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de« 2» Amt

1922

Der Gmrypattug Lhambeetains.

6i«e 5te8»e61eiSims t «ew SovS-SiSIebe« in 43 Stunde«. - Zwei Notlandunse« ans deutschem Boden. - WettsvArs «mb BevUtt.

Berlin. 6. 3unt Der amerikanische Flieger amberlain und sein Begleiter Levine, am Samstag, den 4. Juni, 11.05 Uhr vormittags Rewyork zu ihrem Fluge nach Europa aufge- ;en waren, sind in der Nacht zum zweiten agstfeierlag über deutschem Boten eingetroffen. mußten zunächst bei Eisleben wegen Benziu- agels und später wegen Propellerbruchs bei tbus notlanden. Ein Weiterflug war heute nicht zlich. Die Flieger werden morgen Dienstag den g forlsetzen und in Berlin landen. Das Flug- g war bis zur ersten Notlandung bei Eisleben Stunden unterwegs. Nach den Berechnungen amtlichen Geographischen vermessungsinsiituls Vereinigten Staaten hat Chamberlain mit Miß Columbia Lindbergs Rekord um 5 englische Weilen (etwa 500 Kilometer) chlagen. Die Distanz zwischen Roosevellsield, wo imberlain aufffieg, und Helfta, wo er landete, rägt nach den Berechnungen des Instituts 3905 jllsche Wellen (rund 6500 Kilometer).

Chamberlain, der kühne Ozeanflieger, hat rch seine grosse Reise einen neuen Weltrekord [gestellt Wenn er auch durch Propellerbruch zwungen war, in Kottbus zu landen, nach- B er sich offenbar verflogen hatte. Die reche, die Chamberlain in ununterbrochenem uge zurückgelegt hat, ist bisher auf dem ege über den Ozean noch nicht erreicht wor- ,i, da sie der Strecke RewyorkBerlin min= lens gleich kommt. Er wird mit Recht in r ganzen Welt gefeiert werden, denn er hat t Todesverachtung und Heldenmut alle hwierigkeiten überwunden, dem widrigen etter getrotzt und mit einem Begleiter im ugzsug die Riesenstrecke bewältigt, die er­blich größer ist, als die von Lindbergh durch­reite? Die große Fahrt hat für uns Deutsche rum besondere Bedeutung, weil das Ziel des hnen Ozeanfliegers die Hauptstadt Deutsch- nds war, des Landes, von dem der Menschen- rg seinenAnfang nahm. OttoLilienthal,der ge= ale deutsche Bahnbrecher, hat den Grundstock zu gelegt, daß heute, kaum 30 Jahre nach 'm tragischen Tod des ersten Menschen­egers, der Ozean in einer einzigen Fahrt von ewyork nach dem Herzen Deutschlands über- unden werden konnte.

Als Lilienthal am 10. August 1896 mit wem Flugzeug in den Tod stürzte, hatte er 'r Menschheit eine jahrtausende alte Sehnsucht füllt und ihr die Fähigkeit des Fliegens als iftbarftes Vermächtnis hinterlassen. Der grund- gende Gedanke war in die Tat umgesetzt war­en, und es blieb nunmehr seinen Schülern berlassen, die Erbschaft zu pflegen. Die Brü- rr Wright waren die ersten, die den großen nd zukunftsreichen Gedanken des großen »rutschen begriffen ünd weiter ausbauten. Es urd noch in aller Erinnerung sein, welche Be- eisterung der erste minutenlange Flug der iegenden Brüder auslöfte, nachdem die un= laubige Welt sie noch kurz vorher die lügen- en Brüder genannt hatte. Besonders der krieg brachte die große Entwicklung des Flug- euges, die zu großen Leistungen anspornte. Zechs mal wurde bereits vom 8. Mai 1912 an ns heute der Ozean mit Flugzeugen überquert, oenn auch nur zweimal in ununterbrochenem Fluge, außerdem zweimal von Luftschiffen, lämlich vom 2.13. Juli 1919 vom englischen st 34 und vom 10.15. Oktober 1924 vom ZR 3. Elf mal flog das Flugzeug von Europa nach Asien und legte dabei auf einzelnen Fahr- len Strecken bis zu 20 000 Kilometer zurück. Auch Europa und Afrika sind bereits zwölf mal durch das Flugzeug verbunden worden und zwar vom August 1919 bis zum Dezember-Fe­bruar 1926/27. Außerdem hat ein Zeppelin ZL 59 bekanntlich bereits im Jahre 1917 einen Europa-Afrika-Flug durchgeführt.

Die Krone aller bisherigen Flugleistungen gebührt aber unstreitig dem jüngsten Ozean­bezwinger. Lindberghs Leistung ist gewiß des höchsten Lobes würdig und hat auch m der ganzen Welt das begeistertste Echo gefunden. Aber die Gerechtigkeit verlangt, daß auch das Verdienst Chamberlains gebührend gewürdigt wird. Chamberlain stieg mit dem festen Vor- satz auf, den Rekord Lindberghs zu brechen. Da er, die Größe der Leistung Lindberghs nicht nur zu schätzen wußte, sondern auch neidlos an­

erkannte, so wußte er auch, welch gewaltiges Ziel er sich gesteckt hatte. Hatte Lindbergh die Fahrt allein gemacht, so wollte er sie mit einem Fluggast machen, und die Strecke wollte er da­durch übertreffen, daß er die 6100 Kilometer Lindberghs durch die Fahrt Rewyork-Berlin um mehrere Hundert Kilometer überbieten wollte. Chamberlain hat mit seinem Flug sein großes Ziel erreicht, und wir dürfen ihm glau­ben, daß die Fahrt von mehr als zwei Tagen nicht leicht war, wenn er auch durch seinen Weltrekord-Flug von 51 Stunden, den er am 14. April dieses Jahres begann und glücklich zu Ende führte, für derartige Riesenleistungen be­fähigt erschien. Bange Stunden mußten die Beobachter seines Fluges in der letzten Nacht vom Sonntag zu Montag durchwachen, da von 2 Uhr an alle zuverlässigen Angaben über seinen Flug fehlten. Die aus Rotterdam ge­meldeten Mitteilungen erwiesen sich als falsch, und Frankreich hat keine Nachrichten veröffent­licht. Um so größer war die Freude, als gegen 8 Uhr die Meldung kam, daß der tapfere Flieger gegen 5 Uhr morgens bei Eisleben gelandet sei. Die Wünsche von Millionen be­gleiteten ihn auf seiner bahnbrechenden Steife. Niemand, der ihn kannte, zweifelte daran, daß er das große Werk durchführen werde, auch seine Mutter nicht, die ihm bereits vor seiner Ankunft einen telegraphischen Gruß gesandt hatte, der dem amerikanischen Botschafter über­geben werden mußte, in der Hoffnung, daß auch Chamberlain bald in der Lage sein werde, den Glückwunsch der Mutter persönlich in Empfang nehmen zu können. Auch dieser Flug ist ein Meilenstein auf der Strecke des Men­schenfluges, augenblicklich der letzte und weitest sichtbare.

Von ÄWSVßèÄ r-s-O GrsssNa.

Rewyork, 4. Juni. Chamberlain ist mit seinem Flugzeug Miß Columbia soeben um 6 Uhr 5 Minuten Nervyorker Sommerzeit, das ist 11 Uhr 5 Minuten mitteleuropäischer Zeit, für den Europaflug aufgestiegen. Wenige Minuten, bevor das Bellanca-Flugzeug Chamberlains den ersten Versuch unternahm, aufzusteigen, stürzte Charles Levine, der das Unternehmen finanziert, herbei und schwang sich ohne Hut im Straßenanzug in den Apparat. Levines Frau, die nicht wußte, daß ihr Mann mitfliegen wollte, wurde ohnmächtig. Punkt 6 Uhr wurden die Motors angedreht, und das Flugzeug jagte mit voller Geschwindigkeit den Startweg hinunter. 300 Fuß vor dem Ende des Weges stoppte es plötzlich, wandte dann um, erhob sich punkt 6 Uhr 5 Minuten in die Lüfte und war nach wenigen Minuten den Augen der Zuschauer entschwunden. Der Körper des Flugzeuges, mit dem Chamberlain und Levine den Flug unter­nehmen, ist grau. Die Flügel, die eine Spannweite von 46 Fuß haben, sind hellgelb gestrichen. Das Rädergestell zum Landen ist in Rot-Weiß-Blau gehalten. An beiden Seiten ist die Nummer 140 in schwarzer Farbe aufgemalt. Der Motor besitzt eine Stärke von 200 Pferdekrästen und verleiht dem Apparat eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 190 Kilometer in der Stunde.

Senator Lockward, ein Freund Levines, erklärt, er habe an den amerikanischen Botschafter Fletcher in Rom gekabelt, die Schiffe im Mittelmeer möchten nach derColumbia" Ausschau hatten. Don anderer Seite wird Konstantinopel als wahr­scheinliches Ziel genannt, während anderer­seits wieder Moskau als Ziel des Fluges an­gegeben wird. Jedenfalls ist das Ziel niemanden definitiv bekannt.

St Johns (Neufundland), 4. Juni. Chamber­lainsColumbia überflog um 7% Uhr amerikani­scher Zeit St. Johns in bedeutend geringerer Ge­schwindigkeit als Lindbergh. Sein Flug war durch Westwind begünstigt

Paris, 6. Juni. DieMiß Columbia" hat den PassagierdampferMauretania' um H5 Uhr west­europäischer Zeit 340 ^teilen westlich von Kap Lands-End überflogen. Das Erscheinen des Flug­zeuges rief bei den Passagieren eine unbeschreibliche Begeisterung hervor. Die Passagiere warfen ihre Hüte, Mützen, Schirme und Stocke in die Luft und brachen in Beifallsrufe aus. Chamberlain stieg bis zu 50 Meter Kaminhöye herunter, so daß die Num­mer des Flugzeuges deutlich sichtbar wurde, und umflog das Schiff. Dann setzte es seinen Flug in östlicher Richtung mit großer Geschwindigkeit fort. DieMauretania" verbreitete die Nachricht sofort funkentelegraphisch undsie kam auf diese Weise auch der Mannschaft desMemvdis zur Kenntnis, an

dessen Bord Lindbergh nach den Vereinigten Staa­ten zurückkehrt. .

London. 5. Juni. (Reuter.) Um 20 Uhr 20 Mi­nuten wurde die Columbia über Lands-End ge­sichtet. Die Flugrichtung scheint Berlin zu sein. Um 21 Uhr 15 Minuten überflog die Columbia Plymouth in östlicher Richtung. Ihre Flughöhe be­trägt etwa 12 000 Fuß, die Geschwindigkeit unge­fähr 100 Meilen die Stunde.

Amsterdam. 6. Juni. Einer auf dem hiesigen Flughafen aufgefangenen radiotelephonischen Nach­richt zufolge ist die Columbia um 22 Uhr 20 Minu­ten über den Normannischen Inseln gesichtet worden.

Paris. 6. Juni. DieColumbia hat um 24 Uhr Böulogne s. M. in Begleitung eines englischen Flugzeuges in östlicher Richtung überfolgen.

Dortmund, 6. Juni. Um vier Uhr früh überflog der amerikanische Flieger Chamberlain den Dort­munder Flughafen. Er ging wett herunter und rief aus geringer HöheNach Berlin! NachBer - [ i n!" Darauf wurde ihm von der Flugpolizet durch Peilzeichen die Richtung nach Berlin gegeben.

MoLraudmtS in GisLedeu.

Berlin, 6. Juni. DieColumbia" ist heute mor­gen um 5 Uhr in Helfta bei Eisleben notgelandet. Eine Maschine der Deutschen Lufthansa wird chr von Halle aus entgegengesandt, um ihr neuen Be- »tieb^fcoff zu bringen, so daß dieColumbia bann den Flug nach Berlin fortsetzen kann.

halle, 6. Juni. Wie das WTB. erfährt, erfolgte die Notlandung derColumbia zwei Kilometer von der Station Helfta bei Eisleben infolge Denzin­mangels. Das Flugzeug war bis zur Notlandung 43 Stunden unterwegs. Die Mannschaft ist gesund und munter. Das Benzin wurde mittels Gespannes von einem nahegelegenen Ort herbeigeholt, worauf die Wetterfahrt um 9.35 Uhr nach Berlin erfolgte.

Die rwette Landsms in Cottbus

Berlin, 6. Juni. Dem heute vormittag wegen Benzinmangels bei Eisleben gelandeten und nach Auffüllung seines Benzinvorrates um 9.35 Uhr wie­der gestarteten Flugzeug Chamberlains waren von Berlin aus drei und von Dresden aus ein Flugzeug entgegengeflogen, um ihn in den Berliner Flughafen zu begleiten. Sie konnten den Flieger aber nicht ent­decken. 12.15 Uhr traf in Berlin die Meldung ein, daß das Flugzeug wiederum wegen Benzinmangels habe landen müssen. Beim Niedergehen erlitt das Flugzeug einen Propellerbruch. Die Maschine an sich ist jedoch startbereit geblieben. Nachdem bei der Stadtverwaltung die erste Meldung über die Not­landung des Amerikaners eingegangen war, begab sich sofort als Vertreter der Stadtverwaltung Bürger­meister Dr. Kreutz im Auto an die Landungsstelle. Er konnte jedoch dort die Flieger nicht mehr antreffen, da sie inzwischen mit dem Auto in die Stadt gefahren waren, deren Bevölkerung den Fliegern einen fest­lichen Empfang bereitete. Die Nachricht von ihrem Eintreffen durcheilte die Stadt mit Windeseile, und Unzählige sammelten sich vor dem Hotel Ansorge, in dem die beiden Flieger abgestiegen waren. Auf die vielen Ovationen hin zeigten sich die Flieger mehr­fach der Menge. Dem Wunsche der städtischen Be­hörden, sich in das Goldene Buch der Stadt einzu­tragen, willfahrten die Flieger bereitwilligst. Die Flieger machten einen frischen Eindruck. Obgleich bei der ersten Nollandung der Gemeindevorsteher den beiden Amerikanern die wettere Flugroute erklärt hatte, hatten diese infolge des Dauerregens, des Ne­bels und des Kartenmangels die Orientierung ver­loren. Sie sind'an Berlin weit südlich vorbeigeflogen, dann hinter dem Spreewald beim Rittergut Klinge 15Kilometervon Kottbus gelandet.

Berlin, 6. Juni. Um 13.20 Uhr hat ein Flugzeug der Deutschen Lufthansa mit dem amerikanischen Botschaftsrat Pool und Ministerialdirektor Bran­denburg sowie einer Anzahl von Monturen den Tempelhofer Flugplatz mit der Richtung nach Kott- bus verlassen, um von dort die amerikanischen Flie­ger nach Berlin zu holen. Chamberlain und sein Be­gleiter Levine sprachen jedoch den Wunsch aus, auf ihrer eigen MaschineColumbia", morgen nach Ber­lin zu fliegen. Die Ausbesserung des Propellers wird mit Hilfe der Deutschen Lufthansa bis dahin voraus­sichtlich durchgeführt werden.

Vevttn in Gvwavitttts.

Berlin, 6. Juni. Die Hoffnung, daß die amerika­nischen Flieger in der Nacht zum Pfingstmontag ein- tressen würden, hatte schon am Vorabend Tausende zum Flugplatz gelockt. Im Laufe der Nacht wuchs die Menschenmenge immer mehr an, sodaß die Räume des Flughafens nur den kleinsten Teil bergen konn­ten. Die Zufahrtsstraßen waren mit Automobilen verstopft, so daß die Regelung des Verkehrs sich außerordenllich schwierig gestaltete. Es war notwen­dig, die polizeiliche Absperrungskette zu verstär­ken. Gegen 4 Uhr morgens waren etwa 2000 Mann der Schutzpolizei damit beschäftigt, das Landungs- felü von der erwartungsvollen Menge freizuhalten.

In den frühen Morgenstunden erschienen die Ver­treter der Behörden in größerer Anzahl. So bemerkte man dabei Vertreter der Reichsregierung, der Land- Wirtschaftsminister Dr. Curtius, der mit mehreren leitenden Beamten erschienen war. Für die Stadt Berlin waren Bürgermeister Scholz und Stadtbcm- rat Dr. Adler erschienen, und das Polizeipräsidium war durch Polizeipräsident Zörgiebel, Dizepolizei- präsident Dr. Weiß sowie dem Kommandeur der Schutzpolizei Oberst Heymannsberg vertreten. Bald erschien auch der amerikanische Botschafter Shur- mann, von mehreren seiner Beamten begleitet. Gegen 5.20 Uhr geriet Bewegung in die Massen, als auf dem Hauptgebäude des Flughafens das amerika­nische Sternenbanner, die Farben des Deutschen Reiches und der Stadt Berlin gehißt wurden. Aber die Hoffnung, daß die Flieger jetzt kommen würden, erwies sich als trügerisch. Jedoch hielt die Menge aus. Beim Schein der Scheinwerfer kurbelten 10 Opera­teure Bilder aus der erregt wartenden Menschen­menge. Neue Hoffnung entstand, als in früher Mor­genstunde einige Flugzeuge der Lufthansa ausstiegen, um den Amerikaner zu suchen. Gegen 8 Uhr wurde im Norden ein Flugzeuggeschwader gesichtet, das bald den Flugplatz umkreiste. Eine Musikkapelle spielte einen Tusch. Aller Augen waren nach oben gerichtet, um den Amerikaner herauszufinden. Jedoch erwies es sich, daß das Flugzeug Chamberlain nicht dabei war. Allmählich erfuhr das Publikum, daß die deutschen Flieger den Amerikaner nicht gefunden hatten. Als dies besannt wurde, setzte allgemein eine Massenflucht ein. Wenige Tausend verblieben noch nach 8 Uhr auf dem Feld. Auch der amerikanische Botschafter und die Vertreter der Behörden harrten aus, um noch eine bestimmte Nachricht über den Ver­bleib des Fliegers zu erhalten.

Der erprobte Flugzeugführer, der sich das Fehle« jeglicher Nachricht über eine Notlandung nicht er­klären konnte, so daß er schon geneigt schien, mit einem Unglücfsfall zu rechnen, hatte einen Um­stand nicht bedacht: daß nämlich an Feiertagen in kleinen Städten und Dörfern die Postämter sehr spät und nur ein oder zwei ©tunten arbeiten. Nicht anders läßt sich die Tatsache erklären, daß erst um ^10 Uhr die Tatsache der um 5 Uhr früh bei Eis­leben erfolgten Notlandung bekannt wurde, fast gleichzeitig mit der Meldung, daß der Wiederauf-' lieg erfolgt sei. Mes wurde wieder zurückgerufen,, doch es war wieder nichts gegen Mittag kam die Meldung von der zweiten Landung bei Kottbus.

VerdeuSrearMegems Zu^EbuS

Chamberlain und Lewtne erzählen, daß ihre Fahrt nicht gerade vom Glück be­günstigt war.. Insbesondere über Irland waren sie in ein schweres Unwetter geraten, dem sie da. durch ausweichen wollten, daß sie in große Höhe stiegen. Sie machten dann einen Bogen nach Süden über den Aermelkanal in der Hoffnung, hier besie- res Wetter zu finten. Diese Hoffnung erfüllte sich auch bis Dortmund; aber hinter Dortmund kamen sie in dichten Nebel, und da sie keine deutschen Karten hatten, sondern nur nach dem Kompaß flogen, verloren sie die Richtung auf Berlin. Das Feylen der deutschen Karten wurde ihnen dann bei dem zwetten Aufstieg nach ihrer ersten Nollandung bei Eisleben wieder zum Verhängnis.

Auf die FrageWie war der Flug?" sagte Chamberlain, demBerliner Lokal-Anzeiger" zu­folge, über feine erste Notlandung u. a.: Ich habe wider Erwarten günstigen Rückenwind gehabt und den Ozean zwischen Reuschottland und Irland in etwa 24 Stunden überflogen. Schlimm wurde es über dem Kanal, wo eine Boe die andere jagte und ein heftiger Regen auf den Apparat prasselte. Ueber Boulogne-sur-Wer entschloß man sich, nordöstlich zu fügen. Es wurde nach Karte und Kompaß auf Kob­lenz zugeflogen. Ob Koblenz überflogen ist, weiß Chamberlain nicht. Er hat dann aber festgestellt, das er K a s s e l passiert hot, und zwar etwa 4 Uhr 20 Minuten morgens. Er ist dann am Südharz entlang weitergeflogen. Kurz vor 5 Uhr 30 Min. mußte er festslellen, daß der Benzinvorrat zu Ende war. Rach kurzer Rücksprache mit Lewine. so fuhr Chamberlain fort entschlossen wir uns zur Landung, nachdem wir eine Anzahl von Seen (Mansfelder Seenkreis) gesichtet hatten. Ich fand dann zwischen zwei Wäldern eine mir günstig erscheinende Wiese, auf der ich sehr sachte aufsetzte, glücklicherweise ohne eglichen Bruch. Unterwegs haben wir fast gar nichts gegessen. Ich bin aber sehr hungrig und durstig ge­wesen. Am schlimmsten war das Nachfüllen von Benzin. Die leeren Gallonen warfen wir ins Wasser. Dabei sind auch einige volle mit über Bord gekom­men, da wir Ballast abgeben mußten.

Auf der Rückfahrt vom Landungsplatz ins Hotel erklärte Chamberlain:Ich werde aller Wahrschein- ichkeit nach am Dienstag in später Nachmittags- tunte tn Tempelhof eintreffen Man hat den Emp- ang vorbereitet. Ich richte mich darnach. Ich betone, laß wir weder um irgendeinen Verdienst noch um irgendein Honorar gestartet sind. Ich habe kein Geld für den Flug erhalten. Herr Ingenieur Bel-