202. Aavvsa««
GeneralÄlnzeiger für
Dana« Stadt und Land
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W. 145
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iresemanns Antwort an Ooincars
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I Oie KvÄSL LU ^VLttèvÄâ.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat Nestern im Reichstag die außenpolitische Ansprache durch eine hochbedeutsame Rede einge- ritet. Der Inhalt, den der Reichsaußenminister »iesem Rahmen gab, ging über einen Bericht iber die Genfer Tagung weit hinaus. Er war ine Rechenschaftslegung über die ganze gegen- värtige Periode der deutschen Außenpolitik mb er schloß mit einer meisterhaft zugespitzten frage an die Adresse Frankreichs, von deren Beantwortung die weitere Entwicklung der -uropäischen Politik abhängen wird. Daß das Haus, abgesehen von ganz seltenen kommu- üstischen Zwischenrufen, dieser einstündigen Rebe mit angespanntester Aufmerksamkeit folgte und ihre Kernstellen mit reichem Beifall bedachte, war der beste Beweis für den Einbruck, den die wichtigen Ausführungen auf das Parlament gemacht hatten. Stresemann ging von den allgemeinen weltpolitischen Fragen aus, von dem russisch-englischen Konflikt und dem albanischen Zwischenfall und skizzierte in kurzen Strichen ihre erfolgreiche Behandlung auf der Genfer Tagung und die Stellungnahme der deutschen Politik. Dann kam Stresemann zu den Fragen, die zwischen uns und den Mächten her Botschafterkonferenz schweben. Die Berufung eines deutschen Vertreters in die Mandatskommission wurde klargSstellt. Dann horchte das Haus auf. Denn nun kam der Außenminister zu der Frage der Truppenverminderung im besetzten Gebiete. Eine eindringliche Zurechtweisung an die französische Adresse: Es ist ganz falsch, die Truppenverminderung als eine Konzession hinzustellen, die von einem deutschen Gegenbeweis guten Willens abhängig sein könnte. Wir fordern unser gutes Recht, das in keiner Weise zu bestreiten ist. Die Anerkennung dieses Rechtes aber hat eine überragende politische Bedeutung. Sie hängt aufs engste mit den Methoden der Lo- carnopolitik zusammen, denn wenn in dieser Frage das Vertrauen des deutschen Volkes getäuscht wird, so ist die Gefahr vorhanden, daß das Zutrauen und die Zuversicht zur Locarnopolitik auf allen Gebieten eine schwere Erschütterung erfährt. Damit hatte der deutsche Außenminister die Vertrauenskrisis quittiert, die das französische Verhalten in der Rheinlandfrage geschaffen hat.
Mit kurzen Ausführungen ging der Reichsaußenminister dann auf die Frage der OI- unterstânde ein. Wir haben von der Gegenseite die mündliche und schriftliche Zusicherung, daß man es als einen freien Willensakt Deutschlands und nicht als einen Präzedenzfall der Kontrolle betrachtet, wenn die deutsche Regierung durch General von Powells ein oder zwei Sachverständige der Konferenzmächte einladen läßt, sich die Unterstände an= Zusehen. Nun war der Weg frei für die Abrechnung mit Poincarè. Der Reichsaußenminister hat einmal mit Mussolini die Klinge gekreuzt und der italienische Ministerpräsident hat dabei empfindlich den Kürzeren gezogen. Auch Poincarâ ist in dieser Auseinandersetzung als der kläglich Unterlegene zu betrachten. Dr. Stresemann wies ihm nach, daß er einfach nicht weiß, wie die Dinge stehen. Er weiß nicht, daß die Botschafterkonferenz uns die Erfüllung aller Abrüstungsforderungen bis auf zwei bescheinigt hat und daß diese zwei inzwischen auch erledigt worden sind. Er weiß nicht, daß wir zur Abwicklung der Kasernenfrage eine Frist von fünf Jahren erhalten haben. Seine Rede ist zweideutig. Will er die Ruhr oder will er Soc »rno ? Nur eins von beiden ist möglich. Und Deutschland weist es zurück, als besiegter dem Sieger die Hand zu reichen. Auf die Frage, ob Frankreich wirklich die Verständigung will, wartet mit Deutschland die ganze Welt.
MtzrmssberrMt.
Berlin, 23. Juni. Die Tribunen des Reichstages gid überfüllt. In der Diplomatenloge wohnen die ertreter der fremden Mächte den Verhandlungen bei. Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um 3 Uhr nachmittags.
Auf der Tagesordnung steht die Entgegennahme röter Reaierunsserklaruna über dis außenpolitische
Lage in Verbindung mit den Interpellationen der Regierungsparteien, der Sozialdemokraten und Kommunisten über die Außenpolitik.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann
erhält sofort das Wort und führt aus:
Ich begrüße es, daß die vorliegenden Interpellationen Gelegenheit geben, zu einer Aussprache über die gegenwärtige außenpolitische Lage und über die Tagung in Genf. Die kommunistische Fraktion des Deutschen Reichstages glaubt in ihrer Interpellation, daß die Erörterungen in Genf den Zweck und das Ziel gehabt hätten, Deutschland in die antisowjetrussische Front einzugliedern. Ich kann mich in meiner Antwort auf das beziehen, was die russische „Isweststa" zur Dölkerbundsratstagung gesagt hat. Sie erklärt, daß die Zustimmung Deutschlands zu den antisowjetrussischen Plänen nicht er- langt werden konnte. Sie führt dazu aus, sie glaube Nicht, daß dieser Umstand eine Niederlage Deutschlands auf der Ratstagung bedeutet habe. Im Ge- gentell habe Deutschland durch seinen Widerstand zweifellos auch volles Verständnis für seine Politik bei den übrigen Mächten gefunden und damit das politische Prestige Deutschlands in der Weltpolitik gestärkt.
Der* Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Rußland ist ein Vorgang, der für die gange internationale Lage von großer Bedeutung ist. Deshalb ist in Genf über dieses Thema zwischen den Vertretern der beteiligten Regierungen und mir vertrauensvoll und offen gesprochen worben. Ich habe schon in der letzten Reichstagsdebatte gesagt, daß sich tn unserer bisherigen Außenpolitik nichts ändern werde, die durch die abgeschlossenen Verträge, besonders die Verträge von Locarno und Berlin und durch den Eintritt in den Völkerbund gekennzeichnet ist. — Zweifel darüber, ob wir im Auslande Verständnis für den Sinn dieser unserer Politik gewinnen, sind trotzdem aufgetaucht. Ich kann auf Grund der Genfer Besprechungen mit oller Bestimmtheit sagen, von keiner Seite haben sich Bestrebungen bemerkbar gemacht, uns von dieser Politik abzudrängen. Im Gegenteil haben die Genfer Verhandlungen dazu beigetragen, daß wir Verständnis und Anerkennung gefunden haben.
Ich kann auf das Bestimmteste erklären, daß mir von einer Koalition gegen Somjetrußtanb nichts bekannt ist.
34 ^E vielmehr die Ueberzeugung gewonnen, daß alle in Betracht kommenden Staaten volle Freiheit haben sollen, ihr Verständnis zu Ruhland selbständig und nach Maßgabe ihrer individuellen Interessen zu bestimmen. (Lachen bei den Kommunisten). Eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des russischen Regimes kann für uns selbstverständlich nicht in Betracht kommen. Ebenso werden wir auch in Zukunft allen Versuchen mit größter Schärfe entgegentreten müssen, die sich etwa von außen gegen unsere eigene Staatsform richten. Darum befinden wir uns in Uebereinstimmung mit allen anderen Staaten,
daß wir einer weltrevolutionären Propaganda entschiedenen Widerstand entgegensetzen werden.
Aber das ist nicht etwa die Folge einer ausdrücklichen oder stillschweigenden Vereinbarung. (Lachen bei den Kommunisten), sondern die reine tatsächliche yotge des allen v tasten gemeinsamen elementaren Gesetzes der Selbsterhaltung. Das hat mit irgend einer gegen Sowjetrußland gerichteten Politik gar nichts zu tun.
Das sonderbare deutsche Interesse geht aus- schließlich dahin, an der Befestigung der S^nrmngen 3u arbeiten, die die friedliche Entwickelung der Verhältnisse in Europa und in der Welt gefährden könnten. Schon die stationäre Fortdauer des augenblicklichen Zustandes wäre bedenklich, und wir müssen deshalb alles tun, was zu einer Beruhigung der Atmosphäre beitragen kann. Dieser Absicht haben auch die Besprechungen gedient, die in der söge- nannten Sechsmächtekonferenz stattgefunden haben. Schon tm englischen Parlament ist erklärt worden, daß bei dieser Besprechung keine Verpflichtungen von irgend einem Staate übernommen wurden, weil keine verlangt worden waren. Deutschlands be- sondere Lage gegenüber Sowjetruhland ist dabei offen von mir zum Ausdruck gebracht worden. Un« sere Lage verlangt die wirtschaftliche Verknüpfung mit unseren Nachbarländern. Wenn wir damit rechnen sollten, daß ein großes, mächtiges Wirt- schaftsgebket von Deutschland etwa abgeschlossen werden sollte, so würden wir darin eine Gefährdung der Lage in ganz Europa erblicken.
Wir haben ein Interesse daran, in engen wirt- schaftlichen Wechselbeziehungen, wie mit allen Ländern, so auch mit Sowjetrußland zu stehen.
Unsere Staatsverfassung steht in schärfstem Gegensatz zu der Sowjetrußlands. Trotzdem kann dieser Gegensatz keinerlei Grund für uns sein, irgend wie an einer Isolierung Sowjetrußlands mitzuwirken. Don irgend einer gegen eine Macht gerichteten Ak- tislu würden alle Machts Schaden haben. Dieier all
gemeine europäische Standpunkt ist auch der speziell deutsche Standpunkt.
Zwei Spannungsmomente hat die letzte Zeit gebracht: Der Mord des russischen Gesandten in Warschau und den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Iugoslavien und Alba men. Es war zu befurchten, daß
der Gesandlenmord in Warschau
zu einer außergewöhnlichen Spannung zwischen Rußland und Polen führen könnte. Auf Grund unserer korrekten und guten Beziehungen zu Rußland waren mir berechtigt und verpflichtet, tn freundschaftlicher Weise die Vertreter Sowjet-.Rußlands darauf hinzuweisen, daß der bedauerliche Vorfall nicht zur Verschärfung der europäischen Lage führen dürfe. Wir wollen den Frieden und befinden uns damit m Uebereinstimmung mit der Auffassung, die in den Genfer Besprechungen einmüt'g zum Ausdruck gekommen ist. Wir haben inzwischen mit Befriedigung feststellen können, daß die Regierung von Sowjet-Rußland nicht die Absicht hat, diesen Zwischenfall irgendwie zu verschärfen, wenn die Haltung der polnischen Regierung dieselbe bleibt, wie sie bisher gewesen ist.
Beim
Abbruch der Beziehungen zwischen Albanien und Iugoslavien
hat die Reichsregierung auf Grund von Besprechungen mit Frankreich und England sich entschlossen, jenem Komitee in Belgrad beigutreten, daß im Fall von Grenzstroitigkeiten die Tatsachen feststellen und dadurch zur (Entspannung der Lage beitragen soll. In den Besprechungen in Genf wurde eine Einigung dahin erzielt, Iugoslavien und Albanien Vorschläge zur Lösung der Fragen zu machen, die zum Abbruch der Beziehungen geführt haben, um die normalen Beziehungen beider Länder wieder herstellen zu sönnen. Ich gebe der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß das Zusammenwirken von England, Frankreich, Italien und uns dieses Ziel erreichen wird. Ich glaube, das Hohe Haus ist da- mit einverstanden, daß wir unsere Kräfte zur Ent- fpannung der Lage zwischen anderen Staaten einsetzen. Solange wir eine gleichberechtigt» Macht in dem europäischen Konzern ssm wollen, können mir uns einer solchen Aufgabe nicht entziehen.
Der Völkerbundsrat hat im Sinne der von mir vorgeschlagenen Entschließung der Reichsregierung zur
Durchführung der Beschlüsse der Weltwirt- schaftskonferen;
entschieden. Inzwischen ist auch das Comiiee economique bereits auf den 12. Jan einberufen, um die praktischen Rückwirkungen der Beschlüsse auf dem Zolltarifgebiet voczubererten Die überwiegende Mehrheit der in Genf vertretenen Regierungen hat ähnlich positive Erklärungen abgegeben wie mir. Der Vertreter Großbritanniens ersuchte um eine Hinausschiebung der Entschließung nur deshalb, weil er noch keine formelle Erklärung seines Kabinetts abgeben konnte. Skeptische Einstellung allein ist das schechteste Mittel, solche Aufgaben durchzuführen. (Zustimmung). Die Reichsregierung wird sich in den Dienst dieser Aufgabe stellen. (Rufe links: Auch Schiele!). Die Entschließung ist vom Kabinett einmütig gebilligt worden. (Lachen links.). Die zuständigen Körperschaften, der Reichswirtschaftsrat und der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages werden sich schon in nächster Zeit mit einer Herabsetzung unseres Zollnieveaus zu beschäftigen haben. (Rufe links: Na, na!!)
Wir wünschen, daß
das Abrüstungsproblem
entsprechend der klaren Forderung des Art. 8 der Dölkerbundssatzung gelöst wird. Leider ist es durch die Fülle der Beratungen und Resolutionen beinahe zu einer Geheimwissenschaft geworden. Dabei ist es doch nicht so kompliziert, wenn man es nur entschlossen angreift! (Sehr richtig! bei der Mehrheit.)
Welcher von unseren Nachbarn könnte von uns
noch weitere Sicherungen verlangen?
Unsere Entwaffnung bis zur Nacktheit ist doch das Aeußerste, was man fordern kann. Wir gehen also zu den Abrüstungsverhandlungen nicht als Schuldner, sondern als Gläubiger. (Sehr richtig! bei der Mehrheit.)
Ich habe in Genf ernste Zweifel geäußert, ob der gute Wille auch überall vorhanden ist, der Verpflichtung zur Abrüstung nachzukommen. Für den Völkerbund selbst ist die Lösung dieser Fragen einfach eine Frage seiner Eigenerhaltung, ja eine Frage seiner Existenz. (Erneute Zustimmung.)
Die Erklärung der litauischen Regierung zu den
Beschwerden der Memelländer
gaben dem Präsidenten des Dölkerbundsrates in feinem Schlußwort Veranlassung zu der Erklärung, daß der Völkerbundsrat nun hoffentlich nicht noch einmal sich mit der Regelung dieser Frage beschäftigen müßte. Die Erklärung Litauens enthielt die Zusage, daß der msmelländische Landtag spätestens
am ersten September gebildet sein würde, daß das Wahlrecht nur solche litauischen Staatsbürger haben sollte, die ihren dauernden Wohnsitz im Memellaud haben und daß die Regierung dem Landtag verantwortlich sein soll. Meine Besprechungen mit dem litauischen Ministerpräsidenten vor zwei Tagen m BerÈin bestärkten mich in der Auffassung, daß Litauen gewillt ist, gute Beziehungen zu seinen Nachbarländern zu unterhallen.
Der Minister bespricht dann das Verhältnis Deutschlands zu den in der Botfchafterkonferenz vertretenen Mächten und die
Hinzuziehung eines Deutschen zur kolcmiân Mandatskommission.
Die Mandatskommission besteht aus Mitgliedern verschiedener Nationalitäten, die besondere koloniale Erfahrung besitzen, die aber nicht von ihren Regierungen abhängig sind. Wenn wir auch keine Kolonien besitzen, sind wir doch in hohem Maße an dieser Kommission interessiert. Auch der Völkerbund glaubt, uns nicht entbehren zu können. Ec hat uns" schon verschiedentlich zur Mitarbell aufgefordert. An der Seuchenbekämpfung unter den Eingeborenen hat Deutschland das Hauptoerdienst. (Lachen bei den Kommunisten). Ich verstehe Ihr Lachen nicht) (mit erhobener Stimme): Was hier die deutsche Wisienschaft getan hat, ist hundertmal mehr, als was Rußland je tun kann. (Lebh. Zustimmung bei der Mehrheit.) Für unsere Wirtschaft ist es ferner von außerordentlicher Bedeutung, daß uns bte koloniale Erfahrung nicht verloren geht. Wir brauchen sie für unsere Betätigung in den Rohstoffgebieten. Wenn die frühere koloniale Generation ausgestorben ist, brauchen wir junge Kräfte, bin diese Erfahrung nur bekommen können, wenn mir in der Mandatskommission mitarbeiten. Chamber- lain führte zu dieser Frage im Rate aus, daß Die Bundesversammlung erwarte, daß ein deutsches Mitglied für die Kommission ernannt werde. Er schlägt vor, diese Frage an die Mandatskommission zu überweisen in der Erwartung, daß die Kommission siee klärt, sodaß der Rat im September die Ernennung eines deutschen Mitgliedes vollziehen könne. Da diesen Beschlüßen des Völker- bundsrates auch eine Vorbesprechung vorausgs- gangen ist, ist es
bestimmt, daß im September die hinzuziehm^ eines deutschen Mitglieds in die Mandatskommission erfolgt.
Mll Enttäuschung ist es ausgenommen worden, daß der Wunsch der Freien Stadt Danzig in bezug auf die Feststellung des Rechtszustandes auf der Westernplatte noch nicht erledigt worden ist. Die Stadt Danzig will dem Völkerbundsrat neue Vorschläge unterbreiten, die auf eine andere Lösung der Differenzpunkte mit Polen zielt. Das war auch der Grund, der Danzig und uns veranlaßt hatte, nicht auf eine sofortige Entscheidung des Völkerbundsrates zu drängen. *
GLveiewHsms Antwort an Votneavo.
Die stärkste Enttäuschung hat in Deutschland die Tatsache hervorgerufen, daß die Frage der Truopenreduktion im Rheinland bei den diesmaligen Besprechungen in Asiens nicht gelost worden ist.
Es ist eine völlig falsche Annahme, wenn die französische Presse meint, daß die Erfüllung dieser deutschen Forderung ein Beweis des guten Willens gegenüber Deutschland sei. Es handelt sich hier nicht um irgend eine Konzession, die von unserem Wohl- verhalten abhängig wäre, sondern
die Reduktion der Rhinlandstruppen bildet ein Teil derjenigen Zusicherungen, von denen die Unterzeichnung des Locarno-Vertrages abhängig war.
(Lebh. Zustimmung rechts.) Wir wollen im Prinzip anerkennen, daß Zusicherungen anderer Art loyal erfüllt worden sind, aber wir haben auf die Erfüllung der Zusage der Truppenreduktion einmal einen formellen und zweitens einen weit noch da- drüber hinausgehenden politischen Anspruch. Der formelle Anspruch besteht in der unbedingten Klar. Heit der gegebenen Zusage.
Es besteht kein Zweifel darüber, wer hier im Rechte sei.
Es hat auch die Gegenseite niemals versucht, unser Recht jemals in Frage zu stellen. Bei einer fühlbaren Verminderung der Truppen, die in nächster Zeit eintreten soll, kann es sich natürlich nicht um Verminderung um 4000—5000 Mann handeln. In der Zusage heißt es auch, daß der Truppenbestand sich dem nationalen Tiefstand näher soll. Das kann natürlich nur heißen, daß die Truppen auf die Tieefzahl vermindert werden sollen, die in der Vorkriegszeit von Deutschland im Rheinlande unter- hallen wurden. Die Erledigung dieser Frage ist einmal eine Frage des Rheinlandes, das ein Recht auf die Verminderung der Besatzung hat, aber es ist noch mehr geworden, nämlich