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Mr. 148

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Montas

de« 28. S««r

1928

Das KmEs.

Der ehemalige amerikanische Senator Owen veröffentlicht seine Studien über die Kriegsdoku- nente und stellt fest, daß Deutschland der Krieg mfgezwungen worden sei.

Auf dem Feldberg im Schwarzwald ist in der etzten Nacht Schneefall eingetreten.

' Reichsaußenminister Dr. Stresemann ist gestern vormittag nach Oslo abgereist.

Lèon Daudet ist durch eine List seiner Freunde aus dem Gefängnis befreit worden.

Trotzki und Sinoryjew sollen aus dem Zen- walkomitee der russischen kommunistischen Partei ausgeschlossen werden. ^

. Beweise suis« willens.

Eine etwas übereifrige Berichterstattung hat geglaubt, melden zu müssen, daß der deutsche Reichskommissar für die Abrüstungs­fragen, General von Pawells, Mitte dieser Woche mit dem französischen Militärbevoll- unächtigten eine Besichtigungsreise in das öst- I liehe Festungsgebiet unternehmen werde, da- 11 mit der Sachverständige sich bei dieser Gelegen­heit von der Durchführung Der Zerstörungs- Arbeiten überzeugen kann. Wir haben eigentlich I keinen Grund, von der geplanten Besichtigungs­fahrt viel Aufhebens zu machen, wenngleich man auch die Meinung hören kann, die öffent­liche und drastische Gegenüberstellung der Steinhaufen und' des militärischen Sachver­ständigen könne die ganze von unserem Stand­punkte aus lächerliche Aktion nur in das rich­tige Licht setzen. Es ist zuDem^Noch keineswegs sicher, ob der oder die Sachverständigen schon kN dieser Woche der Einladung Folge leisten werden. Zweifellos wird aber im Laufe der nächsten Wochen auch dieser Best d^r Ab­rüstungsfrage noch ins Reine Aebracht werden. Die Sachverständigen werden wieder nach Berlin zurückkehren, nachdem sie festgestellt haben, daß die Vereinbarung mit der Bot­schafterkonferenz im Bereiche der Ostfestungen durchgeführt worden ist. Inzwischen wird auch das Kriegsgerätegesetz vereinbarungsgemäß vom Reichstag verabschiedet worden sein. Es hat den Auswärtigen Ausschuß passiert und wird nun im Plenum des Reichstages in zweiter «und dritter Lesung rasch seine Erledi­gung finden. Das preußische Polizeigesetz, Durch das eine weitere Vereinbarung mit der Botschafterkonferenz verwirklicht werden soll, wird im Laufe dieser Woche ebenfalls noch unter Dach und Fach kommen. Es könnte schon längst verabschilchet sein, wenn die preußische Regierungskoalition nicht versuchte, die Polizei mit Hilfe dieses Gesetzes zu einem einseitigen politischen Instrument zu machen. Sie wird tos Gesetz aber an diesem Punkte wohl nicht scheitern lassen. Auf jeden Fall mirb man in aller Kürze soweit sein, daß es selbst dem Hoch- inquifitor Poincarè schwer fallen muß, angeb­liche deutsche Verfehlungen ans Licht zu ziehen. Bis dahin wird die Frage immer größeren Nachdruck erhalten haben: Was tut Frankreich, am die von ihm übernommenen Verpflichtun­gen zu erfüllen? Und es wird dann kein Aus­weichen mehr geben.

DerTemps" müht sich noch einmal mit der Behauptung ab, Deutschland müsse erst noch Beweise seines guten Willens geben, um die Truppenverminderung im besetzten Gebiete zu erreichen. Jedes Wort der Widerlegung wäre demgegenüber zu viel. Aber die französische Presse muß doch einmal sehr eindringlich da­rauf hingewiesen werden, daß Deutschland es bei der Erfüllung übernommener Verpflichtun­gen wirklich nicht an dem Beweise guten Wil­lens fehlen läßt. Die Vereinbarungen, die wir mit der Botschafterkonferenz getroffen haben, werden auch eingehalten. Es ist gewiß keine Verschleppung, wenn das im Verlaufe eines halben Jahres geschieht. Dagegen ist die Verpflichtung, die die Botschafterkonferenz in ihrer Note vom Dezember 1925 feierlichst aus­gesprochen hat, auch heute noch ein Stück Pa­pier, soweit die Truppenverminderung im be­setzten Gebiet in Betracht kommt. Hier ver­langen wir setzt umso dringender endlich die Erfüllung, je mehr die deutschen Restverpflich­tungen zu einem Nichts zusammenschmelzen. Wir verlangen keine Erwiderung des Herrn Poincarè auf die Rede des Außenministers. Poincarè hat die in Aussicht genommene außenpolitische Aussprache in der französischen Kammer Ende der vorigen Woche verhindert. Er konnte sich darauf berufen, daß Briand nicht Rede und Antwort stehen könnte, obgleich es den Jnterpallanten in erster Linie darauf an- kam, Vaincarè zum Sorecken zu brinnen und

Daudet aus dem Gefängnis entlassen.

Paris, 25. Juni Heute nachmittag find die im Gefängnis £a Santé zur Verbüßung ihr« Strafen unlergebrachten Lèon Daudet, der Geschäftsführer derAction Francoise" de Lest und ber General- sekretär der kommunistischen Partei, Sémarb, auf Grund einer Mystifikation des Gefängnisdirektors entlassen worden.

Paris, 25. Juni. In derAction Franyaise" sitzen die Anhänger Lèon Daudets beim Champagn«, um die Befreiung Lèon Daudets zu feiern. Ueber die Art und Weise, wie die Mystifikation im Gefängnis durchgeführt wurde, wird folgendes angegeben: Gegen 1 Uhr mittags begab sich ein Camelot du Roi in das Ministerium des Innern. 11 andere Mitglieder der royalistischen Jugendorganisation verteilten sich auf 11 Cafès, die in unmittelbarer Nähe des Ministeriums gelegen sind, und verlang­ten telephonische Verbindung mit dem Ministerium des Innern, um die telephonischen Leitungen zu blockieren. Der im Ministerium des Innern befind­liche Camelot du Roi verlangte von dort aus eine Verbindung mit dem Strafgefängnis und ließ den Gefängnisdirektor ans Telephon rufen, dem er mit­teilte: Im heutigen Ministerrat ist die Freilassung von Lèon Daudet, dem Geschäftsführer berAction Fran^aise" und des Generalsekretärs der kommu­nistischen Partei, Semaart, beschlossen worden. Ich bitte Sie, um Unruhen zu vermeiden, die Inhaftier­ten sofort aus dem Gefängnis möglichst unauffällig zu entlassen." Der Gefängnisdirektor gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß man diè Kommunisten freilasse, aber nicht darüber, daß Lèon Daudet in Freiheit gesetzt werden sollte. D« Camelot du Roi antwortete in energischer Weise, darum habe er sich nicht zu kümmern. Es liege ein dementsprechender Entschluß der Regierung vor. Er erteilte ihm den Befehl. Dies« sei sofort auszu­führen. Der Gefängnisdirektor, dem diese Mittei­lung zuging, wollte sich doch noch mal vergewissern und rief das Ministerium des Innern telephonisch an, dessen Verbindungen aber immer noch besetzt waren, so daß er eine Verbindung mit dem Came­lot du Roi, der die Mystifikation durchgeführt hatte, erlangte. Dieser erklärte ihm, er habe ihm soeben telephoniert und erwarte dringend, daß der Befehl sofort ausgeführt würde, da er dafür verantwort­

treten, da au

lich sei. Verzögerungen dürften auf keinen Fall ein- ch die Presse schon über die Angelegen­heit unterrichtet sei. Darauf begab sich der Gefäng­nisdirektor sofort zu Lèon Daudet, der vor Ueber- raschung in Tränen ausbrach. Der Direktor forderte ihn auf, möglichst rasch und unauffällig das Gefäng­nis zu verlassen. £éon Daudet umarmte den Ge- sängnisdirektor vor Freude. Der Direktor benach­richtigte auch die anderen freizulassenden Gefange­nen. Inzwischen war eine Kraftdroschke vorge­fahren, die die Camelots du Roi hatten requirieren lassen. Der Direktor begleitete Lèon Daudets bis an die Schwelle des Gefängnisses. Dort bestieg dieser das Automobil und fuhr um 12.45 Uhr in dèr Rich- tung des Boulevard d'Arago davon.

Paris, 25. Juni. Ueber die Befreiung Lèon Dau-

von ihm zu hören, wie er die Rede von Lune- ville zu verantworten gedenke. Diesem Ver­langen ist Poincarè ausgewichen und auch die französischen Sozialisten haben darauf ver­zichtet, ihn zu stellen. Wir können diese Sorge ruhig der französischen Kammer überlassen. An einem Wortgefecht mit Herrn Poincarè kann uns garnichts gelegen sein. Der deutsche Reichsaußenminister hat den rednerischen Vor­stoß des französischen Ministerpräsidenten so kräftig zurückgewiesen, daß wir dieses Kapitel schließen können. Aber umso dringender ver­langen wir jetzt eine Antwort durch die Tat, eine Antwort darauf, ob Frankreich die Ver­pflichtungen der Locarnopolitik einzulösen ge­denkt oder nicht. Darauf wird uns Poincarè die Antwort nicht verweigern können.

MsSuMon ruvKede Gtvesemâtrns

Paris, 25. Juni. Die französische Presse fährt fort, sich mit der großen außenpolitischen Rede des Herrn Stresemann zu beschäftigen. Auch bei weit­gehender Anerkennung der rhetorischen und tak­tischen Qualitäten werden doch die Kommentare heute um eine Nuance kritischer. Die Stimmen geben jedoch kein Bild von der Wirkung, die die Rede auf die französische Außenpolitik Deutschland gegenüber ausübt und ausüben wird, aus dem ein­fachen Grunde nämlich, weil der Quai d'Orsay bisher völlig darauf verzichtet hat, zu den Ausführungen des deutschen Außenministers in irgendeiner Form der Presse Winke zu geben.

des deutschen

Stellung zu nehmen und . ______u D______

Immerhin läßt sich jetzt schon voraussehen, daß die Diskussion des Annäherungsproblems in der fran­zösischen Presse einen mehr prinzipiellen Charakter annehmen wird, als sie dies in der Zeit vom Dezem­ber bis Juni getan hat, wo sie sich- hauptsächlich mit aiÄmflhfxbinaetL Verreblunaen und Punkten ahaab.

dets aus dem Gefängnis erklärt die Leitung der Action Fran?aise" der Havasagentur: LLon Dau­det hat heute vormittag 1.30 Uhr das Gefängnis verlassen. Er wurde von den Camelots du Roi be- freit. Diese Pseudoevasion wurde aus durchaus fried­liche Weise durchgeführt. Die Camelots du Roi haben sich des Namens des Innenministers bedient. Für den Augenblick hat Lèon Daudet Paris v«- laffen, ohne sein Ziel anzugeben. D«Temps" weiß ferner zu berichten, daß heute mittag der Po­lizeipräfekt telephonisch vom Gefängnisdirektor da­von in Kenntnis gesetzt wurde, daß Daudet auf Anweisung von unbekannter Selle das Gefängnis mittags verlassen habe. Sobald der Polizeipräfett von der Entführung benachrichtigt war, begab er sich in das Justizministerium, wohin man ihn eiligst berufen hatte.

Paris, 26. Juni. Wie Havas mitteilt, entspricht die Nachricht d«Action Franchise", daß sämtliche Telephonleitungen des Ministeriums des Innern gestern mittag von Camelots du Roy blocki«t wor­den seien, anscheinend nicht den Tatsachen, da in diesem Augenblick gerade der Ministerrot zu Ende gegangen, sollen die Leitungen von Journalisten mit Beschlag belegt gewesen sein, die sich über das Ergebnis des Ministerrats hätten unterrichten wollen. Havas teilt m etter mit, daß man bisher über den Aufenthalt Daudets nichts habe erfahren können. Auch der Generalsekretär der Kommunistt- schen Partei Sèmard ist spurlos verschwunden. Man nimmt an, daß er, ebenso wie auch Daudet, sich noch in Paris aufhält. Der Chefredakteur ber Action Franpaise" wurde vom Untersuchungsrich- ter vernommen, um Auskunft über die Durchfüh­rung osö plötzlichen Handstreiches zu geben.

Paris, 26. Juni. Man erinnert im Zusammen­

Hang mit der Befreiung Daudets an einen ähnlichen Fall im Jahre 1912, als Pain

2, als Poincarè ebenfalls Mi- ' Briand Justizminister waren.« L lloyalistenführer Daleyne genau \

nisterpräsident und

Damals wurde der Royalistens

auf die gleiche Art aus dem Gefängnis befreit Die Regierung machte damals gute Miene zum bösen Spiel und unterzeichnete ein# Verordnung für be- dmgten^ Straferlaß. Im Falle Sèmard kommt als interessantes Detail hinzu, daß der Pariser Appellationshof fast im selben Augenblick als- marb die Schwelle des Sa ntè- Gefängnisses über­schritt, ein Rekursbegehren ablehnte und somit dessen Inhaftierung bestätigte.

Die juristische Lage der Freigelasienen ist augen­blicklich noch nicht ganz geklärt. Die Freigekomme­nen selber sind nicht strafbar, sondern lediglich ihre Befreier, die sich unrechtmäßig Beamtenautorität angemaßt haben. Sie können dafür mit zwei bis fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Die Frei­gelassenen können aufgefordert werden, wieder frei­willig ins Gefängnis zurückzukehren. Bis aber die Untersuchung abgeschlossen sein wird, dürfen sie überhaupt nicht behelligt werden. Es ist aber auch möglich, daß die Regierung gemäß der Petition der Kartellfraktionen alle polnischen Gefangenen frei» lassen wird, in welchem Falleder Fisch ertränkt wird", wie ^ein französisches Sprichwort sagt.

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Eine besondere Belebung erfahren die außenpoli­tischen Federn der Linkspresse durch bds Zurück­greifen auf die Grundfragen. DerQuotidien" und dieLiberte" veröffentlichten heute schöne Artikel über die Notwendigkeit eines rückhaltlosen fran­zösischen Bekenntnisses zur Verständigung.

Zahlreiche Blätter gehen in sanguinischer Ueber- Sung ier Lage so weit, eine große deutsche matische.Aktion zu Gunsten ber Besatzungsver­minderung bei den zuständigen Regierungen als un­mittelbar bevorstehend anzukündigen. Solche Nach­richten sind wohl lediglich Kombinationen über den 31T vermutenden normalen Verlauf der- diplo­matischen Geschäfte zwischen Frankreich und Deutsch­land, die nach Erlangung der Ostbefestigungsfrage normalerweise zur Besatzungsfrage fuhren müssen. Sie greifen jedoch In ihrer Bestimmtheit den Ereig- nisien wett vor.

Moskau, 25. Juni.Ssmeftija* schreibt zur Reichs­tagsrede Dr. Stresemanns, die Rede fei ein überaus wichtiges Dokument in ber Geschichte der deutschen Außenpolittk der letzten Jahre. Das Blatt begrüßt die Erklärung Stresemanns über die Absicht ber deutschen Regierung, eine Polttit strikt« Neutralität zu wahren und die Bestätigung dessen durch die Erklärung ber Regierungsparteien als auf einer richtigen Erkenntnis ber wahren Interessen der deut­schen Außenpolitik und Volkswirtschaft beruhend und mit der Entwicklungslinie der Sowjet-deutschen Beziehungen in Einklang stehend. Indessen stehe die Behauptung Stresemanns, daß von feiner Seite ber Versuch gemacht worden sei, Deutschland zu bewegen, die Neutrafitâtspolitik aufzugeben, in Widerspruch mit der Erklärung der Regierungsparteien über die entschiedene Verwerfung jedes Gedankens einer Ein­beziehung Deutschlands in die aggressive Front geg, die Sowjetunion. Sofern es nicht als notwendig er­schien, einen derartigen Gedanken entschieden abzu­wehren, sei es vollkommen klar, daß dieser Gedanke __,_,.,__ bestaub und besteht. Wenn dem jo wäre, hätte bieUnietseichnern

en

Erklärung der Regierungsparteien eines so entschie­denen Tones nicht bedurft. Man könne Stresemann gern glauben, daß chm niemand ernstlich vorschlug, sich der Offensiosront gegen die Sowjetunion anzu- schließen. Eine derartige offene Aufforderung sei deshalb nicht ergangen, well bei den Vorberatungen die deutsche Stellungnahme deutlich umriffen war. und eine offene Aufforderung unnutz machte.3s» westija" unterstützt vollkommen das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten als Grundlage der Außenpolitik. Zur Erklärung Strese­manns über die Abwehr der Propaganda der Ko­mintern betont das Blatt, diese Erklärung könne in geschickten Händen sehr leicht gegen die Sowjetunion mißbraucht werden. Der Beitritt Deutschlands zu einer derartigen Front wäre reich an Folgen, vor denen die Führer der deutschen Außenpolllik freund­schaftlich zu warnen feien. Zum Schluß wendet sich das Blatt entschieden gegen die Erklärung der Regie- rungsparteien, daß sie sich der Entrüstung über die letzten Todesurteile anschließen-Der Sowjetunion stehe das natürliche Recht zu, sich gegen konter­revolutionäre Angriffe zu wehren. Der Charakter dieser Abwehr sei eine innere Angelegenhell da Sowjetunion.

pernlkbeSease an Paul Vonesnv

Paris, 26. Juni. In der heutigen Sitzung des Nationalrats der sozialistischen Partei wurde die Diskussion über das von Paul Boncour befürwor­tete Gesetz über die allgemeine Organisation der Nation in Kriegszeilen fortgesetzt. Dou Interesse ist daß der frühere Generalsekretär des französisch«! Gewerkschaftsbundes, Dumoulins, u. a. erklärte: Man hat behauptet, daß dieses Gesetz einen Fort­schritt für die Demokratie und für den Frieden dar­stelle. Andererseits hat man die Politik der Schieds­gerichtsbarkeit und die Politik von Locarno ge­billigt. Ich stelle die Frage: Würden Sie es tragen es gut zu finden, daß Deutschland einen derartigen Entwurf für seine nationale Verteidigung anmnunt Wenn Sie das gutfinden würden, dann würd^i Sie damit alle Bemühungen verurteilen, die S? für den Frieden unternommen haben. Paul Boncour versuchte, in längeren Ausführungen sich geger die

Angriffe, die gegen ihn erhoben worden roapm, iu rechtfertigen. Der frühere Abgeordnete Snufn 'tellte darauf fest, daß Paul Bonvour auf die Frag« Dumoulins, ob Deutschland ohne den Protest der

Soziafisten der ganzen Welt, einschließlich der deut­schen, hervorzurufen, ein ähnliches Gesetz hätte an nehmen können, nicht beantwortet habe.

Vâöevs sssen He r^ommmtMets und GozkaMen.

Paris, 26. Juni. In seiner Rede auf dem heute in Versailles veranstalteten Bankett anläßlich des 159. Jahrestages der Geburt des Generals Moc^ wandte sich Kriegsminister Painlevè gegen die kommunistischen und sozialistischen Umtriebe. Cs gelte heute, so «klärte er, der Glaube, daß man nicht durch Arbeit, durch die Demokratie, durch ge­rechte und überlegte Gesetze das Wohlergehen des Landes fördere, sondern durch Quertreibereien, die aus kaum dem Zustande der Leibeigenschaft ent­wachsenen Ländern stammen, und es gibt andere, die eine überlebte Vergangenheit wieder herbeirufen möchten. Die Gedankenfreiheit ist in keinem Lärche größer als in Frankreich. Aber zwischen Gedanken­freiheit und umstürzlerischer Tätigkeit besteht ein Unterschied, den festzuhalten die Regierung das Recht und die Pflicht habe.

Mtt emseBWanisshes ^Nei! übev dSe ââssMèM.

Newyork. 27. 3unt Der demokratische frühere Senator Robert Owen veröffentlicht seine Studien über die Kriegsdokumente. Owen kommt zu dem Schluß, daß Deutschland den Krieg nicht gewollt habe, der ihm auf- gezwungen worden sei von den russischen Imperialisten, dem Großfürsten Nikolaus Iswolski, Sasonow und Genosien. Das deutsche Volk und die alliierten Völker seien in gleicher Weise die un­glücklichen Opfer der Verschwörung des russischer Imperialismus.

Die Gemssv GeeabsSKrsnss- SZMfSVSM.

Die Amerikaner gegen die Engländer.

Genf, 25. 3unk Der heutige letzte Tag der ersten Woche der Drei^lächtekonferenz hat keine nennens­

werte weitere Entwicklung gebracht. Die Amerika­ner beharren einstweilen auf ihrem Standpunkt gegen die englische Forderung nach Beratung über die Resolutton der im Washingtoner Vertrag ent­haltenen Bestimmungen über die Lebensdauer der großen Linienschiffe. Sie wenden neuerdings da­gegen vor allem ein, wie heute der erste Delegierte der Vereinigten Staaten, Gibson, den Pressever­tretern erklärte, daß die technische Entwicklung d« nächsten Jahre es nicht ratsam erscheinen lasse, heute schon eine Revision der genannten Bestim­mungen vorzunehmen, die 1931 bei der zweiten Washingtoner Konferenz ohnehin unter den fünf Vertragsmächten gemeinsam revidiert werden müßten. Abgesehen davon aber, halten sie diese Abänderung auch aus den übrigens von ihnen früher geltend gemachten und ihrer Ansicht nach durch die Engländer nicht entkräfteten Gründen aufrecht, da nämlich hier nur drei von den fünf

___M i des Waibinstoner Vertrages an»