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de« 20. ImM 1922

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Das Reichskabinett ist mit dem Ergebnis n Genf unzufrieden, doch billigt es die Haltung rejemans.

Wie wir erfahren, wird nach einer Verein- rung zwischen Dr. Stresemann und dem Reichs- zspräsidenten Löbe die Interpellationsdebatte èr die Genfer Verhandlungen im Reichstag am ochsten Freitag stattsinden.

W Poincare hielt gestern in Lunömlle eine neue ißrede gegen Deutschland.

In Genf beginnt heute die Coolidge-Konfe- nz der Vereinigten Staaten, Englands und ipans.

' Die Ozeanflieger Chamberlin und Levme ad gestern über München nach Wien geflogen.

Sivefemanns rraâhe von Genk.

Genf, 19. Juni. Die deutsche Delegation at heute vormittag kurz vor 11 Uhr die Rück- -jse rtach Berlin angetreten und trifft am Montag vormittag mit demf ahrplanmäßigen »uge in Berlin ein. Zur Verabschiedung waren imergeneralsekreiär Dufour-Aeronce, General- ansul Aschmann und Pressevertreter am Bahn- of erschienen.

Nach der Rückkehr der deutschen Delegation us Genf wird das übliche Nachspiel in der )eimat erfolgen. Wenn man in der Heimat sie Bilanz zieht, so wird man sich dabei auf die Mlchte' stützen können, die die Delegation über hre Tätigkeit in Genf erstattet. Das wird be- eits heute nachmittag im Kabinett geschehen tnb in den nächsten Tagen im Reichstag, wo nan dem auswärtigen Ausschuß Gelegenheit ;eben wird, zu dem.Ergebnis von Genf Stel- ung zu nehmen, ehe die außenpolitische De- )dtte im Reichstage im Anschluß an die sozial- )emokratische Interpellation stattfindet. Letztere Debatte soll für kommenden Freitag in Aus- icht genommen sein. Vorläufig ist die Stim­mung im allgemeinen recht kritisch.

Wie dasBerliner Tageblatt" von gut anterrichteter Seite wissen will, hat in der Nachtsitzung des Reichskabinetts am Freitag bereits eine vertrauliche Besprechung über die Außenpolitik stattgesunden, in deren Verlauf ich ergeben habe, daß kein Mitglied des Ka­binetts mit dem Ausgang der Genfer Verhand- ungen zufrieden ist. Es soll jedoch zum Aus- rruck gekommen sein, ohne den Widerspruch der leutschnationalen Mitglieder des Kabinetts zu inden, daß Dr. Stresemann das Bestmögliche ssrausgeholt habe. Seine Wirksamkeit, das sind ungefähr die Gedankengänge, die im Reichs­kabinett maßgebend waren, habe zur Entspan­nung der europäischen Lage geführt, so daß man hier von einem gewissen indirekten Erfolg sprechen tjmne.

In dem Streit um die Stärke der Besatzungstruppen ist die von Frank­reich gewünschte Zusage nicht erreicht worden. Chamberlain und Vandervelde haben sich zwar für eins Verminderung der Besatzungstruppen eingesetzt, doch Briand ist darauf nicht eingegangen. Und so ist weder die Zahl der Truppen, die zurückgezogen wer­den sollen, noch das Datum der Zurückziehung festgesetzt worden. Man wird weiter auf dem ' diplomatischen Weg verhandeln, auf dem bisher die deutsche Vertretung in Paris nicht gerade große Erfolge zu verzeichnen hatte. Die ne­gativen Momente überwiegen noch mehr in der Frage der Ostfestungen. Hier hat das Reich sich freiwillig, ohne daß Rechtsansprüche der Ge­genseite vorlagen, zu dem Entgegenkommen be­reit erklärt, daß der Entwaffnungskommissar die militärischen Sachverständigen der Alliier­ten zu einer Besichtigung der gespreng­ten Anlagen einlädt. Man hat nicht erwirkt, daß ein bestimmter Termin für die Zurückziehung der Sachverständigen angegeben wurde, ihre Amtszeit ist nach wie vor unbe­grenzt. Allerdings soll die Besichtigungsreise kein Präjustiz darstellen, und die Alliierten ge­winnen keine Rechtsansprüche für künftige Fälle. Immerhin ein deutsches Zugeständnis wurde ohne Gegenleistung gemacht. Lediglich rite Möglichkeit besteht noch, den Termin der Lesichiaüng hinauszuzögern. Am bedenklichsten ist, daß in den Fragen der abgetrennten deutschen Gebiete nichts erreicht werden konnte. Im. Wemelland soll gewählt werden, aber die Ankündigung dieser Wahl durckM>en litauischen Ministerpräsidenten darf in Memel nicht ver-

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Paris, 19. Juni. Poincarä hat wieder einmal eine seiner berüchtigten Denkmalsreden gehalten, die ihm schon längst den Ruf eines unversöhnlichen Haßpredigers eintrugen. Diesmal galt sein Sonn­tagsbesuch der Stadt Lunäville. Der Ministerpräsi­dent traf, von Nancy kommend, heute vormittag dort ein und wurde von den Stadtbehörden zu dem neuen Kriegerdenkmal geführt, für dessen Ein­weihung er die offizielle Rede zu halten versprochen hatte. Poincarë scheint von seinem alten Schema für solche Reden noch nicht abgekommen zu sein.

Die ihm bei solchen Gelegenheiten unerläßlich erscheinenden Angriffe auf Deutschland zeigten sogar diesmal einen ganz besonders heftigen Charakter.

PoincarL ging in seiner Betrachtung zurück bis zum Jahre 1913, als ein Zeppelinluftschiff in Luneville notlanden mußte und stellte diese Zep­pelinfahrt so dar, als hätte es sich um einen Spio- nageflug längs der mit Festungen besetzten fran­zösischen Grenze gehandelt. Den deutschen Un­willen über die Haltung der französischen Bebör- den und der Bevölkerung anläßlich dieses Un­falls bezeichnet Poincarë als Stimmungsmache, um im Reichstag die Annahme neuer Rüstungen durch­zusetzen.

Poincare erwähnte dann das Ueberfliegen der Stadt Nürnberg zu Beginn des Monats August 1914 durch französische Flieger und behauptete, am 3. August 1914 hätte ein deutsches Flugzeug sechs Bonrben über Luneville abgeworfen. Er

beschuldigte die Deutschen, die Häuser von Luneville niedergebrannt und die unschuldige Bevölkerung niedergemetzelt zu haben.

Trotzdem, so erklärte Poincarè, suchten weder die Lothringer, noch die Franzosen in ihrer schreck­lichen Erinnerung an den Krieg Gründe ewigen Hasses gegen eine benachbarte Nation. Wenn Deutschland, so fuhr er fort, nach seiner Niederlage offen die Regierung und die militärische Kaste, die es in den Krieg getrieben habe, desauvouriert hätte, wenn es unsere eigene Verleugnung von 1870 nach- gemacht, wenn es gegen jede Wirklichkeit die nie­derschmetternde Verantwortlichkeit der kaiserlichen Politik abgeleugnet hätte, würde es niemand in den Sinn gekomemn sein, ein Volk mit einem Re­gime in Verbindung zu bringen und der Allgemein- heit der Deutschen die schrecklichen Attentate zuzu- schveiben, deren Zeuge mir gewesen sind. Wir sind zu gerecht, um nicht die notwendige Unterscheidung zu machen, und keiner von uns verfolgt alle Deutsche mit einem Haß und einer Ranküne, Die kontrastieren würde mit den ritterlichen Tradl- tionen Frankreichs. PoincarL fuhr alsdann fort: Frankreich hat spontan dem Besiegten die Hand ge­reicht, jedoch unter einer Bedingung, daß man nicht versucht, ihm seinen Sieg streitig zu machen. Wer, seitdem der Friede proklamiert wurde, ihn gestört hat, das ist gewiß nicht der schlechte Wille Frank- reichs. Frankreich hat niemals etwas außerhalb der Verträge oder über die Verträge hinaus gefordert.

Es fordert nur die Sicherheit feiner Grenze und Reparationszahlungen.

Poincare fuhr alsdann fort: In Locarno wie in Genf hat Frankreich, glaube ich, ziemlich offenkun­dig Beweise seines friedlichen Willens gegeben Aber warum hat Deutschland vor zwei Wochen ostentativ

nach Lissabon ein Kriegsschiff entsandt, das noch dazu den Namen Elsaß trägt? Warum

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öffentlicht werden, und wie das litauische Wahlrecht künftig aussehen wird, ist auch noch zweifelhaft.

Reichsauhenminister Dr. Sresemann wird in den nächsten Tagen Gelegenheit haben, nicht nur über feine Genfer Erfahrungen zu berich­ten, sondern auch zu erklären, welche Folge­rungen er aus ihnen zu ziehen und wie er ins­besondere die deusch-französischen Beziehungen zu klären gedenkt. An dieser Aufgabe wird er nicht herumkommen.

StsiOsSabinett und Nsamisn- bSiâSMÄ.

Berlin, 18. Juni. Das Reichskahinett hat in seiner gestrigen Sitzung in der Frage der B e a m - tenbesoldung in folgendem Beschluß Stellung genommen:

Die Reichsregierung verschließt sich nicht der Er- kennlnis, daß die Bezüge der Beamten infolge der gesteigerten Lebenshaltungskosten unzulänglich sind, und ist daher auch aus staalspolilischen Gründen gewillt, die wiederholt besprochene Aufbesserung dieser Bezüge durchzuführen. Sie glaubt in der Annahme, daß eine Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage nicht eintrelen wird, zusagen zu können, daß noch im laufenden Kalenderjahr, und zwar mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 eine durch­greifende, alle Beamtengruppen umfassende Reform der Beamteubesoldung erfolgen wird. 3m Reicks­

hat in Reden vl?m 1. und 3. November 1925, d. h. nach Locarno, ein deutscher Minister, und nicht der geringste erklärt, daß der Verzicht auf die bewaff­nete Gewalt Deutschland lediglich durch die Tatsache diktiert wurde, daß es keine bewaffnete Macht mehr besitzt? Warum hat er erklärt, daß Deutschland in keiner Weise moralisch auf deutsche Provinzen oder deutsche Bevölkerung verzichtet habe? Und warum hat ein anderer Minister ausdrücklich hinzugefügt, daß er das Elsaß als eine deutsche Provinz be­trachtet und daß Deutschland, wenn es auch auf die Gewalt verzichtet doch auf kein deutsches Gebiet verzichtet habe? Ob die Berliner Regierung glaubt, daß eine derartige Auslegung der Locarnâ-Abkom- men dem Gefühl Frankreichs entspricht? Warum lassen andererseits hohe deutsche Finanzautoritäten bereits jetzt durchblicken, daß binnen zwei Jahren Deutschland eine

Revision des Dawevplanes fordern und nicht mehr die vorgesehenen Zahlun­gen leisten könne? Sind das wirklich hinsichtlich der beiden Fragen, die Frankreich für vital halten muß, Worte der Klugheit und der Versöhnung?

Denn Deutschland uns offen sagen würde: Ich habe auf Elsaß-Lothringen. das ich euch 1870 ge­waltsam entrissen habe und das einmütig gegen die Annektion protestierte, verzichtet, ich werde nicht versuchen, es euch durch eine neue Gewaltat, noch durch Lisi, noch auf irgendeine andere Weise wie­der zu nehmen, wenn Deutschland gleichzeitig end­lich, wie die Botschafterkonferen; am 10. Februar ds. 3s. es gefordert hat, einwilligen mürbe, seine Polizei zu reorganisieren, die militärischen verbände aufzulösen, die Arsenale und Kasernen zu ver­äußern. die es in Verletzung des Vertrages behält und die Riederlegung der verbotenen Festungsan­lagen zu beendigen, dann würde es der Welt Frie- denspsänder geben, die jede Beunruhigung beseiti­gen und eine Annäherung erleichtern, die wir bis zuletzt wünschen.

Vor einigen Wochen, als ich öffentlich, ebenso wie meine sämtlichen Vorgänger es getan hatten, auf diesen beiden wesentlichen Bedingungen be­fanden Habe, nämlich Reparationen und Sicherheit, ind die wenigen Worte, die ich an dieser Stelle ges­prochen habe, in vielen deutschen Zeitungen ent» teilt (?) und bisweilen mit Bitterkeit kommentiert worden. Man hat mich als eine Art Monomanen hingestellt und behandelt als die halsstarrige Perso­nifizierung des armen Lothringen, unfähig anderer Absichten als die der Rache zu nähren. Er schloß seine Rede, indem er erklärte: Unsere Toten haben gedacht, daß ein Krieg, der ihnen erklärt wurde, nicht zu Ende gehen dürfe, ohne daß Frankreich die Provinzen zurückerhalte, die man ihm genom­men hat. Der Sieg hat unsere Bemühungen ge­krönt. Frankreich hat nichts mehr zu wünschen als den Frieden und die Beobachtung der Verträge. Es hat auch nichts anderes gewollt; es will heute nichts anderes und es wird morgen nichts anderes erstreben.

Nicht ohne Bedeutung ist es, daß, als Poincare diese Rede in Luneville hielt, an seiner Seite der Pensionsminister Louis Martin stand.

V a r *s» 20. Juni. Die vom Versailler Geist er­füllte Rede Poincares in LunSville Hal in Paris großes Aufsehen erregt. Sie gilt als das Vorspiel eines verschärften Widerstandes gegen die Locarnopolitik und gegen eine für Deutschland befriedigende Lösung der Rheinlandsrage.

finauzministerium ist man dementsprechend mit der Ausarbeitung eines Entwurfes beschäftigt, der bei einer durchschnittlichen Erhöhung der Bezüge auch eine Aenderung des derzeit gellen^n Besoldungs­gesetzes vorsieht und die vielen berechtigten Be­schwerten beseitigen soll, die sich im Jahre 1926 er­geben haben, und sowohl Gegenstand der parlamen- tarischen Verhandlung wie zahlreicher Vorstellungen der Beamten waren. Das heutige Besoldungssystem bcizubehallen, um darauf prozentuale Zuschläge zu geben, ist nicht beabsichtigt. Auch soll keine Teil­lösung der Besoldungsfrage durch Gewährung vor­läufiger Abschlagszahlungen versucht werden. Die Bezüge der Ruhegehaltsempfänger, warlegeld- empsänger, sowie Hinterbliebenen sollen eine ent­sprechende Berücksichtigung ersahren. Im Zusammen­hang mit der Erhöhung der Beamtenbesoldung wer­den auch gemäß § 87 des Reichsversorgungsgesetzes die zur Besserung der Lage der Kriegsbeschädigten erforderlichen mittet bereitgestellt werden.

LhambeeSin und Levine in München und Wien.

Berlin, 19. Juni. Heute vormittag 10% Uhr sind Chamberlin und Levine mit ihrem Flugzeug Columbia, enthusiastisch begrüßt von einer mehrere tausend Köpfe starken Menge nach München ab­geflogen. Zwei Großflugzeuge der Lufthansa, in denen die Gattinnen der beiden Flieger, sowie deutsche und amerikanische Journalisten Platz ge­nommen hatten, begleiten die beiden Flieger.

München, 19. Juni. Von Dietfurt aus funkte die Columbia:Liebe Münchener! Habt nur noch ein wenig Geduld, wir kommen- bald." Die letzten Meldungen von der Flugstrecke kamen von Ingol­stadt, das um 2.20 Uhr überflogen wurde, und von Pfaffenhofen. Kurz nach %3 Uhr" kam Be­wegung in die Massen, die in dichten Scharen das Flugfeld umlagert halten. Filmoperateure und Photographen rüsteten, um die Landung im Bilde festzuhalten. Trotz dichter Gewitterbewölkung strahlte die Sonne fast ununterbrochen auf das festlich geschmückte Flugfeld hernieder.

Eine Minute nach drei Uhr kündete ein Sirenen­signal das Nahen der drei Flugzeuge an. Die Flugzeuge überquerten zunächst das Flugfeld unter dem brausenden Jubel der Menge in Richtung auf die Stadt, über die sie eine Schleife zogen. Um 3.9 Uhr landete die Columbia, die noch eine Ehrenrunde über dem Flugfeld gepflogen hatte, nachdem die Begleitflugzeuge schon niedergegangen waren. Den amerikanischen Fliegern wurden begeisterte Hul­digungen dargebracht. Die Landung erfolgte glatt und sicher. Im Nu war die Absperrung durch­brochen und die Columbia, der Chamberlin und Levine entstiegen, von Tausenden umgeben, die den beiden Fliegern immer wieder stürmisch zujubelten und nicht endenwollende Huldigungen darbrachten. Im Triumphzug wurden Chamberlin und Levine, denen das Töchterchen des amerikanischen Konsuls Donagan prächtige Rosensträuße überreichte, zu dem mit Wimpeln und Blumen geschmückten Kraft­wagen geleitet. Den Willkommensgruß der baye­rischen Staatsregierung entbot Staatssekretär Frei­herr D. Welser mit einer kurzen Ansprache, auf die Chamberlin, sichtlich bewegt, erwiderte. Die Hoch­rufe der Menge wollten kein Ende nehmen, als Chamberlin sich vom Dach eines der Gebäude der Flugstatton aus der Menge zeigte. Unter immer erneuten stürmischen Kundgebungen erfolgte die Ab­fahrt zum Rathaus. Auch unterwegs waren die bei­den Flieger mit ihren Gattinnen Gegenstand be­geisterter Huldigungen.

Um 5,23 Uhr stiegen die Flieger mit dem Be­gleitgeschwader nach Wien auf.

Wien, 20. Juni. Nach einem Rundflug über Wien und den Flugplatz landete die Columbia um 7% Uhr unmittelbar vor dem für die offiziellen Persönlichkeiten abgesperrten Raum. Ihr folgten die vier Begleitflugzeuge. Als die Flieger die Columbia verließen, durchbrachen viele Zuschauer den abgesperrten Raum, um sie auf die Schulter zu heben und fie_mit Blumen zu überschütten. Nach­dem der erste Sturm der Begeisterung vorüber war, konnte Bundesminister Dr. Schürff seine Ansprache halten. Es folgte sodann die Begrüßung seitens des amerikanischen Gesandten Washburn, des Vertreters der Gemeinde Wien und anderer offizieller Per­sonen. Die Flieger begaben sich dann nach dem Hotel Imperial, wo ein besonderer Empfang durch den amerikanischen Gesandten stattfand. Auf der Fahrt durch die Straßen wurden die Flieger von einem zahlreichen Publikum herzlich begrüßt.

ÄHambeettns unb Levines DsmS an das dsntMe SsSS.

München, 19. Juni. Chamberlin und Levine rich. teten folgende Dankeskundgebung an das deutsche Volk:

Wenn wir nunmehr den deutschen Boden wieder verlassen, so möchten wir die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, um Deutschland und dem deut­schen Volke, der Reichsregierung, wie den Länder- regirungen und den Behörden' unseren innigsten Dank für den herzlichsten Empfang sowie die zahl­losen hohen Auszeichnungen und Ehrungen, die uns zuteil wurden, auszusprechen. Als wir vor 15 Tagen in Newyork mit dem Flugzeug Columbia aufstiegen, um nach Berlin zu fliegen,' da galt es uns, diese große Entfernung auf dem Luftwege zu bezwingen, und als wir 'auf deutschem Boden, wenn auch leider nicht gleich in Berlin landeten, da zeigte uns die Begeisterung und der Jubel, mit dem wir empfangen wurden, in wie hohem Maße das deutsche Volk diese unsere Tat ehrte und da empfanden wir erst, was wir überhaupt geleistet hatten. Und seitdem hat diese Begeisterung, die uns entgegenschlug, nicht nachgelassen.'

Wohin wir auch kamen, überall ward sie uns zuteil. Wir vermögen es wohl kaum zu sagen, wie sehr uns diese Ehrungen ergriffen haben, und wenn wir wieder nach Amerika zurückkehren werden, so wird es uns zur großen Freude gereichen, in un­serer Heimat über unseren Empfang in Deutsch­land zu berichten. Auch wir hoffen, mit unserem Flug die Herzen unserer beiden Nationen näher ge­bracht zu haben. Wenigstens würden wir darin unsere größte Befriedigung und die höchste Aus­zeichnung für unseren Flug sehen. Möge bald der Tag kommen, an dem wir einen deutschen Ozean­bezwinger in Amerika begrüßen können, bamit schließlich unser aller erträumtes Ziel, der Luftver­kehr zwischen Europa und Amerika, sich recht bald verwirklichen lasse.

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München, 20. Juni. Wie dieMünchner Augs­burger Abendzeitung" meldet, ist der Münchner Flieger Udet an einheimische Fabriken herange- treken, eine Flugmaschine zu konstruieren, mit der er einen Dauerflug MünchenRewyork unter­nehmen will. Die Finanzierung des Unternehmens soll bereits gesichert sein.