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General-Anzeiger für

Onnau Stadt und Land

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Donnerstag

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den 9« Luni

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Äezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Lezugspreises. / Für platzvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hamm<rstr.9 / Fernspr. 3956,3952,3958

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Das MsWä.

Dr. Stresemann ist nach Berlin zurückgekehrt ) wird morgen nach Genf abreisen.

Die Ozeanflieger Chamberlin und Levine rden gestern vom Reichspräsidenten und Reichs- /zler empfangen.

Der Reichstag wird am kommenden Dienstag le Sitzungen wieder aufnehmen.

Das Generalsekretariat des Völkerbundes gibt itlich bekannt, daß der Engländer Sir Wilton m Mitglied und Präsidenten der Saar-Regie- agskommission ernannt worden ist. Sein Mandat ist bis zum 31. März 1928. .

In Warschau und Wilna wurden 35 Russen chaftet, darunter hervorragende Mitglieder der ssischen Emigranten-Kolonie.

In Leningrad wurde ein Bombenattentat ver- t, durch das 26 Teilnehmer einer kommunistischen irsammlung erheblich verwundet wurden.

SvaurSs. Vorbevciènngö» säe Genf.

Der englische Außenminister Chamberlain tf sich am Psingstsamstag auf seiner Reise ich einem Kurort in Savoyen kurze Zeit in aris aufgehalten. Da es sich um eine Er- stungsreise handelt, an die sich in der kom» enden Woche der Besuch der Ratstagung in «nf anschließen soll, so blieb es in Paris bei nem Besuch der englischen Botschaft. Die ariser Presse hat aber aus diesem Anlaß das Hema der Genfer Ratstagung, mit dem sie schon seit mehreren Tagen beschäftigt, mit anderem Eifer m Angriff genommen und e die Aussichten erörtert, die die bevor- ehenden Genfer Verhandlungen bieten. Dabei alt man sich nicht lange mit der eigentlichen agesordnung der Ratsversammlung auf. Itan erwartet von ihr nicht viel und legt auch orläufig noch kein großes Gewicht auf die Tatsache, daß Deutschland auf der Behandlung er Memelbeschwerde besteht. Dagegen sieht ian mit einiger Spannung den Besprechungen ntgegen, die auch diesmal wieder unabhängig >on dem offiziellen Programm der Ratstagung n Aussicht genommen sind. Man hat sich in ßaris daran gewöhnt, die Ratstagungen in denf als das diplomatische Parkett zu be- rachten, auf dem die Staatsmänner ihre An- ichten über alle schwebenden Fragen der inter­nationalen Politik austauschen." Die früher tllein übliche Methode des Notenwechsels ist keineswegs aufgegeben worden. Aber man hat Soch aus den praktischen Erfahrungen der letzten Jahre den Schluß gezogen, daß "daneben die persönlichen Begegnungen der Staats­männer auf Ratstagungen und Konferenzen mit ihren Möglichkeiten wechselseitiger Aus­sprache und persönlicher Anknüpfung an frühere Besprechungen ein recht schätzens­wertes Mittel sind, die politische Lage zu klären und Streitfragen in das richtige Licht zu stellen.

Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet man auch diesmal die bevorstehende Genfer Tagung und man knüpft dabei an einen par­lamentarischen Vorgang an, der beweist, daß man auch im Senat und in den Kreisen der französischen Regierung von Genf mehr er­wartet, als die bloße Erledigung einer for­malen Tagesordnung. Mitte Mai kam im Senat eine Aeußerung zur Sprache, die dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann zu- geschrieben wurde und die dahinging, Deutsch­land habe das Recht, auf Grund des Artikels 431 des Versailler Vertrages die Räumung des Rheinlandes zu verlangen, ohne eine Gegen­leistung anzubieten. Damals wurde die Re­gierung gefragt, wie sie sich zu dieser Forde­rung verhalte. Briand war zusammen mit dem französischen Präsidenten in London und konnte deshalb auf die Frage nicht anworten. Ende der vorigen Woche wurde die Frage er­neuert. Die Antwort Briands war nach mancher Richtung hin bezeichnend. Der fran­zösische Außenminister erklärte, er habe eigent­lich die Absicht gehabt, die an ihn gerichtete Frage im Zusammenhang mit der gesamten außenpolitischen Lage zu behandeln, sei aber doch zu der Ueberzeugung gekommen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt nicht gerade günstig sei. Da es sich zudem glücklicherweise nicht um eine Frage erstklassiger Bedeutung und von großer Dringlichkeit handele, so bitte er um die Erlaubnis, erst nach der Genfer Rats­tagung auf diese Frage zurückzukommen. Der Senat gab sich nach einigem Hin und Her mit dieser Aussicht zufrieden und so wurde be- tchlossen, daß die außenpolitische Erklärung

RuklandS Forderungen

an Voten.

Moskau, 8. Juni. Aus dem Inhalt der russi­schen Note an Polen wird noch bekannt: Die Note, die in sehr scharfer Sprache gehalten ist, macht Po­len für diebübische Tat, die ohne Bei piel dasteht", verantwortlich und weist darauf hin daß die russi­sche Regierung Polen oft vor Anschlägen gewarnt habe. Aber Polen habe es stets unterlassen, gegen die verbrecherische Tätigkeit der russischen Gegen­revolutionäre irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Weiter betont die Note, daß der Anschlag nur ein Glied in der Kette der Bestrebungen sei, Rußlands diplomatische Auslandvertrelungen un- möglich zu machen. Die Note bringt die Tat in Zusammenhang mit den Razzien auf die Botschaft in Peking und die Handelsvertretung in London, sowie die Blockade des russischen Generalkonsulats in Schanghai und erklärt, daß der englisch-russische Bruch einevon blindem Haß gegen Räterußland erfüllte Gruppe terroristischer Revolutionäre" mit frischem latent) rang erfüllt habe. Abschließend behält sich Ruhland in der Note alle weiteren Schritte vor, sobald nähere Einzelheiten über die Tat hier vorlägen. >

Oie «Schuwkvas« narb <nsM<bev Auffassung.

Moskau, 8. Juni. Moskau hat zum Zeichen der Trauer über die Ermordung Woskows halbmast geflaggt. Das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten orünetx zweiwöchige Trauer an Da auch die Amtskreise genaue Berichte über den Mord noch nicht erhalten haben, vermeidet es die Presse, zu erörtern, welche Schritte die Reglern na etwa unternehmen werde, betont jedoch überein­stimmend, daß die Hauptschuld an dem Mord auf England falle. DieIswestija" erinnert daran, daß Worowskl kurz nach Curzons Note an Rußland (1923) ermordet worden fei; jetzt, nachdem England d,e Beziehungen zu Rußland abgebrochen habe, werde eine ganz ähnliche Mordtat ausgeführt. Lon­don billige eben jedes Verbrechen gegen Rußland. Die Diehards hätten den Rest ihres Verstandes ver­loren und hofften, durch derartige Herausforderun­gen einen offenen Krieg herbeiführen zu können. DieEkonomitschaskaja Shisn" meint, England könne ein neutrales Polen nicht brauchen, und" des­halb sei diesem wohl durchaus erwünscht, daß Polen und Rußland in Zwistigkeiten geraten, bei denen Warschau sich der Hilfe Londons versichern müsse. Der Mord an Wojkow sei wie eine Herausforderung zum Krieg. Die öffentliche Meinung Rußlands werde mit einer förmlichen Entschuldigung nicht zufrieden sein.

Die Amtskreise weisen mit größtem Ernst auf die Kriegsgefahr hin. Zur Zeit des Abschlusses des Rigaer Friedensvertrages hat Rußland bereits auf bie weißgardistische Tätigkeit innerhalb Polens Hin- gewiesen. Die Jahre 1921 bis 1925 waren mit stän- otgen Grenzgeplänkeln irregulärer weißer Banden erfüllt; abentuerlustige polnische Militärkreise nah- men aktiv daran teil. 1925 legte ein Gemischter Ausschuß die Zwistigkeiten bei, die polnische Späher-

über die Rheinlandräumung und über eine andere Frage das Verhältnis Frankreichs zur Sowjetregierung erst nach der Rückkehr Briands von Genf abgegeben werden soll. Wenn der französische Außenminister meinte, es handele sich nicht um eine Frage von aller­erster Bedeutung, so war das ein diplomatischer Schacyzug. In Wirklichkeit weiß man in Paris sehr genau, daß die Räumungsfrage von Deutschland als eine Angelegenheit von aller­größter Bedeutung betrachtet und dement­sprechend auch von dem deutschen Außen­minister behandelt wird. Dieser Auffassung wird man in Paris auch Rechnung tragen müssen. Man verläßt sich aber darauf und hier liegt der bezeichnende Punkt, daß es in Genf in den Besprechungen zwischen Briand, Stresemann und Chamberlain gelingen wird, die französische Auffassung hinreichend zur Gel­tung zu bringen, um Briand alsdann eine günstige Plattform für seine außenpolitische Darlegungen zu geben, als es gegenwärtig der Fall ist. Man wird in Deutschland diese fran­zösischen Vorbereitungen auf Genf nicht aus dem Auge verlieren dürfen, damit man die Kampfstellung kennt, in der sich in Genf die Verhandlungen abspielen werden.

Um es kurz zu sagen: die deutsche Räu­mungsforderung stößt so, wie sie von Deutsch­land aus gestellt wird, in Paris auf Wider­stand. Ebenso macht man auch in Paris in der Frage der vollendeten Abrüstung, die ja vor­her gelöst sein muß, immer noch Schwierig­keiten. Die deutsche Regierung hat zwar, nach allem, was man weiß, nicht die Absicht, die Frage der Rheinlandräumung auf der bevor­stehenden Ratstagung durch eine öffentliche

tätigkeit, besonders in der Ukraine und in Weißruß­land, nahm aber stetig zu, so daß in den letzten Monaten fast jede Woche polnische Späher verhaftet und gegebenenfalls erschossen wurden. Bereits 1924 wurde Wojkow durch die polnische Polizei vor einem Mordanschlag gewarnt, die polnische Presse aber hetzte fortgesetzt weiter gegen ihn persönlich. Die Anwesenheit des weißgardistischen Generals Diakonow im März d. Js. in London, den Ber- öfentlichungen im Wiener Abend als einen Abge­sandten des Nachfolgers Petljuras, Lewitzkis, kenn­zeichneten, erweisen, daß fortgesetzt Beziehungen englischer Regierungskreise durch den sogenannten Intelligence feroice" zu den Weißgardisten und zu den Aventuristen im polnischen Heer bestehen, die ja in letzter Zeit in den militärischen Fachblättern auch lebhaft die Wiedergewinnung der Grenzen von 1772 erörterten.

' Die russischen Militärkreise betrachten einen Krieg gegen Polen taktisch hoffnungsvoll, wenngleich trotz des Vorhandenseins gewisser Kriegsfreunde unter ihnen eine selbständige Mililarislenpolikik hier un- möglich ist. Die russische Regierung wünscht jeden­falls keinen Krieg, welchen Wunsch die polnische Regierung offenbar teilt, doch scheint die russische Regierung entschlossen, durch die Forderung, daß die weißen Organisationen in Polen vernichtet wer­den müßten, eine eindeutige Antwort über Polens Gefolgschaft auf den weiteren Wegen Englands zu erzwingen.

35 rrEenvevhaftunsen

Warschau, 8. 3unL 3m Zusammenhang mit der Ermordung des sowjelrussischen Gesandten Woj­kow wurden nach derAbendpost" in Warschau und Mlna Haussuchungen vorgenommen, wobei 35 Russen verhaftet wurden, darunter hervorragende Mitglieder der russischen Emigrantenkolonie, sowie der Präsident der russischen Emigranten, Gorlow, der hiesige Vertreter des Großfürsten Nikolajewitsch, ein ehemaliger zaristischer General, Grundbesitzer und andere.Przeglond Wieczorny" betont, daß oiese Verhaftungen durch die bisherigen Ergebnisse des Mordfalles nicht gerechtfertigt wären. Die lleberführung der Leiche Wojkows nach Moskau er­folgt erst Freitag morgen.

B-mbenaiLsntat in Leniusvad

Leningrad, 8. Juni. Gestern in später Abend­stunde betrat ein Unbekannter den Saal des Ge- schäftsklubs, in dem eine Sektion des Leningrader Diskussionsklubs der kommunistischen Partei eine Mitgliederversammlung abhielt, und warf eine Bombe. Gleich darauf wurde von einem anderen Un­bekannten eine zweite Bombe geworfen. Durch die Explosion wurde der Raum zerstört und 26 Teil­nehmer der Versammlung erheblich verwundet, so- r. sie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Außerdem gab es einige leichtere Ver­letzte. Die beiden Täter, die ihren Rückzug mit Revolverschuffen deckten, entkamen.

Aktion aufzurollen. Aber sie hätte doch wohl gewünscht, noch vor der Genfer Konferenz in der Abrüstungsfrage endlich zu einem allseitig anerkannten Abschluß zu gelangen. Es ist aber bisher nicht gelungen, die Hindernisse zu be­seitigen, die einer Verständigung zwischen Paris und Berlin im Wege stehen. Man zeigt in Paris kein Verständnis für die deutsche Auf­fassung, daß militärische Kontrollhandlungen nicht mehr in Frage kommen und hält "die militärischen Sachverständigen, die den Ber­liner Botschaften zugeteilt worden sind, für die gegebenen Organe, um die Durchführung der Zerstörungsarbeiten im Bereiche der deutschen Ostfestungen festzustellen. Man vertritt auch die Auffassung, daß ohne eine befriedigende Erledigung dieser Angelegenheit von einer Truppenherabsetzung im Rheinland nicht die Rede sein könne. Was aber die Rhemland- räumung sebst anlangt, so hält man nach wie vor daran fest, daß es sich nur um Leistung und Gegenleistung handeln könne, wobei die Meinungen über die Beschaffenheit der deut­schen Gegenleistungen auseinandergehen. Der ^anze Komplex dieser Fragen wird in Genf in den Besprechungen Stresemanns mit Briand und Chamberlain "behandelt werden. Und wenn man die parlamentarische Erörterung in dem französischen Senate bis zur Rückkehr Briands von der Genfer Ratstagung verschoben hat, so spricht daraus wohl die Erwartung, daß es Briand gelingen wird, in Genf etwas zu­gunsten der französischen Auffassung heraus­zuschlagen. Auf jeden Fall wird es nach fran­zösischer Auffassung und darin wird man ihn in Deutschland wohl beipflichten in Genf wieder einen harten diplomatischen Kampf

geben, in dem Die deutsche Delegation ihre ganze Kraft wird einsetzen müssen, um den deutschen Ansprüchen Geltung zu verschaffen.

Meiste neuen ODfet fite die Rheinlandvaumuns«.

Aeußerungen des Zenlrumsabgeordnelen Dr. Kaas.

Wittlich, 8. Juni. In einer hiesigen Zentrums-- Versammlung sprach der Reichstagsabgeodnete Prä­lat Dr. Kaas in einem langem Vortrag über die deutsche auswärtige Politik, worin er u. a. aus­führte:

Der Stillstand in den außenpolitischen Verhand­lungen mit Frankreich sei auf die ungewöhnliche Machtstellung Poincares zurückzuführen, die sich nach der gelungenen Frankenbefestigung Bahn machte. Deutschland, das in Thorry für die Rhein­landräumung Gegenleistungen geldlicher Art machen wollte, hätte nur dann einen Erfolg haben können, wenn die Währungsbefestigung in Frankreich nicht gelungen wäre. Brigyd, der sicherlich eine andere Politik betreiben mürbe, könne sich bei der augen­blicklichen Volkstümlichkeit Poincarès nicht mehr durchsetzen. Schon früher sei Poincare der heftigste Verfechter des Versailler Verlags gewesen, und das habe sich heute noch nicht geändert. Das sei der wahre Grund für die Verzögerung in den Verhand­lungen mit Frankreich. Die Räumung der besetzten Gebiete, die man in Locarno und in Genf in den Vordergrund gerückt habe, hätte man vielleicht zweckmäßiger von vornherein als Voraussetzung für einen Eintritt in den Völkerbund stellen können. Es sei jedoch sehr fraglich, ob wir dann heute weiter wären. Die Machtstellung des französischen Minister­präsidenten sei so ausgebaut, daß er heute behaupte, an ein Aufgeben des Rheinlandes fei nicht zu den­ken, solange die moralische Abrüstung in Deutsch­land nicht weitere Fortschritte mache. Der Grund­satz von Thoiry sei ein Tauschgeschäft gewesen. Jedes Tauschgeschäft bedeute eine Anspannung des Volkes, bedeute neue Bindungen, neue Ketten, die je nach der Weiterentwicklung der Dinge verhängnisvoller fein könnten als die Befetzungsketten, die mir zu tragen hätten. Diesen Standpunkt habe er von An­fang an vertreten; er vertrete ihn heute mit ver­stärkter Energie. Die Zeiten sind vorbei, so sagte Dr. Kaas, wo wir große finanzielle und wirtschaft­liche Opfer auf uns nehmen für die Einlösung eines selbstverständlichen Rechts. Darum ist es besser, die Besetzung langsam an ihrer inneren Unmöglichkeit eingehen zu lassen, als daß wir uns durch Uebe, nähme untragbarer finanzieller und wirtschaftlich Konzessionen von ihr befreien.

ÄMevttank-Ges Locarno?

Eine Anregung Briands in Washington.

Newyork, 8. Juni. Nach Mitteilung des amerita» nischen Botschafters Herrick in Paris an das Staatsdepartement hat Briand den Wunsch ausge­drückt, die Verhandlungen mit Amerika über Ab­schluß eines Vertrages zur Ausschaltung des Krie- ges und zur Sicherung eines dauernden Friedens aufzunehmen. Briands Vorschlag soll nach den augenblicklichen Informationen nicht mit einem be­stimmten Friedensplan verknüpft sein, vielmehr soll er die Anregung gesprächsweise gemacht haben. Immerhin hat der Botschafter darin genügend Grund gesehen, Washington sofort durch Kabel zu informieren. Das Staatsdepartement hat noch nicht genügend Zeit gehabt, dem Botschafter eine Ant­wort zu übermitteln und eine endgültige Meinung zu formulieren. Doch haben informierte Kreise kei­nen Zweifel, daß die Anregung aufgegriffen und Verhandlungen demnächst eröffnet werden.

Briand hat offenbar bei den gnazen Verhandlun­gen einamerikanisches Locarno", also den abge­änderten, seinerzeit von Wilson versprochenen Ga­rantievertrag im Auge, wobei die Garantie diesmal allerdings nicht gegen die äußeren Feinde Frank­reichs gesucht wird. Briand scheint vielmehr schon zufrieden, wenn er die Garantie erhält, daß Amerika niemals gegen Frankreich Krieg.-führen wird. Wenn die Verhandlungen auf dieser Basis geführt werden sollten, dürfte kaum mehr als eine Verlängerung des bestehenden Schiedsvertrags herauskommen.

«nserrednng Gtvesemann-LMMchevrn.

DieBadische Presse" in Karlsruhe hat übet die Unterredung zwischen Dr. Stresemann und Tschitscherin in Baden-Baden Angaben gemacht, die auch von einer Telegraphenagentur verbreitet wur­den. Die Angaben sind, wie dieTägl. Rundschau" bestimmt versichern kann, unzutreffend. Abgesehen von dem amtlichen Bericht kann keine Mitteilung, die über die Unterredung verbreitet wurde, auf Zuverlässigkeit oder authentischen Wert Anspruch machen. Insbesondere ist es unrichtig, wenn be> hauptet wird, Dr. Stresemann habe Tschitscherin gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß der 3eit punkt des Besuches schlecht gewählt sei.

Givesemann wieder in Veviin.

Berlin, 8. Juni, Reichsaußenminister Dr. Strese­mann ist heute vormittag. wieher in Berlin einge­troffen. Der russische Volkskommissar des Aeußcren Tschitscherin wird voraussichtlich erst ^morgen in Berlin eintreffen. Am Freitag reift Dr. Stresemann wieder von Berlin ab, um sich über Frankfurt nach Genf zu begeben. Tschitscherin wird voraussichtlich noch bis Samstag in Berlin bleiben. Am Donners­tag wird voraussichtlich das Kabinett die Richtlinien für Genf festlegen.