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Freirag oeu L Juli 1927

Nr. 151

* Dauergäste im Speisewagen. In dem Speise- wagen setzen sich vielfach Reisende bei einer Taste Kaffe oder sonst einer Kleinigkeit für die ganze Dauer der Fahrt fest. Besonders geschieht dies bei kürzeren Reisen. Die Reisenden weigern sich häufig, ihre Plätze nach angemessener Zeit für andere Gäste freizumachen. Dadurch werden andere Reisende an der Benutzung des Speisewagens außerhalb der Hauptmahlzeiten gehindert. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn will zunächst von einschneidenden Maßnahmen abfehen. Sie nimmt an, daß es bei tat­kräftigem Zusammenwirken des Zug- und Speise­wogenpersonals möglich sein wird, dem Bestreben der Reisenden entgegenzutreten, den Aufenthalt im -Speisewagen ungebührlich auszudehnen. Die Zug- begleitpersynale sollen angewiesen werden, das Personals des Speisewagens auf Verlangen bei star­kem Verkehr im Platzwechsel nachdrücklichst zu unterstützen. (Da wird es noch manchen bösen Austritt geben.)

* Personalien Die Handwerkskammer-Neben­stelle Hanau teilt uns mit, daß Herr Dr. Ferber durch einstimmigen Beschluß des Vorstandes mit Wirkung ab L Juli d. Js. zum Syndikus der Hand­werkskammer-Nebenstelle und des Handwerks- und Gewerbeamtes Hanau gewählt wurde.

* Sanderzug zur Burgbeleuchtung mich âüngen- berg CL Al. Anläßlich der am Sonntag, 3. Juli in Klingenberg a. M. stattfindenden Burgbelsuchtung und des Bundestages des Stephansbu^es hat die Eisenb ah ndirektion einen besonderen Zug nach Klingenberg und zurück eingelegt. Der Zug fährt in Frankfurt a. M.-SW um 6.22 Uhr ab, Offenbach 66.32, Hanau 6.47, Großauheim 6.52, Kahl 7.OO, Aschaffenburg 7.30 und kommt in Klingenberg a. M. um 8.08 Uhr an. Die Rückfahrt erfolgt in Klingen­berg um 22.29 Uhr, um den Teilnehmern Gelegen­heit zu geben, die Burgbeleuchtung mit anzufehen. Die Ankunft erfolgt in Hanau um 23.48, in Offenbach 0.05 und in Frankfurt a. M.-Süd um 0.16 Uhr.

Verzicht auf köwerllche Züchtigungen in der Schule. Der Vorstand des Preußischen Lehrervereins fordert die preußische Lehrerschaft aus, die körper­liche Züchtigung in der Schule nicht mehr anzu­wenden. Sie kann nur in Ausnahmefällen als be- Ägt angesehen werden. Mit den neuen Er- ngsformen und Erziehungswegen aber ist sie unvereinbar. Angesichts der gesundheitlichen Schä­digung, d^e bei j.der körperlichen Züchtigung mög- ^ch sit, i^ne daß sie :r Lehrer voraussehen kann, wr allem aber angesichts der Entschlossenheit der Üertre'er des Preußischen Lehrervereins, die neue ^-Msbmgsgesmnung in der neuen Schule aus rigenerr Wollen und Wirken schaffen zu helfen, muß ^3 fict iebes Mitglied zur Pflicht machen, ohne kör- ^rlidn Zücykigu g auszukommen uW Schule und Kinder ton allen Machtmitteln äußerer Autorität zu »efreieii. Es werden deshalb alle Mitglieder auf- * fordert, b ejen Willen nunmehr in die Tat umzu- stze und überall, in der kleinsten Landschule wie m größten Schulsystem, in persönlicher wie in kol- ^noier Gesamtverontwortlichkeit, tatkräftig dafür nt tnrreten und alle Schritte zu tun, damit in dem ^r.v'ten wie dem öffentlichen Erziehungsleben, in Schule rnd Haus, die Körperstrafe durch Anwen- W - . Erziel, gsformen überwunden wird.

' Das tioljt. otistopf fest Ein unter Beteiligung erâcher Zwcigvèreine des Vogelsberger Höhen- ctitbs seit vielen Jahrzehnten alljährlich am ersten Sonntag des Juli stattfindenden Volksfest wird wie­der nâaüh Sonntag den 3. ds. Mts. abgehalten. Lâer ma, ?, d- .r-gten Jahren die Bahnverbin- dMg dorthin sehr na gelhaft und dadurch die Tett- n.-hme Mßero"dcutlich erschwert. Dies ist nun «esenttich besser geworden, indem auf Betreiben des V. H. C. ein Sc. rderzug nach Hartmannshain mA zurück eingelegt wurde, der nur an größeren Stationen Hau und die Strecke HanauHartmanns- X-in in etwa zw Stunden zurücklegt. Dieser Son- »s^ug fährt am ersten Sonntag toben Monats, also » uh am lâdpten Sonntag und zwar: Abfahrt hQNE-Has.'ptbahnhof 7.39, Hanau-Nord 7.47, über Heldenbergen Stockheim und kommt Hartmanns- gan 9.45 Uhr vormittags. Es ist allo reichlich um von hier aus die höchsten Punkte des Isberges, Herchenhainer Höhe, Taufstein und rebstopf in aller Ruhe zu besuchen und wenn «wünscht, am Hoherodskopffeft teilzunehmen. Rück­ert ab Hartmannshain 18.20, Hanau-Nord an

20.18, Hauptbahnhof an 20.25 (Sonntagstarte 3. Kl. 4.40 Mk., 4. Kl. 3 Mk. Selbstverständlich können auch Nichtmitglieder des V. H. C. diesen beschleu­nigten Zug benützen und dürfte sich dessen Be­nützung für alle Wanderfreunde sehr empfehlen.

* 25jähriges Geschäftsjubiläum. Die Firma Himmler, Eisenwaren und Küchengeräte, kann heute auf ein 25iähriges Bestehen zurückblicken. Am 1. Juli 1902 wurde das Geschäft unter der Firma Himmler u. Eichenauer gegründet. Am 1. Septem­ber 1909 schied Herr Eichenauer aus der Firma aus unb vom 1. Juli 1910 ab wurde die Firma unter Jakob Himmler weitergeführt. Seit 1926 heißt die Firma Jakob Himmler u. Sohn.

* Jahresfest des Bezirksvereins Hanau der Gustav Adolf-Stiftung. Das in Langenselbold ab­gehaltene Jahresfest des Bezirksvereins Hanau der Gustav-Adolf-Stiftung, verlief in der schönsten Weise. Um ^3 Uhr hielt Herr Pfarrer Kaiser aus Großauheim die Festpredigt über die Epistel des Tages, 1. Joh. 3, 1318, und in der Nachver­sammlung in dem großen Saale des Ruppert'schen Gasthauses hielt Herr Pfarrer Th. Fuß-Hippel aus Zecherin bei Karnin auf Usedom, früher in Posen und von dort durch die Polen vertrieben, einen Dortrag über die unsäglichen Leiden, die in Posen und Westpreußen die evangelischen Glaubens- und deutschen Volksgenossen auszustehen hatten und noch haben. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und alle Zuhörer waren tief ergriffen über das Gehörte. Der Posaunenchor des Jünglingsvereins wirkte in beiden Versammlungen mit und die Jungfrauen des MädchenbuWes be­tätigten sich durch Austeilen von Schriften.

* Unlerverbandsiag der Raiffels en'schen Dar- lehenskasseu im Landkreise Hanau. In Bergen fand am Sonntag ein sehr stark beschickter Unterver­bandstag der Raiffeisen-Darlehenskassen statt. Zum Unterverbandsdirettor wurde Herr Wende-Langen­diebach gewählt. Stellvertreter wurde Herr Justiz­oberinspektor Vetter-Langenselbold. Herr Landrat Kaiser zeichnete in einer Ansprache das BW eines echten Genossenschafters. Der DerbaWsanwall fand anerkennende Worte für den seitherigen Unterver­bandsdirektor Herrn Pfarrer Hergenrother-Langen­diebach, bestätigte mit Freuden die Neugewählten, gratulierte dem Bergen-Enkheimer Verein zu sei­nem 35jährigen Bestehen und berichtete über die Raiffeisenbank in Berlin. Herr Bürgermeister Zins- Bergen lobte das gute Einvernehmen zwischen Selbstverwaltung und Gmossenschast. Hierauf hielt Herr Dr. Bolde von der Kasseler Derbandsver- wallung einen äußerst interessanten Vortrag über das Thema:Warum unb wozu brauchen wir Raiffeisenvereine?" Geld-, Waren-, Land- und Menschenverkehr waren die vier Punkte, über die Redner ausführlich referierte. Selbsthilfe und Ge­meinsinn sind nach seinen Darlegungen die Ideale, die dem Raiffeisenmann Ziel und Richtung geben. Der Bergener Kirchenchor verschönte die Tagung durch mehrere Liedervorträge.

* Auchlrekorde im Frankfurter Zoo. Das Bestre­ben bei dem vor einigen Jahren erfolgten Neuaus­bau der Tiersammlung, kräftige Jungtiere zu künf­tigen Zuchtpaaren zusammenzustellen, beginnt jetzt reiche Früchte zu tragen. Eine der erfreulichsten Nachzuchten der letzten ist die Erstgeburt eines Streifengnus, ein überaus kräftiges, erwünschter Weise weibliches Kalb. Ein prachtvolles braunes Kuhkalb ist auch bei den Mechanischen Paks zu ver­zeichnen. Außer dem jungen weißen Lama von die­sem Frühjahr tummeln sich bei der Herde zwei wild­farbige Neugeborene, die auf ihren überlangen Stelzbeinen sehr possierlich aussehen. Je zwei kräf­tige Kälbchen firtb bisher bei den Nudeln der Rot­hirsche, der Damhirsche unb der Pferdehirsche zu verzeichnen. Das mit einem halbwüchsigen Jungtier kürzlich erworbene schwarze, mit weißen Flecken ge­zierte Paka, ein im kleinen Säugetierhaus unter- gebrachtes, südamerikanisches Nagetier hat neuer­dings ein weiteres, auffallend stattliches Junges ge= morsen. Ohne sich durch die umfangreichen Umbau-, arbeiten des Raubtierhauses stören zu lassen, hat nach zweijähriger Pause auch die abessinische Leopar­di» einem schönen Wurf von drei Sprößlingen das Leben gegeben. Die neun jungen Wölfe wachsen er­staunlich schnell heran. Drei davon sind neuerdings als Gespielen für die beiden Tiger-Babis und die vier Löwen-Jungen der Raubtierkinderstube einge­reiht worden. Reich siW auch die Nachzuchten des

Vogelhauses. Außer der Zucht der gewöhnlichen Ar­ten ist auch in diesem Jahre wieder die im Vorjahre erstmals hier erzielte Zucht der süidamerikanifchen Kronenkiebitze mW der abessinischen Prachtglanzstare erreicht werden. In den Zierfischbecken des Aqua­riums wimmelt es überall von vielen Hunderten von Jungfischen. Erwähnt sollen noch die zahlreichen Zuchten von allerhand Wasser- uW Hausgeflügel werden.

* Kamps- und Zierhuhnzüchtertagung. Samstag, 2. Juli unb Sonntag, 3. Juli, fiWet im Isenburger Hof" in Langenselbold der erste deutsche Kampf- uW Zierhuhnzüchtertag statt. Für die Haupttagung, die Sonntag vorm. 10 Uhr beginnt, hat Herr Grünewald-Nürnberg ein Referat über­nommen. Die Tagung dürfte für sämtliche Kampf- uW Zierhuhnzüchter der näheren und weiteren Um­gebung von größtem Interesse sein, so daß mit einer starken Teilnahme zu rechnen sein wird.

* Erwischle Gartendiebe. Gestern abeW über­raschte ein Feldhüter zwei hiesige Einwohner, die nach Niederreißung der Drahtumzäunung in einen Schrebergarten nächst der Fasanerie eingedrungen waren, bei frischer Tat. Die Personalien des einen Täters konnten von dem Beamten feftgefteUt wer­den, während der Zweite unerkannt zu entkommen vermochte. Die aus einigen Pfund Stachelbeeren be­stehende Beute ließen die Diebe auf ihrer Flucht im Garten zurück.

* Ziegenbockhalkung. Dem Bockhaller Dirlam hier ist auf Antrag des Körungsausschusses für gute Haltung der Zuchtziegenböcke wie im Vorjahr eine Prämie bewilligt worden.

* Arbeilsjubiläum. Heute kann Herr Gießer- meister Peter Krupp auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Kunstgi« Herei Wilhelms zurückblicken.

* Berichtigung. Bei Überreichung von Fabnen­nägel gelegentlich der Fahnenweihe des Brodchchen Männergesangvereins muß es heißen Gesangverein Harmonie" Groß-Steinheim nicht Großauheim.

LandSVeis &<mmi

Rüdigheim. 30. Juni. Gestern abeW wurde hier ein 20 Jahre aller Knecht von seinem Dienstherr» bewußtlos auf dem Scheuerboden liegeW aufge­funden. Der Verunglückte, der von dem Scheunen­gerüst auf die Tenne abgestürzt war, wurde ins Landeskrankenhaus nach Hanau überführt, wo sich glücklicherweise die Verletzungen als nicht allzu schwerer Natur erweisen sollten.

Niederrodenbach. 30. Juni. Gemeindever­tretersitzung. Die Vertreter der Gemeinde be­rieten zu Punkt 1 über den Antrag eines Einwoh­ners um Uebernahme der Bürgschaft für ein bei der Kreiskommunalkasse beantrages Darlegen von 750 Mark zwecks Instandsetzung von Altwohnungen. Der Antrag wurde in Rücksicht auf die hier herrschende Wohnungsnot einstimmig genehmigt mit der Maß­gabe, daß vor Auszahlung des Darlehens die Ein­tragung einer Sicherungshypothek getätigt ist. Punkt 2 betraf den Vorschlag von Beisitzern unb Stellvertretern zum Mieteinigungsamt. Es wurde beschlossen aus dem Kreise der Vermieter die Herren Jakob Henß als Beisitzer und Peter Wich. Schmidt als Stellvertreter, aus denjenigen der Mieter den Kaufmann Jakob Steinmöller als Beisitzer und Ja­kob Keim als Stellvertreter in Vorschlag zu bringen.

Der Punkt. 3 befaßte sich mit der Verpachtung der GemeiWeröhrigswiesen. Die bereits erfolgte Verpachtung der Wiesen erbrachte ein wesentliches Mindergebot gegenüber den Vorjahren, aufgrund dessen die Genehmigung nicht erteilt wurde; es soll nunmehr nächste Woche ein neuer Derpachtungs- termin anberaumt werden. Bei Punkt Verschie­denes wird über die im Bau befindliche Wasser­leitung gesprochen und angeregt, in nächster Zeit eine Versammlung der Hausbesitzer einzuberufen, worin den Interessenten über die Hausanschlüsse pp. Ausschluß gegeben ^werden soll. Diese Anregung wird gutgeheißen. Schließlich wird zur Sprache ge­bracht, daß sich in den an die Gemarkung angren- zeWen Waldungen Wildschweine aufhallen, welche besonders auf den Grundstücken in der Wingert enormen Schaden anrichten. Es soll demzufolge mit dem Jagdpächter zwecks Regelung des entstandenen und noch entstehenden WiVdschWens in Verhandlung eingetreten werden, um den hiervon betroffenen Grundstücksbesitzer gerecht zu werden.

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die denselben tn die ^tMtWMwfKtj^h'

nachgesandt haben wollen, bitten wie, die Bestellung frühzeitig bet der Ge­schäftsstelle, Hammerstraße 9, zu veran- lassen. Telephonische Ummelbimgen sowie Bestellungen bei unseren Aus­trägerinnen bitten wir möglichst zu ver­meiden. Für Porto und Vergütung berechnen wir täglich 5 Pfennig.

WKMer derAbreisedieUeber. Weisung bei dem zuständigen Post­amt beantragen.

Aus mrv Ker«.

Wiesbaden. 30. Juni. Mit schweren Schädel- Verletzungen wurde gestern vormittag auf Der Landstraße bei Schierstein der 27zahnge Dersiche- rungsbeämte Nikolai ausWiesbWen gefunden. Neben ihm lag sein MotorrW. Wie das Unglück entstanden ist, konnte noch nicht festgestellt werden, da Nlkolac bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, ge- storben ist.

Gießen. 30. Juni. Der gestern zwischen Lollar uW Gießen von der Lokomotive eines Güterzuges am Kopf schwer verletzte 14 Jahre alle Lehrling Heinrich Erb aus Trejs a. d. Lumda ist gestern nachmittag seinen Verletzungen erlegen.

Obernburg a. 7N 30. Juni. In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr brach in dem Anwesen d^ Bäckermeifters Gruber Feuer aus, das sich mit rasender Geschwindigkeit auf die Nachbaranwefen ausdehnte. Trotz des sofortigen energischen Ein­greifens der hiesigen Feuerwehr sowie der benach­barten Wehren von Elsenfeld und Eisenbach wurden vier Anwesen unb zwei Scheunen ein Opfer der Flammen. Bei den Rettungsarbeiten ereignete sich auch ein bedauerlicher Unglücksfall. Eine mecha­nische Schubleiter, auf der sich ein Feuerwehrmann befand, stürzte um, unb der Feuerwehrmann wurde ernstlich verletzt Der Schaden ist groß, da die Mehr­zahl der Geschädigten nicht versichert ist.

Speyer. 30. Juni. In der Zell vom 1. bis 15. Juni wurden 27 Personen, die den Weg z«è - Fremdenlegion durch die Pfalz nehmen wollten, von der deutschen Polizei uW Gendarmerie fest, genommen.

Weyer (Kreis St. Goarshausen), 30. Juni. In der vergangenen Nacht bemerkte man plötzlich von Wellmich aus einen großen WaldbraW, der sich bis nach Nochern zu ausdehnte. Da vor einiger Zell große Hiebe vorgsnommen worden waren, lag das gefällte Holz zum Abtransport bereit und bot den Flammen reiche Nahrung. Trotz der großen Nässe des Bodens greift das Feuer immer weiter um sich. Weithin sichtbar steigen die Rauchschwaden gegen Himmel. Die Feuerwehren der benachbarten Gemeinden stehen dem Riesenfeuer machtlos gegen­über. Man hofft jedoch, durch Anlegung von Grä­ben rings um das Flammenmeer den Brandherd einzudämmen. Bei dem dichten Hochwald ist die Gefahr des Ueberspringens sehr groß.

rKuttst MtdMMettsKaft.

«vaMühVttrs^ vHsr Lotitbius «Dev Oesasrdte seines Majestät."

o Im Frankfurter Schauspielhaus faW gestern âbenb die Uraufführung des dreiaktigen Lustspieles Jöer Gesandte seiner Majestät" statt Das luftige Werkchen behandelte die Historie von der Ueber« tölpelung der russischen Kaiserin Elisabech und chrer Minister, des Grafen Rafumowski und des Großkanzlers Bestuschew durch den französischen Gesandten . Chevalier d'Eon Beaumont, jenes Mannes, von dem man heute noch nicht weiß, ob er ein Mann oder eine Frau gewesen ist. Ihr gelang es, jene verhängnisvolle französisch-russisch-öster­reichische Allianz zustandezWringen, die dann die tiefere Ursache des siebenjährigen Krieges werden sollte. Was dem Stück seinen besonderen Wert gibt, ist die verblüffende Sicherhell der Handhabung aller technischen Hilfsmittel durch den Autor, der als dreiunddreißigjähriger zum ersten Male auf der deutschen Bühne erfolgreich zu Worte kam. Der Dialog blitzte scharf geschllffen unb scharf pointiert Die Situationskomik wird, das. kann man sagen, meisterhaft behandelt und stets ohne zu scharfen Zwang aufgeführt. Die Inszenierung des Stückes durch den Goscregisseur Max Ophüls holte alle Nu­ancen, alle Kleinigkellen, jedes Detail mit liebe­vollem Sichvertiefen heraus. Die Besetzung der Hauptrollen war derartig glänzeW besonders Aida Stuckering entzückte durch chre körperliche Schönheit ebenso wie durch die restlose Beherrschung ihrer Rolle, so daß eine Aufführung zustandekam, die die Vorzüge des Werkes in hellstem Licht er­scheinen ließ. Wir können nicht schließen, ohne der vortrefflichen Kaiserin Elisabeth Oleonttne Sagans, des versoffenen Grafen Bestuschew Ernst Sattlers unb des smarten Rasumowskis durch Langbach dankbar zu gedenken. Der junge Autor konnte sich im Kreise der Darsteller für herzlichen Beifall be­danken. W W. Gg.

o Neues Operettentheater Frankfurt. Die Ope­rette Hoheit tanzt Walzer" wird auch am Sonn« Èag nachmittag bei kleinen Preisen zur Aufführung gelangen. Die große musikalische Komödie -Gift ^erin" v. Beter Ticbaikawsky, deren Promiere

am Samstag, 9. Juli stattfinden wird, soll dem Charakter ber Internationalen Musikausstellung Rechnung tragen. Oberspielleiter Adolf Wiesner und Kapellmeister Fritz Keßner widmen der Ein­studierung die größte Sorgfalt. Charlotte Boerner, der gefeierte Gast der Berliner Staatsoper ist be­reits zu den Vorproben eingetroffen. Außerdem wurde die entzückende Wiener Soubrette Rosel Berndt für eine weitere Hauptrolle verpflichtet. Erstere hat Herrn Gustav Jahrbeck in der Rolle des Menschikoff "als Partner, während Rosel Berndt MSbesonüere in den Duetten den tanzbegabten Nor­bert Fels zur Seite hat. Chöre und Orchester sind bedeutend verstärkt. x

Des MneMrbe Knigge.

Der gute Ton in China. Auch das Abnehmen der Brille ist eine Höflichkeit. Wie man einen Gast los wird. Erlaubte Neugierde. Peinliche

-Sitten

Mögen die revoluttonären Wirren in China noch so umwälzend sein, an den höflichen Umgangs« formen haben sie nichts zu ändern vermocht. Die chinesische Höflichkeit ist in der ganzen Welt sprich.- wörttich geworden; wie schwer es aber in Wirklich­keit ist, in China ein höflicher Mann zu sein, kann nur der verstehen, der die Sitten im Lande der Mitte selbst beobachten konnte. Schon jeder Besuch, den man macht, oder empfängt, ist mit einer Fülle von Umständlichkeiten verknüpft. Die vornehme Per­son sitzt nicht, wie bei uns, an der rechten, sondern an der linken Seite; ferner muß der Gast, falls er eine Brille trägt, das Glas beim Eintritt ins Zim­mer sogleich abnehmen; gleich darauf darf er es freilia) wieder äusseren. Ehe der Gast sich setzt, wischt der höfliche Hausherr mit dem Aermel über den angebotenen Sitz, als wolle er sich von dessen tadelloser Reinheit überzeugen. Wenn der Gast dann nach der endlos wiederhollen gegenseitigen AufforderungTsching-tsching!" wasbitte, bitte" bedeutet endlich sitzt und fein Teetähchen in der Hand hat, denn ohne Tee ist kein Besuch benSmr, kommt man allmählich ins Gespräch, das aber auch unter strenger Beobachtung aller erdenk­lichen Höflichkeitsformeln geführt wird. Zunächst muß man die verschiedensten Fragen beantworten, z. B. nach dem Wohlbefinden und nach dem Aller; dabei muß indes vorsichtig obgestuft werden, wie

alt der Gefragte ungefähr sein kann; denn wenn er über fünfzig Jahre alt ist oder einen Bart trägt, fragt man nach demhohen Aller", ist er jedoch jünger, nach demgeehrten Aller", während man ganz junge Laute nur fragt, wieviele Jahre sie über zehn seien. Darauf hat dann der Gefragte be= scheiden zu erwidern, daß er so und sooiele Jahre vergeblich verbracht" habe. Sich nach Frau und Töchtern zu erkundigen, gilt als taktlos, und würde man einen Mann, der nur Töchter hat, nach chnen fragen, so müßte er glauben, man wolle ihn zum besten halten. In einfachen Kreisen besteht die Frage nach dèm Wohlbefinden gewöhnlich überhaupt nur darin, daß man sich gegenseitig erkundigt, ob man schon gegessen habe.

Sehr einfach und doch taktvoll versteht es der Chinese, einem Gast, der länger als notwendig bleibt anzudeuten, daß es Zeit zum Aufbruch ist. Franz Tiefensee, der die chinesischen Sitten gut beobach- tet hat, berichtet, daß es oft schon genügt, einen Tast höflich aufzufordern, seinen, Tee auszutrinken, weil dies stets kurz vor dem Gehen geschehen muß. der Gast den zarten Wink nicht verstehen, läßt ihm der Hausherr noch eine Tasse Tee bringen. Diese darf er aber, wenn er nicht nah« verwandt oder eine hohe Persönlichkeit ist, nicht trinten, und er muß sich also schon deshalb verabschieden. Geht der Gast aber nun noch immer nicht, so befiehlt der Hausherr dem Diener, nachzusehen, ob der Tee nicht kall geworden ist. Denn wenn der Tee erkaltet ist, muß der Besuch unter allen Umständen beendet sein. Diese Anspielung versteht auch der seßhafteste Be­sucher.

Der bei uns allgemein übliche Brauch sich unter Umständen einmal selbst vorzustellen, ist in China vollständig verpönt, da das Dorstellen immer nur durch eine dritte Person geschehen darf. Jedem Unbekannten ist es dagegen erlaubt, Fremde zu fragen, wie sie heißen, woher sie kommen, wie alt sie seien, was für einen Beruf sie haben und aus wel­cher Familie sie stammen. Als höflicher Chinese muß man auch dem Verkäufer in einem Geschäft Aus­kunft auf diese Fragen geben. Dann darf man sich alleMngs revanchieren, indem man den Neugierigen nun selbst auszufragen beginnt, was diesem dann weniger gefällt. Unendlich förmlich wegen der un­ausgesetzten Höflichkeitsbezeugungen verlaufen die einem Besuch zu Ehren gegebenen Festmäler, bei denen fast zu jedem Bissen genötigt werden muß, und bei denen endlose -llsching-tsching" gewechselt

werden. Geräuschloses Essen ist in guten Kreisen unerläßlich. Ein Gast, der beim Essen schmatzt oder schlürft, ist dem wohlerzogenen Chinesen außer­ordentlich peinlich. Wenn der Besucher auch häufig und kräftig rülpst, so nimmt ihm das kein Mensch übel, denn es zeigt im Gegenteil, daß ihm das Essen gut geschmeckt l^rt und daß er satt ist Ist das Mahl zu Ende, so legte der Hausherr seine Eßstäbchen hin und verbeugt sich vor jedem ein­zelnen Gast, während die Gäste nacbeinander zu ihm hingehen und sich ebenfalls dankend verbeuget

Ein Schildbürgerstreich.

Konstanz, 28. Juni. Bei den Renovierungs- arbeiten an der Stephanskirche entdeckte der Stabt« archivar plötzlich Teile eines alten Bildes. Die zutage gekommenen Fragmente zeigten eine Kreutt- gung; nach Teilen der Inschrift handell es sich um ein Pestbild aus dem Anfang des 16. Jahrhun­derts, das in Farbe und Zeichnung hohe tünftta« rische Qualitäten bewies. Der glückliche Entdecker ordnete sofort die Einstellung der Maurerarbett an und telegraphierte dem Kultusministerium, das auch sofort einen Sachverständigen entsandte. Aber als der hohe Besuch den kostbaren Fund besichtigen wollte, da starrte ihm und dem entsetzten Archivar eine leere abgehauene Wand entgegen. Was war geschehen? Am Abend vorher hatten die Kon­stanzer Maurermeister eine Versammlung abge- halten, in der ein großer Teil sich darüber beschwert hatte, daß einem einzigen Unternehmer solch «n schöner auftrag das Abhauen der Fassade näm- lich zugefallen sei, worauf sich der Betroffene bereit erklärte, den Auftrag mit einem Jnnungs- genossen yf teilen, der dann auch gleich bestimmt wurde. Der schickte nun in aller Frühe seinen Ge- ellen zu der Kirche mit der Weisung, dort loszu- chlagen, wo fein Vorgänger und Konkurrent auf« gehört habe. Und so kam es, daß Konstanz der Well statt eines schönen Kunstwerkes nunniehr ein weniger erfreuliches Beispiel häßlichen Konkurrenz­neides geben konnte.

Viele versteigen sich gern in den Wolken, wenige stehen über Gewitterwolken.

Das Leben ist eine Rauchsäule die vom Sturm Mr Erde herunter- oder lüvoufgepeitscht wird,