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Lhamberlins Empfang in Vertin.

Veserftevte Äu-uahme in dev Ketchsvauvtstadt.

Berlin. 7. Juni. Nachdem das Flugzeug -amberl ins über Nacht vollständig repariert irden war, flog Chamberl/ in um 12.45 Uhr von ner Landungsstelle in Klinge zunächst nach dem lughafen Kollbus, wo er nach einem andflug um die Stadt landete. Um 16.17 Uhr star- ie Chamberl, in und Levine dann zum Fluge ach Berlin Sie wurden von 14 Flugzeugen r Lufthansa und der Fliegerschule in Staaken gleitet. Auf dem Flugzeugrumpf ist an das Wort terogort, das allein daraufstand, noch Berlin- illbus" hinzugefügt worden.

Um 17.27 Uhr wurde das Flugzeug Chamber- ins vom Flughafen Tempelhofer Feld aus, wo H eine unübersehbare Menschenmenge angesammelt rite, gesichtet. Das ganze Geschwader erschien enige Minuten darauf unter brausendem ubel der Menschenmenge über dem Flug- ifen und kreiste dann über Berlin. Neben zahl- ichen prominenten Persönlichkeiten hatten sich aus 'M Tempelhofer Flughafen der amerikanische Bot- Yaster Schurmann, Reichsivirtschastsminister Dr. u r t l u s als Vertreter der Reichsregierung und berbürgermeister Dr. B o e h als Vertreter der tadt Berlin, des weitere» Staatssekretär v. chube rt, Ministerialdirektor Brandenburg im Reichsverkehrministerium, der Chef der Dresse- elle der Reichsregierung Ministerialdirektor Dr. e ch l i n. Ministerialdirektor Dr. Bellen- ahr vom Reichsministerium des Innern. Ver- eter der Heeres- und Marineleitung, sowie die irektoren der Deutschen Lufthansa und die Leitung ?r Flughafengesellschaft eingefunden. Nach kurzem unklug über Berlin und seine Vororte fuhr das tuAzeuggeschwader auf nordwestlicher Richtung arück und kreiste 17.48 Uhr wieder über dem Flug- afen. Die Sirene des Flughafens begann zu er- inen, die Begeisterung der versammelten Men- Henmenge war ungeheuer. In 200 Meter höhe og Chamberl in gegen 17.52 Uhr noch eine Ehren- unde über dem Flughafen, um schließlich 17.55 ihr unter dem Jubel der Berliner Bevölkerung uf dem Flugplatz Tempelhoser Feld glatt u landen

Besr GmV-aug iss BevSirr.

Berlin, 7. Juni. Als heute nachmittag in Berlin lekannt wurde, daß die amerikanischen Ozean­lieger mit ihrem FlugzeugColumbia" gegen ibernt) auf dem Flugplatz Tempelhof ankommen n Dürden, strömten stundenlang riesige Menschen­nassen aus allen Stadtteilen hinaus zum Tempel- zofer Feld, das in der Umgebung des Flughafens )ald von Zehntausenden von Menschen wimmelte. Nach vier wurde durch Lautsprecher überall be­kannt gegeben, daß das Flugzeug in Kottbus ge­startet sei.

Inzwischen jagte ein heftiger Wind die Regen­wolken vom Himmel und aller Blicke suchten nun immer wieder den blauen Horizont ab. Endlich, kurz vor %6 Uhr, tauchte in südwestlicher Richtung rin schwarzer Punkt nach dem andern auf und ver­größerte sich rasch.

Und dann ein grandioses Schauspiel: Im Kranze eines Geschwaders von 14 Flug­zeugen nahte der amerikanische Eindecker, weithin erkenntlich an dem silbernen Leib mit den gelben Tragflächen und den charakteristischen Stre­ben unterhalb der Flügel.

Von Großflugzeugen der Hansa geleitet, zog die Columbia" eine mächtige Schleife über Berlin, wo auf Straßen, Plätzen, Balkönen und Dächern Hunderttausende winkten und jubelten. Gegen 6 Uhr lieh sich das Flugzeug in elegantem Gleitflug über dem Tempelhofer Feld nieder, von den stür­mischen Zurufen der Menge begrüßt. Etwa 100 Meter von der Absperrungskette entfernt erreichte 3 das f^igzeug den Boden, Schupo rollte es heran und jetzt wurde, umrahmt von der Sturzkappe das lachende Gesicht Chamberl ins sichtbar. Nur lang­sam ebbte der Jubelsturm ab, so daß die offizielle Begrüßung der beiden Insassen derColumbia" durch die Vertreter der Regierung und der ameri- konischen Botschaft vor sich gehen konnte. Die Zere­monie dauerte aber schon viel zu lange, im Nu hatten sich tausendstimmige Sprechchöre gebildet, die im Takte riefen:Auf die Schultern heben, auf die Schultern heben!"

Nachdem Chamberl» in und sein Begleiter Levine einige Minuten den Photographen und Kino-Ope­rateuren stillgehalten hatten, wurde Chamberl' in Lorbeer und Rosen geschmückt, an den Menschen­massen entlang getragen, deren Jubel grenzenlos war. Der Flieger, ein junger blonder, behender Mann dankte immer wieder durch Winken und Lächeln für

die stürmische» Ovalionen, mit denen die Be­völkerung der Reichshauvlstadl einen der Besten der Nation begrüßte, die vor Jahren unserem Eckener einen so großartigen Empfang be­reitet hat.

Dem Verlangen der Masse, den Flieger immer wieder zu sehen, wurde endlich dadurch entsprochen, daß Chamberla in und Levine in einem Auto an allen Plätzen des Flughafens entlang gefahren »utrha ein Triumph sondergleichen.

Erst gegen sieben Uhr konnten die amerikani­schen Flieger von ihrem Botschafter begleitet, an Menschenspalieren entlang, die sich bis tief in die Stadt hinein gebildet hatten der wohlverdienten Ruhe entgegengefahren.

Die VesvMunsSausvvathett.

Berlin, 7. Juni. Die amerikanischen Flieger wurden durch

Reichsminister Dr. Curtius

mit folgenden Worten begrüßt:

Namens des deutschen Volkes heiße ich Sie in der Reichshauptstadt herzlich willkommen und be­glückwünsche Sie und Ihre Nation zu Ihrer be­wunderungswürdigen Leistung. Die Bedeutung Ihres Fluges für die Verbindung zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volke, für die stetige Annäherung unserer Völker haben der Reichspräsident und der Reichskanzler in ihren gestrigen Bezrüßungstelegrammen hervorgehoben. Lassen Sie mich den allgemeinen Wert Ihres Fluges aussprechen: Es ist Bestimmung der Menschheit, sich die Kräfte der Natur dienstbar zu machen, um allen bessere Dasoinsbedingungen zu verschaffen und friedliches Ringen der Nationen um höher« Kultur zu ermöglichen. Auf dem Wege zu diesem Ziele haben Sie eine neue Etappe gewon­nen. Daß Sie die neuen Grenzzeichen mensch'icher Leistungsfähigkeit in deutschen Boden gesteckt und in deutsche Herzen eingetrieben haben, darauf sind wir stolz, dafür danken wir Ihnen von Herzen. Nochmals herzlich willkommen!"

Hierauf bewillkommnete

Staatssekretär Dr. v. Schubert

Willkommen namens des deutschen Auswärti­gen Amtes, das in Ihrem unsterblichen Erfolg er­blickt ein Symbol der Kunst, Schwierigkeiten zu überwinden und nur danach zu streben, zwei große Nationen zu verbinden und die Verständigung zwi­schen ihren Völkern zu fördern."

Bürgermeister Scholtz

entbot den Gruß der Stadt Berlin, Er sagte u. a.:

Auf Berlinischem Boden, dem Berliner Flug­platz entbiete ich Ihnen namens der Reichshaupt­stadt einen herzlichen Willkoftimengruß. Wir be­glückwünschen die mutigen Flieger und Ueberwurder des Ozeans zu dem großartigen Erfolg. Wir wün­schen Ihnen, daß Sie nach einiger Zeit der wohl- verdienten Ruhe angenehme Stunden in Berlin verleben mögen. Mögen Sie erkennen, daß Ihnen die Sympathien und die Herzen der Berliner entgsgen- schlagen."

Der Vorsitzende des Reichsausschusses für Leit es- übungen, Exzellenz v. Lewald, überbrachte die Willkommengrüße des deutschen Sportes. Generaldirektor Dr. v. Stau ß, Aufsichtsratsvor­sitzender der Deutschen Lufthansa, begrüßte die amerikanischen Flieger namens der Deutschen Luft­hansa.

Hierauf richtete

der amerikanische Botschafter Schurman

an die Flieger folgende Ansprache:

Ein Willkomm dem Flieger, der den ersten un­unterbrochenen Flug von Newyork nach Deutschland vollführt und die bisher größte Strecke in einem ununterbrochenen Fluge zurllckgelegt hat. Indem Sie diese wundervolle Fliegertat vollführt haben, haben Sie gleichzeitig unseren Blick für die Mög­lichkeiten menschlichen Könnens erweitert. Wir Amerikaner hier sind stolz auf Sie. Das ameri­kanische Volk ist stolz auf Sie. Wir alle beglückwün­schen Sie, beglückwünschen Sie voller Begafterrng und grüßen Sie auch als den vom Himmel kom­menden Sendboten des guten Willens und der Freundschaft vom amerikanischen Volke zum deut­schen Volke, die über den Ozean hinweg im 18. und 19. Jahrhundert als Freunde vereint waren und jetzt, gebe der Himmel, durch die Luft im 20. und all den kommenden Jahrhunderten einander nod) näher gebracht werden. Ich bin höchst erfreut, daß Sie und der Begleiter auf Ihrem Fluge, Herr Levine, in Deutschland in so vorzüglicher Verjatzyng eintreffen und ich bitte Sie beide, mich in die amerikanische Botschaft zu begleiten als meins Gäste."

Namens der deutschen Heeresleitung wurden die Flieger durch General o. T s ch u s ch w i tz begrüßt.

Hierauf wurden die amerikanischen Flieger in einem Auto unter dem rasenom Beifall der Menge um das Flugfeld herumgefuhrt, damit auch jeder Einzelne Gelegenheit haben sonnte, die amerikani­schen Flieger in der ''Nähe zu seyest. Schließlich wur­den sie in Die Direktion'>'.nne getestet, wo die Mutter Chamberlins seit einer halben Stunde ein Gespräch von Newyork m.ch Benin angemeldet hatte, um ihren Sohn perst-Ich ruf fr cm Te pel Hofer Flugplatz bemühen zu können. Im Auto des amerikanischen Bots Husters fuhren die beiden ^" e- rikanifchen Flieger dann nach der hi-sigen amerika­nischen Botschaft, wo sie wohnen werden.

Berlin, 7. Juni. Noch ehe das Auto mit den beiden amerikanischen Fliegern Chamberl in und Lewins sowie dem amerikanischen Botschafter Schur­man die hiesige amerikanische Botschaft erreicht hatte, hatte sich eine dichte Menschenmenge vor dem Bot-

schafterpalais auf dem Wilhelmplatz eingesunden, die in stürmische Hochrufe ausbrach, als das Auto vor der Botschaft vorfuhr. Noch stundenlang wogte die Menge, die immer dichter wurde, auf dem Platze und verlangte dringend die amerikanischen Flieger zu sehen, die sich schließlich auch immer wieder vor den Fenstern der Botschaft zeigten und jedesmal mit rafender Begeisterung begrüßt wurden.

Amerikas Beseiftevuns grenzenlos.

Newyork, 7. Juni. Die Begeisterung Amerikas über den Rekordflug Chamberlins ist grenzenlos. Die Zeitungen bringen fast nur Meldungen über den Flug. Jede Berliner und Kottbusser Kleinigkeit wird auf das genaueste ucht. DieNewyork World" weist in einem Leitartikel auf die Verände­rung seit 1919 hin. Während damals in Amerika eine Haßpropaganda gegen Deutsch­land getrieben worden sei, hätten jetzt amerika­nische Flieger den Rhein überflogen, um den könig­lichen Empfang eines wohlgesinnten Volkes ent­gegenzunehmen.

DieNewyork Times" hebt hervor, daß gerade das in Flugdingen führende Deutschland die Lei­stung Chamberlains und Levins am besten würdigen könne.

Es ist unmöglich, alle Telegramme und Erklä­rungen wiederzugeben, die an die Amerikafliger ab­gesandt bzw. über sie abgegeben werden. Amerika bewundert seine Helden und hat nur diesen Ge­sprächsstoff.

Vor der heute nacht erfolgten Abreise nach Deutschland erhielt Lzru L.evine von ihrem Gatten ein Telegramm, in dem dieser bat, ihm die plötzliche Abreise zu verzeihen, was die Gattin gern ver­sprach,

Die Ankunft der beiden Ozeanflieger Chamber­lain und Levine in Berlin wurde auf den Straßen Newyorks durch Extrablätter bekannt gegeben. Die Nachricht löste einen ungeheuren Jubel bei den Rie­senmassen der wartenden Menschen aus.

Als der DampferBerlin" mit den beiden Frauen der Flieger an Bord abfuhr, brachen Tau­fende von Menschen, die sich zum Abschied ein­funden hatten, in begeisterte Ovationen aus.

Wie in Washingtoner Luftfahrtkreisen verlautet, wird Chamberl/in ebenso wie Lindbergh die Kon­greßmedaille, die als höchste Auszeichnung der Nation gilt, erhalten und von Coolidge in seiner Sommerresidenz in Blackhills (Süddakota) empfan­gen werden.

Telegvamm Stegemanns nath Mmevika.

Baden-Baden. 7. Juni. Reichsminister Dr. Stresemann richtete an die Hearst-Presse in Amerika folgendes Telegramm:

Geglückter Amerikaflug wird Herzen aller Deutschen mit Freude, Anerkennung und Be­wunderung erfüllen. In Zeiten der Materiali­sierung der M ist es besonders erfreulich, Bedeutung persönlichen Wertes zu erleben, in einer Zeit, die zeigt, daß Blutwärme mensch­licher Energie Grundlage letzten Erfolges ist. Den Boten des einst so fernen Landes wird Deutschland umso mehr zujubeln, als es in dieser Tat auch Sinnbild seines eigenen Zu­kunftsschicksals erblickt."

Baden-Baden, 7. Juni. Reichsaußenminister Dr. Stresemann richtete an den amerikanischen Botschafter Schurmann in Berlin folgendes Glück­wunschtelegramm:

Herzliche Glückwünsche zu dem gewaltigen Erfolg Ihrer wagemutigen Landsleute. Möge das Näherkommen unserer Länder auch Grund­lage weiterer geistiger und kultureller Annähe­rung sein."

Ein Lelegeamm Levines an seine Svan.

Newyork, 7. Juni. Leo,ne hat seiner Frau tele­graphiert:Ich hoffe, Du und die Kinder werden mir verzeihen, daß ich abgefahren bin, ohne Euch etwas davon zu sagen. Ich wußte, daß Ihr meine Abreise nicht billigen würdet. Die Reise war wun­dervoll."

Mussolini mm Sius SbambevUns.

Rom, 7. Juni. Mussolini richtete an den ameri­kanischen Botschafter in Rom, Fletcher, ein Schreiben, worin er folgendes sagte:Ich will den Ausdruck meiner tiefen Bewunderung und derjenigen des ganzen italienischen Volkes für den zweiten transozeanischen Flug erneuern, den Chamberlain und Levine auf einem von einem Italiener entwor­fenen und gebauten Apparat vollführten. Mit diesem wunderbaren Flug stellten sich die Vereinig­ten Staaten unzweifelhaft an die Spitze des Welt­flugwesens. Die Namen Lindbergh und Chamberl in werden für immer in der Geschichte der wagemutigen Menschen verzeichnet bleiben, die den Weg neuer Kulturepochen bahnten.

Lündstoffe.

Auf dem Bahnhof in Warschau ist der Sow­jetgesandte Wojkow einem Revolverattentat zum Opfer gefallen, als er den bisherigen russi­schen Geschäftsträger in London, Rosengolz, vor der gemeinsamen Weiterfahrt nach Mos­kau begrüßen wollte. Der Mörder ist ein junger russischer Monarchist, der aus politischen Gründen von der Waffe Gebrauch machte. Nach den bestimmten Meldungen, die vorliegen, hat die polnische Regierung mit dem Attentat nicht das geringste zu tun. Sie ist sicher von der Tat vollkommen überrascht worden, hat . in durchaus korrekter Weise der russischen Regie­rung ihr Beileid ausgesprochen und wird wohl auch dafür sorgen, daß die Tat ihre Sühne findet. Trotzdem darf man sich nicht darüber im Zweifel sein, daß das Attentat in diesem Augenblick und an dieser Stelle neuen Zünd­stoff dem bereits vorhandenen hinzufügt. In Moskau ist man noch argwöhnlicher als sonst, nachdem England die diplomatischen Beziehun­gen zur Sowjetregierung abgebrochen hat. Man wittert überall versteckte Minen und wird deshalb geneigt sein, auch hinter dem War­schauer Attentat mehr zu suchen, als dahinter steckt. Die polnische Regierung wird es sich deshalb zur besonderen Pflicht machen müssen, alles zu tun, was zur Aufklärung und zur Sühne des Verbrechens notwendig ist. Ruß­land hat jahrelang mit der Schweiz in diplo­matischer Fehde gelebt, weil ein Schweizer Schwurgericht den Mörder eines Sowjetver- treters freigesprochen hatte. Etwas Aehnliches wird sich in diesem Falle n cht wiederholen dürfen, wenn die an sich schon stark labilen Verhältnisse im Osten im Gleichgewicht ge­halten werden sollen.

Auch am Balkan wird Zündstoff sichtbar. Dort ist zwischen Albanien und Südste-men ein offener diplomatischer Kost still ousge- brachen. Hier liegt, soweit man die Dinge nach dem äußern Hergang banlüftn kann, die Schuld an Albanien. 2 e Behörden in Durazzo haben eine Haussuchung bei einem Manne vornehmen lassen, der als Deamirr der jugo­slawischen Gesandtschaft exterritoriale Rechte genoß. Auf diese Rechte;ft keine Rücksicht ge­nommen worden und deshalb, hat der jugo­slawische Geschäftsträger in Tirana in der Wahrnehmung berechtigter Interessen gehan­delt, als er die Aufrechterhaltung der Ver­haftung mit der Abreise und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen beantwortete. Ob die Angelegenheit bei näherem Zusehen ein anderes Gesicht gewinnt, läßt sich schwer sagen. Die albanische Regierung hat sich mit einer Depesche an den Völkerbund gewandt. Sie behauptet darin, im Rechte zu sein, da der Verhaftete die albanische Staatsangehörigkeit besitze und nach Ausweis der bei ihm beschlag­nahmten Papiere einen Anschlag gegen die Sicherheit des albanischen Staates geplant habe. Trifft diese Meldung zu, so würde sie daraus schließen lassen, daß die diplomatische Vertretung Jugoslawiens sich von dem Ver­dachte unberechtigter Einmischung nicht ganz so freigehalten habe, wie es wünschenswert wäre.

Nachdem der Völkerbund von Albanien an. gerufen worden ist, wird er vielleicht Gelegen­heit nehmen, die Dinge einer näheren Unter­suchung zu unterziehen. Das Ergebnis dieser Nachforschung interessiert weniger als die Frage, ob der Zwischenfall etwa bedenkliche Nachwirkungen haben könnte. Das ist eine Frage an der wir. ein naheliegendes Interesse haben. Wir haben uns bekanntlich bereit er­klärt, zusammen mit England und Frankreich eine Kommission zu beschicken, die unter Zu­stimmung aller beteiligten Mächte, d. h. Jugo­slawiens, Albaniens und Jaliens, sofort an Ort und Stelle in Tätigkeit treten soll, wenn sich irgend ein unvorhergesehener Zwischenfall ereignen sollte. Die Vereinbarung ist damals getroffen worden, um unmittelbare Verhand­lungen zwischen Jugoslawien und Jtabien an­zubahnen. Bisher sind Verhandlungen dieser Art nicht zustande gekommen. Die Spannung zwischen Italien und Jugoslawien hat sich nich! gemindert, obgleich England in Rom seinen ganzen Einfluß eingesetzt hat, um einen offe­nen Konflikt zu verhüten. Der offene diplo­matische Fehdezustand zwischen Albanien und Jugoslawien bedeutet zweifellos eine Verschär- ung der Lage, da Italien durch den Vertrag )on Tirana eng mit Albanien verbunden ist. Wir werden die weitere Entwicklung dieses Balkankonfliktes mit großer Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Vor allen Dingen werden wir Wert darauf legen müssen, durch unsere Stellung im Völkerbundsrate und durch unsere