausgerissen. Baume, Delegvaphenstangen, Hausen von Brettern und Fässern liegen auf den vollständig niedergemähten Getreidefeldern. In Pirna hat am Freitag abend das Wasser stellenweise in den Straßen 1,5 Meter hoch gestanden. Sehr übel sieht es schon in R o t t» werndorf aus, das etwa 10 Minuten Fahrt von Pirna entfernt liegt, und wo ein Vorwärtskommen mit dem Kraftwagen nicht mehr möglich ist Eine größere Schneidemühle ist zu einem großen Teile von den Fluten weggerissen worden. Die Bretter­stapel liegen hunderte von Metern entfernt im Ge­treidefeld. Die Gewalt des Wassers hat

die starke» Friedhofsmauer» von Rottwerndorf vollkommen nieder gelegt.

Die Gräber und Grabhügel wurden htnweggsfpükt, nur noch das Kriegerdenkmal ragt aus den Trüm­mern empor. Das Vordringen nach Neuendorf ist fast unmöglich. Man kletterte über gestürzte Haus­mauern, entwurzelte Bäume. Gartenmauern stehen mitten auf der Straße. Die Bahn nach Gottleuba ist vollkommen unterspült, sämtliche Telephon- länge» find zerstört. Soeben meldet man, daß man

unter einem Hause in Reuendorf M Tote geborgen

hat, die unter dem Trümmern ihres Haufes begra­ben wurden.

Die Chausseen nach

Berggießhübel sind mit Automobilen und Fahrrädern überflutet. Zwei Kompagnien vom Reiterregiment 12 und Ar­

dertschaften Sipo mit Pioniergerät sind eingetroffen. Die sämtlichen Feuerwehren aus der Umgegend und Sanitätsmannschaften sind anwesend. Es ist nur möglich über Zehista bis zum Bahnhof Berggieß­hübel zu gelangen, der wie durch ein Wunder von den Fluten verschont blieb. Vor dem Bahnhof be­finden sich vier mächtige Bäume, die die Fluten zur Teilung zwangen. In den Kronen der Bäume sicht man Haustrümmer, Mobilar usw. hängen. Dom Bahnhof aufwärts ist die Straße abgesperrt und jeder Zugang augenblicklich verboten. Etwa 20 Häu- s« sind dort vollkommen zerstört. Teilweise stehen nur noch kleine Trümmerhaufen, die aber auch ab­getragen werden müssen. Auch das Hotel »Sächsi­sches Haus" ist von den Fluten weggerisfen worden.

Ganze Familien, deren Mitglieder hilfesuchend auf den Dächern sich jufammengetlammect hatten, haben gemeinsam den Tod gefunden.

Unter den Toten befindet sich wahrscheinlich auch eine bis jetzt noch nicht festgestellte Anzahl von Kur­gästen.

Die Katastrophe entwickelte sich mit unheimlicher Schnelligkeit. Kurz nach 9 Uhr abends ging der erste Regen nieder. Eine Stunde später setzte ein Hoch­wasser ein. das Gebälk und Tierleichen mit sich führte. %12 brausten die ersten furchtbaren Flut­wellen dahin, die innerhalb zweier Minuten auf vier Meter anwuchsen,und dann verschwand Haus um Haus mit den vielen auf die Dächer geflüchteten Menschen". So berichtet ein Magistratsbeamler, der sich selbst auf das Dach des GasthofesZum sächsi­schen Haus" geflüchtet hatte, das auch Mr Hälfte von den Fluten weggespült wurde.

In Berggießhübel werden über 100 Menschen vermißt, von denen bisher nur 59 als Leichen geborgen werden konnten.

Ein Pionierbataillon aus Dresden ist dabei, mit Hacken und Beilen die ungeheuren Trümmerhaufen auseinanderzureißen, in denen man noch mehr Lei­chen zu finden erwartet. Man kann kaum von Lei­chen reden, sondern müßte eher von Lerchenteilen sprechen. Da ist ein Auto, das der Flutwelle dâvon- zufahren suchte und von ihr eingeholt wurde-, es ist mit Schlamm ungefüllt, die vier Insassen sind darin festgeklemmt ertrunken, dem Chauffeur fehlt der KoA.

Sämtliche Häuser am Ufer der Gottleuba find auseinandergerissen. wie man eine Semmel zerbricht.

Die Zimmer darin erinnern zum Teil an Wände, die durchstoßen sind, wie ein Schmiedehammer ein Blatt Papier zerschlägt. Ueber dem ganzen Ort liegt der Geruch von Chlorkalk, mit dem die Ertrunkenen bestreut worden sind, um Epidemien M verhindern. Hoch oben in einem Baum hängt unbegreiflicher- weise eine halbe Kuh. Die Berichte der Augenzeugen sind alle gleich. Sie Flutwelle stieg bis zu den Dä­chern der Häuser in einer Zeit von zwei bis zehn Minuten, je nach der Entfernung vom Bach. Es gibt Kinder, die keine Eltern mehr haben, und Eltern, die alle ihre Kinder verloren haben. Am Flußufer spielen sich unbeschreibliche Szenen ab. Familien suchen die Trümmer ihrer Habe aus dem Wasser heraus. Es scheinen nur wertlose Dinge gerettet zu werden, Haufen von Lumpen, zerbräche- nes Geschirr n. dgl. Ein kleiner Junge schlüpft mit bloßen Füßen vorsichtig über die Schwellen der

Schützenfest stattfinden. Leer stehen die ausgebauten Gerüste aus einem trocken gebliebenen Hügel. Der Unternehmer des Schützenfestes gehört zu den Opfern und ist ertrunken.

In Glashütte.

(eubatal bei B Deshalb stieg in Glas­hütte in Leu ai liegenden Häusern das

Wass«mir etwa bis zur Decke d« Erdgeschosse, während es in Berggießhübel auch die Menschen in den ersten Stockwerken eiinschloß. Auch war im Müglitztaal der Druck bet Flutwelle nicht ganz so fürchterlich wie in Berggießhübel, wo sich das Wasser in das scharf sich verengende Tal preßte und gleich­sam wiè ein Geschoß hindurchjagte. So erklärt es sich auch, daß in Berggießhübel 17 Häuser binnen einer Minute wie Kartenhäuser zusammenklappten und in Glashütte bloß zwei. Wenn also auch am schwersten das entsetzlich zerstörte Berggießhübel und

In Glashütte vermißt mm» IS Menschen»

und mit Schlamm

ist vollständig zertrümmert li. Zwei Wagen haben 200

wärts im Bach. Die eiserne Liseubahubrücke ist rote eine Streichholzschachtel zerdrückt worden und lieg! ungefähr 40 Meter mrterhaL» ihr« upsprüngLch«> Stelle. Der untere Teil von Glashütte, das sehr lang gestreift fast nur aus einer einzigen Straße be­steht, ist vollkommen mit Schlamm überzogen. Aus allen Häusern wird d« Schlamm mit Schaufeln und

Schulhaus einqartiert, während die Sicherheitspoll- zei und die Steühswchr zwei Hotels beschlagnahmt haben. Die Gemeindeoerwaltuwg arbeitet mit gro­ßer Energie, eine Druckerei sorgt für die nötigen Mauercruschläge für die Bevölkerung. In der Uhren-, fabrit von Stübner sind % Meter starke Blauer ns geborsten. Die Moritzbrücke ist in drei Teile zer^ fallen. In einer Konditorei sind alle Bewohner des, Erdgeschosses «trunken. In ein sm andern Haus wurde eine ganze FcrmMe von Wasser und SchlanvU^ übernaifcht und erfticEL

yfpch

der Bahnhof Lauenstein

ist vollkommen zerstört worden. Die erfernenâ Brücken, Dämme und Gleisanlagen, ja selbst die Unterbauten sind verschwunden. Auf dem Bahnhof Lauenstein stand bei Eintritt der Katastrophe eilt Güterzug. Er wurde viele Meter weit auf die Straße gedrückt. Jetzt liegt ein; schwer« eiserner Waggon wie z«knittertes Papieis etwa 1 Km. vom Bahnhof entfernt quer über dik ehemalige Chaussee.

Entsetzlich sieht es auch in

Dittersdorf

aus. Telegraphenleitungen liegen quer über des Straße. Die beiden Brücken in Stein und eins eiserne Brücke sind glatt niebergeriffen worden. Nur noch Steinmassen steht man und die eiserne Kon­struktion. Don der Dicke der Steinbrücke zeugt bid Bruchstelle. Bis auf die Fundamente ist alles new schwunden. Daneben liegt ein Auto aus Dresdens umgekippt im Wass«. Ein Wellblechdach von irgend* woher hängt in den Fluß hinein. Die Kabel tretet! offen zutage. Pioniere sind dabei, eine Notbrücke^ zu schlagen. Aus der an dieser Doppelbrücke liegens den Pappenfabrik sind die meisten Maschinen ver^ schwunden. Alles übrige ist verschlammt. Die Land« straße auf der höh« liegenden rechten Uferseite ifls völlig unter Wasser. Von manchem Baum hat das Wasser die Rinde glatt abgeschült. Eiserne Laternen^ pfähle sind umgeknickt wie nichts. Alles ist dahin^ dahin . , ,

Dis GGUdevusss des BüsAev- merftevs von GZKshüSLö.

Dresden, 1L Juli. (Privat-Telegr.) Am Sonn« tag nachmittag konnte ich den Bürgermeister Rug- Heimer von Glashütte sprechen. Er erzählte mir:

Freitag abend 8 Uhr wurde ich benachrichtigt, daß Hochwassergefahr bestünde. Ich alarmierte so­fort die Feuerwehr und beschlagnahmte im Stadt­hotelZur Post" die Fernsprechleitungen, um namentlich die niedriger gelegenen Orte zu warne.' Das Telephon versagte von Zeil zu Ze t. Doch kamen wir immerhin mit mancher Meldung durch. Um 10 Uhr trafen weitere Meldungen ein, ebenso er­neut um 11 Uhr. Bei uns aber war das Wüsste nur wenig gestiegen, so daß wir ar. eine große Ge- fahr nicht glauben wollten. Dann aber meldete ein Beamter, daß auch viel Holz milgeschwommen kämz und daß die Postbrücke gefährdet sei. Wir sperrten sie sofort.

Im gleichen Augenblick aber mußten wir auch chon flüchten. Ich rief ins Stadthotel hinein, jeder^

ollte sich retten. Sechs Mann blieben unten fleckens doch konnten wir sie mit Hilfe von Weiden hoch-i ziehen. Sie sahen freiNch furchtbar aus. Don dc« Gewalt des Wassers waren sie mit dem Kopf an dis Wand gehauen worden. Man flüchtete zunächst ins erste Stockwerk. Aber als das Wasser aus bei Straße 4 Meter hoch stieg, mußten wir in beni zweiten Stock flüchten. Von dort aus mußten wiq mit ansehen, daß die 42 hier Geretteten noch immer! in größter Gefahr waren. Kaum 200 Schritte vow uns entfernt, wurde ein Grundstück nach dem onbeJ rea unterwaschen und stürzte in die Fluten. ES waren entsetzliche Minuten. Es mußte ein Ausweg gefunden werden, wenn nicht alle 42 um komme»

^^ ^Ö*6 Hoffnung glaubte man, nach deck Rachbargrundstück sich retten zu können. Vos einem Wagemmigen wurde ein Loch ins Dach gv schlagen, Bettlaken zerrissen und festgebunden uns bann einer nach dem anderen heruntergelassen. Dai