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Montag

t. 11V

den 23. Mai

und Lund

See Dzeanftus gesungen

Newvork-Varis in 33*/* Stunden.

JatU, 22. Mal. Vor einer vieltausendköpfigen isterten Menschenmenge hat sich gestern abend unerhörteste Schauspiel seit Jahren ereignet, berghs Apparat senkte sich am Samstag abend ! Uhr im Lichte der Scheinwerfer auf ben Ftug- von Le Bourget bei Paris. Der amerikanische plmann Lindbergh hat bei der Ueberquerung Atlantischen Ozeans 6000 film. in 33% Slun- alfo mit einer mittleren Stundengefchw-udigke!! 179 film.» zurückgelegt und damit nicht nur den die erste Ueber querung des Ozeans ausge- u Preis von 25 000 Dollar an sich gebracht, fon- auch den bisher von den französischen Fliegern e und Rignot mit 5396 film, gehaltenen Welt- nzrekord geschlagen.

fwei Erbteile zitterten in fieberhafter Span- g. 1% Tage lang arbeiteten ununterbrochen alle frage kommenden Radiostationen, um sich über Verbleib des Siegers Lindbergh zu unterrich- Alle Schiffe auf dem Meere waren signalisiert den und Hunderttausende von Passagieren, die lief er Zeit die Ueberfahrt von Europa nach Ame- unb zurück machten, eilten auf Deck, um nach Flugzeug des Trans-Ozean-Fliegers Ausschau halten. Ungeheuer war die Erregung in der ;en Welt. Das tragische Schicksal der Franzosen Messer und Coli hatte die Spannung dramatisch ngert. Würde es Lindbergh glücken oder nicht? nanb konnte es vorher wissen.

Dar schon das Unternehmen der Franzosen ge= ,t und mußte bei der kleinsten Panne zu einer I iiaftrppbe führen, so muß man Lindbergs Flug bezu als tollkühn bezeichnen. Er hat es gewagt, ist die einzige Begründung, die einzige Recht­auno feines Fluges. Was fehlte nicht allesi Maschine mußte bei einer Notlandung auf dem !re innerhalb weniger Stunden wegsacken. Der genommene Benzinballast war so schwer, daß )bergh, als er den Ozean erreichte, immer noch iO Meter Höhe fliegen mußte. Auch er verfügte r keine eigene Radioanlage. Seine Maschine zwar gut und erprobt, aber sie kann natürlich t den Ansprüchen, die man an ein Transozean- gzeug stellen muß, besonders wenn es dem Ver- dienen soll, genügen. Hinzu kamen die gegen- r den Franzosen noch phantastisch gesteigerten wierigkeiten dadurch, daß Lindbergh ganz allein 33 Stunden mußte er von vornherein darauf inen, das Steuer ununterbrochen in der Hand halten. 33 Stunden wachen; jede Minute Schlaf eutete den sicheren Tod. Dazu die Schwierig­en beim Manövrieren des Flugzeuges, die un= liche Eintönigkeit des Ozeans, das stets gleich- bende Lied des Motors und der Kampf gegen :digkeit und Erschlaffen der Nerven. Alle haben Wahnsinnige des Unterfangens schon vorher annt, aber niemand hat Lindbergh zurückgehal- , ihn, den Liebling des Amerikaners, den 25jäh- m Leutnant, der nur eine Siegeschance hatte: re Jugend. Nur durch sie konnte er die unge- ren Strapazen ertragen, sie ließ ihn die Schwie- keiten des Fluges nicht so gefährlich erscheinen, gegen die Erfolgaussichten in so rosigem Licht, j damit jede Stimme der Warnung übertönt rbe. Des Nordpolfliegers Byrd Apparat, der Mi einmal aufzusteigen versucht hatte, stand start- eit, Byrd war soweit von seinen Wunden ge- en, daß sein Abflug für Sonntag oder Montag er war. Worauf sollte Lindbergh warten? Seine ischine konnte nicht besser werden, eine Garantie

' gutes Wetter gab es nicht, und wenn er sich ein- l zu dem Flug entschlossen hatte, dann war leller Start das einzig Richtige. Chamberlain t seinem Begleiter Bertrand ist vorläufig von n Wettkampf zurückgetreten, weil sie mit der ugzeugfirma in Streit gerieten. Diese soll nicht genügende Gewähr dafür gegeben haben, daß Angehörigen der beiden Flieger im Falle eines -gischen Ausganges gesichert seien. Daraufhin hat lamberlain vorläufig aufgegeben. Lindbergh, der ige Mann, kannte solche Bedenken nicht, er hat n Leben eingesetzt, er brauchte für niemand an- rs die Verantwortung zu tragen.

Kaum läßt sich das Interesse, das man Lind- rgs Flug entgegenbringt, in beiden Erdteilen be­treiben. Riesige Menschenmassen sammeln sich vor n großen Zeitungsagenturen in Newyork, Paris vd in allen größeren Städten an, um auf Nach. Hten von Lindbergh zu warten. Obwohl es ziem- H ausgeschlossen war, daß vor 12 Uhr abends ropäischer Zeit Lindberghs Annäherung an das estland erwartet werden konnte, harrten Zehn- ib Hunderttausende geduldig aus. Auch in Frank­ich verfolgte man mit nicht minderem Interesse s in Amerika den Flug. Während man noch zu- st mit peinlichen Zwischenfällen im Falle eines luges eines Amerikaners rechnen zu müssen aubte, war nun die Stimmung so umgeschlagen, man sogar Lindbergh den Erfolg wünschte. Um= tffenbe Vorbereitungen waren getroffen worden, . Wie für

m dem Flieger den Weg zu weisen, ungesser und Coli in Newyork, lief

ungesser und Coli in Newyork, lief eine große anzösische Flottille von Kriegsschiffen aus, die mit tiesenschenwerfern den Himmel nach Lindbergh ab- ___________ ... _____ _________ ____

achten. Mehrere Flugzeuggeschwader waren aufge- überbringen, geben Sie ihm gleichfalls die Ver agen, um dem Amerikaner entaegenzuellen« sw " " *

Der Ozeanflug ist gelungen. Man muß den un­geheuern Mut, die zähe Energie bewundern, mit der Hauptmann Lindbergh seine Aufgabe angepackt und zu ihrem glücklichen Ende geführt hat. Das Ge­lingen der Ozeanüberquerung ist gewiß noch kein Beweis für die Möglichkeit, schon jetzt einen Dauer­betrieb mit Flugzeugen zwischen dèm europäischen und dem amerikanischen Kontinent einzurjchten. Man kann diese Fahrt zunächst nur als fpetuidje Leistung bewerten, aber als solche verdient sie die stärkste Bewunderung. Bisher ist nur ein einziges Mal die Ueberquerung des Ozeans zwischen Neu­fundland und Irland mit dem Flugzeug geglückt vor acht Jahren, als die beiden englischen Flieger SUcock und Brown vom 14. bis 15. Juni 1919 diese Strecke überflogen.

Die $tt8tmfi Lßtwbevshs in Le Bsttvget.

Paris, 22. Mai. Ueber die Landung des ameri­kanischen Fliegers Lindbergh auf dem Flugplatz Le Bourget waren Einzelheiten erst in den Morgen­stunden zu erfahren, well die Menge alle Verkehrs­mittel zwischen dem Flugplatz und Paris lahmgelegt hatte. Ein ohrenbetäubender Lärm der Tausende von Automobilen wurde vernommen, da die Volks­

menge wie eine Mauer stand. Telegraphenstangen wurden umgerissen, so daß auch die Leitungen' in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nach demParis Soir" sollen verschiedene Autos in Flammen aufge­gangen und Opfer an Menschenleben zu beklagen ,ein. Die Agentur Havas gibt in ihrer 6 Uhr-Mor- genausgabe nachträglich folgende Schilderung über Jie Landung Lindberghs: Im Augenblick der Lan- outtg durchbrach die auf 100 000 Personen geschätzte Menge die Polizeikette und suchte nach dem Teil des Flugplatzes zu gelangen, wo das Flugzeug nieder­gegangen war. Lindbergh wurde aus dem Flugzeug

Flugplatzes aelangen, wo das Flugzeug nieder­gegangen war. Lindbergh wurde aus dem Flugzeug gehoben, während man ihm eine ungeheure Ovation bereitete, im Triumphe in eines der Verwaltungs- aebäube getragen. Lindbergh erklärte, er habe den Wunsch, der Mutter des vermißten französischen Ozeansliegers Nungesser einen Besuch abzuslat- ten. Trotzdem die Menge ungestüm verlangte Linü- bergh solle sich auf dem Balkon zeigen, geschah das nicht. Der amerikanische Botschafter Myron T. Herrick erschien, um die Menge zu beruhigen. Lind­bergh war übermüdet und ein auf dem Flugplatz zu seinem Empfang erschienener amerikanischer ^rgt brachte ihn unbeachtet in seinem Auto nach Paris, wo er am Grabe des Unbekannten Soldaten vorbei­fuhr und dort einige Minuten verweilte. Kriegs­minister Painlevè hatte, sobald die Nachricht von ber Ankunft Lindberghs eingetroffen war, diesem durch seinen Kabinettschef seine Glückwünsche zu dem Ge­lingen des Fluges NewyorkParis ausbrütfeu lassen.

Lindbergh empfing in der amerikanischen Bot- shast zwtschen zwei und drei Uhr nachts einige amerikanische Journalisten. Nach demNewyork Herold" brachte er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, daß e^ihm gelungen fei, in |o kurzer Zeck den Ozean zu überfliegen. Er hätte noch 500 ober 1000 Meilen weiterfliegen können. Während des Fluges habe er über Neufchotlland und Neufund­land besseres Wetter gehabt, als es das Wetterbüio vorausgesaat hatte. Ueber dem Ozean sei er jebod; in einen Nebel geraten, den er durch Tiefer- oder Höhergehen nicht vermeiden konnte. Daraufhin sei er 1000 Steilen durch dichten Nebel geflogen. Im üdü= gen habe er oft die Höhe gewechselt. Bisweilen sei er in 10 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel geflo- gen, und dann habe er sich wieder in einer Hohe pon 10 000 yu& gehalten. Ein einzigesmal habe er in der Nacht die Lichter eines Schiffes auf bohcr See gesichtet. Am Tage habe er kein Schiff bemerkt Nah derChicago Tribune" waren die ersten

L»^»b-rs-s bei seiner Landung:Bin ich hier? Ist das wirklich Paris?"

Paris. 22. Mai. ZXe Havasagentur schildert die Folgen der gestrigen Kundgebung wie folgt: Heute morgen ist ber Flugplatz ein Schlachtfeld. Kleidungs­stücke, Stocke, Hute lagen überall verstreut. Die Fensterscheiben der verschiedenen Pavillons und die Türen waren zertrümmert. Erst im Verlaufe des heutigen Vormittags wurde bekannt, daß 10 Per- fönen Verletzungen erlitten hatten. Der Zustand von zwei Verletzten soll ernst sein. Um den Flieger in der Nacht nach Pans zu befördern, war es tut. wendig, die entgegengesetzte Richtung emzuschlagsn, damit man auf Umwegen die Stadt erreichen konnte. Erst gegen 2 Uhr vormittags traf Lindbergh in Paris ein, wo man in der amerikanischen Ge- sandschast ein Nachtlager improvisiert hatte

Glüskwuniebtelesvamm SoottdgeS.

Washington, 22. Mai. Präsident Coolidge hat an den Flieger Lindbergh ein Glückwunschtele­gramm gesandt in dem es heißt:Das amerikanische Volk vereinigt sich mit mir in der Freude über den glänzenden Abschluß Ihres heldenhaften Fluges. Der erste ununterbrochene Flug eines einzigen Fliegers über den Ozean ist ein Rekord, der der amerikani­schen Luftfahrt die Krone aufsetzt. Indem Sie Frankreich die Grüße des amerikanischen Volkes

stcheruug unserer Bewunderung für die unerschrocke­

nen Franzosen Nungesser und Coli, deren Kühnheit zum ersten Male das Wagnis Ihrer Tat unternahm, und bekunden ebenfalls unsere andauernde Befürch­tung wegen ihres Schicksals."

Paris, 22. Mm. Sofort nach Eintreffen der Nachricht von der Landung Lindberghs in Le Bourget hat der Präsident der Republik D o u m e r- gue an den Präsidenten der Vereinigten Staaten ein Glückwunschtelegramm gesandt, in dem er zum Ausdruck bringt, daß Lindbergh den Traum Nung­essers und Colis verwirklicht habe. Präsident Coolidge gibt in feinem Antworttelegramm an den Präsidenten Doumergue seiner Genugtuung Ausdruck über den Erfolg des jungen Mannes, der so mutig seinen einsamen Flug unternommen habe. Aber weder er, Coolidge, noch das amerikanische Volk vergäßen, an der Trauer und dem Verlust der beiden tapferen französischen Flieger teilzunehmen.

Bessiftsvuns in KewtzSVS.

Rewyork, 22. Mai. Ungeheure Menschenmengen tanzten, sangen und jauchzten vor Freude und voll­führten auf Pfeifen und Blasinstrumenten einen ohrenbetäubenden Lärm, als die Meldung über die Ankunft Lindberghs eintraf. Massen von Konfetti wurden von den Wolkenkratzern geworfen und »ec- udnkelten den Himmel. In den Fenstern erschienen Fahnen. Tausende versammelten sich vor den Nach­richtenbüros, um die Einzelheiten' zu erfahren, und lasen die Telegramme aus den andern Städten, wo eine gleeich unbändige Freude zum Ausdruck kam. Die Kirchenglocken läuteten und die Sirenen der Fabriken, Lokomotiven und Schiffe Heucken. Außer am Waffenstillstandstage waren ähnliche Kund­gebungen nicht erfolgt.

Glückwunsch des deutsche« SUeser.

Lindberghs glückliche Landung in Paris hat auch in ganz Deutschland und nicht zum wenigsten in Fliegerkreisen freudigen Widerhall gefunden. Die Bereinigung der ehemaligen deutschen Kriegsflieger sandte laut Montag dem erfolgreichen Piloten fol­genden Gruß:

In aufrichtiger Freude über das Gelingen Ihrer kühnen Fahrt beglückwünscht Sie der Ring deuftcher Flieger.

Siwe üniereeonnd mit Ltudbevsd

Paris, 23. Mai. DerMotin" veröffentlicht heute eine Unterredung mit dem Flieger Lindbergh. Lind­bergh erklärte, der schlimmste Teil seiner Fahrt sei der Empfang gewesen. Wenn Wind und Sturm ihn ebenso brutal behandell hätten, wie die 50 000 Per­sonen die ihn empfangen hätten, dann würde er niemals Paris erreicht haben. Lindbergh fährt dann fort; die Chance allein genügt nicht für ein der­artiges Unternehmen. Ich verfügte aber üoer das, was immer noch am besten ist, über ein gutes Flug­zeug, einen ausgezeichneten Motor und vorzügliche Instrumente. Ueber das Weller habe ich mich nicht zu beklagen brauchen; es war natürlich nicht so wie es die Meteorologen vorausgesagt hatten und vor­übergehend war es so fürchterlich, daß ich Lust hatte, umzukehren. Nachdem ich Neufundland passiert hatte, wurde das Wetter schlecht. Vor allem machte mir die Vereisung zu schaffen. Ich mußte auf drei Meter über den Meeresspiegel niedergehen und stieg zellweise auf 3000 Meter. Erst gegen Morgen konnte ich mittlere Höhe einhalten. Die Nacht war ehr schlimm.Umkehren? Es war zu spät. Ich beschloß, koste es was es wolle, den Flug fortzu- ietzen. Lindbergh gab seiner Erwartung Aus- oruck, daß eines Tages der Transozean-Flugverkehr durchgeführt wird. Es sei nur eine Sache des Geldes und des guten Willens.

Die Lsttdiasswable« in LNeMenbuvs.

Schwerin, 22. Mai. Bei den heutigen Wahlen zum Landtag war die Zahl der Wahlbezirke von 1500 bei den letzten Wahlen auf etwa 1000 herab­gemindert. Das Wetter war im allgemeinen günstig, doch setzten in einigen ©egenben nachmittags Regenschauer ein, die auf die Wahlbeteiligung nicht ohne Einfluß gewesen sein mögen. Allem Anschein nach war die Wahlbeteiligung namentlich in den Städten von bürgerlicher Seite größer als bei den letzten Landtagswahlen am 6. Juni v. I., bei der nur 70 Prozent der Wahlberechtigten zum Wahl­lokal gekommen waren. Gegen 4 Uhr war in Schwerin schon eine Wahlbeteiligung von über 70 Prozent erreicht.

Schwerin, 23. Mai. Es fehlen nur noch wenige ländliche Bezirke: Vorläufiges Ergebnis: Sozial­demokraten 121196, Deutsch-Rationale 67 804, Deutsch-Völkische 17 231, Deutsche Volkspartei 23 754, Kommunisten 14 678, Wirtschaftspakte' 32 496, Demokraten 8715, Gruppe für Dolkswohl- fahrt 9848, Nationalsozialistische Arbeiterpartei 5473 Stimmen.

Die Folgen dee Londonev Stadia

Conbo n, 21. Mai. Nach wie vor beschäftigt sich 4/ hiesige Presse lebhaft mit der Frage, ob die Beziehungen zu Rußland abgebrochen werden sollen oder nicht. In gewöhnlich gut unterrichteten Krei­sen wird versichert, durch die Razzia seien gegen die Arcos verblüffende Informationen in die Hände der Regierung gebracht. Es gelte als sicher, daß eine Aktion gegen die beteiligten Personen unternommen werde.

Daily Rew schreibt: 3m Kabinett herrscht noch keine Stoffimmiateil in Messe Sache.

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Dagegen behauptetEvent ag Standard", daß auch Chamberlain zu der Auffassung ge­langt sei, daß ein Bruchunvermeidltchfel.

Manchester Guardian" will wissen, daß ein wichtiges Dokument gefunden sei, über das im Ausschuß beraten werden solle.

Sinidttn© mit de« Küssen in (Senf

Genf, 22. Mai. Nach den privaten Bespre­chungen des Sonntag halte Ossinski gegen Mitter­nacht eine Besprechung mit Theunis, dem Präsiden- len der Wellwirtschaftskonferenz, bei der nach einer Mitteilung von russischer unterrichteter Stile die Schwierigkeiten beigelegt werden konnten, die durch die gestrige Abstimmung der russischen Delegation gegen das Lntschliehungswerk der drei Hauptaus- schüsse entstanden waren. Auf Grund dieser Rege­lung wird, so verlautet von russischer Seite, die sowjetrussische Delegation sich bei der en bloo- Ab­stimmung enthalten, während Andererseits die kon- feren; der am Samstag vom*sogen. Verbindungs­ausschuß einstimmig angenommenen Einignngs- formel in Bezug auf den bekannten sowjelrufsischen Antrag zustimmen wird. Die auf Montag vormittag angesetzte Vollsitzung der Konferenz wurde auf dea Rachmitlag verlegt. Der Montag vormittag bleibt den Beratungen des Verbindungsausschusses Vorbe­halten. Mit der Rachmillagssihung wird die Welt- Wirtschaftskonferenz wahrscheinlich abgeschlossen werden.

SfWft&eein in Savis

Paris, 23. Mai. Die Humantis berichtet, daß gestern abend Tschitscherin in Pars eingetroffen ist. Er wurde vom Sowjetbotschafter empfangen und ist in der Botschaft abgestiegen.

Goziaidemskvaiiickev Keichs- pavteiiag.

Kiel. 22. Mai. Hier nahm heute der diesjährige Parteitag der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, zu dem mehr als 400 Delegierte aus dem ganzen Reich emgetroffen find, feinen Anfang. Unter den Gästen befinden sich auch zahlreiche Vertreter aus dem Auslande, u. a. aus Italien, Frankreich, Polen, der Tschechoslowakei und Rußland. Ferner bemerkte man sämtliche führenden Sozialdemokraten aus Reichstag und Einzelparlamenten, darunter den preußischen Mini­sterpräsidenten Braun, Minister u. D. Severing, Reichstagspräsident Löbe, den preußischen Land­tagspräsidenten Bartels und den preußischen Innen­minister Grzesinskij.

Zunächst fanden einige Spezialoeranstoltungen statt. So hielt unter dem Vorsitz des Reichstags­präsidenten Löbe und der Reuhsiugsabgeordneten Frau Schröder die sozialdemokratische Arbeiterjugend eine Kundgebung unter freiem Himmel ab. Ferner tagte der Kcmmu - nalausschuß, der eine besondere Zentrale für kommunalpolitische Fragen bildete. Die Reichs- konferenz der sozialdemokratischen J u r i st e n hielt gleichfalls eine Versammlung ab, in der eine umfangreiche Resolution angenommen wurde, die Aenderungen des Strafgesetzbuches, u. a. Abschaffung der Todesstrafe, verstärkten Schutz der Arbeiterschaft vor Ausbeutung und Beseitigung des jetzigen Mißbrauchs des Hoch- und Landesverrats- Paragraphen fordert.

In der öffentlichen Versammlung b-grüßtr. Reichstagsabgeordneter E g g e r st c d t die Erschie­nenen. In einer Parallelversammlung sprach Phi­lipp Scheidemann. Eggerstedt hub hervor, daß mit Kiel unlöslich verbunden sei der Name des großen Sozialdemokraten Karl Legien, dessen nüchterne Realpolitik und ruhige Selbstsicherheit die Richt­schnur sozialdemokratischer Politik gewesen sei, die dahin trachte, Schritt für Schritt das Gemeinwesen für die Arbeiterklasse zu eröffnen. Der Redner hob hervor, daß trotz des agrarischen Einschlags d-c Sozialdemokraten Holsteins bei l% Millionen Ein­wohnern 47 000 organisierte Parteimitglieder haben Er erklärte:Unsere Bewegung, die die Gleichbe­rechtigung aller Menschen erstrebt, ist nie einseitig eine Bewegung der Männer gewesen. Sie wird ge­tragen von der ganzen Familie. Wir haben Ver­trauen zu unseren gewählten Führern und möchten ihnen in dieser Stunde sagen, habt ihr auch Ver­trauen zu uns."

Reichstagsabgeordneter Hermann Müller dankte den Kieler Parteifreunden für die herzliche Aufnahme und führte u. a. aus:Karl Legien war einer jener Männer, die unablässig an sich selbst arbeiteten, um das Höchste zu erreichen, was einem Parteiführer beschieden sein kann:Geliebt zu sein von den Massen und geachtet von den Geg­nern". Der Redner erinnerte dann an die Revo­lution, in der den Kreisen in Berlin, die am Alten hängen. Kiel das Schreckwort geworden sei, weil in Kiel das Signal gegeben wurde zur Revo­lution, weil in Kiel 1918 die Deutschen zuerst die Geduld verloren haben, nachdem sie jahrelang an­gelogen worden waren. Die Kieler Revolution war der Schritt Verzweifelter in eine dunkle Zukunft. Der Kampf um die Erhaltung des uns verbliebenen Restes vom Reich ging bis in das Jahr des Ruhr­einbruchs 1923 hinein, und es ist den deutschen Ar­beitern und Angestellten in erster Linie zu danken, wenn das Restgebiet Deutschlands uns einheitlich erhalten geblieben ist. Noch nicht erreicht haben wir den Anschluß unserer ö st e r r e i ch t - icbeo Brüder. Wir habe« aber den Sieg der