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Sie Amerikaner zur Wirtschaftslage
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Genf. 6. Mai. In der Vormittagssitzung behan- e der amerikanische Hauptvertreter nry Robinson, ein Mitglied des Dawes- ritees, die Fortschritte auf dem Gebiete der tionalisierung, Standardisierung und Vereinjung in den Vereinigten Staaten. Die Slellung- >me zu den wichtigsten europäischen Wirtschafts- »blemen formulierte Robinson folgendermaßen: Da wir vorläufig noch nicht genügend Anhalts- ikte besitzen und ès uns an einer intimen Kennt- der europäischen Krisenursachen fehlt, so behal- wir uns vor, später unseren Standpunkt zu mutieren. Heute können wir nur sagen, daß ,ie Zollschwierigkeilen und die Versuche geschäfk- icher Benachteiligung, die sich verschiedene uropäische Staaten zu Schulden kommen assen, einer allgemeinen Besserung der inler- nationalen Handelsbeziehungen hinderlich sind mb die Gesundung Europas unmöglich machen.
ie eingehende Debatte über das Wesen der Ratio- ifierung konnte leicht zu einer breiten Verstän- ung über eine Zollpolitik führen, die von brüsken 5 gewaltsamen Methoden entfernt ist. Die Ver- Heittlchung der Tarifs gehört gleichfalls in diesen agsnkömplex.
Ich werde nicht versuchen, auf Einzelheiten in
I a.r t ellierungsfrage einzugehen. Der lerifanifche Standpunkt ist im allgemeinen fol- rder: Wglich ist, daß aus solchen internatio- len Gruppierungen der Industrien gewisse Vor- le zu ziehen sind, aber letzten Endes hängt das n den Absichten derjenigen ab, die sich an der ^ 'er ."inhuürie ^finden Die gariMIierung bet vielleicht ein Verfahren, durch das die Beseiti- ng der Zollschlagbäume und der Handelshinder- ie in Europa möglich ist. Die europäische Jn- Ürie käme vielleicht in eine bessere Lage, und in konnte dann den Augenblick ruhiger abwarten, ' politische Bedingungen für die volle Beseitigung r Zollschranken geschaffen werden. Wird aber e Kartellierung nicht in korrekter
nntlich
eise gehandhabt, so könnte sie auf n falsches Geleise geraten, wie dies i den amerikanischen Trusts be- n n t l i ch geschehen i st.
Unsere Erfahrung lehrt uns, so schloß Robinson ne Rede, daß die Prosperität als ein Ganzes zu irachten ist. Kein Industriezweig vermag sich jetzt entwickeln, wenn Depressionen und Unsicherheiten rhanden sind. Keine Nation kann ihre wirtschaft- X Tätigkeit voll entfalten, wenn andere Völker- !ise schwer zu kämpfen haben. Das amerikanische )lk ist am Frieden und Gedeihen Europas sowie r übrigen Welt am meisten interessiert.
Die Rede des Vertreters der amerikanischen inftoeü machte insesondere in deut- f)en Delegationskreisen einen star - n Eindruck, denn Robinson lieferte wichtige Zichtspunkte hinsichtlich der Behandlung indu- "tetter Fragen und Gegenstände. Er zeigte, daß e führenden Beamten des amerikanischen Han- lsdepartemeitts umfangreiche Fachkenntnisse be= jen und daher für die Darlegungen Industrieller ld Großkaufleute volle Sachkenntnis aufbringen, -ährend diese amerikanischen Funk- onare dem Wirtschaftsleben und em Handel entnommen werden kamen die deutschen Beamten zum über- iegenden Teil aus der juristischen Wissenschaft. Eine Umgestaltung gewisser '"sicher Regierungsstellen durch Eingliederung oe- "ders geschulter Beamten wäre für die Förderung •r deutschen Industrie und des Handeis sehr er ünscht. Auch in England hat das von Robinson lieferte Beispiel bereits Nachahmung gefunden.
Unter den übrigen Rednern machte sich der -chwede Riedbeck durch eine scharfe ritif der gegenwärtigen Handels- ertrage bemerkbar. Er erklärte, daß der «eistbegünstigungsbegriff absichtlich getrübt und ßalscht würde, um gewissen Nationen Vorteile zu chern. Durch die verschiedenartige Auslegung und nwendung der Meistbegünstigungsklausel sei man u Unmöglichkeiten gekommen, die nur dadurch be- Aigt werden können, daß man endlich zur ein- eülichen Feststellung des Meistbegünstigungsbe- rufs gelange. Mehr und mehr gewinnt man den mdruck, daß die Konferenz ihre Haupt rnstrengung orauf richtet, widerspruchsvolle Urteilt Wirtschaftler und kommerzieller Na-ur zu beseitigen.
Do man wenig Hoffnung hat, die großen Wirt- hopsfragen, wie Kartellpo'itik, Vereinheitlichung 'er Zolltarife, Vorbereitung von handelspolitischen Vereinbarungen großen e^ls abzuschttehen, so ('itö es ..otwendig sein, ein Mindcstpr.'gramm zu ’ttebigen. Na ch deutscher Ansicht wäre es 11 o g (i d), über folgende Punkte einig f,u werden: Klarstellung derjenigen wirtschaftlichen Tatbestände, die bts = 9 ® r eine verschiedenartige Au slegung ^"fahren haben, z. B. das Kartellie- rungswefen und die Rationalisierung. Zum erstenmal wird man imstande fein,
die Urteile und Vorstellungen der Wirtschaftler aller hier vertretenen Staaten über das Wesen der Kartellierung zu hören. Es wird interessant sein, wie sich die Fachleute zu der Idee Loucheurs, einer Genfer Kontrolle für internationale Kartelle, äußern und inwiefern die nichteuropäischen Staaten für solche Zusammenschlüsse empfänglich sind.
^§88 W$fM Högerr NsssaMss.
Die unzweifelhaft, bedeutendste Rede hielt heute nachmittag der berühmte englische Volkswirtschaftler und Mitglied der englischen Abordnung, der Her- ausgeber^dss Economist, W. T. Layton, der mit großer Schärfe die Ansicht vertrat, daß die These, wonach die Gesundung in einer Rückkehr zu den Verhältnissen vor dem Krieg bestehen müsse, zwar für eine Finanzkrise, aber nicht für die Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit zutreffend sei. Eine derartige These wäre ein Irrtum, weil vier grundlegende Aenderungen seit dem Kriege eingetreten seien: Erstens habe sich die Industrialisierung der Länder in der ganzen Welt erheblich gesteigert. Zweitens unter den kapitalausführenden Ländern feien die Vereinigten Staaten erschienen, die aus Schuldnern die Gläubiger der Welt geworden feien. Gleichzeitig aber hätten die Vereinigten Staaten die Einfuhr aus Europa immer mehr eingeschränkt, und es wäre, wie der Redner hier beifügt, interessant,- wenn die amerikanische Abordnung Aus- künfte-über ihre Handelspolitik im Lauf der nächsten zehn Jahre geben könnte. Auf jeden Fall wäre es vorsichtig, wenn die europäischen Regierungen ihre Politik auf die Hypotheke einstellen würden, daß Amerika weiter freigebig Kapital PprschießW, aber nichts in Europa kaufen werde. Layton hast es für uwgüch, daß eine Art dreieckiges Handelssystem verwirklicht werden könne, indem Amerika die natürlichen Erzeugnisse der tropischen Länder in hinreichenden Mengen kaufen kann, um die Liquidierung seiner Gläubigerstellung zu. ermöglichen. Drittens ist eins Veränderung in der Bewegung und Verteilung der Bevölkerung der verschiedenen Länder eingetreten. Mertens führt Layton einen wichtigen Faktor an, den er folgendermaßen defi-
Die Veränderung die in den Handelsbeziehungen per beteiligten Lander durch die Regelung der Entschädigungen und der infolge des Krieges singe- gangenen internationalen Schulden hervorgerufen wurde. Die Schuldnerstaaten müßten ihre Ausfuhr entwickeln, bamit diese einen lleberschuß über das hinaus ermöglichen, was zum Zweck der unentbehrlichen Einfuhr erforderlich ist, und die Gläubigerstaaten müßten gewillt sein eine Rege- tung in der entgegengesetzten Richtung hinzunehmen Die endgültige Anpassung des internationalen Handels, die durch diese Schuldenzahlungen notwendig geworden ist, steht noch aus.
Außer diesen vier Veränderungen in der Weltlage sind nach Laywn eine Anzahl von durch Europa selbst^ bedingte Veränderungen der Vorkriegs- zert gegenüber festzustellen, die man, obgleich sie einen politischen Charakter haben, hier nicht völlig übersehen dürfe, weil ihre Folgen eines der we- sentlichen Elemente der zu untersuchenden Wirt- schoftsloge darstelle. Es find dies erstens die Lage Rußlands, besten internationaler Handel vor dem
Indiens überlegen war, während er
in der Gesamtheit des Welthandels verhältnismäßig eine geringere Rolle spielte als der Dänemarks vor dem Kriege. Ohne den Krieg wäre Rußland wahrscheinlich der Periode eines großen Aufschwungs seines Außenhandels entgegengegangen. SWan könne noch nicht Voraussagen, wann und wie man den unvermeidlichen Streit zwei einander ent- gegengesetzter Systeme lösen kann, aber man dürfe S-ellelcht .die russische Abordnung fragen, welche Möglichkeiten in der gegenwärtigen Lage der Wirt- schaftsbeziehungen bestehen, um den internationalen Handel Rußlands zu seinem Stande der Vorkriegszeit zuruckzufuhren. 9
Als zweite politische Erscheinung behandelle Leyton sehr eingehend die Zersplillerunq Mitteleuropas, das heute 11000 Kilometer Zollschranken
«As vor dem Kriege und fuhr fort: Die Zersplitterung Europas hat verhindert, daß Europa an der neuen wirtschaftlichen Veränderung, nämlich emem beträchtlichen materiellen Fortschritt, nicht tsilgenommen hat. Solche kleine Wirtschaftseinheiten konnten sich vor 50 Jahren noch halten. Sie sind aber bei den modernen Produkttonsmethoden ein Anachronismus geworden. Angesichts der von Grund auf neuen industriellen Verhältnisse in Europa müssen neue Pläne ausgestellt werden, um die inzwischen entstandenen wirtschaftlichen Schwierigketten zu lösen.
Der wirtschaftliche Reichtum Europas bildet ein ganzes und wird sich nur als solches entwickeln oder zusammenbrechen. Die einzelnen Staaten können ihr wirtschaftliches Gedeihen nicht auf die Dauer auf dem Zusammenbruch der Nachbarn aufbauen. Alle Versuche zur Verwirklichung von Gewinnen und Einschränkung der Produktton werden niemals dauernden Wohlstand begründen. Schließlich darf Europa nicht vergeßen, daß es mit dem industriellen Fortschritt anderer Lander nur gleichen
Die Me.
Die innenpolitische Ruhepause ist zu Ende Die Reichsminister sind aus ihrem Osterurlaud nach Berlin zurückgekehrt und haben am Donnerstag ihre erste Sitzung nach dem Osterfest abgehalten. Der Preußische Landtag hat bereits am Dienstag seine Arbeiten wieder ausgenommen, die verschiedenen Reichstagsausschüsse sind ebenfalls Mitte der Woche wieder zusammengetreten und für den Reichstag selbst ist der Wiederzusammentritt auf kommenden Dienstag festgesetzt. An Arbeit ist sowohl für das Reichskabinett, das sich vor allem mit der Verlängerung des Republikschutzgesetzes, ferner mit dem Schulgesetz, beides heikle Probleme, zu beschäftigen hat, wie für den Landtag, der mit der Etatsberatung bekanntlich ziemlich stark im Rückstände ist, und Probleme wie Polizeibeamtengesetz, Städtebaugesetz, Landgemeindeordnung und Städteordnung zu erörtern. hat, kein Mangel vorhanden. Auch die Gesetzesmaschine des Reichstages wird ein weites Betätigungsfeld vorfinden. In letzterer Beziehung sei nur erinnert an die Beratung der Entwürfe eines neuen Strafgesetzbuches, der Handwerksnovelle, des Schankstättengesetzes, des Zwischenkreditgesetzes für den Wohnungsbau usw. Darüber hinaus wird sich der Reichstag mit einer Reihe außenpolitischer Vorlagen zu beschäftigen haben, so daß die kommende Session von ziemlich langer Dauer sein wird. Von der Oppositionspresse ist in den letzten Tagen wiederholt ausgeführt worden, daß in der gegenwärtigen Regierungskoalition im Reiche, wie im Reichskabinett selbst große Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten vorhanden seien und daß die nächsten Wochen oder Monate eine Kabinettskrise bringen würden. Anlaß zu diesen Krisengerüchten habeS einige Reden gegeben, die während der Osterferien von einigen Ministern gehalten worden sind, und aus denen man Gegensätze in innen- wie außenpolitischen Fragen konstruieren zu können glaubte. So stellte man einer Rede des Reichsernährungsministers Dr. Schiele, * der sich in Braunschweig für die Förderung der Binnenwirtschaft einsetzte, eine Rede des Reichsaußenministers Dr. Stresemann bei der Hundertjahrfeier in Bremerhaven gegenüber, in der dieser die Notwendigkeit internationaler Handels- und Wirtschaftsbeziehungen betonte. Ferner wurde im Anschluß an eine Rede des deutschnationalen Reichsjustizministers Dr. Hergt über die Ziele des Reichskabinetts das Gerücht verbreitet, die Deutschnationalen seien an der Arbeit, Stresemann „abzusägen" und sie hätten bereits unter der Hand mit ihren „Freunden im Zentrum" über einen Nachfolger des gegenwärtigen Außenministers beratschlagt. Die „Germania" hat die Richtigkeit dieser letzteren Behauptung in Zweifel gezogen und betont, daß die Oppositionspresse den Differenzen innerhalb der Regierungskoalition zu große Bedeutung beilege. „Es ist natürlich", so schrieb das genannte Blatt, „daß in einer Koalition, die von den Deutschnationalen bis zum Zentrum reicht, Gegensätze vorhanden sind, daß über Einzelfragen der Tagespolitik Meinungsverschiedenheiten bestehen. Das sind Schwierigkeiten, mit denen jede Koalitionsregierung zu rechnen hat. Nachdem diese Regierung nun einmal gebildet worden ist, nachdem endlich ein Mehrheitskabinett do ist, kann man nur wünschen, daß ihm die Möglichkeit des Weiterarbeitens erhalten bleibt. Nicht zuletzt im Interesse der Republik selbst, die auf die Dauer eine Regierungskrise nach der anderen nicht vertragen kann. Die Politik der Regierung ist an bestimmte Richtlinien gebunden. Gewiß geben diese Richtlinien nicht für alle Tagesfragen die Lösung an, aber für die Hauptprobleme unserer Politik bestimmen sie die allgemeine Richtung. Jeder Versuch, die Außenpolitik in andere Bahnen zu drängen, könnte zu einer Krise führen. Dasselbe gilt für die Hauptfragen der Innenpolitik. So groß die Schwierigkeiten auch sein mögen, scheint uns kein berechtigter Grund für die Annahme vorzuliegen, daß sich eine Krise vorbereite." Der letzteren Auffassung schließen auch wir uns an. Schwierigkeiten, Meinungsverschieden- heiten werden in jeder Koalition bestehen und es wäre töricht, das Vorhandensein von Gegensätzen zu leugnen. Doch derartige Differenzen sind noch lange kein Grund zu einet Krise. Oder sind etwa in der Preußen-Koa- itton keine Meinungsverschiedenheiten vorhanden? Mit Recht hat denn auch die „Germania" weiter erklärt, daß die Preußen-Koa- '***» schon längst auseinandergefallen wäre,
Schritt halten kann, wenn ihm seine wirtschaftliche Organisation eine Spezialisierung nicht nur zwischen einzelnen Unternehmungen, sondern auch zwischen einzelnen Ländern ermöglicht, was wiederum nicht nur eine Vermehrung des internationalen Warenaustausches im weitesten Sinne des Wortes» sondern auch eine starke wirtschaftliche Zusammengehörigkeit und wachsende Zusammenarbett auf vielen Gebieten und in viel höherem Ausmaße als in der Vergangenheit bedeutet. Layton, der in seinen Ausführungen drei sehr eindrucksvolle statistische Zahlen Europas nannte, nämlich 10 000 000 Menschen, deren Ernährer arbeitslos sind, ferner 11 000 Kilometer neue Zollgrenzen und 2% Milliarden Dollar jährliche Rüstungsausgaben, erntete für seine Darlegungen sehr nachhaltigen Beifall.
Die Ve^ÄKdIZrsrs dss Msititattb-
Kritik eines französischen Nationalisten.
Varis, 6. Mai. Jacques Bainville stellt in seiner Action Francaise Betrachtungen über eine etwaige Rheinlandräumung an, die auch in D^itschland Beachtung verdienen. Er schreibt u. a.:
Die französische Diplomatie verschanzt sich hinter die Forderung, daß das linke Rheinufer nach seiner Befreiung einer militärischen Ueberwachung unterworfen werden müsse, die dann dem Völkerbund anvertraut werden soll. Das wäre das „angemessene Tauschgeschäft", oAi dem ein Regierungsblatt sicherlich nicht bloß auf eigenen Antrieb gesprochen hat. Es wäre gar nicht unmöglich, daß Deutschland wenigstens grundsätzlich, einen derartigen Ausgleich «nähmen wur^^, ja iym der Abmarsch der letzten französischen Soldaten aus Mainz als das wichtigste erscheint. Aber ein solcher Grundsatz könnte auch sehr verschiedenartig ausgedeutet werden. Im besonderen wäre es den Deutschen dann sogar leicht, die Auffassung zu verfechten, daß das Elsaß auch auf dem linken Rheinufer liegt, und daß auf dieses Gebiet angemessenerweise die Entmilitarisierung ebenso wie die Ueberwachung sich gleichfalls erstrecken müsse. Denn, wenn in der Besetzungsan- gelegnheit die Schwierigkeit darin besteht, das Abkommen von Locarno mit dem Vertrag von Versailles in Einklang zu bringen, so ist es ganz allgemein widersinnig, weiterhin ein Land als besiegt zu behandeln, das gleichberechtigt im Völkerbundsrat sitzt«
Jacues Bainville ist ein Nationalist von reinstem Wasser und ein Deutschenfeind. Aber es muß ihm zugebilligt werden, daß sein Deutschenhaß ihn sehr oft den Blick für die Wirklichkett der Dinge schärft. IWZMstsfaW èm W^zSaSarsssichsttz.
Berlin, 6. Mai. Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages kam es heute bei der Beratung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes zu einem Zwischenfall. Dem Ausschuß war eine Eingabe einer großen Reihe von Angestellten zugegangen, in der die Einfügung von Ersatzkassen in das Arbeitslosenversicherungsgesetz verlangt wird. Da diese Eingabe auch von den im Deutschnationalen Hand- lungsgehllfenverband tätigen Abgeordneten Lambach (Dntl.) und^Thiel (D. Vpt.) unterzeichnet war, wurde von den Sozialdemokraten die Frage an die Regierungsparteien gerichtet, ob sie etwa hinter dieser Eingabe ständen und sie sich zu eigen machten. In diesen! Falle würde eine Weiterberatung zwecklos sein. Gleichzeitig stellten die Sozialdemokraten einen Antrag, der Ersatzkassen ausschließt.
Die Ausschußsitzung wurde schließlich um mehrere Stunden vertagt, um den Regierungsparteien Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Der interfraktionelle Ausschuß trat zusammen, und in der neuen Sitzung wurden die Anträge, die die Zulassung von Ersatzeinrichtungen neben der zentralisierten Organisation der Arbeitslosenversicherung ermöglichen sollten, unter Stimm enthal- tu wg der Regierungsparteien abgelehnt. Endgültig wird jedoch die Frage, ob Ersatzkassen neben der Zentraleinrichtung noch gestattet werden sollen, erst bei der zweiten Lesung dès Ausschusses entschieden werden, nachdem die Fraktionen dazu Stellung genommen haben.
See MMtifite und See teMfAe Gtsdistas.
Koblenz, 6. Mai. Der Vorstand des deutschen und des preußischen Städtetages tritt am kommenden Montag und Dienstag hier zusammen, um sich vor allem mit dem Finanzausgleich in Preußen und im Reich zu beschäftigen. Wahrscheinlich wird auch das bevorstehende Ausscheiden Berlins aus dem preußischen Städtetag behandelt werden, da der Berliner Oberbürgermeister Böß an den Vorstand folgendes Schreiben gerichtet hat: „Die Berliner städtischen Körperschaften werden aller Voraussicht nach in den nächsten Tagen den Austritt aus dem preußischen Städtetag beschließen und bezüglich der Mitgliedschaft zum deutschen Städtetag möglicherweise den gleichen Beschluß fassen. Ich bedauere daher, an der am 9. und 10. Mai in Koblenz stattfindenden Tagung nicht teiluehmen zu sönnen.