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und Land

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W. 129 Gamstas

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de« 4. S««i ____________1022

Genf wirft seine Schaffe« voraus.

LüsenfeEdrus des sMrkSsen SvanLeerch. - Die angebliche« Vovschläge Pawels bezüglich dev Sft-eft««gen.

Don dem Beginn der Iunrtagung des Völker- ndsrates trennt uns nur noch eine Woche, enn nicht andere Anzeichen auf die Nähe dieses rmines hindeuteten, io könnte man aus den Ge­hren der Pariser Presse erkennen, daß wieder ein- il eine wichtige diplomatische Zusammenkunft he bevorsteht. Die Pariser Presse ergeht sich in erlei Mutmaßungen und man ist außerordentlich L jchäftig die Streisragen aufzuzählen, die in Genf geblich ausgetragen werden sollen. Daß man da- i von schweren Kämpfen spricht, versteht sich von bst. Man wendet ehen immer wieder die alte ltik an, die Schwierigkeiten möglichst dicht auf» tragen, weil man hofft, damit auf die Gegenseite schreckend wirken zu können. DerTemps" wen- sich in einem Leitartikel gegen die von Deutsch- ch zu erwartende Interpretation des Artikels 431 5 Friedensvertrages. Von der Reparationspflicht nz abgesehen, habe das Reich seine Entwaff- ngsverpflichtungen noch nicht erfüllt. Diese Be- tigung der an der Ostgrenze ausgeführten hleifuägsarüeiten sei noch nicht erfolgt' und das fetz, welches die Ein- und Ausfuhr von Kriegs- iterraT ^u regeln habe, fei noch nicht votiert. Im- rh'in sei es möglich, daß Herr Stresemann unter n Drucke der nationalistischen Kabinettsmitglie- c r- wegen der Räumungsfrage sondieren werde.

Aber der deutsche Außenminister darf sich keine ufton über die Ergebnisse machen, zu denen er langen kann. Man darf vielmehr glaübèn, daß ne Bemühungen sich in erster Linie auf eine as Verminderung der Besatzungstruppen er- ;dsn werden, und seLst in diesem Punkte muß daraus gefaßt fein, auf Einwände zu stoßen, lche durch die Denkart der Nationalisten in utschland nur allzu sehr begründet sind. In Wirk- )keit besteht die einzige gegenwärtig zu lösende agè in der Bestätigung der für die Ostbefestigun- 1 geforderten Zerstörung. Es ist nicht möglich, ; allein mit der Zusicherung des Reiches zu be- ügen, daß es seine Verpflichtungen erfüllt habe." DerTemps^ geht sodann auf den gestrigen Ar- d desVorwärts" über die Rämungsfrage ein d beschäftigt sich mit dem bann enthaltenen Ge- nken, daß England seine Truppen am Rhein halten wünsche, um auf ba* Reich einen Druck seiner Ruhlandpolitik auszuuben Dies sei ein lemisches Argument. Immerhin könne man an« sichts der Beziehungen der deutschen Reaktionäre den Russen verliehen, daß England Mißtrauen be. DerTemps^ warn schließlich die öffentliche einung in Deutschland, die von jeder Reise nach mf große Vorteile erwarte, da man in Deutsch- ib üb erzeugt sei, daß die Alliierten alles tun wür- 'n, um die Aubreitung des Geistes von Locarno fördern. Da aber die bisherigen Konzessionen r Alliierten (Wo sind diese Konzessionen? D. Red.) * nichts weiter geführt hätten als zur Bildung res Kabinetts mit den Deutschnationalen, so dürfe an sich in Deutschland nicht wundern, wenn die enfer Besprechungen diesmal nicht so günstig uslaufen würden wie im Dezember.

Die svase dev âontvoöls ev LtiedevlegNNg devÄntevftSttde an dev deutsche« Hftgeerrre.

Paris, 3. Juni. In nicht gewöhnlicher Form be» äftigt sich die A g e n t u r H a v a s heute in einer geblichen Korrespondenz aus London mit der v rage der Kontrolle der Niederlegung der Ostbe-- 'tigungen. Diese Auslassung hat folgenden Wort: at:

Obwohl offiziell die alliierten Regierungen rutschland keinen Vorschlag betreffend die Nach- üfung der Riederlegung der Festungen an der lgrenze machten, und obwohl man auch offiziell ich immer bei dem deutschen Vorschlag, der übri- ns abgelehnt wurde, bleibt, diese Nachprüfung irch einen neutralen Offizier vornehmen zu sfen, schien man sich über einen Mittelweg reinigt zu haben, der anscheinend jedermann enugtllung geben konnte. Infolge von Befprechun- M zwischen Major Durand und Oberst G o s - s sowie den übrigen alliierten Offizieren und eneral v. Pawels; erklärte letzterer sich damit nversianden, persönlich die ersteren ufzufordern, die Durchführung der Verpslich- ing durch Deutschland feststellen zu lasten. Aber !s General v. Pawels; die Formel Dr. S t r e s e. iann unterbreitete, lehnte dieser sie ab. Ile deutschen Kreise behaupten, daß, wenn die alli- rlen Offiziere selbst sich an Orl und Stelle von em Stand der angekündigten Zerslörungsarbeiteu berzeugen werden, die Rationalisten ihre kam- agne gegen das deutsche Kabinett wieder auf- ehmen werde» mit der Begründung, daß Deutsch- mb sich damit einverstanden erklärte, aufs neue ie interalliierte Miltârkontrollkommlsston funktio- ieren zu lassen, obwohl sie aufgelöst ist. Soweit f man. Man hat nur noch einen neuen Vor- chlag Deutschland» zu erwarten. Sollte das ichk der Fall sein, dann wird keine andere Alter- alive übrig bleiben, so behauptet man letzt hier, is die Angelegenheit vor den Völkerbund zu ringen. Man macht sich in London wie in Jaris immer mehr klar, daß die Deutschen, wie

das oft mit ihnen geschieht, zwei Arten von Politik haben: eine mit den Rationalisten und der Reichs­wehr an der Osigrenze, eine andere an der West- grenze mit dem Vertrag von Locarno, und daß sie bereits durch ihre Pressestellen in London und durch ihre Propagandaorganisation beginnen zu ver­suchen, Konzessionen im Weste» zu erhalte» als Austausch für die Richtausführung oder unvollstän­dige Ausführung ihrer Verpflichtungen im Osten.

Hierzu bemerkt das W. T.-B.: Die vorstehend wiedergegebene Meldung der Agentur Havas, wo­nach General v. P a w e l f z sich in Besprechungen mit den technischen Sachverständigen der hiesigen Missionen diesen gegenüber damit e i n v e st a n - den ertlärt haben soll, die Sachverständigen zur persönlichen Besichtigung der zerstörten 34 Unter­stände aufzufordern, ein Angebot, bas aber von Dr. Stresemann abgelehnt worden sei, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Ganz ab­gesehen davon, daß Lie Frage, in welcher Weise die vereinbarten Zerstörungen der Unterstände veri­fiziert werden sollen, auf diplomatischem Wege zu erörtern sein wird, hat die Besprechung in dieser Frage zwischen General v. P a w e l s z, dem Sach­verständigen der Reichsregierung und den tech­nischen Experten der hiesigen Missionen über- h a u p t n i ch t st a t t g e f u n d e n. Zu den Aus­führungen, mit denen sich die Agentur Havas auf das deutsche innerpolitiscye Gebiet begibt, erübrigt sich jeder. Kommentar.

^Die«MU«gsfvase nicht Mebs aStttcK

Urlaubs Antwort Im Senat

Paris, 3. Juni. In der heutigen Sitzung des Senates antwortete Briand auf die Frage, wann der Minister bereit sei, eine Interpellation über die Erklärungen Dr. Stresmanns zur Frage der Räu­mung des linken Rheinufers zu beantworten, er habe seinerzeit gebeten, bis zu feiner Rückkehr aus London die Beantwortung vertagen zu dürfen. Jetzt müsse er nochmals um Vertagung ersuchen und zwar bis zu seiner Rückkehr von der Völkerbundrats- tegung. Uebrigens sei die Diskussion dieses Themas im Augenblick nicht mehr aktuell (1) Der Senat be­schloß in diesem Sinne.

^ineMnié gesen DsutfMands lAsloräSansNvKthe.

Paris, 3. Juni. Die große Entente cordiale, die vor einiger Zeit in London durch Doumergue und Briand mit den englischen Staatslenkern abge­schlossen wurde, scheint nicht vollkommen zu genügen. Gestern wurde in Paris noch eine besondereE n - tente coloniale" geschlossen, die der Entente cordiale zugesellt werden soll. Zu diesem Zwecke waren der englische Kolonialstaatssekretär Amery sowie eine ganze Reihe von Gouverneuren in Paris, darunter die Gouverneure von Kenya, der Gold­küste, Bermudas, Rordrhodesiens, Rigeriens usw. Alle diese Heren nahmen an einem Bankett teil, das die französische Union coloniale veranstaltete. Hauptredner war poincare. Er meinte, die Kolo­nien würden in Zukunft zur Stärkung der freund­schaftlichen Bande zwischen beiden Ländern bei­tragen und das gegenseitige vertrauen und die Herzlichkeit nur noch vertiefen. Auch der frühere Finanzminlsler Francois Marshall betonte die Ge­meinsamkeit der Bedürfnisse der beiden Völker, so­wie die Notwendigkeit einer ständigen Zusammen­arbeit zwischen französischen und englischen Staats­männern. *

Der Zweck dieser Gründung ist gar zu durch­sichtig. Man denkt ja erst zu allerletzt daran, die freundschaftlichen Bande zwischen London und Paris fester zu knüpfen, man will in erster Linie verhin­dern, daß den Deutschen ein Kolonialmandat zuer­teilt werde. Das ist der Zweck derEntente colo­niale"! "

Ittiammeniveffen GtVeßemaun-TrthMehevltt.

Die Besprechungen zwischen Dr. Stresemann unb dem russischen Außenkommissar Tschitscherin, die auf russischen Wunsch während der Durchreise Tschitscherins durch Deutschland stattfinden sollen, werden, wie dieVoss. Ztg." wissen will, wegen der kurzen Erholungsreise Dr. Stresemanns nach Baden-Baden verlegt werden. Der Außenminister wird dann noch seiner Rückkehr nach Berlin auf dem von der russischen Botschaft veranstalleten Bankett nochmals mit Tschitscherin Zusammen­treffen.

Die Abvekse dev Russe« aus Loudou,

London, 3. Juni. Am heutigen Geburtstage des englischen Königs verließen der russische Geschäfts­träger Rosengolz und der Chef der russischen Han­delsdelegation Kinchuck sowie 30 Beamte der Sow- jetbotfchaft mit ihren Frauen London mit dem fahr­planmäßigen Zuge nach Ostende, um von da aus nâch Berlin weiterruiaoren. Die Pollzei hatte den

Teil des Bahnsteiges, wo der Wagen für die Rusten bereitstand, abgesperrt. Es gelang jedoch mehreren Hundert Personen, die polizelliche Wsperrung zu durchbrechen, worauf sie abwechselnd die Inter­nationale und dieRote Flagge" sangen und zu­gunsten der Russen demonstrierten. Andere auf dem Bahnhof anwesende Personen riefen:Nieder mit den Russen!" und versuchten die Nationalhymne anzustimmen. Der russische Dampfer --'Doujhar" verließ heute in den frühen Morgenstunden den Londoner Hafen.

DLe Pavattele rum Avcos- IwiMenfaU.

e o N d o N, 3. Juni. Einer Agenturmelduug aus Mexiko zufolge drangen Geheimagenten und Po­lizisten kurz nach Mitternacht in die dortige Sowjet- gefandtfchaft ein. Eine Anzahl Personen, die der Abhaltung revolutionärer Zusammenkünfte ver­dächtig sind, fallen verhaftet worden fein. Nach mehreren Stunden habe die Sowjelgesandtfchafl ihre Freilassung erreicht. Die die Durchsuchung führen­den Beamten hätten erklärt, daß die Razzia infolge eine versehens vorgeuommea worden sei.

Vee Sa» Wirth vse dem vsrstand See Sente«mspa«tsS.

Berlin, 3. Juni. Der Relchsparteivorstand des Zentrums trat heute nachmittag zu einer Sitzung zusammen, die sich bis in die späten Abendstunden hinzog. Es wurde ein Bericht der Beauftragten der r,j ', mit da» Nachrichtenbüro des Vereins des Büros Deutscher Zeilungsverleger meldet, über die Verhandlungen mit der Bayerischen Volkspartei enkgegengenommen. Die Beauftragten werden die Besprechungen weilerführen.

Anläßlich dieser Sitzung kam, wie das VDZ.- Büro weiter meldet, auch die Angelegenheit Dr. Wirth zur Sprache, der inzwischen veröffentlichte Brief des Parteivorsihenden Dr. Marx an Dr. Wirth und beffen Ausführungen in der Zeitschrift Die Deutsche Republik" wurde jur Kenntnis ge­nommen. Gleichzeitig lag eine Erklärung der Badi­schen Zentrumsirakiion, die imBadischen Beob­achter" vom 2. Juni erschienen ist, vor, in dem sich der Vorstand einstimmig dieser letzten Erklärung anschließt, spricht er sein Bedauern und seine Miß­billigung zu dem Verhallen Dr. Wirths iusesondere gegenüber dem Parteivorsitzenden aus.

Die von uns gestern mitgeteilte Erklärung des badischen Zentrums, auf die sich hier der Zeâms- vorstand bezieht, enthielt eine klare Ablehnung alles Sondergängertums und betonte abschließend Jein Einverständnis, wenn Dr. Wirch Schulter an Schul­ter mit ihm kämpfen werde.

Ej« M«g NewvovSVevlr«.

Loudon, 3. Juni. Reuter verbreitet folgende Berichtigung seiner Meldung aus Newyork: Das FlugzeugLolambia" ist noch nicht gestartet; aber die Benzintanks find gefüllt und der Apparat fertig zum Abflug.

Newyork, 3. Juni. (Reuter.) Ls ist un- gewiß, ob dieColumbia" heule noch abfliegen wird. Die erklärt wird, find zwar auf der Strecke bis Neufundland die atmofphârifchen Bedingungen günstig; auf hoher See jedoch herrscht Sturm und Nebel. Der Vater Lhamberlains erklärte, nach den letzten Nachrichten, die er von feinem Sohne erhallen habe, fei Berlin das Ziel sei­nes Fluges.

Die Empfangsvorbereitungen für Lhamberloin.

Berlin, 4. Juni, wie Polizeivizepräfidenl Dr. weiß derVoss. Ztg." mitteilt, wird auf dem Flugplatz Tempelhof der Polizeiaufsichts- dienst in befonderem Maße verstärkt werden, damit die Landung des Fliegers ohie Zwischenfälle von- statlen geht. Es sind genügend Polizeikräfte zur Verfügung. Es wird vor allem Werl darauf zu legen sein, daß der Flugplatz bei Ankunft des Flie­gers nur von Personen betreten wird, die ein dienst­liches Interesse wahrzunehmen haben.

Die Lufthansa erklärt: Sollte der Flug wirk­lich statlfinden, so werden wir unseren ganzen Appa­rat zur Verfügung stellen, um den Flieger zu emp­fangen. Alle Vorbereitungen, die dem Flieger seinen weg erleichtern können, werden von uns getroffen werden, von der Grenze Deutschlands, ja schon von Amsterdam her, werden wir den Flieger von unse­ren eigenen Maschinen begleiten lassen. Von Amster­dam werden wir ein umfangreiches Nachrichlenneh für die Presse ausbauen, so daß der Flieger bei sei­ner Ankunft auf dem Kontinent sofort gemeldet und auf seinen einzelnen Etappen verfolgt werden kann.

Newyork, 4. 3unL Nach Prüfung des Wetters erklärte Chamberlain, daß er um 4 Uhr früh (10 Uhr vormittags nach mitteleuropäischer Zeit) zum Flua nach Europa entsteigen werde.

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Von Reichswirtschaftsminister a. D. Dr. Decker.

Zeitiger als in früheren Jahren ist der Reichstag diesmal in die Pfingstferien gegan­gen. Straffe Disziplin des Reichstagspräsi­diums und weise Selbstbeschränkung der Koalitionsparteien im Reden machte die frühe Vertagung möglich, da Stoff zu Plenarbera­tungen nicht mehr zur Verfügung stand. Die längere Pause, die damit in diesen Verhand­lungen eingetreten ist, läßt einen Rückblick und Ausblick angebracht und reizvoll erscheinen. Denn wenn es auch nach einem in diesen Tagen gefallenen Wort eines führenden Politikers töricht wäre, sozusagen alle fünf Minuten eine politische Bilanz aufmachen zu wollen, so er­scheint es doch notwendig, sich in längeren Zwischenräumen Rechenschaft über das zu geben, was war, was man wollte und was man erreicht hat, und daran Betrachtungen über die politischen Aufgaben wenigstens der näheren Zukunft zu knüpfen.

Zu solchen Betrachtungen reizt vor allem die Außenpolitik. Niemand wird be­haupten wollen, daß die außenpolitische Lage Deutschlands rosig sei und daß wir mit ihr restlos zufrieden sein könnten. Wenn wir unser Verhältnis zu den großen Weltmächten betrachten, so zeigt uns zunächst die Rede, die vor wenigen Tagen Mussolini gehalten hat, was man alles einem künstlich wehr­los gemachten Volke zu bieten wagen kann. Ohne jede sachliche Veranlassung, ledig­lich gestützt auf Falschmeldungen der uns feindlich gesinnten Auslandspresse ist diese Brandrede in einem Tone gehalten worden, daß man in früherer Zeit sie wohl zum Anlasi für diplomatische Vorstellungen bei der Regie­rung des Redners genommen hätte. Dabei haben wir nicht das geringste getan, was dieser Rede auch nur zum Vorwand hätte dienen können; im Gegenteil: unsere gequälten Lands­leute im alten deutschen Sprachgebiet Süd­tirols beklagen sich bitter darüber, daß sie von ihren deutschen Brüdern im Reich und in Oesterreich auch in Kulturfragen völlig in Stich gelassen würden, und wir können diesen Kla­gen leider die Berechtigung nicht versagen. Darf man sich aber über Mussolini, der sein Land wenigstens mit starken Zügeln regiert, besonders wundern, wenn die kleinen Kläffer im Osten unseres Vaterlandes in gleicher Weise glauben, sich an Deutschland reiben und deutsche Minderheiten vergewaltigen zu können? Die Art» wie Litauen das memelländische Deutschtum trotz völkerrechtlicher Bindungen gewaltsam zu unterdrücken versucht, schreit zum Himmel. In Polen aber und vor allem in dem uns gegen alles göttliche und menschliche Recht und im Widerspruch mit dem am Ende des Krieges so emphatisch verkündeten Selbst­bestimmungsrecht der Völker geraubten Teil von Oberschlesien ist der D e u t s ch e heute geradezu vogelfrei. Da löst man Ge­meindevertretungen auf, nur weil sie nach freier Wahl deutsche Mehrheiten besitzen, man vergewaltigt den Einzelnen in seinem aktiven und passiven Wahlrecht, entläßt deutsche Ar­beiter und Beamte, nur weil sie nicht zu Ver­rätern an ihrem Volkstum werden wollen, mißhandelt unter den Augen der Polizei nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kin­der und scheut vor offenem Mord nicht zurück. Und das alles unter den Augen des Völker­bundes, dessen Mitglied wir sind und der sich den Schutz der Minderheiten doch angeblich zur ersten Aufgabe gemacht hat. Wir sind gespannt, wie er sich zur offenen Beschwerde der memel­ländischen Deutschen stellen wird. Polen gegen­über aber sollten wir doch in stärkstem Maße von den wirtschaftlichen Waffen Gebrauch machen, die wir diesem Lande gegenüber in der Hand haben. Keine Fortsetzung der Handels­vertragsverhandlungen sollte in Frage kom­men, ehe nicht volle Gewähr dafür gegeben ist, daß auch der Deutsche dort in Ruhe und Sicher­heit leben kann.

Nach Locarno und Thoiry glaubten wir wenigstens auf eine fühlbare und sich fortgesetzt steigernde Erleichterung unserer Lage im Westen und insbesondere in den besetzten Gebieten rechnen zu können. Die Zurückziehung der fremden Trup­pen aus dem Ruhrgebiet und aus der besetzten Kölner Zone sollte doch nur den Anfang solcher Erleichterungen oorstellen. Und nur in Er­wartung weiterer seelischer und tatsächlicher Entlastung hat der deutsche Reichstag und das deutsche Volk in seiner überwiegenden Mehr­heit den bekannten Locarnovertragen zuge­stimmt. Der frühere Reichskanzler Dr. Luther