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le. 121 Mittwoch
de« 25, Mai
Los. sadv-att- et und Land
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1623
Englands Bruch
mit Rußland
Vawwr« küudist de« Abbvmh des divlomatrstdeu SevSehvS mit Moskau a«.
London, 24. Mau Baldwin erklärte im lln- >aus, die Regierung werde, falls das Unterhaus > nicht mißbilligen sollte. Donnerstag das hanlsabkommen mit Rußland aufheben, Abreise der Lowjelhandelsdelegalion und Sowfetmiffion in London verlangen und britische Mission in Moskau a b be- fen.
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5m englischen Kabinett hat sich also die htung dyrchgesetzt, die schon seit längerer t auf einen Bruch mit Rußland hindrängte, in kann sagen, daß damit erst der Um= Dung zu seiner vollen Auswirkung gekom- n ist der mit dem Sturz des Kabinetts Mac nald und dem großen Wahlsieg Der konser- ioen Partei einsetzte, Mac Donald versuchte t Sowjet-Rußland enge diplomatische und ndelsbeziehungen anzuknüpfen und , ging t dem Plane um, ihm eine große Anleihe gewähren. Seit seinem Sturz hat eine rück» ifige Bewegung eingesetzt. Sie ist jetzt an n Punkte angelangt, an dem alles wieder tgängig gemacht worden ist, was der Füh- der Arbeiterpartei als Ministerpräsident tande gebracht hatte. Man kann schon aus Nem Entwicklungsgänge den Schluß ziehen, 3 der Konflikt, mit der russischen Handels- egation in LoftÜon nicht die entscheidende Ü nicht die alleinige Ursache des englisch- lsischen Bruches gewesen ist. Er war das sie Glied in der Kette der Entwicklung, nach- n so vieles AnDere vorauggegangen war, cs die Beziehungen zwischen' Rußland und kgland allmählich immer mehr verschärft rite.
Die englische Regierung steht innerpolitrsch einer scharfen Kampfstellung gegen den ilschewismus. Die englische Arbeiterbeweng ist in der letzten Zeit immer mehr, vom immunismus durchseucht worden. Der Streik r englischen Kohlenarbeiter wäre gar nicht öglich gewesen, wenn ihn der russische Rubel cht nach der baldigen Erschöpfung der eng- chen Gewerkschaftsmittel am Leben erhallen rite. Der englische Bergarbeiterführer Cook 4 nicht umsonst eine Dankesfahrt nach Mos- u unternommen, wo er mit den russischen ommuniften ein Herz und eine Seele war. Le englische Regierung ist gerade im Begriff, rrch die Einführung des gesetzlichen General- ceikverbotes einen Schlag gegen die Arbeiter- rrtei und die Gewerkschaften zu führen. Da- it steht es zweifellos im Zusammenhang, 16 sie jetzt der Sowjetregierung den diplo- atischen Fehdehandschuh hinwirft. Die Rolle, e der englische Innenminister Hicks in den tzten Wochen gespielt hat, läßt daran gar ünen Zweifel. Es ist sogar möglich, daß inerpolitische Gründe den Ausschlag gegeben iben. Man weiß, daß Der englische Außen- nnister Chamberlain aus irgend welchen ußenpolitischen Gründen nicht für einen fruch mit England eingetreten ist. Die Lon- oner City, die die englische Handelswelt ver- ntt, hat dem Bruch sogar Widerstand ge- üstSt, weil sie mit Recht eine Schädigung der nglischen Handelsinteressen davon befürchtet. )er englische Handel mit Rußland betrug vom Juni 1920 bis zum Dezember 1926 rund 169 Rillionen Pfund Sterling, das sind fast ,4 Milliarden Mark. Auf dieses ansehnliche Geschäft wird England nunmehr bis zu einem fewisten Grade verzichten müssen. Der Ausall des russischen Marktes dürfte seine ohnehin schon sehr starke Arbeitslosigkeit noch erhöhen. Aber diese Sorgen sind eine englische Angelegenheit, über die im Parlament von )er Opposition vielleicht noch das eine oder rndere Wort gesagt wird.
Will man die politischen Auswirkungen les Bruches richtig beurteilen, so ist seine Dor- zeschichte natürlich sehr wichtig.. Denn wenn in erster Linie innenpolitische Gründe maßgebend gewesen sind, so werden sich die Folgen auf außenpolitischem Gebiete weniger bemerkbar machen, als wenn etwa Chamberlain die treibende Kraft gewesen wäre. Der englische Außenminister läßt in der Londoner Presse mit Entschiedenheit in Abrede stellen, daß er etwa die Absicht habe, in Europa einen anti- russischen Block zu bilden unD zu führen. Ebenso entschieden wird bestritten. daß Chamber»
Iain und Briand ein gemeinsames Vorgehen gegen Rußland bei ihrer Londoner Zusammenkunft vereinbart haben. Der Bruch mit Moskau wird sich aber natürlich auch in der englischen Außenpolitik auswirken müssen. Die Sowjetregierung wird ihre zum Teil unterirdische Propaganda in China, Indien, Persien und Aegypten in verstärktem Maße gegen England fortsetzen und Die Spannung wird wachsen. Unter diesen Umständen wird es Aufgabe der deutschen Politik sein müssen, auf der Hut zu sein und den Kurs der bisherigen deutschen Außenpolllik aufrecht zu erhalten. Für uns bleibt die neutrale Haltung gegen Rußland eine grundsätzliche Forderung unserer Außenpolitik und wir werDen uns von diesem Wege auch in Zukunft nicht abdrängen lassen.
Valdwins Anklage -ege« RnSland.
London, 24. Mai. In Beantwortung einer Anfrage erklärte der Premierminister Baldwin in der heutigen Unterhaussitzung, daß während vieler Monate Polizei- und Militärbehörden die Tätigkeit von Geheimagenten verfolgt haben, die sich mit der Beschaffung hochvertraulicher Dokumente über die britische Militärmacht befaßten. Der Verdacht, daß die entwendeten Dokumente von der russischen Handelsdelegation in Photographien ober Kopien nach Moskau befördert wurden, wurde bekräftigt, als zu Anfang d. I. «in in der Luftstreitmacht beschäf- tgter britischer Untertan überführt wurde, zwei olcher Dokumente gestohlen zu haben. Dabei wurde i)ie Geheimorganisation und ihre Verbindung mit einer ähnlichen russischen Organisation aufgedeckt. Baldwin erklärte, Arcos und die russische Hândels- delegatlou seien gewohnheitsmäßig als Llearing- House für umstürzlerische Pressearbeit einschließlich der Kampagne: „Hände weg von China!" benutzt worden. Bei der kürzlichen Entwendung eines Dokumentes wurde beweiskräftig festgestellt, daß es zum Sowjèthaus gebracht worden war. Auf Grund dieser Information wurde die Ermächtigung zur Durchsuchung des Arcosgebäudes erteilt. Baldwin schilderte dann
die Tätigkeit in dem unterirdischen Phokoroum im Arcosgebäude.
Der in diesem Raum tätige Mann (Cooling) hatte eine Anzahl geschlossener Briefumschläge im Besitz, Die an bekannte kommunistische Personen und Or- ganisgtionen in England und in den Vereinigten Staaten adressiert waren. Sie enthielten Instruktionen und Weisungen der Roten Internationale. Auch hier ergibt sich wieder, sagte Baldwin, daß die Büros der Arcos und der Handelsdelegation als Clearinghouse für umstürzlerische Korrespondenz verwendet wurden, wozu auch die Berteilung kommunistischer Propagandaschriften in den Vereinigten Staaten gehörte. Im weiteren Verlauf seiner Darlegungen schildert Baldwin, wie die Polizei den Raum Millers erbrach und dort Miller selbst bei der Verbrennung von Dokumenten betraf. Als die Polizei sich der Papiere zu bemächtigen versuchte, entstand ein Handgemenge, in dessen Verlauf ein Schriftstück zur Erde fiel. Es enthielt eine Liste geheimer Deckadressen, die Bezug hatten auf Adressen für die Verbindung mit den kommunistischen Parteien in Landern verschiedener Erdteile. Es ist durch die Funde genügend bewiesen, daß unter der direk- ten Kontrolle der Sowjetbehörden ein System bestand, wodurch revolutionäre Dokumente von russischen Orgcunsationen geheim an kommunistische Agitatoren in England und anderwärts befördert wurden.
Zusammenfassend stellte Baldwin fest, daß das Beweismaterial bartue, daß von den Sowjets im ganzen Britischen Reiche und in Nord- und Südamerika Propaganda getrieben worden sei. Ein Unterschied zwischen den Mitgliedern der Handelsdelegation und den Angestellten der Arcos habe nicht bestanden. Die Sowjetregierung könne sich der Verantwortung für den Mißbrauch der ihr gewährten Rechte nicht entziehen Baldwin legte dar, daß durch diese Machenschaften die feierlichen Verpflichtungen der Sowjetreglerung, sich feindseliger Haltung und jeder Propaganda gegen die örtlichen Einrichtungen zu enthalten, gebrochen worden seien. Ferner habe die Regierung den Beweis in Händen,
daß Borodin keineswegs als Privatmann in China tätig sei, sondern direkte Befehle von
Moskau erhalte.
Baldwin verlas ein Moskauer Telegramm, in dem die diesbezüglichen Anweisungen über die Tätigkeit Borodins gegeben werden. Die Leugnung jeder Verantwortlichkeit für Borodins Betätigung, wie sie der Sowjetgeschäftsträger in London und Litwinoff in Moskau vorgebracht hätten, fei somit unwahr und lediglich darauf berechnet gewesen, die britische Regierung und die britische Oeffentlichkeit zu täuschen.
während Borodin tatsächlich seine englandfeindliche Tätigkeft als Agent der Sowjetregierung getrieben habe.
Weiterhin verlas Baldwin ein Telegramm des Sowjetgeschäftsträgers an die Moskauer Regierung, das etwa fünf Wochen nach der englischen Warnungsnote vom 23 Februar abgegangen ist. In ihm wird Nachrichtenmaterial über die Vorgänge in China angeforbert mit dem Zweck, die englischen Darstellungen in der Oeffentlichkeit zu widerlegen. Ferner forderte der russische Geschäftsträger eine Botschaft der Gewerkschaften von Schanghai an den Präsidenten des Generalrats des britischen Gewerkschaftskongresses, in der gegen die englischen militärischen Maßnahmen in China Einspruch erhoben und ein Appell an die britischen Gewerkschaften gerichtet wird.
Baldwin sagte zum Schluß:
Das Haus wird beachten, daß der Sotnjefner- lreter Informationen zum Zwecke eines politischen Feldzuges in England vorschlug. Angesichts dieser Verletzungen des Handelsabkommens und der internationalen Höflichkeit hat die Regierung eine Geduld und eine Ausdauer gezeigt, die wahrscheinlich in internationaler Beziehung ihresgleichen nicht hat. Diplomatische Beziehungen, wenn sie in solcher überlegten Meise und systematisch mißbraucht werden, sind eine Gefahr für den Frieden, und St. Majestät Regierung hat daher beschlossen, daß sie, außer wenn das Vaterhaus am Donnerstag sich picht damit zufrieden erklärt, das Handelsabkommen beenden wird, die Zurückziehung der Handelsdelegation und bet Lowjetmission aus London fordern und die britische Mission aus Moskau abberufen wird. Der gesetzmäßige Gebrauch der Arcos wird durch diese Entscheidung nicht berührt unb die Re- ?lerung ist bereit, alle notwendigen Vorkehrungen ur gewöhnliche handelserleichtervngen zwischen den beiden Ländern zu treffen.
Nachdem Baldwin geendet hatte, fragte Clynes ab beabsichtigt wäre, vor der Debatte am Donnerstag weiteres Material zu veröffentlichen. Baldwin erwiderte, er habe alles Material bekanntgegeben, das er im Hinblick auf die Debatte am Donnerstag geben konnte. Lloyd Georg« wies auf die vom Premierminister gitierten Schriftstücke hin und sagte, sie sollten veröffentlicht werden. Baldwin versprach, daß sie ausführlich wiedergegeben werden sollten. Kennworchy (Arbeiterpartei sagte, es sei ihm nicht klar, wie nach einem Vorgehen, was auf den Abbruch der Beziehungen hinauskomme, England noch Geschäfte mit Rußland würde tätigen können. Baldwin erwiderte, diese Frage sowie alle anderen könnten am Donnerstag erörtert werden.
âanzKMOe VvesseMmmen.
Paris, 25. Mai. Die Abendoreffe beschäftigt sich mit der Entscheidung der britischen Regierung, die Beziehungen zu den Sowjets abzubrechen. Sie unterstreicht, daß es seltsam sei, daß Tschitscherin in dem Augenblick, in dem London einen derartigen Beschluß verkündige, sich in Paris aufhalte.
Der „Iempss will keine Verbindung zwischen )em Besuche Tschitscherins in Paris und der Ent- chließung der britischen Regierung zulassen, auch ür eine Verbindung der Urlaubsreise des französi- chen Botschafters in Moskau nach Paris mit dem Vorgehen Londons. Es wäre ein Irrtum, so schreibt das Blatt, aus diesen Zwischenfällen auf eine weitgehende und sofortige Aenderung der französischen Politik gegenüber dèn Sowjets schließen zu wollen, eine Politik, die klar bestimmt war durch die Notwendigkeit, die Interessen und die Rechte Frankreichs wirkungsvoll ficherzustellen.
Der linksstehende „S 0 i r" warnt Briand vor einem übereilten Entschluß. Er sei ein entschiedener Anhänger der Entente cordiale, aber einer solchen, die keine Spitze gegen irgend jemand enthüll. Er wisse auch sicher, daß die Politik der Blockade das Werk von Locarno kompromittiere und daß eine moralische Blockade nach und nach zu einer materiellen führen müsse, was notwendigerweise allmählich zum Bruch der diplomatischen Beziehungen und durch die Logik der Ereignisse zu einer Art Kriegsfront führen müsse. c
Mn Ankvuß vuiMtbev OeSshVieV.
Moskau, 24. Mai. Telegr.-Agentur der Sowjetunion. Die Akademie der Wissenschaften veröffentlicht einen Aufruf an die englischen Gelehrten, in dem sie darauf hinweist, daß die mit der Durchsuchung der Sowjethandelsvertrctung verknüpften Ereignisse die Gefahr eines neuen Weltkrieges schaffen und die englischen Wissenschaftler und die gesamte denkende Menschheit zu einer Akäon für die Erhaltung des Friedens auffordert
Eins aufsehenevvegende GpLsnage-AffSve in Litauen.
ftotono, 24. Mai. Der litauische General Constantin K l e s z i n s k i ist ryegen Spionage zugunsten Rußlands verhaftet worden. Es steht fest, daß der General an die Sowjetgefandschaft in Kowuo
etwa 12 Geheimberichte über das litauische Heereswesen geliefert hat. Die litauische Geheimpolizei schritt zur Verhaftung, als Kleszinski in seiner Wohnung einem Beamten der Kownoer russischen Ge- sandschast ein neues militärisches Dokument aushändigen wollte. Der russische Beamte berief sich auf feine Immunität und mußte freigelaffen werden. Die Spionageaffäre erregt in Litauen großes Aussehen.
Angeblich soll sogar der Abbruch der diplomaS- schen und wirffchaftlichen Beziehungen zu Rußland geplant sein. Der Verhaftete ist einer der Organisatoren des russischen Heeres. Von 1919—1925 wav er Chef des Genralstabes.
rreMskaurlev Dr. Luthes in Svattkfnvt a.
Frankfurt a. M„ 24. Mai. Vor einem erwählten Kreise von Persönlichkeiten aus Handel, Industrie und Finanzen von Hessen und Hesien- Nafsau sprach- heute abend im „Frankfurter Hof" Reichskanzler a. D. Dr. Luther über die Wege zum Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens,
Nach Begrüßungsworten des Reichstagsabgeordneten Dr. Kalle, der in kurzen Ausführungen die Verdienste Dr. Luthers als Ernährungsminister, Finanzminister und Reichskanzler in Deutschlands schwerster Zett würdigte, ergriff Dr. Luther das Wort zu einer großangelegten Rede. Er gab zu Beginn feiner Ausführungen einen Ueb erblick über die politische Lage in der ganzen Well, wobei er zum Ausdruck brachte, daß wir jetzt mit ganz «ruderen politischen Aufgaben als früher zu rechneu hätten. Unser Volk sei noch nicht genügend davoa durchdrungen, daß wir jetzt mit einer Bedeutung d e r Außenpolitik für unser gesamtes Leben zu rechnen hätten, wie früher noch nie. Im Bilde der ganzen Erde hätten wir jetzt zum ersten Mal mit einem wirklichen Gesamtleben zu rechnen, obwohl selbstverständlich die einzelnen Völker- und Kulturkreise nach wie vor erhallen seien. Aus den gemeinschaftlichen Angelegenheiten der Menschhett hebt der Redner besonders die Hygiene heraus, dis z. B. verhindert habe, daß wir in Mittel- und Westeuropa nach dem Weltkrieg eine erhebliche Verminderung der Bevölkerung hatten und Die darüber hinaus durch Beseitigung der Seuchen und Verminderung der Kindersterblichkeit allmählich das Bild der ganzen Erde verändert habe.
Dr. Luther ging dann über auf das Problem der Staatsform der einzelnen Staaten und gab ein anschauliches Bild der Derfasiungsverhältnisse in zahlreichen Ländern der Erde. Im Vergleich hiermit zog der Redner Vergleiche zwischen dem englischen Zweiparteiensystem und dem deutschen Parteileben, das, wie die Entwicklung zeige, völlig vom Koalitionswesen beherrscht werde. Er verglich auch das jetzige Reichskabinett mit dem aus den gleichen Parteien gebildeten ersten Kabinett Luther, dessen Charakteristikum gewesen sei, daß neben den Parteiministern beamtete Minister vorhanden gewesen seien, so daß ein gemischtes System aus Parteivertretungen und den beamteten Kräften des Staatslebens bestanden habe. Bei Schilderung der sonstigen Kraftpunkte des neueren Völkerlebens behandelte er auch eingehend die Bedeutung und Ver- antworllichkeit der großen Wirtschaftskonzerne. Er kam zu dem Schluß, daß trotz Umstürzung so vieler gegebener Dinge aus den starken Ansätzen zu allerhand Neugestallungen die Ueberzeugung auf eine lebensvolle Neuordnung gewonnen werden könne.
In der Außenpolitik schilderte der Redner die Bedeutung aller bisherigen Schritte, würdigte dabei aber auch die großen Schwierigkeiten, in denen wir jetzt stehen. Dabei betont er besonders, daß die Entente durch Beschluß der Botschasterkonferenz vom November 1925 vor der Zustimmung des Reichstags zum Locarnopakt sich zu einer nennenswerten Verminderung der Truppen in den besetzt bleibenden Gebieten verpflichtet habe und daß der Antrag der Reichsregierung an den Reichstag auf Ratifizierung des Locarnopaktes überhaupt erst erfolgt sei, nachdem und weil dieses Versprechen nor liege. Wenn es jetzt nicht endlich in dem versprochenen Umfange eingelöst werde, so liege hierin der glatte Bruch eines gegebenen Versprechens.
Im zweiten Tell seines Vortrages stellte der Redner das Problem der Erwerbslosigkett in den Mittelpunkt. Die jetzige auf der Erde weit verbrettete, wenn auch zum Teil noch versteckte Erwerbslosigkeit sei durch die Wirtschaftswidrige Regelung im Vertrag von Versailles hervor- gerufen. So ständen wir jetzt tatsächlich anstelle des organischen Wunderbaues einer ausgeglichener Wirtschaft vor dem Kriege vor einem Geldverteilungsproblem, einem Produktionsverteilüngspro- blem und sogar einem Menschenverteilungsproblem. Nachdem der Redner sich hierüber im einzelnen ausgelassen hatte, betonte er, daß Deutschland in seiner politischen Machllosigkeit alles tun müsse, um die eigene Produktion zu stärken und nannte dabei neben der Landwirtschaft besonders die Stickstold