General-Anzeiger für
Onnau Stadt und Land
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Donnerstag
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Das MsWä.
— Dr. Stresemann ist nach Berlin zurückgekehrt ) wird morgen nach Genf abreisen.
— Die Ozeanflieger Chamberlin und Levine rden gestern vom Reichspräsidenten und Reichs- /zler empfangen.
— Der Reichstag wird am kommenden Dienstag le Sitzungen wieder aufnehmen.
■ — Das Generalsekretariat des Völkerbundes gibt itlich bekannt, daß der Engländer Sir Wilton m Mitglied und Präsidenten der Saar-Regie- agskommission ernannt worden ist. Sein Mandat ist bis zum 31. März 1928. .
In Warschau und Wilna wurden 35 Russen chaftet, darunter hervorragende Mitglieder der ssischen Emigranten-Kolonie.
— In Leningrad wurde ein Bombenattentat ver- t, durch das 26 Teilnehmer einer kommunistischen irsammlung erheblich verwundet wurden.
SvaurSs. Vorbevciènngö» säe Genf.
Der englische Außenminister Chamberlain tf sich am Psingstsamstag auf seiner Reise ich einem Kurort in Savoyen kurze Zeit in aris aufgehalten. Da es sich um eine Er- stungsreise handelt, an die sich in der kom» enden Woche der Besuch der Ratstagung in «nf anschließen soll, so blieb es in Paris bei nem Besuch der englischen Botschaft. Die ariser Presse hat aber aus diesem Anlaß das Hema der Genfer Ratstagung, mit dem sie schon seit mehreren Tagen beschäftigt, mit anderem Eifer m Angriff genommen und e die Aussichten erörtert, die die bevor- ehenden Genfer Verhandlungen bieten. Dabei alt man sich nicht lange mit der eigentlichen agesordnung der Ratsversammlung auf. Itan erwartet von ihr nicht viel und legt auch orläufig noch kein großes Gewicht auf die Tatsache, daß Deutschland auf der Behandlung er Memelbeschwerde besteht. Dagegen sieht ian mit einiger Spannung den Besprechungen ntgegen, die auch diesmal wieder unabhängig >on dem offiziellen Programm der Ratstagung n Aussicht genommen sind. Man hat sich in ßaris daran gewöhnt, die Ratstagungen in denf als das diplomatische Parkett zu be- rachten, auf dem die Staatsmänner ihre An- ichten über alle schwebenden Fragen der internationalen Politik austauschen." Die früher tllein übliche Methode des Notenwechsels ist keineswegs aufgegeben worden. Aber man hat Soch aus den praktischen Erfahrungen der letzten Jahre den Schluß gezogen, daß "daneben die persönlichen Begegnungen der Staatsmänner auf Ratstagungen und Konferenzen mit ihren Möglichkeiten wechselseitiger Aussprache und persönlicher Anknüpfung an frühere Besprechungen ein recht schätzenswertes Mittel sind, die politische Lage zu klären und Streitfragen in das richtige Licht zu stellen.
Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet man auch diesmal die bevorstehende Genfer Tagung und man knüpft dabei an einen parlamentarischen Vorgang an, der beweist, daß man auch im Senat und in den Kreisen der französischen Regierung von Genf mehr erwartet, als die bloße Erledigung einer formalen Tagesordnung. Mitte Mai kam im Senat eine Aeußerung zur Sprache, die dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann zu- geschrieben wurde und die dahinging, Deutschland habe das Recht, auf Grund des Artikels 431 des Versailler Vertrages die Räumung des Rheinlandes zu verlangen, ohne eine Gegenleistung anzubieten. Damals wurde die Regierung gefragt, wie sie sich zu dieser Forderung verhalte. Briand war zusammen mit dem französischen Präsidenten in London und konnte deshalb auf die Frage nicht anworten. Ende der vorigen Woche wurde die Frage erneuert. Die Antwort Briands war nach mancher Richtung hin bezeichnend. Der französische Außenminister erklärte, er habe eigentlich die Absicht gehabt, die an ihn gerichtete Frage im Zusammenhang mit der gesamten außenpolitischen Lage zu behandeln, sei aber doch zu der Ueberzeugung gekommen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt nicht gerade günstig sei. Da es sich zudem glücklicherweise nicht um eine Frage erstklassiger Bedeutung und von großer Dringlichkeit handele, so bitte er um die Erlaubnis, erst nach der Genfer Ratstagung auf diese Frage zurückzukommen. Der Senat gab sich nach einigem Hin und Her mit dieser Aussicht zufrieden und so wurde be- tchlossen, daß die außenpolitische Erklärung
RuklandS Forderungen
an Voten.
Moskau, 8. Juni. Aus dem Inhalt der russischen Note an Polen wird noch bekannt: Die Note, die in sehr scharfer Sprache gehalten ist, macht Polen für die „bübische Tat, die ohne Bei piel dasteht", verantwortlich und weist darauf hin daß die russische Regierung Polen oft vor Anschlägen gewarnt habe. Aber Polen habe es stets unterlassen, gegen die verbrecherische Tätigkeit der russischen Gegenrevolutionäre irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Weiter betont die Note, daß der Anschlag nur ein Glied in der Kette der Bestrebungen sei, Rußlands diplomatische Auslandvertrelungen un- möglich zu machen. Die Note bringt die Tat in Zusammenhang mit den Razzien auf die Botschaft in Peking und die Handelsvertretung in London, sowie die Blockade des russischen Generalkonsulats in Schanghai und erklärt, daß der englisch-russische Bruch eine „von blindem Haß gegen Räterußland erfüllte Gruppe terroristischer Revolutionäre" mit frischem latent) rang erfüllt habe. Abschließend behält sich Ruhland in der Note alle weiteren Schritte vor, sobald nähere Einzelheiten über die Tat hier vorlägen. >
Oie «Schuwkvas« narb <nsM<bev Auffassung.
Moskau, 8. Juni. Moskau hat zum Zeichen der Trauer über die Ermordung Woskows halbmast geflaggt. Das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten orünetx zweiwöchige Trauer an Da auch die Amtskreise genaue Berichte über den Mord noch nicht erhalten haben, vermeidet es die Presse, zu erörtern, welche Schritte die Reglern na etwa unternehmen werde, betont jedoch übereinstimmend, daß die Hauptschuld an dem Mord auf England falle. Die „Iswestija" erinnert daran, daß Worowskl kurz nach Curzons Note an Rußland (1923) ermordet worden fei; jetzt, nachdem England d,e Beziehungen zu Rußland abgebrochen habe, werde eine ganz ähnliche Mordtat ausgeführt. London billige eben jedes Verbrechen gegen Rußland. Die Diehards hätten den Rest ihres Verstandes verloren und hofften, durch derartige Herausforderungen einen offenen Krieg herbeiführen zu können. Die „Ekonomitschaskaja Shisn" meint, England könne ein neutrales Polen nicht brauchen, und" deshalb sei diesem wohl durchaus erwünscht, daß Polen und Rußland in Zwistigkeiten geraten, bei denen Warschau sich der Hilfe Londons versichern müsse. Der Mord an Wojkow sei wie eine Herausforderung zum Krieg. Die öffentliche Meinung Rußlands werde mit einer förmlichen Entschuldigung nicht zufrieden sein.
Die Amtskreise weisen mit größtem Ernst auf die Kriegsgefahr hin. Zur Zeit des Abschlusses des Rigaer Friedensvertrages hat Rußland bereits auf bie weißgardistische Tätigkeit innerhalb Polens Hin- gewiesen. Die Jahre 1921 bis 1925 waren mit stän- otgen Grenzgeplänkeln irregulärer weißer Banden erfüllt; abentuerlustige polnische Militärkreise nah- men aktiv daran teil. 1925 legte ein Gemischter Ausschuß die Zwistigkeiten bei, die polnische Späher-
über die Rheinlandräumung und über eine andere Frage — das Verhältnis Frankreichs zur Sowjetregierung — erst nach der Rückkehr Briands von Genf abgegeben werden soll. Wenn der französische Außenminister meinte, es handele sich nicht um eine Frage von allererster Bedeutung, so war das ein diplomatischer Schacyzug. In Wirklichkeit weiß man in Paris sehr genau, daß die Räumungsfrage von Deutschland als eine Angelegenheit von allergrößter Bedeutung betrachtet und dementsprechend auch von dem deutschen Außenminister behandelt wird. Dieser Auffassung wird man in Paris auch Rechnung tragen müssen. Man verläßt sich aber darauf — und hier liegt der bezeichnende Punkt —, daß es in Genf in den Besprechungen zwischen Briand, Stresemann und Chamberlain gelingen wird, die französische Auffassung hinreichend zur Geltung zu bringen, um Briand alsdann eine günstige Plattform für seine außenpolitische Darlegungen zu geben, als es gegenwärtig der Fall ist. Man wird in Deutschland diese französischen Vorbereitungen auf Genf nicht aus dem Auge verlieren dürfen, damit man die Kampfstellung kennt, in der sich in Genf die Verhandlungen abspielen werden.
Um es kurz zu sagen: die deutsche Räumungsforderung stößt so, wie sie von Deutschland aus gestellt wird, in Paris auf Widerstand. Ebenso macht man auch in Paris in der Frage der vollendeten Abrüstung, die ja vorher gelöst sein muß, immer noch Schwierigkeiten. Die deutsche Regierung hat zwar, nach allem, was man weiß, nicht die Absicht, die Frage der Rheinlandräumung auf der bevorstehenden Ratstagung durch eine öffentliche
tätigkeit, besonders in der Ukraine und in Weißrußland, nahm aber stetig zu, so daß in den letzten Monaten fast jede Woche polnische Späher verhaftet und gegebenenfalls erschossen wurden. Bereits 1924 wurde Wojkow durch die polnische Polizei vor einem Mordanschlag gewarnt, die polnische Presse aber hetzte fortgesetzt weiter gegen ihn persönlich. Die Anwesenheit des weißgardistischen Generals Diakonow im März d. Js. in London, den Ber- öfentlichungen im Wiener Abend als einen Abgesandten des Nachfolgers Petljuras, Lewitzkis, kennzeichneten, erweisen, daß fortgesetzt Beziehungen englischer Regierungskreise durch den sogenannten „Intelligence feroice" zu den Weißgardisten und zu den Aventuristen im polnischen Heer bestehen, die ja in letzter Zeit in den militärischen Fachblättern auch lebhaft die Wiedergewinnung der Grenzen von 1772 erörterten.
' Die russischen Militärkreise betrachten einen Krieg gegen Polen taktisch hoffnungsvoll, wenngleich trotz des Vorhandenseins gewisser Kriegsfreunde unter ihnen eine selbständige Mililarislenpolikik hier un- möglich ist. Die russische Regierung wünscht jedenfalls keinen Krieg, welchen Wunsch die polnische Regierung offenbar teilt, doch scheint die russische Regierung entschlossen, durch die Forderung, daß die weißen Organisationen in Polen vernichtet werden müßten, eine eindeutige Antwort über Polens Gefolgschaft auf den weiteren Wegen Englands zu erzwingen.
35 rrEenvevhaftunsen
Warschau, 8. 3unL 3m Zusammenhang mit der Ermordung des sowjelrussischen Gesandten Wojkow wurden nach der „Abendpost" in Warschau und Mlna Haussuchungen vorgenommen, wobei 35 Russen verhaftet wurden, darunter hervorragende Mitglieder der russischen Emigrantenkolonie, sowie der Präsident der russischen Emigranten, Gorlow, der hiesige Vertreter des Großfürsten Nikolajewitsch, ein ehemaliger zaristischer General, Grundbesitzer und andere. „Przeglond Wieczorny" betont, daß oiese Verhaftungen durch die bisherigen Ergebnisse des Mordfalles nicht gerechtfertigt wären. Die lleberführung der Leiche Wojkows nach Moskau erfolgt erst Freitag morgen.
B-mbenaiLsntat in Leniusvad
Leningrad, 8. Juni. Gestern in später Abendstunde betrat ein Unbekannter den Saal des Ge- schäftsklubs, in dem eine Sektion des Leningrader Diskussionsklubs der kommunistischen Partei eine Mitgliederversammlung abhielt, und warf eine Bombe. Gleich darauf wurde von einem anderen Unbekannten eine zweite Bombe geworfen. Durch die Explosion wurde der Raum zerstört und 26 Teilnehmer der Versammlung erheblich verwundet, so- r.aß sie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Außerdem gab es einige leichtere Verletzte. Die beiden Täter, die ihren Rückzug mit Revolverschuffen deckten, entkamen.
Aktion aufzurollen. Aber sie hätte doch wohl gewünscht, noch vor der Genfer Konferenz in der Abrüstungsfrage endlich zu einem allseitig anerkannten Abschluß zu gelangen. Es ist aber bisher nicht gelungen, die Hindernisse zu beseitigen, die einer Verständigung zwischen Paris und Berlin im Wege stehen. Man zeigt in Paris kein Verständnis für die deutsche Auffassung, daß militärische Kontrollhandlungen nicht mehr in Frage kommen und hält "die militärischen Sachverständigen, die den Berliner Botschaften zugeteilt worden sind, für die gegebenen Organe, um die Durchführung der Zerstörungsarbeiten im Bereiche der deutschen Ostfestungen festzustellen. Man vertritt auch die Auffassung, daß ohne eine befriedigende Erledigung dieser Angelegenheit von einer Truppenherabsetzung im Rheinland nicht die Rede sein könne. Was aber die Rhemland- räumung sebst anlangt, so hält man nach wie vor daran fest, daß es sich nur um Leistung und Gegenleistung handeln könne, wobei die Meinungen über die Beschaffenheit der deutschen Gegenleistungen auseinandergehen. Der ^anze Komplex dieser Fragen wird in Genf in den Besprechungen Stresemanns mit Briand und Chamberlain "behandelt werden. Und wenn man die parlamentarische Erörterung in dem französischen Senate bis zur Rückkehr Briands von der Genfer Ratstagung verschoben hat, so spricht daraus wohl die Erwartung, daß es Briand gelingen wird, in Genf etwas zugunsten der französischen Auffassung herauszuschlagen. Auf jeden Fall wird es nach französischer Auffassung — und darin wird man ihn in Deutschland wohl beipflichten — in Genf wieder einen harten diplomatischen Kampf
geben, in dem Die deutsche Delegation ihre ganze Kraft wird einsetzen müssen, um den deutschen Ansprüchen Geltung zu verschaffen.
Meiste neuen ODfet fite die Rheinlandvaumuns«.
Aeußerungen des Zenlrumsabgeordnelen Dr. Kaas.
Wittlich, 8. Juni. In einer hiesigen Zentrums-- Versammlung sprach der Reichstagsabgeodnete Prälat Dr. Kaas in einem langem Vortrag über die deutsche auswärtige Politik, worin er u. a. ausführte:
Der Stillstand in den außenpolitischen Verhandlungen mit Frankreich sei auf die ungewöhnliche Machtstellung Poincares zurückzuführen, die sich nach der gelungenen Frankenbefestigung Bahn machte. Deutschland, das in Thorry für die Rheinlandräumung Gegenleistungen geldlicher Art machen wollte, hätte nur dann einen Erfolg haben können, wenn die Währungsbefestigung in Frankreich nicht gelungen wäre. Brigyd, der sicherlich eine andere Politik betreiben mürbe, könne sich bei der augenblicklichen Volkstümlichkeit Poincarès nicht mehr durchsetzen. Schon früher sei Poincare der heftigste Verfechter des Versailler Verlags gewesen, und das habe sich heute noch nicht geändert. Das sei der wahre Grund für die Verzögerung in den Verhandlungen mit Frankreich. Die Räumung der besetzten Gebiete, die man in Locarno und in Genf in den Vordergrund gerückt habe, hätte man vielleicht zweckmäßiger von vornherein als Voraussetzung für einen Eintritt in den Völkerbund stellen können. Es sei jedoch sehr fraglich, ob wir dann heute weiter wären. Die Machtstellung des französischen Ministerpräsidenten sei so ausgebaut, daß er heute behaupte, an ein Aufgeben des Rheinlandes fei nicht zu denken, solange die moralische Abrüstung in Deutschland nicht weitere Fortschritte mache. Der Grundsatz von Thoiry sei ein Tauschgeschäft gewesen. Jedes Tauschgeschäft bedeute eine Anspannung des Volkes, bedeute neue Bindungen, neue Ketten, die je nach der Weiterentwicklung der Dinge verhängnisvoller fein könnten als die Befetzungsketten, die mir zu tragen hätten. Diesen Standpunkt habe er von Anfang an vertreten; er vertrete ihn heute mit verstärkter Energie. Die Zeiten sind vorbei, so sagte Dr. Kaas, wo wir große finanzielle und wirtschaftliche Opfer auf uns nehmen für die Einlösung eines selbstverständlichen Rechts. Darum ist es besser, die Besetzung langsam an ihrer inneren Unmöglichkeit eingehen zu lassen, als daß wir uns durch Uebe, nähme untragbarer finanzieller und wirtschaftlich Konzessionen von ihr befreien.
ÄMevttank-Ges Locarno?
Eine Anregung Briands in Washington.
Newyork, 8. Juni. Nach Mitteilung des amerita» nischen Botschafters Herrick in Paris an das Staatsdepartement hat Briand den Wunsch ausgedrückt, die Verhandlungen mit Amerika über Abschluß eines Vertrages zur Ausschaltung des Krie- ges und zur Sicherung eines dauernden Friedens aufzunehmen. Briands Vorschlag soll nach den augenblicklichen Informationen nicht mit einem bestimmten Friedensplan verknüpft sein, vielmehr soll er die Anregung gesprächsweise gemacht haben. Immerhin hat der Botschafter darin genügend Grund gesehen, Washington sofort durch Kabel zu informieren. Das Staatsdepartement hat noch nicht genügend Zeit gehabt, dem Botschafter eine Antwort zu übermitteln und eine endgültige Meinung zu formulieren. Doch haben informierte Kreise keinen Zweifel, daß die Anregung aufgegriffen und Verhandlungen demnächst eröffnet werden.
Briand hat offenbar bei den gnazen Verhandlungen ein „amerikanisches Locarno", also den abgeänderten, seinerzeit von Wilson versprochenen Garantievertrag im Auge, wobei die Garantie diesmal allerdings nicht gegen die äußeren Feinde Frankreichs gesucht wird. Briand scheint vielmehr schon zufrieden, wenn er die Garantie erhält, daß Amerika niemals gegen Frankreich Krieg.-führen wird. Wenn die Verhandlungen auf dieser Basis geführt werden sollten, dürfte kaum mehr als eine Verlängerung des bestehenden Schiedsvertrags herauskommen.
«nserrednng Gtvesemann-LMMchevrn.
Die „Badische Presse" in Karlsruhe hat übet die Unterredung zwischen Dr. Stresemann und Tschitscherin in Baden-Baden Angaben gemacht, die auch von einer Telegraphenagentur verbreitet wurden. Die Angaben sind, wie die „Tägl. Rundschau" bestimmt versichern kann, unzutreffend. Abgesehen von dem amtlichen Bericht kann keine Mitteilung, die über die Unterredung verbreitet wurde, auf Zuverlässigkeit oder authentischen Wert Anspruch machen. Insbesondere ist es unrichtig, wenn be> hauptet wird, Dr. Stresemann habe Tschitscherin gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß der 3eit punkt des Besuches schlecht gewählt sei.
Givesemann wieder in Veviin.
Berlin, 8. Juni, Reichsaußenminister Dr. Stresemann ist heute vormittag. wieher in Berlin eingetroffen. Der russische Volkskommissar des Aeußcren Tschitscherin wird voraussichtlich erst ^morgen in Berlin eintreffen. Am Freitag reift Dr. Stresemann wieder von Berlin ab, um sich über Frankfurt nach Genf zu begeben. Tschitscherin wird voraussichtlich noch bis Samstag in Berlin bleiben. Am Donnerstag wird voraussichtlich das Kabinett die Richtlinien für Genf festlegen.