202. Meaana
Mmauemnzeiger
UFSG^EML Anzeiger Giadi und Land
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Meustas
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de« 31, Mak
1922
Das Keueiks.
— Die Stellung der deutschen Regierung im .glisch-russischen Konflikt wird von der Pariser rchtspresse mit Argwohn verfolgt.
— Der amerikanische Botschafter in Paris hielt i einer Gefallenen-Gedenkfeier eine scharfe Rede gen Rußland.
— Die Botschafterkonferenz hat der bulgarischen rgierung mitgeteilt, daß die interalliierte Militär- ntrollkommission am 31. Mai zurückgezogen wer- n soll.
— Der oberste Rat der polnischen Sozialdemo- attschen Partei hat beschlossen, gegen die gegen- irtige Regierung in Opposition zu treten.
NeMMand zwischen zwei Keuern
Die Vevlinev Tagung dev Vötkevdunvsttgen.
Der Weltverband der Völkerbundsgesell- jaften hat mit Absicht Berlin zu seinem dies- Hrigen Tagungsort erwählt. Es sollte damit rr Tatsache Rechnung getragen werden, daß eutschland als neues Mitglied in den Völker- rnd und in den Völkerbundsrat aufgenom- len worden und daß die deutsche Völkerbunds- ?feÜschaft erst dadurch in den Stand gesetzt 'orben ist, praktisch mit den anderen Völker- andsligen, zusammen zu arbeiten. Der Welt- irband glaubt neben dem Völkerbünde nützliche Arbeit leisten zu können. Der Völkerbund tzt sich in seinen verschiedenen Organen aus Vertretern der Regierungen zusammen. Die )5 .ölkerbundsligen wollen daneben eine Ver- , etunZ der Völker schaffen, eine Art von Völ- iröundsparlament, das die Tätigkeit des Völ- irbunbes kritisieren, ergänzen und beleben )U.
Wie die Verhandlungen der Berliner Ta- oi ung bewiesen haben, ist der Vergleich mit inem Parlamente in manchen Punkten nicht I nangebracht. Es wird sehr viel an redne- ischen Leistungen geboten, ohne daß der Effekt em Aufwande an Zeit und Mühe angepaßt Däre. Dabei sind die Tagungen des Weltver- andes nicht viel mehr als ein Redeparlament, enn die Beschlüsse, die man faßt, sind praktisch ebenfalls nicht von unmittelbarer Bedeutung. )er Völkerbund ist nicht verpflichtet, sich ba= rach zu richten und andere Organe oder Per- önlichkeiten, auf die sie sich etwa beziehen, ind es noch viel weniger. Die Wirkung, die nan sich von den Reden und Beschlüssen dieses Parlaments versprechen kann, beruht lediglich auf der Propaganda, die damit in der Welt- iffentlichkeit erzielt wird.
Auch diese Wirkung wird man nicht gering inschlagen können und es ist deshalb durchaus lerechtigt, daß man der Berliner Tagung auch von feiten der Regierung Beachtung geschenkt hat. In einer bestimmten Frage ist der Beweis erbracht worden, daß der Weltverband der Bälkerbundsligen auch im deutschen Interesse Gutes leisten kann. Ein Zweig seiner Tätigkeit betrifft die Frage der nationalen Minderheiten. In der dafür eingesetzten Kommission, ist auf der Berliner Tagung eingehend über Südtirol gesprochen worden. Mitglieder der Völkerbundsligen, darunter eine Engländerin, haben in Südtirol Beobachtungen angestellt und mit einer anerkennenswerten Unparteilichkeit als Ergebnis ermittelt, daß die Deutschen in Südtirol sich namentlich auf dem Gebiete der Jugenderziehung und des Schulunterrichts die krasseste Unterdrückung gefallen lassen müssen. Wenn Mussolini kurz darauf in einer Kammerrede Italiens Ansprüche auf Südtirol von neuem in herausfordernder Weise zu verteidi- gen versuchte, so geschah das offenbar unter dem Eindruck, daß die Feststellungen in der Minderheitenkommission des Weltverbandes für die italienische Politik beschämend gewefen sind. Es ist richtig, daß auch im Weltverband in solchen Fragen die einzelnen Ligen gegeneinander streiten. Die Mitglieder der italienischen Liga verteidigten die italienische Politik in Südtirol und als später die Sprache auf die Mißstände in Rumänien kam, nahmen die Vertreter der rumänischen Liga ihre Regierung nach jeder Richtung in Schutz. Trotzdem läßt sich nicht bestreiten, daß durch den Weltoerband wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet werden kann, an der der Völkerbund nicht ganz achtlos
Englische Ovohnngen.
Berlin, 30. Mai. Das erste englische Echo des deutschen Entschlusses, dem russischen Ersuchen um das deutsche Protektorat über das russische Eigentum in England stattzugeben, klingt jetzt zu uns herüber, in Form von Aeußerungen des diplomatischen Korrespondenten des „Daily Telegraph", der vor allen Dingen darauf hinweist, daß die Uebernahme der russischen Interessenvertretung Deutschland nicht willkommen gewesen sei, daß es aber mit Rücksicht auf die Verträge von Rapallo und Berlin das russische Ersuchen nicht gut ab lehnen konnte.
Der zarte Hinweis des Engländers auf die Rheinlandräumung, ist das interessante an diesen Ausführungen des englischen Blattes, das wohl auch in diesem Falle, wie
schon so oft, das Sprachrohr der englischen Regierung sein dürste. Deutschland wird sich durch die verklausulierte Ankündigung, die Rheinlandräumung mit der Haltung Deutschlands Rußland gegenüber verquicken zu wollen, weder in seiner Neutralität noch in seiner unausgesetzten Erfüllung des Vertrages von Rapallo beirren fassen. Man hat uns schon so oft derartige Lockspeisen vorgesetzt, ohne dann das gegebene Versprechen zu erfüllen.
Im übrigen wird in der Besprechung des englisch-russischen Konfliktes durchweg darauf hingewiesen, daß Rußland auf den englischen Schlag wesentlich schärfer reagieren würde, wenn es die Machtmittel dazu hätte. Der bekannte deutsche General Hoffmann, der als mitilärischer Kenner der russischen Verhältnisse angesprochen werden muß, ver- öffentlicht im „Neuen Wiener Journal" ein Interview, in dem er nachweist, daß die Rote Armee für den Ernstfall kampfunfähig ist. Die Rote Armee verfüge über politische, kaum aber über wirkliche Führer.
Die Bewaffnung und Ausrüstung des Sowjet- heeres ist nur zum Teil gut, soweit es sich nämlich um die 60 000 Mann der Tscheka handelt. Der gesamte Rest der Roten Armee sei nach allen vorliegenden Berichten äußerst schlecht ausgerüstet und bewaffnet. Die ganze Ausbildung erfolgt viel weniger nach militärischen als nach politischen Gesichtspunkten. Schon bei einer Mobilmachung würden sich katastrophale Zustände herausstellen müssen, da sich auch die Unzulänglichkeit der technischen Mittel besonders bemerkbar machen würde. Wenn auch ein Feldzug gegen Rußland mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft fein wird, so haben doch die Machthaber in Moskau selbst kein Interesse, den diplomatischen Konflikt mit England zu vertiefen.
Die Uebevsiedlung des Äveos- Vevsonals nach Berlin.
Berlin, 30. Mai. Die Einreiseerlaubnis für das Personal der russischen Handelsgesellschaft Arcos ist von der russischen Botschaft in Berlin nachgesucht und vom Auswärtigen Amt in Berlin bereits erteilt worden. In den nächsten Tagen soll der Umzug des Personals nach Berlin stattfinden. Eine offizielle Beschränkung des Aufenthalts ist noch nicht festgestellt worden. Doch ist als Zweck des Aufenthalts in Berlin lediglich die Abwicklung der Geschäfte mit London angegeben worden, so daß auf Grund dieser Zweckbestimmung mit einem Aufenthalt von sechs Wochen gerechnet wird. Im Zusammenhang mit dem englisch-russischen Konflikt dürfte es wohl stehen, daß der deutsche Botschastrat bei der deutschen Botschaft in London Dieckhoff zur Berichterstattung in Berlin eingetroffen ist.
Daeifee Bevdüchtigungen gegen Deutschland.
Paris, 30. Mai. Die Stellung der deutschen Regierung dem englisch-russischen Konflikt gegenüber wird in Paris mit gespannter Aufmerksamkeit, ja sogar mit Argwohn beobachtet. Der Umstand, daß die Sowjetregierung das Berliner Kabinett um die Vertretung ihrer Interessen in England ersucht hat und die Arcos-Gesellschaft ihren Sitz in Berlin nehmen wird, gibt den hiesigen Rechtsblättern Gelegenheit zu allerlei Verdächtigungen. Man schreibt gewissen deutschen Kreisen die Absicht M, durch ein dunkles Intrigenspiel die politischen Ereignisse so zu beeinflussen, daß sich für Deutschland möglichst viel Vorteile daraus ergeben. Die „Liberty nennt sogar die Räumung des linken Rhetnufers das Ziel dieser angeblichen deutschen Manöver und fügt bei, daß sich wahrscheinlich die Politik Stresemanns bald in diesem Sinne orientieren werde. Auch ist viel die Rede davon, Deutschland werde demnächst eine
politische Aktion unternehmen, um einen Block derjenigen Länder zustande zu bringen, die der englischen Politik gegen Sowjet-Rußland nicht folgen möchten. Ein solcher Versuch würde als eine große diplomatische Ungeschicklichkeit angesehen werden.
In den hiesigen offiziösen Kreisen zweifelt man übrigens daran, daß sich die deutsche Regierung zu einem solchen Schritt entschließen könnte. So schreibt der „Temps" zu diesen unwahrscheinlichen Gerüchten: „Die Berliner Regierung wird sich wohl hüten, eine Unvorsichtigkeit dieser Art zu begehen. Sie weiß wohl, daß normale Beziehungen zu England für das deutsche Reich wertvoller sind, als die zweideutige Freundschaft mit Moskau. Und sie ist sich auch im klaren darüber, daß für das Reich wie für alle anderen Mächte die Beziehungen zu Sowjetrußland nicht von der gegenwärtigen Haltung des englischen Kabinetts abhänge, sondern von den Methoden der Sowjetdiplomatie gegenüber den einzelnen Rationen und Regierungen, die mit den Sowjets Verbindungen angeknüpft haben.
SowretferndttcheRede desvavNev amsvèßaniMen Botschafters.
Paris, 30. Mai. Am heutigen Memorial Day der amerikanischen Pariser Kolonie für die im Weltkrieg gefallenen amerikanischen Soldaten legte auch Botschafter Herrick Kränze am Grabe des Unbekannten Soldaten nieder und hielt am Nachmittag auf dem amerikanischen Friedhof eine Rede, in der er sich auffallend scharf gegen Rußland und den Bolschewismus aussprach. — Ausgehend von dem Gedanken, daß zur Bekämpfung des Krieges und zur Festigung des Friedens wissenschaftliche Methoden angewendet würden, erklärte er, auch die Geißel des Bolschewismus werde, allerdings etwas verspätet, mit diesen Methoden bekämpft. Der Fall Rußland sei das tragischste Beispiel eines moralischen Riederganges in der Geschichte. Die Völker, die Vertrauen hegten in die heilsame Wirkung der bisher erprobten Regierungsform, sähen sich plötzlich einer neuen Regierungsform gegenüber, die bisher >er ganzen Welt als tyrannischer und bedrückender er- chienen sei, als der Despotismus in irgend einer einer geschichtlichen Formen. Daß, die Leiter dieses neuen Regimes im Namen eines großen Volks zu sprechen vorgäben, könne niemand täuschen. Wenn ein von der Tollwut Befallener herumlaufe, so sperre man ihn ein und suche ihn zu heilen. Was er selbst über seine Krankheit sage, habe für niemand Bedeutung, solange er noch zu beißen vermöge. Eine kranke Demokratie könne eine ebenso ernste Gefahr werden, wie der wahnsinnigste König. Eine wahnsinnige Ration sei ärger als Nero. Die Amerikaner, die einen siebenjährigen Krieg um ihre Rechte auf Leben, Freiheit und Glück geführt hätten, dürften die Bande von Männern nicht ruhig arbeiten lassen, die sich zu Herren einer liebenswürdigen und begabten Rasse gemacht hätten, und die nun mit teuflischer List der übrigen Welt ein tödliches Gift einimpfen und die Einrichtungen zu unterminieren suchten, die dem Kontinent Wohlstand und Glück verliehen hätten. „Wir denken nicht daran, so schloß Herrick, das Sowjetregime in Rußland anzugreifen. Was es im eigenen Lande tut, geht uns nichts an. Aber wir weigern uns, feinen Führern die Mittel und die Gelegenheit zu geben, uns zu vergiften. Wir sind entschlossen, unser Land ebenso tatkräftig gegen den Bolschewismus zu verteidigen, wie unsere Vorfahren ^s gegen die Tyrannis verteidigt haben, und die Tatsache, daß eine Regierung heimlich die Keime zu einer schweren Krankhell gegen uns aussendet, statt offen die Armee gegen uns zu schicken, macht diese Invasion nicht weniger bösartig und mindert nicht unsere Pflicht, sie zurückzuschlagen."
Moskau befürchtet Mvkessgefohv
Mlarmierenbe Meldungen über das englische Ostseegeschwader.
Berlin, 30. Mai. Nach Abendblättermeldungen aus Moskau hat dort eine Meldung der „Prawda" Soßes Aufsehen erregt, wonach ein englisches Ge- wader, das im Juni nach Helsingfors kommt, dort bis zum Spätherbst bleiben wird. In russischen diplomatischen Kreisen hält man es für durchaus wahrscheinlich, daß die englische Admiralität wegen des Bruches mit der Sowietunion die Unterhaltung einer Beobachtungsabteilung in der Ostsee beschlossen habe. •
3m Zusammenhang damit erklärt die „Prawda", daß England nunmehr eine militärische Intervention gegen die Sowjetunion vorbereite und die Kriegs- gefahr so nahe wie niemals sei.
auch des deutschen Volkes fördert, nachdem er früher in sehr wichtigen Fragen diesen Beweis schuldig geblieben ist.
Oie S-SkevLuuds-rsa über Erziehung und Äntevvirht.
Berlin, 30. Mai. Am heutigen siebten Tag der Beratungen des Weltverbands wurde eine Entschließung gefaßt, deren wichtigsten Sätze lauten: „Sie elfte Vollversammlung hofft, daß die Arbeit des Völkerbundes durch eine schnelle Lösung aller schwebenden Fragen erleichtert werden möge und daß durch Beseitigung der Ursachen für Entfremdung und Mißtrauen eine Periode friedlicher und nutzbringender Zusammmenarbeit der Völker auf der Grundlage völliger Gleichberechtigung und völligen Vertrauens zum Instrument und Geist des Völkerbundes beginnen möge."
Im weiteren Verlauf der heutigen Tagung legte die Sonderkommission für Erziehung und Publi- kation umfangreiche Entschließungen vor, in denen u. a. gefordert wird, daß in allen Ländern die Verfassung des Internationalen Arbeitsamtes und die Satzungen des Völkerbundes im Unterricht behandelt werden. Die Entschließungen dieses In- Halts wurden einstimmig angenommen, ferner zwei andere Entschließungen, in denen eine W e l t - erziehungskonferenz gefordert und die nationalen Verständigungskomitees begrüßt werden. Das Mitglied der deutschen Delegation, Gräfin Dohna, gab unter lebhaftem Beifall den Inhalt eines Erlasses des preußischen Kultusministeres Dr. Becker bekannt, durch den die Behandlung des Völkerbundes im preußischen Unterricht angeordnet wird. In dem Erlaß heißt es: „Wenn auch zahl-
reiche Hinweise in den Richtlinien für den Unterricht an ben preußischen Schulen schon bisher dazu auf» forderten, die Fragen des Völkerbundes im Unter- richt zu behandeln, so muß es jetzt, nachdem Deutschland dem Völkerbund beigetreten ist, noch mehr Aufgabe der Schule sein, sich im Unterricht eingehend mit Wesen, Arbeit und Zielen des Völkerbundes zu befassen. Aus dem Wesen des Völkerbundes ergibt sich, daß jeder Unterricht über ihn getragen sein muß vom Gefühl für die Würde des eigenen Volkes, von verständnisvoller Achtung vor dem fremden Volke und von der Einsicht, daß die Enwicklung eines jeden Volkes gefördert wird durch die Zugehörigkeit zu einer umfassenden Gemeinschaft aller Völker."
Kultusminister Dr. Becker hat angeordnet, daß in den oberen Klassen der Volksschulen, in den Mittelschulen, den höheren Lehranstalten, den pädagogischen Akademien sowie bei der Ausbildung der Studienreferendare der Gegenstand in diesem Sinne geeigneter Stelle behandelt wird.
Bei der Entschließung Oesterreichs, die die Gründung einer Spezialabteilung für Erzie- hungsfragen beim Völkerbund fordert, entwickelte sich eine längere Diskussion darüber ob das zu erstrebende Spezialinstitut ... Völkerbund oder an das internationale Institut für geistige Zusammenarbeit in Paris anzuschließen sei. Auf Antrag der Schweizer Delegation wurde dann diese ganze Frage bis zum nächsten Kongreß des Wellbundes zurückgestellt.
Es folgte die Besprechung des Berichts des Sonderausschusses für nationale Minder- beiten. Die Versammlung stimmte der Herausgabe einer völlig neutralgeleiteten Zeilschrllt für nationale Minderheiten durch den Welioerband nach den von der ständigen Kommission empfohlenen Grundlinien zu. Zur Frage üer deursey- sprechenden nationalen Minderheit in Südtirol heißt es in dem Bericht des Son» deraussckusses: „Die Kommission Hai oen Beschluß gefasst, dieser Frage auf der nächsten Sitzung im Oktober nochmals chrè Aufmerksamkeit zuzuwenden. In der Zwieschenzeit werden die uuf der Tagung erstatteten Berichte den Völkerbundsgesellschaften zusammen mit einer von Frau Bakker vorgeschlagenen Resolution zugestellt werden. Auf diese" Weise wird es der Kommission leichter gèângen, einen weisen Schluß zu fassen und der italienischen Völ- kerbundsaesellschaft wird Gelegenheit gegeben werden, nochmals die Darlegungen ihrer deutsch- sprechenden Kollegen zu prüfen." Die italienischen Mitglieder der Kommission haben diesem Plane zugestimmt.
an
an den
Die BSlkevbundsbsschwevde
VeuiMSands svgen Litauers.
Zur Beschwerde Deutschlands gegen Litauen beim Völkerbünde wegen Verletzung der Memelkonvention teilte Minister Voldemaras Pressevertretern folgendes mit:
vorüber gehen kann.
Wenn die Ligen ein Völkerbundsparlament bilden wollen, so müssen sie natürlich bestrebt ' * • - " ' ' “ " ^glichst viel
sein, in den einzelnen Völkern mögl Anhang zu gewinnen. Aus diesem legen sie Wert darauf, daß auch die Schuljugend schon über den Völkerburü) aufgeklärt Wird. Der preußische Kultusminister Dr. Becker
runde
hat eine Verordnung in diesem Sinne erlassen und damit auf der Tagung des Weltverbandes starken Beifall gefunden. Bei überzeugten Anhängern des Völkerbundsgedankens ist dieser Beistill verständlich, denn der Minister wünscht der Heranwachsenden Jugend in den Volks-
durch die Zugehörigkeit zu einer umfassenden Gemeinschaft aller Völker gefördert wird. Will man aber die Jugend richtig belehren, so wird man ihr nicht verschweigen dürfen, daß der Völkerbund keine umfassende Gemeinschaft aller Völker ist und daß wir ihn nicht nach ' " jen, sondern nach seiner Völkerbund wird zu beweisen haben, daß er jetzt die Entwicklung
schulen, den mittleren Schulen und den hohe- irgend welchen Grundsätze ren Lehranstalten die Ansicht beigebracht zu nen Taten beurteilen. Der leben« daß die Entwicklung eines jeden Volkes beweisen haben, daß er
Die litauische Regierung hat vom Sekretariat des Völkerbundes eine telegraphische Mitteilung erhalten, daß die deutsche Regierung dem Völkerbund eine Beschwerde bekannter Memeler Bürger gegen Litauen wegen Verletzung der Bestimmungen der Memelkonvention überreichte. Die deutsche Regierung bittet, ihrerseits die Anklage auf der nächsten Plenumsitzung des Völkerbundsrates zu behandeln. Die litauische Regierung hat nach Empfang dieser Mitteilung telegraphisch um Uebermittlung des Wortlautes der Anklage gebeten. Sie wird sich dann ausführlich äußern.
„Im allgemeinen", erklärte Ministerpräsident Professor Voldemaras, „bin ich der Auffassung, daß der Schritt Deutschlands unter dem Druck gewißer Memeler Bürger erfolgte. Es ist aber kaum anzunehmen, daß Deutschland die Anklage energisch unter
nehmen, daß Deutsch tützen wird."
Worauf Voldemaras diese merkwürdige Hoffnung
stützt. bat er nicht beknnnMav-rKä